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Hans Dampf in allen Gassen

Heinrich Zschokke: Hans Dampf in allen Gassen - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
booktitleHumoresken von Heinrich Zschokke
authorHeinrich Zschokke
year1920
publisherDeutsch-Meister-Verlag
addressMünchen und Barmen
titleHans Dampf in allen Gassen
pages11-85
created20020824
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1814
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Hans Dampf

Hans Dampf, der seine Mitbürger sehr gut kannte, saß wohlgemut und furchtlos zu Hause, wo ihn seine alte Haushälterin verpflegte. Er wußte sehr gut, daß in wenigen Tagen alles anders werden könnte; daß seine lieben Lalenburger, groß in Worten, klein in Taten, ihm, auch wenn er entdeckt werden sollte, kein Haar krümmen würden. Ohnehin tröstete ihn sein gutes Gewissen, denn er hatte dem Fürsten von Luchsenstein noch nie eine Fliege totgeschlagen.

Wie er aber von der treuen Haushälterin, die von Zeit zu Zeit ausging, Staatsneuigkeiten und Ratsverhandlungen zu erfahren, die seltsame Märe hörte, er sei zum Hofrat des Fürsten ernannt, um dessen Leibhund Unterricht in der deutschen Grammatik zu geben; die Ratsdeputation habe ihm im Staatsgefängnis vergebens ihre Aufwartung gemacht; die ganze Stadt wäre in außerordentlicher Bestürzung, sowohl wegen seines Verschwindens als wegen der unergründlichen Art desselben, da, aufs genaueste untersucht, Mauer und Gitterwerk, Nägel und Amtssiegel unversehrt gefunden worden: so bereute er fast seine Flucht.

Um also die Sache so bald als möglich ins Gleis zu bringen, kleidete er sich aufs prächtigste, zündete seine Tabakspfeife an, legte sich damit weit ins offene Fenster, rauchte ganz harmlos und grüßte freundlich die Vorübergehenden. Er erreichte damit seinen Zweck; denn jeder blieb stehen und gaffte verwundert herauf; das Gerücht flog wetterschnell durch die Stadt, der wunderbar verschwundene Hofrat rauche zum Fenster heraus seine Pfeife; alles lief hin, sich von der Wahrheit des Gerüchtes selbst zu überzeugen, je weniger man daran glaubte. In einer halben Stunde war die Gasse gedrängt voller Menschen von einem Ende bis zum andern; die Honoratioren der Stadt, in die Nachbarschaft zu Bekannten und Freunden geeilt, sahen rechts und links gegenüber, Kopf an Kopf gedrängt, zu den Fenstern heraus, während Schornsteinfeger, Maurer, Zimmerleute und freche Buben ihre bequemen Plätze auf den Dächern gegenüberstehender Häuser wählten, den neuen Hofrat zu sehen, der mit eben so großer Neugier und Freude das Volksgewimmel betrachtete, wie er von demselben angestaunt wurde.

Mit unsäglicher Mühe arbeitete sich die Ratsdeputation durch das Gewühl der Gaffer zu seinem Hause. Er empfing sie mit herablassender Huld. Der Bürgermeister selbst hatte sich nun an ihre Spitze gestellt und eröffnete seine Rede mit den Worten: «Hoch- und wohlgeborner Herr fürstlicher Hofrat! Leider ist in unserer teuern Vaterstadt wahr geworden, was jener spricht: kein Prophet gilt weniger, als in seinem Vaterlande.» Aus diesem Text spann der Konsul nun eine lange Glückwunschsrede, die sich mit schmeichelnden Komplimenten und Entschuldigungen wegen der gestrigen Übereilung eines wohlweisen Rates endete. Darauf ward das Schreiben des Fürsten überreicht. Alle Ratsherren weinten Freudentränen. Der potenzierte Staatsbaumeister hielt ihm nun eine vortreffliche Gegenrede, die so lange währte, bis sich das Volk auf den Straßen verlaufen und die Deputation vollkommen aufgehört hatte, Freudentränen zu vergießen. Dann erschien der fürstliche Kutscher und meldete, daß Se. Durchlaucht befohlen, der Hofrat solle noch diesen Abend sich in der Residenz zur Audienz einfinden.

Da war nun nicht zu säumen. Der entzückte Hans Dampf packte ein und saß nach einer Stunde schon in der fürstlichen Kutsche. Eine ungeheure Volksmenge war wieder versammelt, ihn einsteigen zu sehen. Jeder nahm in tiefer Ehrerbietung den Hut oder die Kappe bei dem Anblick des goldverbrämten Kutschers und des bestäubten Reisewagens ab. Denn so stolz auch jeder Lalenburger auf seine republikanische Unabhängigkeit und Freiheit war, und wiewohl auch der ärmste Teufel sich als freier Bürger einem König gleich dünkte, hatte doch jeder Lalenburger immerdar eine geziemende knechtische Ehrfurcht vor allem, was fürstlich war.

Hans Dampf mußte noch den gleichen Abend zu Sr. Durchlaucht. Fürst Nikodemus war ein vortrefflicher Herr, dem nur ein Kaisertum fehlte, um einer der größten Monarchen zu sein; so aber war er nur ein kleiner mit großen Schulden. Zu seinen edelsten Vergnügungen rechnete er, wie billig, die Jagd; und daraus läßt sich erklären, daß an seinem Hofe mehr Hunde als Menschen lebten. Gesellschaften liebte er sonst nicht. Obwohl er eigentlich kein Menschenfeind war, äußerte er doch manchmal in vertrauten Zirkeln, daß er viel darum geben würde, wenn er, mit Ausnahme des Jagdpersonals, alle seine lieben und treuen Untertanen in Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen, wilde Gänse, Enten, Schnepfen, Rebhühner und dergleichen verwandeln könnte. Er glaubte, sie würden ihm dann mehr Vergnügen machen und Nutzen bringen.

«Hör Er einmal!» redete der Fürst seinen neugeschaffenen Hofrat an, der ihm in untertänigster Untertänigkeit den Rockzipfel küßte: «Ist Er's also, der die Hunde sprechen lehren kann? Sieht Er hier die Fidele? Schade, daß das arme Tier sich nicht mündlich auszudrücken versteht; aber, auf Ehre, was ich dem Geschöpf sage, begreift es.»

Darauf befahl Nikodemus dem Hunde auf deutsch, französisch und italienisch allerlei, und der Hund vollzog die Aufträge mit bewundernswürdiger Pünktlichkeit.

«He, was sagt Er dazu?» fragte der Fürst mit freudeglänzenden Augen.

«Wie Ew. Durchlaucht befehlen!» antwortete der Lalenburger.

«Hofft Er die Fidele zum Sprechen zu bringen?»

«Wenn man uns beiden Zeit genug läßt –»

«Daran soll es nicht fehlen. Hör er einmal, fange Er nur mit dem Deutschen an. Französisch kann nachher vorgenommen werden, wenn das Tier in der Muttersprache hinlängliche Progressen gemacht hat. Er kann hier im Schlosse bei mir logieren. Mein Haushofmeister soll Ihm ein Zimmer anweisen. Er muß sich nur erst das Tier recht attachieren, daß es gern bei Ihm bleibt. Wenn Er seine Sache gut macht, soll er noch schöne Recompense haben. Ich werde von Zeit zu Zeit nachfragen, wie es mit den Lektionen geht. Versteht Er auch französisch?»

«Ew. Durchlaucht, zum Unterricht der liebenswürdigen Fidele verstehe ich genug davon; doch wird mir die französische Sprache etwas mühsam zu reden, und zwar bloß wegen eines kleinen Fehlers meiner Zunge. Denn es geschieht zuweilen, daß sie das Wort nicht gleich herausbringen kann, was ich meine.»

«Und italienisch?»

«Ew. Durchlaucht, damit habe ich auf Universitäten guten Anfang gemacht, aber das ist leider schon lange her.»

«Nun, nun, so laß Er's, mon cher.»

«Ew. Durchlaucht, ich bitte untertänigst ab, ich habe sie nicht bei mir.»

«Was?»

«Die Schere.»

«Ei, ei, was Schere? Was macht Er da gleich für eine tolle faute?»

Der Hofrat besah sich schamrot die Hände und versteckte dieselben, weil er glaubte, Se. Durchlaucht rede von Seiner Pfote.

«Nun, geh' Er jetzt nur! Laß Er sich Sein Logement zeigen und sich brav Wurst aus meiner Küche geben, denn Fidele frißt sie gern. Damit gewinnt Er gleich ihr Herz.»

Der Hofrat merkte, daß ihm die Tür gewiesen sei, und nahte sich derselben unter vielen Verbeugungen rücklings, weil er nicht wider die Ehrfurcht fehlen und dem Fürsten den Rücken zukehren wollte. Dabei kam ihm aber unvermutet Fidele, ein derber Jagdhund, zwischen die Beine, und er stürzte so ungeschliffen rückwärts zu Boden, daß ihm die Füße im Aufschwung hoch über den Kopf emporfuhren. Hans Dampf ließ einen tiefen Seufzer fahren, der Hund schrie vor Schrecken laut auf, und Nikodemus lachte sich fast krank. «Nun, ihr fangt an, miteinander Bekanntschaft zu machen!»rief der Fürst, und der Hofrat lief unter Millionen Abbitten zur Tür hinaus.

 
In allen Gassen

Mit Beihilfe der Hofküche hatte sich Hans Dampf die Gewogenheit und das Zutrauen des fürstlichen Leibhundes vollkommen in Zeit von vier Wochen erworben. Von nun an erkundigte sich der Fürst öfters nach dem Gang des Unterrichts. Der schlaue Hofrat bemerkte jedoch Sr. Durchlaucht, daß ein Mensch selbst wohl vier, fünf Jahre gebrauche, ehe er reden lerne, und ein Kind vor Verlauf des ersten Jahres kaum einzelne Silben lallen könne. Nikodemus fand den Grund sehr vernünftig und mäßigte seine Ungeduld. Hans Dampf aber, dem sein Leben am Hofe sehr behaglich war, ließ sich's wohl sein, und empfand nur dann und wann einige Unruhe, wenn er dem Hunde tausendmal ein und dasselbe Wort gesprochen hatte und doch keine Frucht davon sah. Der Hund gaffte zwar seinen Lehrmeister aufmerksam an, schien aber zum Nachsprechen der Worte viel zu schüchtern zu sein.

Hans Dampf erinnerte sich zum Glück an einen Spaßmacher, den er unter den Studenten auf der Universität gekannt. Dieser pflegte seinem Pudel zuweilen die Schnauze zusammenzudrücken und ihn durch heimliches Klemmen zum Knurren und Murren zu bringen. Wenn er dann im richtigen Zeitmaß die Hand an der Schnauze ein wenig nachließ, entstand durch das Öffnen und Zusammendrücken derselben aus dem Rachen des mürrischen Pudels der deutliche Ton Ma Ma. Hans Dampf versuchte das gleiche bei Fidelen, und es gelang ihm über Erwartung.

Da Nikodemus nach einem halben Jahre den Hofrat ziemlich verdrießlich um Fidelens Fortschritte befragte, lobte der Lehrmeister seinen Zögling ungemein und erbot sich, von dessen erstem kindischen Lallen einige Proben zu geben. Der Fürst versammelte seine Vertrauten, und im Kreise derselben erschien der Hofrat mit einer sehr zuversichtlichen Miene, nebst seinem Zögling.

Vor allem aus bemerkte der Hofrat in einer langen, vortrefflichen Rede, voll seiner pädagogischen Bemerkungen, daß er im Unterricht genau den Gang der Natur beobachte, weil sie die beste Wegweiserin sei. Alle Künstelei in Unterricht und Erziehung sei Torheit und geisttötend und verderblich für die lebenden Geschlechter, wie für die ganze Nachkommenschaft. Nur durch die schlechte Einrichtung des ersten Unterrichts sei das Unglück aller Staaten, der Untergang großer Nationen entstanden und alles Unheil in der Welt. Nebenbei machte er Hoffnung, seine neuerfundene Buchstabiermethode menschenfreundlich bekanntzumachen, wenn man ihm das Geheimnis mit einigen und zwanzigtausend Gulden bezahlen würde, und erwähnte eines großen Entwurfs, eine neue Fibel, mit vielen Kupferstichen, nach seinem eigenen Ideale herausgegeben und seiner Durchlaucht dem Fürst Nikodemus, dem Mäzen und Beschützer der Wissenschaften und Gelehrten, zu dedizieren.

Darauf fuhr er fort, den Gang der Natur im Unterricht des menschlichen Geschlechts zu entwickeln. «Wen,» sprach er, «wen lernt das Kind zuerst unter allen Lebenden kennen, wen zuerst lieben? Es ist die Mutter. Und die Mutter ist es, deren Zärtlichkeit es auch zuerst durch sein Stammeln auf die rührendste Weise belohnt. Der süße Muttername ist der erste Klang, welcher den zarten, ungeübten Lippen des Kindes entschwebt! Und so begann auch ich bei unserer talentvollen, liebenswürdigen Fidele. – Nun, Fidele, komm her, sei artig und sage den hohen Anwesenden den Namen deiner Mutter.»

Bei diesen Worten nahm er den Hund schmeichelnd in den Arm, hielt ihm die Schnauze, kniff und stieß ihn von hinten, bis er zu brummen anfing und dann mit tiefer Baßstimme «Mama!» hören ließ. Alle Anwesenden brachen in ein lautes und fast unauslöschliches Gelächter aus, womit sie ihrem Beifall oder den Empfindungen ihres Erstaunens Luft machten. Des Hofrats gelehrter Ernst und Fidelens Baßstimme dazu gaben diesem pädagogischen Akt etwas sehr Feierliches. Aufgemuntert durch diese Fröhlichkeit, ließ der Hofrat den Leibhund sein Kunststück noch mehrere Male hintereinander machen, bis sich das Lachen der Gesellschaft in ein lautes Schreien verwandelte und der Fürst um Gottes willen bat, Fidele solle aufhören.

Se. Durchlaucht waren so entzückt, daß Höchst Sie den Hund an ihr Herz drückten und küßten, ja sich in der Freude bald so weit vergessen hätten, sogar den Hofrat zu umarmen. Dieser empfing die Glückwünsche des Hofes mit vieler bescheidenen Selbstgefälligkeit. Der Fürst gab seinem Hunde Zuckerbrot und munterte ihn auf in seinem Fleiße fortzufahren. Den Hofrat beschenkte er mit einer goldenen Schnupftabaksdose, worauf sich das Bild des Landesvaters befand. Hans Dampf, von Dankbarkeit begeistert, rief: «O, ich stehe dafür, der Hund Soll bald auch zu Ew. Durchlaucht Papa sagen können!»

«Dann bekommt Er neue Gehaltszulage!» erwiderte der Fürst und entließ den Hofrat in den gnädigsten Ausdrücken.

Mit dem Papa wollte es Hans Dampfen nun aber nicht so bald gelingen. Nach einigen Wochen, da sich Nikodemus wieder erkundigte, bemerkte ihm der Hofrat, Fidele werde unstreitig bald Junge werfen, und in solchem Zustande müsse man das arme Tier mit allen Geistesanstrengungen verschonen. Dies leuchtete dem Fürsten ein, und Hans Dampf gewann damit Zeit und ruhiges Leben, wenn er ruhiges Leben verlangt hätte.

Aber er war in der Residenz schon überall bekannt, vertraut und in hundert kleine und große Angelegenheiten verfädelt; sprach überall mit, keck, kühn, zuversichtlich und wie es ihm beifiel; wußte alles, entschied alles, veranstaltete alles. Sein Ansehen beim Fürsten stieg täglich, und aus dem Grunde bei allen Höflingen und Residenzbewohnern. Man hieß ihn schlechtweg nur den Liebling. Der Stadtrat von Lalenburg ordnete auch regelmäßig alle vier Wochen Deputationen an ihn ab, um sich nach dem Wohlsein des erhabenen Mitbürgers zu erkundigen, nannte ihm zu Ehren die enge Gasse, worin sein väterliches Haus stand, die Dampfgasse, und hing sogar, in Ermangelung seines Bildnisses oder seiner Büste, im Ratssaale seinen Schattenriß auf.

Selbst die geheimen Kabinettsräte des Fürsten machten sich an ihn, um durch ihn auf Se. Durchlaucht einzuwirken, besonders da es um eine neue allgemeine Landessteuer zu tun war, welche Nikodemus zur Fortsetzung seines löblichen Aufwandes eintreiben wollte. Da die geheimen Räte sehr gegen die Ausschreibung der Steuer arbeiteten, weil das Volk schon genug von Abgaben aller Art gedrückt war, wandten sie sich auch an Hans Dampf und baten ihn im Namen des schwer gedrückten Landes, den Fürsten zu bewegen, von seinen Forderungen abzustehen.

«Nichts leichter, als das, meine Herren!» sagte der Hofrat mit der ihm eigenen Zuversichtlichkeit und begab sich zum Fürsten.

«Aber, hör Er einmal,» sagte Nikodemus zu ihm, «ich muß doch Geld haben. Schaff' Er nur Geld, so brauche ich keine Auflagen zu machen.»

«Nichts leichter, als das!» erwiderte der Hofrat. «Wieviel befehlen Ew. Durchlaucht?»

«Je mehr, je besser.»

«Vortrefflich. Ew. Durchlaucht müssen nur einen kleinen Bandhandel anfangen, der trägt ungeheure Summen Goldes ein.»

«Einen Bandhandel? Hör Er einmal, Er ist nicht ein Hans Dampf, sondern ein Hans Narr; ich bin kein Bändeljude.»

«Ew. Durchlaucht geruhen nur die halbe Elle Band zu hundert Nikodemusd'or zu verkaufen, so – –»

«Wer zahlt mir das?»

«Wenn Ew. Durchlaucht einen neuen Ritterorden stifteten, zum Beispiel zu Ehren des Jäger-Heiligen – so etwa einen St. Nimrodsorden; wenn jeder Nimrodsritter das Recht empfängt, ein grünes Bändchen im Knopfloch zu tragen, woran von Gold das Bild kreuzweis gelegter Jagdflinten, umfangen von einem Waldhorn, hängt, statt des Ordenskreuzes; wenn jeder den Ritterschlag mit dem Weidmesser empfängt, der hundert Nikodemusd'or zahlt und für den großen Orden tausend Nikodemusd'or Einschreibgebühren – wenn man dabei allerlei Ordensfeierlichkeiten anbringt – ich weiß noch aus Universitätsjahren, welche Wirkung das macht – –»

«Hör Er einmal,» unterbrach ihn plötzlich der Fürst: «Er ist wahrhaftig kein Hans Narr. Wir wollen das Ding überlegen. Bestelle Er in der Fabrik sogleich Band und laß Er die Kreuzdinger von den Goldschmieden dazu machen. Ich will Ihn bei diesem Nimrodswesen zum Ordenskanzler anstellen.»

In der Tat hätte keine Auflage den fürstlichen Kassen so viel Geld eingebracht, als dieser Bandhandel, wie ihn der Lalenburger etwas unschicklich nannte. Denn kaum erschien der Fürst und sein Halbbruder, der Graf von Krähenburg und Hans Dampf der Ordenskanzler mit dem Nimrodsband; kaum erfuhr man, daß, wer die etwas hohen Einschreibgebühren erlegen könnte, zum Nimrodsritter gesteigert werde: so entstand zur Ordenskanzlei ein unerhörtes Gedränge. Jeder brachte seine Nikodemusd'or für eine halbe oder zwei Ellen Band; denn keiner wollte dem andern im Range nachstehen. In kurzer Zeit trugen selbst Perückenmacher das kleine grüne Band. Dies empörte den gerechten Stolz des Adels und anderer Reichen des Landes. Wie konnten sie mit gemeinen Leuten gleichen Ranges sein? Sie verkauften lieber Haus und Hof, damit sie am breitern Bande den großen Nimrodsorden tragen konnten. Das ganze Land ward voll grüner Bänder und Schulden. Fürst Nikodemus schwamm in Freuden; aber seine treuen Räte verwünschten den erfinderischen Witz des neuen Ordenskanzlers und zogen daraus die Lehre, man müsse keinen Hans Dampf zum Finanzminister und keinen Bock zum Gärtner setzen.

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