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Gutenberg > Heinrich Seidel >

Glockenspiel

Heinrich Seidel: Glockenspiel - Kapitel 119
Quellenangabe
titleGlockenspiel
authorHeinrich Seidel
typepoem
publisherA.G. Liebeskind
addressLeipzig
sendermagnus.mueller@vetmed.uni-giessen.de
firstpub1889
modified20170929
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Naturforscherlied

Mel.: Krambambuli das ist der Titel etc.
Gesungen bei der 44. Wanderversammlung der Naturforscher und Aerzte zu Rostock 1871.

        Die kühnen Forscher sollen leben,
Die spüren und sinniren und studiren Tag und Nacht,
Bis was es giebt und hat gegeben,
Ergriindet und verkündet und ans Licht gebracht
Und ist es noch so tief versteckt,
Es muss hervor, es wird entdeckt!
Und ist es noch so weit und hoch,
Sie kriegen's doch!

Was in des Meeres dämmergrünen Gründen
Mit Kribbeln und mit Krabbeln und mit Kriechen nur sich regt,
Was in der Erde moderigsten Schlünden
Im Dunkel mit Gemunkel für Gewürme sich bewegt,
Man spürt ihm nach, es muss hervor,
Die Wissenschaft nimmt es beim Ohr
Und sperret Alles gross und klein in ihr System hinein!

Es sauset der Komete durch den Aether
Zur Sonne seiner Wonne und verschwindet dann im All.
Gleich wird der Astronome zum Verräther
Mit Spüren, Integriren an dem luft'gen Weltenball
Kommt er nach Jahren dann an's Licht
Und denkt er dann, man kennt ihn nicht:
»Wir kennen dich!« so hört er schrein:
»Kometelein !«

Trichinchen trieb sich froh und munter
Spiralisch, kannibalisch in dem Muskelfleisch herum!
Sie trieb es bunt und trieb es immer bunter
Und brachte so ganz sachte viele Menschenkinder um.
Da nahm die Wissenschaft das Glas
Und sprach: »Haha, das kommt von Das!«
Da hatten sie dich gleich beim Bein,
Trichinelein!

Wo in der Urzeit allerfernstem Dunkel
In Wischwasch und in Mischmasch die Geschichte sich verliert,
Wo in des Chaos wühlendem Gemunkel
Des Laien Auge rath- und that- und pfadlos sich verirrt,
Da zünden sie ein Licht uns an,
Dass man es deutlich schauen kann:
So war es einst, so sah es aus
Im Erdenhaus!

Sie lesen in den Eingeweiden
Der Erde ohn' Beschwerde wie in Urzeit sie es trieb,
Als sie in jenen jugendlichen Zeiten
Mit Lias, Trias, Kreide sich ihr Tagebuch noch schrieb,
Und was sie alles durchgemacht,
Bis sie es dann so weit gebracht,
Dass man gemächlich ohn' Beschwer'
Drauf geht umher.

Wie unter riesenhohen Palmen
Behaglich ging spazieren noch das Mastodon,
Wie's mächtig rauschte in den Schachtelhalmen,
Und noch die Welt nichts wusste von der Kreideformation
Wie all das Vorweltsteufelsvieh
Vergnüglich lebt' und frass und schrie,
Bis dann das Unglück es betroff
Und es ersoff!

Wie dann der biedre Pfahlgenosse
Behaglich in dem Pfahlbau seinen Torfschweinschinken ass
Und lustig lebt in seinem Pfahlbauschlosse,
Bis endlich ihm die Bronzezeit versalzte seinen Spass.
Wie darauf dann das Eisen kam,
Und die Kultur 'nen Fortschritt nahm,
Und wie wir's seit der Affenzeit
Doch brachten weit!

Es lebe die Naturgeschichte!
Es leben, die ihr Leben und Bestreben ihr geweiht,
Die sie entzündet gleich dem Lichte,
Der Wahrheit helle Klarheit zu verkünden weit und breit.
Auf, stosset eure Gläser an!
Und rufet Alle Mann für Mann:
»Es blühe stets in neuer Kraft
Die Wissenschaft!«

 


 

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