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Heiner und Barbara

Hermann Eris Busse: Heiner und Barbara - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleHeiner und Barbara
authorHermann Eris Busse
year1936
firstpub1936
publisherPaul List
addressLeipzig
titleHeiner und Barbara
pages304
created20180205
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sprache der Liebenden
Sei die Sprache des Landes,
Ihre Seele der Laut des Volkes!

                  Friedrich Hölderlin.

 

Die Ansage

Der Hang des Unlandes ist schon blau von Leberblümchen. Endlich siegt der Frühling. Von Tag zu Tag rollt die Sonne über die Waldränder in höherem Bogen. Es ist immer das gleiche staunentrunkene, süße Lied, wenn der Schnee weggeht, und wird nie ausgesungen, solange es Menschen gibt. Der Frühling weht mit seinem blauen, blauen Band ins Tal, die Amsel bricht in ihre Wipfelsänge aus, es dampft der Acker und braust der Bach, und durch die zarten Buchenwälder eilt es wie Hirtenlachen, obschon Pan längst nicht mehr leben soll.

Was soll der Dichter immer wieder, wie es das Leben immer wieder tut, der Liebe Weise neu und festlich künden, wie es zwei packt, wie es zwei trägt in Seligkeit und zwei schlägt in Leid, und, wie es sie trennt in Not und fügt in Glück, besingen.

Die jungen Leute könnten wirklich einmal sagen: Ach, laßt uns doch in Ruhe, ihr Dichter, mit dem alten Lied der Liebe in euren Geschichten, wir wissen doch, wie Liebe ist, und wir werden es schon selbst erleben, was man dabei zu gewinnen und zu verlieren 8 hat. Es gibt vielleicht Soldaten in Uniformen und mit heldischem Herzen versehen, die meinen auch, es sei an der Zeit, die Liebesgeschichten sterben zu lassen und dafür harte Mannsmär zu berichten.

Doch wenn sie im Frühling, sie sagen vielleicht sachlich im Frühjahr, einen herben Schwarzwaldhang sehen, über und über bebläut von den zarten Leberblümchen, und wenn sie, an den Himmel blickend, niesen müssen, weil der scharfe Glanz der blanken Sonne ihnen in die Nase fährt, dann – ja dann eben dichten sie selber! Und wenn das Leben es gut mit ihnen meint, läuft die Liebe ihnen in die Arme wie in der allerwahrhaftigsten Geschichte der Dichter, und es geht nichts darüber, so etwas hat noch nie ein anderer Mensch erlebt, niemals ist so geliebt und soviel erfahren worden durch die Wege und Irrgärten der Liebe, wie es jeder einzelne gläubig und hingegeben für sich erlebt. Und so bleibt der unwandelbare Vorwurf der Dichter doch tausend Wandlungen fähig, solang die Frühlinge immer wieder gleich und ohnegleichen, doch immer wieder neu beginnen – der Seelen- und der Schicksalsweg der Liebe.

Je mehr wir davon wissen, um so wissender macht uns der Dichter, und wenn ein herbes, keusches Knabenherz, das heile Herz des künftigen Kämpfers, auch mit dem Munde anders redet, kalt, unsinnig, frech über die – Sachlichkeit der Liebe, so wird es insgeheim glücklich, wenn es erfährt, daß über das feile Spiel (wie es ihm wohl geschienen) die hohe, geheimnisstolze Liebe siegt.

Pan steht zwischen den Birken ob dem Unlandhange, blau von Leberblümchen, und lockt in jedem 9 sonnigen Tag. Wo aber die Tannenstämme steil und gezirkelt die Wälder bauen im hohen Gebirg, da trabt das Einhorn lautlos auf den Nadelböden, und aus dem dämmernden Grün glänzt schreckend her das Weiße seines großen, stillen Auges.

Und es bleibt so, daß nur Liebende und ihre Dichter diese Geister sehen und spüren und daß es erschütternd und schön ist, davon mit allem Drum und Dran, mit allem Linden und Gefährlichen, dem Sanften und dem Gierigen erzählt zu bekommen, selbst wenn der mannhafte Mund es seinem Herzen ableugnen will. Es ist auch hierbei, nehmen wir es von den vielen Männern und Frauen ab, die stets vor der Jugend schon gelebt haben, noch nie ein reiner und voller Mensch in seinem Sein gestört worden, nur wundersam erregt, und dagegen – weil es ein Geheimnis jedes einzelnen ist – wird nichts zu machen sein. Das rührendste und zugleich das kampferfüllteste Gleichnis des Lebens in stets neuen Formeln zu fassen, ist der Grund aller Gründe, warum der Künstler schafft, um das der Dichter vorab die Worte sucht.

Ja, nun willst du also abermals eine Geschichte der Liebe schreiben, Freund?

So will ich abermals eine Geschichte der Liebe schreiben, die Geschichte aller Geschichten womöglich. Du lächelst und bist enttäuscht, weil es keine neue Erfindung ist, weil du meinst, ich müßte stählerne Aufgaben verdichten, zeitpeitschende, wortgewaltige Heldenepen; aber es gibt eine Schickung der Geschlechter gegen- und ineinander, sage ich, die ist gleich Feinstahl gehärtet, mit dem auch harte Männer nicht zu kämpfen verschmähen. 10

 

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