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Gutenberg, die Erfindung des Typengusses und seine Frühdrucke

Georg Domel: Gutenberg, die Erfindung des Typengusses und seine Frühdrucke - Kapitel 10
Quellenangabe
authorGeorg Domel
titleGutenberg, die Erfindung des Typengusses und seine Frühdrucke
publisherVerlag von Heinrich Z. Gonski
year1921
printrunZweite, durchgesehene Auflage
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderW. Pieroth
created20170812
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Die Frühdrucke Gutenbergs

In einem Zeitraum von etwa 28 Jahren ist das Werk Gutenbergs entstanden. Was den Erfinder vor 1440 beschäftigte, waren Vorarbeiten und Versuche, wenigstens müssen wir dies nach den Straßburger Akten annehmen. Die ersten, in den Jahren 1444 und1445 entstandenen Drucke zeigen aber bereits einen Standpunkt der Erfindung, der eine längere Beschäftigung Gutenbergs mit dem Schriftguß und dem neuen Verfahren des Buchdrucks voraussehen läßt.

Die Drucke, deren Einzelbesprechung wir nun vornehmen und die nur diejenigen umfassen, die mit den Typen Gutenbergs hergestellt sind oder zu deren Entstehung der Erfinder die Veranlassung gab, lassen sich den angewendeten Schriften nach in drei, ganz scharf hervortretende Gruppen trennen. Diese geben einen klaren Überblick über die vom Erfinder erreichten Stufen seiner Kunst und lassen uns erkennen, welche Fortschritte mit dem Erreichen einer neuen Stufe gemacht sind.

Die erste Gruppe bilden die Drucke mit der Urtype Gutenbergs, die uns im »Weltgericht« in ihrer ältesten, unfertigen Form entgegentritt, aber im Grundsatz schon das System zeigt, nach dem der Erfinder seine Schriften zu schaffen bestrebt ist. Die Type kehrt dann in den Donaten, im Astronomischem Medizinischen und Cistanus-Kalender, in der »Mahnung wider die Türken« und der Bulle Calixtus III. wider die Türken sowie in der B 36 und den Pfister-Drucken wieder, von Druck zu Druck verbessert und verfeinert in Schnitt, Linie und Stellung der Grundstriche. Wir finden sie ebenso in den Drucken des Missale speciale und abbreviatum und schließlich im Psalter Schöffers, einem Druck, der die geistige Urheberschaft Gutenbergs in allen Stücken erkennen läßt.

Daß die Drucke mit den Typen in einem früheren Zustande des Systems später erscheinen als diejenigen, die das bessere Schriftbild zeigen, hat seinen Grund darin, daß die Schrift unbenutzt blieb und dadurch von den inzwischen fertiggewordenen neueren Formen überholt wurde.

Die zweite Gruppe von Drucken enthält die Type der B 42 mit der Gutenberg die höchste Stufe dieser Gattung erreicht. Sie zeigt die Type nach allen Gesichtspunkten durchgearbeitet und vervollständigt; sie gibt diese Schrift technisch und künstlerisch vollendet. Die mit ihr hergestellten Bibeldrucke sind darum auch, abgesehen von der Ausschmückung durch Initialen und Randleisten, das Beste, was uns Gutenberg hinterlassen hat.

Gutenberg beschäftigt sich aber schon mit dem Schnitt einer neuen Schrift im Charakter der geschriebenen Kursiv Da bricht der Prozeß, den Fust gegen ihn anstrengt, über ihn herein und die kaum fertige Schrift – die Ablaßbrieftype – kommt durch Gutenberg nur bei einigen Probedrucken zur Anwendung, weil Schöffer ebenfalls eine solche Type geschnitten hat und von der Ablaßbehörde, wahrscheinlich als der durch die Verbindung mit Fust kapitalistisch Stärkere, zum Druck dieser in ziemlich großer Menge auszugebenden Wertscheine herangezogen wird. Die Drucke mit der Ablaßbrieftype gehören der dritten Gruppe an. Der Erfinder hat damit bewiesen, daß er den Schlüssel zum Guß der kleinen Charaktere in dem verbesserten Gießinstrument und den Kupfermatrizen gefunden hat und was er später nach der Trennung von Fust in der Catholicontype bringt, die mit der von ihm geschnittenen Ablaßbrieftype große Ähnlichkeit hat, davon gibt Schöffer in der Durandustype nur eine Nachahmung. Die gewaltsame Trennung der Verbindung wurde übrigens von Fust und Schöffer betrieben, nachdem sie gesehen, daß Gutenberg das von ihm erfundene Gießinstrument für kleine Kegel in seiner vielseitigen Verwendbarkeit gebrauchsfertig hatte und bereits Erfolge erzielte. Damit schließt die Schaffensperiode des unermüdlichen Mannes, bei dem sich mit seltenen Erfinder-Eigenschaften ein hervorragendes Empfinden für künstlerische Form verband und der trotz widriger Umstände das höchste, für ihn erkennbare Ziel erreichte.

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Weltgericht

Das älteste Druckwerk Gutenbergs, das uns bekannt ist, stellt das Mainzer Fragment vom »Weltgericht« aus dem Jahre 1445 dar: Es wurde 1892 bekannt, war längere Zeit im Besitz eines Herrn Eduard Beck in Mainz und wurde von diesem in uneigennütziger Weise dem Gutenberg-Museum überlassen. Das kleine Druckstück das nur den Teil eines größern Einblattdrucks wiedergibt, ist auf der Vorder- und der Rückseite bedruckt, enthält auf jeder Seite 11 Zeilen, von denen die oberste stark angeschnitten ist. das Format des Fragments ist 9 zu 12,5 an. Der Inhalt des Gedichts handelt vom Schicksal der Frommen und Gottlosen am Jüngsten Tage. Der Text findet sich im Deutschen Sibyllenbuche aus dem 14. Jahrh. wieder, das in mehreren Handschriften des 15. und Drucken des 15. und 16. Jahrh. auf uns gekommen ist. Was Gutenberg Veranlassung gewesen sein mag, gerade dieses literarische Erzeugnis für eines seiner ersten Druckwerke auszuwählen, ist nicht ersichtlich; ob aus politischen Gründen oder um dem religiösen Bedürfnis des Volkes entgegenzukommen, ist nicht bekannt. Gutenberg hat vermutlich nur die Type geschaffen, die Veranlassung zum Druck ist ihm dazu von andrer Seite gegeben worden.

Das Blatt dürfte 16 zu 22 cm in beschnittenem Zustand gemessen haben; das ganze Werk umfaßte etwa 37 Blätter mit 28 Zeilen auf der Seite. der Druck ist auf Papier erfolgt, das mit einem Ochsenkopf-Wasserzeichen versehen ist und die kräftige Struktur des mittelalterlichen Materials zeigt. Was die Schrift anbelangt, so haben wir die Type, die zur B 36 Verwendung fand, in dem ersten Zustand vor uns. Die Typen halten zum größten Teil wenig oder gar nicht Linie, stehen nach vorn oder hinten geneigt und zeigen neben scharf und gut ausdruckenden Exemplaren solche, die vollständig abgenutzt oder, was wahrscheinlicher ist, beim Guß mangelhaft herausgekommen sind. Das Ganze macht einen unfertigen Eindruck. Betrachten wir die Typen genauer, so finden wir, das der Charakter der Schrift in allen Teilen schon festliegt, daß die Einheitlichkeit der gotischen Form des Buchstabens, wie sie der Erfinder in allen Schnitten bis zu den großen Missaletypen beibehält, vollständig erkennbar ist. Nur die Feinheiten fehlen, das vom Erfinder ausgedachte System bedarf noch der Durchbildung.

Die Type zeigt, daß der Guß dem Erfinder noch Schwierigkeiten bereitet, daß die Stempel in den Verhältnissen dagegen, wenn wir von den etwas zu klein geratenen Majuskeln absehen, die durchaus nicht störend auftreten, nach allen Gesichtspunkten als vollkommen gelungen bezeichnet werden können. Die Höhe der Typen, das Verhältnis der Gemeinen zu den Oberlängen, Breite und Weitestellung sind durchweg gleichmäßig. Die Unregelmäßigkeiten in Linie und Stellung sind lediglich auf die Mangelhaftigkeit der Gießverfahrens und des Instruments zurückzuführen, das beim Guß der Weltgerichtstype oder DK-Type (Donat-Kalender-Type) sich noch im Anfangszustand befindet. Daß auch einige Typen noch der Verbesserung bedürfen, steht außer Zweifel; andere zeigen bereits gewisse Feinheiten, die wir erst bei der Type der letzten Jahre von Gutenbergs Schaffen erwartet haben würden, z. B. das kleine Ansatzhäkchen des b.

In demselben Maße, wie der Guß höhern Ansprüchen nicht gerecht werden kann, läßt auch der Satz noch zu wünschen übrig. Es hat den Anschein, als habe dieser Frühdruck während der Satz- und Druckherstellung nicht die volle Aufmerksamkeit des Erfinders gehabt, seine Type sei von weniger geschulten Händen benutzt worden. Eine Beobachtung, die schon mehrfach gemacht wurde, würde sich damit bestätigen, nämlich die, daß Gutenberg sich in erster Linie der Typenherstellung, nur nebenher der Drucklegung gewidmet habe. Das gemeine s mit dem großen Kopf wäre dann wahrscheinlich nicht ohne Bearbeitung, d. h· Anschleifen des breiten Überhangs zum Satz verwendet worden und der Erfinder hätte mit peinlicher Sorgfalt darauf geachtet, daß auch seine noch im Werdezustand befindliche Type sachgemäß und mit mehr Sorgfalt gebraucht worden wäre. Wir können also annehmen, daß die DK-Type beim Satz und Druck des »Weltgerichts« entweder in andern Händen als denen der Erfinders war, oder daß Gutenberg seinen Mitarbeitern mehr Selbständigkeit einräumte, um sich eingehend mit der Schaffung eines geeigneteren Stempel- und Maternmaterials zu befassen.

Er steht außer Zweifel, daß die ersten Matern und wohl auch die ersten Stempel zum Guß der Weltgerichtstype aus Hart-(Kompositions-)Metall bestanden und daß deren Unzulänglichkeit den Erfinder zur Verbesserung des Materials und der Werkzeuge zwang.

Der Druck des »Weltgerichts« wird in die Jahre 1444-1447 fallen. Aus gewissen Formen einiger Typen geht hervor, daß die Gestaltung dieser, wie sie der Type B 36 eigen sind, noch nicht begonnen hatte, daß dagegen die Typen der Kalenderdrucke einige Vertreter des Weltgerichts-Gießzettels nicht mehr zeigen; daher muß der Druck dieses mit der ältesten Type hergestellten Blattes früher angesetzt werden, etwa vor 1447.

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Donate

Bevor das Weltgerichtsfragment bekannt wurde, galten der Cisianus-Kalender und die Donate als die ältesten Drucke Gutenbergs. Das früheste Exemplar eines Donats haben wir in demjenigen zu 27 Zeilen zu sehen, das bis 1907 der Gymnasial-Bibliothek zu Heiligenstadt gehörte, durch M. Voulliéme in dem Einband zweier Straßburger Frühdrucke aus den Jahren 1485 und 1488 entdeckt und von der Königl. Bibliothek zu Berlin erworben wurde. Vier Blätter – auf Pergament gedruckt, Teile einer umfangreicheren, vielleicht etwa 13 Blätter umfassenden ersten Ausgabe – sind der Überrest des auf uns gekommenen Gutenberg-Drucks. Die zweite Ausgabe umfaßte vermutlich 14 Blätter, doch kann aus den unbedeutenden Fragmenten kein sichrer Schluß gezogen werden.

Das besterhaltene Fragment eines Donatdrucks von 27 Zeilen besitzt die National-Bibliothek zu Paris. Es besteht aus zwei Pergamentblättern, die im Jahre 1800 durch Archivar Bodmann als Umschlag alter Rechnungsbücher entdeckt wurden. Fischer in Mainz gab 1800 eine Nachbildung in seinen Typographischen Seltenheiten. Die wertvollen Stücke wanderten 1803 durch denselben Fischer nach Paris. Diese zwei Blätter sind der Teil einer Ausgabe von 14 Blättern. die Typen zeigen eine frühere Stufe als die des Astronomischen Kalenders, jedoch sind sie länger als die des »Weltgerichts«. Man nimmt als Druckzeit das Jahr 1447 an. Die Tatsache, daß der Astronomische Kalender für das Jahr 1448 gedruckt, also 1447 hergestellt wurde, beweist, daß die Type in letzterem Jahre bereits fertig vorlag. Das eine Blatt enthält handschriftlich die Worte: »Uffgerichter Vertrag wegen der aigen guetter zue Heyderßheim 1492« und die Jahreszahl 1451; daher Donat von 1451. Man nimmt auch hier eine Bodmannsche Fälschung an. Dziatzto konnte keine Zahlzeichen entdecken; deshalb ist die Dotierung mit Vorsicht aufzunehmen, übrigens auch belanglos, da die Type schon 1447 nachweisbar ist.

Auffällig ist, daß der Druck des Blattes mit der Unziale L in der oberen Hälfte mit Typen älterer Herkunft und mangelhafter Beschaffenheit gedruckt ist; die Zeilen oberhalb der Unziale zeigen eine unzureichende Linie, schief stehende und stark abgenutzte Typen. Dagegen sind die folgenden Zeilen in sorgfältig gegossenen Typen gesetzt, die aufs deutlichste zeigen, welch sichtbaren Fortschritt der Erfinder in Schnitt und Guß gemacht hat.

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Astronomischer Kalender

Einen Fund von erheblichem Wert für die Gutenberg-Forschung der Erfinderzeit machte dann Prof. Dr. S. Zedler in Wiesbaden. Es ist ein Druck aus dem Jahre 1448 und zwar ein Kalender für dieses Jahr, der also schon in 1447 gedruckt sein muß. Der Kalender, beginnend mit den Worten: »Off der heiligç drier könige dag zwo vren vor m ...«, stellt einen Einblattdruck von umfangreichem Format (49 zu 60 cm) dar, dessen aus zwei Teilen bestehendes Fragment ein Drittel des Ganzen ausmacht und vier Monate enthält. Prof. Zedler fand die seltenen Stücke auf dem vordern und hintern Deckel des Pergament-Umschlags einer Handschrift des 15. Jahrh., die aus dem Benediktiner-Kloster Schönau im Rheingau stammt. Nach astronomischen Berechnungen ergab sich, daß der Kalender für das Jahr 1448 bestimmt war. den sprachlichen Eigentümlichkeiten nach wurde das Blatt in Mainz gedruckt – jedenfalls kommt Straßburg nicht in Frage.

Bei der Größe des Blattes ist anzunehmen, daß es nicht in ganzen Bogen, sondern in einzelnen Stücken gedruckt wurde, die später zusammengeklebt worden sind. Zum Satz wurde die DK-Type benutzt; sie zeigt sich auf den Fragmenten in außerordentlich guter Verfassung. Die Abstände der Grundstriche sind von großer Genauigkeit, der Druck ist sorgfältig und wo er fehlerhaft ausfiel, mit Farbe nachgebessert. Pfister, der spätere Besitzer der B 36-Type kommt als Drucker nicht in Frage, weil er nicht imstande war, die Schrift umzugießen; der Kalender aber macht den Eindruck, als sei er mit neugegossenen Typen hergestellt. Die ganze Ausführung verrät Gutenbergs Leitung und Aufsicht. Die Einführung der Interpunktion, die sachgemäße Anwendung der Typen, wie sie der Schöpfer der Schrift durchdacht hatte, die peinliche Durchführung der Orthographie deuten auf die bekannte, sorgfältige Arbeit des Erfinders hin.

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Donate

In die Zeit zwischen 1448 bis 1453 fällt dann wiederum der Druck von einigen Donaten. Ein solcher von 26 Zeilen, wovon zwei Blätter erhalten sind, die ehemals in Trier aufbewahrt wurden, gehört jetzt in der Königl. Bibliothek zu Berlin zum Inkunabelschatz; es sind Drucke, die von großer Sauberkeit der Ausführung zeugen. Einen Donat von 27 Zeilen besitzt die Königl. Hof- und Staats-Bibliothek in München; er wurde am Einband einer alten lateinischen Handschrift gefunden, stellt das dritte Blatt eines Donats von 14 Blättern Umfang dar und ist ebenfalls sehr sorgfältig ausgeführt. – Das British Museum in London hat einen Donat von 27 Zeilen, auf Pergament gedruckt, ursprünglich aus einer Lage von sieben Doppelblättern bestehend, wovon drei Blätter und einige Bruchstücke erhalten sind. Leider wurden die Blätter vom Buchbinder in schmale Streifen geschnitten, um als Verstärkung der Heftlagen eines Bandes zu dienen. Der Druck ist sonst gut erhalten und scharf. – Ein weiterer Donat von 27 Zeilen, nur in Fragmenten erhalten, der dritte aus Heiligenstadt, befindet sich seit 1907 in der Königl. Bibliothek in Berlin; gleichfalls dort zwei Blätter eines solchen Donats aus der Sammlung O. von Emich, Wien 1906. – In der Königl. Bibliothek zu Bamberg wird der untere Teil aus einem 27zeiligen Donat, der in einem Einband der Bamberger Stadtakten gefunden wurde, aufbewahrt, während der obere Teil derselben Ausgabe sich in der Bodleian Library in Oxford befindet. – Solche Fragmente besitzen ferner die Königl. Bibliothek zu Berlin, kleine Reste die Hof- und Landes-Bibliothek zu Karlsruhe (letztere gefunden in einem Einband des Werkes Aeneas Sylvius, Epistolae familiares; Nürnberg 1481) sowie der Sammler und Antiquar Jacques Rosenthal in München, und zwar sieben Blätter, davon vier vollständig. – Fragmente eines Donats von 28 Zeilen haben noch die Königl. Hof- und Staats-Bibliothek zu München (ebenfalls aus einem Bucheinband stammend: Paulus Venetus, Summa naturalium, Mailand 1476), Oxford und Mainz. Einzelne Stücke aus einer 30zeiligen Ausgabe sind unter anderen im Besitz des Antiquars Ludwig Rosenthal in München und des Buchgewerbe-Museums zu Leipzig aus der Sammlung Klemm.

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Türken-Kalender

Dieser Druck Gutenbergs mit der DK-Type, nur in einem einzigen Exemplar erhalten, der die größte Beachtung verdient, ist der Türken-Kalender vom Jahre 1455, ein Werk, dessen Verfasser uns nicht bekannt ist. Der Titel lautet vollständig: »Eyn manûg d'cristçheit widd² die durkç« Dem Dialekt nach ist der Kalender in Mainz entstanden; daß Gutenberg ihn anderswo druckte, ist kaum anzunehmen. Das Werkchen ist im Format von 16 zu 22,5 cm gehalten und besteht aus sechs Blättern, wovon das fünfte nur aus einer Seite, das sechste unbedruckt ist. Es sind auf der Seite 20, auf andern 21 Zeilen enthalten, die eine Breite von 11 bis 12 cm haben. Die Schrift ist die DK-Type; als Schmuck haben zwei doppelzeilige Initialen Verwendung gefunden, die vom Rubrikator eingemalt sind. Der Druck ist auf starkem und rauhem Papier erfolgt, das als Wasserzeichen einen Mohrenkopf zeigt. Das seltene Exemplar wurde 1806 von J. B. Docen in der Jesuiten-Bibliothek zu Augsburg entdeckt und befindet sich seitdem in der Königl. Hof- und Staats-Bibliothek zu München. Der Inhalt ist in deutschen Reimen gehalten und beschäftigt sich mit der drohenden, durch die Türken hervorgerufenen Gefahr, zu deren Bekämpfung unter Christi Beistand ermahnt wird. Kaiser und Könige, Papst und Ritter, Reichsstädte und Völkerschaften werden genannt und aufgerufen. Es sind außerdem die Daten für das Jahr 1455 darin enthalten. Am 6. Dezember 1454 kam eine Nachricht über das Vordringen der Türken während des Städtetages nach Frankfurt; dies gab dem unbekannten Urheber Veranlassung, das Gedicht zu verfassen, das demnach in der Zeit bis zum Ende des Jahres 1454 zum Druck kam. Die Type befindet sich schon in einem vorgeschritteneren Zustand; denn als B 36-Type enthält sie das gemeine w noch nicht, während es hier im Türken-Kalender vorkommt. Pfister kommt als Drucker kaum in Frage, obgleich er später im Besitz der B 36-Type war. Der Satz zeigt den willkürlichen Zeilenschluß. Die Monatsnamen sind in die Mitte der Zeile gestellt, während die Verse fortlaufend gesetzt sind; sofern noch Raum am Ende einer Zeile frei war, ist er durch ornamental wirkende Anordnung von Punkten und Doppelpunkten (Kolon) ausgefüllt worden. Die Schlußzeile bildet der Wunsch: Tun gut selig nuwe Jar.

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Türken-Bulle

Von gleichem Belang wie der Türken-Kalender ist die Türken-Bulle des Papstes Calixtus III. vom Jahre 1456, ein Druck Gutenbergs, der ebenfalls nur in einem Exemplar erhalten ist und in der Königl. Bibliothek zu Berlin aufbewahrt wird. M. Voulliéme entdeckte diesen seltenen Druck 1909 in der Königl. Bibliothek zu Erfurt. Der vollständige Titel lautet: »Dis ist die bulla vnd der ablas zu dutsche die vns vnszer allerheilgister vatet (!) vnd herre babst calist gesant vnd geben hat widder die bosen vn¯ virfluchten tyrannen die turcken Anno M cccc lvj   cetra.« Wie der Türken-Kalender, so ist die Türken-Bulle durch die Abwehrbestrebungen der Christenheit gegen die Türken hervorgerufen. Der Name des Verfassers ist nicht bekannt, das lateinische Original entstand in der Kanzlei des päpstlichen Stuhles zu Rom. Der uns erhaltene Druck in deutscher Sprache erfolgte nach einer entstellten Abschrift, worauf mehrere Fehler schließen lassen. Als Übersetzer wird der Erzbischof von Drontheim, Heinrich Kalteisen, ein dem Prediger- oder Dominikanerorden angehörender Abgesandter des Papstes, genannt. Als Druckort gilt Mainz. Die Bulle besteht aus einer Lage von sechs Blättern und einem angeklebten Blatt im Format 14 zu 21 cm; die Rückseite des sechsten und das siebente Blatt sind unbedruckt. Als Wasserzeichen hat das Papier eine Weintraube mit dickem Stiel wie bei B 42. Die Blätter 1 bis 6 führen in der rechten unteren Ecke geschriebene Blattzahlen. Die Schlußzeilen lauten: »Gegeben zu Rome by sant peter in dem jare noch goddes geburt Dusent vier hundert lvi des xij Kalend' Julis Pontificatus nostri Annv secundo.« Verwendet ist die ältere Form der DK-Type jedoch unter Berücksichtigung der im Laufe des Gebrauchs erfolgten Verbesserungen. Der Zeilenschluß ist willkürlich, die Trennungszeichen sind mitunter gesetzt, einige Zeilenfüllstücke sind auch hier eingefügt. Die Setzerregeln kommen nicht streng in Anwendung. Abkürzungen werden nur wenige gebraucht; der Versuch, die Zeilen durch Ausschließen auszugleichen, wird noch nicht gemacht. Die Seite enthält 19 Zeilen, auch die Titelseite trotz des Raumes zwischen Titelabsatz und Texts die erste Seite ist daher länger. Das vom Erfinder eingeführte Prinzip der Haupt- und Anschlußformen wird in der Türken-Bulle konsequent durchgeführt. Mehrere Formen des überhängend gegossenen s sind zu beobachten, ebenfalls nach rückwärts schräg gestellte Typen dieses Buchstabens ohne Rücksicht auf guten Anschluß mit dem nächsten Buchstaben.

Der Druck der Bulle ist seitenweise erfolgt. Auf jedem Blatt sind sechs Punkturlöcher zu erkennen, davon je zwei in der Verlängerung der Seitenränder nach oben und unten, zwei in der Verlängerung der ersten Zeile nach rechts und links. Die Initiale ist rot vom Rubrikator eingemalt, die Versalien sind rot von diesem durchstrichen, ebenso die Titel- und Schlußzeile. – Der Urheber des Druckes ist nicht bekannt; Gutenberg wird es kaum gewesen sein, denn der hohe Stand der Technik der B 42, die 1455 vollendet wurde, zeigt, daß der Erfinder nicht stehen geblieben ist und neben der Vervollkommnung der Type auch die Satzherstellung verbesserte und beeinflußte, Wir müssen daher annehmen, daß die DK-Type in andere, minder geschickte Hände überging. Vielleicht waren es mehrere Drucke – wie der Türken-, Medizinische und Cisianus-Kalender sowie einige Donate –, die in jener kleinen Druckerei entstanden sind, die bemüht ist, die neue Kunst praktisch zu verwerten und durch Herausgabe von leicht verkäuflichen Drucken Geld zu verdienen. In den Besitz der Matern ist der Kalender-Drucker nicht gelangt, weil es ihm nicht möglich ist, Typen neu zu gießen. Die schon abgenutzte Type wird weiter verarbeitet, Mängel und Ungenauigkeiten treten zutage. Die Drucke sind auch sprachlich verschieden; das läßt vermuten, daß die Kunst nicht mehr allein vom Erfinder ausgeführt wurde.

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Medizinischer Kalender

Von ebenso großer Seltenheit wie der vorige Druck ist auch der Medizinische Kalender Gutenbergs vom Jahre 1456, der ebenfalls nur in einem Exemplar existiert, auch Laxier- oder Aderlaß-Kalender genannt wird. Der Titel lautet: »Coniunctiones et opposiciones solis et lune ac minuciones electiue nec non dies pro medicinis laxatiuis sumendis. In anno Domini M cccc lvif.« Der Kalender in Folio-Format ist in der DK-Type gesetzt, einseitig gedruckt und enthält 39 Zeilen, davon drei Zeilen Unterschrift; der Zeilenschluß ist willkürlich. Das Exemplar wurde 1803 von G. Fischer in Mainz als Umschlag zu einem Rechnungsbuche vom Jahre1457 entdeckt und1804 vom Finder an die National-Bibliothek in Paris gegeben. Das Exemplar ist leider unvollständig; die Type ist gut erhalten. Das Format beträgt 26 zu 32 cm; die Papierfläche 29,8 zu 37,6 cm. Ein Wasserzeichen enthält der uns erhaltene Teil des Fragmente nicht. Der Kalender hat in der Einrichtung Ähnlichkeit mit dem Cisianus; die Zusammenfassung dreier Zeilen durch Bogenstrich, die Durchstreichung der Monatsnamen ist die gleiche; nur die dreizeilige Initiale des Cisianus fehlt hier. Der Druck erfolgte wahrscheinlich in Mainz oder Bamberg. Der Satz enthält einige Buchstaben-Verbindungen, die bei Gutenbergdrucken fehlen.

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Cisianus-Kalender

Der deutsche Cistanus-Kalender, von Arthur Wyß als Druck vom Jahre 1444 angesprochen, von andern für einen späteren Druck – etwa um 1457 – gehalten, ist ebenfalls ein Einblattdruck und nur in einem Exemplar erhalten. Der vollständige Titel lautet: »Dis ist der Cisianus zu dutsche vnd (ein ieglich wort gibt einen tag)«. Der eingeklammerte Teil ist im Original beschädigt, wie überhaupt das Exemplar stark zerrissen ist. Die Ähnlichkeit in der Ausführung mit dem Medizinischen Kalender wurde bereits erwähnt. Das Format ist Doppel-Großquart, das Papier etwa 25 zu 34 cm groß. Es stehen 36 Zeilen Text und eine Überschriftszeile auf dem Blatt; die Typen sind denen des Türken- und Medizinischen Kalenders gleich, wenn auch hier nicht so sauber gedruckt wie beim Türken-Kalender. In der Rubrizierung ist die gleiche Art wie beim Medizinischen Kalender angewendet. Der Zeilenschluß ist ein theoretischer, die freien Raume am Ende der Zeile sind durch Punkte in Form von Ornamenten ausgefüllt. Das Blatt wurde im Jahre 1870 durch die Universitäts-Bibliothek zu Cambridge vom Antiquar Troß in Paris für 200 Francs gekauft; über seine früheren Schicksale ist nichts bekannt. Das Papier enthält als Wasserseichen den Ochsenkopf mit einer kreuzförmig markierten Stange zwischen den Hörnern. – Unter Cisianus oder richtiger Cisioianus (nach dem Wort am Anfang cisio vom lateinischen circumcisio benannt) versteht man einen Kalender, der als Hilfsmittel dazu diente, die kirchlichen Festtage des Jahres besser im Gedächtnis zu behalten. In der deutschen Fassung entspricht also jedes Wort einem Monatstage; die unbeweglichen Feste sind durch Heiligennamen gekennzeichnet, ihr Datum kann nach dem ihnen im Monat vorausgehenden Worte abgezählt werden. – Die Sprache ist elsässisch, aber der zugrunde gelegte Kalender ist in der Mainzer Gegend üblich. Der Kalender wird von Pros. Zedler als vor dem Medizinischen Kalender gedruckt angesehen, während Prof. Schwenke, der Fehlerhaftigkeit des Satzes wegen, ihn für früher hergestellt annimmt. Der theoretische Zeilenschluß läßt vermuten, daß er nicht vor dem Türken-Kalender gedruckt ist.

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Bibel mit 36 Zeilen

Aus geldlichen Gründen mußte die Type zu dieser Bibel längere Zeit unbenutzt bleiben, bis sie später in die Hände des Bamberger Druckers Albrecht Pfister kam, der sie in den Jahren 1460 bis 1464 zu seinen Drucken benutzte. Diese Bibeltype ist eine Verbesserung der DK-Type; daher muß sie hier ausgeführt werden, obgleich sie viel später erst zur Verwendung gebracht wurde als die Drucke mit der B 42. Den Drucken der Pfisterschen Presse widmen wir hiernach eine kurze Besprechung.

Die große lateinische Bibel mit 36 Zeilen ist neben derjenigen mit 42 Zeilen und dem Psalter von Schöffer das umfangreichste und schönste Druckwerk bei dem Gutenbergs Typen zur Anwendung gekommen sind. Die Bibel beginnt mit den Worten: »Frater ambrosius michi tua munuscula perferens detulit.« Der Druck fällt in die Jahre 1457 und 1458 und wurde vermutlich in Bamberg ausgeführt; zahlreich sind jedenfalls die Exemplare und Fragmente, die aus der Umgegend Bambergs stammen. Das Format ist Groß-Folio. Der Umfang beträgt 884 Blätter, beiderseits bedruckt; zwei Blatt sind leer. Der Satz ist zweispaltig bei einer Spaltenbreite von 8,5 bis 9 cm 36 Zeilen auf der Spalte. Die Type ist die der DK-Drucke in verbesserter Form mit Hinzufügung einer Reihe neuer Figuren. Der Druck ist einfarbig und vom Illuminator mit prächtigen Initialen und Randleisten geschmückt. Die Auflage ist teils auf Papier, teils auf Pergament hergestellt; es sind jedoch nur 13 meist unvollständige Papier-Exemplare und 22 Fragmente erhalten, darunter auch solche auf Pergament. Die zum Bibeldruck verwendeten Pariere sind in Handschriften der Mainzer Gegend nicht nachweisbar, sie finden sich aber in solchen des Bistums Bamberg.

Der Streit darüber, ob die B 36 oder die B 42 früher gedruckt sei, ist durch die eingehenden Untersuchungen Dziatzkos zu einem vorläufigen Abschluß gebracht worden. Er hat bewiesen, daß die ersten neun Blatt des Textes eine selbständige Bearbeitung zeigen und erst vorn zehnten Blatt ab die beiden Werte übereinstimmen. Danach hat der Drucker – vielleicht war es Gutenberg – den Satz nach der ihm zur Verfügung stehenden Bibel-Handschrift ausführen lassen, ist aber dann durch andere Unternehmungen und Ereignisse an der Fortsetzung gehindert worden und hat erst später, als die Trennung zwischen ihm und Fust bereits stattgefunden hatte, Gelegenheit gehabt, den Bibeldruck als Konkurrenzunternehmen unter Zugrundelegung eines Exemplars der B 42 die 1455 erschienen war, zu vollenden. Sehr naheliegend ist die Annahme, daß Gutenberg nach dem üblen Ausgange des Prozesses mit Fust genötigt war, seine Typen, die zur B 36 gebraucht wurden, zu verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu finden und weiter schaffen zu können. Denn die ganze Ausführung von Satz und Druck der B 36 ist nicht mit jener Sorgfalt erfolgt, wie wir sie von Gutenberg gewöhnt sind; die Typen sind nicht unter Berücksichtigung eines Schriftsystems zur Anwendung gebracht, wie es eben nur der Schöpfer der Type und Künstler voll beherrschte, und schließlich zeigt der Satz auch, daß der Drucker und Besitzer der Type gar nicht in der Lage war, eine Verbesserung vorzunehmen, weil er dazu die Matern und Stempel nicht besaß und Neuschnitte nicht auszuführen vermochte. Aus allem geht vorher, daß der Erfinder die Satz- und Druckarbeit nicht überwachte. Pfister hat allerdings bei seinen späteren Werken bewiesen, daß es ihm möglich sei, den Arbeiten des Erfinders nahe zu kommen.

Die Typen zeigen die bekannte grobe Anzahl der Ligaturen sowie Haupt- und Anschlußformen. Die Stellung des Schriftbildes ist im Verhältnis zur B 42 weit zu nennen; dadurch ist der Gesamteindruck dünn und ohne Kraft, obwohl die Type größer ist und die Wirkung im Vergleich zur B 42 bedeutend ungünstiger.

Der Druck erfolgte in vier Abschnitten, welche gleichzeitig in Angriff genommen wurden; daraus ergibt sich, daß vier Pressen beschäftigt wurden. Aus dem verwendeten Papier geht hervor, daß dieses nach Bedarf bezogen wurde; es sind nämlich in vier Abschnitten gleichzeitig dieselben Papiersorten – aus den Wasserzeichen erkennbar – gebraucht. Die Drucklagen bestehen zumeist aus Quinionen, doch kommen auch Ternionen und Sexternionen vor. Auf den ersten Blättern fehlen die seitlichen Punkturen, die auf Blatt 10 zu erkennen sind und im ganzen Bibeldruck bis zum Schluß vorkommen; die Presse Gutenbergs und Fusts hielt die seitlichen Punkturen nicht für nötig, während sie der Bibeldrucker benutzte. – Von der B 36 sind viel weniger Exemplare erhalten als von der B 42. Seit dem Ende des 18. Jahrh. ist überhaupt kein Exemplar mehr angeboten worden; selbst die höchsten Angebote von amerikanischen Sammlern, deren eines die Summe von 200 000 Mark betrug, haben nicht vermocht, ein Exemplar dieser seltenen Gutenberg-Bibel in Europa aus festem Besitz herauszuholen. Das prächtigste Exemplar besitzt die National-Bibliothek zu Paris. Eigentümer dieses seltenen Frühdrucks ist dann das Museum Plantin zu Antwerpen, das 1870 ein seit dem 16.Jahrh. im Besitz der Familie Plantin-Moretus befindliches Stück ankaufte. Exemplare besitzen ferner die Universitäts-Bibliothek zu Leipzig (aus welchem leider unverständlicherweise durch Professor Lindner die prächtigem gemalten Initialen herausgeschnitten sind) und die Universitäts-Bibliothek zu Greifswald.

   

Albrecht oder Albert Pfister in Bamberg wird zum ersten Male am 17. September 1448 in einer Urkunde als Vertreter des später zum Domprobst gewählten Georg von Schaumburg genannt. Er war auch dann noch dessen Sekretär, als Georg von Schaumburg bereits Bischof war. Pfister muß also eine gewisse Bildung und Gewandtheit der Feder besessen haben. Nach der Niederlegung seines Amtes war er als Verleger und Drucker tätig. Was er sich zur Wiedergabe wählte, war durchgängig volkstümlich. Man kann vermuten, daß er dem Handwerk vor Ergreifung dieses Berufs nicht ganz ferngestanden hat, vielleicht als Herausgeber von Holztafeldrucken, denn Pfister war der erste, der seine Werke mit Abbildungen in Holzschnitt versah. Satz und Druck sind in mancher Beziehung unzureichend; aber er hat es verstanden, sich die Technik zu eigen zu machen. Es gelang ihm auch, größere Schwierigkeiten im Holschnittdruck zu überwinden. Seine Holzschnitte sind zwar nicht künstlerisch, aber er trifft zumeist das Wesentliche und weiß die gemütvolle Seite des Stoffes zu fassen und zum Ausdruck zu bringen; daher müssen wir auch annehmen, daß seine Drucke viel verlangt und gekauft wurden. Pfister druckte die B 36 jedenfalls nicht selbst; der Inhalt des von ihm Gebotenen liegt auf anderem Gebiete. In literarischer Beziehung war das, was Pfister dem Volke gab, das Beste aus den Pressen der damaligen Zeit. Da seine Erzeugnisse nicht nur in den Bibliotheken aufgehoben und zurückgehalten wurden, sind von den Pfisterdrucken wenige auf uns gekommen und diese wenigen sind in festen Händen. Bemerkenswert ist immerhin, daß Pfister mit der einen, bereits abgenutzten Schrift eine ganze Reihe von Werken herausbrachte und bald den Buchdruck praktisch für literarische Zwecke nutzbar machte.

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Donat mit 28 Zeilen

Pfister wird ein Donat zugeschrieben, der mit der Type der B 36 gedruckt ist und 28 Zeilen auf der Seite enthält. Der bekannte Antiquar Rosenthal in München besaß zwei Blätter davon; das vollständigen erwarb das Gutenberg-Museum zu Mainz; das zweite, etwas beschädigte, befindet sich heut in den Händen eines Frankfurter Antiquars namens Joseph Baer.

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Ackermann von Böhmen

Ein Exemplar der ersten Auflage, der ältesten ohne Holzschnitte, gehört der Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel. Dieses einzige Exemplar wurde in einem Sammelband mit andern Pfisterdrucken zusammen gefunden; leider ist es vom Buchbinder stark beschnitten worden. Das Werkchen handelt von einem Witwer, der den Tod anklagt, daß er ihm sein Weib genommen. »An dem buchlein is beschriben ein krig wan¯ einer dem sein libes weib gestorben is schildtet den todt so verantwo't sich der todt.«·Verfaßt ist das tiefe und sinnige Prosawerk von Johannes von Saaz, der um 1400 gelebt hat. Es besteht aus 18 Blättern in Folio, mit 28 Zeilen auf einer Seite. Der Band war vermutlich noch durch fünf Holzschnitte geschmückt, die herausgeschnitten wurden, bevor das Stück dem Sammelband einverleibt wurde. Das Papier ist dünn und enthält zwei verschiedene Wasserzeichen. Der Satz ist von wenig geschickten Setzern ausgeführt, die mit dem System der Type Gutenbergs nicht vertraut waren. Auch hier ist die Punktverzierung der leeren Zeilenräume wie beim Cisianus-, Türken- und Medizinischen Kalender und der Bulle Calixtus III. vorgenommen. Das Register ist mangelhaft und die Farbe läßt zu wünschen übrig. Eine zweite Auslage des Ackermann von Böhmen erschien dann mit fünf ganzseitigen Abbildungen. Es sind nur drei Exemplare vorhanden, und zwar besitzen sie die National-Bibliothek zu Paris, die Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel und das Königl. Kupferstich-Kabinett zu Berlin.

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Boner, Edelstein

ist ein Fabelbuch. Das einzige Exemplar wird in der Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel in einem Sammelband mit andern Pfisterdrucken zusammen aufbewahrt. Es kam 1807 durch Napoleon nach Paris und wurde 1815 der Wolfenbüttler Bibliothek wieder zugestellt. Der Titel – unter einem Holzschnitt – lautet: »Eins mals ein affe kam gerât. Do er vil guter nusse vant ...« Der Band enthält 88 Blätter, davon sind 101 Seiten illustriert durch farbig angelegte Holzschnitte. Das Papier ist von kräftig gelblichem Ton. Die Seite enthält 25 Zeilen; der Satz ist nicht besonders sorgfältig, die Silbentrennungen sind willkürlich. Dagegen ist der Zeilenschluß ziemlich gut und der Druck besser als beim Ackermann von Böhmen. Der Text wurde zuerst gedruckt, danach die Holzschnitte, deren zwei zusammen eine Darstellung bilden, weil eine Figur – einen Mann darstellend, der auf das daneben stehende Bild deutet ȳ stets mit abgedruckt wird. Beide Holzschnitte (mit kräftiger breiter Randlinie) sind nacheinander gedruckt, weil das Einfügen in den Satz und der gleichzeitige Abdruck mit diesem noch Schwierigkeiten bot. Die Schlußschrift lautet: »Zu bamberg disz puchleȳ geendet ist. Nach der gepurt vnsers heerç ihesu crist. Do man zalt tausent vnde vierhundert iar. Vnd um einundsechszigsten das ist war. An sant valenteins tag. Got behut vns vor seiner plag. Amen.« (14. Febr. 1461.) Bei der zweiten Auflage ist der Fortschritt gegen die erste bemerkenswert. Trotz schlechter, abgenutzter Typen ist der Druck gut und nicht mit Farbe überladen. Im ganzen enthält das Werkchen 103 Bilder. Die Hinweisfigur ist vervielfältigt, so daß mit drei solcher Holzschnitte gearbeitet werden kann. Die Punkturen sind gut zu erkennen. Besitzerin ist die Königl. Bibliothek zu Berlin.

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Vier Historien

Sie behandeln die Geschichte von Joseph, Daniel, Judith und Esther. Der Text unter einem Holzschnitt beginnt mit den Worten: »Hie hebt sich an die historij von ioseph.« Er sind zwei Exemplare erhalten: das eine in der National-Bibliothek zu Paris, das andere in John Rylands Library zu Manchester. Das Format ist Folio, der Umfang beträgt 60 Blätter. Im ganzen kommen 61 Holzschnitte am Kopf der Seiten zur Anwendung; sie sind mit mehr Sorgfalt ausgemalt als bei den früheren Drucken. Die Figur mit der hinweisenden Geste fehlt bei den Historien, der Druck der Bilder erfolgte also in einem Durchgang. Auch haben die Holzschnitte eine schmalere Abschlußlinie als beim Boner. Die Seite enthält 28 Zeilen. Der Satz ist einwandfrei. Die Schlußschrift lautet: raquo;Ein ittlich mensch von herzen gert. Das er wer weisz vnd wol gelert. An meister vn̄ schrift das nit mag sein. So kun̄ wir all auch nit latein. Darauff han ich ein teil gedacht. Vnd vier historij zu samen pracht. Joseph daniel vn̄ auch iudith. Vnd hester auch mit gutem sith. die vier het got in seiner hut. Als er noch ye dē guten thut. Dar durch wir pessern vnser lebē. Dē puchlein ist sein ende gebē. Czu bambergk in der selbē stat. Das albrecht pfister gedrucket hat. Do mā zalt tausent vn̄ vier hüdert iar. Im zweiundsechzigstē das ist war. Nit lang nach sand walpurgen tag. die vns wolle gnad erberben mag. Frid vn̄ das ewige lebē. Das wolle vns got allē gebē. Amē. « (Mai 1462.)

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Biblia pauperum

Die erste gedruckte Armenbibel stammt aus der Pfisterschen Presse. Sie schließt sich in der Ausstattung den Handschriften und den Holztafeldrucken dieser Bibeln an. Die Drucktechnik zeigt einen weiteren Fortschritt. Text und Bilder sind in einem Druckgang hergestellt. Auf jeder Seite befindet sich eine große Abbildung und darüber eine kleinere, die von zwei Prophetenbüsten begleitet wird. Die oberen und unteren Holzschnitte sind durch eine durchlaufende Zeile getrennt; der Satz ist um die oberen Bilder herum angeordnet. Es bestehen drei Ausgaben: eine deutsche, eine lateinische und eine deutsche erweiterte Ausgabe. Exemplare besitzen die National-Bibliothek zu Paris, John Rylands Library zu Manchester und die Königl. Hof- und Staats-Bibliothek zu München und andere.

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Belial

Jacobus de Theramo, der Belial zu deutsch. – Es ist der beste Druck Pfisters ohne Abbildungen. Der Satz ist gut ausgeführt; die Bindestriche stehen über den Zeilenschluß hinaus. Das Papier enthält die Ochsenkopf- und Turm-Wasserzeichen. Das Wert, 95 Blatt mit je 28 Zeilen enthaltend, ist das umfangreichste Pfisters, dessen Name genannt ist. Unvollständige Exemplare besitzen John Rylands Library zu Manchester und das Germanische National-Museum zu Nürnberg, ein Fragment die Mainzer Stadt-Bibliothek.

   

Pfister hat durch seine Drucke den Beweis erbracht, daß es ihm als Nichttechniker sogar gelang, Vorbildliches zu schaffen. Wir müssen aber bezweifeln, daß er den Druck der B 36 ausgeführt hat, das er hierzu den Unternehmungsgeist besaß und die Kosten für ein so umfangreiches Werk aufzubringen willens war. Er ist möglich, daß er dem Unternehmen nahe gestanden hat und – als der Bibeldrucker seine Pressen ruhen lassen und das Material veräußern mußte – für seinen Anteil durch die ihm überwiesene Schrift und die Pressen entschädigt wurde.

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Missale speciale und abbreviatum

Diese Missalien sind mit der kleinen Psaltertype gedruckt, die hier in der älteren Form verwendet ist. Prof. Otto Hupp hat in seinen drei Abhandlungen: »Ein Missale speciale, Vorläufer des Psalteriums von 1457«, »Gutenbergs erste Drucke, ein weiterer Beitrag zur Geschichte der ältesten Druckwerke« und »Zum Streit um das Missale speciale Constantiense« in eingehender und überzeugender Weise dargetan, daß diese beiden Missalien Druckwerke Gutenbergs oder seiner Gehilfen sind und in der Zeit von 1445 bis 1450 gedruckt sein müssen. Diese Meinung ist von andern ersten Forschern – wie Prof. P. Schwenke, G. Zedler, Ad. Schmidt und K. Haebler – lebhaft bekämpft worden, welche der Ansicht sind, daß die beiden Missalien nicht vor 1460 bzw. 1470 und auch nicht von Gutenberg gedruckt sein können, wenn es auch seine Typen sind. Es genügt, hier festzustellen, daß die verwendete Type in dem Zustand sich befindet, der dem Guß der Psaltertype vorausging. Das Werk gehört zu den ältesten Frühdrucken und verdient daher eingehendere Würdigung und Besprechung.

Das Format ist Folio. Bei 192 Seiten Umfang sind 18 Zeilen von 13 cm Breite auf der Seite. Das Missale speciale ist nur in einem Exemplar vorhanden und befindet sich z. Z. im Besitz von Ludwig Rosenthal in München. Dieses Exemplar diente Prof. O. Hupp, der es 1880 käuflich erwarb und 1896 wieder veräußerte, als Unterlage bei seinen Untersuchungen. Kurz vor der Eröffnung der Gutenberg-Ausstellung 1900 wurde Prof. Hupp davon unterrichtet, daß ein fast gleiches Missale im Benediktiner-Stift St. Paul im Lavanttale (Kärnten) gefunden worden sei. Dieses Stück, das Missale abbreviatum, wurde vom Stiftshofmeister Pater Anselm Achatz unter Handschriften gefunden, die mit andern Schätzen des Klosters St. Blasien zu Anfang des 19. Jahrh. vor den Franzosen nach St. Paul gerettet wurden. Das Missale abbreviatum ist ein Auszug aus dem Missale speciale; es enthält aber auch Abschnitte, die jenem fehlen. Nach Prof. E. Misset war das Missale speciale für die Diözese Konstanz bestimmt. Beide Missalien sind von demselben Drucker und mit den gleichen Typen hergestellt. Die Auflage kann nur sehr klein gewesen sein. Der Druck ist ungleichmäßig, teils kräftig und ausdrucksvoll, teils dünn und unscharf und erfolgte seitenweise. Auch der zweifarbige Druck ist verschieden und zusammen mit dem Schwarzdruck oder in besonderem Druckgang vorgenommen (vgl. auch das im Abschnitt »Drucktechnik« Gesagte). Punkturen sind nicht angewendet. Ein Teil der Seiten wurde – aus welchem Grunde, ist nicht bekannt – abgelegt, später wieder gesetzt und gedruckt. Man entschloß sich wahrscheinlich während des Drucks zu einem weiteren Exemplar, eben jenem Missale abbreviatum, gab sogar noch drei Seiten zu und daher bildet jeder der beiden einzigen Exemplare ein besonderes in sich abgeschlossenes Druckwerk.

Die einfachen Hauptformen der Typen stellen den ersten Zustand dar. Überhängende Buchstaben sind in allen andern Frühdrucken vorhanden, beim Missale speciale und abbreviatum fehlen sie; daher müssen diese Typen vor der Bibelschrift entstanden sein und von Gutenberg herrühren. Ebenso fehlen die sogenannten Anschluß-Buchstaben, während ein spitzköpfiges i vorhanden ist. Ein eigenartiger Buchstabe findet sich in diesen beiden Werken in dem eckigen ? (r), das an Stelle des runden r mehrfach gebraucht wird. Bei dem so ausgeprägt entwickelten Formgefühl Gutenbergs ist dieser Buchstabe nicht auffallend, denn er fügt sich dem eckigen Charakter der gotischen Schrift viel besser ein als der des runden r. Man kann annehmen, daß Gutenberg beim Guß der Psaltertypen die ausgedienten Missaletypen eingeschmolzen hat, nachdem sie für den Psalter in teilweiser neuer, verbesserter Form erstanden waren; daher sind keine weiteren Drucke mit dieser älteren Type vorhanden. Wenn man für den Druck des Psalters, der 1457 erschien, zwei Jahre ansetzt (350 Folioseiten), so mußte die Psaltertype 1455 fertig geworden sein; zum Schnitt und Guß dieser Schrift ebenfalls zwei Jahre gerechnet, ergibt als Zeitpunkt, an dem die Missaletype aufhörte zu bestehen, das Jahr 1453, so daß um diese Zeit das Missale speciale und abbreviatum fertig gedruckt vorgelegen haben kann, wenn nicht ein Teil der unverändert gebliebenen Typen in andern als Gutenbergs und Schöffers Besitz gelangt ist. Es ist auch nicht möglich, daß Schöffer allein den Schnitt der Psaltertypen vorgenommen hat, obwohl der Psalter vornehmlich den höchsten Stand seiner von Gutenberg erlernten Kunst darstellt. Da Schöffer urkundlich 1451 noch in Paris tätig war und 1455 erst in Helmaspergers Instrument wieder auftauchte, konnte er in der kurzen Zeit, in der er sich mit dem Schriftschnitt beschäftigte, kaum diese technische Vollendung erreicht, mithin beim Schnitt der Stempel, die vor dem Beginn des Psalters und zum Psalterdruck selbst gebraucht wurden, keinen nennenswerten Anteil gehabt haben· – Das Kanonbild, einen Crucifixus mit Maria und Johannes darstellend, das dem Missale abbreviatum beigegeben ist, beim Missale speciale dagegen fehlt, wird von Kennern zwischen 1450 bis1470 gedruckt angesehen.

Es ist nicht anzunehmen, daß ein so gewaltiges Werk wie die B« in Angriff genommen worden ist, bevor Fust durch ein vorher gedrucktes, größeres Buch überzeugt war, daß das Geld, das er dem Unternehmen zuzuführen beabsichtigte, auch Zinsen bringen würde. Das Missale speciale kann ihm als Beweis dafür gedient haben. Auch dürfte Gutenberg die Zeit, die vor dem Erscheinen der Bibel liegt, nicht allein mit Versuchen ausgefüllt haben. Die meisten Inkunabelkenner sind der Meinung, daß die Typen zwar von Gutenberg, der Druck aber von einem Unbekannten herrührt. Es wird Berthold Ruppel aus Hanau, einem Gehilfen Gutenbergs, dessen Pressen um 1455 in Basel arbeiteten, zugeschrieben. Prof. Schwenke beruft sich zum Beweis aus den Einband des Missale speciale, der Ornamente enthält, die auch auf anderen Drucken aus der Offizin Ruppels vorkommen.

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Bibel mit 42 Zeilen

Diese Bibel, das größte reichste Werk, das uns vom Erfinder erhalten geblieben ist, bedarf einer ausführlichen Behandlung, weil sich in ihm die ganze Lebensarbeit des Erfinders verfolgen läßt. Nachdem die Zweifel über das Vorrecht des einen oder andern großen Bibeldrucks behoben sind, vermögen wir klar und sicher über die B 42, ihre technische Herstellung und die ganze Arbeit Gutenbergs zu urteilen. Es ist damit erst möglich, das Wert des Erfinders zusammenzufassen und den Anteil an der Schaffung der neuen Kunst zu bewerten.

In der B 42 haben wir das Ergebnis eines weit gesteckten und mit bewundernswerter Energie verfolgten Zieles Gutenbergs und seiner Geschäftsverbindung mit Fust. Letzterer war in der Hauptsache der Geldgeber und nur zum geringen Teile an der

technischen Herstellung beschäftigt; er kam mithin erst nach und nach mit dem Unternehmen in Fühlung und führte später für den Vertrieb der Bibel große Reisen ins Ausland aus.

Der Druck der B 42 fällt in das Ende des Jahres 1453 bis Mitte 1455; das Exemplar in der National-Bibliothek zu Paris ist durch den Rubrikator Heinrich Cremer mit dem Datum des 24. August (l. Band) und 15. August (2. Band) 1456 versehen worden. Nach der Vereinigung Gutenbergs mit Fust im Jahre 1450 hat der Erfinder sich zunächst mit den Vorarbeiten zum Bibeldruck, Maternherstellung, Guß, Pressenbau, Beschaffung von Papier und Pergament befaßt, so daß es nicht unmöglich erscheint, wenn der Chronist sagt, es seien vor Vollendung der dritten Lage bereits 4000 Gulden verbraucht gewesen.

Die Anzahl der hergestellten Exemplare mag sich auf etwa 200 Stück belaufen haben. Es ist natürlich unmöglich, genaue Angaben darüber zu machen; jedenfalls schätzt Prof. Schwenke die Zahl der Papier-Exemplare auf 160 bis 170 Stück, die der Pergament-Exemplare auf etwa 30 Stück. Von ersteren sind uns nicht mehr als 30, von letzteren kaum 11, zusammen 41 Stück erhalten; das ist bei den zahlreichen Kriegen, die ausgangs des Mittelalters, zur Reformationszeit und in den folgenden Jahrhunderten Deutschland verwüsteten, eine bemerkenswerte Zahl. Es sind im Besitz von vollständigen Exemplaren sowie größeren oder kleineren Fragmenten die Bibliotheken zu Trier, Frankfurt am Main, Aschaffenburg, Göttingen, Fulda Berlin, Pelplin, Leipzig (zwei Stück), München, Wien, Melk, St. Paul in Kärnten und anderen Orten des In- und Auslandes, wie Paris, London, New York. Am besten erhalten sind die Exemplare des Buchgewerbe-Museums zu Leipzig, der Stifts-Bibliothek zu Melk, der National-Bibliothek zu Paris und Lissabon, die Exemplare des Earl of Carysfort Elton und Alfred H. Huth, Fosbury Manor. Das Format der einzelnen Exemplare ist sehr verschieden; jedenfalls ging die Blattgröße nicht über 305 zu 420 mm hinaus (Universität-Bibliothek zu Leipzig, Pergament), während das kleinste Format (243 zu 361 mm, Pergament) die vier Blätter im Besitz von Jacques Rosenthal in München zeigen. Der Umfang der B 42 beträgt außer dem Rubrikenverzeichnis 643 Blätter, davon 324 im ersten und 319 im zweiten Band.

Zum Satz fand eine Type Verwendung, die im Schnitt der B 42 entspricht, nur kleiner ist als diese. Das System der Typen ist dasselbe wie bei BIS einzelne Charaktere weichen bei den nachgedruckten Blättern von der ersten Auflage ab. In einzelnen Formen der kleineren Typen (42 Zeilen) sind geringfügige Unterschiede im Vergleich zu denjenigen des größeren Kegels (40 und 41 Zeilen). Gutenberg veränderte demnach beim Übergang zum kleineren Kegel nicht nur diesen, sondern auch die Mater selbst. Die Majuskeln der Nachdruckblätter sind am meisten abweichend von den früheren Formen. Die Type ist von einer bewundernswerten Regelmäßigkeit, was ihre Linie und Weitestellung betrifft; die letztere treffen wir außer bei den Psalterien so genau bei keinem späteren Druck an und läßt auf den Gedanken kommen, als habe Gutenberg das System des Grundstrichabstands als besonders zu lösende Aufgabe angesehen. Zur Erklärung mag dienen, daß die kräftige gotische Schrift mit ihren geraden Balken von vornherein eine gewisse Gleichmäßigkeit in den Abständen der Buchstaben zuließ. Aber es bleibt doch anzuerkennen, daß der Erfinder trotz der Schwierigkeiten sein Ziel erreichte und unter Zuhilfenahme einer reichen Zahl von Ligaturen ein Schriftbild von so großer Einheitlichkeit schuf. Dadurch hat die B 42 als in sich abgeschlossenes, größtes Werk des Erfinders zugleich den Wert des vollendetsten, später in gleicher Vollkommenheit nicht wieder erreichten Denkmals der neuentstandenen Kunst.

Auffallend ist die Tatsache, daß die B 42 in zwei verschiedenen, leicht zu unterscheidenden Auflagen gedruckt wurde. Wir kennen davon eine solche Ausgabe, bei der die ersten neun Seiten je 40, die zehnte Seite 41 Zeilen, die übrigen Seiten je 42 Zeilen enthalten; hierbei sind die Rubriken rot eingedruckt. Die zweite Ausgabe zeigt ausschließlich nur 42 Zeilen und der Raum für die Rubriken ist freigelassen. Daraus geht hervor, daß Gutenberg den Kegel der Type veränderte, sowie vom Rotdruck Abstand nahm, um den Umfang und die Herstellungszeit zu verringern. Was bei den Psalterien Notwendigkeit war, galt bei der Bibel nur als Schmuck; daher konnte der Rotdruck fortgelassen werden. Nach Dziatzkos, auf Grund der Wasserzeichen im Papier erfolgten Feststellungen entschloß sich Gutenberg noch während des Druckes, die Auflage zu erhöhen. Die Folge davon war, daß die bereits fertiggestellten Bogen mit 42 Zeilen neugesetzt und gedruckt wurden, wohl erst nach Fertigstellung der ganzen Auflage; dadurch erklären sich auch die Abweichungen im Satz. Wir machen überhaupt die Beobachtung, daß bei der B 42 sparsames im Gebrauch von Abkürzungen umgegangen wird als bei B 36; es liegt dies zumeist in der kleineren Type, die den Satz von schmalen Spalten ohne Mühe zuließ.

Der Druck ist in der Hauptsache in Quinionen erfolgt, doch kommen auch kleinere Lagen vor. Die Unregelmäßigkeit in der Aufteilung läßt sich dadurch erklären, daß mehrere Gruppen des Textes gleichzeitig in Angriff genommen wurden und der Handschrift nach eine gleichmäßige Einteilung in Lagen nicht vorgenommen werden konnte. Ein Titelblatt fehlt. Der Textdruck der ersten Blätter ist ein zweimaliger, was sich aus den schiefstehenden Zeilen ergibt. Der Bogen wurde mittels einer Reihe von Punkturen befestigt, die später beim größeren Teil des Bibeldrucks auf sechs auf einem Blatt beschränkt wurden. Der Druck erfolgte seitenweise, denn die zur Verfügung stehende Presse war nicht groß; sie mag eine Deckelgröße von 40 zu 50 cm gehabt haben. Das Register ist bei allen Exemplaren ganz einwandfrei.

An den Papieren sind vier verschiedene Wasserzeichen festzustellen: Ein Ochsenkopf mit Stange und Stern, eine längliche Weintraube am Stiel, eine runde Weintraube an kurzem Stiel und ein schreitender Ochse. Die größte Menge ist vom Papier mit dem Ochsenkopf zur Verwendung gekommen: ein Beweis für die günstige Finanzlage der Unternehmer zu Anfang der Arbeiten.

Zunächst wurde diese Papiersorte aufgebraucht, erst gegen Ende des Werkes kamen andere Sorten in Anwendung. Sechs Setzer und sechs Pressen waren vermutlich beschäftigt Auf jede Presse kamen etwa 15 Lagen zu fünf Bogen oder 300 Seiten. Die Arbeit schritt stetig voran; länger als zwei Jahre sind für den Druck nicht nötig gewesen. Die Fertigstellung fiel schon in die Zeit der Entzweiung mit Fust, daher erklären sich auch manche Unregelmäßigkeiten.

Diese Bibel ist mit prächtigen Initialen und Ornamentwerk überreich ausgestattet und sorgfältig rubriziert. Selbst zwischen den Spalten in dem freigelassenen Raum von etwa zwei cm ist Ornament- und Rankenwerk angebracht. Die Initialen, zumeist in zwei Farben und Gold gehalten, sind dem gotischen Charakter der Schrift und der heimischen Ausstattungsweise angepaßt, während die Leisten am Kopf und Fuß einzelner Seiten den leichten, schwungvollen Zug der französischen Gotik tragen. Vom Rubrikator sind die Spalten durch rote, zarte Linien gegliedert und die Zeilen durch ebensolche Linien getrennt. Die Kapitelanfänge sind, wie schon früher bemerkt, mit roter Farbe eingeschrieben; auch an farbigen Unzialen in Rot und Blau hat man es bei der Rubrizierung nicht fehlen lassen. Die Spalten zeigen theoretischen Zeilenschluß mit überstehenden Bindestrichen.

Das ganze Werk ist von bestechendem Reiz und von einer gediegenen Farbenfreudigkeit; selbst heut haben die Farben von ihrer früheren Leuchtkraft nichts eingebüßt. Es stellt in seiner farbigen Gesamtwirkung keine Aufdringlichkeit und Buntheit, sondern die einheitliche Leistung eines künstlerisch hochbegabten Mannes dar, dem sich in wohlerwogenem Maße Illuminator und Rubrikator unterordneten. Die Schrift bleibt daher in ihrer kräftigen, ornamentalen Wirkung die Hauptsache und wird weder durch Zierat noch Farben erdrückt. Aus dem Werk spricht der Künstler, der in jahrzehntelanger, unermüdlicher Arbeit eine Schöpfung zum Ruhm und zur Ehre Gottes hervorgebracht hat, der das »Buch der Bücher« vervielfältigen wollte, dem es nicht darum zu tun war, Geld und Gut mit seiner Erfindung zu erwerben, sondern die Heilige Schrift als hohes Denkmal zur Verherrlichung des Weltenschöpfers und der Religion zu schaffen sich bemühte und der dazu ausersehen war, ein Lebenswerk von so einzigartiger und umwälzender Bedeutung zu hinterlassen.

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Donate

Mit den Typen der B 42 ist eine Reihe von Donaten, etwa zehn an Zahl, gedruckt. Sie enthalten aus der Seite in der Mehrzahl 33, einer 35 und einer 26 Zeilen. Vorhanden sind von jedem nur einzelne Blätter oder Fragmente, die in den öffentlichen Bibliotheken zu Berlin, Gießen, Augsburg, Oxford und Paris aufbewahrt werden.

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Ablaßbriefe

Vom Papst Nikolaus V. wurde der erste Ablaß für Johann II. von Lusignan, den König von Zypern, ausgeschrieben, der von den Türken hart bedrängt war und mit den einkommenden Geldern unterstützt werden sollte. Dieser Ablaßbrief bzw. das Rundschreiben des Papstes dazu ist datiert vom 12. April 1451. der Ablaß sollte drei Jahre lang Gültigkeit haben, und zwar vom 1. Mai 1452 bin Ende April 1455. Ein Sendbote des Königs, Paulinus von Zappe oder Chappe, ein zyprischer Adeliger, wurde mit der Ausnützung den Ablasses betraut. Chappe begab sich zum Erzbischof von Mainz, Dietrich von Erbach, mit dessen Einwirkung die Einziehung der Gelder betrieben wurde.

Gegen Ende des Jahren 1454 wurden die ersten Ablaßbriefe gedruckt. Sie gehören also zu den wichtigsten Frühdrucken. Sie sind Mainzer Herkunft und unterscheiden sich durch zweierlei Schriftart. Die Drucke mit 30 Zeilen zeigen am Anfang eine Initiale U, während diejenigen mit 31 Zeilen am Anfang eine Initiale V haben; bei den U-Drucken ist als Auszeichnungsschrift die Type der B 42, bei den V-Drucken die Type der B 36 verwendet. Der gleiche Text des Ablaßbriefes ist also mit zwei verschiedenen Typenarten ausgeführt worden.

Die Ablaßbriefe haben unsere Forscher von jeher stark angezogen und schon 1757, als vom Archivar Hausselmann das erste Exemplar beschrieben und dessen Text abgedruckt wurde, war man sich darüber klar, das man es mit einem Letterndruck zu tun hatte. Alle Forscher haben mehr oder weniger zur Feststellung der Herkunft und zur Aufklärung der doppelten Ausführung beigetragen. Wir folgen den kritischen Darstellungen Prof. Zedlers, die auf Ausführlichkeit und überzeugende Klarstellung dieser lange in dunkel gehüllten Frage Anspruch machen.

Das Format dieser Einblattdrucke schwankt in der Größe von 16 zu 22 cm bis 25 zu 27 cm. Die Blätter haben durch die Art der Aufbewahrung, die Verwendung durch den Buchbinder, der Pergament mit Vorliebe verbrauchte und auf den Inhalt des Druckwerks gar keinen Wert legte, Veränderungen erfahren. Der Satzspiegel beträgt bei A 30 etwa 15 zu 23 cm, bei A 31 etwa 17 zu 22 cm. Für die Auszeichnung sind in beiden Druckarten dieselben Textworte gewählt. Die Satztechnik ist die gleiche bis auf das wichtige Unterscheidungsmerkmal der Ausrichtung, die bei A 30 als ästhetischer, bei A 31 als willkürlicher Zeilenschluß bezeichnet werden muß. Unterschiedlich sind ferner die Initialen, die bei A 30 von markigem, sich dem Schriftbild gut anschließenden Schnitt sind, bei A 31 dünn und spielerisch wirken; sie scheinen für den letzteren in Metallschnitt ausgeführt zu sein, denn die feinen Spiralen würden in Holzschnitt die hohe Druckauflage kaum ausgehalten haben. Die Satzausführung des A 30 ist die sorgfältigere und entspricht der B 42.

Die Ablaßbriefe tragen den Charakter einer Kanzlei-Urkunde. Die Nachempfindung der Handschrift ist unverkennbar und tritt bei A 30 deutlich hervor. Die Ligatur ss, die in ihrer auffälligen Schrägstellung scheinbar aus dem Scheinbild herausfällt, ist stark überhängend gegossen, gibt aber die Handschrift am besten wieder. Beim Vergleich der beiden Schriftarten muß auffallen, daß die Type von A 30 mit ihrer kräftigen, geschlossenen Form den Charakter der Zeit besser wiedergibt als A 31, dessen schlankere Type man einer späteren Epoche zuschreiben möchte. Die Zahl der Ligaturen ist bei dem ersteren größer als bei dem letzteren und läßt ebenfalls die Annahme zu, daß diese Schrift die ältere ist. Beiden Drucken hat ein Original als Vorlage gedient; näher noch liegt aber die Annahme, daß A 30 dem A 31 Vorbild war.

Als Stempelschneider kommen nur zwei in Frage: Gutenberg und Schöffer. A 30 muß aus obigen Gründen Gutenberg, A 31 Schöffer zugesprochen werden. Auffällig bleibt, daß der erstere später erscheint als der letztere. Die Zurückhaltung wird auf das zwischen Gutenberg und Fust schwebende Verfahren zurückgeführt. Prof. Zedler vermutet, daß von der an Fust zurückzuzahlenden Summe von 800 Gulden nur 750 Gulden zum gemeinsamen Unternehmen verwandt worden sind. Er blieben mithin 50 Gulden, über die Gutenberg dem Kapitalgeber keine Rechnungslegung schuldig war und die zum Druck der Ablaßbriefe Verwendung gefunden haben. Gutenberg hatte seine Vorarbeiten zum Guß kleinster Typen mittels seines Hand-Gießinstrumentes 1454 beendet und konnte an die Behörde mit dem Probedruck seines A 30 herantreten. Fust verlangte, als Teilhaber zugelassen zu werden; dies lehnte Gutenberg ab, da er mit Fust wahrscheinlich schon auf gespanntem Fuße lebte. Fust kündigte kurzerhand das Kapital, und da er das Schriftmaterial der Druckerei Gutenbergs zugesprochen erhielt, kam er auch in den Besitz der Ablaßbrieftype. Er ließ durch Schöffer eine neue Type schneiden und benutzte die Erfahrungen der ersten Ausgabe und die Vorbilder der Type des A 30. Das erklärt die Übereinstimmung in der Ausführung. Hätte Gutenberg aber die Kosten der Schrift zu seinem Ablaßbrief ebenfalls mit dem Gelde aus Fustschem Darlehn bestritten, so würde das Gericht auch diese Type Fust zugesprochen haben. Dies konnte aber nicht geschehen, und da Gutenberg Pergamentvorräte zur B 42 in Händen hatte, die nicht gepfändet werden konnten, nahm er davon zum Druck des A 30, wodurch sich der Gebrauch der zweiseitig glatten Pergamente bei seinen Ablaßbriefen erklärt. Die Type des A 30 kehrt in den Frühdrucken nicht wieder. Die zum Mainzer Catholicon, das von Gutenberg gedruckt wurde, verwendete Type ist kleiner und runder in den Formen, stellt also eine vollständige Neuschöpfung Gutenbergs auf dem Gebiete der damals neuen und ungebräuchlichen Handschrift-Kursiv dar.

Die Ablaßbrieftype ist die erste kleine, die zu Inkunabeldrucken Verwendung fand. Der Guß wird, wenn man die Schwierigkeiten berücksichtigt, die die Herstellung aus Bleimatrizen ergeben haben würde, aus Kupfermatern erfolgt sein. Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß große Mengen gegossen wurden, so war Gutenberg doch nun in der Lage, die Legierung des Metalls härter zu halten, was ihm bei der Auflage, in der die Ablaßbriefe hergestellt wurden – man nimmt bis zu 1000 Drucken an – von großem Nutzen sein mußte. Der Druck auf Pergament verlangt ohnehin eine widerstandsfähigere Type als der auf Papier.

Die Zahl der Drucke, die uns erhalten geblieben ist, beläuft sich auf 45, davon 7 Stück mit 30 und 38 Stück mit 31 Zeilen. Die Drucke sind alle auf Pergament, 19 geschriebene Exemplare auf Papier hergestellt. – Es sei noch erwähnt, daß Eitelkeit und Ehrgeiz den Senator Culemann in Hannover dazu verleiteten, Fälschungen von Ablaßbriefen anzufertigen, die zur Irreführung der Forschung verleiten mußten. Als guter Kenner der Technik und scharfer Beobachter der Buchdruckkunst des 15. Jahrh· war es ihm leicht möglich, unvollständige Stücke zu ergänzen und völlig gefälschte Exemplare anfertigen zu lassen. Die Fälschungen wurden mittels Steindruck hergestellt. Es muß befremdet-, daß die falschen Stücke nicht bald als solche erkannt wurden, da sich der Steindruck vom Buchdruck durch das Fehlen jeder Schattierung scharf unterscheidet. Die echten Teile dieser Nachahmungen befanden sich früher in den Bibliotheken von Braunschweig und Wolfenbüttel. Die gefälschten Stücke sind heut im Kestner-Museum zu Hannover. –

Um die Echtheit der Urkunde zu bekräftigen, wurde ihr ein Siegel angehängt; bei den Papier-Exemplaren war es in rotem Wachs auf das Original gedrückt; bei den Pergament-Exemplaren wurde durch einen Schlitz am unteren Rande ein Streifen Pergament gezogen, dessen Enden auf ein viereckiges Stück Papier gelegt, darüber die Wachsmasse gegossen und dann auf ein über die weiche Wachsmasse geklebtes Papier das Siegel gedrückt. Die Größe des Siegels ist etwa 53 bis 62 mm im Durchmesser und stellt ein Kreuz mit Dornenkrone dar. Auf dem Querbalken rechts und links und am Fuße des Kreuzes befindet sich je ein Nagel. Zur Seite des Kreuzschaftes ist links ein Wappen mit zwei gekreuzten Schlüsseln, darüber die Tiara; rechts ein viergeteiltes Wappen, springende Löwen in den Feldern, darüber die Königskrone. Oberhalb des Querbalkens ist links die Sonne, rechts der Mond angebracht. Das Ganze umfaßt in gotischen Minuskeln die Inschrift: »S. Indulgentiarum amplissimarum pro defensione fidei regni Cypri confessarum.« Die verschiedenen, teilweise gut erhaltenen Siegel unterscheiden sich untereinander in den Einzelheiten. – die Höhe der erhobenen Beiträge war verschieden; sie schwankte zwischen einigen Albus und 8 Gulden, je nach den Verhältnissen und der Opferwilligkeit der Ablaßnehmer.

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Psalter

Das erste große Werk, das Fust und Schöffer in gemeinsamer Tätigkeit herausbrachten, war der Psalter: eine glänzende Leistung! Doch wären beide, Herausgeber und technischer Leiter, nicht dazu in der Lage gewesen, hätten sie sich nicht die Vorarbeiten Gutenbergs für den Schriftschnitt und den Druck zunutze machen können. Das Werk vom Jahre 1457 bringt eine Auswahl von Psalmen, wie sie nach Zeit und der Feier entsprechend in den Kirchen gesungen wurden, während eine zweite Ausgabe vom Jahre 1459 die Psalmen enthält, deren Gebrauch in den Benediktiner-Klöstern üblich war. Es ist der erste Frühdruck, in dem Ort, Jahr der Vollendung und Name des Druckers genannt sind. Das Format ist Folio, der Satzspiegel etwa 20 zu 28 cm bei 20 Zeilen auf der Seite. Der Umfang beträgt 143 und 175 Blätter. Kustoden und Blattzahlen sind nicht vorhanden. Die Schriften, die zur Verwendung kommen, sind die große und kleine Psaltertype; erstere hier zum erstenmal verwendet, wiederkehrend im Kanon der verschiedenen, später erscheinenden Missalien von Schöffer; letztere in ihrer älteren Form, wie sie im Missale speciale und abbreviatum gebraucht ist. Die Auflage des Psalters ist auf Pergament gedruckt. Von der Ausgabe von 1457 sind etwa 10 vollständige Exemplare und eine Anzahl von Fragmenten erhalten, von jener von 1459 etwa 13 Exemplare mit 23 Zeilen auf der Seite. Der Psalter der ersten Ausgabe erfuhr in den Jahren1500,1502 und1515, der der zweiten Ausgabe in 1490 und1516 Neudrucke mit unwesentlichen Änderungen. Die darin vorkommenden Notenlinien sind gedruckt, während die Noten selbst von Hand eingeschrieben sind. Das Wiener Exemplar enthält keine Noten, ist also nicht im Gebrauch gewesen. Das Kolophon in roter Farbe gedruckt, lautet: »Presens spalmorum (!) codex venustate capitalium decoratus Rubricationibusque sufficienter distinctus, Adiuventione artificiosa imprimendi ac caracterizandi. absque calami ulla exaracione sie effigiatus, Et ad eusebiam dei industrie est consumatus Per Johannem Fust rivem maguntinum. Et Petrum Schoffer de Gernszheim Anno domini millesimo cccclvif In vigilia Assumpcionis.« Der Fehler spalmorum ist bei der Ausgabe von 1459 in psalmorum verbessert.

Das Werk ist von größter Schönheit und Ebenmäßigkeit. Die Ausschmückung erfolgte nicht wie bisher durch den Illuminator, sondern unter Anwendung von prächtigen, in Messing geschnittenen, zweifarbig gedruckten Initialen, die geschickt entworfen und sorgfältig graviert sind. Der Druck des Textes ist in Schwarz und Rot gehalten. Die Unzialbuchstaben sind gedruckt, nicht wie sonst üblich vom Rubrikator eingemalt. Wenn man berücksichtigt, daß der Psalter oft gebraucht wurde und dadurch einer natürlichen Abnutzung ausgesetzt war, das ferner im Lauf der Jahrhunderte manches Exemplar verloren ging oder der Vernichtung anheimfiel, so ist die erste Auflage doch nur klein gewesen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, das der Psalter nur für einen bestimmten Kreis hergestellt war und die Anregung von einem uns unbekannten Besteller ausging. Da nur Pergament-Exemplare erhalten geblieben sind, ist ferner darauf zu schließen, daß nur kaufkräftige Abnehmer in Betracht kamen. War das Werk nicht auf Grund einer Bestellung erfolgt, so muß es als ein Versuch betrachtet werden, dessen Aufnahme erst abgewartet werden sollte. Schon 1459 erscheint eine Neuausgabe, die die inzwischen festgestellte Nachfrage zu decken hatte.

Die große und die kleine Psaltertype, von früheren Forschern unbegreiflicherweise für Holzschnitt angesehen, sind auf gleichen Kegel gegossen, damit der Wechsel der Schrift ohne Umstände erfolgen konnte. Das mag bei dem damals noch in den Anfängen steckenden Schriftguß befremdlich erscheinen. Doch war dieser Ausweg immer noch der näherliegende, denn ein Unterlegen der kleinen Type mit Durchschuß, wie man es heut als selbstverständlich ansehen wird, kam für den Erfinder nicht in Frage. Auch bei späteren Drucken mit kleineren Typen und größerem Zeilenabstand ist die Schrift meist auf einen größeren Kegel gegossen. Der Durchschuß kam erst zu einer Zeit in Aufnahme, als der Buchdruck sich auch vor andere Ausgaben außer dem Bücherdruck gestellt sah. Sicher hätte der Erfinder eine Vorrichtung zum Gießen von Durchschuß, wenn beabsichtigt, schaffen können.

Beide Psaltertypen, wovon die kleinere auch zum Missale speciale und abbreviatum gebraucht ist, entsprechen ganz dem vom Erfinder eingeführten Schriftsystem und fügen sich als Glieder der Kette ein. Gutenberg steht unzweifelhaft beiden Typen als Schöpfer nahe. beide Schriften des Psalters zeigen eine sorgfältige Durcharbeitung des Abstandes der einzelnen Buchstaben voneinander, beinahe lückenlose Gleichmäßigkeit der Grundstriche, die Beachtung der Senkrechtstellung der Type und die strenge Verwendung von Haupt- und Anschlußformen. Die Schriftlinie ist bei der großen Type einwandfrei, während sie bei der kleinen starke Ungleichheiten enthält. Das mag davon kommen, daß die Matern der voraufgegangenen Schrift noch teilweise zum Guß Verwendung fanden und nur einige Typen neugeschnitten und -gegossen wurden. Der Psalter ist sicher ein in technisch-künstlerischer Beziehung beachtenswerter Frühdruck.

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Canon Missae

Wie die Psaltertype, so ist auch die zum Canon Missae vom Jahre 1458 verwendete Type Gutenbergischen Ursprungs. Obwohl der Kanon der Presse Schöffers entstammt, haben wir Veranlassung, die Aufführung hier vorzunehmen. der Kanon enthält die Gebete, die bei der Messe gesprochen wurden und für alle Bistümer damals gleichmäßig im Gebrauch waren. Er schließt sich in der äußeren Form dem Psalter an. Schriften und Initialen sind die gleichen, der Druck ist mit derselben technischen Fertigkeit ausgeführt. Der Umfang beträgt nur 12 Blatt im Format von 28 zu 40 cm, der Satzspiegel etwa 18 zu 27 cm bei 19 Zeilen der großen und 22 Zeilen der kleinen Type. Die Majuskeln der kleinen Type sind ausfallend groß. Der Druck erfolgte blattweise auf Pergament. Die Blätter sind ohne Zahlen, das Ganze umfaßt eine Lage; Punkturen sind angewendet. Der Satz ist auf die volle Zeilenbreite gebracht; Bindestriche und Interpunktionen ragen über den Zeilenschluß hinaus, der nicht immer regelmäßig durchgeführt ist. Der Canon Missae ist nur in einem einzigen Exemplar erhalten und befindet sich in der Bodleiana-Bibliothek zu Oxford. Er fand sich in einem Sammelband, der außerdem eine Lage des Schöfferschen Psalters von 1516 und ein unvollständiges Exemplar des Missale von 1493 enthielt. der Kanon ist den nach1458 erscheinenden Schöfferschen, auf Papier gedruckten Missalien von 1483, 84, 85, 87 beigegeben und man könnte der Meinung sein, daß der Kanon von 1458 ebenfalls einem andern Druckwerk zugehörte. Schöffer hat aber in seiner Bücheranzeige vom Jahre 1469-70 ausdrücklich den Kanon aufgeführt, so das daraus zu schließen ist, daß der Kanon allein als ein abgeschlossenes Werk herausgegeben wurde. Dem Kanon ist ein Druck nach einem Metallschnitt, das Kanonbild, beigegeben, das an einer andern Stelle aufbewahrt, nach Feststellung des seltenen Frühdrucks jedoch diesem wieder eingefügt wurde.

Die Farben stehen auf dem Pergament in hervorragender Leuchtkraft, das Schwarz in der bekannten samtartigen Weichheit und Tiefe. Über den Druck der zweifarbigen Initialen und das Passen derselben ist bereits an anderer Stelle gesprochen worden. Alle für andersfarbigen Druck bestimmten Teile wurden aus dem Satz herausgenommen, die Räume ausgefüllt, schwarz eingefärbt, und nachdem auch die farbig zu druckenden Teile mit der entsprechenden Farbe betupft und vorsichtig wieder eingesetzt waren, konnte mit einem Zuge der Druck erfolgen unter Gewähr für unbedingt genaues Passen. Wenn beim Druck des Psalters und Kanons dieser Verfahren gewählt wurde, so ist dies Beweis dafür, daß die Anzahl der Exemplare nur klein gewesen sein wird. Beim Kanon hat sich das etwas umständliche Verfahren bewährt; es ist auch fast ohne Mißgriff vonstatten gegangen bis auf einen Fehler auf der Seite 1b, auf der das Wort »Symbolus« auf dem Kopfe stehend eingesetzt ist, wodurch das Exemplar zu einem besonders beachtenswerten Makulaturdruck wurde. – Drei im Psalter nicht vorkommende Initialen, das T am Anfang und das Monogramm UD (Uere dignum) in zweifacher Ausführung, sind eine Bereicherung des Initialschmucks. Der Buchstabe T ist besonders reizvoll entworfen; die Akeleiblüte ist fein stilisiert, die Füllungen in der Linienführung sind von glattem Fluß. Während bei den übrigen Initialen die Ornamente in Konturzeichnung gehalten sind, ist bei dem erwähnten Initial das Ornament auf vollflächigem, farbigen Grund ausgespart, was dem Ganzen einen hohen Reiz verleiht. Es ist, durch Wallau festgestellt, daß der Druck des Kanon zwischen 1457 und 1459 entstanden sein muß, weil Verletzungen der Initiale P, die im Kanon fünfmal enthalten ist, im Psalter von 1457 nicht vorkommen, dagegen in den folgenden Drucken von 1459 und 1490 erscheinen. Nach 1490 kann der Druck nicht erfolgt fein, weil die Initiale C, im Kanon sechsmal unverletzt vorkommend, kurz vor der Fertigstellung des Psalters vom Jahre 1459 wegen schwerer Beschädigung ausgeschieden werden mußte. Gleich dem Psalter haben wir den Canon Missae in gewissem Sinne Gutenberg zuzuweisen; er allein hat auch hierbei durch seine Typenschöpfung den Hauptanteil, wenngleich er selbst als Drucker oder Herausgeber nicht genannt ist. Die Nachwelt ist es ihm schuldig, seine Urheberschaft auch an diesem hervorragenden Frühdruck anzuerkennen und sie ihm zuzuschreiben.

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Missalien Schöffers

Diese Frühdrucke bieten ein umfangreiches Material zur Geschichte des ersten Buchdrucks; die darin verwendeten Schriften sind zum großen Teile Gutenberg zuzuweisen! Deshalb nehmen wir Veranlassung, diese Frühdrucke hier auszuführen. Die ausführlichen und erschöpfenden Untersuchungen von A. Tronnier geben die Unterlagen zur Besprechung. Die Missalien Schöffers bis zum Ende des 15.Jahrh. setzen sich aus vier Ausgaben für je eine Diözese zusammen, dazu kommen je zwei weitere für zwei Diözesen; im ganzen also acht Ausgaben. Drei davon erscheinen noch zu Anfang des 16.Jahrh. Man ersieht daraus, daß das Werk zahlreiche Neuauflagen erlebt hat und für die Schöffer-Fustsche, später Joh. Schöffersche Druckerei eine ergiebige Verdienstquelle war. Die Ausgaben unterscheiden sich untereinander durch geringe oder beträchtliche Abweichungen, je nach dem Bestellungsort, denn die Missalien waren auf Grund fester Abmachungen mit den entsprechenden Domkapiteln, wie Breslau, Krakau u. a. in Auftrag genommen und ausgeführt worden.

Das Format ist bei allen das gleiche, nämlich Folio; der Umfang schwankt zwischen 234 und 354 Seitenzahlen. Nur wenige, auf uns gekommene Exemplare sind auf Pergament gedruckt, die meisten auf Papier. Als Wasserzeichen kommen Rosetten, ein Ochsenkopf, eine Weintraube, eine Hand, ein Wappen mit den französischen Lilien u. a. vor. An Schriften sind die Psaltertype, die kleine Missaltype, die B 42 und B 48-(Clemens-)Type vom Jahre 1462 verwendet. – Während der Drucklegung der einzelnen Missalien ist wiederholt ein Neuguß der Typen vorgenommen worden, und zwar aus den gleichen Matrizen, aber unter Veränderung des Kegels. die Ausgaben sind teils mit dem bloßen Druckvermerk versehen, bei denen Schöffer nur als der Drucker für das bestellende Domcapitel gilt, teils mit vollem Kolophon, bei denen er als Drucker und Verleger auftritt. Die Drucke weisen zahlreiche Abweichungen auf. Dadurch konnte die Ansicht sich aufrecht erhalten, das die Zahl dieser Frühdrucke sehr umfangreich sei; in Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall. der Satz ist nicht mit der sonst bei den Gutenbergdrucken üblichen Sorgfalt korrigiert, viele Fehler wurden durch nachträgliche Verbesserungen – wie Überklebungen, Rasuren und Handeindruck – berichtigt. Um eine Beschleunigung des Druckes herbeizuführen, wurden ganze Teile der Missalien in zweifachem und dreifachem Satz ausgeführt. Der Druck erfolgt nicht mehr seiten-, sondern halbbogenweise; das Rot vor dem Schwarz. die Rubrizierung und Illuminierung muß einer Mainzer Werkstatt zugesprochen werden; dasselbe gilt in gewissem Sinne auch von den Einbänden.

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Mainzer Catholicon

Eine lateinische Sprachlehre mit anschließendem Wörterbuch, verfaßt vom Dominikaner Balbus de Janua, vollendet um 1286. Das Format ist Folio, der Satz zweispaltig mit 66 Zeilen auf der Spalte; der Umfang beträgt 373 Seiten. Es sind etwa 80 Exemplare auf Pergament und Papier gedruckt worden; davon sind etwa 41 Exemplare vollständig erhalten, ferner existieren einige Fragmente. Die Type ist 11 typographische Punkte hoch. Das Bild stellt eine Nachahmung der Kursiv-Handschrift dar. Das Schriftsystem erscheint einfacher als bei B 36 und B 42. Haupt- und Anschlußformen sind in Wegfall gekommen; dagegen sind eine Menge schwer erkennbarer Ligaturen aufgenommen, die den Satz nicht vereinfacht haben. Die geschlossene Form des Schriftbildes ist für die Lesbarkeit von großem Vorteil; störend wirkt aber das ungleichmäßige Aussehen der Seiten, was auf minderwertige Stempel und Matern zurückzuführen ist. Bis zum Schluß des Werkes wurde versucht, die Schrift durch neue Typen zu verbessern. der Satz zeigt theoretischen Zeilenschluß, jedoch nicht gleichmäßig; vermutlich fehlte es an den entsprechenden kleinen Ausschlußstücken. Das Typenmaterial muß in genügender Menge vorhanden gewesen sein. Es sind drei Satzabschnitte zu unterscheiden: A von l bis 64, B von 65 bis 189, C von 190 bis 373, von denen A nach B und gleichzeitig mit der zweiten Hälfte von C gesetzt und gedruckt wurden. Dir Verwendung einer Minuskel m mit einem Punkt auf dem ersten Grundstrich ist das Merkmal, nach dem diese Feststellung vorgenommen werden konnte. Die Orthographie ist nicht einwandfrei. Als einzige Interpunktion wird nur der Punkt angewendet. Der Druck erfolgte in zwei Seiten gleichzeitig und bereitete noch Schwierigkeiten; die Spalten stehen oft ganz schief zueinander. Punkturen werden gebraucht. Prof. Zedler nimmt an, daß zum Druck ein Zeitraum von acht Monaten bei Inbetriebsetzung von vier Pressen nötig war. Rotdruck befindet sich nur bei einem Teil der Exemplare auf der ersten Seite. Im übrigen ist die Arbeit dem Rubrikator überlassen, der infolge der großen Zahl von Anfangsbuchstaben reichlich zu tun hatte. Einige Exemplare sind mit Farben und Gold illuminiert, z. V. das Pergament-Exemplar im Britischen Museum. Der Preis eines Stückes auf Papier wird auf 41 Goldgulden (290 Goldmark), eines solchen auf Pergament aus 75 Goldgulden (525 Goldmark) angesetzt. Es muß angenommen werden, daß der Vertrieb durch Fust und Schöffer erfolgte, die die ganze Auflage erwarben. In seiner Bücheranzeige wird von Schöffer auch das Catholicon genannt. Die Geschäftsverbindung Fusts mit dem Auslande, hauptsächlich Frankreich, brachte es mit sich, daß dort Exemplare abgesetzt wurden; es finden sich heut noch drei in Provinzbibliotheken. Prof. Zedler bleibt bei der vor ihm von andern Forschern – wie Ch. Gottl. Schwarz 1749, Murmann 1765, Würdtwein 1789, Panzer 1794, Fischer 1800, Schaab 1830 und Wetter 1836 – vertretenen Ansicht, daß das Catholicon von Gutenberg herrührte.

Mit den Typen des Catholicon sind noch einige undatierte Drucke hergestellt. Man spricht sie der Druckerei von Heinrich und Nikolaus Bechtermünze in Eltville zu. Es sind dies die »Summa de articulis fidei« des Thomas von Aquino (zwei Ausgaben) und der »Tractatus rationis et tonscientiae de Matthaeus« von Cracovia. Erstere wurde vor dem letzteren gedruckt, als das Catholicon etwa bis zur Hälfte fertig war. Ein kleiner datierter Druck mit derselben Type ist der Ablaßbrief des Papstes Pius II. für das Stift Neuhausen von 1461. Neugegossen und in der besten Beschaffenheit erscheint dann 1467 die Type nochmals im Vocabularius ex quo von Eltville, wovon das einzige, gut erhaltene Exemplar sich in der National-Bibliothek zu Paris befindet. Der Drucker des Mainzer Catholicon wird nicht auch als Hersteller des Vocabularius von Eltville angesehen, da die Drucke aus dieser Werkstätte im Vergleich zu den sehr sorgfältig bearbeiteten Werken der Mainzer Presse viele Fehler enthalten.

Im Schlußsatz des Mainzer Catholicon, das wir Gutenberg zuschreiben, spricht er nicht von sich selbst als dem Erfinder; es kommt ihm vor allem darauf an, diese Erfindung als ein Gnadengeschenk der göttlichen Vorsehung hinzustellen. Das Kolophon, wahrscheinlich von Dr. Humery, Gutenbergs Förderer und Helfer der letzten Jahre verfaßt, zeigt deutlich den Geist des Erfinders, dessen Bescheidenheit und tiefe Religiosität; es unterscheidet sich darin stark von den aufdringlich die Urheberschaft betonenden Schlußschriften Peter Schöffers und Fusts. Es liegt die Annahme nahe, daß Gutenberg die Nennung seines Namens deshalb vermied, um die Beschlagnahme des Druckmaterials zu verhindern, denn nach dem Entscheid im Prozeß mit Fust war ihm alles Druckgerät gepfändet. – Die Schaffung einer Type, die dem geschriebenen Wort, der Kursiv des Mittelalters, getreu folgt und deren Formen in die Druckschrift überträgt, war nur von einem Geiste zu erwarten, der das vorbildliche, ins kleinste durchgeführte Typensystem der B 42 erdacht und geschaffen hat. Wenn es auch nicht angängig ist, das System der Catholicon-Type mit dem der DK- bzw. Missaltype in Vergleich zu ziehen, so ist doch zuzugeben, daß die Grundsätze der Schriftbildung in beiden Systemen die gleichen sind. Es wird bei ernstem Studium dem prüfenden Fachmann nicht entgehen, daß die Catholicon-Type in der Wiedergabe der Eigenart der handgeschriebenen Kursiv eine viel höher zu bewertende Leistung des Schriftschneiders darstellt, als dies bei der Missal- oder B 42-Type der Fall ist. –

Die Schlußschrift lautet in lateinisch und deutsch: »Altissimi presidio cuius nutu infantium lingue fiunt diserte. Quique numero sepe parvulis revelat quod sapientibus celat. Hic liber egregius catholicon dn¯ice incarnacionis annis Mcccc lx Alma in urbe maguntina nacionis inclite germanice. Quam dei clemencia tam alto ingenii lumine dono que gtuito ceteris terrarum nacionibus preferre. illustrare que dignatus est non calami. stili. aut penne suffragio. sed mira patronarum formarum que concordia proporcione et modulo. impressus atque confectus est. Hinc tibi sancte pater nato cum flamine sacro. Laus et honor dn¯o trino tribuatur et uno Ecclesie laude de libro hoc catholice plaude. Qui laudare piam semper non linque mariam. Deo gracias.«

»Unter dem Beistande des Allerhöchsten, auf dessen Wink der Unmündigen Zungen beredt werden, und der oftmals den Kleinen offenbart, was den Weisen er verhehlt, ist dieses vortreffliche Buch Catholicon im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1460 in dem gesegneten Mainz, einer Stadt der berühmten deutschen Nation, welche Gottes Huld durch ein so hoher Geisteslicht und freies Gnadengeschenk den übrigen Nationen der Erde vorzuziehen und auszuzeichnen gewürdigt hat, gedruckt und vollendet worden, nicht mit Hilfe von Rohr, Griffel oder Feder, sondern durch das wunderbare Zusammenstimmen, Verhältnis und Ebenmaß der Patronen und Formen. Heiliger Vater, sei dir und dem Sohn und dem Heiligen Geiste Lob und Ehre gezollt, als der dreieinigen Gottheit. Klinge zum Lobe der Kirche, Catholicon, in diesem Buche, und vergiß nicht zu preisen die gütige Jungfrau Maria. Gott sei Dank!«

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