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Gustav Theodor Fechner: Gedichte

Gustav Theodor Fechner: Gustav Theodor Fechner: Gedichte - Frs Tischlein ein Wischlein
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titleFrs Tischlein ein Wischlein
authorGustav Theodor Fechner
typepoem
sendergustav@rz.uni-leipzig.de
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firstpub1841
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Gustav Theodor Fechner

Fürs Tischlein ein Wischlein.

Liegt schwer dir der Braten im Magen,
Mußt künftig selber ihn jagen. –

Du neidest sein Gastmahl dem König,
Sein Magen beneidet dein wenig. –

Den Freßtrog, den vollen, dem Rüssel;
Dem Mund in der Schüssel sein Bissel. –

Gewürz kann Hunger dir machen,
Doch Hunger würzt selbst schon die Sachen. –

Denk, wenn du sitzest beim Weine,
Noch tragen den Kopf sechs Beine;
Doch wenn du wirst aufstehen,
So muß er auf zweien gehen. –

Brot sollst du aus eigenen Taschen,
Doch Zucker aus fremden nur naschen;
Drum führ’ in jenen nicht Plätzchen,
Es sei denn, du gingest zum Schätzchen. –

Wer Sorg’ hat ums tägliche Essen,
beim Essen soll sie vergessen;
Die Sorge machet nicht satter,
Und was er sorgte, das hat er. –

Nach Tische sollst nicht laufen,
Noch liegen als wie ein Haufen;
Daß gut sich kochen die Speisen,
So quirle in kleinen Kreisen;
Dies Sprüchlein wird dem Magen
Und Topfe gleich behagen. –

Tu Wirtin nicht beim Feste,
Als seist du Gast der Gäste.
In Kleidern zeig’ und Mienen,
Du stehst nur vor dem Dienen.

Bring her die weißeste Decke,
Der Gast wird bringen die Flecke;
Und wird er den Rotwein vergießen,
Mehr ihn als dich soll’s verdrießen.

Bist, Wirt, du nicht gar ein Toffel,
Genügt auf den Tisch die Kartoffel;
Doch weißt du zum Gast nicht zu sprechen,
Trag auf, daß die Tafeln brechen!

Wie viel du Gäste sollst laden,
Zu wissen, so nimm einen Faden,
Und miß, statt des Tisches Umgang,
Des Beutels Läng’ und Umfang.

Den selbst zum Essen Erböt’gen
Unnötig wär’s, ihn zu nöt’gen;
Doch arme Studenten, Autoren,
Ohne Nötigen wären verloren.

Plagt dich der Schmarotzer Gelichter,
Nichts helfen dir saure Gesichter;
Vielmehr mit der süßesten Miene
Und sauerm Wein sie bediene.

Nicht leicht mag trocken scheinen
Ein Toast bei guten Weinen;
Sollst doch nur den ausbringen,
Der klingt ohne Gläserklingen. –

Aal.

"Der Aal ist mir der liebste Fisch;
Käm’ heute einer doch zu Tisch!"
So sprach ein Bischof an dem Rhein;
Es hört’s der Aal, stellt gleich sich ein,
Und wind’t und krümmet sich gar sehr
Ob der ihm angetanen Ehr’,
Im Herzen denkend: sicherlich
Mit Schot’ und Erbs` traktiert man mich.
Empfangen ward er feierlich;
Wie ging’s nun bei der Tafel? sprich!
Statt daß der Aal die Schoten fraß,
Der Bischof selbst dazu ihn aß.
Wenn Große loben dich und laden,
So sprich: Ich danke euer Gnaden.

Bier.

"Ei, gut sein ist es hier,
Denn hier gibt’s gutes Bier;"
"Nein, schlecht sein ist es hier,
Denn hier gibt’s gutes Bier."
So stritten zweie sich jüngsthin vor eine Schenke;
Der sah die Trinker an und jener das Getränke.

Brezeln.

Warum doch winden sich die Brezeln als wie Schlangen?
Einfacher wär’ es ja, zu backen sie in Stangen!
Du fragst mit Recht; doch wenn’s nichts gäb’ dabei zu fragen,
Verschwände am Gebäck sogleich auch das Behagen.
Im größten Brezelkorb ist’s grad auch so bestellt;
Drum schilt die Krummen nicht und Schlangen in der Welt.

Brot.

Der Mensch denkt, wenn er im Gebet
Sein täglich Brot von Gott erfleht:
Beim Menschen Brot sich zum Braten versteht,
Gott wird verstehn es umgedreht.

Brotplatz.

Die Mutter hatte wohl manchmal Not,
Zu schaffen uns Kindern das tägliche Brot;
Drum, wenn sie gebacken, sie stets sich freute,
Daß satt wieder würden die Kinder und Leute;
Daß auch wir Kinder uns möchten freun,
Stets buk sie dazu ein Brotplätzlein;
Und daß ich noch denke des Brot’s jener Tage,
Der Brotplatz allein macht’s ohne Frage.
Oft große Gabe nur hat Gewicht,
Sparst du die kleine Zutat nicht.

Kottelets.

Du weißt es nicht, was gilt die Wett’,
Was ist das schönste Kottelet?
Es ist die Frau, denk’ dran zurück,
Gott nahm dazu das Rippenstück.

Eier.

Du tadelst scharf das Prohibieren,
Verzollen, Zunften und Zensiren,
Und meinest, daß durch diesen Zwang
Ertötet wird der Lebensdrang.
Doch wenn auskröchen alle Eier,
Wer möcht’ ertragen doch, zum Geier,
Der Hühner Gackern, Hähne Krähn;
Im Hof würd’s drauf und drunter gehn;
Auch würde nichts an Hähn’ und Hennen
Man füttern noch und essen können.
Drum lob’ ich mir die Polizei,
Die schon manch Hühnchen frißt im Ei,
Und läßt nur soviel davon leben,
Daß es mög’ neue Eier geben.

Fürwahr, die Regel ist bequem,
Für Eieresser angenehm,
Für die, die, wenn sie ruhig liegen,
Der Hahnenschrei stört im Vergnügen.
Ich aber lobe mir die Schar,
Die selbst nimmt ihres Rechtes wahr;
Und statt als Ei zu sein ein Essen,
Sich balget um ihr eignes Fressen;
Wo fröhlich kräht, wer obgesiegt,
Gelebt doch hat, wer unterliegt.

Ente.

Aus Schlechtem Nutzen ziehn und selber bleiben rein,
Mit Unrecht dünket dir unmöglich das zu sein.
Sieh’ nur, wie aus dem Schlamm den Wurm sich wühlt die Ente,
Und schwimmt doch rein darob in reinem Elemente.

Erdbeeren.

Ein Stolzer sprach: niemals werd’ ich mich bücken;
So möcht’ ich wissen doch, wie er will Erdbeern pflücken.

Gans.

Ein philosophischer Begriff gebratner Gans entspricht,
Daß sie von selber Äpfel fräß, gesehen hab’ ich’s nicht;
Doch jeder freut des Inhalts sich, wenn man sie bringt zum Schmaus:
Das, was man hat hineingetan, nimmt wieder man heraus.

Hirsch.

Wie schön klingt bei der Jagd des Waldhorns helles Grüßen;
Doch kann der, der es bläst, dabei den Hirsch nicht schießen.
Der Eine mög’ das Wort, die Tat der andre bringen,
Verstehen’s beide recht, wird’s klingen und gelingen.

Kaffee.

Natur vor jenem Tore liegt einsam, wunderschön,
Durch’s andre auf dem Sande doch bloß die Leute gehn;
Sei noch so schön, Natur, es kömmt kein Mensch zu dir,
Wenn du nicht ladest ein auf Kaffee oder Bier.

Kartoffel.

Man pflanzet die Kartoffel nicht,
Damit sie Blatt und Blüten bringe;
Doch ist das, was sie treibt ans Licht,
Bedingung, daß sie selbst gelinge.

Drum nicht in myst’schem Dunkel hockt,
Treibt grüne Zweige in das Leben!
Habt ihr euch tüchtig da bestockt,
Wird’s Freud’ auch bei der Ernte geben.

Kartoffel.

Wie konnten doch die Menschen leben,
Als es Kartoffeln nicht gegeben?
Ei, alle, die nicht konnten leben,
Die hat’s auch damals nicht gegeben.

Krebs.

Der Krebs ist schwarz im Leben,
Im Tode freudenrot;
Verkehrt ging er im Leben,
Recht hat er wohl im Tod.

Krebs.

Der Krebs hat äußerlich ganz gut gebaute Augen,
Doch was er innen trägt, zum sehen will’s nicht taugen.
Bei Philosophen ist das innre Aug’ das klare,
Die äußern Augen meist nur ungebrauchte Ware.
So hab’ ich euch gezeigt in diesen wen’gen Strophen:
Verkehrte Krebse sind, sonst nichts, die Philosophen.

Krebs.

Ich hatte weder Geschick noch Glück,
Statt vorwärts ging es gleich anfangs zurück;
Doch sicher gelingt es dem Krebse noch,
Daß er zuletzt kommt in sein Loch.

Kuchen.

Wer gehen will, einen Schatz zu suchen,
Eß’ trocken Brot zuvor, nicht Kuchen;
Sonst denkt der Schatz: ein nun, der braucht’s nicht;
Und Gott: dem Leckermaul, dem taugt’s nicht.

Doch, wenn gelungen ist das Suchen,
Zum Gastmahl setze auf den Kuchen;
Sonst wieder denkt der Schatz: der braucht’s nicht;
Und Gott: dem Geizhals, ei, dem taugt’ nicht.

Kürbis.

Ein Kürbis aufgeblasen zu den andern Früchten spricht:
Gesteht’s, daß ich von allen doch die Perle bin.
Die sagen: dicker Mann, wir leugnen’s nicht,
Doch eine, die man wirft den Säuen hin.

Lerche.

Was klagst du, daß man dir nicht lohne den Gesang,
Singst du aus eigner Lust, hast du ja deinen Dank;
Singst nicht aus eigner Lust, wem kann dein Lied dann frommen?
So kannst du Dichter nie etwas von uns bekommen.

Wer gäbe Frucht für das, was ohne Frucht verklingt?
Man singt den wieder an, der selber an uns singt;
Man steht und gafft den an, der selber steht zu gaffen,
Gibt aber Brot nur dem, der selber Brot mag schaffen.

Du selber lobst, doch lohnst ja nicht der Lerche Lied,
Ißt sie sogar im Herbst mit großem Appetit;
Drum schilt uns nicht, daß wir dir nichts zu essen geben,
Dank’ uns vielmehr dafür, daß wir dich lassen leben.

Nudeln.

Aus gutem Teige einen guten Ballen
Zur flachen Scheibe mandle erst vor allen,
Dann schneide rechts und links und kreuz und quer,
So gibt der Ballen dir die schönsten Nudeln her.
Wolltst einzeln schneiden sie, wär’ alle Müh’ zunichte;
Vor Nudeln erst den Ball, Idee vor dem Gedichte!

Pfannkuchen.

Es gibt Pfannkuchen gefüllte und leere,
Du wägst sie umsonst nach ihrer Schwere;
Und mögst du alle Pfannkuchen der Welt,
Du triffst nur den, der dir ward bestellt.

Pfeffer und Salz.

Vom Salzfaß steht nicht weit das Pfefferfaß zumeist;
Vom Witz nicht weit der Sinn, der gern nach andern beißt.

Pudding.

Ein Pudding, brennend aufgetragen,
Mag jedermann gar wohl behagen,
Was ist es, was uns dran ergötzt?
Daß, wenn die Flamm’ erlischt zuletzt,
Der Pudding hinterbleibt uns gut.
Gekocht in seiner eignen Glut.
Mög’ Jugend nutzlos nicht verlodern,
Man wird zuletzt den Pudding fodern.

Radieschen.

Weiß selbst nicht, was ich trieb,
Ich glaube wohl, ich schrieb,
Als unten rief schön Lieschen:
Salat, Salat, Radieschen!

Ei ei, was soll das sein,
Was lauf’ ich hinter drein!
Ist’s etwa nach den Radieschen?
Ist’s etwa nach dem Lieschen?

Rettig.

Ein Junge und ein Rettig, die bissen einander an;
Der Junge biß zuerst, drauf kam der Rettig dran;
Doch wie er sich auch wehrt, bald ist er aufgegessen;
Wohl manchen Rettig noch hat so der Jung’ gefressen.
Dich lehrt dies Heldenlied: wer ausbeißt, leichtlich siegt;
Doch wer bloß wiederbeißt, gewißlich unterliegt.

Schöpsenbraten.

Um Schöpsenbraten gut zu essen,
Will man nicht selber Gras auch fressen;
Genug ist’s, daß der Schöps es fraß;
Zu Gründlicher, o merke das!

Schwein.

Kein schöner Fest kenn’ ich, als eines Schweines Schlachten;
Erfüllet wird dabei, woran längst alle dachten,
Die Mutter an die Wurst, an’s Würstlein jed’s der Kinder;
Noch mehr gefiel es mir, wenn nur das Schwein schrie minder,
Und wenn mir, der kein Schwein selbst hat, es wollte glücken,
Daß jeder, der eins hat, ein Würstlein wollte schicken.

Truthahn.

Ein Truthahn ging umher mit rauschendem Gefieder,
Sah auf der Hühner Heer mit stolzen Blicken nieder.
Der Hausherr hält auf mich, denkt er, so große Stücke,
Weil ich ihm seinen Hof durch Kraft und Schönheit schmücke.

Du irrest, Truthahn, sehr, indem du dieses meinst,
Gleichgültig ist’s dem Herrn, was lebend du erscheinst;
Doch, daß geschlachtet noch du gibst den größten Braten,
Das ist’s, was ihm erscheint die schönste deiner Taten.
Nimm dir’s zu Herzen auch, du eitler Erdenkloß,
Was nach dem Tode bleibt, das macht allein dich groß.

Wein.

Beim Tee will man entscheiden,
Wer größer sei von beiden,
Ob Schiller oder Goeth’?
Beim Kaffee fragt Frau Schnattrin,
Wie auskommt die Gevattrin,
Und wie das Kleid ihr steht?

Beim Bier will man studieren,
Wer wird die Schlacht verlieren,
Schlägt selbst mit Zungen drein.
Beim Saft allein der Reben
Lebt man und lässet leben:
Drum leb’ allein der Wein!

Weintraube.

Du klagst, daß dir kein Glück will munden,
Weil ihm was Bittres stets verbunden,
und issest doch die Traube gern,
Die in sich trägt so herben Kern.
Warum? du weißt ihn auszuspucken,
Oder ganz auch zu verschlucken.

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