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Glanz und Untergang der Familie Napoleons

Gertrude Aretz: Glanz und Untergang der Familie Napoleons - Kapitel 10
Quellenangabe
typetractate
authorGertrude Aretz
titleGlanz und Untergang der Familie Napoleons
publisherBernina-Verlag Ges. m. b. H.
year1937
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Nachwort

Der Kampf, den Napoleon mit seiner Familie zu bestehen hatte, ist für ihn oft schwerer gewesen als der gefährlichste Feldzug. Viele falsche Ansichten über das Verhältnis des ersten Kaisers der Franzosen zu den Seinen sind auch heute noch verbreitet. Man hat nicht immer die Handlungen des Staatsmannes von den Eingebungen und Gefühlen des Privatmannes unterschieden. Er selbst war oft in einem Maße schwach gegen die verschiedenen Mitglieder seiner Familie, daß man sich fragt, wie er als sonst weitsichtiger Politiker und genialer Staatenlenker dieser Schwäche nachgeben konnte. Denn gerade diese Schwäche, die er seiner Familie gegenüber bewies, hat nicht zum wenigsten dazu beigetragen, seinen Sturz zu beschleunigen. Anstatt seine Angehörigen ihn in seinen Plänen, seiner Politik unterstützten, anstatt zu versuchen, in sein Wesen einzudringen, haben die meisten Mitglieder der Familie Bonaparte Napoleon mittelbar oder unmittelbar durch ihren Widerspruch, ihre Starrköpfigkeit und Eitelkeit, die bei einigen seiner Brüder und Schwestern vielleicht sogar an Größenwahn grenzte, bekämpft und schließlich teilweise verraten. Jedenfalls hatte er bisweilen mehr zu tun, seine Familie zu regieren als sein ganzes großes Reich.

Er sorgte unentwegt für sie. Er verschaffte seinen Brüdern und Schwestern Throne, Reichtum und Größe, Ansehen und Ruhm. Er beging dabei die ungeheuerlichsten Fehler zu seinem eigenen Schaden. Doch es war seine Familie! Der Korse in ihm wollte, daß diese Familie mit ihm auf gleicher Höhe stünde. Die durch die Bande des Bluts mit ihm Verbundenen konnten oder durften nicht geringer sein als er. Tyrannisch setzte er zwar oft seinen Herrscherwillen auch gegen sie durch. Seine Politik und Staatsklugheit geboten es. Aber aus Familiensinn verschenkte er seine Throne an die zum Teil sehr unfähigen Brüder und Schwäger. Sie dankten es ihm fast alle nicht. Nur wenige der Bonaparte waren sich bewußt, was sie Napoleons Genie, seinem Glück, seiner Fürsorge und Freigebigkeit schuldeten. Jeder von ihnen hielt sich entweder ebenfalls für einen genialen Menschen oder wenigstens für einen geborenen Herrscher.

Keine Familiengeschichte aber ist interessanter und an theatralischen, oft auch tragischen Momenten reicher als jene dieser ehemals armen korsischen Advokatenfamilie, deren Mitglieder mit Ausnahme eines einzigen alle in einem kurzen Zeitraum von 15 Jahren zur höchsten Macht eines regierenden Herrschers gelangten und unermeßlichen Reichtum erwarben, bis der Sturz des gewaltigsten unter ihnen auch ihre Throne und ihren Reichtum unter sich begrub und sie sich als Flüchtlinge über die Reiche verstreuten, die ihnen in Gnaden eine Zuflucht gewährten.

Jeder der Bonaparte hat ein Leben hinter sich, bewegter und abenteuerlicher als das manches Romanhelden. Die Tragik ihres Lebensschicksales ist bei einigen geradezu erschütternd. Alle waren sie Schauspieler oder besser Marionetten, von einem genialen Meister auf die Weltbühne gestellt. Mit geschickter Hand zog er sie am Faden seiner Politik hin und her, bis ihm die Kraft dazu versagte. Als er dieses Spiel nicht mehr führen konnte, war es aus mit den Puppen, aus mit ihrem Glanz, mit ihrem Ruhm. Keiner vermochte sich aus eigener Kraft auf seiner Höhe zu halten. Alle ihre Talente, die sie in so hohem Maße gleich dem genialen Bruder zu besitzen glaubten, fielen in nichts zusammen, sobald er nicht mehr ihr Führer, ihr Meister war. Einer oder der andere trat schon vorher von der Weltbühne ab, weil er nicht imstande war, seine von Napoleon ihm zugedachte Rolle bis zu Ende zu spielen.

Mein Werk enthält die Lebensbeschreibungen der Mutter, der Brüder, der Schwestern, Schwägerinnen und Schwäger Napoleons. Carlo Bonaparte, den Vater, habe ich nicht mit aufgenommen. Er starb, als Napoleon sieben Jahre alt war. Sein Leben und sein Charakter waren von keinerlei Einfluß auf die späteren Geschehnisse. Ebenso sind die beiden Frauen Napoleons, Josephine und Marie Louise, in diesem Buche nicht vertreten, weil sie in meinem Werk »Die Frauen um Napoleon« ausführlich behandelt worden sind. Der Kaiserin Marie-Louise habe ich erst im letzten Jahre eine besondere Biographie gewidmet (Ralph Höger-Verlag, Wien).

Die erste Auflage dieses Werkes erschien im Georg Müller-Verlag, München, in zwei Bänden. Die vorliegende Ausgabe umfaßt beide Bände mit einigen unwesentlichen Kürzungen. Da in deutscher Sprache kein umfassendes Werk über die Familie Napoleons existiert, wird die neue, billige Ausgabe sicher viele Freunde finden.

Für mein Werk habe ich alle Quellen herangezogen. Der wissenschaftlich interessierte Leser findet sie in der bekannten Bibliographie des napoleonischen Zeitalters von F. M. Kircheisen (Berlin, Mittler, ferner Paris, London, Rom), deren gesamtes Material mir für meine Arbeiten zur Verfügung stand, da ich selbst an der Herausgabe dieses für die napoleonische Forschung grundlegenden Werkes mitarbeite. Auch das Manuskript der unveröffentlichten, mehr als 70.000 Titel umfassenden Bibliographie wurde bei der Abfassung des vorliegenden Werkes intensiv herangezogen, so daß man von einer lückenlosen Erfassung der Quellen sprechen kann.

Wenn auch in diesem Band wiederum zahlreiche unbekannte und seltene Bilder gebracht werden konnten, so verdanke ich dies in erster Linie dem Napoleonmuseum in Arenenberg, dessen liebenswürdiger Kustos, Herr Jakob Hugentobler, bereitwillig alles Material zur Verfügung stellte. Bekanntlich war das Schloß Arenenberg im schweizerischen Kanton Thurgau Exil der Königin Hortense und des späteren Kaisers Napoleon III. und besitzt infolgedessen die wertvollsten Schätze aus der napoleonischen Zeit. Herrn Jakob Hugentobler sei an dieser Stelle besonders gedankt. Ebenso reich war die Ausbeute in der Porträtsammlung der Nationalbibliothek, Wien, die zu den bedeutendsten Sammlungen der Welt zählt und dem Forscher immer wieder neues Material bietet. Auch diesem Institut sei für sein Entgegenkommen an dieser Stelle mein besonderer Dank ausgesprochen.

Gertrude Aretz

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