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Harzsagen. Erster Band.

Heinrich Pröhle: Harzsagen. Erster Band. - Kapitel 27
Quellenangabe
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authorHeinrich Pröhle
titleHarzsagen. Erster Band.
publisherVerlag Rockstuhl
year
isbn9783867771702
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sagen der nordhäuser Gegend

*

1. Der Teufel auf dem Kohnstein

Früher hatte der Teufel in dem kohnsteiner Felsen eine Schatzkammer. Wer sich ihm verschrieben hatte oder verschreiben wollte, konnte die Thür derselben öffnen. In dieser Kammer lag ein feuriges Buch und darin standen auch die Namen sehr vieler Herren und Damen aus Nordhausen. Einst war zu Nordhausen ein Mann, der hatte so viel Schulden als Haare auf dem Kopfe und seine Gläubiger drängten ihn unbarmherzig, ja, es wollten ihm zwei der Gläubiger das Haus über dem Kopfe verkaufen lassen. Da ging der Mann betrübt umher und so begegnete ihm der Teufel, der fragte, was ihm fehle. Als er's nun erzählt hatte, wollte ihn der Teufel mit sich führen und er ließ sich endlich bereden, mit zu der Schatzkammer zu gehen. Da ihm nun der Teufel sagte, wenn er sich in das feurige Buch schriebe, so könne er so viel Geld erhalten, als er wollte, sprach er: so will ich morgen wiederkommen und mich unterschreiben. Das war der Teufel zufrieden, als aber der Mann hinwegging, hatte er schon einen Blick in das brennende Buch geworfen und die Namen der beiden Gläubiger darin gelesen. Wie er nun nach Nordhausen kam, ging er sogleich zu seinen Gläubigern und sprach: »Jetzt kann ich das Geld erhalten, das ich Euch schulde; aber da Ihr einmal dem Teufel Euch verschrieben habt, so lasset es Euch doch lieber selbst von ihm geben.« Da flehten ihn die Gläubiger an, sie nur nicht zu verrathen, und schenkten ihm so viel Geld, als er nur mochte.

*

2. Der Galgen auf dem Kohnstein

 

l.

Einst wetteten Abends spät ein paar Burschen mit einem Mädchen und versprachen ihm einen Thaler, wenn es zum Galgen aus dem Kohnsteine gehen wolle. Zum Beweis hat sie einen Spahn vom Galgen mitbringen sollen, den die Burschen am andern Tage zur Probe in den Galgen hineinpassen wollten. Als das Mädchen nach dem Galgen kam, fand es dort fünf gesattelte Reitpferde, aber keinen Reiter bei ihnen. Schnell setzte es sich auf eines der Pferde und jagte davon. Bald darauf fand es mehrere Briefe, durch die es gewarnt wurde, sich dem Galgen wieder zu nähern. Als es nun geheirathet hatte und nach Nordhausen gehen wollte, um dort auf dem Markte einzukaufen, ward es an dieser Stelle von fünf weißgekleideten Gestalten gefangen genommen, – man weiß nicht, ob es Geister oder Menschen waren. Sie banden die Frau an einen Baum und nahmen die Frucht aus ihrem Leibe, denn sie war hochschwanger. Ein Jäger sah diese Grausamkeit aus der Ferne, legte seine Büchse an und schoß das zappelnde Kind todt. Da waren vie fünf Gestalten verschwunden, die Frau aber ist an den Wehen gestorben.

 

II.

Unterm Kohnstein har früher ein Wirthshaus gestanden. In dem hat ein albernes Mädchen gedient. Nun haben einmal mehrere Leute Karten da gespielt. Da sagte der Eine: sie sollte eine Flasche Wein holen, aber unterm Galgen weg. Da ging das Mädchen hin nach dem Galgen, der auf dem Kohnsteine gestanden hat und dachte: sie solle eine Flasche Gänsewein aus dem Brunnen, der unterm Galgen gewesen ist, holen. Wie sie aber das Wasser schöpfen wollte, da erschien eine Jungfer mit einem Bund Schüssel, und fragte: was es hier mache. Da sagte sie in der Verwirrung doch: sie wollte eine Flasche Wein holen. Da mußte sie fünf Minuten stehen bleiben und die Jungfer gab ihr eine Flasche des schönsten Weines.

Häufig hat aber auch hier die Jungfer die Holzhauer verjagt, denn sie hat keinen Lärm im Walde leiden mögen.

*

3. Der Tanzteich

Bei Niedersachswerfen, am wolfleber Wege, liegt dicht am Fuße des Mühlberges ein Teich, der Tanzteich genannt, an dessen Stelle ehemals eine Schenke gestanden hat. In diesem Wirthshause wurde alle Sonntage getanzt, schon bevor am Nachmittage der Gottesdienst zu Ende war. Als dies das erste Mal geschah, kam ein Gewitter und schlug in einen Baum ein; als es das zweite Mal geschah, kam das Gewitter wieder und donnerte, daß die Balken des Hauses krachten und die Erde erbebte. Als es das dritte Mal geschah, schickte der Herr ein Wetter, welches das Haus mit allen Musikanten und Tänzern in die Tiefe schlenderte und an die Stelle trat der Tanzteich, der über sechs Morgen im Umfange haben soll. In diesem Teiche lebt ein Ungethüm, das ein fremder Wasserspringer einst heraufholen wollte, aber nicht aufzufinden vermochte. Dagegen sah eine Frau oben vom Rande des Mühlbergs, wo er jählings gegen den Tanzteich abfällt, einstmals ein Geschöpf mit menschlichem Antlitz und langen schwarzen Zotteln wie ein Pudel sich über das Wasser emporheben. Im Jahre 1815 ging auch das Gerücht, daß das Ungethüm sich zeige. Jemand, der es damals gesehen, hält es aber für eine Rudel Fische, vielleicht Schleien, wenigstens schien die Masse sich selbständig fortzubewegen. Andere erklärten es für ein Bündel Schilf oder andere Wasserpflanzen. – Nahe beim Tanzteich ist das Ziegenloch, dahinein soll das Wasser aus dem Tanzteich strudeln.

Es wird auch erzählt, daß zu Nordhausen einst ein Schwarzkünstler mit Namen Wildtverer war, der stellte sich, als fräße er einen Bauern aus mit Wagen und Pferden. Der Bauer mit Pferd und Wagen wurde aber nachher einige Meilen Wegs von Nordhausen entfernt in einem Sumpf gefunden. Doch ist der Tanzteich hier schwerlich gemeint, da er nicht Meilen weit von Nordhausen entfernt ist.

*

4. Das liebe Brot

Es berichten die Einwohner der benachbarten Oerter von dem Ursprung des Erdfalles bei Hochstädt, wie sie von ihren Aeltern gehöret hätten: daß in vorigen Zeiten an der Stelle, wo anjetzo der See sich befindet, ein feuchter grasigter Platz gewesen sei, und die Pferde darauf gehütet worden; als nun einesmals etliche Pferdejungen die Pferde darauf zur Weide gebracht und gesehen hätten, daß Einer unter ihnen Weißbrot esse, wäre ihnen auch ein Appetit, davon zu genießen, ankommen, derowegen sie dasselbe von dem Jungen hastig begehret, wie aber derselbe solches gänzlich abgeschlagen, und fürgewendet, daß er dieses Brot zu Stillung seines Hungers selber nothwendig bedürfte, wären gemeldete Jungen so unwillig und erbittert darauf worden, daß sie nicht allein ihren Herren alles Unglück an den Hals gefluchet, als die ihnen nicht dergleichen Weißbrot, sondern nur gemeines schwarzes Hausbackenbrot, zur Speise mitgegeben, sondern sie hätten auch ihr Brot, aus großem Zorn und Frevel, auf die Erde geworfen, mit Füßen getreten, und mit ihren Pferdepeitschen gegeißelt; als aber darauf alsobald Blut aus dem Brote geflossen, wären sie über solches Wunder und Zeichen eines bevorstehenden Unglücks dermaßen erschrocken, daß sie nicht gewußt, wohin sie sich wenden und was sie anfangen sollen; unterdessen sei hingegen der Unschuldige, sonderlich da derselbe, wie Einige erzählen, von einem alten unbekannten, ohngefähr dazukommenden Mann gewarnt worden, auf eines seiner Pferde gefallen, und mit diesem, auch denen anderen übrigen, dem großen Unglück entflohen, welchem zwar die Bösewichte nachfolgen wollen, hätten aber nicht von der Stelle kommen können, wie denn auch bald hernach der ganze Platz, sobald der vorige davon gewesen, mit großem Krachen untergegangen und solche böse Buben sammt ihren Pferden mit sich so tief hinuntergenommen habe, daß auch nach der Zeit nicht das Geringste von ihnen an das Tageslicht kommen sei. Dieses sind nun die Gedanken des gemeinen Mannes, welche er von dem See hat, und sollte derselbe eher einen Eid schwören, als zugeben, daß derselbe auf eine andere als jetzt gemeldete Art könnte entstanden sein. Woferne nun solche Tradition sich wahrhaftig also in der That verhielte, als dieselbe erzählet wird, so wäre es ein sonderliches und erbärmliches Exempel der von Gott höchlich bestraften Ueppigkeit und Verachtung des lieben, obschon schwarzen Brots. Dem sei nun wie ihm wolle, so stecket doch unter solcher Tradition ein feines Morale oder eine herrliche Sittenlehre, maßen die lieben Alten damit haben anzeigen wollen, daß man insgemein das liebe Brot, wenn es auch noch so geringe, nicht verachten solle, insonderheit ist aber dem gemeiniglich unvergnügten Gesinde damit eine heimliche Lection gegeben worden, daß sie mit demjenigen Brote vorlieb nehmen sollen, welches ihnen ihre Herren und Frauen, ihrem Vermögen nach zur Speise darreichen. So bemerkt Behrens in der » Hercynia coriosa« zu dieser Sage.

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5. Die Hexen von Nordhausen

Am 28. April 1573 wurde zu Nordhausen die Hexe Anna Beringer verbrannt, genannt: »Guten Morgen, Kuwichen!« Auf dringendes Zureden bekannte sie, daß sie auf dem Brocken beim Satan zum Tanz gewesen sei und den Leuten »die Elben«, das ist die Gliederkrankheit, zu- und abgebracht habe. Am 7. August desselbigen Jahres ward zu Nordhausen auch verbrannt Katharina Wille, genannt » Klötzgen«, welche auch aussagte, daß sie mit dem Teufel zugehalten und »Elben« gemacht habe, daß sie aber auf dem Brocken gewesen sei, durchaus nicht gestehen wollte. Die letzte Hexe wurde zu Nordhausen verbrannt anno 1602.

Als nach einem der großen nordhäuser Brände (1710, 1712) ein vorübergehender Soldat des Nachts einer Katze, die sich auf Bauholze, das auf der Straße lag, mit einer andern Katze biß, eine Pfote abgehauen hatte, lag des Morgens eine Menschenhand da. Eine ähnliche Erzählung ging auch von einer Katze, welcher ein Bäcker, als sie ihm in der Dämmerung eine Semmel vom Laden stehlen wollte, mit dem Zwiebackmesser eine Pfote abhieb: die Hexe wurde an der Verstümmelung erkannt.

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6. Der Stein vor dem Altenthore und der Hünenstein bei Nordhausen

Vor dem Altenthore zu Nordhausen, an der Ecke des Gasthauses zum Lorberbaum liegt ein großer Stein, der jetzt verschüttet ist. Ihn, sowie auch den sogenannten Hünenstein bei Nordhausen, warfen Riesen aus den Schuhen, worin sie diese Steine gleich Sandkörnern drückten. Als der eine Riese von einem Berge zu dem eben hinabgeworfenen Hünensteine hinabschritt, trat er vor ihn, seinen Behuf zu thun. Von der Kraft der Strömung rührt noch ein Loch her, das sich in dem Steine befindet.

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7. Kloster Neuwerk

Johanne Kestner, eine Klosterfrau vom nordhäuser Frauenberge, hat ausgesagt, man fände geschrieben, daß ehe das Kloster auf diesem Berge geworden, da eine Festung gewesen sei, auf der habe ein Vogt des Reichs zu wohnen gepflegt; also geschah es, daß der eines Tages in seinem Schlaf gelegen, da sah er ein solch Gesicht, daß graue Tauben flogen aus seinen Fenstern hoch in die Höhe, und wieder nieder, aus und ein, und auf das Letzte flogen sie so hoch, daß er sie nicht mehr sehen konnte, und solch Gesicht brachte der obgenannte Vogt an seinen Beichtvater und offenbarte das mehrern andern Herren und Schrifterfahrenen; also ward der Vogt unterwiesen und ihm ward eingegeben, daß er aus solcher Festung, da er auf wohnte von des Reichs wegen, ein Jungfernkloster graues Ordens stiftete.

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