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Clemens Brentano: Godwi - Kapitel 79
Quellenangabe
typefiction
booktitleGodwi
authorClemens Brentano
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009394-5
titleGodwi
pages3-15
created19990905
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1801
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Acht und dreißigstes Kapitel.

Als ich zu Hause eintraf, fand ich Kordelien sehr krank, und sie starb bald darauf in der freien Luft, unter der Eiche, am hinteren Eingange des Haines, der das Jägerhaus umgiebt, sie hatte sich dort hinbringen lassen. –

Ich war auf dem Gute, als sie starb, denn meine Gegenwart war ihr auf dem Jägerhause beschwerlich. – Als ich sie einige Tage vorher besucht hatte, reichte sie mir, ohne mehr als einige Worte zu sprechen, einen versiegelten Brief, den ich nach ihrem Tode erbrechen sollte.

Sie war während meiner Abwesenheit mehrere mal am steinernen Bilde meiner Mutter gewesen, und der alte Anton sagte, er habe sie einmal dort heftig weinend gesehen.

An der Eiche hatte sie Nachts oft gestanden, und sie war überhaupt ihr liebster Aufenthalt. Sie hatte mehrere große Aeolsharfen in der Eiche anbringen lassen, und sich besonders mit Blumenzucht und Gesang unterhalten.

Der Jäger sagte mir, als ich auf die Nachricht ihres Todes hinüber ging, daß sie ihre Stube versiegelt habe, ehe man sie nach der Eiche geführt habe, es sey gegen Abend gewesen, und um sechs Uhr sey sie dort gestorben.

Als ich ihren Brief erbrach, las ich nichts, als daß sie wünschte, unter der Eiche begraben zu werden, und mich beschwor, ihre Stube nicht eher zu öffnen, bis ihr Name entdeckt sey.

Sie mochte damals ohngefähr vierzig Jahre als seyn, ihre Figur war schlank, ihr Haar schwarz, und ihr Auge lebhaft. In der letzten Zeit ihres Lebens sprach sie beynahe gar nicht. Sie ward unter der Eiche begraben. –

Bald darauf erhielt ich Briefe von meinem Vater aus Italien, der mich aufforderte, ihn zu besuchen, und ich reiste gerne und gleich ab. –

 

Hier liegt ein Zeitraum von einigen Jahren, die ich in Italien bis zu meines Vaters Tod zubrachte.

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