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Giftmischer und andre Detektivgeschichten

Mathias McDonnell Bodkin: Giftmischer und andre Detektivgeschichten - Kapitel 7
Quellenangabe
pfad/bodkin/giftmisc/giftmisc.xml
typenarrative
authorM. Mc Donnell Bodkin
titleGiftmischer und andre Detektivgeschichten
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek
volume21. Jahrgang. Band 4.
year1904
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20100514
projectidc028bda3
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Zwei Könige.

»Noch ein Spiel,« sagte Arthur Darley.

»Lassen Sie es für diese Nacht oder vielmehr für heute morgen gut sein,« erwiderte Lord Claverly freundlich; »das Glück muß auch Zeit haben, sich zu wenden. Nun, wenn Sie darauf bestehen, kann ich es Ihnen nicht abschlagen,« und er teilte die Karten zum Ecarté aus. »Um denselben Einsatz?« fragte er, noch ehe er Trumpf aufdeckte.

»Sagen wir fünfhundert zum Kehraus.«

Der Lord nickte, legte Cœur auf, nahm dann seine Karten zur Hand und sagte den König an.

»Es ist wunderbar,« äußerte ein Herr gegen Sydney Harcourt, der neben ihm am Tisch stand und dem Spiel aufmerksam zusah. Und wunderbar war es auch. Die ganze Nacht hindurch und bis in die frühen Morgenstunden war das Glück Lord Claverly ununterbrochen treu geblieben. Zuerst setzte er sich zu einem Robber Whist und stand mit einem bedeutenden Gewinn in der Tasche auf. Dann spielte man eine Zeitlang Poker. Als aber Lord Claverlys Glück sich so weit verstieg, daß er einen Sequenz in den höchsten Trumpfkarten angeben konnte, wollten die andern nicht mehr mittun. Um dem jungen Arthur Darley für eine ganze Reihe verlorener Schlachten am Kartentisch Revanche zu geben, fing dann der Lord noch nach Mitternacht an, sich im Ecarté mit ihm zu messen. Und noch immer hatte Claverly dasselbe wunderbare Glück. Jedesmal hielt er die Trumpfkarten in der Hand und die Schuldscheine des jungen Darley, die dieser auf die Rückseite eines Kuverts oder das erste beste Stück Papier kritzelte, bildeten schon einen Haufen an seinem Ellbogen.

Der junge Mensch – er war kaum dem Knabenalter entwachsen – verzog keine Miene und trug seine Verluste, wie es einem Mann von Stande ziemt. Das letzte Spiel nahm den gleichen Verlauf wie die übrigen. Darleys Wange war leicht gerötet und in seinen blauen Augen glühte eine fieberhafte Aufregung, doch lächelte er gutmütig, hob ein Zeitungsblatt vom Boden auf, riß ein Stück vom Rand ab, schrieb einen Schuldschein für fünfhundert Pfund, setzte seinen Namenszug darunter und schob Claverly das Papier über den Tisch zu.

»Werden Sie mir morgen Revanche geben, Mylord?« fragte er in heiterem Ton.

»Wenn Sie wollen,« erwiderte Claverly. »Aber ich fürchte, Darley, Sie haben schon jetzt gefunden, daß es ein etwas kostbarer Luxus ist, sich Revanche geben zu lassen.«

Darley hörte aus diesen Worten eine neue Aufforderung heraus. »Ich will noch einmal um tausend Pfund mit Ihnen spielen, Mylord,« sagte er.

Da legte ihm Sydney Harcourt seine Hand beschwichtigend auf die Schulter und flüsterte: »Heute nacht nicht mehr, Arthur; die Milchfrauen sind schon auf der Straße. Ihr beide bringt unsern Klub noch in Verruf; wir sollten alle längst im Bette sein.«

»Wohl wahr, Syd,« versetzte Darley, leicht auflachend. Wer ihn genau beobachtete, hätte aber gesehen, daß seine Lippen bebten. »Also morgen, dann noch auf einen letzten Gang, Mylord!« Claverly nickte, raffte die Schuldscheine im Betrage von fünftausend Pfund Sterling zusammen, zündete sich eine Zigarette an und ging hinaus.

Die Männer, die noch in dem für das Kartenspiel reservierten Zimmer des Reviltonklubs anwesend waren, fühlten sich nach der Aufregung von plötzlicher Müdigkeit befallen. Die späte (oder frühe) Stunde kam ihnen zum Bewußtsein; sie gähnten, reckten sich und starrten mit bleichen, übernächtigen Gesichtern durch den dichten Tabaksqualm. Auch bei dem jungen Darley war nach der starken Nervenerregung ein Rückschlag eingetreten. Er trat ans Büfett, goß sich ein großes Glas Champagner ein und leerte es auf einen Zug. In dem von elektrischen Lampen grell erleuchteten Zimmer tauchten am Fenster aus der grauen Dämmerung schwach glänzende Pünktchen auf. Harcourt drehte das Licht ab und öffnete Fenster und Läden, daß die reine Morgenluft und der erste kalte Tagesschimmer hereinströmten.

Trotz seiner fieberhaften Lustigkeit sah Arthur Darley erschöpft und angegriffen aus; rote Flecken brannten auf seinen Wangen und seine Augen hatten einen unnatürlichen Glanz. Sydney Harcourt beobachtete das alles mit teilnehmender Besorgnis, denn er liebte Darley wie einen jüngeren Bruder. Auf der Marmortreppe und in der Garderobe blieb er ihm zur Seite, und als sie zusammen vor der Klubtür standen und ihre Zigarren anzündeten, faßte Harcourt ihn unter dem Arm. »Wir haben denselben Weg durch den Park,« sagte er. »Laß uns zu Fuß gehen, Arthur; ich möchte gern ein ruhiges Wort mit dir reden.«

Nach etwa hundert Schritten erreichten sie den Sankt Jamespark und gingen eine Weile schweigend nebeneinander her, Harcourt fand es doch schwerer, als er geglaubt hatte, das »Wort« zu sagen. Mitten in der geschäftigsten Stadt der Welt lagerte in stiller Morgenfrühe tiefes Schweigen über dem waldigen Revier. Die Luft war scharf und rein; das lebhafte Grün von Gras und Laub und der Silberglanz des Sees taten den überwachten Augen der Freunde wohl. Außer dem schläfrigen Zirpen der erst halb ermunterten Vögel vernahm man keinen Laut. In der Ferne zeigte sich ein Gewirr von Dächern und Kirchtürmen, die hoch in den stahlgrauen Himmel emporragten.

Die Zwillingstürme von Westminster in ihrer massigen Größe traten mit scharfen, klaren Umrissen in eigenartiger Schönheit hervor. Plötzlich erhob sich die rote Sonnenscheibe zur Hälfte über dem Horizont und goß eine Flut goldigen Lichts über die feenhafte Landschaft aus. Die jungen Leute standen unwillkürlich still und genossen den herrlichen Anblick, dessen Schönheit sie überwältigte, in ihrer Freude über die Pracht des Naturschauspiels einen Augenblick alle quälenden Sorgen vergessend. Aber nur einen Augenblick. »Arthur,« sagte Harcourt und legte seine Hand mit brüderlicher Zärtlichkeit auf Darleys Schulter, »ich ängstige mich um dich.«

»Tu das nicht, Syd; ich bin es nicht wert. Du weißt ja auch: Unkraut verdirbt nicht.«

Er sagte es mit knabenhafter Keckheit; aber der gütige Ausdruck im Gesicht des Freundes und der Ton seiner Stimme besiegten den trotzigen Mut, mit dem Darley bisher allem Mißgeschick widerstanden hatte. Außer stande, Harcourts besorgtem Blick zu begegnen, drehte er das Gesicht zur Seite.

»Mir ist schon erbärmlich genug zu Mut,« sagte er, »es fehlt nur noch, daß ich meinen Freund unglücklich mache. Ich habe mir diese Drangsal selbst zugezogen und muß sie tragen, so gut ich kann. Wenn nicht andre darunter zu leiden hätten, würde es mir auch nicht allzuschwer fallen.«

»Gib es auf, Arthur, lieber Junge, ich bitte dich,« sagte Harcourt mit großem Ernst. »Gott weiß, ich bin ein schlechter Prediger; bin ich doch zu meiner Zeit dieselben Wege gewandelt, die zur Hölle führen. Glücklich habe ich mich erst gefühlt, als ich der Sache ein für allemal ein Ende machte. Du kannst mir's auf mein Wort glauben, Arthur, das Vergnügen ist zu teuer bezahlt. Gib es auf!«

»Das geht nicht – jetzt noch nicht.«

»Ach was, du wirfst nur dein gutes Geld dem schlechten nach und deine Gesundheit nebst jedem rechtschaffenen Lebensgenuß hinterdrein.«

»Ich sage dir, Syd,« rief Darley verzweifelt, »wenn ich jetzt aufhöre, bin ich verloren.«

»Das ist die reinste Torheit, mein Junge, wie du ganz wohl selber weißt. Du hast eben erst ein schuldenfreies Gut geerbt, das eine Jahresrente von dreitausend Pfund abwirft, und fünfzigtausend Pfund unter Brüdern wert ist. Eine Anleihe von ein paar Tausend ist schnell gemacht.«

Mit Darleys Selbstbeherrschung war es aus, er wandte dem Freunde sein bleiches, verstörtes Gesicht zu. »O Syd!« murmelte er, und es klang wie ein unterdrücktes Schluchzen, »ich habe das alles in der Zeit von vierzehn Tagen verloren. Lord Claverly hat Schuldscheine von mir in Händen, die fünfundvierzigtausend Pfund betragen. Das Gut muß verkauft werden, und was das Schlimmste ist, meine Mutter und meine Schwester werden aus unserm alten Hause vertrieben und meine Torheit und Selbstsucht sind schuld an allem. Es bringt mich fast von Sinnen, wenn ich nur daran denke.«

Starr vor Entsetzen blieb Sydney Harcourt stehen und ließ einen langgezogenen Pfiff hören. »Ich hatte keine Ahnung, daß es schon so weit gekommen ist,« sagte er endlich. »Fünfundvierzigtausend in zwei Wochen, das ist ein starkes Stück.«

»Jeden Abend habe ich gehofft, das Glück würde sich wenden, und mir heilig gelobt, keine Karte mehr anzurühren, wenn nur erst alles wieder ausgeglichen wäre.«

»Das ist der gewöhnliche Schwur,« sagte Harcourt mit Ingrimm. »Ich habe es gerade so gemacht.«

»Du mußt doch einsehen, Syd,« fuhr Darley eifrig fort, »daß ich jetzt nicht aufhören kann. Die fünftausend, die mir noch übrig bleiben, zu behalten, ist kaum der Mühe wert. Hätte ich nur eine Nacht lang Claverlys Glück, so könnte ich alles wieder ins Reine bringen, wenn der Einsatz hoch genug wäre. Warum sollte es mir nicht einmal glücken, wenn es ihm ein dutzendmal gelingt? Wirft man eine Münze so, daß sechsmal hintereinander der Kopf zuoberst liegt, so wird aller Wahrscheinlichkeit nach das nächste Mal die Schrift zum Vorschein kommen. Das Spiel morgen ist meine letzte Hoffnung, aber ich will den Kampf nicht aufgeben, solange mir noch die Möglichkeit bleibt, den Sieg zu behalten.«

»Morgen abend kannst du sowieso nicht mit Lord Claverly spielen. Es ist etwas andres im Werk. Im Klub gehen wichtige Dinge vor.«

»So? Was denn für Dinge?«

»Eigentlich soll nur das Komitee darum wissen, aber dir darf ich's wohl anvertrauen. Du weißt, ich habe den Karten abgeschworen, seit ich verheiratet bin. Was meinst du wohl, weshalb ich heute hier war und das Spiel bis zum Schluß mit ansah?«

»Ich schmeichelte mir, es geschehe meinetwegen.«

»Zum Teil ja; aber hauptsächlich kam ich um deines Gegners willen.«

»Kennst du denn Lord Claverly? Das habe ich gar nicht gewußt.«

»Nur oberflächlich, und das wenige, das ich von ihm gesehen habe, mißfällt mir. Ich war dort als Mitglied des Komitees, um Polizei zu spielen.«

»Das Komitee braucht sich doch nicht hineinzumischen.«

»Ja, siehst du, es sind allerlei häßliche Gerüchte über Lord Claverly im Schwange. – Nur ruhig Blut, mein Junge; von dir hat niemand gesagt, daß du über deinen Verlust winselst. Aber die andern, es sind ihrer eine ganze Menge, haben sich nicht mit so heiterer Miene rupfen lassen. Man sagt, der Lord habe ein halbes Dutzend Buchmacher bereichert und sich völlig zu Grunde gerichtet, ehe er nach Amerika ging. Alle glaubten, er würde immer dort bleiben zum Wohl seines Vaterlandes. Da ist er vor sechs Wochen gesund und heil im Reviltonklub wieder aufgetaucht, um am Kartentisch alles wieder zu gewinnen, was er auf dem Rennplatz verloren hatte, und noch eine Kleinigkeit darüber, wenn man dem Gerede glauben darf.«

»Es geht bei seinem Spiel alles mit rechten Dingen zu. Das muß ich am besten wissen.«

»Ich bin auch der Ansicht, Arthur; aber es gibt Leute, die andrer Meinung sind. Du kennst ja wohl Dicksie Gunter?«

»Den gigerlhaften Protzen, den eingebildeten Narren!«

»Der einen großen Geldsack hat; das ist das wichtigste an ihm, Arthur. Nun Claverly hat ihm die Last etwas erleichtert und Dicksie gab das Geld höchst ungern her. Er hat seinem Ärger überall Luft gemacht und seiner Zunge freien Lauf gelassen.«

»Kein Mensch hört doch auf ihn,« sagte Darley verächtlich.

»O, selbst der unbedeutendste Schwätzer kann eine Geschichte unter die Leute bringen. Neulich habe ich in einer Gesellschaft eine hübsche junge Frau zu Tische geführt, Mamie Meredith heißt sie; eine richtige kleine Biene, der bei aller Süßigkeit der Stachel nicht fehlt. Den Reviltonklub kann sie nicht ausstehen, weil ihr Männchen zuweilen hingeht, alle vierzehn Tage einmal, glaube ich. ›Sie haben ja in Ihrem schönen Klub eine ganz neue, anziehende Größe, wie ich höre, Herr Harcourt,‹ summte sie.

»›Davon weiß ich nichts, gnädige Frau,‹ sagte ich mit dem Gefühl, daß ich dort fremd geworden sei.

»›Aber das ist ja unmöglich. Sie sind doch im Komitee und vermutlich sehr stolz auf Ihren reizenden Klub. Dort ist jetzt ein wunderbares reißendes Tier zu sehen, wie man mir sagt. Alle Welt redet davon.‹

»›Was für ein Tier denn?‹ fragte ich und ging wie ein Dummkopf in die Falle.

»›Ein Pardel mit Flecken,‹ erwiderte sie und sah mich aus ihren unschuldigen blauen Augen groß an.

»Irgend jemand muß das gehört haben; noch ehe die Gesellschaft zu Ende war, ging der Scherz im ganzen Saal von Mund zu Munde. Die Sache drohte ziemlich ernst zu werden, denn der kleine Gunter will gegen Claverly wegen seiner lumpigen tausend Pfund eine Klage anhängig machen. Das Komitee fühlt die Verpflichtung, sich der Sache anzunehmen. Ich meinerseits war dagegen. Daß Claverly unverschämtes Glück gehabt hat, läßt sich nicht leugnen, aber es liegt auch nicht das kleinste Anzeichen vor, daß er mogelt. Ich kenne selbst alle Kniffe und Pfiffe und habe ihn genau beobachtet. Zu dem Zweck blieb ich heute die ganze Zeit über da, doch konnte ich nicht die geringste Ungehörigkeit entdecken. Dem Komitee ist viel daran gelegen, daß Gunter sich ruhig verhält, und er hat versprochen, sich zufrieden zu geben, nachdem die Probe angestellt worden ist, die wir vorhaben.«

»Was soll denn geschehen?«

»Hast du mich je von einem Mann namens Beck reden hören?«

»Freilich; du schwärmst ja für ihn.«

»Nun, wir sind übereingekommen, daß ich Beck morgen, das heißt heute abend, als südafrikanischen Millionär unter dem Namen Cyril Rondel im Klub einführen soll. Dort werden wir ihn veranlassen eine Partie Ecarté oder dergleichen mit Lord Claverly zu spielen. Wenn Beck ihn auf keiner Betrügerei ertappt, so ist der Beweis erbracht, daß überhaupt kein Betrug vorliegt.«

»Ich gehe jede Wette ein, Syd, daß Lord Claverly ehrlich spielt; meine letzten Fünftausend würde ich daran wagen.«

»Wenn ich dir raten soll, Arthur, so halte diese letzten Fünftausend so fest du kannst, wenn nicht um deinetwillen, so doch aus Rücksicht auf deine Mutter und Schwester. Ich nehme die Sache furchtbar ernst, alter Junge, und würde mich mehr darüber freuen, wenn du jetzt Schicht machtest, als wenn ich dich alles wieder gewinnen sähe, was du verloren hast. Auf die Länge wäre es dir entschieden zuträglicher. Ich weiß, es kostet einen gewaltigen Kampf. Bist du Manns genug, ihn zu bestehen?«

»Ich will es versuchen,« sagte Darley und streckte dem Freund seine Hand hin, als sie sich trennten. Harcourt fühlte, daß ihr fester Druck ein Versprechen war, dem er trauen durfte. Arthur hatte in Rugby als jüngerer Schüler unter seiner Obhut gestanden und sich, obwohl trotzig, ungebärdig und tollkühn, doch als vollkommen wahrheitsliebend erwiesen. So ging denn Sydney Harcourt munteren Schritts durch den Park nach Hause in dem Hochgefühl, daß er den Morgen jedenfalls mit einer guten Tat begonnen hatte, was auch der Abend bringen mochte. Er schlief bis spät am Nachmittag und lag noch zu Bett, als eine Droschke mit Gummirädern an seiner Tür in der Belgravestraße vorfuhr.

Ein starker, vierschrötiger Mann mittleren Alters stieg aus; er hatte lebhafte graue Augen und einen entschlossenen Ausdruck um Mund und Kinn. Die heiße Tropensonne hatte sein Gesicht braun gebrannt. Er war fein gekleidet; nur seine Uhrkette nebst Gehänge war allzuschwer und der Diamantring an seinem kleinen Finger blitzte sehr auffallend. Der Fremde gab seine Karte ab. Cyril B. Rondel stand darauf und »eiligst in wichtiger Angelegenheit« mit Bleistift daneben. Schon im nächsten Augenblick kam Frau Harcourt zu ihm ins Studierzimmer, wohin man ihn geführt hatte.

»Gedulden Sie sich nur wenige Minuten, Herr Rondel,« sagte sie in reizender Verlegenheit. »Mein Mann wird gleich hier sein. Ich bin schuld an der Verzögerung. Da ich wußte, daß er Sie erwartete, hätte ich ihn wecken sollen.«

Rondel verneigte sich ernsthaft. »Es bedarf durchaus keiner Entschuldigung, gnädige Frau.« In seiner Stimme lag ein leiser Anflug von der Vertraulichkeit eines Bekannten.

»Ich erinnere mich doch nicht...« begann sie.

»Daß Sie mich schon früher gesehen haben,« fiel er ein. »Um so besser.«

Lilian Harcourt starrte ihn mit grenzenloser Verwunderung an.

»Sie haben scharfe Augen, gnädige Frau, wie ich mich noch genau entsinne. Wenn Sie mich nicht erkennen, werden es auch andre schwerlich tun.«

Während er sprach, veränderte sich der ganze Ausdruck seines Gesichts; der festgeschlossene Mund öffnete sich ein wenig und aus den graublauen Augen sprach vollkommene Seelenruhe.

»O, Herr Beck!« rief Lilian. »Wie habe ich nur so einfältig sein können, ich meine, wie konnten Sie sich nur so geschickt verstellen? Sie sahen sich nicht im geringsten gleich. Ich zerbreche mir manchmal wirklich den Kopf, welches wohl der eigentliche Herr Beck sein mag.«

»Hallo, Beck!« ließ sich jetzt Sydney Harcourts Stimme an der Tür vernehmen. »Ich bin eben erst aufgestanden nach einer saueren Nacht und die heutige wird mich wieder um den Schlaf bringen. Famos, das muß ich sagen!« rief er, als er jetzt Becks ansichtig wurde. »Nun und nimmermehr hätte ich Sie erkannt. Du bist ja ein wahrer Tausendsasa, Lilian, daß du den Kniff erraten hast.«

Mit einem raschen Blick beschwor sie Beck, ihr Geheimnis zu bewahren, und lächelte dabei überlegen auf ihren Herrn und Meister herab.

»Nun lauf aber weg, Herzchen!« bat dieser. »Wir haben wichtige Geschäfte miteinander zu besprechen.«

An der Tür wandte sich Lilian noch einmal um. »Ich lasse euch eine halbe Stunde Zeit, um alles abzumachen,« sagte sie. »Punkt drei Uhr wird das Frühstück aufgetragen.«

Nach der Mahlzeit schlenderte Sydney Harcourt Arm in Arm mit seinem Freunde, dem südafrikanischen Millionär, nach dem Reviltonklub. Er trug Rondel als außerordentliches Mitglied in das Register ein und zeigte ihm das ganze Haus in aller Herrlichkeit. Es war ein förmlicher Palast, worin Luxus und Reichtum ihre Wohnung aufgeschlagen hatten. Eine breite Treppe von poliertem farbigem Marmor führte in schönen Windungen von der Vorhalle bis unter das Kuppeldach. Im Speisesaal waren die Paneele mit köstlichen Gemälden bedeckt, meistens Landschaften von der Hand der modernsten Künstler. Dann ging es in das Rauchzimmer und die Bibliothek. Herr Rondel bewunderte alles nach Gebühr und endlich kamen sie nach dem Sanctum sanctorum des Reviltonklubs. Es war ein kleines Zimmer im Vergleich mit den andern, sehr behaglich, aber einfach ausgestattet, ohne jeden besondern Luxus. Nur die höchste Aristokratie des Klubs verkehrte in diesem dem Spiel geweihten Raum, über die Beträge, die hier in einer einzigen Nacht gewonnen und verloren wurden, liefen die fabelhaftesten Gerüchte in London um. Sydney Harcourt öffnete die massive Mahagonitür, schlug die schweren dunkelroten Samtgardinen zurück und ließ seinen Freund in die Kapelle des Teufels eintreten.

An einem Kartentisch saßen vier Herren bei einem Robber Whist und drei andre standen daneben, das Spiel beobachtend. Den letzteren stellte Harcourt seinen Freund Rondel vor. Das Gerücht war ihm schon nach dem Klub vorausgeeilt: Herr Rondel, hieß es, habe sich in den Diamantfeldern am Kap ein Vermögen erworben und sei nach England gekommen, um sein Geld auszugeben. Schon als Freund des allgemein beliebten Sydney Harcourt wurde Herr Rondel herzlich begrüßt, aber es lag auch in seinem freimütigen, unbefangenen Wesen eine große Anziehungskraft. Kaum zehn Minuten nach seinem Eintritt war Rondel schon mit allen Anwesenden auf dem besten Fuß.

Eben ging der Robber zu Ende. Einer der Spieler sah nach der Uhr, stand auf und ging fort. »Will nicht ein andrer mittun?« fragte ein leidenschaftlicher Whistspieler. »Wir haben noch eine gute Stunde vor Tisch.«

»Versuchen Sie Ihr Glück, Rondel,« flüsterte Harcourt, und der Millionär nahm schweigend auf dem leeren Stuhl Platz. Er zeigte sich bald als vollendeter Meister des Spiels; schlau und doch kühn, durchbrach er bisweilen alle Regeln mit einer Keckheit, die sich nur durch den Erfolg rechtfertigen ließ.

Ganz lächerlich anspruchsvoll war er in Betreff der Karten, deren man sich bedienen durfte. Drei Spiele nacheinander verwarf er, und erst als ganz neue gebracht wurden, gab er sich zufrieden. Da der »Revilton« sehr stolz auf seine Karten war, die mit einem einfachen blauen Muster und dem Wappen des Klubs auf der Rückseite besonders für seinen Gebrauch angefertigt wurden, so rief Rondels südafrikanische Eigenheit zuerst einige spöttische Bemerkungen hervor. Seine Meisterschaft im Spiel entwaffnete jedoch jede Kritik. Trotz mittelmäßiger Karten trug er den Sieg in beiden Robbern davon, zur großen Freude seines Partners, der ein gewiegter Spieler war. »Wenn Sie ebensogut Ecarté spielen wie Whist, Herr Rondel,« sagte er, »so möchte ich gern einmal sehen, ob Sie es mit Lord Claverly aufnehmen können. Vielleicht würde sein fabelhaftes Glück Ihnen gegenüber nicht standhalten.«

Die ganze Gesellschaft speiste am gleichen Tisch, und als die letzte Flasche Champagner aufgetragen wurde, für den der Klub berühmt war, brachte Harcourt das Gespräch geschickt wieder darauf, wie interessant es wäre, wenn sich Lord Claverly und Herr Rondel zusammen im Spiel messen wollten. Letzterer erklärte sich gern bereit, den Kampf aufzunehmen. Nach beendeter Mahlzeit ließen sich alle zusammen rasch und bequem im Fahrstuhl ins Spielzimmer hinaufbefördern. Dort erwartete Herrn Rondel eine unangenehme Überraschung. Ein etwas kahler, wohlbeleibter, blasser, glattrasierter und höchst untertäniger Kellner besorgte die Bedienung. Als Herr Rondel ihn zuletzt sah, hatte er eine hagere Gestalt, rote Wangen, einen prachtvollen Bart und üppiges Haupthaar. Das war vor sieben Jahren auf der Anklagebank in Old Bailey gewesen, aber er erkannte den Mann auf den ersten Blick als den geschicktesten Falschspieler, der ihm in seiner abwechslungsreichen Laufbahn jemals begegnet war. Ein leises Zusammenzucken im ersten Moment und der flüchtige Schrecken in des Kellners unsteten Augen belehrten den Detektiv, daß auch er wiedererkannt worden war, aber Herrn Rondels gelassene Miene veränderte sich nicht im geringsten. Mit sorgloser Unbefangenheit befahl er dem Kellner, ihm eine Zigarre zu bringen, so daß dieser sich gänzlich beruhigte.

Lord Claverly war im Zimmer anwesend, als die Gesellschaft eintrat und sah gerade einer Pikettpartie zu. Sofort redete ihn der Herr an, der vorhin Rondels Partner beim Whistspiel gewesen war. »Wir haben endlich einen ebenbürtigen Gegner für Sie gefunden, Claverly,« sagte er, »einen Menschen, der es versteht, das Trumpf-As mit der Zwei zu stechen. Ich habe ihn nur beim Whist gesehen, allein das genügt mir vollkommen. Er sagt, Ecarté sei sein Lieblingsspiel. In Südafrika hat er sich ein paar Millionen aus den Diamantgruben geholt, aber ich glaube wahrhaftig, die Kartentische in London werden ihm ebensoviel einbringen. Der starke Herr dort drüben ist es, der mit Harcourt spricht. Ein wunderbarer Mensch!«

Aus Lord Claverlys hübschen dunkeln Augen leuchtete eine angenehme Überraschung, als von den Millionen die Rede war; er fürchtete sich offenbar nicht im geringsten. Bald darauf flüsterte er Harcourt zu: »Bitte, wollen Sie mich Ihrem Freund, dem Kartenspieler sondergleichen, vorstellen?«

»Man sagt mir, daß Sie gern ein Spielchen machen, Herr Rondel,« redete der Lord ihn verbindlich an. »Vertreibt man sich oft die Zeit mit einer derartigen Unterhaltung in Kimberley?«

»Dann und wann. Diesen Ring hier habe ich bei einem Spiel Ecarté gewonnen.« Und er ließ den erbsengroßen Diamanten auf seinem kleinen Finger blitzen.

»Also Ecarté ist Ihr Steckenpferd?« fragte Lord Claverly eifrig.

»Ich spiele alles, wie es gerade kommt, aber Ecarté am liebsten.«

In diesem Augenblick trat Arthur Darley zu ihnen heran. Lord Claverlys Miene verfinsterte sich, als er ihn bemerkte; trotz der Wolke des Unmuts, die auf seiner Stirn lagerte, sagte er aber mit der größten Liebenswürdigkeit: »Gern hätte ich die eine oder andre Partie mit Ihnen gemacht, Herr Rondel, aber der junge Mann hier hat den ersten Anspruch.«

»Ich verzichte darauf,« versetzte Darley. »Sie sind mir zu sehr überlegen, Mylord, und die Revanche ist ein zu kostbarer Luxus für mich, wie Sie ganz richtig bemerkten.«

»Dann stehe ich zu Ihren Diensten, falls Sie Lust haben, ein Spiel zu machen,« wandte sich Claverly höflich an Rondel, der beistimmend nickte.

Die Aufforderung und deren Annahme versetzte alle im Zimmer Anwesenden in Unruhe. Verschiedene Herren unterbrachen ihr Spiel, um dem Kampf zuzusehen, bei dem es sich um einen hohen Einsatz handelte.

Seit Herr Rondel im Zimmer war, hatte er fortwährend ein wachsames Auge auf seinen alten Bekannten, den kartenkundigen Kellner, gehabt, um sich zu versichern, daß er nicht etwa Lord Claverly heimlich etwas zuflüsterte. Jetzt glaubte er endlich ruhig sein zu können. Claverlys Stuhl stand dicht an der Wand. Hinter Rondel an einem kleinen Tisch, der eine gute Strecke entfernt war, hatte sich der verdächtige Kellner aufgestellt. An der elektrischen Lampe über ihren Häuptern war ein Schirm angebracht. Spiegel gab es nicht im Zimmer. Während die Spieler sich setzten, bemerkte Rondel, daß ein Ausdruck der Verwunderung über Lord Claverlys Gesicht huschte. Sofort zog er seine große Uhr mit doppeltem Gehäuse ruhig aus der Tasche. Er drückte an der Feder, der Deckel flog auf, aber was er ansah, war weder Zeiger noch Zifferblatt. Es war eine von ihm selbst erfundene Uhr, deren inneres Gehäuse einen konvexen Spiegel barg, der seinem Eigentümer, der unbefangen hineinblickte, das Zimmer hinter ihm in winzigem Maßstäbe zeigte.

Fast wäre es zu spät gewesen. Von den Zuschauern unbemerkt, die gespannt auf das Spiel warteten, machte der Kellner rasch einige Zeichen in der Fingersprache, denen Lord Claverly mit aufmerksamen Blicken folgte. Herr Rondel erhaschte gerade noch die letzten Worte des Satzes: »Detektiv. Heute abend ehrlich spielen.« Dann begann die Partie. Fortuna zeigte sich von Anfang an parteiisch und begünstigte ihren Liebling bis zuletzt. So auffallend war Lord Claverlys Glück noch nie gewesen. Sein Gegner spielte vorzüglich, er war bei weitem der bessere Spieler, aber alle seine Gewandtheit nützte ihm nichts gegen Claverlys ausgezeichnete Karten. Fast bei jeder dritten Hand legte er den König auf.

Der Haufen Kassenscheine neben Lord Claverly wurde immer größer und Herrn Rondels Brieftasche schrumpfte mehr und mehr zusammen. Doch spielte er die Karten nach wie vor munter aus und verlor sein Geld mit so unverwüstlicher guter Laune, daß keiner der Umstehenden ihm Bewunderung und Teilnahme versagen konnte. Lord Claverly dagegen glühte vor Erregung. Immer wieder ließ er verwunderte Ausrufe über sein unerhörtes Glück vernehmen und schien sich ordentlich darüber zu ängstigen.

»Für heute ist das Spiel aus,« bemerkte Herr Rondel höchst vergnügt. Er zog acht Hundertpfundnoten und vier Fünfzigpfundnoten aus der Tasche und strich die leeren Lederumschläge auf dem Tisch glatt.

»Noch ein Spiel für diesen Einsatz, Mylord.«

Claverly schien einen Augenblick zu überlegen, dann nickte er zustimmend. »Heute abend kann ich mich fest auf mein Glück verlassen,« rief er aufgeregt und griff nach den Karten.

»Ich glaube, die Reihe zu geben ist an mir,« sagte Rondel gelassen; der Lord reichte ihm die Karten ohne ein Wort der Widerrede.

Wo es sich um ein hohes Spiel handelt, ist die Aufregung ansteckend. Die Zuschauer drängten sich schweigend und mit verhaltenem Atem um den Tisch, während die Karten ausgeteilt wurden. Karo war Trumpf – die Karosieben. Beide Spieler warteten einen Augenblick, ehe sie die Karten aufnahmen, als fürchteten sie sich vor der Entscheidung. Lord Claverly schaute zuerst in seine Hand und lächelte triumphierend. »Ich lege den König auf,« sagte er, den Karokönig vorzeigend.

Herr Rondel griff nach seinen Karten und sah sie an. Er schien einen Augenblick ganz verwirrt. Dann bemerkten die Männer, die um den Tisch standen, daß er die Brauen zusammenzog und seine Augen plötzlich zornig aufblitzten. Das war jedoch im Nu verflogen; nur die Lippen preßte er unheimlich fest aufeinander. »Eine fatale Angelegenheit,« sagte er endlich langsam und legte seine Karten offen auf den Tisch. Der Karokönig war mitten darunter.

Lord Claverlys Gesicht sah so weiß wie ein Tuch aus. »Ich schwöre bei Gott,« begann er in heller Verzweiflung, aber er kam nicht weiter. Starke Hände faßten ihn bei den Schultern, man warf ihn auf einen großen Lehnstuhl und riß ihm den Rock herunter.

Richtig! In einer flachen Tasche, die im Seidenfutter des Rockärmels angebracht war, steckte ein Kartenspiel, das durch eine feine Klammer, an der sich eine Feder befand, zusammengehalten und weiter oben im Ärmel, dicht an der Schulter, an einem starken Gummiband befestigt war, über seinen Zweck bestand kein Zweifel. Jetzt brachen die wilden Leidenschaften, die tief in der Menschenbrust wohnen und von der Zivilisation zwar niedergehalten, aber nicht erstickt werden, mit aller Gewalt los. Alle tobten, fluchten und schrieen durcheinander, und dem hilflosen Schurken, der mit geisterbleichem Gesicht in Todesangst dalag, wäre es wohl übel ergangen, hätte nicht Herr Rondel mit lauter, kräftiger Stimme, die den Lärm übertönte, der rasenden Wut Einhalt getan.

»Meine Herren,« rief er, »selbst gegen einen Betrüger soll man nicht unbillig verfahren. Lord Claverly hat dringende Geschäfte an einem andern Ort, wir dürfen ihn nicht aufhalten. In England wird er sich nie mehr blicken lassen. Machen Sie gefälligst Platz für Mylord.«

Der vornehme Betrüger ließ sich das nicht zweimal sagen; wie ein gejagter Fuchs entwischte er aus dem Zimmer.

»Ich darf wohl mein Eigentum wieder an mich nehmen, da Mylord keinen Anspruch darauf erhebt?« sagte Rondel kaltblütig und schob die Banknoten in seine große Brieftasche zurück. Einer der Anwesenden händigte ihm das Kartenspiel ein, das man in Claverlys Ärmel gefunden hatte; die Vorrichtung war noch daran.

Er untersuchte es mit aufrichtiger Bewunderung. »Wie es benutzt wird, ist leicht ersichtlich,« sagte er zu den Umstehenden mit der Miene eines Professors, der zu seinen Schülern redet. »Alle hohen Karten sind an den Ecken ein wenig umgebogen, so daß man es bei der Berührung kaum bemerkt. Mylord verstand sich offenbar sehr gut auf sein Geschäft. Das falsche Spiel zog er an der Feder in seine Hand herunter, das echte ging mit der Klammer am Gummiband den Ärmel hinauf. Es war ein geschickter Kunstgriff, wirklich sehr schlau ausgedacht.«

Während die Zuschauer sich herbeidrängten, um die Karten anzusehen, trat Harcourt auf Arthur Darley zu, der abseits stand und in seiner Verwirrung kaum begriff, was geschehen war.

»Meinen herzlichen Glückwunsch, Arthur!« sagte er. »Dein wackerer Entschluß hat dir Segen gebracht. Alle deine Schuldscheine sind wertloses Papier in der Tasche des überführten Betrügers. Komm, ich will dich dem Mann vorstellen, der dir durchgeholfen hat. – Herr Rondel,« fuhr er fort, »Sie müssen zum Beschluß dieser Abendunterhaltung mit mir zu Nacht speisen. Mein junger Freund hier möchte Ihnen gern danken. Sie haben ihn durch Ihre heutige Entdeckung um fünfundvierzigtausend Pfund reicher gemacht.«

»Auf Ihr Wohl, Herr Beck,« sagte Arthur Darley, als die drei behaglich an einem Tisch für sich allein saßen, indem er sein bis an den Rand gefülltes schäumendes Champagnerglas in die Höhe hob. – »Sie haben mich vom Untergang errettet, als Sie den Lord bei seinem Betrug ertappten.«

»Aber ich habe ihn gar nicht beim Betrug ertappt.«

Harcourt und Darley setzten ihre Gläser hin und starrten Beck mit stummem Erstaunen an.

»Nicht daß er etwa nicht die Absicht gehabt hätte, zu betrügen,« sagte der Detektiv gelassen. »Er kam mit seinem ganzen Geschütz hierher; aber heute abend hat er vollkommen ehrlich gespielt.«

Dann erzählte er ihnen, daß er den Kellner wiedererkannt und gesehen habe, wie er Lord Claverly warnte, ehe das Spiel anfing. »Den Kellner müssen Sie fortschicken, Herr Harcourt; er ist ein sehr geschickter Falschspieler.«

»Das soll geschehen,« erwiderte Harcourt zerstreut. »Aber wissen Sie, Beck, ich begreife kein Wort von alledem. Wenn Claverly gewarnt war, wie Sie sagen, warum hat er sich dann verraten?«

»Das hat er gar nicht getan.«

»Ich meine, warum hat er betrogen?«

»Aber ich sage Ihnen ja, daß er ehrlich gespielt hat.«

»Nicht möglich! Solche Karten, wie Claverly heute bekam, hat das bloße Glück noch nie einem Menschen ausgeteilt.«

»Nein, ich habe sie ihm ausgeteilt – ich verstehe mich etwas auf dergleichen.«

»Aber wo ist denn der zweite Karokönig hergekommen?«

»Aus meinem Ärmel!«

 

Ende.

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