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Clemens Brentano: Godwi - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
booktitleGodwi
authorClemens Brentano
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009394-5
titleGodwi
pages3-15
created19990905
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1801
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Jost von Eichenwehen
an seine Schwester Joduno.

Der Papa, liebe Klaudia, hat viel zu viele Geschäfte, darum hat er mir befohlen, zu schreiben, und siehst du, unter uns gesagt, es wäre auch ohne Geschäfte nicht so recht seine Sache mit dem Schreiben.

Man kann es ihm auch nicht verüblen, denn zu seiner Zeit gieng's noch nicht so rasch mit der Kultur und der Aufklärung, wie es jetzt geht; da denn der Sohn den Vater immer überschreiten muß. Es geht dir auch jetzt so höllisch geschwind, daß man ordentlich recht auf seiner Hut seyn muß, um seinen Vormann nicht übern Haufen zu werfen. Mir brummt der Kopf vor lauter Bildung, und wenn ich mich nicht fast allein auf die Taktik und Heraldik legte, so würde ich sicher vor Eilen in der Aufklärung den Athem verlieren.

Mit dem vierten Band vom Acacienbaum bin ich kaum fertig, und habe noch viel von der Pockennoth, und besonders vom Runkelrüben-Zucker vor mir. Ich möchte des Teufels werden, wenn ich denke, daß unsre Kühe so viel Zucker gefressen haben, den wir hätten zu unserm Kaffee brauchen können, und so viele Blattern gehabt haben, die wir hätten den Menschen inokuliren können. So geht es aber, wenn man in seiner Kindheit fortlebt. Wenn ich nur wieder zurückkomme, da soll eine ganz andere Bildung losgehen.

Das Leben in der Residenz ist freilich ein ganz andres Savoir vivre, da herrscht dir ein Ton, der sich darf hören lassen, und du mußt mir's verzeihen, wenn ich manchmal in diesem Brief hie und da so etwas durchblitzen lasse, das dir Kopfbrechens kostet; aber wenn man einmal in dem Strom der Aufklärung drinne sitzt, so muß man immer weiter mit fort, und ich möchte mir noch so viel ennui geben, ich kann mich nimmer auf meinen alten Stil und Schreibart besinnen.

Ich habe aber auch die Ohren gespitzt, um alles recht zu erwischen, gieb Achtung.

Morgens um – – 10 Uhr stehen wir auf, dann wirft man sich in eine Negligence, und hat, man sagt aber nur so, nicht gut geschlafen. Dann geht man in der Stube auf und ab, bis der Friseur kömmt. Da geht es dann gleich mit der Bildung an, die schönen Wissenschaften nehmlich, und zwar das Theater. Der Friseur macht alle Perücken für die Schauspieler, und wickelt einen mit lauter Komödienzetteln auf. Gestern hat er mich mit lauter Familienstücken gebrennt, und itzt habe ich den Gustav Wasa und Bayart von Kotzebue hinter den Ohren.

Der Friseur sagt einem auch, was am stärksten gelesen wird, denn er sieht das immer, wenn er die Leute frisirt, wo er recht schöne Stellen den Leuten über die Schulter weg aus dem Buche liest, und auswendig lernt. So hat er mir auch gesagt, daß im Wallenstein recht schöne Stellen wären. So komme ich denn so nebenbei zu den schönen Wissenschaften. Aber ich lese, wenn er mich frisirt, gewiß so kein Buch mit schönen Stellen, weil ich bemerkt habe, daß einen der Mensch dann rauft, und manchmal gar über den schönen Stellen dieser großen Köpfe an meinem kleinen eine Stelle sehr häßlich macht.

Im Anfange wollte mir das lange Liegenbleiben des Morgens gar nicht recht von statten gehen; ich hatte schon eine halbe Stunde lang die indianischen Blumen auf meiner Bettdecke betrachtet, und alle die seltsamen Figuren auf der Tapete, als ich es nicht mehr aushalten konnte. Ich machte mich also auf, und wollte mir die Stadt ein bischen besehn. Die Hunde nahm ich mit, und nun gieng es hinaus.

Keine Menschenseele war zu sehen, nur einigemal kam eine Hetze Soldaten, guckten mich an, oder fragten mich aus. Auch bin ich in zwei große Verlegenheiten gekommen. Du kennst meine Wißbegierde zu der Taktik, ich stellte mich also an ein Schilderhaus und erzählte einem schönen großen Grenadier, der drinne stand, daß ich hier sey, um auch Soldat zu werden, und noch vieles dergleichen. Der Kerl antwortete nicht, und da er, als ich ihm einen guten Morgen bot, mit dem Kopfe nickte, so glaubte ich, daß er auf seinem Posten nicht sprechen dürfe, und erzählte ihm immer wacker zu. Er stand im Häuschen drinne, und ich hatte mich auch so halb hineingedrückt, weil es frisch war in der Morgenluft. Gerade in meinem besten Erzählen da ruft es draussen: Rund! ich weiß nicht, was das bedeutet, und ein paar Augenblicke darauf prügelt es derb in das Häuschen herein. Das war dir eine schöne Geschichte, rühren konnte ich mich nicht, und der Soldat war wie verrückt, er wußte gar nicht, wer ich war, und ich hatte ihm doch alles erzählt. Endlich ging es an ein Examiniren, wie ich hierher komme, was ich mit der Schildwache vorhätte. Ich erzählte alles, aber da war der Grenadier so undankbar, und schwur, daß ich ihn mit meinen Diskursen eingeschläfert hätte. Wir konnten gar nicht aus einander kommen, bis ein Brandweinschenke seinen Laden aufmachte, und das Schild, das er eben heraushängen wollte, unter dem Arme haltend, zu uns hintrat. Da nahm das Ding gleich eine andre Wendung; der Unteroffizier schlug vor, die Sache bey dem Manne auszumachen, und die ganze Gesellschaft trank meine Gesundheit bey dem Brandweinschenken. Ich bezahlte die Zeche, und machte die Bemerkung, wie äußerst wohlthätig es im Staate ist, daß der Wehrstand und der Nährstand sich einander unter die Arme greifen.

Die zweite Verlegenheit war den andern Tag auch morgens ganz früh. Der Vater hatte mir Abends im Bette, wo er mir denn immer viele guten Lehren aus seinen Erfahrungen über den Umgang mit Menschen giebt, vieles von Gefahr mit Seelenverkäufern erzählt, die einen in großen Städten wegnehmen, und einen zu Matrosen machen. Das nahm ich mir besonders zu Herzen, denn ihrer Schlingen, eine arme Seele zu fangen, sind unzählige.

Ich ging wieder so früh hinaus, denn ein Mensch, der Soldat werden soll, darf sich von nichts abschrecken lassen. Es war auf dem großen Platz, wo die vielen Bäume stehn, da ging ich auf und ab, und denke dir, was das für ein Wesen mit den Frauenzimmern in dieser Stadt ist, eine ging schon da auf und ab spazieren. Sie mußte wohl melancholisch seyn, denn sie sah gar verwirrt aus, und that mir leid. Endlich kam sie auf mich zu, und sagte gar freundlich, sie wünsche bey mir zu deschöniren, sie sei gar wunderbar gestimmt, und ein wenig hungrig, auch könne ich zu ihr kommen, neben ihr wohne ein Kaffeewirth, da könne ich die Schokolade holen lassen. Ich verwunderte mich ein bischen, und meine Hunde beschniffelten sie. Sie hängte sich mir in den Arm, und sagte, es sey ihr gar heiß auf dem Herzen, deswegen öffnete sie das Halstuch ein wenig; dann sagte sie: »was das doch eine seltsame Krankheit ist, mein Herr, sehn sie, die Hände sind mir eiskalt«; da reichte sie mir die Hand, und drückte mir sie sehr heftig. Ich konnte gar nicht begreifen, was das für Manieren seyen, und fragte sie, wie sie heiße? Ich heiße Aurora, erwiederte sie, und erwarte meine Schwester am Himmel. Ich verstand, daß ihre Schwester gestorben und im Himmel sey, daß sie es gar nicht mehr erwarten könne, zu ihr zu kommen, und darum fing ich an, sie zu trösten. Aber sie guckte mich groß an, und meinte, ihre Schwester werde alle Morgen geboren. Das machte mich nun ganz verwirrt, es ward mir angst und bange, denn die mußte keinen Vater noch Mutter mehr haben, und närrisch obendrein seyn.

Sind Sie denn die ganze Nacht hier so spazieren gegangen, fragte ich. –

Ach nein, sagte sie, ich komme so eben da aus dem großen Hause, da war ich heute Nacht bey Freunden. Gehen Sie doch mit mir, kommen Sie geschwind, ich höre Fußtritte, die Wache – Da nahm das Mädchen plötzlich den Reißaus, und hinter mir kamen Kerls mit langen Stangen, ich lief deswegen auch, so gut ich konnte, denn es waren sicher Matrosenpresser mit Mastbäumen gewesen, und das Mädchen vielleicht gar eine Schlinge von ihnen. Da ich nach Hause kam, lag der Papa noch im Bette, und sagte mir ganz ruhig, es würden wohl ein Fill de Schoa und einige Karson de Poliß gewesen seyn, aber das macht nichts aus, ich weiß ja eben so wenig als vorher, was die im Sinne hatten.

In die Komödie gehen wir alle Tage, und sind lustig oder traurig drinne, wie es seiner Durchlaucht gefällig ist, was man leicht an Dero Schnupftuch oder lautem Lachen merken kann. Manchmal ist man recht in Verlegenheit, wann Ihro Durchlaucht der Fürst lacht, und die Fürstinn weint, was letzthin der Fall war, da muß man sich denn, so gut man kann, herausziehen. Mit der Komödie ging es noch an, aber mit der Oper mag ich nichts mehr zu schaffen haben. Ich werde mein Lebetag nicht vergessen, wie es mir da erging. Der Papa bekam ein Billet gratis vom Hof, und sagte mir, ich möge nur der Schildwache ein paar Groschen geben, die würde mich schon herein wischen lassen; ja mit dem Hereinwischen, da kam dir ohne Billet keine Katze herein.

Der ersten Wache vorn auf dem Platze gab ich zwei Groschen, denn der Kerl hatte doch Ehre im Leibe und begehrte nichts; dem an der ersten Thüre gab ich wieder etwas oder mußte wohl, denn er begehrte recht derb, und je näher ich der Musik kam, je gröber forderten die Kerls. Ich hatte mich schon einmahl mit dem Geben verstiegen, und mußte immer weiter, endlich war die Musik ganz nah, da zeigte mir der letzte ein Treppchen, da sollte ich hinabgehen und mich unten nur immer rechts halten. Aber, ach Gott! was war das ein Elend da unten, es war, als würde hier die ganze Welt erschaffen im Geigen und Donnern und Singen um mich, dabei ganz stichdunkel, alle Augenblicke stieß ich mich an. Neben mir kam einer mit samt einem Stuhle niedergefahren, ich wußte über den unvermutheten Besuch mir gar keinen Rath, und steuerte ruhig vorwärts der Musik nach, bis ich einen matten Schimmer von oben herunter bemerkte. Da griff ich dann nochmals um mich, und ergriff etwas, das sich wie ein paar Beine anfühlte, und bald war ich fest davon überzeugt, denn sie fühlten sich auch so, indem sie mir ein paar Tritte in die Rippen gaben, und eine Stimme, die herunter flüsterte: »verdammte kleine Katze, hat Sie denn nimmer Ruhe, Sie wird machen, daß ich falsch souflire; warte Sie nur, bis der Vorhang fällt, da wollen wir scherzen,« verstand ich auch nicht; doch war er freundlich, langte mit der Hand herunter, und kneipte mir in die Wangen. Ich steuerte endlich weiter und tappte immer mit den Händen voraus, bis ich endlich den Ausweg fand. Ich war wieder auf einem Gange, die Musik ganz nahe, sie spielten einen Marsch; ich mache die letzte Thüre auf, und denke dir, ich stand auf der Straße, der Zapfenstreich zog vorüber, ich hätte fast geglaubt, es wäre im Stücke, und blos so natürlich vorgestellt, wenn nicht die Kutschen vorüber gerasselt wären. Da hatten die Schurken mich unterm Theater weggeschickt, ich biß mir vor Boßheit die Lippen und zog mit den Trommeln durch die Stadt, bey denen geht es doch offenherzig zu.

Du würdest mich gar nicht mehr kennen, wenn du mich sähest, so bin ich dir zugestutzt, ein leibhaftiger Engländer und Franzose habe ich werden müssen, dem Allart und dem Packan wird es heute noch so gehen, denen haue ich heute Schwanz und Ohren ab. Alle dergleichen Thiere werden hier gestutzt, das kömmt vom Kronprinzen, und der hiesige Sterngucker ist schon in einer großen Verlegenheit, wie er den Kometen, der sich jetzt sehen läßt, englisiren soll.

Du hast dem Vater geschrieben, daß du nach F. willst. Ja, das ist nun so eine Sache, die Verführung soll dort groß seyn, ich habe es in der Kasette de Kolong gelesen. Was mich hier oft ärgert, ist, daß fast alles französisch spricht, und man dann kein Pipswörtchen versteht.

Der Vater meint, daß es wohl nichts schaden könne, wenn du nach F. giengst, weil du so allein zu Hause bist und leicht das Heimweh kriegen könntest; aber ich meine, weil es dir nichts nutzt, da der Musje Godwi nicht weit von unserm Schlosse ist, und zu dir schleichen, und dich mir nichts dir nichts verführen könnte. Denn sieh, ein guter Freund von mir hier in der Stadt England, der Kellner, sagt mir, in jetziger Zeit sey jedes Mädchen zu verführen, thäten es die Männer nicht, so thäten es die Bücher. Mit dem Bücherlesen hast du nun schon einen guten Grund gelegt, wenn nun der Fantast dazu käme, der ohnedieß alle Bücher von Anfang bis zu Ende gelesen hat, da könnten wir leicht einen Schandfleck in die Familie kriegen.

Nein! zu Hause kannst du platterdings nicht bleiben, du mußt nach F. – Ich kann dich nicht hinbringen, ich habe viel zu viel zu thun, theils mit meiner Bildung, theils mit dem Militairwesen; dreimahl ist Wachtparade in der Woche, und die übrigen Tage wird geprügelt und Gassen gelaufen, da kann ich gar nicht abkommen. Du kannst nur einen von deiner guten Freundinn Brüdern verschreiben, und ihn dem Amtmann vorstellen, der wird mir schon schreiben, wenn du mit ihm fort bist, was es für ein Mensch war, und ob du mit ihm ohne Gefahr reisen kannst.

Der Godwi ist doch bekannt, wie ein Pudelhund. – Letzthin setzte ich mich zu einer Dame in ihre Loge, und da mir die Komödie Mackbeth nicht gefiel, fing ich mit ihr an zu sprechen; der Teufel weiß, was das für eine Dame war, die mußte auch von einer schönen Bildung seyn, alle die Hexen und Gespenster gefielen ihr, und ich war schon zu Haus darüber hinaus, als ich mit dem Amtmanne das Buch gegen den Aberglauben gelesen hatte. Ich fragte sie, wie sie nur an den Vorurtheilen Freude haben könne? Sie lächelte höhnisch, und sagte, es wären tragische Motive, Gott weiß aber, was das für Dinger seyn sollen; dann sah sie immer wieder nach dem Theater, wo einer den Leuten mit schrecklichem Gebrülle weiß machen wollte, es marschire ein Dolch vor seinen Augen in der Luft.

Als ich ihr den Namen Godwi genannt hatte, ja da war ihr freilich alle das Zeug nicht phantastisch gering, der Name allein war ihr viel toller. Sie ließ gar nicht mehr nach mit Fragen, was ich von ihm wisse; sie sagte auch, er wäre ein sehr reizender Mensch, und da hatte sie freilich sehr recht; denn, bey meiner Ehre, du weißt, alle Menschen sind mir lieb, aber wenn mich je einer reizte, so war es dieser. Da ich ihr anvertraute, daß du in ihn verliebt seyst, ward sie ganz blaß vor Unwillen und ganz still. Siehst du, liebe Klaudia, alle Leute sagen es ja, daß er ein Abentheurer ist, es ist nicht meine Meinung allein. Ich wollte recht gern, daß du einen braven gesunden Mann kriegtest, denn es ist ein altes Sprüchelchen, und ein Sprichwort ein Wahrwort: Was macht die Frauen gesund und aufgeräumt? Alle Jahre ein Kind und eine tüchtige Wirthschaft; dabei bleiben sie gesund und ehrlich.

Es ist kein Einfall von mir, liebe Klaudia, viele brave solide Leute denken so. Du bist schon so mager und sehnsüchtig, um Gotteswillen, laß von diesem Wege ab, sonst bist du ein armes verlornes Kind!

Hier giebt es viele schöne Leute, besonders bey den Soldaten; da sind Kerls bey, wie die Kerzen gerad, und fest wie Brandmauern; auch sind die Straßen sehr hübsch gepflastert, und stehn gewaltig große Häuser in der Stadt, und viele Industrie ist da, das sägt Holz auf den Straßen und klopft Röcke aus, man muß fast die Ohren verstopfen.

Gestern waren wir im großen Irrgarten, wo mir besonders der große Christoffel gefallen hat, der steht auf einem hohen Berge und guckt in die Welt hinein, und aus seinen Augen gucken wieder Leute hinaus, denn sein Kopf ist hohl und seine Augen sind ungeheure Schalusieladen. Er ist von eitel Kupfer, und wenn man lauter Pfennige davon schlüge, könnte fast jeder Bettler einen im Lande bekommen; das will was sagen! Da sind auch viele Statuen, aber sie sind alle in steinerne Betttücher gehüllt, oder unverschämt nackigt, und haben keine Augäpfel, was gegen alle Moralität und Natur ist. Wasser springt von allen Seiten, und man kann gar nicht evitiren, etwas naß zu werden. Tabak darf darinne nicht geraucht werden, auch darf man keine Stecken schneiden.

Der Papa läßt dich grüßen – es trommelt schon, mein Lebetag habe ich keinen so langen Brief gesehen, du kannst daraus abnehmen, wie sehr ich dich liebe, und daß ich es gut meine. Adieu, grüße die alte Margarethe, sage ihr, ich würde ihr etwas mitbringen, und füttre den Staat – der ich verbleibe bis ins Grab dein

Jost von Eichenwehen.

 

Postskriptum.

Es ist hier auch ein großer Lerm, weil der König hierher kömmt. Den ganzen Tag werden die Straßen gefegt und Lampen geschmiedet zur Illumination vom großen Christoffel, es ist ein Gepimper in der Stadt, daß man die Uhren gar nicht hört; wenn ich nur die Post nicht verhöre. So eben werden Vivat von hölzernen Stangen zur Illumination vorbeigetragen und allerlei poetische Sachen in Oel getränkt, was sich sehr vortrefflich ausnehmen wird, wenn man die Lichter dahinter steckt.

Auf die große Rewü freue ich mich recht, die Soldaten bekommen andre Kamaschen dazu, und an jeder Seite einen Knopf weniger, damit die Kamaschen nicht gar zu hoch kommen; auch sollen ihre Röcke verkürzt werden und ihre Gage erhöht. Bey der Rewü da wird dir es einen rechten Staub geben, wenn sie die entsetzlich vielen Beine bewegen, und das geht alles auf einen Wink, Links um! da siehst du zwanzig tausend Haarzöpfe, einen wie den andern – Rechtsum! da siehst du zwanzig tausend Schnurrbärte, das geht Alles, als kehrte sich die Welt um. Ist das nicht schön? und dabei der rasende Lerm mit Trommeln und Pfeifen. Dann die Kavalerie, da ist der Mensch wie das Pferd, und das Pferd wie der Mensch, alles wie es der Herr Kommandant will. Auch werden kleine Attaquen gemacht werden, Einhauen und dergleichen, aber alles zum Vergnügen, denn die Potentaten stehen alle recht bequem zum Zusehen, und wenn ein gemeiner Soldat vor Strapaz umfällt oder überritten wird, so schafft man ihn beiseite, damit es nicht ekelhaft aussieht. Gott sey Dank, liebe Klaudia, daß ich in diesem Säkulo geboren bin, wo solche erhabene Wissenschaften getrieben werden.   Adieu.

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