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Harzsagen. Erster Band.

Heinrich Pröhle: Harzsagen. Erster Band. - Kapitel 20
Quellenangabe
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authorHeinrich Pröhle
titleHarzsagen. Erster Band.
publisherVerlag Rockstuhl
year
isbn9783867771702
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sagen von Scharzfeld.

*

1. Die Zwerglöcher bei Scharzfeld.

 

I.

Im Gemeinholze bei Scharzfeld, auf der sogenannten » Sneie« ist die Zwerghöhle, da haben früher die »Querge« gewohnt. Sie stahlen Kinder, die von den Arbeitsleuten auf dem nahen Felde in die Kiepe gesetzt waren, und setzten für die gestohlenen Kinder kleine Zwerge hinein. Wenn dann die Mütter nachher zu ihren Kiepen gingen, um zu sehen, was ihre Kinder machten, so erblickten sie statt ihrer Zwergkinder. Wenn dann die Mütter laut schrien, so brachten die Zwerge die Kinder wieder und nahmen ihre Zwergkinder wieder mit fort. Aber nicht immer nahmen sie die Kinder blos so zum Scherz. Einmal kam ein alter Zwerg zu der Edelfrau auf dem Gute Scharzfeld, und sagte: Wenn sie das Räthsel nicht errathen könnte, das er ihr aufgeben wolle, so nähme er ihr Kind weg. Das Räthsel aber lautete also:

Heute brau' ich,
Morgen back' ich,
Uebermorgen bin ich Edelkind.
Edelfrauen, ich weiß,
Daß ich Fidlefitchen heiß'.

Das hat die Edelfrau nicht rathen können, da hat ihr der alte Zwerg ihr Kind weggenommen und einen kleinen Zwerg dafür untergeschoben. Da haben sie lange auf dem Gute einen kleinen Zwerg als Edelkind gehabt und das hat der alte Zwerg mit seinem Räthsel gemeint.

Die Zwerge von Scharzfeld gingen auch des Nachts auf die umliegenden Dörfer und holten Braten und Alles fort, was sie dort in den Häusern vorfanden. Am liebsten aber gingen sie auf das Erbsenfeld des Gutsherrn und naschten zur Nachtzeit die Erbsen weg. Dabei hatten sie ihre Nebelkappen auf und dadurch wurden sie unsichtbar. Später aber nahmen die Leute einen langen Leigesiemen, das ist eine Leine, womit die Pferde beim Pflügen gelenkt werden, zogen die über alle Gränzen der Felder hin und davon fielen ihre Nebelkappen vom Kopfe und sie wurden sichtbar. Darauf wurden sie tüchtig durchgeprügelt, und dadurch sind sie scheu geworden und haben sich weggezogen bis auf Einen, der da jetzt noch geht.

 

II.

In der Zwerghöhle bei Scharzfeld sind in späterer Zeit viele Menschen gewesen, aber Keiner ist ans Ende gekommen. Hinten in dieser Höhle fließt ein Wasser, darüber liegt eine Brücke. Wer über diese Brücke kommt, der hat gewonnen und bekommt viel Gold, Diamanten und dergleichen Schätze mehr, denn in diesem Wasser findet man das reinste Gold.

Einst hat es auch ein Jäger versucht an diese Stelle zu gehen, aber der ist nicht wieder herausgekommen. Nachher hat man ihn mit seinem Hund versteinert in der Mitte der Höhle gefunden. Nur Einer ist einmal über den Fluß gekommen, das ist ein Waldarbeiter aus Scharzfeld gewesen, der hat Gehr geheißen. Ihm hat der Böse einen Sack voll Steine gegeben; wie er nun aus der Höhle war, ward ihm der Sack zu schwer, und als er nun sah, daß es Steine waren, die er in dem Sacke hatte, warf er sie wieder vorn in die Höhle. Nur seine Taschen steckte er voll, wie er aber mit den paar Steinen zu Haus ankam, war es lauter Gold. Schnell lief er wieder hin zur Höhle, aber die andern Steine hatte der Böse schon selbst wieder zu sich genommen.

 

III.

Vor diesen Zwerghöhlen haben früher Aepfelbäume gestanden. Da ist denn einmal Einer gekommen, der ist in den Baum gestiegen und hat sich Aepfel stehlen wollen; wie er nun im besten Zuge war, da kam auf einmal Einer und vergrub Geld, zu gleicher Zeit erschien der Böse und sagte: Dieses Geld könne nur Einer wieder bekommen, der ihm zwei Zwillinge brächte, die Ein Haar hätten. Das hörte der im Aepfelbäume. Den andern Tag aber gebar seine Ziege zwei Lämmer, die hatten beide Eine Farbe und waren kolkrabenschwarz. Da dachte er an den Ausspruch des Bösen von gestern Abend, und führte sogleich die Ziegenlämmer unter den Aepfelbaum. Da erschien der Teufel, nahm die beiden Lämmer in Empfang und er bekam das Geld.

*

2. Die Steinkirche bei Scharzfeld.

Die Steinkirche bei Scharzfeld ist von einem Schweinehirten mit einem hölzernen Beile im Felsen eingehauen; und doch kann jetzt die beste Stahlfeile nichts davon abhauen. Auch ist hier eine Glocke, die tief verscharrt in der Erde gelegen hat, von einer Sau mit zehn Fickeln (Ferkeln) aus dem Boden gewühlt und dann von einem Hirtenmädchen mit einem Haarbande aus der Steinkirche herausgezogen. Dieselbe läutet jetzt noch in Scharzfeld und dabei spricht sie immer:

Su fand,
Jungfernband.

*

3. Kaiser Heinrich IV. auf Scharzfels.

Aus Zeiler und andern Chronisten ist uns bekannt, daß der Kaiser Heinrich IV. in Liebe entbrannte zu einer Gräfin von Lauterberg auf Scharzfels, den Grafen 1080 durch einen Auftrag von Scharzfels entfernte und auf der Jagd dort einkehrte. Durch Anstiften eines Mönchs im Kloster Pöhlde, der ein Schwarzkünstler gewesen und sich mit dem Kaiser aufs Schloß verfüget, bewältigte er listig die edle Frau und beraubte sie ihrer Ehren. Da fuhr ein Burggeist, welcher sich bis dahin immer am Hohenthurm und in der Küche aufgehalten hatte, durch den Thurm in die Luft hinaus, nahm das Dach des Thurmes mit hinweg, machte ein gewaltiges Lamento und schrie, daß an der verübten Unthat der Mönch mehr schuldig wäre als der Kaiser, für den später dieser Vorfall auf Schloß Scharzfels verhängnißvoll geworden sein soll. Nachdem der Burggeist so das Verborgene ans Licht gebracht hatte, duldete er kein Dach mehr auf dem Thurme, Dieser Burggeist war, wie ich mündlich erfahren, mit den Burgherren, deren Frauen er bewachte, überhaupt in so gutem Einverständniß, daß er oft vor dem Schlosse stand, wenn der Burgherr heimgeritten kam, um ihm sogleich Bericht abzustatten, falls ein Unglück geschehen war. In neuerer Zeit sind auf Burg Scharzfels auch große Sängerfeste veranstaltet; dann richtete der Burggeist, den Andere auch einen Zwerg nennen, es jedesmal so ein, daß die Festlichkeit durch den Regen gestört wurde, – er will nun einmal auf Burg Scharzfels keinen Frohsinn mehr dulden.

*

4. Die Frau von Scharzfels.

Die Frau von Scharzfels bekam auf der Flucht einen Stein in den Schuh. Sie zog den Schuh aus, schüttete den Stein aus, der wuchs immer mehr und mehr, zum Verwundern. ist jetzt ein mächtiger Fels, und heißt zum Andenken an die eilige Flucht der Burgfrau der Eilenstein. Wo er sich befindet, wußte der Erzähler nicht anzugeben.

*

5. Die Jungfer von Scharzfels.

Auf Scharzfels wohnt eine Jungfer mit Schlüsseln, die steigt zu Ostern von der Burg herab und wäscht sich drunten in der Brämecke.

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