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Gockel, Hinkel und Gackeleia

Clemens Brentano: Gockel, Hinkel und Gackeleia - Kapitel 42
Quellenangabe
typefairy
booktitleGockel, Hinkel und Gackeleia
authorClemens Brentano
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-026431-3
titleGockel, Hinkel und Gackeleia
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1838
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Abend des Johannistag. – Ich zog mit den Ordensgespielen hinaus zur Bleiche, jede führte eine Schaar Kinder, welche alle Reiser- oder Schilfbündlein trugen, jeder Schaar ward ein Blumenkranz vorgetragen. – Während ich bei den drei Fräulein in meinem Zelte war, das sie mir ganz mit Blumenkränzen bedeckt hatten, legten meine Gespielen die Reiser- und Schilfbündel zu den Johannisfeuern zusammen. Das erste, mir zu Ehren, ordneten sie vor Johannis Kapelle, welche am höchsten liegt. Jede der acht Schaaren opferte ihre besten Reiser dazu, und Klareta hatte den schönen Blumenkranz geflochten, der darüber zwischen zwei Birkenstämmchen aufgehängt ward. Dann baute jede Schaar der Anhöhe entlang ihren Schilfhaufen auf und hängte ihren Blumenkranz darüber, so daß am Waldrand um die Bleiche her neun Haufen errichtet waren. – Alle Jungfrauen und Jünglinge der Stadt zogen in ihrem schönsten Putze in Chören singend heran. – Aus dem Walde kam nun auch die Kinderschaar mit dem Johannisengel singend zur Kapelle gezogen; die Sonne sank, noch brannte kein Licht, außer die Lampe in der Kapelle. Der Johannisengel ward wieder wie am Morgen in den Blumenkranz mit seinem Lamm gesetzt, und seine rosigte Mutter Elisabeth kniete hinter ihm. Es sah gar lieblich aus, Alles war still und dunkel umher, nur Immel und seine Mutter schimmerten, denn beiden hatte man so viele leuchtende Johanniswürmchen in ihre Blumenkronen befestigt, als man nur finden konnte. – Jakob von Guise sprach noch eine kleine Ermahnung über das heutige Fest und den Gebrauch dieser Feuer. – Er sprach: »bei diesen Feuern sollet ihr gedenken, daß Johannes nicht das Licht war, das in die Finsterniß leuchtete, sondern daß er Zeugniß davon gab, damit alle Menschen an das Licht glaubten; – ihr sollet denken bei diesen Feuern, daß Johannes gesprochen: »ich taufe euch mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kömmt, wird euch mit dem heiligen Geiste und mit Feuer taufen!« und wenn ihr durch das Feuer springet sollet ihr gedenken, daß wir alle durch das Feuer der Läuterung gehen müssen; – wohlan so erwäget die Worte der ewigen Wahrheit: »Johannes war eine brennende Leuchte, ihr aber wollet eine kleine Weile in seinem Lichte fröhlich seyn!« – Nach diesen Worten segnete Jakob von Guise eine Kerze, zündete sie an der Lampe an und überreichte sie der Mutter des Johannisengels; diese gab sie dem Knaben hin und führte ihn zu den Reisern, die er mit der Fackel entzündete. Hoch auf prasselte die Gluth, wir ringten und reihten umher und sangen:

»Feuerrothe Röselein,
Aus der Erde springt der Wein,
Aus dem Blute dringt der Schein,
Roth schwang ich mein Fähnelein!«

O! die schimmernden fröhlichen Kinder und Jungfrauen in ihrem Schmuck und der Blumenkranz über ihnen von der Flamme unter dem Sternhimmel beleuchtet! – Die rosigte Mutter mußte den Johannisengel fest auf den Arm nehmen, er zappelte mit Händen und Füßen und wollte mit aller Gewalt durch das Feuer springen. Wer kann sagen, wie hinreißend ihr blühendes Antlitz neben dem freudigen Engelskopf Immels im Lichte des Feuers glühte, es war als ringe eine Rose mit einem Schmetterling, der sie fortreißen will in die Gluth. – Da eilte sie fort mit ihm zu dem zweiten Feuer, daß er es entzünde, dann zum dritten und bis zum neunten, wo schon sein Wägelein harrte, in dem man ihn müde und entschlummernd in die Stadt zurückführte. – Wie aber erging es mir? – Von allen vier Winden her lockten die Schallmeien der Hirten und der Gesang: »Feuerrothe Röselein,« wo ich hinblickte, loderte ein Feuer auf, überall war ich hingerissen; es war, als sey ich ein ausgerüstetes Schiff mit allen Segeln dem Winde Preis gegeben, alle ernsten Erfahrungen der letzten Tage lagen zwar, wie ein schwerer Ballast in mir, und wie kräftige Anker waren sie ausgeworfen nach allen Seiten, – aber die Taue waren zu schwach oder zu kurz, sie reichten nicht zum festen Ankergrund; die Töne und Chöre hoben und wiegten mich mit stets höher schwellenden Wogen, die rings um bis zum fernsten Hintergrund sich mehrenden Feuer, von hüpfenden Schatten umkreist, lockten mich, alle Winde füllten meine Segel und rissen mich dem schimmernden Ziele entgegen. – Ja ich armes Kind von Hennegau war gleich einem Schmetterling, dem das Feuer als ein offnes Thor, zu dem Garten aller leuchtenden Lust aus der traurigen Nacht führend, erscheint, und der sich hineinstürzt; – öffentlich schäme ich mich darüber und ganz heimlich freue ich mich, daß es alle gesehen haben, wie mich die allgemeine Freude überwältigte, wie der Sturm einen Vogel fortreißt. »Feuerrothe Röselein« lockten alle Chöre und antwortete meine Seele. – Mir blieb die Zeit nicht zu fragen: »was sagt das fromme Hühnlein dazu, oder was macht das Büblein?« – Auf die Frage aber, was that das arme Kind von Hennegau? antworte ich: »es kreuzte die Hände ehrerbietig auf die Schulterbänder, als bitte es um deren Schutz,« es rief. »feuerrothe Röselein!« und sprang freudig die Erste durch das Feuer, und riß wie üblich im Sprunge eins der Röslein ab, welche an rothen Wollfäden von dem großen grünen Kranze über jedem der Feuer niederhiengen; – drüben flog ich einer Jungfrau in die Arme, ich wußte nicht welcher, so schnell riß ich mich los und sprang durch das zweite Feuer, und wieder fingen mich schützende Arme auf, und wieder entriß ich mich ihnen und sprang über das dritte, vierte, fünfte, sechste, siebente und achte Feuer, und an jedem riß ich ein Röslein vom Kranze, und alle andern sprangen mir nach. – Hier aber ruhte ich wieder an einem sorgenden Herzen. Es war Klareta, die mir immer vorgeeilt war und mich aufgefangen hatte. Jetzt aber ließ sie mich nicht so schnell entwischen. Sie trocknete mir den Schweiß von der Stirne, hüllte mich in ihren Mantel und sprach: »Amey, komme zu Athem, welcher Eifer ergriff dich? o lasse es gut seyn – sich dort ist das neunte Feuer! und alle deine Jungfrauen sind zurückgekehrt; denn es ist ein allgemein bekannter Aberglaube unter dem Volke, ein Mägdlein, das über neun Johannisfeuer springe, werde in diesem Jahre noch heurathen.« – Ich dankte Klareta herzlich, daß sie mich zurückgehalten, denn sonst wäre ich schon über diesem neunten Feuer drüben gewesen, und was hätten dann die Leute von mir gedacht? denn keine Jungfrau, welche über die acht frühern Feuer gesprungen, sprang über dieses, um nicht der lärmenden Neckerei ausgesetzt zu seyn. Mich verdroß der Aberglaube, ich war so schön im Zuge, ich wäre gern nochmals gesprungen; ich sprach zu Klareta: »komm führe mich in mein Bleichzelt, sonst stehe ich dir für Nichts gut, denn mir ist, als stecke mir noch ein Sprung in den Füßen.« Wir mußten aber, um dem neunten Feuer auszuweichen, das am Ende eines Hohlwegs brannte, eine Strecke zurückgehen; sieh, da kam uns Gluth und Jauchzen entgegen; in schnellem Lauf trieben die jüngern Bursche ein mit Stroh und Reisern umwickeltes, großes, brennendes Rad in den Hohlweg auf das Feuer los; vor dem Rade her floh eine Schaar von muthwilligen Mägdlein, welche sie neckend gegen das neunte Feuer hintreiben wollten. Es war kein Ausweg für mich zwischen dem Rad und dem Feuer; Klareta warf sich in einen Busch, mich trieb die Schaar der Mägdlein vor sich her. Ich war früher am Ziel und im schnellen Sprunge über die Flamme hinaus, und hatte nun auch das neunte Röslein erobert und in meinem geschürzten Vortuche bewahrt. – Man erkannte mich nicht in Klaretas Mantel. – Ich eilte aus dem Getümmel und traf bald mit meinen Gespielen zusammen, welche singend mit ihren Kinderschaaren zur Stadt zurückzogen und mich an meinem Schlafzelt auf der Bleiche verließen. – Die Schwestern Klaretas, welche auf der Bleiche wachend zurückgeblieben waren, boten mir vor meinem Zelt gute Nacht, küßten mir die Hände und verließen mich. – In dem Zelt fand ich Klareta. Sie saß dicht neben dem Eingang an der Erde. Ich sah sie, wendete mich aber nicht zu ihr; von Thau benetzt, legte ich Klaretas Mantel ab und andere Schuhe an und stand einige Augenblicke stumm vor dem kleinen Tisch, auf welchem meine Leuchte vor einem schönen Johannisblumentopf brannte und eine Schüssel mit Brod und Früchten aufgetragen war. Klareta hatte für Alles gesorgt. Wie ich so stand, umfaßte sie meine Füße und sagte: »Gott sey Dank, daß du da bist ohne Unfall!« nun nahm sie die neun Röslein aus meiner Schürze und legte sie auf einen Teller; »sie sind gesegnet,« sprach sie, »die Mägdlein und Frauen tragen sie an den rothen Wollfäden am Halse, das deutet auf das Blut Johannis bei seiner Enthauptung. Sie tragen sie in frommer Hoffnung, Gott möge sie durch die Fürbitte des heiligen Täufers vor dem Veitstanz und allen Nervenübeln bewahren.« – Ich schenkte die neun Röslein der Klareta, weil ich, Gott sey Dank, nie eine Spur solcher Krankheiten gehabt; sie dankte herzlich. – Ich war gar einsilbig, ich war ermüdet und trotz meiner heftigen Theilnahme an der Johannislust innerlich schwer und traurig. Noch immer bewegte mein Herz der Festjubel durch Musik, Gesang, Jauchzen und Feuer, die in mein Zelt hereinklangen und schimmerten, und doch trauerte ich und konnte nicht deutlich sagen um was. – Es ist ein Hang nach Unabhängigkeit in mir, der mich verschließt, wenn er gefesselt ist. – Es war so viel Außerordentliches über mich gekommen, daß ich alle Aeußerung unterdrückte aus Furcht, irgend eine Gewalt über meine Seele zu zugestehen. – »Soll ich das Nachtgebet mit dir beten?« fragte Klareta. – »Ich will allein beten,« antwortete ich und stand auf; da verließ sie das Zelt. Ich betete vor meinem Lager knieend und sie draus unter dem Sternhimmel. – Als sie durch meine Bewegung vernahm, daß ich geendet, fragte sie um die Erlaubniß, zu mir zu kommen. Ich gestattete es. Sie brachte ein Gefäß mit lauwarmem Wasser und setzte es zu meinen Füßen vor mein Lager, auf dem ich saß. Stillschweigend ließ ich mir die Haare von ihr flechten, ich war in einem dumpfen Hinbrüten, das nur dann und wann das ferne Singen: »feuerrothe Röselein« unterbrach. Klareta wusch mir die Füße, ich bedurfte es, sie hatte es gefühlt, ich nicht begehrt. Als sie aber ihre langen Haare auflößte, um mir die Füße damit zu trocknen, weigerte ich mich des Dienstes; sie aber flehte: »o lasse es geschehen, diese Haare haben mir bis jetzt nur zur Eitelkeit gedient, o lasse mich einen Dienst der dankbaren Liebe mit ihnen verrichten, damit sie doch ein Verdienst haben, wenn sie mir nun bald abgeschnitten werden!« – ich fügte mich ihrem Willen, aber ich war doch hart gegen sie, indem ich ihre Hoffnung zum Kloster gar nicht zu kennen schien und zu ihr sprach: »du wirst doch deine schönen Haare nicht abschneiden lassen?« – das that ihr weh, ich fühlte ihre Thränen auf meine Füße rinnen. Da sprach ich: »ich muß mir selbst helfen, sonst erneust du das Fußbad;« da faßte ich ihre Haare und trocknete meine Füße. – Ich weiß nicht welches Gefühl mich erschütterte, als ich ihre Haare faßte. Ich hatte sie unaussprechlich lieb – das heißt, ich hätte diese Neigung getödtet, wenn ich sie ausgesprochen. – »Gieße das Wasser hinaus,« sprach ich, »damit die Gräslein und die Gänseblümchen auch etwas von dem Feste haben, es war so heiß heute, sie sänftigen ja alle unsre Schritte mit solcher Liebe, wir nehmen es an, als verdienten wir es, und treten sie mit Füßen, als verdienten sie das; so muß man nicht seyn.« – Da ich nun hörte, daß sie das Wasser ausgoß, sprach ich vernehmlich: »ach, wie das erquicket! Klareta gieb mir auch zu trinken.« – Sie reichte mir ein Glas frisches Wasser und hielt mir es erst durch eine Oeffnung des Zeltes gegen den Sternhimmel, damit ich seine Klarheit sehe. – »Das ist klar wie Klareta,« sagte ich und trank und gab ihr den Rest und hatte das Gefühl, gar liebreich gewesen zu seyn, schämte mich auch gar nicht, sondern lächelte, wie sehr ich die Tugend gegen die Gänseblümchen empfahl, die ich gegen Klareta vernachläßigte. Ich streckte mich dann zum Schlafen aus, und da Klareta sich schweigend zu meinen Füßen legte, merkte ich es wohl, that aber nicht dergleichen. Ich träumte denselben Traum wie gestern, nur durch die vielen Eindrücke des Abends und mein Wissen von der Bedeutung der Kleinodien noch lebhafter und banger. Auch Klareta träumte Dasselbe zugleich und weckte mich abermals mit ängstlicher Theilnahme. Wie gestern erzählte sie mir weit mehr aus meinem Traume, als ich ihr mitgetheilt hatte. Zum Beispiel sagte sie mir heute: »die Löwen wollten dich hinausführen auf die Heide, auf das Moos, da solltest du die Kibitze hüten, aber des Hahnen Schrei hat die Löwen verscheucht, und Verena ist mit dem frommen Hühnlein gekommen; denn nicht die Kibitzen sollst du hüten in der Wüste, nein, einen ganzen Hof schöner bunter Hühnchen, – nein, viele liebe, lustige, reine Lämmer, nein, viele fromme, freudige Kinder – und Friede wird wohnen auf deinen Schultern, und Salomonis Ring wird dir erfüllen alle deine Wünsche; aber stifte uns ein Kloster Lilienthal, daß wir für dich beten, denn es ist Gefahr auf deinen Wegen.« – Bei diesen Worten umfaßte sie wieder meine Füße und schien sehr bewegt; ich aber sagte zu ihr: »Klareta, sey nicht so ungestüm, das macht mich ganz krank; durch neun Feuer bin ich gesprungen, und doch bin ich viel kälter als du, die mich nach acht Feuern in den Armen auffing. Es ist in diesen Tagen so Vieles über mich gekommen, auch ist mir so traurig und schwer, als solle ich bald von Allem scheiden, was mir lieb und theuer ist. Als ich so durch die neun Feuer springen mußte, war es mir, als sollte ich Alles in mir verbrennen, was mich noch feßle. – Ich habe den Orden der freudig frommen Kinder gestiftet; daß ich fromm sey, gebe Gott! aber freudig bin ich nicht mehr; o Klareta! ich will ja das Kloster Lilienthal stiften, aber du siehst doch wohl selbst ein, daß das tägliche Thun auch sein Recht hat und ein reiner Boden nöthig ist, um eine wichtige Sache würdig zu beginnen. So wirst du dann auch wohl fühlen, daß ich nothwendig erst meine große Wäsche wieder von der Bleiche in den Schränken haben muß, ehe ich an so etwas mit Ruhe denken kann; hilf mir schön morgen früh, wenn wir fertig, wollen wir sehen, wie es mit dem Kloster wird. Gute Nacht, jetzt bin ich müde!« – Da ging Klareta gegen die Thüre des Zeltes, aber sie kehrte nochmals um, und sagte: »o meine Herrinn! senke doch einschlafend dein Haupt zur rechten Seite, auf daß dir das Kleinod Friede gebe!« – ich nickte und sie schied. ich wollte thun, wie sie gebeten, aber entschlummernd that ich das Gegentheil und erwachte unter Thränen.

St. Eligiustag nach des Täufers Tag. – Heute früh weckten mich meine Gespielen mit liebem Gesang; als ich zum Zelt heraustrat, hing alles mein Geräthe schon auf den Leinen und wehte der aufgehenden Sonne entgegen. – Klareta und die Schwestern hatten nicht geschlafen und Alles so geordnet. Um acht Uhr war Alles in Körben in das Schloß gefahren, und nun strichen, plätteten und falteten wir alle emsig darauf los. Wir waren sechs und dreißig Mägdlein in drei Hallen arbeitend. Es war eine rechte Freude, Alles war schneeweiß und lind. St. Johannis Thau hatte mit vollem Segen gewirkt. Ich habe noch nie eine so gesegnete Wäsche gehabt. Noch vor Abend war Alles aufgeschrieben und in den Schränken. – Nachdem wir ein kleines Mahl eingenommen, führte ich Alle in den Grafensaal, wo Jakob von Guise und mein Kanzler mit der Stiftungsurkunde von Kloster Lilienthal im Ländchen Vadutz, die ich ihnen zu verfassen befohlen hatte, unsrer warteten. Ich begab mich mit den Ordensgespielen in meine Kleiderkammer und legte meinen Grafenmantel an und setzte die Krone auf; dann trat ich von meinen Gespielen begleitet in den Saal und setzte mich auf den Grafenstuhl. Die drei Fräulein zur Lilien knieten vor mir auf dem Teppich. Der Kanzler verlas die Urkunde, in welcher ich den drei Schwestern zur Lilien Felder, Wiesen und Gärten und mancherlei Zehnten anwies, um eine kleine Klostergemeinde zu erhalten; zugleich befahl ich meinem Kanzler, in Vadutz den drei Fräulein ein Kloster mit Kirchlein und Garten und allem nöthigen Zubau in die Nähe der Hütte Jürgos aus meinen Mitteln zu errichten. Dem Kloster legte ich die Pflicht auf, auf meinem Grabe drei weiße Lilien zu erhalten und den Braut- und Leichenzügen jeder meiner weiblichen Nachkommen, welche die Lehnskleinode von Vadutz trage, drei Schwestern des Klosters mit weißen Lilien folgen zu lassen. Die Ordensregel überließ ich ihnen und Jakob von Guise, und stellte sie unter das Kloster Bänderen. Ich empfahl ihnen zur Aufnahme in ihre Regel Gebet und Arbeit, namentlich Erziehung verlassener Mägdlein, weil sie selbst Solche waren, und Erbarmen gegen die nachgelassenen Töchter der Kreuzfahrer. Ihr Hauptgeschäft sollten sie die Weberei zum Kirchenschmuck bei Klareta sein lassen. Auch bestellte ich eine große Tapete, die Geschichte des Kaisers Curio vorstellend und versprach ihr reichlichen Lohn in das Kloster. Nachdem der Kanzler Alles dieses gelesen hatte, reichte er mir die Urkunde, ich siegelte sie mit dem Kleinod der rechten Achselspange und überreichte sie Klareta, die sie küßte und eben so ihre beiden Schwestern; dann nahten sie mir, berührten meine rechte Schulter mit der Stirne, ich umarmte sie und verließ den Saal.

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