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Harzsagen. Erster Band.

Heinrich Pröhle: Harzsagen. Erster Band. - Kapitel 14
Quellenangabe
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authorHeinrich Pröhle
titleHarzsagen. Erster Band.
publisherVerlag Rockstuhl
year
isbn9783867771702
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sagen vom Buntenbock.

*

1. Der Ursprung vom Buntenbock.

Wo jetzt Buntenbock ist, soll früher nur ein Sägemühlenhof gestanden haben; Andere sagen, auf dem alten Hofe, aus dem Buntenbock entstanden (es soll der jetzige Bormann'sche Hof sein), habe die einzige adelige Familie des Oberharzes gewohnt und von der Viehzucht gelebt. Seinen Namen aber soll der Ort auf folgende Weise erhalten haben. Der Besitzer des ersten Hofes, aus dem Buntenbock entstanden ist, stellte einer Dirne nach und diese versprach ihn zu erhören, wenn er ihr einen bunten Bock schenkte, der die Zierde seines Hofes war. Da schenkte er ihr den bunten Bock und hat diesen auch nachher an seinem Thorwege abmalen lassen zum Andenken an die Lustbarkeit, die er mit der Dirne genossen hat. Einige Alte, die noch nicht lange verstorben sind, wollten ihn noch dort gesehen haben.

*

2. Das Hickeding.

Bei Buntenbock an der Ausflut aus dem Teiche hat sich ein Mann dem Teufel unterschrieben und dafür ein Hickeding erhalten, das Geld hecken konnte. Einstmals wollte er es an einen Tischlermeister verkaufen, da machte es aber ein furchtbares Brausen. Man gibt dem Hickeding Milch und Semmel zu essen. Eines Tages auf dem Freischießen zu Buntenbock sagte der Mann, dem dies Hickeding gehörte, zu seiner Frau, sie hätten ja vergessen, dem Hickeding zu fressen zu geben. Da war es verhungert, als sie nach Hause kamen.

In einem Hause zu Buntenbock war auch ein Hickeding, das saß in einer verschlossenen Kammer, wo Niemand sich hineintraute. Nun brannte es einmal in diesem Hause, da schlug der Lehrer diese Thür aus. Da saß das Hickeding auf der Kammer in einem Kästchen, es sah wie eine Kröte aus, hatte Krötenbeine und Kropfaugen. Vor ihm stand eine kleine Fußbank und ein silberner Ambos, daraus lag ein Hammer. Es entstand aber ein Windbrausen und aus der Kammer kam Feuer heraus. Da wurde die Kammer wieder verschlossen und ist nicht mit abgebrannt. Lange sah man noch in ihr einen Feuerbatzen (Klumpen).

Einen Schneider, welcher gerade Bräutigamszeug anfertigte, machte sein Nachbar glauben, dieses Hickeding wolle rücken, und darauf setzte er in der Nacht einen Kohlentopf in des Schneiders Garten. Da warf der Schneider das Bräutigamszeug in das Feuer unter den Baum, um damit die Schätze für sich zu heben und das Hickeding zu gewinnen.

*

3. Der Wehrwolf.

Vor alten Zeiten haben zu Buntenbock vier Leute Gras gemäht und Einer davon konnte sich in einen Wolf verwandeln. Nun kam ein Handelsmann von Klausthal herunter mit zwei Pferden und einem Füllen und ließ sein Vieh dort weiden. Drei Grasmäher schliefen, der vierte aber, der sich in den Wehrwolf verwandeln konnte, schnallte seinen Riemen um und fraß als Wehrwolf das Füllen auf. Da legte er sich schlafen zu seinen Kameraden. An seiner Unbehilflichkeit merkten die Kameraden, daß er das Füllen gefressen habe und begannen darauf zu sticheln. Da schnallte er seinen Wolfsriemen um, lief als Wehrwolf in den Wald und ist nicht wieder gesehen.

*

4. Die Molche.

Hinter Buntenbock hatte ein Arbeiter eine Eisensteinsgrube. Er hatte aber in dieser Grube immer so viel Molche von gelbem und schwarzem Aussehen, daß er sie in der Karre herausfahren mußte, denn sie krochen ihm sogar auf sein Essen und verdarben es. An einem Feuer schüttete er dann immer seine Karre um und verbrannte die Molche. Am Morgen nach dem Tage, wo er so viele Karren voll verbrannt, fand er noch einige in der Grube, die glänzten so eigen. Und indem er auch die noch ins Feuer tragen wollte, da winkte ihm der Bergmönch; er aber achtete nicht darauf und verbrannte sie. Von nun an arbeitete er im Tauben (ohne Ausbeute). Wäre aber der Arbeiter dem Bergmönch gefolgt, so hätte dieser ihm gewiß etwas offerirt und er hätte sein Glück machen können, denn gewiß sind die Molche eitel Gold gewesen. Die Grube ist von dieser Zeit an ganz in Verfall gerathen, viele Arbeiter waren schon darin und haben keinen Eisenstein mehr gefunden. Sie heißt jetzt die Molchsgrube zum Andenken an diese Begebenheit. Daß die Molche Gold gewesen sind, steht zu vermuthen nach folgender Geschichte.

Es wollte einmal ein Mann seinem Nachbar einen Schabernack anthun, der rapte einen Sack voll Molche ein, die schüttete er über die Thür dem Nachbar auf die Diele, der langte nun bei ihm einen Himpen (ein Getreidemaß) fort, er aber war politisch und machte unten etwas Leim daran, um zu sehen, was der zu messen habe. Wie er den Himpen zurückbekam, sah er, daß es Gold gewesen ist – das sind die Molche gewesen, mit denen ihm der Nachbar hat einen Schabernack thun wollen.

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