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Harzsagen. Erster Band.

Heinrich Pröhle: Harzsagen. Erster Band. - Kapitel 6
Quellenangabe
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authorHeinrich Pröhle
titleHarzsagen. Erster Band.
publisherVerlag Rockstuhl
year
isbn9783867771702
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sagen der Bergstadt Lautenthal.

*

1. Spar-die-Müh und die Zwerge am Bielstein.

 

I.

Unmittelbar am nordöstlichen Ende der Bergstadt Lautenthal liegt der Bielstein. Unterhalb, am nordwestlichen Ende der Stadt, fließt die Innerste in nordöstlicher Richtung dem Bielstein entgegen, vor seinem Fuße biegt sie links ab und läuft an ihm entlang. Ueber dieser Krümmung des Flusses, am Berge und zwar nur einige Schritte über dem Wasser, befindet sich eine Höhle, die von den Lautenthalern das Zwergloch genannt wird. Die Ebene aber, welche am Fuße des Bielsteins am rechten Innersteufer und südwärts von der Höhle liegt, wird Spar-die-Müh genannt.

Im Zwergloch wohnten in frühern Zeiten drei Zwerge, die verliehen Geld an die Bewohner der Bergstadt Lautenthal, auch silberne und goldene Geräthschaften bei Hochzeiten und Kindtaufen. Einst brachten die Leute den Zwergen das geliehene Geld nicht wieder zurück. Da sie nun wieder zu dem Zwergloche kamen und Geld leihen wollten, vernahmen sie eine Stimme, welche ihnen zurief: Spar die Müh! Von der Zeit an thaten die Zwerge den Lautenthalern nichts mehr zu Gefallen und seitdem heißt auch die Stelle: Spar-die-Müh.

 

II.

Einst tanzten die drei Zwerge droben auf dem Berge und sangen: heute backt eine Frau, die hat keinen Kümmel in ihrem Teig. Das hörten zwei Holzhauer, und da die Frau des einen gerade backen wollte, lief er geschwind nach Haus und warnte sie, doch ja den Kümmel nicht zu vergessen, damit die Zwerge nicht das Brot stählen. Unterdessen tanzten die Zwerge immerfort nach der Weise: »Hast du denn unsern Großvater seine Ziege nicht gesehen?« und nach andern schönen Melodien. Als der Holzhauer aber wiederkam, wußten die Zwerge wohl, was geschehen war, nahmen ihn her und prügelten ihn, und das soll auch der Grund sein, weswegen die Lautenthaler das schöne Zwerggeschirr nicht mehr geliehen erhielten und mußten von der Zeit an auf Hochzeiten und Kindtaufen aus hölzernen Schüsseln und mit hölzernen Löffeln essen und könnten doch speisen von eitel Silber und Gold.

 

III.

Eine Frau in Lautenthal hatte von den Löffeln der Zwerge einen behalten. Als die geboren hatte, schoben ihr die Zwerge ein Zwergkind unter, das hatte einen dicken Kopf und konnte nicht sprechen. Da wurde in einer Eierschale Bier gebraut von einer alten Frau und da sagte das Zwergkind:

Döringerland und drei Ringe alt,
Zweimal abgeholt,
Und habe noch nicht gesehn ein altes Weib in der
Eierschale Bier brauen.

Da wußten sie, daß sie ein Zwergkind hatten, und sind heute noch ihrer Viele in Lautenthal, die den dicken Kopf haben und von den Zwergen herstammen.

 

IV.

Andere erzählen, daß auf dem Bielstein einmal ein Bergmann habe einen Stollen anlegen wollen. Wenn er nun des Morgens wieder hinkam, so war Das, was er am vorigen Tage gemacht hatte, immer wieder eingeschurrt, darum sagten die Leute zu ihm: »Spar die Müh.« Er gab es aber immer noch nicht auf, dort einen Stollen anzulegen, und fluchte und wetterte, so oft sein Stollen wieder eingeschurrt war. Zuletzt rutschte er einmal vom Bielstein herunter auf seinem Hinterleder und als er unten angelangt war, sprach er zu den Leuten, die dort waren: »Das hätt' ich doch nicht gedacht, daß der Berg wäre an mir heruntergerutscht.«

*

2. Der Venediger als Bergmann.

In Lautenthal war ein Venediger, der mit als Bergmann arbeitete; als der abging, gab er seinem Kameraden in dem Bergwerke einen kleinen Stein. Solange er den in der Tasche hatte, brauchte er nicht zu arbeiten, sondern das Gebirge lag immer schon losgehauen vor ihm. Einmal wurde der Kittel des Bergmanns gewaschen, da ging der Stein verloren und er mußte wieder arbeiten.

*

3. Der Teufel in Lautenthal.

In Lautenthal war ein Haus, da lag eine alte Schwiegermutter auf dem Boden krank, die junge Frau aber saß vor dem Nachbarhause und nähte. Da kam ein Handwerksbursche mit Haarzopf und Tornister und ging in das Haus, die junge Frau aber lief sogleich dahinter durch. Da ward vor der Thür der Alten ein großer Lärm, da ist es der Teufel gewesen, der hat die Alte geholt und ist mit ihr durchs Fenster geflogen, davon hat er ein Stück mitgenommen. Das Gedärm der Alten aber ist in der Luft herumgeflogen.

*

4. Der Feuerholzmeister und die faule Rohne.

Ein alter Feuerholzmeistcr in Lautenthal ging einmal mit der Försterei am Aehnertsberge über Lautenthal auf die Jagd. Da ging er allein auf die andere Seite des Berges, nahm aber weiter nichts mit als seinen Vierfußstock. Auf einmal fiel ein Schuß und als die Försterei hinkam, stand er da mit dem Vierfußstocke und hatte den Hirsch geschossen. Da wird der Hirsch nach dem Försterhofe in Lautenthal gebracht und als er dort lag, verwandelte ihn der Feuerholzmeister in eine faule Rohne (Holzstuke). Da hat der Förster mehrere Waldarbeiter beordert und gesagt, wenn das eine faule Rohne wäre, so wolle er sie auch auseinander hacken lassen. Sowie aber die Waldarbeiter auf die Rohne loshacken, hieb der Eine sich ins Bein und die Andern verwundeten sich gleichfalls an ihrem Körper, von der Rohne aber konnten sie nichts abhacken. Da lag die faule Rohne drei Wochen lang auf dem Försterhofe, dann aber war sie verschwunden. Da hat der Feuerholzmeister sie weggenommen und wieder in einen Hirsch verwandelt gehabt.

Einstmals war Schützenhof in Gittelde, da fand sich viele Försterei vom ganzen Harze zusammen und auch der alte Feuerholzmeister ist dazu gekommen. Da schoß er immer gut und weil die Försterei auch gut schießen wollte, bat ihn Einer nach dem Andern um seine Büchse und legten Alle der Reihe nach das Gewehr an, es ging aber bei Keinem von der Försterei los. Da sagte der Alte: wenn sie die grünen Röcke auszögen, so würden sie mit seinem Gewehre schon treffen. Da zog die Försterei die grünen Röcke aus und da ging jeder Schuß los und die Herren konnten gut mit der Büchse schießen.

*

5. Der Schildberg.

Am Wege zwischen Lautenthal und Seesen liegt der Schildberg, auf dem sich noch Spuren einer alten Ritterburg finden. Von ihm werden viele Spukgeschichten erzählt und Mancher will dort in der Nacht einen Leichenzug gesehen haben. Als noch mehr von der Burg zu sehen war als jetzt, soll sich auch dort am Johannistage eine Jungfer gezeigt, den Wanderer in die Burg gelockt und ihm Schätze geboten haben, wenn er sie erlösen wollte.

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