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Godolphin oder der Schwur

Edward Bulwer-Lytton: Godolphin oder der Schwur - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
booktitleGodolphin oder der Schwur
authorEdward Bulwer-Lytton
year1834
publisherVerlag Jakob Anton Mayer
translatorLouis Lax
addressAachen und Leipzig
titleGodolphin oder der Schwur
submitted20050620
senderniki_nikotini@hotmail.com
created20051104
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Dreizehntes Kapitel.

Ankündigung eines Balles. – Godolphin's Besuch auf Wendover-Castle. – Sein Benehmen und seine Unterhaltung

Lady Erpingham hatte außer ihrer Tochter (Lady Eleonore, welche mit Herrn Clare, einem reichen Grafschafts-Deputirten, verheirathet war) noch einen Sohn.

Der junge Earl war in den letzten zwei Jahren auf Reisen gewesen. Seitdem er seinen Titel geerbt hatte, war er noch nicht in Wendover-Castle gewesen, und Lady Erpingham war nicht wenig erfreut, als sie eines Morgens einen Brief von ihm aus Dover erhielt, in welchem er ihr seinen Besuch ankündigte. Lady Erpingham beschloß, diesem Ereignis zu Ehren, einen großen Ball zu veranstalten. Alle Familien in der Grafschaft, und unter andern auch Herr Godolphin, erhielten Einladungskarten.

Einige Tage darauf wurde, als Lady Erpingham und Konstanze sich eben allein im Saale befanden, Herr Percy Godolphin gemeldet. Konstanze erröthete, als sie aufblickte, und Lady Erpingham war betroffen über den Adel seines Anstandes und die Sicherheit seines Benehmens. Und doch war es wesentlich verschieden von dem, welches sie bis jetzt zu bewundern gewohnt war, von dem, welches die Modeherren jener Zeit sich zu eigen gemacht hatten. Die Ruhe, die Nachlässigkeit, das erkünstelt schmachtende Lächeln, die einfältige, und doch so untadlige Kälte der Englischen Feinheit stand in genauem Widerspruch mit dem Auftreten Godolphin's. Kurz, in allem, was er that und sagte, lag etwas Fremdes, Ungewöhnliches. Im Gespräch war er brüsk und enthusiastisch, und bediente sich der Gesten. Sein Gesicht erhellte sich bei jedem Worte, das ihm in ernstern Diskussionen entfiel. Man fühlte bei ihm, daß man in der Nähe eines Mannes von Genie, eines eigenen, verwöhnten Mannes war, der der Einsamkeit seine Gewohnheiten, der Welt seine Anmuth zu danken hatte.

Man sprach über die Ruinen der Priorei, und Konstanze verhehlte nicht, ihre Bewunderung über diese romantischen und malerischen Anlagen auszudrücken. Ach, sagte er lächelnd, obwohl mit einem leichten Erröthen, in dem Konstanze einen Anflug von Schmerz entdeckte, ich habe gehört, daß Sie meinen Ruinhaufen besucht haben. Mein Vater fand große Freude an dem Interesse, daß er erregte. Wenn ein stolzer Mann nicht auf Reichthum stolz seyn kann, so wird er sogar auf die Zeichen seiner Armuth stolz. So ging es meinem armen Vater. Wäre er reich gewesen, würden die Ruinen nicht stehen geblieben seyn, und er würde das alte Gebäude wieder hergerichtet haben. Weil er aber arm war, that er sich etwas auf ihr Bestehen zu gut, und dichtete jeder Handvoll Moos einen eigenen Werth an. Aber alles Leben ist nur Täuschung: Stolz, Eitelkeit, Pomp ist überall gleich trüglich. Wie der Spanische Hidalgo, setzen wir unsere Brille auf, wenn wir Kirschen essen, damit sie größer scheinen, als sie sind.

Konstanze lächelte, und Lady Erpingham, die mehr Güte, als Delikatesse besaß, fuhr fort, die Priorei und ihre Umgegend anzupreisen.

– Der alte Park, sagte sie, mit seinen Blumen und seinem Wasser, ist so schön, Es fehlen nur einige wenige Hirsche, die gerade zahm genug, den Ruinen nahe zu kommen, und doch wild genug sind, bei unserer Annäherung aufzuschrecken.

– Da nehmen Sie schon den Reichthum in Anspruch, sagte Godolphin, der, gegen die Gewohnheit der Engländer, gern von seiner Anmuth zu sprechen schien, es ziemt sich nicht für den Eigenthümer der verwüsteten Priorei, an die aristokratischen Auflagen jenes kostspieligen Luxus, der Sucht nach dem Pitoresken zu denken. Ach, ich habe nicht genug, ein Paar versprengte Rebhühner zu füttern, und ich höre, daß, wenn ich über den grünen Platz, der einst ein Park war, hinausgehe, man mich zurückweisen, und mir die Erlaubnis streitig machen würde.

– Schießen Sie gern? fragte Lady Erpingham.

– Ich glaube, ich würde Geschmack daran finden; doch habe ich in England nie gejagt.

– O, so bitte ich Sie, sagte Lady Erpingham herzlich, bringen Sie die erste Woche des Septembers bei uns zu. Lassen Sie sehen: der erste des Monats ist am nächsten Donnerstag; speisen Sie am Mittwoch mit uns. Wir haben, durch Roberts Betrieb, Förster und Hunde genug hier, so daß Sie nur Ihre Flinte mitzubringen brauchen.

– Sie sind sehr gütig, meine theure Lady Erpingham, sagte Godolphin mit Wärme; ich nehme Ihre Einladung unbedenklich an.

– Ihr Vater war ein sehr alter Freund von mir, sagte die Lady seufzend.

– Er war ein alter Bewunderer, antwortete der Gentleman mit einer Verbeugung.

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