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Hans Heiling, Titelseite

Eduard Philipp Devrient: Hans Heiling, Titelseite - Kapitel 4
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generatorHTML Tidy, see www.w3.org
typeopera
booktitleHans Heiling
authorEduard Devrient
titleHans Heiling, Titelseite
pagesunbekannt
sendero-staack@t-online.de
noteQuelle: Klavierauszug mit Text. Neu revidiert von Gustav F. Kogel. C. F. Peters, Leipzig, ohne Jahr (V.Nr.7681)
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Zweiter Akt.

(Wilde Wald und Felsengegend; das Abendroth leuchtet durch die Bäume. Der Vorhang geht im 15. Takt auf.)

No. 8. Scene und Arie.

Anna. Wehe mir! Wohin, wohin ist es mit mir gekommen? Wie schlägt mein Herz so ängstlich und beklommen, mein froher Muth beginnt zu wanken, und mit einander streiten die Gedanken. (Sie verliert such sinnend in Gedanken)
Wehe mir! Wohin, wohin mich wenden
wie soll es enden?
Wer wird mein Retter sein
von dieser Pein?
Dem Bräutigam hab' ich
mein Waort, mein Wort gegeben, (traurig und leise)
es hängt sein ganzes Leben, sein ganzes Leben
an meinem Treuversprechen!
Kann ich das brechen, kann ich das je brechen?
(innig) Und dennoch hab' ich jetzt es erst verstanden,
was so, was so mit mächt'gen Banden
die Herzen aneinander zieht,
dass Seel' an Seel' erglüht.
(freudig) An Konrad’s Liebe denk' ich mit Entzücken,
(bebend) da schreckt mich Heilings Bild mit Vorwurfsblicken,
und doch bin ich in meiner Brust
mir keiner Schuld bewusst.
Wohin mich wenden,
wie soll das enden?
Wer soll mein Retter sein
aus dieser Pein?

(Sie sinkt auf ein Felsstück; nach einer kleinen Pause richtet sie sich ergeben auf.)

(Die Abendröthe schwindet.)

[Anna. So gehe es denn, wie Gott will, ich kann ja nichts thun, als mich drein ergeben. Doch sieh, die Sonne ist schon tief hinunter; mein Gott, wie habe ich mich verspätet. Wäre ich nur lieber heut‘ nicht zur Base gegangen. Ach, hätte ich’s nur zu Hause aushalten können, aber das Herz war mir gar zu schwer, ich musste hinaus. (Sie sieht gedankenvoll vor sich hin.) Wer hätte das gedacht, dass der gestrige Tanz mich so traurig machen würde? Und was wird Heiling sagen? Aber da stehe ich schon wieder, ich bin doch auch ganz verwirrt. Nun werde ich mich dazu halten müssen. Von welcher Seite bin ich denn gekommen?] (Sich umsehend.) Wo bin ich denn? Die Gegend ist mir ganz fremd; ichhabe mich wohl gar verwirrt? Mein armes Mütterchen, wie wird sie sich ängstigen! Und wenn die Nacht mich überfällt! Hier soll es nicht geheuer sein; man sagt, dass Kobolde und böse Geister hier ihr nächtig Wesen treiben.

(Man vernimmt die leisen Klänge des immer näher kommenden Geisterchors.)

Anna. Flüstert es nicht dort? – Nein, da! – Es murmelt, rauscht, es sit unter mir. Immer näher! Der Boden wankt, wohin entfliehe ich?

Die Erdgeister (werden sichtbar).

Anna. Ihr Heiligen, steht mir bei! (Sie sinkt nieder auf das Felsstück.)

No. 9. Ensemble und Arie mit Chor.

Chor der Geister (unterirdisch). Aus der Klüfte Schlund, durch der Erde Grund drängt hinauf, empor an das Licht hervor. (Die Geister steigen aus der Erde empor.)Königin. Hör' auf mein Wort,
bethörtes Menschenkind,
ich bin gekommen dich zu warnen,
das Unglück droht dich zu umgarnen,
und ins Verderben stürzest du dich blind.

Anna (sehr bewegt). O hohe Frau, was hab' ich denn begangen?
was könnt Ihr doch von mir verlangen?

Chor. Menschenkind gieb dich gefangen,
gleich erfülle ihr Verlangen!

Königin. Meinen Sohn, meinen Sohn gieb mir zurück!
(imponirend) Lass ihn frei
aus dem Netz der Liebeszauberei,
denn auf Erden blühet ihm kein Glück!

Chor der Geister. Wehe dir, gehorchst du nicht!

Anna. Wehe mir, wehe mir! Ich versteh' euch nicht!

Königin und Chor der Geister.
Wisse denn, dein Bräutigam
ist Geisterfürst der Berge!
Er gehört dem Stamm
Der Gnomen und der Zwerge!

Anna. Allmächt'ger Gott! (Sie sinkt vernichtet nieder.)

Königin. Oeffne dein Ohr
für die warnende Stimme,
gieb ihn mir wieder,
den einzigen Sohn,
gieb ihn zurück
dem verlassenen Thron!

Chor. Gieb ihn zurück
dem verlassenen Thron!

Königin. Sonst bist du verfallen
dem rächenden Grimme
der mächtigen Geister,
sie fordern den Meister,
sie sinnen und spinnen
Grau'n und Entsetzen.
Sie schrecken und hetzen
bei Tag und bei Nacht,
sie schrecken und hetzen dich
mit endloser Pein!

Chor. Wehe dir! Wehe dir!

Königin. Gieb ihn mir wieder etc.

Chor. Wehe dir! Wehe dir! Wehe dir,
wirst du nicht gehorsam sein! (Sie versinken langsam.)

Anna (richtet sich auf). Ihr Heiligen! Was hab ich hören müssen! Hinweg! Hinweg! (Sie hat sich aufgerafft und wankt einige Schritte.) Weh mir, ich kann nicht mehr! (Sinkt nieder.)

No. 10. Scene.

Konrad (hinter der Scene). Wohl durch den grünen Wald mein Jägerhorn erschallt!
(Konrad will über die Bühne gehen, bemerkt Anna am Boden.)
Wer weilt so spät und einsam noch in Walde? Ist es ein Mensch, ein Spuk der bösen Geister? Nur frisch heran, es soll sich bald mir zeigen. (er tritt hinzu und erkennt Anna)
Was seh' ich, Anna!
um Sct. Hubert willen, was thut Ihr hier?

Anna (entsetzt). Lasst ab! Lasst ab! Lasst ab von mir!

Konrad (sanft zuredend). Kennt Ihr mich nicht? Anna, seht mich doch an.

Anna. Ach Konrad! (ihn wiedererkennend, bricht in Thränen aus)
Konrad! Euch hat Gott gesandt!

Konrad. O fasst Euch, fasst Euch, sagt was ist Euch hier begegnet?
(unwillig.)Wo ist Euer Bräutigam, daß er Euch nicht beschützt?

Anna (heftig). O schweigt von ihm, Entsetzen packt mich an!

Konrad (drängend). Ihr liebt ihn nicht?

Anna. Nie hab' ich ihn geliebt!

Konrad. Und wollt sein Weib doch werden?

Anna. Nimmermehr. Eh' will ich in den tiefsten
Strom mich betten.

No. 11. Duett.

Konrad (freudig). Ha, dieses Wort giebt erneuertes Leben,
schwellet mir mächtig den Muth.
Trauet auf mich, Ihr sollt' nicht mehr beben,
nein, nein, Ihr sollt nicht mehr beben.
Schutz will ich gegen die Hölle Euch geben,
trauet auf mich, Ihr sollt nicht mehr beben
Schutz will ich gegen die Hölle Euch geben,
Euch weih' ich all'mein Blut.

Anna (für sich). Ja ihm vertraue ich freudig mein Leben,
wie stärkt mich sein männlicher Muth!

Konrad. Doch rasch nun fort
von diesem Ort
auf immerdar!

Anna. Doch rasch nun fort
von diesem Ort
auf immerdar!

Konrad. Doch rasch nun fort
von diesem Ort
auf immerdar!

Anna. Ja rasch nun fort
auf immerdar
von diesem Ort!

Konrad. Lasst, o lasst Euren Weg mich beschützen,
Euch meinen Arm, meinen Arm unterstützen,
lasst Euren Weg, Euren Weg mich beschützen,
dann seid Ihr sicher vor jeder Gefahr!

Anna. Er will mich muthig beschützen,
mich soll sein Arm unterstützen,
ja ich vertrau' Euch in jeder Gefahr, in jeder Gefahr.

Verwandlung.

No. 12. Melodram und Lied.

(Gemach in Gertrudes Hütte. Es ist dunkel, eine brennende Lampe steht auf dem Tisch. Feuer auf dem Heerd. Der Wind heult. Gertrude sitzt mit dem Rocken in der Tiefe.)

(Der Vorhang geht im 8. Takt auf.)

Gertrude. Wo nur Ännchen bleibt, es ist finstre Nacht und der Wind heult kalt über die Haide. Wüsst' ich nicht, dass sie die Wege kennt, mir wäre bange um sie. (Sie geht ans Fenster.) Es ist auch kein Sternchen am Himmel, Heihei, das stürmt ja, als wäre das wilde Heer los. (Sie macht das Fenster zu und fängt wieder an zu spinnen.) Wäre nur Anna erst da! Ich sagte es gleich, es wäre heute schon zu spät zur Base zu geh'n, der Weg ist zu weit. (summend) Es hätte ja morgen sin können. (summend)

Gerdtrude.
Des Nachts wohl auf der Haide
Da brennt ein Flämmchen blau.

Gertrude. Wenn sie nur ohne Anfechtung durch den Wald gekommen ist.

Gertrude.
Ein geiziger, hartherziger Mann,
Den Schatz zu heben kommt er an,
des Nachts wohl auf der Haide, da brennt ein Flämmchen blau.

Gertrude. Wie die Hunde in den Sturm heulen. (schüttelt sich) 's ist schaurig kalt.

Gertrude.
Und wie er gräbt, da steigt empor
ein bleiches Todtengeripp!

Gertrude. Still, raschelt es nicht an der Thür? (sie horcht.) Nein, sie ist es noch nicht.

Gertrude.
Auf der Haide,
da brennt ein Flämmchen blau.
Du hörst nicht auf der Armen Noth,
drum würge ich dich jetzt zu Tod.
Des Nachts wohl auf der Haide,
da brennt ein Flämmchen –

Gertrude. Wer kommt da? (Konrad trägt Anna herein.) All' ihr Heiligen, was ist gescheh'n?

Konrad. Erschreckt nicht, Mutter Gertrude, es ist ihr kein Leid gescheh'n.

Gertrude (um Anna beschäftigt). So sprich doch, Kind, was ist dir widerfahren? [Wie kalt du bist, komm her zum Feuer, wärme dich, der Wind geht gar kalt. (Sie eilt nach dem Kamin links vorn und schürt das Feuer.) Nun sage doch, wie es dir erging?]

Anna. Fragt nicht, erinnert mich nicht daran, ich komme noch von Sinnen!

Konrad (halblaut zu Gertrude). Gönnt ihr Ruhe. Mutter Gertrude, und höret freundlich auf mein Wort. [Um Euretwillen komme ich heut schon wieder heraus.] Ich wollte Euch noch einmal recht ins Gewissen reden, dass Ihr doch Euer Kind dem Heiling nicht geben möchtet, denn ich habe gestern beim Feste wohl gemerkt, dass Anna ihn nicht liebt und auch nimmermehr mit ihm glücklich sein kann.

Gertrude (empfindlich). Wie meint Ihr das, Herr Leibschütz?

Konrad. O hört mich gütig an! Mir hat es heute Anna gesagt, dass sie eher sterben, als sein Weib werden will.

Gertrude. Wie, Anna, übermorgen soll deine Hochzeit sein und nun –

Anna (heftig). Nein! nein! um Gottes willen, sprecht nicht mehr von ihm.

No. 13. Finale.

Konrad. Ihr hört es! Schon sein Nam' ist ihr ein Abscheu,
und Ihr wollt sie zu solchem Bündiss zwingen?
(zärtlich) O sagt mir, Anna, wird in Eurem Busen
für keinen Andern eine Stimme laut,
und könntet Ihr, und könntet Ihr ein Herz,
ein Herz voll unbegrenzter
Treu' und Zärtlichkeit verwerfen?

Anna. Konrad, ach schonet mein,
ich bin ein armes unglücksel'ges Mädchen!

Arie.

Konrad. Gönne mir ein Wort der Liebe,
ein einzig Wort der Liebe,
und ewig, ewig bin ich dein.
Dann soll dir kein Tag mehr trübe,
keiner, keiner leidvoll sein.
Sorgsam will ich alle Freuden
dir auf deinem Pfad vereinen,
und in Leiden für dich kämpfen,
mit dir weinen!
Nur die Lieb' in deinen Blicken
sei mein Leben, mein Entzücken,
nur die Freud‘, nur die Freud‘ in deinen Blicken
sei mein Leben, mein Entzücken!
(zu Gertrude) Lasset Gewährung mich hoffen!
(zu Anna) Willst du die Meine sein?
Anna! Willst du die Meine sein?
(dringender zu Gertrude) Lasset Gewährung mich hoffen!
(zu Anna) Willst du die Meine sein?
Dann ist der Himmel mir offen,
Wonne der Seligen mein!
Willst du die Meine sein?
(freudig) Dann ist der himmel etc.

Gertrude. Ei Kunz, wo denkt Ihr hin!
Was kommt Euch in den Sinn?
Wollt' ich auf Eure Worte hören,
was würde Meister Heiling sagen?

Konrad. O wollt Eurer Kinder Glück gewähren,
Ihr sollt es nimmermehr beklagen!
Ihr sollt es nimmermehr bereuen!

Anna (schüchtern). Darf ich wohl freud'ge Hoffnung nähren?
Ich muss an allem Glück verzagen,
ich muss allem Glück verzagen!
Darf ich wohl freud’ge Hoffnung nähren?
ich muss an allem Glück verzagen! etc.

Konrad. Wollt Eurer Kinder Glück gewähren.
Wollt Eurer Kinder Glück gewähren,
Ihr sollt‘ es nimmermehr bereuen! etc.

Gertrude. Was würde Meister Heiling sagen?
Wollt‘ ich auf Eure Worte hören,
was würde Meister Heiling sagen? Was?
Ei Kunz! Wo denkt ihr hin,
was kommt Euch in den Sinn?
Wollt‘ ich au Eure Worte hören etc.(Heiling tritt unbemerkt herein und bleibt beobachtend im Hintergrund.)

Anna (erblickt Heiling, entsetzt). Da ist er!

Heiling (kalt und düster). Nimmermehr hätt' ich geglaubt,
dass du so mich kränken könntest,
mir so ungehorsam sein.
Doch ich will es dir verzeih'n,
(etwas heftiger) bald bist du mein Weib und wehe dem,
(mit flammendem Blick auf Konrad) Der zwischen uns sich stellt!
(zu Anna) Schön geschmückt sind Haus und Hof
ihre Herrin zu empfangen. (Heiling öffnet das Schmuckkästchen und lässt Juwelen und goldne Ketten hervornblitzen, die Gertrude von ferne anstaunt.)

Heiling. Nimm demnach als Leibgedinge
(reicht Anna den Schmuck) diesen Schmuck, den ich dir bringe.

(Anna schaudert zusammen und senkt den Blick, die Hände zusammen pressend.)

(Konrad steht mit verschränkten Armen finstern Blicks beobachtend.)

Gertrude. Heil'ge Jungfrau! Welch' ein Glanz, er verblendet mich noch ganz.

Heiling (heftiger). Willst du mein Geschenk verschmäh'n,
deinen Brautschmuck gar nicht seh'n? (er naht sich Anna damit.)

Anna (entsetzt). Fort, hinweg mit dem Geschenk!

Heiling. Willst du mein Geschenk verschmäh’n?

Anna. Nichts, o nichts will ich von Euch!

Gertrude. Ei Kind, bedenk'!

Konrad (für sich, mit unterdrücktem Zorn).
Gelüstet es dem Frechen
ein hartes Wort zu sprechen.
Soll dieser Arm es rächen! etc.

Heiling (für sich). Welch trotziges Erfrechen, nur er lehrt sie so sprechen,
sein Verderben soll es rächen!

Gertrude (zu Anna). Mein Kind, du musst zur Sühne sprechen,
sonst wird der Friede brechen!

Heiling (zu Anna). Nicht bedacht hast du dein Wort,
fremder Eifer riss dich fort;
's ist dein Leibgedinge
was ich bringe,
ich, der Bräutigam deiner Wahl,
(heftig ihre Hand fassend) Bald dein Herr und dein Gemahl!

(Anna reisst sich los und flieht.)

Anna (zu Konrad). Wenn du mich liebst so schütze mich!
(auf Heiling deutend) Er ist ein Erdgeist!

Heiling. Ha! (er stürzt zusammen)

Konrad. Was höre ich!

Anna. Glaubt mir doch, das war es ja,
was ich vorhin im Walde sah,
er stammt aus dem Reich der Zwerge,
's ist ein Geisterfürst der Berge!

Konrad (zu Heiling). Beim heil'gen Hubert beschwör' ich dich,
hebe dich hinweg von hier,
sonst, bei Gott, versuche ich
den blanken Stahl an dir!

Heiling. Alles dahin!

Konrad (zu Anna):
Frei bist du, frei,
trotz seinem tück'schen Droh'n!
Frei bist du, frei,
ich lach' des Kobolds Wuth! etc.

Anna und Gertrude. Gott steh' uns bei,
stille das feindliche Droh'n!
Der Rache flammende Wuth! etc.

Heiling. Hei, hei! Wie sie droh'n
welch lustiger Hohn, hei, hei! etc. (Er sticht plötzlich nach Konrad und stürzt lachend ab.)
Hei hei! hei hei!

Anna (stürzt sich auf Konrad). Konrad, Geliebter!

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