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Griechische Lyrik

Eduard Mörike: Griechische Lyrik - Kapitel 4
Quellenangabe
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typepoem
authorEduard Mörike
titleGriechische Lyrik
publisherFischer Bücherei
editorUvo Hölscher
year1960
translatorEduard Mörike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created2009615
projectid65f366dd
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II. Trinklieder

1.

König, o Sohn Letos, Zeus' Leiblicher, deiner vergessen
Laß nie mich im Beginn, nie wenn zum Ziel ich gelangt,
Sondern zuerst und zuletzt und inmitten auch will ich dich preisen
Für und für; doch du selbst hör' und erhöre mein Flehn!

2.

Als Leto dich gebar, die gebietende, König Apollon,
Während ihr zierlicher Arm fest um die Palme sich schlang,
Aller Unsterblichen Schönsten, am Bord des gerundeten Landsees,
Da ward Delos erfüllt rings, die unendliche Flur,
Voll ambrosischen Duftes, es lachte die riesige Erde,
Und laut jauchzten des Meers grauliche Wogen im Grund.

3.

Musen und Chariten, Kinder des Donnerers, welche zu Kadmos'
Hochzeit kamen, ihr sangt wahrlich ein treffliches Wort:
Was anmutig, ist wert, was nicht anmutig, ist unwert;
Also ertönte das Lied euch vom unsterblichen Mund.

4.

Trefflichstes bleibt, was am meisten gerecht; Heilsamstes, gesund sein;
Aber am meisten beglückt, wer, was er liebte, gewann.

5.

Frieden und Wohlstand walt' in der Stadt, auf daß ich mit andern
Festschmaus feire; mich sehnt's nicht nach verderblichem Krieg.

6.

Froh, da noch währet die Jugend, vergnüg' ich mich: werd' ich doch lange,
Wann mir das Leben entfleucht, tief in der Gruft wie ein Stein
Lautlos liegen, verbannt aus Helios' lieblichem Lichte
Und, wie ich wacker auch war, nimmer erschließen den Blick.

7.

Doch uns lasset das Herz darbringen dem Freudengelage,
Während annoch es der Lust minnige Gaben verträgt.
Schleunig ja wie ein Gedanke vergeht frischblühende Jugend,
Rascher nicht stürmet der Lauf mutiger Rosse davon,
Welche den Mann hintragen zum Speeraufruhre der Männer,
Windschnell, munter einher stampfend das Weizengefild.

8.
Nimmer noch mög' ein Begehr an der Weisheit Statt und der Tugend
Neu einnehmen mein Herz; sondern mit ihnen im Bund
Will ich mich freun an der Harf und am Chorreihntanz und Gesange
Und in der Edelen Kreis würdig bewähren den Sinn.

9.
Aufgeht stets mir im Busen das Herz, wann schallender Flöten
Sehnsuchtregender Laut lieblich mir dringet zum Ohr;
Gern auch trink' ich und singe, des Flöteners Töne begleitend,
Gerne dann halt' ich auch dich, schmelzende Leier, im Arm.

10.
Laßt uns anjetzt froh werden des Trunks, Anmutiges redend;
Aber der Zukunft Los ruht in der Seligen Hand.

11.
Blühe mir, liebes Gemüt: bald werden ja andere Menschen
Hier umwalten, doch ich modern zu düsterem Staub.

12.
Nicht ob ich tot einst lieg' auf ein königlich Lager gebettet,
Kümmert mich, sondern gewährt sei mir im Leben die Lust.
Sanfter auf Teppichen nicht als auf Stechkraut ruht der Gestorbne;
Wenig verschlägt es, ob hart oder ob weicher das Holz.

13.
Kommt's zum Rasen, so ras' ich am lautesten: unter Gelaßnen
Bin ich von allen sodann wieder gelassen zumeist.

14.
Doch ihr, tauschet die Wort' in Verträglichkeit, weilt ihr am Becher,
Fernabweisend, was euch unter einander entzweit,
Immer das Ganze bedenkend und minder nicht alle wie einen;
Also entbehrt ein Gelag nicht der ergötzlichen Lust.

15.
Aber sobald, wer oben noch war, nun unten gestreckt liegt,
Dann ist es Heimgehnszeit, daß man beende den Schmaus.

16.
Schlafen wir, aber die Wacht um die Stadt mag kümmern die Wächter
Unseres lieblichen rings sicherverwahrten Gebiets.

III. Liebesgedichte

1.
Nicht mehr trink' ich des Weins, da jetzt bei dem zierlichen Mädchen
Schaltet ein anderer Mann, schlechter um vieles als ich.
Quellflut trinken bei ihr zum Ärger mir ehrbar die Eltern;
Hat sie das Wasser geschöpft, trägt sie es klagend um mich.
Plötzlich genaht schlang rund um das Kind ich den Arm, und den Nacken
Küsset' ich, ach! und wie zart tönte vom Mund ihr ein Wort.

2.
Zeitig ja auch taucht Eros empor, wann von neuem die Erde
Unter dem Frühlingshauch lächelt in blumigem Schmuck:
Dann eilt Eros daher von der Kyprier prangendem Eiland
Rings zu den Menschen und streut über die Erde die Saat.

3.
Während allein ich trank von der schwarz hinrieselnden Quelle,
Schien mir erquicklich und klar sich zu ergießen die Flut.
Gleich nun ist sie getrübt, und mit Schlamm ist die Feuchte gemischet:
Wohl denn, nach anderem Quell, anderem Strome geschaut!

4.
Arger, dich säugten, o Eros, empor die Gewalten des Wahnsinns,
Durch dich sank in den Staub Ilios' ragende Burg,
Sank auch des Aegeus Sohn, der gewaltige, sank des Oïleus
Trefflicher Sproß Aias, deiner Betörung ein Raub.

5.

Knab', an Gestalt zwar lieblich erwuchsest du, aber der Kranzschmuck
Leidigen Unverstands liegt auf dem Haupte dir schwer,
Und dein Herz hat die Sitte des raschumwendenden Weihen,
Da leichthin dich das Wort böser Gesellen berückt.

6.

Stille mir, Kypros' Tochter, die Pein, und zerstreuend die Sorgen,
Die aufzehren mein Herz, gib mich der Freude zurück.
Schläfre mir ein den versehrenden Harm, und bei heiterem Mute
Laß nach der Jugend Genuß Taten des Ernstes mich tun.

7.

Wer zu den Schönen gewandt sein Herz, stets drücket ein Joch ihm
Schmerzlich, ein lästiges Mal gastlicher Liebe, den Hals.

8.

Gut ist, der Gunst bei den Schönen sich freun, gut auch ihr entsagen:
Leichter ist Liebe gefaßt, als die Erhörung gewährt.
Zahllos quellen die Schmerzen hervor, zahllos auch die Freuden,
Aber auch darin selbst zeigt sich des Reizes genug.

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