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Wolf Graf von Baudissin (Schlicht): Graf Udo Bodo - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorWolf Graf von Baudissin
titleGraf Udo Bodo
publisherGlobus Verlag G.m.b.H. Berlin
printrun25. bis 27. Tausend
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid0f1b0669
created20061216
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III.

Udo Bodo war durch das Einjährig-Freiwilligen-Examen geflogen, und zwar ganz gehörig. Sein Zeugnis wies so schlechte Noten auf, daß es nach Aussage der Lehrer mehr als zweifelhaft war, ob Udo Bodo überhaupt je die Prüfung an dem Gymnasium, dem er nun schon seit zwei Jahren angehörte, bestehen würde.

Diese Nachricht rief auf dem adligen Gute Adlershorst eine gewaltige Aufregung hervor, und zum erstenmal kam es zwischen dem Grafen Kuno und seiner Gemahlin zu einer sehr erregten Aussprache, denn zum erstenmal wurde jetzt in dem Grafen Kuno der Verdacht wach, daß Cäcilie ihn damals, als ihm sein Sohn geboren wurde, belogen hatte, und in seiner Erregung scheute er sich nicht, seiner Gattin diesen Vorwurf direkt ins Gesicht zu schleudern.

Cäcilie hatte diesen Augenblick lange kommen sehen, sie hatte ihn schon seit Jahren erwartet, und sie hatte sich schon lange den entsetzten Gesichtsausdruck einstudiert, mit dem sie ihren Mann, wenn es soweit wäre, verständnislos anstarren wollte. Aber jetzt versagte ihre Kunst, von Entsetzen war in ihren Zügen nichts zu lesen, sie schnitt ihrem Mann nur ein entsetzliches Gesicht, das diesen erst recht in Zorn brachte.

»Ich verbitte mir, daß Du mir Fratzen schneidest, anstatt ernsthaft auf meine Anklage zu antworten,« herrschte er sie an.

»Eine Gräfin Adlershorst schneidet niemals Fratzen, sondern überläßt das den Domestiken,« gab sie stolz zur Antwort. »Und ich muß Dir sagen, ich finde es von Dir einfach empörend, mir einen derartigen Vorwurf zu machen. Daß ich aber angesichts der ungeheuren Verdächtigungen, die Du gegen mich erhebst, nicht ruhig bleibe, daß ich mich und mein Mienenspiel nicht in der Gewalt habe, ist nur zu natürlich. Du solltest Dich nur selbst einmal im Spiegel sehen, Du würdest über Deinen Gesichtsausdruck auch nicht allzu erfreut sein, er ist mehr als töricht, man könnte ihn beinahe dumm nennen.«

»Ist das alles, was Du mir zu sagen hast?« brauste er auf.

»Ja,« erwiderte sie, »denn Deine Anklage ist nicht nur schändlich, sie ist vor allem auch so lächerlich, daß es sich wirklich nicht lohnt, sie ernsthaft zu beantworten. Welche Gründe sollten mich wohl veranlaßt haben. Dich damals absichtlich zu belügen? Ich weiß keinen Grund, nicht einen einzigen, Du etwa?«

Er dachte eine ganze Weile nach. »Nein, allerdings, ich wüßte auch nicht, was Dich zu einer solchen Schlechtigkeit veranlaßt hätte.«

»Entweder ist Kuno fabelhaft anständig, oder aber er ist geistig noch beschränkter, als ich es ihm zutraue, obgleich ich ihn doch jetzt wirklich zur Genüge kenne,« dachte sie, dann meinte sie frohlockend: »Also, da siehst Du es ja. Was ich damals sagte, entsprach nicht nur meiner gewissenhaftesten Überzeugung, sondern vor allen Dingen war das, was ich sagte, deutlich in den Linien von Udo Bodos Händen zu lesen. Wenn meine Prophezeiung sich nicht erfüllte, so kannst Du mich nicht dafür verantwortlich machen. Daß ein Kind in geistiger ebensogut wie in körperlicher Hinsicht nicht alle Hoffnungen und Erwartungen erfüllt, die man von ihm hegt, ist ja klar, das Kind macht eben im Laufe der Jahre eine so gewaltige Entwickelung durch, daß sich später oft alle Berechnungen als falsch erweisen. Wie manchem Kind prophezeit man nicht eine eiserne Gesundheit, und es wird später krank und schwächlich! Und wenn sich schon der Körper allen Erwartungen zum Trotz so verändern kann, um wieviel mehr dann ein zartes Gehirn, dessen Entwickelung von tausend und abertausend Zufälligkeiten abhängig ist. Jeder Psychiater wird mir recht geben, wenn ich behaupte, daß die zarte Nervensubstanz, die man schlechthin Gehirn nennt, etwas so Empfindliches ist, daß die geringste Kleinigkeit ihr ganzes Wesen verändern kann.«

Es waren ja nur leere Worte und gewöhnliche Phrasen, die sie hervorbrachte, aber auf den Grafen Kuno blieben sie doch nicht ohne Eindruck. Cäcilie merkte es und spielte ihren letzten Trumpf aus. »Ich fühle es Dir ja nach, daß Dich Udo Bodos geistige Entwicklung nicht froh und glücklich stimmt, aber mich betrübt sie noch viel mehr. Auf Deinen Wunsch bin ich hierher übergesiedelt, mit dem Hauslehrer zusammen habe ich an Udo Bodos Erziehung gearbeitet, ich habe auf ihn einzuwirken, seinen Geist zu beleben, seine Kenntnisse zu bereichern versucht. Daß nun alle meine Arbeit umsonst war, das betrübt mich tief und bringt mir die traurige Gewißheit, daß gerade der Teil meines Lebens, auf den ich hoffte, mit Stolz zurückblicken zu können, für mich ganz verfehlt war, daß ich wenigstens diese Zeit hindurch umsonst gelebt habe.«

Sie schlug die Hände vors Gesicht, und was sie selbst zu hoffen kaum gewagt hatte, gelang ihr, sie fand Tränen und ließ sie eifrig fließen.

Graf Kunos Zorn war verraucht, er sah ja, wie seine Gattin litt, da durfte er nicht mehr an sich selbst denken. So trat er denn auf sie zu und küßte ihr tränenfeuchtes Antlitz. »Sei mir nicht böse, und wenn Du kannst, vergib mir, daß ich Dir unrecht tat. Kannst Du mir verzeihen?«

»Ich will es versuchen.«

Er ergriff ihre Hand und führte sie an seine Lippen. »Ich danke Dir. Bitte, trockne Deine Tränen, Du weißt, ich kann es nicht mit ansehen, wenn Du leidest, noch dazu, wenn Du durch meine Schuld leidest, sei wieder lieb und gut, und laß uns in Ruhe besprechen, wie alles so gekommen ist, und was nun werden soll.«

Wie alles so gekommen war? Die Frage war mit den Worten »dumm geboren und nichts zugelernt« schnell beantwortet, aber das durfte Cäcilie nicht sagen, so führte sie denn tausend andere Gründe an. Vielleicht war der Hauslehrer doch nicht tüchtig genug gewesen, vielleicht hatte man im Verhältnis zu der bisher genossenen Erziehung auf dem Gymnasium zu hohe Anforderungen gestellt, vielleicht war die Pension und die dortige Aufsicht doch nicht streng genug gewesen, vielleicht war aber auch das Gegenteil der Fall, und dadurch war, wie es ja häufig der Fall ist, in Udo Bodos Gehirntätigkeit ein gewisser Stillstand eingetreten. Das Gehirn hatte plötzlich seine weitere Aufnahmefähigkeit versagt. Kurz und gut, es gab tausend Gründe für einen, die es erklärlich machten, daß Udo Bodo sein Examen nicht bestanden hatte. Woran es schließlich lag, war aber auch ganz gleichgültig, man mußte mit der traurigen Tatsache rechnen, daß er durchgefallen war, und jetzt beraten, was weiter werden sollte.

»Glaubst Du, daß Udo Bodo doch noch Minister werden kann?« fragte Graf Kuno.

»Gewiß,« beruhigte Cäcilie ihn. »Wie mancher ist nicht schon einmal durchs Examen gefallen und hat es dann hinterher doch noch mit Auszeichnung bestanden, und was die Lehrer da schreiben, Udo Bodo würde das Examen am Gymnasium nie bestehen, na, das weiß man ja, wie das gemeint ist, das heißt, er hat in seinem Wissen so viele Lücken, daß er ohne Privatstunden sein Ziel nicht erreicht. Die Lehrer wollen Geld verdienen, dann erst haben sie für ihren Zögling das richtige Interesse, das ist die ganze Geschichte. Laß ihm ordentlich Privatstunde geben, dann sollst Du mal sehen, wie schnell er Fortschritte macht, auch wenn er in Wirklichkeit gar nicht mehr leistet als jetzt.«

Das leuchtete dem Grafen Kuno sehr ein. »Wenn Udo Bodo in den nächsten Tagen für die Dauer der Ferien hierherkommt, will ich mit ihm darüber sprechen, in welchen Fächern er sich besonders schwach fühlt, und dann kann er so viel Unterricht bekommen, wie er haben will.«

Cäcilie war mit diesen Worten nur teilweise einverstanden. Dafür, daß Udo Bodo möglichst viel Privatunterricht erhielt, war auch sie, aber viel weniger fand es ihren Beifall, daß Udo Bodo während der Ferien nach Haus kommen sollte.

Das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Stiefsohn war kein sehr gutes. Udo Bodo war, wie fast alle geistig beschränkten Menschen, sehr gutmütig, er tat niemand etwas Unrechtes und vergaß erlittene Unbill sehr schnell, aber eins konnte er nicht vergessen: die körperliche Züchtigung, die er auf Veranlassung seiner jetzigen Stiefmutter erhalten hatte. So oft er daran dachte, stieg ihm jedesmal die Schamröte ins Gesicht, daß ein Graf Adlershorst sich so hatte demütigen lassen müssen, und immer von neuem wurde dann der Haß und der Groll gegen seine Stiefmutter in ihm wach. An dem Tage, an dem er über dem väterlichen linken Knie gelegen hatte, war alle Liebe, die er einst für seine Tante Cäcilie gehegt hatte, verflogen. Gräfin Cäcilie merkte es sehr wohl, wie fremd Udo Bodo ihr gegenüberstand, und sie sah ganz genau die feindlichen und gehässigen Blicke, mit denen er sie betrachtete.

Aber das nicht allein, wenn Udo Bodo auf Urlaub war, dann saß er fast den ganzen Tag mit seinem Vater zusammen, und wenn Cäcilie dann zu ihnen trat, war Graf Kuno seiner Frau gegenüber auch von einer verletzenden Unfreundlichkeit. Cäcilie erriet dann sofort, daß wieder einmal über die unglückliche körperliche Züchtigung gesprochen worden war, und daß der Vater seinem Sohn erklärt hatte: »Du hast recht, Udo Bodo, ich hätte Dich damals nicht züchtigen dürfen, selbst von der Hand des Vaters entehren die Schläge den Edelmann. Aber Deine jetzige Mutter bat mich darum, und ich hatte Deine Mutter damals sehr lieb, und auch für Dich wird noch die Stunde kommen, in der Du einsehen wirst, daß man die größten Dummheiten seines Lebens den Frauen zuliebe macht.« Einmal hatte Graf Kuno die Rücksicht auf seine Gemahlin sogar so weit vergessen, daß er diese Worte in ihrer Gegenwart gesprochen hatte, und voller Empörung hatte sie das Zimmer verlassen.

Sie kannte zur Genüge diese Szenen, und sie wußte, daß Udo Bodo mit seiner Dickköpfigkeit, die eine Folge seiner geistigen Beschränktheit war, niemals über diesen Punkt anders denken würde, und so sagte sie denn jetzt: »Du weißt, ich bin die letzte, die Udo Bodo nicht jede Zerstreuung, nicht jede Erholung gönnt, aber ihn jetzt hierherkommen zu lassen, halte ich für ganz falsch. Das würde wie eine Belohnung aussehen, wenigstens würden die Lehrer es als eine solche betrachten, und sie würden von neuem gegen Udo Bodo eingenommen werden, noch mehr, als sie es jetzt schon sind. Einmal, weil er nicht der Befähigste ist, dann aber auch, weil die bürgerlichen Lehrer, die sich ihr geringes Gehalt sehr sauer verdienen müssen, natürlich von vornherein einem Schüler wenig freundlich gegenüberstehen, der es trotz seiner nicht bedeutenden Geistesgaben lediglich durch seine Geburt so viel besser hat als sie selbst. Es leuchtet ihnen nicht ein, daß es nicht nur Geistes-, sondern auch Geburtsaristokraten geben muß.«

Mit den letzten Worten hatte die Gräfin Cäcilie halb gewonnen, aber Graf Kuno knurrte doch noch still vor sich hin, denn er hatte sich sehr auf seinen Jungen gefreut. Wozu hatte man denn einen Sohn und Erben, wenn man ihn nie zu sehen bekam? Er hatte sich schon die verschiedensten Geschenke für ihn kommen lassen, mit denen er ihn bei seiner Ankunft begrüßen wollte, aber schließlich kam er doch zu der Überzeugung, daß es in diesem Falle angesichts des sehr schlechten Zeugnisses das beste sei, wenigstens so zu tun, als ob er böse wäre, und so schrieb er denn seinem Udo Bodo einen langen Brief, in dem er diesen ermahnte, die Ferien zu benutzen, um fleißig zu arbeiten, damit er nach einem halben Jahr sein Examen mit Glanz und Glorie bestehen würde.

Als Udo Bodo diesen Brief erhielt, knirschte er vor Wut mit den Zähnen, er wußte ganz genau, wem er es zu verdanken hatte, daß er nun die ganzen Ferien über in der langweiligen Pension bei den Büchern sitzen mußte. Wenn es doch wenigstens noch einen Zweck gehabt hätte! Aber wie dumm Udo Bodo auch immer war, so dumm war er denn doch nicht, um nicht zu wissen, daß er dumm war. Er würde das Examen ja doch nicht bestehen, warum ihn da noch quälen? An seinem Fleiß lag es nicht, daß er beständig der letzte seiner Klasse war. Als ein Graf von Adlershorst schämte er sich, immer die schlechtesten Zensuren zu erhalten, er arbeitete unermüdlich, aber es half alles nichts, denn er begriff nicht, was er lernte. Und doch wollte er so gern lernen, er sehnte sich hinaus nach der goldenen Freiheit, hinaus ins Leben, schon um Betty bald heiraten zu können.

Mit der stand er immer noch im regsten Briefwechsel. Zweimal in der Woche holte er sich das postlagernde Schreiben, und wilde Eifersucht packte ihn dann oft, wenn sie ihm erzählte, wie rasend ihr kürzlich ein Student den Hof gemacht habe, oder wie ihr neulich ein sehr eleganter Herr nachgegangen sei, den sie eine halbe Stunde und länger zum besten gehabt hätte, bis sie dann endlich lachend in eine Droschke gesprungen und davongefahren wäre. In den leidenschaftlichsten Worten bat er sie dann, ihm zuliebe sich alle andern Männer fernzuhalten, mit keinem zu flirten oder zu kokettieren, aber sie hatte immer dieselbe Entgegnung: »Das, was ich tue, hat doch mit der Liebe nicht das geringste zu schaffen, ich mache mich doch nur über die Herren lustig, es macht mir ein riesiges Vergnügen, sie an der Nase herumzuführen. Und alle meine Freundinnen machen es doch ebenso. Soll ich denen gegenüber vielleicht in den Verdacht kommen, so häßlich und langweilig zu sein, daß ich keinem Herrn gefalle? Ich weiß ganz genau, wie hübsch ich bin. Ich habe jetzt ein neues Radfahrkostüm bekommen. das solltest Du nur mal sehen, hellbrauner kurzer Rock, dazu braune, seidne Strümpfe und hohe braune Stiefel, es ist todschick. Als Mann fühlst Du es mir aber natürlich nicht nach, welche Freude es mir macht, mich bewundern zu lassen, und wenn ich dann so mit einem Herrn recht kokettiert habe, und er sich mir unter irgendeinem Vorwand nähert, dann solltest Du nur mal sehen, wie ich die Entrüstete und Empörte spiele! Und wenn die Herren dann mit einem dunkelroten Kopf von dannen ziehen, es ist einfach zum Totlachen. Und daß ich nichts Unrechtes tue, daß Du der einzige bist, dem ich bisher in meinem ganzen Leben einen Kuß gegeben habe und daß ich nie – niemals einen andern küssen werde als nur Dich, das weißt Du ja, das brauche ich Dir gar nicht erst zu sagen, das glaubst Du mir auch so.«

Und Udo Bodo glaubte es auch wirklich so, seine Cousine war doch eine Adlershorst, die tat ja nichts Unrechtes, und wenn sie ihn damals geküßt hatte, dann war es doch auch etwas ganz anderes gewesen, einmal, weil er es war, und dann, weil sie ihn doch liebte, und man liebt doch nur einmal, und wenn man sich nicht liebt, dann küßt man sich doch auch nicht.

Das war Udo Bodos gewissenhafteste Überzeugung, und deshalb hatte er auch gar keine Augen und gar keinen Sinn für die vielen andern jungen Mädchen, mit denen er auf kleinen Gesellschaften, auf Schülerfesten oder bei ähnlichen Gelegenheiten zusammentraf. Und da waren so viele darunter, die ihn im stillen liebten, die glücklich gewesen wären, wenn er sie vor ihren Freundinnen ausgezeichnet hätte; denn er war doch nun einmal Graf, der einzige auf dem ganzen Gymnasium, dazu ein großer, hübscher Junge, tadellos gewachsen und stets ausgezeichnet angezogen. Man mußte sich ja in ihn verlieben, wie einmal ein junges Mädchen zu ihrer Freundin sagte. Aber Udo Bodo blieb sich selbst und seiner Betty treu. Er trug das Bild seiner Geliebten in seinem Herzen und ein zweites Bild von ihr lag wohl verschlossen in seiner Kommode, ganz tief versteckt, so daß ein Unbefugter es niemals gefunden hätte. Aber jeden Abend, ehe er schlafen ging, nahm er das Bild heraus und küßte es lange und heiß und dann bettete er seine Geliebte wieder in die Kommode.

Als Udo Bodo durchs Examen gefallen war und von seinem Vater die ernste Mahnung erhielt, von neuem sein Glück zu versuchen, dachte er zum erstenmal über seine Zukunft nach. An seine Ministerkarriere glaubte er nicht mehr so recht, dann mußte er nicht nur das Einjährige, sondern auch das Abitur und später noch alle Staatsexamen machen. Und wenn er dieses erste Examen schon nicht bestanden hatte, wie würde es ihm da später ergehen? Mit dem Abschreiben allein war es nicht getan, das hatte er schon jetzt erfahren, er hatte abgeschrieben wie kaum ein anderer, bei seinen beiden Nachbarn und bei seinen Vorderleuten, denen er mit seinen scharfen Augen über die Schulter gesehen hatte. Aber unglücklicherweise waren auch die keine hervorragenden Leuchten der Wissenschaft gewesen und zum Überfluß hatte er das Pech gehabt, nicht das wenige Richtige, sondern nur das viele Falsche, was diese auf dem Papier stehen hatten, beim Abschreiben zu erwischen. Was dann, wenn er nun abermals durchfiel? Allerdings hatte er dann die Möglichkeit, noch ein drittes Mal sein Glück zu versuchen, aber wenn er auch das nun nicht bestand? Dann mußte er, Udo Bodo, Graf von Adlershorst, zwei Jahre, oder, wenn er Kavallerist wurde, sogar drei Jahre dienen. Das Blut stieg ihm in die Wangen, nein, das durfte nicht sein, die Schande würde er nie überleben.

Allmählich beruhigte er sich, es würde ja auch gar nicht so weit kommen, die Lehrer würden selbst einsehen, daß ein Graf Adlershorst das Einjährige eben haben muß, die würden nicht nur ein, sondern sogar beide Augen zudrücken. Aber selbst wenn diese Menschen kein Erbarmen hatten, wenn sie ihn vielleicht doch durchfallen ließen, um angeblich damit der Welt zu beweisen, wie unparteiisch und gerecht sie wären, so würde Seine Majestät sich seiner annehmen. Der würde lieber das ganze Heer auflösen, als zugeben, daß ein Graf Adlershorst als gemeiner Soldat diene. Nicht umsonst nahm der Adel eine so bevorzugte Stellung ein.

Das Vertrauen auf die Gnade Seiner Majestät gab ihm die innere Ruhe wieder, aber ehe er sich an den Kaiser wandte, wollte er noch mehr als bisher seine Pflicht und Schuldigkeit tun, und so fing er denn mit einem Ernst und mit einer Ausdauer an zu arbeiten, daß er die Anerkennung und die Bewunderung seiner Lehrer erregte, die ihm mit zahllosen Privatstunden nachhalfen. Von dem Kreis der Kameraden zog er sich noch mehr als bisher zurück, viel Freunde hatte er nie gehabt, und er konnte sie bei den Anschauungen, in denen er großgezogen war, auch nicht haben. Er war sehr wählerisch in der Auswahl seines Verkehrs und einem ihm sonst sehr sympathischen Kameraden hatte er die Freundschaft gekündigt, weil dieser in seiner Gegenwart einmal auf der Straße ausgespuckt hatte. Denn erstens spuckt man doch überhaupt nicht und zweitens unter keinen Umständen in Gegenwart eines Grafen Adlershorst. Der andere lachte ihn einfach aus, und das bewies Udo Bodo nur, daß er sich von Anfang an hatte täuschen lassen und sein Vertrauen einem Menschen geschenkt hatte, der dessen durchaus unwürdig war.

So war Udo Bodo sehr wenig beliebt, er kümmerte sich fast nie um seine Mitschüler, es ging ihm wie seinem Vater, der Verkehr mit sich selbst genügte ihm vollständig. Nur eine Gelegenheit gab es, bei der er sich an seine Kameraden wandte, das war, wenn er in der Klasse aufgerufen und gefragt wurde. Dann sah er sich hilfesuchend nach allen Seiten um und seine Augen baten: »sagt mir zu.« Und sie sagten ihm auch zu, jeder rief etwas anderes, aber alles, was sie riefen, war absichtlich ganz falsch und das Falscheste von allen griff Udo Bodo dann auf, und das homerische Gelächter der andern bewies dann ihre große Schadenfreude darüber, daß es ihnen wieder einmal gelungen war, den stolzen Grafen hineinzulegen.

Und Udo Bodo arbeitete und arbeitete, aber es half ihm alles nichts, und als zum zweitenmal das Examen stattfand, erhielt er im Fleiß, in Aufmerksamkeit und im Turnen die beste Zensur, die es überhaupt nur gibt, und die Lehrer bedauerten, ihm keine noch bessere geben zu können. In allen anderen Fächern aber hatte er die schlechteste Nummer, nur in der Religion hatte er es auf die zweitschlechteste gebracht.

Als Udo Bodo dieses Zeugnis in Händen hielt, war er körperlich und geistig gebrochen, aller Zuspruch seines Pensionsvaters war und blieb erfolglos, es gab auf der ganzen Welt nur einen Menschen, der ihn trösten konnte, das war Betty, und er klagte ihr in einem langen Brief sein Leid. Schon am übernächsten Tag hielt er die Antwort in Händen.

»Mein lieber, guter Udo Bodo! Was Du mir schreibst, hat mich natürlich sehr traurig gestimmt, vor allen Dingen auch meinetwegen, denn was soll nun aus uns werden? Ich kann doch niemand heiraten, der seine zwei Jahre dienen muß und der nicht einmal Reserveoffizier werden kann, das ist doch das wenigste, was man heute von einem gebildeten Menschen, noch dazu von einem Grafen, verlangt. Unter diesen für uns beide gleich traurigen Umständen denke ich ernstlich darüber nach, ob ich nicht den Assessor heiraten soll, der mir seit einiger Zeit ganz rasend den Hof macht. Ich habe ihn bei einer Freundin auf einer Gesellschaft kennen gelernt, und ich habe ihn im Verdacht, daß er eigentlich meine Freundin hat haben wollen, denn die ist nicht nur sehr hübsch, sondern auch sehr reich. Er selbst hat aber auch ein großes Vermögen, und reiche Leute pflegen sich ja bekanntlich sehr selten um ein armes Mädchen zu bewerben. Du kannst Dir denken, wie stolz ich war, als ich schon am ersten Abend merkte, welchen Eindruck ich auf ihn machte. Obgleich er mir zuerst ganz gleichgültig war, fing ich doch an. mit ihm etwas zu kokettieren, eigentlich nur, um meine Freundin zu ärgern, und da hättest Du mal sehen sollen, wie er für mich gleich Feuer und Flamme wurde. Ich habe mich im stillen köstlich über ihn amüsiert. Noch an demselben Abend bat er um Erlaubnis, bei Mama seinen Besuch machen zu dürfen, und seit der Zeit ist er sehr häufig bei uns gewesen, auch auf Gesellschaften bin ich oft mit ihm zusammengetroffen. Ich habe ihn inzwischen näher kennen gelernt, er ist zwar nur bürgerlich, aber aus einer sehr guten Familie und wie gesagt, ist er sehr reich. Davon aber ganz abgesehen, denn ich brauche Dir nicht erst zu sagen, daß ich niemals trotz unserer Armut einen Mann nur seines Geldes wegen heiraten würde, ist er sehr klug und sehr nett, ich hab' ihn wirklich aufrichtig lieb, Mama rät mir natürlich auch sehr zu der Partie, und so glaube ich, daß ich mich wohl demnächst mit ihm verloben werde. Ich hätte Dir schon früher von Max, so heißt er nämlich, geschrieben, wenn ich nicht gefürchtet hätte, Dich traurig zu stimmen und Dich in Deinen Examenarbeiten zu stören. Vor allen Dingen aber auch, weil ich immer noch hoffte, ich würde doch noch Deine Frau werden, denn Du weißt, Du bist und bleibst trotz alledem meine erste und einzige Liebe. Nun aber sehe ich keine Möglichkeit mehr, die Deine zu werden, und Du wirst und kannst mir nicht zürnen, wenn ich Max erhöre. Es wird Dir ein Trost sein, wenn ich Dir sage, daß ich Dich nie vergesse und nie aufhören werde, Dich zu lieben.

Ich grüße und küsse Dich herzlichst als Deine

Cousine Betty.

NB. Ich freue mich schon jetzt auf die Gesichter der Freundinnen, wenn sie kommen, um mir zur Verlobung zu gratulieren. Sie werden gelb vor Ärger und Neid werden, denn Max ist sehr hübsch, und er hat einen ganz langen schwarzen Schnurrbart.«

»Auch das noch.«

Udo Bodo war vollständig zerschmettert, er hatte an Bettys Liebe geglaubt wie an das Evangelium, er hätte es nie für möglich gehalten, daß sie einen anderen ihm vorziehen würde, er war nie auf den Gedanken gekommen, daß sie ein Spiel mit ihm trieb, daß es ihr ein Vergnügen machte, ihm den Kopf zu verdrehen. Auch jetzt noch glaubte er ihren Worten, daß sie wirklich ernsthaft daran gedacht hätte, ihn zu heiraten, und daß er jetzt auch dieses Ziel nicht erreichte, war sein größter Schmerz. Er vergoß bittere Tränen, und die ganze Nacht lag er weinend im Bett, er weinte über ein verfehltes Leben und über sein entschwundenes Liebesglück.

Am nächsten Tag erschienen für ihn ganz unerwartet Graf Kuno und Gräfin Cäcilie im Hause seines Pensionsvaters, der ihm geschrieben und angefragt hatte, was nun mit Udo Bodo werden sollte, da er einen nochmaligen Versuch, sein Examen auf der Schule abzulegen, für vollständig aussichtslos hielt. Das Zeugnis, das dem Grafen Kuno eingesandt wurden war, hatte diesem bewiesen, daß sein Sohn es an ernstem Fleiß nicht hatte fehlen lassen, so war er zwar traurig gestimmt, aber doch freundlich und voll Mitleid gegen seinen Udo Bodo, dem man nur zu deutlich seinen eigenen Schmerz anmerkte; denn daß ein großer Teil dieses Schmerzes nicht dem unbestandenen Examen, sondern Betty galt, ahnte ja niemand.

Die Gräfin Cäcilie war einfach empört. »Wie kann man nur so dumm sein?« fragte sie Udo Bodo, aber der blieb die Antwort schuldig, und die Gräfin strafte ihren Stiefsohn mit stummer Verachtung.

In Gegenwart des Pensionsvaters fand eine gemeinsame Konferenz statt, wie sich Udo Bodos Zukunft gestalten sollte, und schließlich einigte man sich dahin, daß er auf eine Presse geschickt würde. An ein Studium war natürlich nicht mehr zu denken, auf der einen Seite war Graf Kuno darüber natürlich sehr betrübt, auf der anderen Seite hatte es doch aber auch sein Gutes. Wenn Udo Bodo wirklich Minister geworden wäre, dann hätte er sich aus einem Grafen in eine Exzellenz verwandelt, und das Wort Exzellenz gefiel dem Grafen Kuno nicht halb so gut wie Herr Graf. Über Udo Bodos spätere Zukunft wurde vorläufig noch nicht beraten, erst mußte er das Einjährige hinter sich haben, dann konnte man ja weiter sehen.

Graf Kuno hielt es für seine Pflicht, Udo Bodo zu fragen, ob er mit den Plänen, die man soeben gefaßt habe, einverstanden sei, und dieser gab seine Zustimmung. Ihm war alles einerlei, er hatte nur den einen Wunsch, nicht nach Berlin geschickt zu werden. Über das »warum« äußerte er sich nicht weiter, er wäre eher gestorben, ehe er den Grund genannt und erklärt hätte, er könne ein Wiedersehen mit Betty unter den jetzigen Umständen nicht ertragen.

Graf Kuno, der in früheren Jahren in Berlin sehr schöne und vergnügte Stunden verlebt hatte, begriff die Abneigung seines Sohnes gegen die Residenz nicht, aber trotzdem ehrte er sie, und so einigte man sich denn auf eine mittelgroße Stadt, in der sich eine Presse befand, die sehr gute Erfolge aufzuweisen hatte, und eine Woche später siedelte Udo Bodo dort über.

»Es nützt ja doch nichts.« sagte sich Udo Bodo.

Aber sonderbarerweise nützte es doch etwas. Unter den Mitgliedern der Prüfungskommission befand sich ein Bezirksoffizier, ein Oberstleutnant, der vor vielen Jahren die Gräfin Cäcilie, als diese noch ein junges Mädchen war, angeschwärmt hatte, und der außerdem mit dem Kammerherrn Graf Adlershorst verschiedentlich auf der Jagd zusammengetroffen war. Udo Bodo mußte dem liebenswürdigen Herrn viel von seiner Stiefmutter erzählen, wie es ihr ginge, ob sie immer noch so hübsch wäre wie früher, und auch nach dem Kammerherrn erkundigte er sich, ob der noch immer so schöne Weine tränke und so gute Zigarren rauche.

Und als das Examen, das zwei Tage dauerte, fertig war, da hatte Udo Bodo es bestanden, zwar nicht gerade mit Auszeichnung, aber er hielt das Reifezeugnis doch in der Tasche. Erwartet hatte das eigentlich kein Mensch, Udo Bodo am allerwenigsten, um so größer war seine Freude und um so größer sein Stolz. Nun war er doch wieder würdig, den Namen Graf Adlershorst tragen zu können, und nun lag die ganze Welt offen vor ihm, und voller Glückseligkeit fuhr er nach Haus, um dort sein Glück zu melden.

Dort herrschte eitel Jubel und Sonnenschein, Graf Kuno schloß seinen Sohn zärtlich in die Arme und sagte: »Udo Bodo, es wird doch noch einmal etwas Großes aus Dir werden,« und selbst die Gräfin Cäcilie vergaß allen Groll und küßte ihren Stiefsohn auf beide Wangen.

Dann mußte er erzählen, welche Fragen man ihm gestellt habe, und als er dann berichtete, daß man ihn während des Examens selbst sehr wenig gefragt habe, daß aber der Vorsitzende der Prüfungskommission sich vorher sehr eingehend nach seiner Stiefmutter und nach seinen sonstigen Verwandten erkundigt hatte, da sagte die Gräfin Cäcilie ganz stolz: »Es ist, wie ich vor Jahren dem Hauslehrer einmal sagte: Was für den Bürgerstand das Wissen, das sind für den Adel die Konnexionen. Und Du hast Konnexionen, Udo Bodo, viel mehr und weit bessere, als Du glaubst, ich habe es schon oft nicht richtig gefunden, daß Du dem Kammerherrn und dem Intendanten noch immer keinen Besuch gemacht hast, Dich ihnen immer noch nicht vorstelltest. Nachdem Du nun aber erfahren hast, wie viel sie Dir genützt haben, ohne daß sie etwas davon wußten und ohne daß sie es wollten, kannst Du Dir leicht selbst ein Bild davon machen, welche ungeheuren Vorteile Du von ihnen haben kannst, wenn sie Dich wissentlich und absichtlich protegieren. Sowohl ein Kammerherr wie ein Hoftheaterintendant kommen so ziemlich mit allen Fürsten dieser Welt in Berührung, aber das nicht allein, die ganze Welt sucht ihre Bekanntschaft, in der stillen Hoffnung, durch sie einmal einen Orden oder sonst irgendeine Auszeichnung zu erhalten. Solche Verwandte muß man sich sehr warm halten. Und darum meine ich. Du solltest die freie Zeit, die Du jetzt hast, benutzen, um den beiden Vettern Deinen Besuch abzustatten.«

Udo Bodo war mit diesem Vorschlag sehr einverstanden, und Graf Kuno erst recht. Für wenige Sekunden seines Lebens dachte er sogar daran, seinen Sohn selbst zu begleiten, aber ihm fiel noch rechtzeitig genug ein, daß der Intendant nicht rauchte und Tabaksqualm wie die Sünde haßte, da war für den Grafen Kuno das Haus, selbst für wenige Stunden, kein geeigneter Aufenthaltsort. So entschloß er sich denn doch lieber, zu Haus zu bleiben.

Ganz allein aber konnte Udo Bodo in diesem Falle nicht reisen, das war nicht vornehm genug, und so erhielt denn Fritz, der Jäger, den ehrenvollen Auftrag, sich für eine Reise einzurichten. Allerdings war das Opfer, das Graf Kuno seinem Sohn hiermit brachte, nicht gering, denn ohne den Jäger auf dem Bock zu haben fuhr er nicht aus, und so mußte er also bis Udo Bodo zurück war, auf jegliche Spazierfahrt verzichten. Aber was tut ein Vater nicht, wenn es sich um das Lebensglück seines Sohnes handelt, und wenn es gilt, den Verwandten zu imponieren?

So fuhr Udo Bodo, nachdem er sich bei den beiden neuen Vettern hatte anmelden lassen, mit Fritz, dem Jäger, davon, und nach reichlich acht Tagen kehrte er zurück, mehr als begeistert über den Empfang und die Aufnahme, die er unterwegs gefunden hatte. Der Kammerherr hatte seine tadellosen Manieren bewundert, er hatte sogar der Prinzessin von seinem Neffen erzählt und in ihrer großen Herzensgüte hatte die erhabene Frau Udo Bodo in Audienz empfangen, ihn nach seinem Alter gefragt, sich erkundigt, wo er zur Schule ginge, welchen Beruf er zu ergreifen gedenke und für alles das regste Interesse gezeigt. Die Prinzessin war die Güte selbst gewesen, er hatte ihr zum Abschied die Hand küssen dürfen und zur dauernden Erinnerung an den Besuch eine goldene Busennadel mit den Initialen der Fürstin erhalten. Zwar war das Gold nur vergoldetes Silber, aber das war ja ganz egal, die Hauptsache war, daß es von der Hand der Fürstin stammte, oder besser gesagt, von der Hand des Hofjuweliers.

Auch der Intendant hatte ihn seinem Herzog vorgestellt. Udo Bodo war mit dem Onkel in dessen Dienstloge gewesen, als ganz plötzlich und unerwartet der Herzog eintrat, um sich zu erkundigen, warum denn heute abend Fräulein Elvira nicht tanze. Hoheit war zuerst sehr ungnädig gewesen, hatte sich dann aber schnell beruhigt, als er erfuhr, daß die Krankheit der jungen Dame in spätestens zwei bis drei Tagen behoben sein würde. Seine Hoheit hatte mit Rücksicht auf diese erfreuliche Tatsache im Interesse der Kunst eine Änderung des Programms für dringend notwendig erachtet und für den Tag, an dem Fräulein Elvira sich wieder gesund melden würde, ein Ballett anstatt der angesetzten Oper befohlen.

Während Hoheit mit dem Intendanten über diese äußerst wichtige Staatsfrage unterhandelte, hatte sich Udo Bodo diskret in den äußersten Hintergrund der Loge zurückgezogen, erst als Hoheit sich zum Gehen wandte, war er auf ihn aufmerksam geworden, hatte ihn sich vorstellen lassen und sich erkundigt, ob er etwas von dem gehört habe, was er soeben mit seinem Intendanten besprochen hätte. Der Wahrheit gemäß hatte Udo Bodo mit einem lauten vernehmlichen Ja antworten wollen, aber im letzten Augenblick hatte ihm trotz seiner mangelnden Befähigung eine innere Stimme geraten: sag lieber nein. Und dieses »Nein« hatte Seine Hoheit sehr erfreut, er war sehr gnädig gewesen, er hatte sich erkundigt, wie alt Udo Bodo sei, wo er zur Schule ginge, welchen Beruf er zu ergreifen gedenke, dann hatte er ihm zum Abschied die Hand zum Kuß gereicht, und zur Erinnerung an diese kurze Begegnung hatte der Fürst ihm eine goldene Busennadel übersenden lassen, die zwar nur Silber und vergoldet war, deren unermeßlicher Wert aber trotzdem ja darin bestand, daß sie von Seiner Hoheit stammte, oder besser gesagt, von dessen Hofjuwelier.

Aber nicht nur Seine Hoheit, auch der Onkel-Intendant war mit Udo Bodo sehr zufrieden gewesen, der hatte Höllenqualen ausgestanden, daß Udo Bodo zugeben würde, etwas von der Unterredung gehört zu haben. Es war ein kritischer Moment allererster Ordnung gewesen, denn wenn Udo Bodo »ja« sagte, konnte er, der Intendant, sehr leicht bei seiner Hoheit in Ungnade fallen, der hätte es ihm nie verziehen, daß er unberufene Lauscher in seiner Loge duldete, er hätte seinen Posten verlieren können, und wenn ihm auch an seinem Gehalt wenig gelegen war, er hätte den Verlust der Stellung und vor allen Dingen die Entziehung der fürstlichen Gnadensonne, die ihm zum Leben viel wichtiger war als Fleisch und Butter, nicht überlebt.

So hatte er denn Udo Bodo in der Freude seines Herzens, einer großen Gefahr entronnen zu sein, nicht nur auf die Stirn, sondern sogar auf den Mund geküßt und zur Erinnerung an diesen Abend hatte er ihm eine goldene Busennadel geschenkt, die er selbst vor vielen Jahren einmal von einem inzwischen verstorbenen Fürsten erhalten hatte, und die er nie trug, weil sie nur Silber vergoldet war, deren unermeßlicher Wert aber trotzdem darin bestand, daß sie von einem Fürsten, oder besser gesagt, von dessen Hofjuwelier herstammte.

Außerdem aber hatte der Intendant sich in den Tagen des Zusammenseins lang und ausführlich mit Udo Bodo über seine Zukunft unterhalten, ihm geraten, das Abitur wenigstens zu versuchen, und ihn sogar hierzu seiner Protektion versichert. Ja, der Intendant hatte ihn sogar eines Abends, nachdem sie vorher zu Hause gut diniert hatten, während der Vorstellung mit auf die Bühne genommen. Man gab Undine, die Wasseroper, wie der Intendant sie scherzend nannte, und der Onkel hatte sie ihm hinter den Kulissen heimlich erklärt, aber Udo Bodo hatte nur kaum hingehört. Viel mehr als die künstlichen Wasserwogen interessierten ihn die natürlichen und lebendigen Wassernixen, die in seidenen Trikots und sehr kurzen Röckchen zwischen den Kulissen standen und ihn verführerisch anlächelten. Und wie es gekommen war, wußte er selbst nicht, aber plötzlich hatte er sich mit einer sehr hübschen, jungen Tänzerin ganz allein hinter den Kulissen befunden, und es war sehr spät gewesen, als er endlich nach Hause kam.

Er hatte nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern auch große Angst vor dem Onkel gehabt, aber der hatte ihn am nächsten Mittag bei dem Frühstück nur gefragt: »Na, gut amüsiert?« Und dann war über diesen Punkt gar nicht mehr gesprochen worden.

Udo Bodo war klug genug, dieses kleine Intermezzo zu Hause nicht zu berichten, obgleich er sonst die kleinste Kleinigkeit erzählte. Er war in jeder Hinsicht von seiner Reise entzückt, und Graf Kuno war es erst recht. Der hätte am liebsten gleich ein großes Diner gegeben, die ganze Nachbarschaft dazu eingeladen und bei dieser Gelegenheit allen erzählt, mit welcher verschwenderischen Huld die Prinzessin und seine Hoheit seinen Udo Bodo ausgezeichnet hatten. Aber leider konnte er seine Absicht nicht ausführen, denn unglücklicherweise mußte gerade jetzt sein erster Koch krank sein, und wenn er schon ein Diner gab, bei dem nur von Fürsten erzählt werden sollte, so mußte das Diner auch in jeder Hinsicht dem hohen Rang des Gesprächsthemas entsprechen. Aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben, und im stillen machte er schon das Menü, das selbstverständlich mit Soupe à la reine anfing und mit Fürst Pückler-Eis endete.

Unterdessen beschäftigten die Gräfin Cäcilie andere, weniger materielle Gedanken. Von neuem stieg in ihr der Plan auf, daß Udo Bodo jetzt, nachdem er den verschiedenen Fürstlichkeiten so nahe getreten war, doch Minister werden müsse. Ob Udo Bodo dieses Ziel je erreichen würde, war ja allerdings zweifelhaft, aber versuchen mußte er es unter allen Umständen, das war man ja schon dem Intendanten schuldig, der dazu geraten hatte, jedenfalls das Abitur zu machen, und der seine Protektion und seine Fürsprache zugesagt hatte. Und das hieß doch mit andern Worten, diplomatisch ausgedrückt: steig nur in das Examen, ich garantiere Dir dafür, daß Du durchkommst.

Das leuchtete schließlich nicht nur dem Grafen Kuno, sondern auch Udo Bodo ein, und so entschloß dieser sich denn, seinen Bildungsgang weiter fortzusetzen, und nachdem er sich einige Wochen von den Anstrengungen der Einjährig-Freiwilligen-Prüfung erholt hatte, fuhr er von neuem auf die Presse.

»Begabte Schüler erreichen das Ziel in einem Jahr. Minderbegabte spätestens in zwei Jahren,« hieß es fett gedruckt auf dem Programm der Lehranstalt, aber Udo Bodo wurde erst nach drei Jahren zum Abitur zugelassen, als Entschädigung dafür schien aber auch dieses Mal ein Glücksstern über seinem Haupte zu leuchten.

Der gefürchtetste von allen Examinatoren war ein Professor Fuchs, dessen Name vollständig seinen Charaktereigenschaften entsprach, alle Zöglinge zitterten vor ihm, nur Udo Bodo nicht, denn der hatte von seinem Onkel, dem Kammerherrn, den Auftrag, dem Herrn Professor von ihm die herzlichsten Grüße zu bestellen.

»Das ist genau so viel wert, als wenn Sie von sieben Fragen sechs richtig beantwortet hätten,« sagte sein Preßvater zu ihm, »je herzlicher Sie ihn grüßen, um so sicherer bestehen Sie die Prüfung.«

Udo Bodo befolgte diesen Rat und mit Freuden sah er, daß seine Grüße nicht ohne Eindruck blieben. »Ah, Sie sind ein Graf Adlershorst? Das ist ja sehr interessant. Wissen Sie, Ihren Herrn Onkel habe ich noch sehr lebhaft in der Erinnerung, er wollte mich einmal bewegen, bei dem Examen eines Prinzen beide Augen zuzudrücken und mich schwerhörig zu stellen, und da er im Auftrage der erlauchten Prinzenmutter kam, konnte ich natürlich nicht unhöflich sein und ,nein` sagen. Ich versprach, mich in einen Taubstummen zu verwandeln, aber ich kann Ihnen sagen, ich habe den kleinen Prinzen wahnsinnig auf den hohlen Zahn gefühlt und bei der Gelegenheit die Entdeckung gemacht, daß der Prinz tatsächlich sein Pensum tadellos beherrschte. Das hat mir hinterher natürlich kein Mensch geglaubt, Ihr Onkel am allerwenigsten, der drückte mir verständnisinnig die Hand, als wenn er sagen wollte, na, wir beide kennen uns ja. Ich wette, der lebt noch heute in dem Glauben, ich hätte nur ihm zuliebe dem Prinzen das Reifezeugnis erteilt, hahaha, da kennt er mich aber schlecht, es wäre mir sogar eine Freude gewesen, seinen Schützling durchfallen zu lassen. Bei Ihnen wird es mir wohl ebenso gehen, aber wenn ein Prinz wirklich gute positive Kenntnisse besitzt, warum soll da ein Graf Adlershorst nicht auch einmal in den Wissenschaften wirklich erfahren sein?«

Nach dieser Rede sank dem armen Udo Bodo das Herz bedeutend tiefer, und trüben Blickes sah er in die Zukunft. Ihm war gar nicht wohl und während des Examens wurde ihm immer miserabler und immer elender. Sein Wissen war nur Stückwerk, und so fiel er mit Glanz und Glorie durch, trotz der Protektion des Onkels oder vielleicht gerade wegen derselben.

»Vielleicht haben Sie das nächste Mal mehr Glück,« meinte der Professor Fuchs ironisch beim Abschied.

Aber Udo Bodo fiel nicht nur beim zweiten-, sondern auch beim drittenmal durch, und öfter konnte er dieses Examen nicht machen.

Mit dem Gesandtschaftsattaché, dem auswärtigen Botschafter und dem vakanten Ministerposten war es nun für alle Zeit definitiv vorbei.

Was nun?

Auf Adlershorst herrschte schwüle Stimmung, als Udo Bodo dort nach dem letzten Examen eintraf. Gräfin Cäcilie lief mit verweinten Augen herum und dankte dem Himmel, daß Udo Bodo nicht ihr leiblicher Sohn war – hätte er das Examen mit Auszeichnung bestanden, dann hätte sie den Himmel natürlich angeklagt, daß der ihr dieses Musterkind nicht als leibliches Eigentum geschenkt hatte. Graf Kuno ging grollend in seinem Zimmer auf und ab, und er versuchte seinen Schmerz dadurch zu töten, daß er noch mehr als sonst rauchte, und daß er dieses Kunststück bei dem besten Willen nicht fertig brachte, weil er schon so wie so den ganzen Tag rauchte, ließ seine Stimmung erst recht schlecht werden. Der einzige, den die ganze Sache eigentlich ziemlich kühl ließ, war Udo Bodo selbst, er hatte ja nie an seinen Sieg über die Wissenschaften geglaubt, und wenn er unterlegen war, so trugen nach seiner Meinung diejenigen die Schuld, die ihn dazu verleitet hatten, sich mit dem überlegenen Gegner zu messen.

Was nun?

Irgendeinen Beruf mußte Udo Bodo doch ergreifen. Gräfin Cäcilie war dafür, daß er Landwirt würde, sie wollte ihn auf ein großes Gut geben, wo er unter der Aufsicht eines strengen und tüchtigen Verwalters die Landwirtschaft gründlich lernte, er sollte von der Pike auf dienen, um später Adlershorst selbständig bewirtschaften zu können. Aber damit war Graf Kuno absolut nicht einverstanden. Ja, wenn sein Sohn die Praxis theoretisch hätte erlernen können, dann ja, aber daß sein dereinstiger Erbe sich von einem bürgerlichen Pächter anschnauzen ließ und sich von dem Vorschriften und Befehle erteilen lassen sollte, das ging doch nicht. Sollte Udo Bodo etwa des Morgens um vier Uhr aufstehen und das Füttern der Pferde und das Melken der Kühe überwachen? Dazu war er doch nicht geboren. Nein, wenn er schon einen Beruf ergreifen sollte und ergreifen mußte, dann konnte nur eine Tätigkeit in Frage kommen, die in jeder Hinsicht standesgemäß war, und so wurde denn endlich beschlossen, daß Udo Bodo Offizier werden sollte.

»Selbstverständlich Garde und selbstverständlich Kavallerist.« entschied Graf Kuno. »Die Fußtruppen haben ja auch ihre gewisse Existenzberechtigung, man kann ja sogar, ohne den Leuten schmeicheln zu wollen, behaupten, daß sie im Kriege diejenigen sind, die in erster Linie die Schlacht gewinnen, aber vorläufig leben wir ja noch im tiefsten Frieden, an einen Krieg glaube ich nicht und schließlich lasse ich doch nicht meinen einzigen Sohn und Erben Offizier werden, damit er sich totschießen läßt, sondern lediglich, damit er bis zu meinem Tode wenigstens etwas zu tun hat. Nicht wahr, Udo Bodo, das leuchtet Dir doch ein?«

Und das leuchtete Udo Bodo sogar sehr ein. Kavallerieoffizier zu werden, schöne Pferde zu haben, in schmucker Uniform herumzulaufen, den Mädchen die Köpfe zu verdrehen, das war nicht dumm! Der Beruf war vielleicht nicht ganz so bedeutend als die Ministerkarriere, aber auf jeden Fall war er sehr viel lustiger und amüsanter. So war Udo Bodo für den neuen Plan Feuer und Flamme.

Aber Gräfin Cäcilie verstand es, ihn sehr schnell zu ernüchtern. »Du denkst Dir das viel leichter, als es ist, Udo Bodo. Bevor Du Offizier wirst, mußt Du erst das Fähnrichexamen machen, dann kommst Du auf Kriegsschule, und erst, wenn Du das Offiziersexamen bestanden hast, wirst Du zum Leutnant befördert.«

Das Wort »Examen« traf Udo Bodo wie ein Keulenschlag und ganz geknickt sank er in sich zusammen, aber sein Vater kam ihm zu Hilfe. »Ich weiß gar nicht, Cäcilie, warum Du dem armen Jungen alle Lebensfreude raubst? Du brauchst ihm die Zukunft doch nicht so schwarz zu schildern, kaum hat er ein Examen zu bestehen versucht, da hältst Du ihm als Schreckensgespenst schon wieder zwei neue vor.«

»Das ist meine heilige Pflicht,« meinte Gräfin Cäcilie, »ich möchte die Schande nicht erleben, daß Udo Bodo auch bei diesen Prüfungen durchfällt.«

»Er wird nicht durchfallen,« sagte Graf Kuno bestimmt. Und zu Udo Bodo gewandt, fragte er: »Nicht wahr, Udo Bodo, das bestehst Du, ja?«

»Gewiß. Papa.«

»Na, da hörst Du es ja, Cäcilie, Udo Bodo wird das Examen bestehen, sogar mit Auszeichnung, nicht wahr, Udo Bodo?«

So ganz sicher war der nicht, ob ihm dieses Kunststück gelingen würde, trotzdem aber sagte er. um seinen Vater nicht zu betrüben: »Gewiß, Papa.«

»Du bist ein braver Junge, an dem ich noch viel mehr Freude erleben werde als bisher,« lobte Graf Kuno.

»Na, die Freude läßt sich ja tragen,« meinte Cäcilie ironisch.

»Es kommt auf die Ansprüche an, die man stellt,« erwiderte Graf Kuno streng, »und wenn Udo Bodo auch in geistiger Beziehung nicht alle Hoffnungen und Erwartungen erfüllte, so ist er mir sonst stets ein Sohn gewesen, wie ich ihn mir gar nicht besser habe wünschen können. Er hat mir noch nie Kummer bereitet und er wird es auch als Offizier nicht tun. Nicht wahr, das versprichst Du mir?«

»Gewiß, Papa.«

Graf Kuno strahlte. »Ich wußte es ja und ich muß Dir sagen, daß Du Offizier werden willst, erfüllt mich mit einer großen Genugtuung, man mag darüber denken wie man will, der Offizier ist nun einmal der erste Stand der Welt. Aber das nicht allein, die Offizierskarriere bietet Dir Gelegenheit, Dein Leben ordentlich zu genießen, und wenn Du dann später mal ein alter Mann bist, wie ich jetzt, dann weißt Du wenigstens, warum Du gelebt hast, dann hast Du Dich wenigstens gehörig amüsiert, und das ist auch was wert.«

»Gewiß, Papa,« stimmte Udo Bodo ihm aus vollster Überzeugung bei.

Gräfin Cäcilie schlug die Hände zusammen.

»Daß ein Vater so zu seinem Sohne spricht, habe ich auch noch nie gehört. Anstatt ihn zu ermahnen, in erster Linie seine Pflicht zu tun, gibst Du ihm nur den Rat, sich zu amüsieren.«

Graf Kuno sah ein, daß seine Gemahlin nicht so ganz unrecht hatte, das durfte er aber natürlich nicht zugeben und so sagte er denn: »Daß ein Graf Adlershorst seine Pflicht tut, ist ganz selbstverständlich, dazu braucht er nicht erst angehalten zu werden.«

Gräfin Cäcilie hatte über diesen Punkt etwas andere Ansichten, aber es hatte ja keinen Zweck, sich darüber zu streiten, so brachte sie denn das Gespräch auf ein praktischeres Thema, auf das Regiment, bei dem Udo Bodo eintreten, und auf den Termin, an dem er erneut auf die Presse gehen solle, um das Fähnrichexamen zu machen.

Das wichtigste war, ein Regiment zu finden, das Udo Bodo als Avantageur annahm. Graf Kuno war davon überzeugt, daß diese Sache nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiten würde, im Gegenteil, er glaubte, alle Garde-Kavallerieregimenter würden alle zehn Finger nach ihm ausstrecken. Aber er mußte die Enttäuschung erleben, daß alle Regimenter, an die er sich wandte, seinen Sohn dankend ablehnten, entweder weil tatsächlich kein Platz vorhanden war, oder weil Udo Bodo, der jetzt schon fast zwanzig war, ihnen zu alt erschien.

Endlich fand Graf Kuno ein vornehmes Kavallerieregiment in der Provinz, das Udo Bodo annahm, nachdem dieser sich dort vorgestellt hatte; aber auch dieses machte die Annahme rückgängig, als er zum erstenmal durch das Fähnrichexamen fiel.

Wieder wandte sich Graf Kuno an alle Kavallerieregimenter, aber den einmal durchgefallenen Kandidaten wollte niemand haben; so blieb denn nichts weiter übrig, als sich mit einem Infanterieregiment zu begnügen. Das war bitter, aber es half nichts und schließlich tröstete sich Graf Kuno damit, daß Udo Bodo sich auch als Infanterist Pferde halten könne, und außerdem gab es ja auch Prinzen, die bei der Garde-Infanterie dienten, und was ein Prinz tat, konnte Udo Bodo ja schließlich auch tun, ohne daß es ihm verdacht wurde. Allerdings, ein Garderegiment war es nun gerade nicht, das Udo Bodo schließlich annahm, aber immerhin ein Regiment, das sich sehen lassen konnte und dessen Offizierkorps, wenn auch nur zum geringsten Teile, adlig war. Zur Bedingung wurde gemacht, daß Udo Bodo sein Examen jetzt aber bestände, und Udo Bodo bewies dieses Mal mehr Glück als Verstand, er hatte neben sich im Examen einen sehr begabten Kameraden sitzen, von dem er jedes Wort abschrieb, und zwar so gut abschrieb, daß er im mündlichen Examen kaum geprüft wurde. So geschah ein Wunder, er bestand die Prüfung mit dem Prädikat »gut«, und alle Welt wunderte sich darüber, wie er bei dem erstenmal hatte durchfallen können.

Und Udo Bodo wunderte sich darüber selbst am allermeisten.

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