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Clemens Brentano: Godwi - Kapitel 74
Quellenangabe
typefiction
booktitleGodwi
authorClemens Brentano
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009394-5
titleGodwi
pages3-15
created19990905
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1801
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Drei und dreißigstes Kapitel.

Mit sanften Händen zog es ihn nieder, und er setzte sich gerne.

Ich weiß es nicht anders zu machen, lieber Freund, sagte das Mädchen, es war mir angst und bange vor Ihnen. Da Sie so wild ans Fenster stürzten, glaubte ich, Sie wollten hinaus springen.

Aber um Gottes willen, ich weiß ja gar nicht, wo ich bin, wie von einem Gewitter in ein fremdes Haus, in eine dunkle Stube getragen, und ich glaubte, in eine große Gesellschaft zu kommen. –

Haben Sie eine solche Freude an großer Gesellschaft?

Nein! aber ich mache gern alle Bekanntschaften bey vielen Lichtern, im Lichte will ich leben, und in der Nacht sterben. –

Mit diesen Worten nahm er das Mädchen freundlich bey der Hand, und zog sie ans offne Fenster.

Kommen Sie ans Sternenlicht, meine Liebe.

Das Mädchen sah schüchtern an die Erde, er faßte sie unter das Kinn, und hob ihr das Köpfchen in die Höhe: da sah sie ihn freundlich mit ihren großen dunklen Augen an, und es rollte eine Thräne auf seine Hand – die Thräne fiel Godwi aufs Herz. – Es war ihm, als habe er das Mädchen schon gesehen.

Sie weinen, sagte er freundlich zu ihr.

Ach mein Herr! es thut mir so manches leid, so leid, das Herz möchte mir brechen. – Da wendete sie sich schnell von ihm, und setzte sich auf das Sopha und weinte laut. –

Godwi stand am Fenster, er war so verlegen, so gerührt, er machte sich Vorwürfe, und wußte nicht warum, hatte er die Unschuld verführen wollen? Er hatte ja an keine Unschuld der ganzen Welt nur gedacht – warum weinte das Mädchen nur, warum war sie da, warum hatte sie ihn zu sich gezogen?

Er näherte sich ihr, und sprach mit sanfter gelassener Stimme:

Meine Liebe, weinen Sie nicht! ich weiß ja nicht, warum und wie ich herkomme. – Auch will ich Ihnen gar nichts thun, – sagen Sie mir, wo bin ich, wer sind Sie, wer hat mich hierher gebracht?

Da richtete sie sich in die Höhe und sagte: –

Ach mein Herr, ich bin Violette, die Tochter der Gräfin von G., und das ist unser Gut. Sie haben mir auch nichts gethan, und das ist es nicht; aber ich muß doch weinen. –

Was fehlt Ihnen nur, und wer hat mich nur hierher gebracht?

Meine Mutter hat Sie hergebracht. –

Ihre Mutter? es war ja ein Reiter. –

Meine Mutter reitet immer wie ein Mann gekleidet.

Aber waren Sie denn in der Stube, als ich hereintrat? –

Nein, meine Mutter schickte mich erst herein! Sie sagte, ich sollte Sie unterhalten, bis sie käme: dort neben dem Bette war die Thür offen, da kam ich herein, Sie rührten mich an, ich war fast des Todes vor Schrecken, und ich durfte doch nicht fortlaufen, da schlug ich die Thür zu und lief hierher. –

Aber ich hörte Sie ja nicht laufen.

Ach, das ist es eben, ich bin mit bloßen Füßen. –

Das Mädchen drängte sich in den Winkel und sagte:

Ach wie schäme ich mich. –

Godwi wußte nun gar nicht, was er mit ihr anfangen sollte. –

Sind Sie denn nicht gerne hierher gegangen? –

Gewiß nicht, gewiß nicht, heute nun gewiß nicht – die Mutter jagte mich aus dem Bette, ich war schon eingeschlafen, sie sagte: junge Mädchen müßten immer lustig seyn, und ich sollte mich nicht so kindisch betragen, wenn sie mich nicht wie ein Kind behandle – sie sey so freundlich gegen mich und wolle mir eine Freude machen, nun solle ich auch nicht eigensinnig seyn: – ach liebe Mutter, sagte ich, es macht mir sicher keine Freude; – zier dich nicht, Violette, sagte sie dann, – thue mir den Gefallen, und gehe hin, und sprich mit dem Manne, sag ihm, ich käme bald: es ist der artige Mann, der jüngst so freundlich mit dir tanzte, da zog sie mir die Decke weg, und lachte mich aus, ich mußte herüber, ich konnte mich nicht einmal ankleiden. –

Ihre Mutter ist ein seltsames Weib, glaubt sie denn wirklich, daß Ihnen so etwas Spaß mache. –

Wol muß sie es glauben, und ein andermal würde es mich auch so nicht betrüben – aber heute –

Waren Sie denn heute so müde?

Das nicht, aber ich bin lange nicht so zufrieden zu Bette gegangen, ich hatte den ganzen Tag überdacht, ja zwei Tage, und es fiel mir gar keine Sünde ein; ich habe am Sonntage erst gebeichtet, und ich verglich mein ganzes Thun mit dem, was mir der Pater gesagt hatte, und es war auch kein Fleckchen zu finden, ich betete noch, wie ich es nur machen sollte, der Mutter immer gehorsam zu seyn – da kam sie, da mußte ich herüber, und nun ist alle meine Freude hin. –

Meine Liebe, halten Sie es denn für Sünde, bey mir zu seyn? –

Ich weiß nicht, aber gut ist es nicht. Die Mutter hat mir es schon einmal so gemacht, da küßte mich der Mann, und war so heftig – mein Herr, ich kann es nicht vergessen, – ich konnte es lange nicht vergessen, und seit jener Zeit bin ich nicht mehr ruhig, ich kann an Nichts allein denken, es sind immer andre ängstliche Gedanken dabey, die ich nicht verstehe – als ich es beichtete, schmählte mich der Pater sehr, und sagte: ich sollte mir solche Gedanken aus dem Sinne schlagen, – sie führten zum Verderben – das wären böse weltliche Gedanken.

Und ist Ihnen das gelungen?

In der Beichte hatte ich gar nicht daran gedacht, daß ich nicht wisse, was das sey: aus dem Sinn schlagen, aber ich war des Paters Worten recht getreu, und gab mir alle Mühe, doch ich konnte so gar nicht recht Reu und Leid erwecken vor den Gedanken, und je mehr ich mich quälte, je größer und wunderlicher wurden die Bilder in mir, – ich wußte mich nicht zu lassen, und gab mir alle Mühe – meine Mutter bemerkte es, – denn ich schnitt manchmal ordentlich Gesichter, – da ich ihr sagte, was es sey, lachte sie mich aus und sprach: ich sollte froh seyn, daß ich einmal zu denken anfange, der Pater meine das nicht so, wenn er sage: Schlage dir es aus dem Sinn, so heiße das, lasse dir nicht bang drum seyn. –

Godwi war fest entschlossen, so bald er mit der Mutter zusammen komme, sie recht ernstlich darüber zu Rede zu stellen, und sie dazu zu bewegen, das Mädchen lieber von sich zu entfernen. Er wendete sich wieder zu ihr und sprach:

Liebe Violette, Ihr Unglück thut mir sehr weh, wenn ich Sie irgend erschreckt habe, so sollen Sie mir es verzeihen; ich will auch mit Ihrer Mutter sprechen, und mich bemühen, daß sie Sie mit allen solchen Anmuthungen verschont – reichen Sie mir die Hand darauf, nicht wahr wir sind gute Freunde? –

Violette gab ihm zitternd die Hand, und näherte sich ihm vertraulich. –

Ich gebe Ihnen gern die Hand, und sind Sie so, wie sie scheinen? Wir froh wäre ich, wenn Sie mein Freund seyn wollten, ich bin recht verlassen hier. –

Hier ward sie wieder stumm, und lehnte die Stirne an seine Schulter. – Godwi umfaßte sie leis, und sagte:

Gutes Mädchen, wie alt sind Sie? –

Ich bin funfzehn Jahre alt, wie alt sind Sie denn?

Diese Frage störte ihn etwas, und er antwortete lieber nicht darauf.

Ihr Vater lebt wol nicht mehr, und Sie haben keine Geschwister?

Mein Vater ist schon einige Jahre todt, ich habe aber noch eine kleine Schwester, sie ist nun fünf Jahre alt. Ich erinnere mich meines Vaters noch wohl, er war ein kleiner Mann, und nie recht freundlich; – zweimal erinnere ich mich recht deutlich, wie er aussah, ich meine, ich sähe ihn noch. – Er saß hier, wo wir sitzen, und zankte mit einem Pächter. Der Pächter stand in der Mitte der Stube, und sagte immer: ich kann nichts davor, gnädiger Herr, – die gnädige Frau hat mir gesagt, sie würde mich von Haus und Hof peitschen lassen, wenn ich dem Jungen noch einmal einen Schlag gäbe, was soll ich nun machen? – Er soll den Burschen unter die Soldaten schicken, oder ich schicke ihn hin – da kam meine Mutter herein, und mein Vater schwieg still, schickte den Pächter weg, und sagte: es ist gut. –

Meine Mutter aber sagte: Was haben Sie wieder mit dem Manne gehabt, wollen Sie denn mit aller Gewalt einen Gerichtshof aus meiner Schlafstube machen? ich muß genug wesentliche Schwächen hier von Ihnen ertragen, sparen Sie Ihre unwesentlichen. –

Ich sorge für meine Ruhe und die Ihrige, Madam, sagte mein Vater. –

Meine Mutter aber lachte, Sie müssen sehr ruhig seyn, sagte sie, daß Ihnen der Sohn dieses Bauren so viel Unruhe macht; aber er soll nun bald immer um Sie seyn, damit Sie sich an den armen Jungen gewöhnen, ich habe ihn heute als Jokei angenommen: – da ging sie auf meinen Vater zu, und küßte ihn mit den Worten: – Sey nicht so kümmerlich alter Mann, da du ein junges Weib hast, mußt du auch hübsch freundlich seyn: – dann ging sie weg, – o ich weiß es noch recht gut, und kann es nicht vergessen! Ich saß hier auf der Stube des Erkers, und spielte mit dem Joli, der dort auf dem Bette liege, er war damals noch ganz klein, – aber ich glaube, ich hätte es nicht so behalten, wenn nicht geschehen wäre, was gleich darauf folgte. –

Mein Vater saß so traurig da, und das that mir leid: ich näherte mich ihm, und sagte: sieh' Vater, der kleine Hund tanzt; da stieß er mich mit dem Fuße, daß der Hund schrie, und ging zur Thüre hinaus. –

Das andere mal, daß ich mir ihn ganz vorstellen kann, ist das letzte mal, er saß auch hier und hatte mich auf dem Schooße; er war still, und ich las in einem Buche; meine Mutter saß dort auf dem Stuhle am Bette, und zog lederne Beinkleider an – sie wollte spazieren reiten, – er sah dann und wann traurig nach ihr hin, und da sie es bemerkte, hielt sie ein, und sagte fragend, – eh bien? –

Ich freue mich über Ihre schönen Beine, Madam. – Das ist sehr freundlich und gut gemeint, sagte sie. –

Alle Bauern und Bürger freuen sich auch drüber, fuhr mein Vater fort, – das ist ein Beweis von Sinn, erwiederte die Mutter – und der Säkler von Mainz, versetzte der Vater, hat auch Sinn, denn er erzählt allen Domherren von Ihren Beinen, und das ganze Rheingau hat Sinn, denn jeder sechzehnjährige Bursche, der Sie reiten sieht, sagt: ich will ein Säkler, ein Hosenschneider werden, wenn die Gräfin sich neue Beinkleider machen läßt. –

Ja, sagte sie, das ganze Rheingau hat Sinn; aber Sie sind ein Sonderling, und streben nach dem Gegentheil, da knallte sie mit der Peitsche, stellte sich vor den Spiegel, kam zu meinem Vater, und sagte, indem sie ihm die Wange hinbot, embrassez votre petit Cavalier – adieu, und war zur Thüre hinaus. –

Mein Vater schwieg still, ich knöpfte ihm die Weste auf und zu, – Vater, sagte ich, warum hast du denn eine so weite Weste an? – Mein Kind, sagte er, das kommt von Kummer und Sorgen, die Eltern haben immer viel zu sorgen – und davon wird man mager, und die Kleider werden zu weit; – ich sagte – wenn ich nähen kann, will ich dir eine Falte hinein legen, – da ritt meine Mutter lustig zum Thore hinaus und der Jokei mit ihr. – Sieh, was deine Mutter lustig reitet, sagte mein Vater, – da setzte meine Mutter mit dem Pferde über den Schlagbaum, und Friedrich hinter drein, und fort waren sie um die Bäume herum, – die wird so lange über die Schranken setzen, sagte mein Vater, – bis sie den Hals zerbricht, – und ging weg. –

Das sind lauter traurige Sachen, meine Liebe – sagte Godwi – aber erzählen Sie fort.

Mein Vater starb bald darauf, – und die Mutter war nicht sehr traurig. – Friedrich lebte auch nicht mehr lang, er war immer nach meines Vaters Tode um die Mutter herum gewesen. – Da er krank war, kam die Mutter nicht von seinem Bette, und da er todt war, mußte ich einen Kranz von Rosen flechten, den setzte sie ihm auf; – er ist in unserm Garten begraben, und über dem Grabe ist ein Gartenhäuschen erbaut, in dem die Mutter oft von fremden Herrn besucht wird. – Das Leben geht nun immer so fort, ich habe wenig Freude, auch lerne ich nicht viel: für mich allein, wenn ich sehr traurig bin, schreibe ich manchmal meine Gedanken auf und zerreiß es dann wieder. Meine kleine Schwester heißt Flametta. Man sagt, sie sey Friedrichs Kind, und meine Mutter liebt sie sehr. – Ich bin immer allein, und denke über meine Mutter und mich. –

Was denken Sie denn von Ihrer Mutter und von sich?

Von meiner Mutter? warum niemand mit ihr umgeht, warum die Leute sagen, sie habe keinen guten Ruf, warum ich gar keine Mädchen sehe, – und von mir, ach! da denke ich immer in die Zukunft, und muß manchmal ausrufen, es wird kein gut Ende nehmen! Und dann weine ich. – Sagen Sie mir, was ist das nur? –

Hier nahm sie Godwi bey der Hand, trat mit ihr ans Fenster: er hatte sie umschlungen, und ihre Wange lehnte an der seinigen, es war ihm sehr wohl, und sehr bang. –

Der Mond stand über der ruhigen Gegend, und wußte nichts von des Kindes Schmerz, und seiner Rührung, – da sang Violette mit ihrer freundlichen Stimme folgende Verse eines katholischen Liedes.

                  Was heut noch grün und frisch da steht,
    Wird morgen schon hinweg gemäht,
    Die edlen Narcissen,
    Die Zierden der Wiesen,
    Die schön Hiazinthen,
    Die türkischen Binden.
Hüte dich schöns Blümelein!
    Viel hundert tausend ungezählt,
    Was nur unter die Sichel fällt,
    Ihr Rosen, ihr Lilien!
    Euch wird man austilgen,
    Auch die Kaiser-Kronen
    Wird man nicht verschonen,
Hüte dich schöns Blümelein! –
    Das himmelfarbne Ehrenpreis,
    Die Tulipane gelb und weiß,
    Die silbernen Glocken,
    Die goldnen Flocken,
    Sinkt alles zur Erden,
    Was wird daraus werden?
Hüte dich schöns Blümelein!
    Ihr hübsch Lavendel, Roßmarin,
    Ihr vielfarbige Röselin,
    Ihr stolze Schwerdlilgen,
    Ihr krause Basilgen
    Ihr zarte Violen,
    Euch wird man bald holen. –
Hüte dich schöns Blümelein! –

Godwi hatte dem kindischen Todtenliede schweigend zugehört – – das ist ein trauriges Lied, Violette, sagte er. –

Traurig? es ist ja ein Erndte-Lied – ich kann auch ein Lied vom Säemann, das fängt an –

Es ist ein Sämann, der heißt Liebe –.

Godwi küßte das Mädchen, sie erwiederte es freundlich, aber es war kein Kuß, der sich getreu blieb, er verweilte so lange, daß die Gemüther sich wechselten, da klingelte es –.

Ich muß nun fort, Lieber, sagte Violette, die Mutter klingelt, ich gehe jetzt schlafen, – ich werde von Ihnen träumen.

Godwi führte sie an die Thür, und sie umarmten sich innig. –

Aber die Thür ging auf und die Mutter trat herein. –

Die Thür ging auf, der Arzt trat herein. Ich soll mich ruhiger halten, nicht so viel schreiben, sonst sey seine Mühe umsonst, – grade das Gegentheil, wenn ich gar nicht schreibe, wird seine Mühe umsonst seyn, denn ich werde ihn nicht bezahlen können. –

Es kränkt mich sehr, daß wegen meiner Krankheit Flametten ihre Komödie verdorben ist, sie ist schon zweimal bey mir gewesen – um zu sehen, ob ich bald gesund sey – und um mich zu erlustigen, sagte sie mir Stücke aus ihrer Rolle her. – Das Spiel heißt Vertumnus und Pomona, und die Erfindung ist recht artig, – Flametta gefällt sich sehr als spröde Pomona. – Um ihren Garten, der mit hohen Zäunen umgeben ist, liegen zweihundert Zwerge, zwölf Riesen, fünf und dreißig Satyren, zwei Dutzend Faunen, dann noch Pan und Priap und Hanswurst. Alle diese zusammen halten ein großes Geschrei, machen ihr die Kur, und werben um sie, oder prügeln sich unter einander, Hanswurst ist des Vertumnus Nebenbuhler, beide können sich verwandeln, und können allein in den Garten kommen.

Das Theater, sagte Flametta, wird mein Garten seyn, der ringsum mit hohen Hecken umgeben ist, und ich habe immer alle Hände voll zu thun, die Freier abzuwehren; bald stehe ich mit einem Aepfelhaken da, und schneide den Riesen die Nase ab, wenn sie herüber gucken, und wenn die Zwerge unten durch kriechen, treten sie in Fuchsfallen, da nehme ich sie dann, stecke sie in die Erde, inoculire ihnen Aepfel und Birnen, und sie wachsen wie Zwergobst. –

Sehn Sie, sagte Flametta, so lautet meine erste Scene. –

Und was ich treibe, was ich thue,
Ich komm' doch nimmermehr zur Ruhe,
Meine Schönheit ist so weit bekannt,
Daß die ganze Welt in mich entbrannt.
Aus dem Thale und über die Berge,
Kommen Riesen, Satyren und Zwerge,
Viele hundert Waldteufel und Faunen –
Es ist ordentlich zu erstaunen,
Wo sich die Leute her beschreiben,
Zu Haus können sie sich doch nicht gleich auftreiben.
Ich kann kaum den Himmel mehr sehn,
So muß ich täglich den Zaun erhöhn –
Daß mich die plumpen Riesen
Nicht gar zu Tode niesen,
Wenn sie mit ihren großen Perucken
Ueber den Zaun herüber gucken. –
An der Thüre ist ein ewiges Klopfen,
Und ich kann nicht genug Löcher zustopfen,
Daß nicht die Zwerge herein schlüpfen,
Die draus wie Frösche herum hüpfen. –
Von den vielen Seufzern wird die Luft verderben,
Und meine Bäume wollen schon absterben;
Ich mag noch so viel faule Aepfel hinaus schleudern,
Das hilft nichts bey den mancherlei Bärnhäutern.

Das hatte sie recht lustig declamirt, und ihr lautes Sprechen hatte einige von den Mennoniten ans Fenster gelockt.

Sie sehen, sagte sie, da sind die bärtigen Waldmänner wieder, da warf sie einige Aepfel auf die Zuschauer, und lief mit den Worten fort:

Nun werden Sie nur gesund, – ich halte es nicht länger bey kranken Leuten aus.

Godwi besuchte mich heute Abend, er hatte selbst weiter geschrieben, und las mir vor, wie folgt. –

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