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Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

Bettina von Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde - Kapitel 43
Quellenangabe
typeletter
booktitleGoethes Briefwechsel mit einem Kinde
authorBettine von Arnim
year1984
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32467-4
titleGoethes Briefwechsel mit einem Kinde
pages5
created20000619
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Am Abend nach dem Gewitter, das vielleicht zu Dir gezogen ist.

Leg' Dich, brausendes Herz, wie der Wind sich legt, der die Wolken zerreißt; die Donner sind verrollt, die Wolken haben ausgeregnet, ein Stern nach dem andern geht auf.

Die Nacht ist ganz stille, ich bin ganz allein, die Ferne ist so weit, sie ist ohne Ende; nur da, wo ein Liebender wohnt, da ist eine Heimat und keine Ferne; wenn Du nun liebtest, so wüßt' ich, wo die Ferne aufhört.

Ja, leg' dich Herz! Tobe nicht, halt ruhig aus. Schmiege dich, wie die Natur sich schmiegt unter der Decke der Nacht.

Was hast du Herz? Fühlst du nicht? Ahnest du nicht? – Wie sich's auch füge und wende, die Nacht deckt dich und die Liebe.

Die Nacht bringt Rosen ans Licht. Wenn sich die Finsternis dem Lichte auftut, dann entfallen ihrem Schoß die Rosen.

Es ist freilich Nacht in dir, Herz. Dunkle geheimnisvolle Nacht webt Rosen, und ergießt sie alle, wenn's tagt, der Liebe zur Lust in den Schoß.

Ja, Seufzen, Klagen, das ist deine Lust; Bitten, Schmeicheln, nimmt das kein Ende, Herz?

Am Abend schreib' ich, wenn auch nur wenige Zeilen; es dauert doch bis spät in die Nacht.

Viel hab' ich zu denken, manche Zauberformel spreche ich aus, eh' ich den Freund in meinen Kreis banne. Und hab' ich Dich! – dann: – was soll ich da sagen? – Was soll ich Dir Neues erfinden, was sollen die Gedanken Dir hier auf diesen Blättern vortanzen?

*

Am Rhein.

Hier in den Weinbergen steht ein Tempel; erbaut nach dem Tempel der Diana zu Ephesus.

Gestern im Abendrot sah ich ihn in der Ferne liegen; er leuchtete so kühn, so stolz unter den Gewitterwolken; die Blitze umzingelten ihn. So denke ich mir Deine leuchtende Stirne, wie die Kuppel jenes Tempels, unter dessen Gebälk die Vögel sich bargen, denen der Sturm das Gefieder aufblätterte; so stolz gelagert und beherrschend die Umgebung.

Heute morgen, obschon der Tempel eine Stunde Wegs von meiner Wohnung entfernt ist, weil ich am Abend Dein Bild in ihm zu sehen wähnte, dacht' ich hierher zu gehen und Dir hier zu schreiben. Kaum daß der Tag sich ahnen ließ, eilt' ich durch betaute Wiesen hierher. – Und nun leg' ich die Hand auf diesen kleinen Altar, umkreist von neun Säulen, die mir Zeugen sind, daß ich Dir schwöre.

Was Liebster? – Was soll ich Dir schwören? Wohl, daß ich Dir ferner getreu sein will, ob Du es achtest oder nicht? – Oder daß ich Dich heimlich lieben will, heimlich nur diesem Buch, und nicht Dir es bekennend? Treu sein kann ich nicht schwören, das ist zu selbständig, und ich bin schon an Dich aufgegeben und vermag nichts über mich; da kann ich für Treue nicht stehen. Heimlich Dich lieben, nur diesem Buch es bekennen? – Das kann ich nicht, das will ich nicht; dies Buch ist der Widerhall meiner Geheimnisse, und an Deiner Brust wird er anschlagen. O nimm ihn auf, trink ihn, lasse Dich laben; einen einzigen heißen Mittag gehe Dein Blick unter, trunken, ein einziges Mal, diesem glühenden klaren Liebeswein.

Was soll ich Dir schwören? –

*

Heut' will ich Dir sagen, wie es gestern war: so unter Dach einer schöneren Vorwelt, vom tausendfarbigen Morgenlicht umwebt, die Hand auf diesem Altar, der früher wohl nie unter mystischen Beziehungen berührt war; Herr! – da war mein Herz auf eine wunderliche Weise befangen; – ich fragte Dich zum Scherz, in süßem Ernst: »Was soll ich schwören?« – Und da fragt' ich mich wieder: »Ist das die Welt, in der du lebst?« Und kannst du scherzen mit dir selbst, hier in der einsamen Natur, wo alles schweigt und feierlich Gehör gibt deiner innern Stimme? – Dort im fernen Gefild, wo die Lerche jubelnd aufsteigt, und am Gesimse des Tempels, wo die Schwalbe ihr Nest birgt und zwitschert? Und ich lehnte meine Stirne an den Stein, und dachte Dich; ich lief hinab ans Ufer und sammelte Balsamkräuter und legte sie auf den Altar; ich dachte: möchten die Blätter dieses Buchs voll Liebe einmal Deinem Geist duften, wie diese Kräuter dem Geist jener schönen Vorwelt, in deren Sinn der Tempel hier gebaut ist. – Dein Geist spricht ja die heilige Ordnung der Schönheit aus wie er, und ob ich ihm was bin, ob ich ihm was bleibe, das ist dann einerlei.

Ja, süßer Freund, ob ich Dir was bin: was soll ich danach fragen? – Weiß ich doch, daß die Lerche nicht umsonst jubelnd aufsteigt, daß der Morgenwind nicht ungefühlt in den Zweigen lispelt, ja daß die ganze Natur nicht unbegriffen in ihr Schweigen versunken ist; was sollt' ich zagen, von Dir nicht verstanden, nicht gefühlt zu sein? – Drum will ich nicht schwören, Dir etwas zu sein; es ist mir gewiß, daß ich Dir bin, was in einstimmender Schönheit ein Ton der Natur, eine geistige Berührung dieser sinnlichen Welt Dir sein kann.

*

Im Juli.

Diese Tage, diese Gegenden, sie tragen das Antlitz des Paradieses. Die Fülle lacht mich an in der reifenden Frucht, das Leben jauchzt in mir, und einsam bin ich wie der erste Mensch; und ich lerne wie dieser herrschen und gebieten dem Glück: daß die Welt soll sein, wie ich will. Ich will es, daß Du mich selig machest, nur weil ich Dich weiß und kenne, und weil Dein sittlich Gefühl der Raum ist meiner geistigen Schöpfungen; in Dich hinein nur kann ich ja diese Welt der Gefühle legen, Dir nur kann ich diese Phänomene einer erhöhten Rührung erscheinen lassen. – Deine Schönheit ist Güte, die mich nährt, schützt, mir lohnt, mich tröstet und mir den Himmel verheißt; kann ein Christ besser organisiert sein als ich?

Ich sitze nun einmal mitten in dieser reichen Natur, mit Herz und Seele; so muß ich denn immer wieder von diesem Doppelgespann schreiben.

Heute war ich in einem andern Tempel, der an der Höhe liegt und den herrlichsten deutschen Fluß in seiner glorreichsten Pracht beherrscht, wo man unzählige Orte und Städte sieht, die an seinen Ufern in seinen Gauen weiden. In diesem sonnenhellen Himmel liegen sie da wie ruhende Herden.

Was soll mir diese Pracht der Natur? Was soll mir dies wimmelnde Leben, diese mannigfaltige Geschäftigkeit, die sich durch die bunten Fluren zieht? – Es eilen die Schifflein hin und her aneinander vorüber, jedes hat seiner Reise Ziel. – Wie jener Schiffe eines hast auch Du Dein Ziel; und es geht an mir vorüber, rasch wie des Glücklichen Bahn schneller am Pfad des einsam Verlaßnen vorüber fährt. Und ich höre dann nicht mehr von Dir, daß Du nach mir fragst; und Deinem Gedächtnis verhallen, wie meine Seufzer, so die Spuren der Erinnerung.

So dacht' ich, dort auf der Höhe im Tempel, wie ich niedersah in das allseitig ausgebreitete Treiben der Menschen; wie ich mir überlegte, daß neue Interessen Dich jeden Augenblick aufnehmen können und mich gänzlich aus Deiner Welt bannen. Und ich hörte die Wellen brausen in der Tiefe, und Gevögel umflatterte meinen Sitz, der Abendstern winkte, daß ich heimgehen möge. Um so näher dräng' ich mich jetzt an Dich: o öffne Deinen Busen und lasse mich ausruhen von der tränenbewegten Ahnung, ich sei Dir nichts, ich sei Dir vergessen. O nein, vergesse mich nicht, nimm mich, halt mich fest und lasse die Stille um uns her den Segen sprechen über uns.

*

Du hast mir's beim Abschied damals gesagt, Du hast mir's abgefordert, ich möge Dir alles schreiben, und genau, was ich denke und fühle, und ich möchte gern; aber Liebster, die wunderlichen Wege, die mit dämmernder Fackel der Verstand kaum beleuchtet, wie soll ich die Dir beschreiben? – Diese Träume meines Glückes (denn glücklich träum' ich mich), sie sind so stürmisch, so wunderlich gelaunt, es ist so unscheinbar, was ich mir manchmal ersinne.

Mein Glück ' wie ich's mir denke, wie soll ich Dir's beschreiben? Sieh die Mondessichel am wolkenlosen Himmel und die breitästige, reich belaubte Linde; denke! Sieh unter ihrem flüsternden Laub, die flüsternd auch, einander umfassen, die beiden; wie einer den andern bedarf und feurig liebend an ihm hinauf reicht, wie jener mit freundlichem Willen sich ihm neigt und diesem Flüstern der Liebe Gehör gibt; und denke noch: die Mondessichel, die Sterne müßten nicht untergehen, bis diese Seelen, ineinander gesättigt, ihre Schwingen ausbreiten und höheren Welten zufliegen.

Dies spräche heute mein Glück aus, o lieber Freund, es spräche es einmal in vollem umfassenden Sinn aus.

So wie das Aug' die Schönheit erfaßt, so auch der Geist; er umfasset den Inbegriff der innern Schönheit wie der äußern, mit Schmeichelworten bringt er beide in Einklang, und der Leib wirkt magisch auf den Geist, der so schmeichelt, und so dieser auf ihn zurück, daß beide ineinander aufblühen, und das nennen wir begeisternde Schönheit. Mein Freund, das ist das Flüstern der Liebe, wenn Liebende einander sagen, daß sie schön sind.

*

Wo ist denn der Ruhesitz der Seele? Wo fühlt sie sich beschwichtigt genug, um zu atmen und sich zu besinnen? – Im engen Raum ist's, im Busen des Freundes; – in Dir heimatlich sein, das führt zur Besinnung.

Ach, wie wohl ist mir, wenn ich ganz wie ein Kind in Deiner Gegenwart spielen darf; wenn alles, was ich beginne, von dem Gefühl Deiner Nähe geheiligt ist; und daß ich mich ergehen kann in Deiner Natur, die keiner kennt, keiner ahnet. – Wie schön ist's, daß ich allein mit Dir bin, dort, wo die Sterne sich spiegeln in der klaren Tiefe Deiner Seele.

Gönne es mir, daß ich so meine Welt in Dir eingerichtet habe; vernichte nicht mit Deinem Willen, was Willkür nie erzeugen könnte.

Ich küsse Deiner Füße Spuren und will mich nicht hereindrängen in Deine Sinnenwelt, aber sei mit mir in meiner Gedankenwelt; lege freundlich die Hand auf das Haupt, das sich beugt, weil es der Liebe geweiht ist.

Der Wind rasselt am Fenster; welche Länder hat er schon durchstreift? Wo kommt er her? Wie schnell hat er die Strecke von Dir zu mir durchflogen? Hat er keinen Atemzug, in seinem Rasen und Toben, keinen Hauch von Dir mit fortgerissen?

Ich habe den Glauben an eine Offenbarung des Geistes; sie liegt nicht im Gefühl, im Schauen oder im Vernehmen; sie bricht hervor aus der Gesamtheit der auffassenden Organe; wenn die alle der Liebe dienen, dann offenbaren sie das Geliebte; sie sind der Spiegel der inneren Welt.

Ein Dasein im Geliebten haben ohne einen Standpunkt sinnlichen Bewußtseins, was kann mächtiger uns von unserer geistigen Macht und Unendlichkeit überzeugen? –

*

Sollte ich Dir heute nichts zu sagen haben? – Was stört mich denn heute am frühen Morgen? Vielleicht, daß die Sperlinge die Schwalben hier aus dem Nest unter meinem Fenster vertrieben haben? – Die Schwalben sind geschwätzig, aber sie sind freundlich und friedlich; die Sperlinge argumentieren, sie behaupten und lassen sich ihren Witz nicht nehmen. Wenn die Schwalbe heimkehrt von den Kreisflügen um ihre Heimat, dann ergießt sich die Kehle in lauter liebkosende Mitteilung, ihr gegenseitiges Gezwitscher ist das Element ihrer Liebeslust, wie der Äther das Element ihrer Weltanschauung ist. Der Sperling fliegt da und dorthin, er hat sein Teil Eigensucht, er lebt nicht wie die Schwalbe im Busen des Freundes.

Und nun ist die Schwalbe fort, und der Sperling hat ihren Wohnsitz, wo süße Geheimnisse und Träume ihre Rollen spielten.

Ach! – Du! Meine schlüpfrige Feder hätte schier Deinen Namen geschrieben, während ich im Zorn bin, daß die Schwalbe vom Sperling verjagt ist. – Ich bin die Schwalbe, wer der Sperling ist, das magst Du wissen, aber ich bin wahrhaftig die Schwalbe.

*

Um Mitternacht.

Gesang unter meinem Fenster; sie sitzen auf der Bank an der Haustür; der Mond, wie er mit den Wolken spielt, hat sie wohl zum Singen gebracht, oder auch die Langeweile der Ruhe; die Stimmen verbreiten sich durch die Einsamkeit der Nacht, da hört man nichts als nur das Plätschern der Wellen am Ufer, die die langen gehaltenen Intervalle dieses Gesangs ausfüllen.

Was ist dieser Gesang für mich? Warum bin ich in seine Gewalt gegeben, daß ich mich der Tränen kaum enthalte? – Es ist ein Ruf in die Ferne; wärst Du jenseits, wo seine letzten Töne verhallen, und empfändest den Ausdruck der herzlichen Sehnsucht, den er in mir aufgeregt hat, und wüßtest, daß in Dir das Glück der Befriedigung läge!

Ach schlafen! Nicht mehr dem Gesang zuhören, da ich doch aus der Ferne nicht das Echo des Gleichgestimmten vernehme!

Es ist wenig, was ich Dir hier mitteile: eintöniger Gesang, Mondesglanz, tiefe Schatten, geistermäßige Stille, Lauschen in die Ferne, das ist alles, und doch – es gibt nichts, was ein volles Herz Dir mehr zu bieten vermöchte!

*

Freund! Morgendämmerung weckt mich schon, und ich habe doch gestern tief in die Nacht hinein gewacht. Freund! Süßer! Geliebter! Es war eine kurze Zeit des Schlafs, denn ich hab' von Dir geträumt; im Wachen oder im Traum, mit Dir, da eilen die Rosse unbändig. Drum pocht das Herz und Wange und Schläfe erhitzt, weil die Zeit so rücksichtslos auf die seligen Minuten vorüberjagt. Wenn die Angst um die Flucht des Besitzes nicht wär', wie wär' da Lieb und Lust ein tiefer Friede, ein Schlaf, ein Behagen der Ruhe! Wenn wir an Gräbern vorübergehen und uns besinnen, wie sie da verdeckt liegen und beschwichtigt die pochenden Herzen, dann befällt uns feierliche Rührung; wenn aber die Liebe sich einsenken könnte zu zweien, wie sie es bedarf, so tief abgeschieden wie im Grab, und wenn auch die Weltgeschichte über die Stätte hintanzte, – was ging' sie uns an? – Ja, das kann ich wohl fragen, aber Du nicht.

Was ich träumte? Wir standen aneinander gelehnt im nächtlichen Dämmerlicht, das Sternenlicht spiegelte sich in Deinen Augen. Traumlicht, Sternenlicht, Augenlicht spiegelten ineinander. – Dies Auge, das hier folgt den Zeilen, die meine Hand an Dich schreibt, in ungemessene Ferne, – denn ach wie fern Du mir bist, das kann ja doch nur Dein Herz entscheiden – dies Auge sah heute nacht in Deinem Auge den Schein des Mondes sich spiegeln.

Ich träumte von Dir; Du träumtest mit mir; Du sprachst; ich empfinde noch den Ton Deiner Stimme; was Du sagtest, weiß ich nicht mehr; Schmeichelreden waren's, denn mit Deinen Reden gingen Schauer von Wollust durch mich.

Gott hat alles gemacht, und alles aus Weisheit und alle Weisheit für die Liebe, und doch sagen sie, ein Liebender sei toll!

Weisheit ist die Atmosphäre der Liebe, der Liebende atmet Weisheit, sie ist nicht außer ihm, nein, – sein Atem ist Weisheit, sein Blick, sein Gefühl, und dies bildet seinen Nimbus, der ihn absondert von allem, was nicht der Wille der Liebe ist, der Weisheit ist.

Weisheit der Liebe gibt alles, sie lenkt die Phantasie im Reich der Träume und schenkt der Lippe die süße Frucht, die ihren Durst löscht, während die Unbegeisterten sich nach dem Boden umtun, dem sie den Samen anvertrauen möchten, aus dem ihr Glück reifen könnte, um das sie ihre Vorsicht betrügt.

Ich aber sauge Genuß aus diesen Träumen, aus diesen Wonnen, die mir ein Wahn von Schmerz, ein eingebildetes Glück erregt; und die Weisheit, die meiner Begeistrung zuströmt; sie schifft mich auf ihren hohen stolzen Wellen, weit über die Grenze des gemeinen Begriffs, den wir Verstand nennen, und weit über den Beruf der irdischen Lebensbahn, auf der wir unser Glück suchen.

Wie schön, daß die Weisheit der Liebe wirklich meine Träume beherrscht, daß der Gott das Steuer lenkt, wo ich keinen Willen habe, und mich im Schlaf da hinüberschifft zum Ziel, um das ich, es zu erreichen, immer wachen möchte. Warum träumst Du nicht auch von mir? Warum rufst Du mich nicht an Deine Seite? Warum mich nicht in Deinem Arm halten und freundlich Deinen Blick in meinen tauchen?

Du bist ja hier; diese sonnigen Pfade, sie schlingen sich durcheinander und führen endlich auch zu Dir, o wandle auf ihnen; ihre labyrinthischen Verkettungen: sie lösen sich vielleicht auf, da, wo Dein Blick den meinen trifft, wie das Rätsel meiner Brust, da, wo Dein Geist den meinen berührt.

*

Heute las ich in diesen Blättern; lauter Seufzen und Sehnen.

Wie würde ich beschämt vor Dir stehen, wenn Du in diesem Buch läsest! So bleibt es denn verborgen und nur zu eigner Schmach geschrieben? – Nein, ich muß an Dich denken und glauben, daß dies alles einmal an Deinem Geist vorüberzieht; wenn es auch manchmal in mir ist, als wollt' ich Dich fliehen; Dich und diese seltsame Laune der Sehnsucht; Laune muß ich sie nennen, denn sie will alles und begehrt nichts. Aber dieses Abwenden von Dir wird doppelter Reiz; da sprengt mich's hinaus, die Berge hinan, noch im ersten Frührot, als könnt' ich Dich erjagen, und was ist das Ende? Daß ich mich wieder zum Buch wende. Nun, was hat's denn auf sich? Die Tage gehen vorüber so oder so, und was könnt' ich versäumen, wenn ich in diesen Blättern mich sammle?

*

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