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Glockenspiel

Heinrich Seidel: Glockenspiel - Kapitel 43
Quellenangabe
titleGlockenspiel
authorHeinrich Seidel
typepoem
publisherA.G. Liebeskind
addressLeipzig
sendermagnus.mueller@vetmed.uni-giessen.de
firstpub1889
modified20170929
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Frühlingsstille

        Die Abendröthe, sanft entglommen,
Scheint durch der Zweige leichtes Grün.
Noch ist die Stunde nicht gekommen,
Doch ist sie nah: Bald soll es blühn!

Und wie in Ahnung still versunken
Des Glückes, das sich nieder neigt,
Von jungen Säften vollgetrunken,
Ruht alles – knospet nur und schweigt.

Das ist die Stille, draus gewaltig
Der Frühlingsjubel schwellen soll,
Die Fülle ist's, die vielgestaltig
In Blüthen überquellen soll.

Du gehst in stillen Traume versunken,
Du Holde, durch das junge Grün ...
Auch deine Seele hat getrunken
Vom Zaubertrank – bald soll sie blühn!

Noch weisst du kaum, was still und mächtig
Durch deine Seele knospend geht,
Bis dass auch sie einst wunderprächtig
In gluthenvoller Blüthe steht.

 


 

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