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Heiner und Barbara

Hermann Eris Busse: Heiner und Barbara - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
booktitleHeiner und Barbara
authorHermann Eris Busse
year1936
firstpub1936
publisherPaul List
addressLeipzig
titleHeiner und Barbara
pages304
created20180205
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Pitt kehrt von einer Weltreise heim

Pitt war als Vetter des Doktor Bachroth im Haus Bachroth neben Roman aufgewachsen, weil er seit frühester Jugend ein Waisenkind war. Die alte Frau Doktor Bachroth, eine Boll, war die Schwester von Pitts Vater gewesen. Sie besaßen einen Gasthof und eine Säge an der Lauter, ähnlich der Dannerschen. Pitts Vater war einem Mückenstich zum Opfer gefallen. Fast mußten die Leute lachen, wenn sie später vom raschen Tod Bolls sprachen; einen so festen, dicken, großen Mann hatte eine kleine Mücke besiegt! Pitts kleine, scheue Mutter, eine aus der Reihe der dunklen und zierlichen Bauernsprossen im hinteren Lautertal, war ohne den breiten, herrschsüchtigen Mann mit dem Leben nicht fertig geworden und ganz 150 einfach hinweggestorben, ohne krank gewesen zu sein. Ihr Atem wurde nur von Tag zu Tag leiser, ihr Körper schrumpfte zusammen, nicht ein Funke Lebenswillen beherrschte sie mehr, sie löschte aus in einer Art Selbstmord, die nicht ohne Listigkeit war. Sie wollte sterben, ohne Gewalt und Schrecken anzuwenden und ohne des christlichen Segens zu entraten. Mit allem frommen Beistand starb sie an dem Tag, da der kleine Peter den ersten Schritt allein vom Finger einer unfreudigen Kindsmagd weg wagte. Der Doktor Bachroth durfte es erleben, wie das Büblein jauchzend auf ganz krummen Beinen auf ihn zu durch die Stube taumelte und an seinen Knien Halt fand. Es fand auch sogleich weiteren Halt an ihm; denn drinnen in der Schlafkammer lag Maria Boll wächsern und entseelt. So nahm der Doktor gleich das Waisenkind mit heim als Spielgesellen für seinen eigenen Buben Roman. Der war damals schon zwei Jahre alt und auch noch nicht ganz sicher auf den stämmig geraden Beinen.

Nun, Peterleins Beine wurden bei der guten Pflege auch wieder gerade, in die er jetzt gekommen, und in der Folgezeit hatte er neben dem Roman die Sippe der hochgewachsenen Männer des Namens Geltrich, Boll und Bachroth nicht verleugnen können. Er war nur nie so dick geworden, wie es sein Vater schon mit dreißig gewesen, und wie es dem Roman auch geblüht hatte, ehe er das Schwabenalter erreichte. Bauch und Nackenwulst setzten sich nicht an bei einem so weltläufigen Manne wie Pitt, dem dazu allerlei böse Tropenfieber noch den Speck von den Rippen zehrten, sobald sich nur eine Spur davon infolge längerer 151 Seßhaftigkeit zeigte. Trotzdem blieb Pitt ein zäher Mann, der alles Gefahrvolle mit Glück überwand, ein Stehaufmann, der nie auf die falsche Seite neigte. Ihm war gewiß nie das Butterbrot mit der bestrichenen Fläche in den Sand gefallen, soviel Glück hatte er.

Von Pitt hatte die ganze Bubenschaft weitum die übermütigsten Stücke gelernt, er war ein Hansdampf in allen Zinken des Lauterkreises und nie um eine Kurzweil verlegen gewesen. Die Dannersche Säge liebte er ganz besonders, und mit dem Severin hielt er treue Freundschaft, obschon der etliche Jahre jünger war. Pitts größte Kunst bestand in seiner Gelenkigkeit. Er 152 lief genau so sicher auf den Händen vorwärts und rückwärts wie auf den Füßen, und Severin übte sich mit großer Hingabe auch darin. Roman gab sich ebenfalls die größte Mühe, jedoch vergebens. Auch die beiden Runzbrüder gehörten zur wilden Kameradschaft; sie waren freilich als Buben schon starke Bullen, aber von Gewandtheit konnte bei ihnen nie die Rede sein. Die Sina versuchte verschwiegen die Handlaufkunst, und dies mit Erfolg, selbst wenn ihr der Rock übers niederwärts gerichtete Gesicht sackte und sie das blutte Gewölbe und starke Gestänge gegen den Himmel reckte. Daß sie die drei Gutedel Peter, Roman und Severin einmal bei solcher Übung erwischten, als sie auf dem Höhepunkt war, und zuerst vor schamvollem Schrecken nicht wußten, ob sie fliehen oder bleiben und lachen sollten, heilte die sonst so unbekümmerte Sina ein für allemal von solchen entblößenden Übungen. Nur ein einziges Mal erinnerten sie die Kameraden an diesen peinlichen Vorfall, als sie schon Burschen waren. Sie machte jedoch gute Miene zum derben Spiel; sie war ja an sich gar nicht so zimperlich.

Erst jetzt am Tisch, in Erwartung des tropischen Pitt, wie der Roman und die meisten den Weltfahrer nannten, erzählten sie sich unter dröhnendem Gelächter die Geschichte vom Schenkelmessen an der Fastnacht Anno weißnichtwann. Sina war noch beim Melken im Stall, und sie wäre dreingefahren, wenn die Männer das in Anwesenheit des unverdorbenen Heiner erzählt hätten. Am Fastnachtsdienstag hatten sich demnach die Freunde von Tiefenspring und Oberspring abends im »Sternen« zum Kehraus mit ihren Tänzerinnen eingefunden. Mädchen aus Tiefenspring 153 und Hespengrund, aus der ganzen Nachbarschaft. Sina wußte damals nicht, ob sie dem Roman oder dem Peter den Vorzug geben sollte, sie war damals so übel nicht, eine lustige und vor allem gute Tanzkameradin. Eigentlich neigte sie dem Roman zu und zeigte dies auch schon, um den Peter ein wenig zu reizen. Alle Burschen waren in Dominos oder in Hänsele verkleidet und kamen sich wunder wie verwandelt vor. Lärmig machte sie der Wein und die Wärme. Sie schwenkten die Mädchen beim Tanz, daß ihnen die Röcke weitab flogen, und es erhob sich mit einemmal, wie das in aufgeregt müder und dennoch zum Fortmachen aufgelegter Gesellschaft geht, die Frage, wer die schönste unter den Mädchen sei. Wer die dicksten Beine hat, so gilt's bei den Bauern, spöttelte Peter, von Sina schier kaltgestellt. Niemand merkte Peters Hohn. Alle waren Feuer und Flamme, dies festzustellen. Und so trieb auch der Ehrgeiz, die Schönste zu sein und den stattlichen Burschen zu gefallen, die übermütigen, vom Tanz erglühten Mädchen dazu, sich die Beine oberhalb des Knies messen zu lassen.

Die dünne Magd im »Sternen«, die mit Wein und Brot und Wurst ab und zu ging, mußte das Zentimetermaß nehmen und genauestens messen. In gebührender Entfernung saßen die Burschen hinter dem Ofenbanktisch wie Richter, und einer schrieb den Befund nieder. Die Mädchen standen auf einer Bank an der Fensterwand gegenüber und nahmen sich vor Eifer nicht so in acht wie sonst, wo sie rot wurden, wenn ihnen ein kecker Wind den Rock zu stramm nach hinten riß. Die Burschen, Peter und Roman schon 154 Studenten, lachten auf den Stockzähnen, taten aber ernst. Die drei hübschen Hespengrunderinnen aus guten Höfen, die zwei Bauerntöchter aus Tiefenspring, die Berta aus Helgenzell und andere mußten alle der stattlichen Sina den Preis abtreten, die stämmigste zu sein. Mit Sina tanzte dann jeder einen Ehrentanz, sechs Tänze waren es, wobei die anderen mit glühendem Blut zuschauen mußten. Und die Sina durfte ehrenhalber noch einen Doppelliter Wein spendieren.

Die übermütige Mär vom Schenkelmessen lief durch alle Täler, natürlich überall aufs neue ausgeschmückt, und unterm Gelächter der ganzen Landschaft hießen fortan die Männer im Lautertal die Schenkelmesser.

Sina kam für eine Zeitlang zu zweifelhaftem Ruhm, doch zeigte sie sich allen Stichelreden gelassen gewachsen, und am Ende zogen soviel Spötter den kürzeren, daß die Schönheitsmär um sie einschlief.

Diese und andere Geschichten seiner Jugend eilten der Ankunft des freudig erwarteten tropischen Pitt voraus, so daß Heiner ganz gespannt auf ihn war und Barbara ein wenig in den Hintergrund rückte.

Doch gerade in diesem Hintergrund stieg das nächste Schicksal für Barbara und Heiner wie ein Gewitter auf.

Es stiegen auch noch andere derbe Geschichten aus Erinnerungen, die Heiners aufmerksames Ohr in sich aufnahm, ohne daß einer der gemütvollen Erzähler gemerkt hätte, wie jung der neue Gast zwischen ihren gebirgig gefalteten Gesichtern glänzte und wie schweigsam er saß, einem unbeschriebenen Blatt gleich, hell an Haut und Haar, an diesen Tisch der erfahrenen, 155 lebenslustigen Männer geweht. Einem kleckselosen Fließblatt gleich; aber er schickte sich nun an, manche Dunkelheit und Unreinheit aus den Reden der derben Trinkfesten in sich aufzusaugen und davon schwarze Flecken ins blanke Wesen zu bekommen.

Der Pitt Boll mußte ein Tausendsassa gewesen sein und ohne Hehl die tollen Streiche angezettelt haben, die Mädchen schreckten und verrückt machten, in Ställen Unwesen trieben, wo den Pferden die Schweife und Mähnen eng gezopft wurden, ein Schimmelfohlen eines Morgens als gestromtes Zebra beim Sahlengrundbauern stand, und nach der Kirche an einem Ostermorgen die Dannermutter selig vor der Hausstaffel nebeneinanderliegend ihre ganze Hühnerschar scheintot vorfand. Sie burrten freilich, jedes einzelne, das sie in die Hand nahm, nach kurzer Weile entsetzt gackernd wieder zum Leben zurück. Es gibt nämlich einen Griff und einen kreisenden Schwung, die dem Geflügel kurze Zeit alle Bewegungsfähigkeit rauben, sie trümlig machen; das war das Geheimnis des Peter und des Severin Danner und des Roman Bachroth. Und dem Helgenzeller Bauern setzten sie den Pflug auf das Dach in den Klöpflesnächten. Einer Bauerntochter hängten sie Windeln und eine Schoppenflasche an den Maibaum, noch ehe ein Mensch gemerkt hatte, wie es um sie stand.

Der Peter vor allem schien wortwörtlich zu verstehen, was die Spatzen vom Dach pfiffen, das Verschwiegenste wußte er.

Heiner konnte es zuletzt kaum mehr erwarten, bis er den weltfahrenden Eulenspiegel aus dem Lautertal zu sehen bekam, der bei dem Doktor Bachroth wohnen 156 sollte. Er dachte auch daran, daß Barbara dann wohl daheim blieb, es war doch nicht höflich, wenn sie in Erwartung ihres gewaltigen Paten das Feld räumte, der dazu ein berühmter Mann war, weil er in mancher wissenschaftlichen Schrift der Tierforschung wie der Erforschung menschlicher Tropenkrankheiten große Dienste geleistet hatte. Dazu galt er als Wegbereiter deutschen Geistes und Mutes nicht allein in den Kolonien, sondern auch in einem Lande wie Amerika, das ihn als gelegentlichen Lehrer an seine besten Hochschulen berufen hatte.

Indessen hielt es Pitt nirgends lange aus und machte fast stets, nach einem kurzen Gastspiel im Gelehrten- und Gesellschaftsleben, der urweltlichen oder der entrechteten, das heißt der wüstenhaften Natur abenteuerliche Besuche, indem er unter Goldgräber, Landfahrer, Pelztierjäger ging, auch in China auf Dschunken fuhr oder an der Gobi entlang auf Kamelen ritt über die uralte Karawanenstraße. An Expeditionen nahm er natürlich teil, ob sie sich nun an die Pole oder auf den Gaurisankar wagten. Er war in Tibet zu finden und in Äthiopien als Freund eines Wolde.

Dies beruhte alles auf Wahrheit; Pitt hatte keinen Anlaß, hierbei aufzuschneiden, das konnte Roman Bachroth beweisen. Ihm sandte der Unruhige von überall her seine Tagebuchblätter, wissenschaftliche Vermerke, Zeichnungen und Aufnahmen, Zeitungsberichte, die seine Anwesenheit rühmten, Briefe an sich von Gouverneuren, Offizieren, Forschern, von Spießgesellen und Reisegenossen, von leidenschaftlichen Frauen und dankbaren Mädchen. Alles durfte 157 Roman Bachroth lesen, ehe er es versiegelte, und zuweilen überkam ihn die Unzufriedenheit der Daheimgebliebenen, weil ihr Leben, gemessen am Umtrieb des Lebens wie das Peters, arm erschien, ereignislos und ungefährlich. Geht es allen rechten Männern so? Ein ungefährliches Leben kommt ihnen wie ein nutzloses Leben vor, und sie werden sich selber für bittere Stunden gram, weil sie es seiner Bestimmung nicht herzhaft zugeführt haben.

Roman Bachroth sah es dann gar nicht ein, daß sich im Alltag der Stärkste auch oft zäh behaupten muß, von innen her in Zucht und Zügel genommen, um etwas zu leisten, das den ganzen Mann verlangt: einen Acker vom Reutebrand zum hohen Ernteertrag zu bringen etwa, einen Kranken mit raschem Entscheid und mutigem Eingriff dem Tod abringen, im Geschirr zu bleiben aus Anstand, Pflichtgefühl, Würde, wo sich andere ins bequemere Leben zurückzogen oder entgegengesetzt ins ungezügelte, entpflichtete Leben rücksichtslos ihr Ich pflanzten.

Roman war ein fester, fertiger Mensch. Er fand sich nach etlichen bitteren Stunden immer wieder auf dem gesicherten, geliebten Boden der Heimat, dienend einem starken, alltäglichen Gesetz. Auch er freute sich auf den Vetter, das ließ sich nicht leugnen, und es stimmte, was Heiner sich ausgedacht, die Barbara zögerte auf die Botschaft hin ihre Abreise hinaus.

Ein paar Tage lang herrschte in allen Höfen der Name des »tropischen Boll« in den Gesprächen vor, unsichtbare Kranzgewinde wurden dem Heimkehrer aufgehängt, den alle gern hatten, und sein heimatlich heimliches Königreich wartete gespannt auf seine 158 Ankunft. Barbara aber wand wirklich einen Tannenbogen um die Eingangstür des Doktorhauses und malte auf einen Pappdeckel in roten und schwarzen Buchstaben: Herzlich willkommen! Dieses Schild bekränzte sie mit den letzten blauen Trauben der Hausrebe und ihrem buntgefleckten Laub.

Der Oktober ging zur Neige. Auf der Hornisgrinde mußte bald Schnee fallen. Der Winter besaß aber für das sonnige Lautertal keine Schrecken, er geriet zu schnell in Schweiß und tropfte sich allzu schnell sickernd ab. Davon schwoll die Lauter übermütig an, und es gelang ihr zuweilen in ihrem breithüftigen Schoß im vorderen Tal, die riesigen weißen Ursteine bis über den blanken geschliffenen Rücken zu bespülen.

*

Der kleine Helmut genas, und alle atmeten auf im Hof. Pia hatte die Angst und die Pflege arg mitgenommen. Sie fiel förmlich aus den Kleidern. Bei einem Besuch Christinens, die über das Aussehen der Schwester mit dem Danner sprach, machten sie miteinander aus, daß die Dannerin einmal vier Wochen ausspannen müsse. Sie solle nach Straßburg kommen, man würde sie dort schon wieder rund füttern. Das konnte man der Christine ohne weiteres glauben; denn ihre gesunde Leibhaftigkeit sprach von gehöriger Pflege des Essens und der Ruhe. Drei tüchtige Frauenzimmer in einem Stadthaushalt überschafften sich nicht, und die Onemustöchter schlugen in Mutters Geschlecht, was ihre hausfraulichen Tugenden anbetraf. Dies nur viel zu arg, jammerte Christina gern, viel zu arg; 159 denn die heutigen jungen Männer wollten nur noch schlanke Sportmädle mit Diplomen zur Frau, aushäusige Dinglein, die Zigaretten rauchten und fehlerlos Tango tanzten. Zu dieser Sorte gehörten Annette und Dorette nicht, obschon sie keine schlechten Tänzerinnen waren und sowohl Schwimmen als Tennisspielen ihnen geläufig war; aber ganz modisch sahen sie nie aus, und sie machten auch gar kein Hehl daraus, daß sie für Sportdamen nichts übrig hatten und die Gymnastik nur als vorbeugende und unterhaltsame Übungen neben dem richtigen Leben her betrachteten. Sie wurden merkwürdig schnell aus albernen Backfischen reife Jungfrauen, und ihre klugen Augen sahen frei und ein wenig spöttisch in die Welt.

Es ging auch gar nicht lange, so stellten sich die Freier ein. Dorette gab dem ihren ihr Jawort.

Annette aber hatte längst einen anderen im Kopf, den Nikolaus Vogt, um es gerade herauszusagen.

Als Pia von der Abmachung zwischen ihrer Schwester und dem Danner erfuhr, wurde sie sehr garstig. Nicht für viel Geld sollten sie erleben, daß die Dannerin vom Hof ging, um wie eine Stadtdame Ferien zu machen und die Hände in den Schoß zu legen. Es gab auch ihrem Stolz einen Stoß, daß sie sich bei der Schwester ausheilen sollte wie eine arme Base bei einer reichen Verwandten. Der Danner hatte seine Eheliebste, während der Beratungsstunde in der Schlafstube, noch nie so stürmen hören, und so blieb ihm nur übrig, im Entgegnen ziemlich grob zu werden, sie sei undankbar, alle meinten es doch nur gut mit ihr. Und ob sie glaube, es sei schön, so wie ein abgezogener Rebstecken in den Röcken zu hängen. Es schäme ihn an, 160 überall gefragt zu werden, warum die Frau so dürr werde, sie habe doch genug zu essen im Dannerhof.

Da wurde Pia ganz still, überlegsam. Gut, dachte sie gegen Morgen trotzig, ich geh. Die sollen ruhig einmal ohne mich auskommen. Und sie rüstete alles rasch her, und es ging nun dem Danner viel zu schnell, als sie Abschied nahm, der Mariann den Helmut fest anvertraute, den Heiner unter vier Augen bat, alles zu tun, was der Vater verlangte, daß es ja keinen Händel gäb, und überhaupt die Augen offen zu halten, als wär er heimlicher Meister in seinem Reich; denn der Vater würde wohl dann und wann nach Straßburg reisen, und auch vielleicht mehr fortgehen als sonst, weil der Boll käme. Heiner versprach alles mit einer abtuenden Gebärde, als wollte er sagen: Ach du, mach doch nicht so viel Sprüch, ich weiß doch, was ich zu tun hab'!

Die Mutter aber spürte es wohl heraus, daß ihn die Verlegenheit hieß, so überheblich zu tun und hoffte, daß sie sich auf Heiner verlassen konnte. Eine kleine Sorge befiel sie, wenn sie die junge neue Magd Alma ansah, doch davon konnte sie niemand mitteilen, nicht einmal sich selber gestand sie den klaren Sachverhalt dieser Sorge ein. Nur das letzte Wort am Bahnhof zum Mann verriet sie ein wenig: »Und sei mir auch brav, Severin!«

Er machte dieselbe wegwerfende Bewegung wie sein Sohn Heiner: Ach, was du nur immer hast! Doch die Frau spürte das leise böse Gewissen genau heraus, das er mit seiner Überheblichkeit wegleugnen wollte. 161

 

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