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Glockenspiel

Heinrich Seidel: Glockenspiel - Kapitel 103
Quellenangabe
titleGlockenspiel
authorHeinrich Seidel
typepoem
publisherA.G. Liebeskind
addressLeipzig
sendermagnus.mueller@vetmed.uni-giessen.de
firstpub1889
modified20170929
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Die Kohlensäcke

          Wisset nur: Es sind die blanken Sterne
Lauter wunderschöne Golddukaten,
Kronen, halbe Kronen, Doppelkronen,
Goldpistolen, Louisdors, Guineen,
Imperials, Medjidis und Dublonen. –
Lauter liebe, schöne, runde, blanke,
Goldne Münzen strahlen sie allnächtlich
Auf des Himmels ungeheurem Zahltuch
Wie zum Hohne derer, die nichts haben,
Denen es nicht langt zum sauren Schöpplein
Moselweines, die ihr heil'ges Dürsten
Müssen schnöd' in Wasserfluth ertränken,
Oder höchstens doch in schaalem Dünnbier.
Eines möcht' ich und ich wünsch' es oftmals,
Einmal möcht' ich auf der blanken Strasse,
Welche ganz bepflastert ist mit Sternen,
Mir zur Nachtzeit einen Sack voll sammeln.
Ei, das würde schon bis an mein Ende
Für manch' gutes Schöpplein Weines reichen.

Fern im Süden hat vor langen Jahren
Einmal einer sich hinauf geschlichen,
Kohlensäcke nennt man jene düstern
Schwarzen Flecken, wo er alle Sterne
Eifrig weggesammelt bis zum letzten.
Wenn ich nur den Weg zu finden wüsste:
Neue Kohlensäcke wollt' ich machen
Also mächtig, dass die Astronomen
Sich des Todes drob verwundern sollten.

 


 

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