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Hermann Harry Schmitz: Grotesken - Kapitel 47
Quellenangabe
titleGrotesken
authorHermann Harry Schmitz
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Im Sanatorium

Aus: Düsseldorfer General-Anzeiger vom 14.5.1911;
Der Säugling und andere Komödien, Leipzig 1911

Hat man als Junggeselle sein Leben recht ergötzlich verbracht, so kommt früher oder später der Moment, wo man sich den intensivsten Anstrengungen eines lustigen Lebemanndaseins nicht mehr so recht gewachsen fühlt, da heißt es, entweder heiraten oder auf einige Zeit in ein Sanatorium gehen.

Eine Kur in einem Sanatorium ist einer Heirat unbedingt vorzuziehen, sie verpflichtet zu nichts, ist billiger (hä, hä) und gilt, was wohl das Wesentlichste ist, heute für schick.

Dieser Ansicht war auch Scharleß Nulpe. Als sich jener kritische Zustand bei ihm mehr und mehr einstellte, dem man mit dem schmerzlichen Seufzer: »Ich kann verflucht nichts mehr vertragen«, Ausdruck zu geben pflegt, beschloß er, sich auf einige Zeit in ein Sanatorium zurückzuziehen.

Er hatte eine enorme Sorge um sein Leben, außerdem mußte er als moderner Mensch, der peinlichst in allem up to date bleiben wollte, so gut wie man sich in der Saison in Monte Carlo, St. Moritz, Baden-Baden oder Ostende sehen ließ, auch seine Zeit im Sanatorium gesessen haben.

Er empfand dieses Manko schon lange als eine unangenehme Lücke in seinem peinlichst abgestimmten Kavalierleben.

Zwar hatte ihm ein vernünftiger Arzt geraten, weniger zu bummeln, weniger Burgunder und Sekt zu trinken, seine Nächte in seinem friedlichen, braven Bett anstatt in den Bars, Ballokalen und an derartigen Orten nervenzehrender Tendenzen zu verbringen. Das wäre für ihn die einzig richtige Therapie. Er wäre kerngesund und litte nur an einem chronischen Kater.

Von dieser uninteressanten Diagnose wollte Scharleß Nulpe indessen nichts wissen. Er hatte sich auf eine regelrechte, zeitgemäße Neurasthenie kapriziert und trug als absoluter Gent diese neueste Note wie seine Londoner Krawatten und seine Schuhe aus Wien.

Wie zu einer schicken Krawatte die gleichfarbigen Strümpfe gehören, so verlangt eine elegante Neurasthenie eine entsprechende Kur.

Er schrieb an unzählige Sanatorien und Heilanstalten, die er in Zeitungen und Almanachen angegeben fand, und ließ sich Prospekte kommen. Ballenweise wurden sie ihm zugeschickt. Er wurde ganz wirr über dem Studium der detaillierten Anpreisungen. Physikalisch-diätetische Heilweisen, Wasserheilverfahren, Trockendiätkuren, Liegekuren, Terrainkuren, orthopädische Behandlung, der Teufel sollte wissen, was nun gerade das Richtigste und zur Zeit das Modernste war.

Er hörte überall bei maßgebenden Bekannten herum und kam zur Erkenntnis, daß der Schrei »Zurück zur Natur« das zeitgemäße Schlagwort einer koketten Morbidezza war.

Also in eine Naturheilanstalt mußte er gehen, um einwandfrei modern zu bleiben.

Dem Prospekt einer Naturheilanstalt in M., die Weltruf genoß und von allerhöchsten Herrschaften frequentiert wurde, war eine Sammlung von Urteilen und Dankschreiben geheilter Patienten beigefügt.

Ein Oberstleutnant von C. in P. schrieb: »Ein langjähriges Nervenleiden ließ mich an meinem Leben verzweifeln. Ich hatte jede Hoffnung einer Heilung bereits aufgegeben, als mich ein glücklicher Zufall in Ihre Anstalt führte. Vier Wochen Ihrer Behandlung haben mich völlig gesund gemacht. Ich bin wie neu geboren. Das Zucken um den Mund, an dem ich jahrelang litt, ist völlig verschwunden. Meine ganze Konstitution ist so gekräftigt, daß ich kürzlich mit einem 400 Pfund schweren Rucksack auf dem Rücken, ohne Führer, den Montblanc bestiegen und dabei noch stundenlang einen großen Bernhardinerhund, der sich in den Bergen verlaufen hatte, getragen habe. Das danke ich alles der Wunderkur des Sanatoriums ›Bizepsheil‹ in M.«

Ein Fräulein F. in L. schrieb: »Ich war jahrelang taubstumm und konnte meinem Beruf als Sängerin nur schlecht nachkommen. Freunde machten mich auf das Sanatorium ›Bizepsheil‹ aufmerksam. Die berühmtesten Spezialärzte hatte ich konsultiert, aber bei keinem Heilung gefunden. Ich verfiel in die tiefste Melancholie und trug mich mit Selbstmordgedanken. Völlig verzweifelt und hoffnungslos kam ich nach ›Bizepsheil‹, und heute komme ich meinem Berufe wieder voll und ganz nach, und mein Ruf erfüllt die Welt. Mein Sprachvermögen hat sich in derartiger Weise entwickelt, daß ich selbst fremde Sprachen, die ich früher nicht beherrschte; jetzt fließend spreche. Ich danke mein Lebensglück der Naturheilanstalt ›Bizepsheil‹.«

Herr D. aus D. schrieb: »Ich hatte seit frühester Jugend keine Beine und nur einen Arm, den linken. Da mich meine Eltern zum Akrobaten bestimmt hatten, so störte mich das Gebrechen sehr an der Ausübung dieses Berufes. Vier Wochen in ›Bizepsheil‹ haben mich zum völlig normalen Menschen mit gesunden, wohlgeformten Gliedmaßen gemacht. Die fehlenden Glieder sind unter der Wunderkur von ›Bizepsheil‹ gewachsen; es war wie ein Zauber. Heute bin ich das gewandteste Mitglied des bekannten Akrobaten-Ensembles ›The five huit brothers Geschwister fratelli frères Webbers‹.«

Frau Bierfilzfabrikantengattin A. in R. schrieb: »Ich war etwa neun Jahre tot, als mir der Prospekt des Sanatoriums ›Bizepsheil‹ in die Hände fiel. Heute, nach sechswöchentlicher Kur, laufe ich wieder gesund, fidel und frisch in der Welt herum und trage mich, da sich mein Gatte in meiner Abwesenheit eine zweite Frau genommen hat, ernstlich mit Heiratsgedanken. Ich bin jederzeit bereit, genaue Auskunft über meine Kur in ›Bizepsheil‹ und über meine persönlichen Verhältnisse usw. zu geben.«

Das waren ja ganz außergewöhnliche Erfolge.

Scharleß Nulpe entschied sich für »Bizepsheil«. Hauptbestimmend war für ihn auch der Umstand, daß der Fürst von Printe-Hefeteil-Hubbelrath mit seiner ganzen Familie alljährlich diese Anstalt beehrte.

Scharleß meldete sich in »Bizepsheil« an und bestellte ein Zimmer von dreißig Mark pro Tag. Eigentlich schien ihm der Preis reichlich hoch, zumal in »Bizepsheil« nur mit der Natur als Heilfaktor gearbeitet wurde. Aber Gott ja, Natur war heute eine rare Sache. In den dreißig Mark war ja wohl auch alles inbegriffen. Oh, der Tor! Er hatte seine Ankunft angemeldet und wurde von dem Wagen der Anstalt am Bahnhof abgeholt.

Gleichzeitig mit ihm war noch eine uralte Dame, die sehr stark schnaufte, fortwährend Haarnadeln verlor und hinkte, und ein Herr in mittleren Jahren von fahlem Aussehen und mit einem zu kleinen Strohhut angekommen. Mit diesen beiden teilte er den Wagen.

Der fahle Herr stellte sich sofort als Regierungsrat Hifthorn von Hosenboden vor und begann von einer Geschwulst zu reden, die er im Leibe habe. Er habe bereits unzählige Ärzte konsultiert, und alle rieten zu einer Operation. Er wolle aber noch vorher einen letzten Versuch mit »Bizepsheil« machen. Und ob er auch eine Geschwulst im Leibe habe? wandte er sich interessiert an Scharleß Nulpe.

Nulpe bedauerte fast, daß er das nicht bestätigen konnte, denn es wäre ohne Zweifel interessanter gewesen als seine einfache Neurasthenie. Aber er gab sich Mühe, sein Leiden in den grellsten Farben auszumalen, so daß er wohl dem Regierungsrat mit der Geschwulst gegenüber bestehen konnte.

Am Portal einer pompösen Villa standen zwanzig Herren in Gehröcken mit Seidenaufschlägen. Sie begrüßten die Ankommenden in englischer Sprache, um diese Leute zu ehren und bei ihnen den Glauben zu erwecken, man hielte sie für Ausländer. Wenn das Echo dann, wie in diesem Falle, verschämt deutsch klang, verstanden sich die zwanzig Gehröcke dazu, auch in diesem Idiom zu reden.

Man wurde in das Bureau geführt, einen großen Saal, in dem ein sinnverwirrendes Geräusch herrschte. Schreibmaschinengeklapper, Hin- und Herlaufen von Beamten, Telephonklingel, Zurufe wie: Nr. 39 Lebergeschwulst, Packung 10 Mark; Nr. 62 Grützebeutel 8 Mark; Nr. 104 70 Mark usw. Unverständliche Bemerkungen für den nicht Eingeweihten.

Man bekam wahnsinnig neugierige Fragebögen, die selbst die Halsweite des Vaters wissen wollten, zum Ausfüllen vorgelegt. Dann erhielt man verschiedene Drucksachen in die Hand gedrückt, unter denen ein dickes Heft als die Hausordnung bezeichnet wurde. Ja, was die Hausordnung nicht alles vorschrieb! Vor allem stand darin, daß man im voraus zu bezahlen habe, und wenn man dann zu diesem Zweck an die Kasse geführt wurde, erfuhr man, daß man für die vereinbarten dreißig Mark lediglich ein Bett zu beanspruchen hatte, während die Verpflegung, ärztliche Behandlung, Bedienung, Bäder, Benutzung der Turngeräte, der Gartenanlagen usw. besonders verrechnet wurden. Das hörte man nicht gern. Aber Gott ja, es war eine First-class-Anstalt, und der Fürst von Printe-Hefeteil-Hubbelrath kam alljährlich mit seiner ganzen Familie nach »Bizepsheil«.

Das Zimmer! (Hihi). Man bekam ein Bett in einer sogenannten Lufthütte. Alte, früher wohl als Selterswasserbuden benutzte baufällige Bretterbuden, die unschön auf einer Wiese standen, waren die Lufthütten, durch die der Wind pfiff und die außerdem feucht waren, also in jeder Beziehung zur Abhärtung geeignet schienen.

In der Aufnahmeuntersuchung durch den Chefarzt (kostete extra), die in seinem fürstlich eingerichteten Studierzimmer stattfand (alle Räume, die nicht für die Patienten bestimmt waren, waren äußerst komfortabel eingerichtet), wurde dann der Kurplan festgelegt, die Diät (kostete extra), die Bäder (kosteten extra), die Turnübungen (kosteten extra), Atemgymnastik (kostete extra), Übungen im Zandersaal (kosteten extra extra), Luftbäder (kosteten extra), Spazierengehen (kostete extra) usw. (kostete alles extra) bestimmt.

Scharleß Nulpe schwindelte es, so kam er täglich auf etwa 150 Mark. Wenn auch die Erfolge in »Bizepsheil« außerordentliche waren und Fürst von Printe-Hefeteil-Hubbelrath jährlich hierher kam, das war doch zu toll.

Und wie erstaunt und fassungslos war er, als er am ersten Kurtage auf seinem Platze am Frühstückstisch lediglich zwei Bucheckern, eine rohe Kartoffel und ein Glas Wasser vorfand. An den übrigen Plätzen lagen ähnliche Leckerbissen. Ein schwacher Trost für Nulpe!

Mittags gab es fünf Bucheckern, eine Haselnuß, etwas Weiches, das aussah wie Stockfarbe und auch so schmeckte, eine Prise Salz und zwei Wiesenschaumkrautblüten. Abends war das Menu ähnlich, nur weniger Bucheckern und keine Stockfarbe und anstatt Wiesenschaumkraut Huflattich.

In dem Riesenspeisesaal – man saß aus hygienischen Gründen auf einfachen Holzbänken – waren die verschiedenen Kranken nach ihren Leiden an einzelnen Tischen sortiert.

So hatte man den Tisch der Magenleidenden, den Tisch der Nierenbankerotteure, den Tisch der Nervösen, den Tisch der stärker Nervösen, den Tisch der schon ein wenig Blöden, den Tisch der schlicht Blöden, den Tisch der absolut Blöden, den Tisch der aussichtslos Blöden (die mußten am meisten bezahlen).

Scharleß Nulpe saß zur Probe an dem Tisch der Nervösen. Nach acht Tagen bat er, ihn an den Tisch der stärker Nervösen zu setzen.

Seine Kur setzte sich aus kombinierten physikalisch-diätetischen Maßregeln zusammen.

Alles, was im Sanatorium mit ihm geschah, bekam ihm schlecht, und er begann, sich ernstlich in seiner Haut unbehaglich zu fühlen. Aber, was so teuer war und von Fürsten in Anspruch genommen wurde, mußte doch Qualitäten haben. Er litt vielleicht nur unter der anfänglich stets auftretenden Reaktion dieser ungewohnten Lebensweise.

Nach dem Frühstück mußte er vierzig Minuten auf dem Kopf stehen (kostete extra) mit einer Mohrrübe im Mund (kostete extra), dann mußte er, den linken Zeigefinger in der Nase (kostete extra) auf einem Bein herumhupsen (kostete extra). Er wurde dann abwechselnd in kochendes und eiskaltes Wasser getaucht (kostete extra) und mußte sich bis Mittag in der zur Anstalt gehörigen Ökonomie mit Mistabfahren beschäftigen (kostete extra). Nachmittags wurde geturnt. 286 Kniebeugen (kosteten extra 5 Mark pro Stück), 652 Rumpfbeugen (kosteten extra 5 Mark pro Stück). Mit andern Leidensgenossen mußte er ein Reservoir leer atmen, das als Vakuumentstauber Verwendung fand (kostete extra). Er mußte die tollsten und ihm gänzlich unverständlichen Verrichtungen machen. Alles drehte sich ihm im Kopf.

Vor dem Abendessen trafen sich die Patienten im Lesezimmer zum Plauschestündchen (kostete extra). Man erzählte sich umständlich von seinen Leiden, und Frohsinn und trautes Behagen herrschten in dem, wie alle für die Gäste bestimmten Räumen recht ungemütlichen Lesesaal, der aus hygienischen Gründen, um eine radikale Abhärtung durchzusetzen, feucht und zugig war.

Nach einer weiteren Woche bat Nulpe, man möge ihn an den Tisch der ein wenig Blöden setzen.

Es wurde täglich schlimmer mit seinem Zustand. Eine bedenkliche Reizbarkeit zeigte sich bei jeder Gelegenheit.

Eine harmlose Szene hatte schreckliche Folgen. Die taube Witwe eines Schlachtenmalers hatte ihm gegenüber gesessen. Er hatte sie in Unkenntnis ihres Gebrechens so ebenhin gefragt, ob sie schon früher in »Bizepsheil« gewesen sei.

»Im vergangenen Jahr stand das Grumt um diese Zeit besser«, bekam er zur Antwort.

»Ich meine, waren Sie schon mal in dieser Anstalt?« wiederholte Scharleß seine Frage.

»Gestern sah es nach Regen aus«, war jetzt die Entgegnung.

»Machen Sie schon lange die Kur hier und merken Sie einen Erfolg?« brüllte jetzt Scharleß plötzlich los.

»Ja, es ist ein feuchter, ein recht feuchter Sommer«, bekam er zu hören.

Eine wahnsinnige Wut kam über Nulpe. Er sprang auf und boxte die Witwe des Schlachtenmalers auf das Auge.

Mit jedem Tag wurde es schlimmer mit ihm. Er litt gräßlich unter der Diät. Seine Seife, zwei Tuben Zahnpasta, ein Paar Glacéhandschuhe, vier Bleistifte, eine Schachtel Heftzwecken und zwei Flaschen Kopiertinte hatte er verstohlen hinuntergeschlungen.

Wäre er nie auf diese Sanatoriumidee verfallen! Aber nun hatte er schon für Wochen bezahlt. Und dann galt es doch für schick.

Eines Tages sagte der Chefarzt zu ihm: »Herr Nulpe, mein lieber Herr Nulpe, nur Geduld, nur Geduld, Sie sollen mal sehen, nur Geduld. Morgen wollen wir mal anfangen zu zandern.« (Zandern kostete extra.) Der Doktor hätte Nulpe nicht zandern lassen sollen.

Nulpe saß bereits an dem Tisch der absolut Blöden. Wenn ihm irgendwas überzwerch ging, konnte er in wildes Toben verfallen.

Im Zandersaal. Alle Apparate waren in Bewegung. Es war ein groteskes Bild. Dort hatte eine sehr korpulente Dame die Arme eingespannt und schwenkte sie mit schauerlicher Regelmäßigkeit im Kreise. Einem langen, dürren Herrn wippte ein Apparat die Beine in marionettenhafter Weise hin und her. Ein Mensch, ganz kahlköpfig, wurde durch einen Zandermechanismus veranlaßt, unaufhörlich, schauerlich den Kopf zu rollen. Eine Greisin mit einem Eikopf und gallertartigem Wackelkinn saß auf dem Kamelrittapparat und hupste, daß ihr die Zähne wie weiße Bohnen aus dem Munde flogen.

Nulpe fühlte sich durch alles dieses Merkwürdige sichtlich beunruhigt.

Nur ungern ließ er sich in einen komplizierten Stuhl drücken. Dieser Apparat hatte den Zweck, bestimmte Stellen im Rücken durch kurzes, regelmäßiges Klopfen eines Gummifingers zu massieren. Das sollte enorm gesund sein.

Plötzlich bekam Nulpe von hinten einen leichten Stoß in den Rücken. Wütend schaute er sich um. Niemand war in seiner Nähe, der ihn gestoßen haben konnte.

Was war das für eine Frotzelei? Da wieder stieß ihn etwas an der gleichen Stelle. Das war ja eine maßlose Unverschämtheit. Eine tolle Wut packte ihn. Er sprang auf und bemerkte jetzt den Gummifinger, der mit unheimlicher Regelmäßigkeit aus dem Apparat herausschnellte.

Haßerfüllt stürzte sich Scharleß Nulpe auf diesen gespensterhaften Angreifer. Ein entsetzliches Ringen entspann sich zwischen Nulpe und der Maschine. Räder, Haare, Zähne, Schrauben flogen, bis plötzlich der Stuhl, Apparat und Nulpe umflogen und sich in einem wilden Chaos am Boden wälzten.

Nulpe gelang es, wieder auf die Beine zu kommen. Vor sich sah er einen anderen Apparat, der drohend seine Arme gegen ihn schwang. Drauf los! Und ein Rasen packte den Unglücklichen, und in jedem Apparat, der im Zandersaal seine blanken Fühler reckte, wie eigentümliche Untiere ihn zu höhnen schienen, erblickte er entsetzliche Feinde. Drauf los! Und er focht einen furchtbaren Kampf, bis er an die Halsmassagemaschine kam. Die kannte keinen Spaß, sie packte ihn mit ihren Fühlern um den Hals und erdrosselte ihn.

Alle Verwandten von Scharleß Nulpe waren bei der Beerdigung, nur Onkel und Tante Siebenborn aus Euskirchen fehlten.

 


 

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