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Göttliche Komödie

Dante: Göttliche Komödie - Kapitel 80
Quellenangabe
typeepos
authorDante
titleGöttliche Komödie
publisherPeter J. Oestergaard Verlag Berlin-Schöneberg
translatorPhilalethes
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070109
projectid10a64f4f
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Zwölfter Gesang

Sobald als die gebenedeite Flamme
Das letzte Wort nun ausgesprochen hatte,
Begann das heil'ge Mühlrad sich zu drehen,
Und eh's den ganzen Kreis beschrieb, umkränzt' es
Ein andres schon mit einem Reif, Bewegung
Mit der Bewegung, Sang mit Sang verschmelzend;
Gesang, der also unsre Musen, unsre
Sirenen in den süßen Himmelsflöten
Besiegt, als erster Glanz den, der zurückstrahlt.
Gleichwie durch zarte Wolken sich zwei Bogen,
Gleichlaufend und von gleichen Farben, wölben,
Wenn Juno ihrer Dienerin Befehl gibt,
Der innre aus dem äußeren entstehend,
Der Sprache jener Schmachtenden vergleichbar,
Die Lieb' einst aufgezehrt, wie Sol die Dünste,
Darob die Völker hier dann prophezeien
Ob des Vertrags, den Gott einging mit Noe,
Daß nie die Welt mehr überschwemmt wird werden.
Also aus jenen ew'gen Rosen schlangen
Rings um uns her sich die zwei Blumenketten.
Und so entsprach die äußerste der innern.
Nachdem der Reigen und das andre große
Festprangen am Gesang und Aufgeflamme,
Voll Wonn' und freundlich, Lichter neben Lichtern,
Zu gleicher Zeit sich stillt' aus freiem Willen,
Gleichwie der Willkür nach, die sie beweget,
Die Augen man zugleich muß auf- und zutun,
Kam aus dem Innern eines jener neuen
Lichtschimmer eine Stimme, die mich wandte
Nach seiner Stätte, wie zum Stern die Nadel.
Und er begann: »Die Liebe, die mich schön macht,
Treibt mich, vom andern Führer zu erzählen,
Ob des von meinem man so gut gesprochen.
Wo einer, ziemt's den andern einzuführen,
So daß, gleichwie für eines sie gekämpfet,
Also vereint ihr Ruhm auch glänzen möge.
Die Heerschar Christi, die so viel gekostet,
Sie wieder zu bewaffnen, folgte langsam,
Voll Furcht und in geringer Zahl, der Fahne,
Als jener Kaiser, der ohn' Ende herrschet,
Vorsorge für das unentschlossne Kriegsvolk
Aus bloßer Gnade traf, nicht weil's des würdig;
Und, wie gesaget, kam er mit zwei Kämpen
Zu Hilfe seiner Braut, auf deren Taten
Und Worte das verirrte Volk zurückkam.
In jener Gegend, wo der sanfte Zephyr
Entsteht, die neuen Blätter zu erschließen,
Mit denen sich Europa wieder kleidet,
Nicht weit entfernt vom Wogenschlag der Wässer,
Dahinter ob des langen Laufs zu Zeiten
Die Sonne sich vor jedermann verhüllet,
Liegt das beglückte Callaroga unter
Dem Schutz des großen Schildes, drin der Löwe
So unterliegen macht, als unterlieget.
Hier kam zur Welt der liebevolle Buhle
Des echten Christenglaubens, jener heil'ge
Athlet, den Seinen mild und grimm den Feinden;
Und, kaum geschaffen, ward sein Geist erfüllet
So mit lebend'ger Kraft, daß in der Mutter
Er diese zur Prophetin schon gemacht hat.
Als an dem heil'gen Born der Ehbund zwischen
Ihm und dem Glauben war vollzogen worden,
Drin sie sich gegenseitig Heil gewähret,
Sah jenes Weib, das für ihn eingewilligt,
Im Traumgesicht die wunderbare Wirkung,
Die ihm entspringen sollt' und seinen Erben;
Und daß er, was er war, mit klarem Wort sei,
Entstieg von hier ein Geist, mit dem Besitzwort
Des, dem er ganz gehört', ihn zu benennen.
Dominicus ward er genannt, und von ihm
Als von dem Ackersmann sprech' ich, den Christus
Zur Hilfe sich erkor für seinen Garten.
Wohl schien ein Bot' er und Nachfolger Christi,
Dieweil die erste Lieb', in ihm sich zeigend,
Dem ersten Rat galt, den gegeben Christus.
Zu öftern Malen ward er wach und schweigend
Von seiner Amm' am Boden aufgefunden,
Als spräch' er: ›Hierzu bin ich hergekommen.‹
O seines Vaters, der wahrhaftig Felix!
O seiner Mutter, die wahrhaft Johanna,
Wenn es verdolmetscht gilt, wie man behauptet.
Nicht für die Welt, für die man jetzt sich abmüht,
Dem Ostiensis folgend und Thaddaeus,
Nein, lieberfüllt für das wahrhaft'ge Manna,
Ward er in kurzer Zeit groß als Gelehrter,
So daß er zu umgehn begann den Weinberg,
Der grau bald werden muß, wenn träg der Winzer.
Und von dem Stuhl, der den gerechten Armen
Einst güt'ger war, – an ihm nicht liegt's, an jenem
Allein, der auf ihm sitzt und aus der Art schlägt, –
Dispens nicht, zwei und drei für sechs zu leisten,
Nicht den Genuß der nächsten offnen Pfründe,
Non decimas quae sunt pauperum Dei
Verlangt er, nein, Erlaubnis nur, zu kämpfen
Mit der verirrten Welt für jenen Samen,
Davon dich vierundzwanzig Pflanzen kränzen.
Durch Lehre dann zugleich und Tatkraft drang er,
Mit apostol'schem Amt bekleidet, vorwärts,
Dem Gießbach gleich, der tiefem Spalt entquillet,
Und am lebendigsten traf an der Stelle
Sein Ungestüm das ketz'rische Gestrüppe,
Wo sich der Widerstand am dicht'sten zeigte.
Von ihm entstanden dann verschiedne Bäche,
Davon sich wässert der kathol'sche Garten;
Drob grünender jetzt seine Sträucher stehen.
Wenn so das eine Rad war jenes Karrens,
Auf dem die heil'ge Kirche sich verteidigt,
Im offnen Kampf den Bürgerkrieg besiegend,
So sollte dir wohl deutlich sein zur Gnüge
Die Trefflichkeit des andern, dafür Thomas,
Bevor ich kam, so freundlich ist gewesen.
Allein das Gleis, das seines Umfangs höchster
Teil einst beschrieben hat, ist jetzt verlassen,
So daß, wo Weinstein war, sich Schimmel findet.
Und seine Schar, die mit den Füßen grade
Auf seiner Spur einst ging, ist so gewendet,
Daß sie das Vorderste nach hinten kehret;
Doch bei der Ernte wird des schlechten Anbaus
Man inne sein alsbald, wenn sich das Unkraut
Beklaget, daß der Kasten ihm versagt sei.
Wohl sag' ich, daß, wer Blatt für Blatt in unserm
Buch suchen wollte, wohl noch Seiten fände,
Woselbst er läs': ›Ich bin, der einst ich pflegte.‹
Doch nicht kommt's von Casal' noch Aquasparta,
Von woher an die Schrift sich solche wagen,
Daß der sie flieht und jener sie beenget.
Das Leben bin ich selbst Bonaventuras
Von Bagnoreggio, der in großen Ämtern
Zurückgesetzt stets die geringre Sorge.
Illuminat ist hier und Augustinus,
Die von den ersten der barfüß'gen Armen,
So Gottes Freunde unterm Strick geworden.
Mit ihnen ist hier Hugo von Sankt Viktor,
Petrus Comestor auch, nicht minder Petrus
Hispanus, in zwölf Büchlein drunten glänzend.
Nathan der Seher, der Metropolite
Chrysostomus, Anselm, Donat, der nicht es
Verschmäht, Hand an die erste Kunst zu legen.
Raban ist dort, und hier an meiner Seite
Erglänzt Abt Joachim, der Calabrese,
Der mit prophet'schem Geiste war begabet.
Für so erhabnen Paladin zu eifern,
Trieb die entflammte Freundlichkeit des Bruders
Thomas mich an und sein bescheidnes Reden,
Und trieb mit mir auch diese ganze Schar an.«

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