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Hans Sachs' ausgewählte poetische Werke

Hans Sachs: Hans Sachs' ausgewählte poetische Werke - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
booktitleHans Sachs' ausgewählte poetische Werke
authorHans Sachs
editorKarl Pannier
year1884
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleHans Sachs' ausgewählte poetische Werke
created20051231
sendergerd.bouillon
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30. Ein geistlich Lied wider die Bauchsorge.

Es ist zwar bestritten, ob das Gedicht von H. S. ist, da das Lied aber eine große Verbreitung gefunden hat und die Gründe für und wider die Autorschaft unseres Dichters sich die Wage halten, theile ich es hier mit.

          Warum betrübst du dich, mein Herz,
Bekümmerst dich und hegest Schmerz
Nur um das ird'sche Gut?
Vertrau' du deines Gottes Rath,
Der alle Ding' erschaffen hat!

    Er kann und will dich lassen nicht,
Er weiß auch wohl, was dir gebricht,
Die ganze Welt ist sein,
Mein Vater ist er und mein Gott,
Der mir beisteht in aller Noth.

    Weil du mein Gott und Vater bist,
So weiß ich, daß mich nie vergißt
Dein väterliches Herz.
Ich bin ein armer Erdenkloß
Bin sonst auf Erden Trostes bloß.

    Der Reiche sich auf sein Gut verläßt;
Ich will auf Gott vertrauen fest.
Werd' ich verachtet gleich,
Weiß ich und glaub' mit Zuversicht:
Wer dir vertraut, dem mangelt's nicht.

    Elias, wer hat dich ernährt,
Da Regen man so lang' entbehrt,
In schwerer Hungerszeit?
Die Wittwe vom Sodomerland,
Zu der warst du von Gott gesandt!

    Da er lag unter'm Wachholderbaum,
Der Engel Gottes zu ihm kam,
Bracht' Speise ihm und Trank;
Er ging gar einen weiten Gang,
Bis zu dem Berg Horeb genannt.

    Auch Daniels Gott nicht vergaß,
Da jener bei den Löwen saß:
Sandt' seinen Engel hin
Und ließ ihm Speise bringen gut
Durch seinen Diener Habakuk.

    Verkauft nach Aegypten Joseph ward,
Von Pharao gefangen hart,
Weil gottesfürchtig er:
Zum großen Herrn macht' ihn der Herr,
Daß seine Brüder schützte er.

    Die Männer drei im Ofen roth
Verließ auch nicht der treue Gott:
Sandt' seinen Engel hin,
Bewahrte sie vor Feuersglut,
Half ihnen aus den Nöthen gut.

    Ach Gott, du bist noch heut' so reich,
Wie du es warst von Anfang gleich!
Darum vertrau' ich dir:
Mach' reich du meine Seele mir,
So hab' genug ich dort und hier.

    Ich streb' nicht nach zeitlicher Ehr',
Gewährst du mir die ew'ge, Herr,
Die du erworben hast
Durch deinen herben, bittern Tod:
Das bitt' ich dich, mein Herr und Gott!

    Was alles ist auf dieser Welt,
Sei's Silber, sei es Gold und Geld,
Reichthum und zeitlich Gut,
Das währt nur eine kurze Zeit,
Und hilft doch nichts zur Seligkeit!

    Christ, Gottes Sohn, ich preise dich,
Daß du das ließ'st erkennen mich
Durch dein göttliches Wort;
Verleih' mir auch Beständigkeit
Zu meiner Seelen Seligkeit!

    Lob, Preis und Ehre sag' ich dir
Für alles, was du that'st an mir,
Und bitt' demüthig dich:
Laß mich von deinem Angesicht
Verstoßen werden ewig nicht.   Amen.

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