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Clemens Brentano: Godwi - Kapitel 75
Quellenangabe
typefiction
booktitleGodwi
authorClemens Brentano
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009394-5
titleGodwi
pages3-15
created19990905
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1801
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Vier und dreißigstes Kapitel.

Alles, was Violette gegen mich geäußert hatte, war sich so ungleich, und wendete so schnell zwischen Heftigkeit und Geschämigkeit, was sie von ihren Eltern erzählt hatte, war so wenig die Rede eines ganz unschuldigen Mädchens, ihr ganzes Betragen ergriff mich so schnell, und stieß mich so leicht wieder zurück, daß ich in einer wechselnden Bewegung während ihren Worten, bald Mitleid, bald Unwillen empfand.

In jedem Falle mußte ihre Mutter ein höchst wunderbares Weib seyn, und ohne allen Charakter, das Mädchen hätte sonst nimmer so schwankend seyn können, und ich entschloß mich fest, diesen Ort schnell wieder zu verlassen; aber es gelang mir nicht.

Ich entschloß mich schon in einzelnen Augenblicken meines Gesprächs mit Violetten dazu, denn ich befand mich in einem widrigen Streite von Lust und Schonung. Sie webte ihre Thränen, ihr Naivetät und ihre frevelhaften Reden über ihre Mutter so verwirrt durch einander, und in ihrem Betragen dabey erschien die Lüsternheit und Heftigkeit so durch Blödigkeit und Unerfahrenheit gestört, daß mir es sehr abgeschmackt zu Muthe war. Ich konnte sie nicht bedauren, und nicht liebenswürdig finden, und dabey war ich doch so gespannt und gereizt durch meine ganze Lage, daß ich wünschte, das Mädchen wäre nicht so, und ergäbe sich ohne Prätension ihrer und meiner Freude.

Ich hätte mich gerne bemühet, ihre Verwirrtheit für sie und mich zu lösen, aber ich fürchtete mich vor irgend einem Hinterhalt, der mir hier gelegt seyn, und mich zu einer Verbindung zwingen könnte, die mich ewig zum Sklaven um eine kurze Freude gekauft hätte.

Ich verhielt mich während ihren Aeußerungen ganz leidend, und eben dadurch schien sie mir einigemal wahr zu werden: die Verse, die sie von dem Todtenliede:

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,

sang, sang sie nicht ohne Rührung, und ihr Uebergang auf das Lied:

Es ist ein Sämann, der heißt Liebe,

war er vielleicht auch nicht ganz ohne Vorsatz, war doch sehr artig. –

Was sie von ihrem Streit in der Beichte erzählte, war der Punkt, der mich eigentlich zuerst aufmerksam machte: ein unschuldiges Mädchen kann nicht von der Beichte reden, und ein Mädchen von funfzehn Jahren streitet nicht mehr so kindisch mit ihrem Gemüth, oder sie müßte in der reinsten Umgebung gelebt haben.

Alle diese Betrachtungen begleiteten mich, und verdarben mir sogar ihre Küsse, indem sie ihrem ganzen Plan ungetreu recht herzlich und mit Bewußtseyn küßte.

In dieser Verwirrung fand mich ihre Mutter, die ich mit einigem Unwillen behandelte, aber sie war nichts weniger als so verwirrt und widersprechend wie das Mädchen.

Ich fand in ihr ein leichtsinniges und fröhliches Weib, mit einer Freiheit ohne Gränzen, die doch nicht ins Gemeine fiel. Sie hatte gar keine Absicht, als zu leben, und lachte alle meinen Unmuth hinweg, dabey nahm sie in ihrem Raisonnement so tollkühne Flüge, daß es eine Lust war, sie anzuhören.

Das Mädchen hatte sie aus reinem Muthwillen herüber geschickt, und da ich ihr vorstellte, wie ihr Kind zu Grunde gehen würde, machte sie die Einwendung, daß das Mädchen so sinnlich sey, daß sie sich an der ganzen schönen Welt fest halten werde, auf dem festen Boden der Sinnenwelt gehe niemand zu Grunde, und wenn Violette nur einmal aus den Schwärmereien komme, so werde sie recht glücklich werden.

Sie äußerte dabey ganz wunderbare Ideen über Religion, und verlor sich in einen Strom von Phantasien, daß sie mich wirklich ergötzte.

Violette, behauptete sie, sey bey weitem nicht so unschuldig als sie selbst, und was das Mädchen von ihrem Streite mit der Andacht vorbringe, sey alles eine Folge davon, daß sie nicht recht beten könne.

So bisarr mir alles das schien, so behauptete sie es doch mit einer trotzigen Lustigkeit, und hatte sich ordentlich ein kleines System erraisonnirt. Ich will ihre Aeußerungen so getreu hierher schreiben, als ich mich ihrer entsinne, denn mich mit der Gräfin selbst redend einzuführen, wage ich nicht gern, da ich einer langweiligen Beschreibung ihres ganzen Betragens dabey nicht ausweichen könnte, und doch in die Gefahr kommen dürfte, nicht verstanden zu werden, oder mich der Beschuldigung auszusetzen, als suche ich meine Schwachheit zu entschuldigen, indem ich ein heftiges frevelndes Weib als ein bloß muthwilliges schwärmendes hinstellte. –

Es schien allerdings, daß sie einstens in einer ähnlichen Verwirrung wie Violette gewesen sey, und nur ihre Erfahrung aus ihr sprach, wenn sie sich über diesen Zustand ihrer Tochter so kalt zeigte.

Sie war im strengsten Katholizismus erzogen, und Violetten hatte der verstorbene Graf eben so erziehen lassen. Sie führte ihre eigne jetzige Lebensart, ihre Fröhlichkeit und Freiheit trotz aller Umgebung, auf ihre Religion zurück, denn sie sagte, diese habe ihr den ersten Antrieb zu allem gegeben, und der einzige Mißgriff in ihrem Raisonnement war der, daß sie sich in der Religion voraussetzte, da sie doch die Religion in sich annehmen mußte, wenn sie je welche wollte gehabt haben.

Es ist mir leid, daß ich alles das nicht so scherzend und so lustig ernsthaft sagen kann, denn sie parodierte sich selbst in jeder Minute, überraschte mich plötzlich mit einem Kusse, wenn ich Einrede thun wollte, und war ich darum unwillig, so fuhr sie so pathetisch fort zu predigen, bis ich lachen mußte, und war dabey so beweglich, daß sie bald aufsprang, ihre Bilder selbst vorzustellen, bald sich so schnell wieder nieder setzte, daß sie mir einige mal etwas unsanft begegnete, dann bat sie mich sehr zärtlich und kindisch um Verzeihung, und das alles war so rasch und bunt hinter einander, daß ich ein freudiges, reizendes, freies Weib seyn müßte, und mir gegenüber ein junger mehr ungeduldiger, als gesetzter Mann, wenn ich es so hinstellen sollte, wie sie es that. –

Sie behauptete:

Der sinnliche Mensch werde erbärmlich, wenn er, wie man es nimmt, tugendhaft würde, denn er übe dann Tugenden, die von seinem ganzen Leben verachtet würden. Er müsse sich zwingen, und werde eben dadurch lasterhaft, denn er gäbe, um zu leben, endlich die Tugend hin, und schweife, um sich zu trösten, nach Principien aus.

Religion sey nichts als unbestimmte Sinnlichkeit, das Gebet ihre Aeußerung.

Andacht sey es, wenn man nicht mehr als Mensch bete, wenn man als Weib oder Mann bete; doch könne der Mann es nie zur Andacht bringen, weil das Menschliche das Männliche bey ihm überwiege.

Der schlechteste Moment im Leben sey, wo weder Jungfrau noch Jüngling recht wisse, woran sie seyen, und ein verderblicher Streit zwischen Glauben und Wissen sich erhebe; in diesem stehe Violette.

In der Religion sey es eben so, es komme den Menschen heut zu Tage eine boßhafte Lust an, sich ihrer selbst zu bemächtigen, um sich zu befreien, aber nur der sey ein Sclave, der sich selbst besitze, nur im allgemeinen wäre Freiheit, und in der Person die höchste Tyrannei.

In diesem schlechten Momente höre der Mensch auf zu glauben und meine, Wissen sey etwas anderes, als ein langweiligeres Glauben, das einen erst mit einer kleinen Reihe von Schlüssen hinhalte, ehe es einen glauben lasse, denn endlich müsse man doch glauben, was man wisse.

Das allererbärmlichste Aberwissen sey, die unbefleckte Empfängniß für einen Aberglauben zu halten, wer denn irgend eine Empfängniß wisse? und dieses sey grade der Punkt, wo der Mensch recht überführt werde, daß alle Seligkeit nur Glauben ist, und kein Bewußtseyn, und nur der sey ein Ketzer und Freigeist, der bey der Empfängniß noch denke, und sich selbst besitze, denn jeder fühle das Wissen erbärmlich, der aus solchem Glauben kehre.

Sie bete oft, weil sie ein Weib sey, und wer nicht sinnlich sey, habe keine Religion und eine Religion, die nicht sinnlich sey, habe keine Menschen.

Sie sey eine Heidinn, habe viele Götter, und auch Heroen, alle jung, kräftig, und in der Liebe menschlich.

Die Heiligen könnten sie so ziemlich rühren, aber sie hätten keine Religion, wären nichts als angehende Philosophen, welche die Liebe bestritten, die sie nicht bestreiten könnten, das heißt, der sie nicht gewachsen wären.

Der Gott der Katholiken sey zu geistig, und substanzlos, und ohne die Menschwerdung gar nicht da; aber es sey keine rechte Menschlichkeit in der Menschwerdung, es sey nichts als eine Allegorie auf Leben, Gedanken und Wort, eine Lehre die zum Lehrer geworden.

Jeder Gedanke sey eine unbefleckte Empfängniß, und jedes Wort eine Menschwerdung.

Doch sey die katholische Religion keine Religion des Lebens, sondern eine Religion der Auferstehung und Erinnerung – der untergegangenen herrlichen Welt der Götter und Menschen werde in ihr ein festliches Todtenopfer gebracht.

Die protestantischen Religionen seyen nicht gottlos, aber heillos, denn sie duldeten keine Heiligen – sie seyen keine Religionen, sondern bloß bequemliche Anstalten, keine Religion zu haben, – Consistorien wo keine Liebe mehr sey, um die Ehe zu unterstützen – auf Noten gebrachte Ehescheidungen zum Absingen – Religionen für Eunuchen, Amphibien und Hermaphroditen. –

Die christliche Religion werde vor dem Leben zu Grunde gehen, die heidnische aber werde länger seyn, als das Leben, weil sie Leben und Tod umfasse.

Einmal rief sie aus:

Ach arm ist der, der nur im Tode selig wird – die Erde sey ein Jammerthal! – ich stehe auf den Bergen und bin glückselig, – denn der lebt nicht, dessen Haupt nicht im Himmel steht, auf dessen Brust nicht die Wolken ruhen, dem die Liebe nicht im Schooße wohnt, und der Fuß nicht in der Erde wurzelt. Mein Haupt steht ewig im Himmel, und klage ich, so hören es die Götter allein, daß mir keine Liebe im Schooße wohnt, und wohnt mir die Liebe im Schooße, so sehen nur die Götter meines Auges Andacht, weiter wird die Welt, denn mein Busen hebt den Himmel höher, und die Erde drängt sich bebend unter meinen regen Füßen zusammen.

Sie bekehrte mich, aber ich glaubte nichts, als daß sie ein schönes, reizendes Weib sey, da die Decke des Zimmers sich öffnete, und eine dämmernde Alabaster-Lampe nieder sank, und der Glauben bald das Wissen besiegt hatte. –

 
An den Leser.

Die Krankheit meines Freundes nimmt zu, und ist mir um so schmerzlicher, als sie boßhaft ist. – Sie hätte keine unglücklichere Stelle erwählen können, um ihn mir noch bey seinem Leben zu rauben, sie hätte keine glücklichere Stelle nehmen können, um die letzten Ergießungen seines liebevollen Herzens gegen mich zu hemmen. – Es ist eine bösartige Zungenentzündung, an der ihm das Band mit allen seinen Freunden erlahmt. – Ich versichere seine menschenfreundlichen Leser, daß ich viel Schmerz an seinem Lager ertrage, und oft gerührt bin, wie sehr er das Publikum achtet. Er schrieb mir gestern mit Thränen Folgendes an die Schiefertafel, die neben seinem Bette hängt, damit er sich deutlich machen kann, und ich kann nicht umhin, es Ihnen mitzutheilen, weil ich fühle, wie sehr sich sein Charakter hier ans Licht stellt, und wie die Worte eines mit Ruhe dem Tode entgegen sehenden jungen Mannes sicher die Verläumder zum Schweigen bringen werden, die sein reines fehlendes Herz, und sein aufrichtiges frohes Gemüth hie und da zu beschmutzen suchen – o diese Zungen sind giftig und entzündeter, als die meines Freundes! O daß sie die Krankheit erlähme! die mir das freundliche Gespräch meines Maria raubt.

Zugleich bitte ich den Leser, die Darstellung meines Lebens zu entschuldigen, ich bin nicht geübt, vor das Publikum zu treten, und es verhindert mich auch der Antheil, den ich an meinem Freunde nehme, an größerer Aufmerksamkeit auf meinen Styl. –

Godwi.
 

»Was mich mehr drückt, als meine Krankheit, ist der Rückblick auf ein fruchtloses Leben; – mit dem vollen fröhlichen Muthe des Jünglings habe ich versäumt, eine Spur zurück zu lassen, daß ich da war: – ich wußte nicht, daß der Tod meiner Jugend schon folgen werde, ich hätte sie sonst geschmückt, und Künste gelehrt, damit ihm eine freudige Braut geworden wäre; dann hätte Sie der schöne Kranz am Wagen erfreuen sollen, der jetzt ungeschmückt die tiefen Gleisen mit mir hinschleichen wird, – die wir mit Recht die Runzeln unserer alten Mutter Erde nennen dürfen. –

O! hätten mich die Menschen besiegt, wäre ich im Kampfe um hohen Preis überwunden, so würde man mich mit dem Sieger nennen, und sein Werk wäre mein Grabstein und drückte mich nicht. – Aber das Leben hat mich besiegt, nicht mich, – nein nur den Jüngling, wie viele – denn ich war noch nicht, und warum sollte ich nicht werden?

Jetzt, da mein Herz sich öffnen wollte, um alles zu umfassen, was lebt und liebt, legt sich der Tod ihm in die Arme. –

Ich habe vieles noch zu thun, so vieles – und soll sterben – die Menschen wissen nicht, daß ich ihr Bruder bin, und daß ich es verdiene – o mein Freund! wenn Sie wüßten, was ich verlasse; – Einer nur wird wissen, was ich verlasse, und er wird es nicht glauben. –

Ich soll das Leben aufgeben? der die Liebe noch nicht aufgegeben, die ihn aufgab – dies ist kein schöner Tod – es bricht, es löst sich nicht. –

O! es ist ein großer Unterschied zwischen dem Traume der Liebe und der Liebe des Traumes. – Der Traum der Liebe ist in der Liebe, aber die Liebe des Traumes ist nur im Traume. –

Wenn die Liebe einschlummert und träumt, träumt sie den Traum der Liebe, und dieser Traum ist jener stille schöne Schmerz, jenes Bangen, ich möchte sagen, die Seele aller Sehnsucht, und die sentimentale Poesie der Liebenden. –

Mir ist jede unvollendete Harmonie in den Naturerscheinungen, jenes Streben des Formlosen und Todten nach Gestalt und Leben, wo Seele und Stoff mit innerm Drange zu einander streben, und der Stoff von dem Strahle des Geistes nur erglüht, und schmerzlich wieder in den Tod zurücksinkt, so ein Traum der Liebe. –

Verstehen Sie mich? – nein. –

So ist mein Ausdruck selbst ein Beispiel eines solchen Traumes der Liebe, in dem der Gedanke und das Zeichen nicht zum Worte wurden. –

Ich glaube es Ihnen aber deutlicher zu sagen, lieber Godwi, wenn ich schweige, und Sie bitte ans Fenster zu treten. – Sie sehen die rothen Flammen des Abends, wie die Berge von ihnen entzündet werden, und Feuer zu duften scheinen, und wie diese Flammen sich mannigfach gestalten, und ganze Landschaften zu werden scheinen. – Was ist die Flamme anders, als die Gestalt des Feuers, und das Feuer anders, als die Gestalt der Wärme, und diese, als die Gestalt des Lichts?

Sie sehen, wie sich das Licht von dem Stoffe ergriffen zur Flamme zu bilden scheint, und wie die Flamme den Berg und den Wald entzündet, und sich die ganze Gegend nach dem Lichte sehnt, es ist, als sey nichts in Ruhe, und das innere willenlose Treiben kehre sich heraus, und doch ist alles Ruhe, eigentliches Gefühl der Ruhe, in dem sich die Ruhe aufhebt. – Dies ist ein Traum der Liebe. Und ist Liebe in Ihnen, so müssen Sie einstimmen in diesen allgemeinen Traum, auch Sie ergreift die allgemeine Sehnsucht; aber Ihre Sehnsucht ist nur die Ihrige, – und wer keine Liebe hat, möchte sterben in dieser Minute. –

Aber es giebt einen Traum des Lebens, der Liebe zu umfassen glaubt; aber Liebe ist nur Wahrheit – und jene luftigen unbestimmten Seelen, die es nur zum Reize und nie zur Schönheit bringen, träumen dieses Leben, und ihre Liebe ist eine solche Liebe des Traumes, – sie ist ohne Bestimmung, mit unendlichem Reize, ohne Ziel, wo sich alle diese Mittel zu einer Schöpfung vereinigten.

Wer sich ihnen hingiebt mit seiner Liebe, muß mit diesen Blumen verwelken – lieben darf man sie als Frühling und Poesie, aber nie als einzelne Blumen.

Nur das starke gesunde Gemüth wagt nichts mit ihnen, es blickt auf sie nieder, wie auf die Blumen, die es seiner Geliebten bricht, die es in den Triumph seines Lorbeers flicht, damit der Ernst auch lächle, und schützt sie sogar wie zarte Kinder, wie lieblose Unschuld, und nimmt sie, wie ein reines Bild der bloßen Schönheit.

Wendet er aber seine Liebe zu diesen hin, die sich nach seiner Liebe wenden müßten, so ist es, als wende sich die Sonne nach der Blume, und die Blume nicht nach ihr. –

Ihr Leben ist eine bloße Allegorie, ihre Liebe nur leiser Erguß, nicht der Schöpfung, nur des Todes. –

Mir, lieber Godwi, sollte ich sterben, sollen Sie einen einfachen Stein setzen, und darauf die letzte Terzine dieses schlechten Sonnets.« –

 
Sonnett.

                O schwerer heißer Tag, ihr leichtes Leben
Schließt müde weinend seine Augenlieder,
Schon senkt der Schlaf das thauende Gefieder,
Um solche Schönheit kühl ein Dach zu weben. –

Von ihren Lippen leise Worte schweben,
»Du Liebe süßer Träume kehre wieder!«
Da läßt sich ihr der Traum der Liebe nieder,
Um ihres Schlummers kranke Lust zu heben. –

»Du Traum! – ich bin kein Traum, spricht er mit Bangen,
O laß uns nicht so holdes Glück versäumen!«
Da weckt er sie, und wollte sie umfangen. –

Sprecht! Wessen bin ich? Wer hat mich besessen?
Ich lebte nie – war eines Weibes Träumen –
Und nimmer starb ich, – Sie hat mein vergessen.

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