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Göttliche Komödie

Dante: Göttliche Komödie - Kapitel 76
Quellenangabe
typeepos
authorDante
titleGöttliche Komödie
publisherPeter J. Oestergaard Verlag Berlin-Schöneberg
translatorPhilalethes
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070109
projectid10a64f4f
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Achter Gesang

Die Welt pflegt' einst zu glauben, sich gefährdend,
Die schöne Cypris strahlte die verkehrte
Lieb' aus, sich dreh'nd im dritten Epizyklus;
Darum erzeigten ihr allein nicht Ehre,
Mit Opfern ihr und Weihgesängen dienend,
Die alten Völker in dem alten Irrtum;
Nein, nebst Dione ehrten sie Cupido,
Als Mutter sie und ihn als Sohn, und sagten,
Daß er in Didos Schoß gesessen habe.
Von ihr, mit welcher ich beginne, nahmen
Sie nun des Sterns Benennung, der die Sonne
Mit Lust beschaut von vorn bald, bald vom Rücken.
Nicht merkt' ich, wie in ihn ich aufgestiegen,
Doch, daß ich drin, davon gab meine Herrin
Mir Zeugnis, da ich schöner sie sah werden.
Und wie man Funken sieht in einer Flamme,
Und wie man unterscheidet Stimm' in Stimme,
Wenn eine feststeht, eine kommt und gehet,
So sah in diesem Licht ich andre Leuchten
Im Kreis sich drehn mehr oder minder eilend,
Nach ihres ew'gen Schauns Maßgabe, glaub' ich.
Aus kalter Wolk' entstürzten nimmer Winde,
Sei's sichtbar oder nicht, mit solcher Schnelle,
Daß träg sie und gehemmt nicht scheinen würden
Dem, der gesehn die heil'gen Lichter hätte
Uns näher ziehn, das Kreisen unterbrechend,
Das anhub in den hohen Seraphinen.
Und hinter jenen, die zunächst sich zeigten,
Erklang »Osanna« so, daß nimmer nachmals
Ich ohne Wunsch blieb, wieder es zu hören.
Darauf der eine näher zu uns hintrat,
Allein beginnend: »Alle sind bereit wir,
Zu Willen dir, daß unser froh du werdest.
Wir drehn in einem Kreise, eines Kreisens
Und eines Dursts, uns mit den Himmelsfürsten,
Von denen du auf Erden schon gesagt hast:
›Die ihr betrachtend lenkt den dritten Himmel!‹
Und sind so lieberfüllt, daß minder süß nicht,
Dich zu erfreun, ein wenig Ruh' uns sein wird.«
Nach dem sich meine Augen dargeboten
In Ehrfurcht meiner Herrin und dieselbe
Sie ihrethalb versichert und befriedigt,
Wandt' ich sie zu dem Licht, das uns so Großes
Versprochen, und: ›Wer seid ihr, sprecht!‹ von großem
Gefühl bewegt, ertönte meine Stimme.
O wie ich's wachsen sah an Stück und Umfang
Ob jener neuen Wonne, die hinzukam,
Indem ich sprach, annoch zu seiner Wonne!
Verändert so sprach's: »Kurz besaß mich drunten
Die Welt, und hätte mehr sie mich besessen,
So würde viel des Wehs nicht sein, das kommet.
Es hält mich meine Wonne dir verborgen,
Die mir ringsum entstrahlt und mich verhüllet,
Gleich einem Tier, von eigner Seid' umsponnen.
Sehr liebt'st du mich und hattest des wohl Ursach':
Denn wenn ich drunten blieb, so zeigt' ich wahrlich
Von meiner Liebe mehr dir als die Blätter.
Der linke Strand, den Rhodanus bespület,
Nachdem er mit der Sorgue sich gemischt hat.
Erwartete zu seiner Zeit als Herrn mich.
Und jene Spitz' Ausoniens, die mit Bari,
Gaet' und Croton sich beburgt, von dort an,
Wo Tront' und Verde sich ins Meer ergießen.
Es glänzte schon mir an der Stirn die Krone
Des Landes, das der Donaustrom bespület,
Sobald die deutschen Ufer er verlassen.
Trinacria, die Schön', auch, die inmitten
Pachynums und Pelorums, übern Busen,
Dem Not zumeist macht Eurus, dunkel qualmet,
Nicht durch Typhoeus, durch entsteh'nden Schwefel, –
Sie würde ihrer Könige noch harren,
Von Karl durch mich abstammend und von Rudolph,
Wenn schlechtes Regiment, das unterworfne
Bevölkerungen stets betrübt, Palermo
›Stirb, stirb!‹ zu rufen nicht bewogen hätte.
Und säh' mein Bruder dies voraus, so würd' er
Die katalonische habsücht'ge Armut
Schon fliehn, damit er jene nicht beleid'ge;
Denn traun not tut's, daß, sei's er selbst, sein's andre,
Vorkehrung treffen, so daß seinem Fahrzeug,
Das schon beschwert, mehr Last man auf nicht lege.
Sein Wesen, vom freigeb'gen karg entsprossen,
Bedürfte solcher Diener wohl, die nimmer
Sich kümmerten zu legen in die Lade.«
›Dieweil ich glaube, daß die hohe Wonne,
Die mir dein Wort, o mein Gebieter, einflößt,
Dort, wo jedwedes Gut anfängt und endet,
Von dir gesehn wird, wie ich selbst sie sehe,
Freut sie mich mehr, und auch dies ist mir teuer,
Daß du, Gott schauend, solches unterscheidest.
Froh hast du mich gemacht, doch jetzt erklär' mir,
Da mir dein Wort den Zweifel hat erreget,
Wie Bittres kann aus süßem Samen kommen.‹
So ich. Und er zu mir: »Kann eine Wahrheit
Ich zeigen dir, so wirst, wie jetzt den Rücken,
Das Antlitz du zukehren deiner Frage.
Das Gut, das dieses ganze Reich befriedigt
Und dreht, das du ersteigst, läßt seine Vorsicht
Zur Kraft in diesen großen Körpern werden;
Und nicht allein sind die vorhergesehnen
Naturen in dem Geist, der aus sich selber
Vollkommen, nein, sie selbst nebst ihrem Heile.
Darum, wenn immer dieser Bogen schnellet,
Trifft, wohlgestellt, vorhergesehnen Zweck er,
Dem Pfeile gleich, der auf sein Ziel gerichtet.
Wär' dem nicht so, der Himmel, den du wandelst,
Er würde solche Wirkungen erzeugen,
Daß sie Kunstwerke nicht, nein, Trümmer wären;
Und dies kann nicht sein, wenn die Intellekte
Nicht fehlerhaft, die diese Sterne lenken,
Und fehlerhaft der erste, der sie schuf, auch.
Soll ich dir diese Wahrheit mehr erklären?«
Und ich: ›Nicht doch! unmöglich, seh' ich, ist es,
Daß die Natur ermüd' in dem, was nötig.‹
Und jener drauf: »Jetzt sprich, wär's für den Menschen
Auf Erden schlimmer nicht, wenn er nicht Bürger?«
›Gewiß,‹ antwortet ich, ›hier fordr' ich Grund nicht.‹
»Und kann er's sein, wenn man verschiedenartig
Nicht drunten lebet in verschiednen Ämtern?
Nein, wenn euch euer Meister recht berichtet.«
So kam er bis hierher durch Folgerungen;
Dann schloß er so: »Es müssen also eurer
Wirkungen Wurzeln auch verschiedner Art sein.
Darum wird der als Solon, der als Xerxes,
Der als Melchisedek erzeugt, und jener
Als der, so fliegend seinen Sohn verloren.
Die Kreisbewegung der Natur, die Siegel
Dem Wachs der Menscheit ist, treibt ihre Kunst wohl,
Doch unterscheidet nicht ein Haus vom andern.
Daher geschieht's, daß Esau sich im Keime
Von Jakob trennt und von so niederm Vater
Quirinus stammt, daß man dem Mars ihn zuschreibt.
Mit den Erzeugern würde die erzeugte
Natur stets ähnlich ihres Pfades wandeln,
Wenn Gottes Vorsicht hier nicht stärker wäre.
Jetzt steht vor dir, was hinter dir gewesen;
Doch daß du wissest, daß ich dein mich freue,
Will ich dir einen Zusatz bei noch legen.
Stets wird Natur, wenn sie das Schicksal feindlich
Sich findet, gleichwie jeder andre Samen,
Der fern von seinem Boden, schlecht geraten.
Und wenn die Welt dort unten achten wollte
Auf jenen Grund, den die Natur gelegt hat,
Würd', ihm sie folgend, bessre Menschen haben.
Ihr aber schleppet zu dem Klosterleben,
Der da geboren war, das Schwert zu gürten,
Und macht zum König, dem die Predigt ziemte;
Darum entfernt sich eure Spur vom Wege.«

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