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Giftmischer und andre Detektivgeschichten

Mathias McDonnell Bodkin: Giftmischer und andre Detektivgeschichten - Kapitel 4
Quellenangabe
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typenarrative
authorM. Mc Donnell Bodkin
titleGiftmischer und andre Detektivgeschichten
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek
volume21. Jahrgang. Band 4.
year1904
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
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Gelöst und gebunden

»Du kannst dir nicht vorstellen, Syd, wie mir die Sache zu Herzen geht.«

»Ach doch, Jack. Ich hab's ja auch durchgemacht.«

Die beiden jungen Leute saßen zusammen auf der Veranda, die auf den Innenhof des Armee- und Marineklubs geht. Früher war das Haus Lord Palmerstons Privatwohnung, jetzt bildet es den behaglichsten Klub von ganz London. Die Herren schlürften ihren Kaffee und grünen Chartreuse dazu. Der eine junge Mann war niedergeschlagen, der andre teilnehmend; ihre Unterhaltung bestand nur aus abgerissenen Sätzen mit langen Pausen. Jetzt brachte der Klubdiener eine Schachtel mit Zigarren, und jeder der Herren nahm sich eine von der großen Sorte heraus, die einen prachtvollen Leibgurt aus Papier in Rot und Gold um die Taille trug. Die Zigarren wurden vorsichtig abgeschnitten und angesteckt; dann rauchten die Freunde eine Weile in feierlichem Schweigen.

»Sie war das witzigste und lustigste Mädchen in ganz London,« fing Jack Templeton traurig wieder an; »so ausgelassen wie ein junges Rassefüllen und ebenso schwer zu behandeln. Jetzt ist sie ein ganz verkümmertes, verzagtes Persönchen, das keinem Menschen ein Wort zu sagen weiß. Und was hat sie sonst immer für lustige Einfälle gehabt! Da sitzt sie nun mit einem ganz blassen Gesicht und grämt sich, und ihre blauen Augen sind zweimal so groß wie früher, Donnerwetter, es sieht beinah so aus, als sollte sie die Auszehrung bekommen!«

»Seit wann ist denn Fräulein Vernon so verändert?« fragte Sydney Harcourt.

»Das kann ich nicht genau sagen. Du weißt, ich bin voriges Jahr auf der Löwenjagd in Indien gewesen, und unterdes muß es geschehen sein. Sie ist nur eine weitläufige Cousine von mir, aber wir sind bei Tante Julie wie Bruder und Schwester zusammen aufgewachsen. Erst als ich fort war, merkte ich, daß meine Liebe zu Mabel gar nichts Brüderliches mehr hat. Die Leute neckten sie, und nun wollte sie mir nicht schreiben, das machte die Sache schlimmer. Ehe noch meine Zeit in Indien zur Hälfte um war, kam ich nach Hause und fand eine arme, sanfte, kleine, ganz gebrochene Heilige – von der sonnigen Heiterkeit und dem Übermut keine Spur mehr. Sie ist eben erst einundzwanzig Jahre alt geworden, und es ist schrecklich, mit ansehen zu müssen, wie das junge Ding sich zu Tode grämt, als wenn sie ein trübseliges altes Mütterchen wäre.«

Jack Templeton brach ab, weil seine männliche Stimme anfing zu zittern. Um nicht die Fassung zu verlieren, griff er wieder zur Zigarre und blies mächtige Wolken von sich. Sydney Harcourt legte sanft seine Hand auf die Schulter des Freundes, der seine zartfühlende Teilnahme dankbar empfand. »Sei nicht so niedergeschlagen, alter Kerl,« sagte Sydney. »Klagen hilft nichts, du mußt handeln, und wenn nichts zu machen ist, dich drein ergeben. Entschuldige die Frage: hast du eine Ahnung, was der Grund der plötzlichen Veränderung ist – unglückliche Liebe?«

»Ich weiß nicht; ehrlich gestanden kann ich's mir nicht denken. Ich hätte ja nichts dagegen, wenn sie gleich morgen irgend einen netten Menschen heiratete, falls sie ihn lieb hat. Es gäbe mir freilich einen Stich ins Herz, aber doch immer noch besser, als sie so elend zu sehen. Fred Haverlie, der schöne Fred Haverlie weißt du – ist sterblich in sie verliebt, und ich glaube nicht einmal wegen ihres Geldes, trotzdem er sehr in der Klemme ist. Aber mir scheint, daß Mab sich gar nichts aus ihm macht. Ich habe die beiden zusammengesehen – sie fürchtet sich eher vor ihm. Sie fürchtet sich jetzt vor ihrem eigenen Schatten. Ungefähr eine Woche ist es her, da fand ich sie mit einem Brief in der Hand; sie weinte, als wenn ihr das Herz brechen sollte, und als ich hereinkam, wurde sie ganz bleich vor Schrecken und verbarg den Brief in ihrem Kleid. Ich hätte alles darum gegeben, sie zu trösten, aber ich durfte ja kein Wort sagen. Manchmal ist sie so lieb und freundlich, daß ich beinahe glauben könnte, sie hätte mich gern; aber dann ist sie wieder so kalt und abweisend, daß ich ernstlich böse sein würde, wenn das arme kleine Ding dabei nicht so todunglücklich aussähe. Was soll ich nur tun? Irgend ein Geheimnis muß dahinter stecken. Wenn ich das nur ausgraben könnte!«

»Warum sprichst du nicht mit dem alten Beck davon?«

»Ich glaube, das geht nicht. Die Sache ist so heikel, daß ich sie keinem andern Menschen anvertrauen könnte, als dir, alter Junge.«

»Unsinn, Jack. Der alte Beck ist ja die Verschwiegenheit in Person. Die Damen vertrauen ihm alle ihre Geheimnisse an und schwärmen für ihn. Die Herzogin von Southern fragt ihn um Rat, und ein niedliches kleines Mädel, dem die goldenen Locken den Rücken herunterhängen: Flora ... wie heißt sie doch gleich? – ist immer dort zu finden. Sie trinken zusammen Tee und erzählen sich Neuigkeiten. Beck schweigt wie das Grab, da kannst du sicher sein. Lilly ist alle Augenblick bei ihm und berichtet mir, wie es dort zugeht. Ich fange ordentlich an, auf den alten Beck eifersüchtig zu werden.«

»Trotz alledem würde ich es doch nicht richtig finden, wenn ich Mabs Geheimnisse ausschwatzen wollte, so wenig ich auch davon weiß.«

»Dann soll sie selbst hingehen.«

»Wollte Gott, ich könnte sie dazu bringen, aber ich weiß nicht, wie ich es anfangen soll. Wie wäre es denn mit deiner Frau? Sie ist ja Mabs Freundin; vielleicht könnte sie einen Versuch machen?«

»Das würde Lil mit dem größten Vergnügen tun, denn sie hat eine riesige Meinung von Beck. Meine Frau kennt zwar Fräulein Vernon erst seit ein paar Monaten, aber die beiden lieben sich sehr. Mabel macht ihr Kummer, große Sorge, wie sie mir selbst gesagt hat, und sie würde der Freundin gewiß gern zu Hilfe kommen. Wenn du willst, sage ich es ihr heute abend.«

»Tausend Dank, alter Kerl. Du bist ein Engel!«

So geschah es, daß drei Tage später Fräulein Mabel Vernon in ihrer eleganten Equipage, begleitet von Frau Harcourt, bei Paul Beck vorgefahren kam. »Mir ist ganz, als wenn ich zum Zahnarzt ginge,« sagte Mabel mit einem verunglückten Versuch zu lächeln. »Vor dem Zahnausziehen habe ich noch weniger Angst gehabt. Du kommst doch mit, Lil?«

»Sei doch nicht so töricht und mache kein so verzweifeltes Gesicht, Mabel,« redete Frau Harcourt ihr zu und küßte sie zärtlich. »Natürlich mußt du allein mit Herrn Beck sprechen. Er wartet auf dich, und daß du ihm nur ja alles und alles sagst! Wenn ich dabei wäre, brächtest du kein Wort heraus. In einer Stunde hole ich dich ab.« –

»Setzen Sie sich, Fräulein Vernon,« sagte Beck so freundlich und behaglich und zugleich mit so viel Ehrerbietung, daß in dem lautklopfenden Herzen des armen Mädchens sich wieder ein Fünkchen Zuversicht regte. »Frau Harcourt hat mir gesagt, daß Sie meinen Rat einholen wollen. Ich darf Sie wohl darauf aufmerksam machen, Fräulein Vernon, daß ich Ihnen nur helfen kann, wenn Sie mir mit der größten Offenheit entgegenkommen.«

»Das hat ja Lil – ich meine Frau Harcourt – auch gesagt. Aber es ist so schwer. Es ist eine schreckliche Geschichte und ich weiß nicht, was ich anfangen soll.«

»Erzählen Sie das Schrecklichste gleich zuerst, dann kommt die übrige Geschichte von selbst.«

»Nun gut,« rief Mabel aufgeregt. »Ich bin verheiratet, heimlich verheiratet, mit einem Mann, der mich gleich an der Kirchentür verlassen hat, mit einem Mann, der mir verhaßter ist als der Tod, während ich doch die ganze Zeit über« – sie verlor die Fassung und schluchzte wie ein kleines Kind.

Beck ließ sie ruhig weinen, dann redete er ihr noch freundlicher zu als vorher. »Beruhigen Sie sich ein wenig, Fräulein Vernon, und dann sagen Sie mir, wie es zu der Hochzeit gekommen ist und wie ich Ihnen helfen kann,«

»Sie können mir nicht helfen, niemand kann mir helfen!« jammerte sie, »Ich bin ein eitles, dummes, schlechtes Mädchen gewesen. Ich allein bin schuld daran, das ist noch das Schlimmste, und nun muß ich die Strafe auf mich nehmen, so gut ich kann. Wäre ich lieber tot, dann hätte doch das Elend ein schnelles Ende!«

»Sie sind viel zu jung, um so zu sprechen,« sagte Beck liebevoll, denn dem armen Ding war es bitterer Ernst, »Da Sie doch einmal zu mir gekommen sind, möchte ich auch sehen, was sich für Sie tun läßt. Erzählen Sie mir die ganze Geschichte.«

»Als mein Vetter, Herr Templeton, nach Indien ging – wir sind immer zusammen gewesen – da war ich ärgerlich und fühlte mich ganz gottverlassen. Ich ging überall hin: auf Bälle, ins Theater, in Konzerte; sogar in alle möglichen Tingeltangel, was natürlich ganz unpassend war. Ich weiß, Tante Julie fand es entsetzlich, aber das war mir gleich. Herr Haverlie ging gewöhnlich mit mir, der schöne Frank Haverlie – Sie haben wohl von ihm gehört?«

Beck nickte.

»Er war damals sehr aufmerksam gegen mich. Es war wirklich nur Höflichkeit und Ergebenheit, keine Spur von Kurmacherei oder sonstigem Unsinn dabei. Tante Julie hätte jedes Wort hören können. Aber natürlich merkte ich gleich etwas und deshalb kam es mir nachher so überraschend.«

»Kam was überraschend?«

»Das will ich Ihnen jetzt sagen. Bei einer Matinee im Apollotheater saßen wir allein zusammen in einer Loge, als hinter uns ein junger Mann eintrat, ein auffallend hübscher junger Mann. Offenbar war es ein Bekannter von Herrn Haverlie, der gedacht hatte, er würde ihn allein in der Loge finden. Er entschuldigte sich in der liebenswürdigsten Weise. Herr Haverlie stellte ihn mir vor und natürlich forderte ich ihn auf, dazubleiben. Wir unterhielten uns ausgezeichnet.

»Herr Ransome – sein Name war Claude Ransome – schien vom ersten Augenblick an Gefallen an mir zu finden, und dabei war er so lebhaft, lustig und klug, daß ich nicht umhin konnte, ihn zu bewundern. Wir kamen nun öfter zusammen und er fesselte mich immer mehr. Zuerst pflegte Herr Haverlie ihn zu begleiten, dann trafen wir uns allein. Ich konnte ja auf meinem Rad überall hinfahren, ohne daß jemand etwas davon erfuhr. Dann überfiel mich auf einmal die Angst und ich hätte ihn gern verabschiedet, aber nun konnte ich's nicht mehr, er hatte solche Gewalt über mich. Herr Ransome schien alle meine Gedanken zu erraten, als ob er mir ins Herz sehen könnte, wie kein andrer Mann.

»Es war ein ganz sonderbares Gefühl. Schon damals war die Furcht vor ihm größer als meine Neigung; er aber überredete mich und ich überredete mich selbst, das sei Liebe. Schließlich gab ich auf sein Drängen meine Einwilligung zu einer heimlichen Trauung.«

»Aber was hat Ihr andrer Verehrer, Herr Haverlie, dazu gesagt?«

»Ach, er war gar nicht mein Verehrer ... kein richtiger, wissen Sie. Ich muß gestehen, daß er sich sehr aufopfernd und großmütig benahm, trotzdem er sich ja auch in Herrn Ransome getäuscht hat. Einmal sagte er: ›Es wird mir ein Trost sein, Fräulein Vernon, daß ich Ihnen zu Ihrem Glück verholfen habe, wenn mir auch das Herz darüber bricht.‹ Ich war ganz gerührt. Und dann hat er uns auf jede Weise beigestanden. Vor einem Jahr ungefähr sind wir in aller Stille getraut worden und Herr Ransome, mein Mann, – – verschwand, als wir eben aus der Kirche traten. Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen.

»Herr Haverlie, der Brautführer gewesen war, stand mir rücksichtsvoll und freundlich bei, brachte mich nach Hause und bewahrt nun mein Geheimnis. Er war wütend über meinen Mann und hätte ihn am liebsten umgebracht; aber Herr Ransome war spurlos verschwunden.«

»Vielleicht ist Ihr Gatte – Herr Ransome meine ich – tot?«

»O nein! Er schreibt mir alle paar Monate. Gewöhnlich will er Geld haben, und dann fügt er noch ein paar höhnische Stichelreden bei.«

»Warum kommt er nicht wieder? Vielleicht ist er damals schon verheiratet gewesen.«

»Dazu wäre er doch wohl zu jung; er ist erst zweiundzwanzig. Er droht mir immer, er werde zurückkommen, und dann müßte ich mit ihm leben. Alles könnte ich ertragen, nur das nicht! Ich habe die größte Angst vor seinen Briefen, und wenn ich daran denke, daß er mich zwingen könnte, zu ihm zu kommen, werde ich halb verrückt. Könnte nicht irgend etwas mich davor retten? Irgend ein Schriftstück, eine Geldsumme oder so etwas? Ich will alles hingeben, was ich habe, wenn ich nur vor ihm sicher bin!«

»Ja,« sagte Beck gedankenvoll, »das wäre durch einen Kontrakt über freiwillige Trennung der Eheleute zu erreichen. Aber erst müßten wir den Menschen einmal hier haben.«

»Er wird nicht kommen.«

»Das lassen Sie meine Sorge sein, wenn ich Ihre Einwilligung habe.«

»Ich bin ja zu allem bereit!«

»Gut, Sie erlauben also, daß ich ein paar Worte in die Times einrücken lasse, in denen Ihre bevorstehende Vermählung angezeigt wird, mit – nun, sagen wir, mit Herrn Haverlie.«

»Ich würde aber doch Herrn Haverlie um alles in der Welt nicht heiraten! Und das wäre ja auch Bigamie.«

»Eine Zeitungsnachricht ist noch kein rechtsgültiger Ehekontrakt, Fräulein Vernon. Sie haben gar nichts dabei zu tun; ich erwarte nur, daß Sie das Gerücht eine Woche lang nicht widerlegen. Wollen Sie mir das versprechen?«

»Lilly Harcourt hat mir gesagt, ich solle Ihnen unbedingt vertrauen.«

»Und das können Sie auch. Glauben Sie mir, Fräulein Vernon, es ist mein lebhafter Wunsch, Ihnen beizustehen.«

Im Klang seiner Stimme lag eine Wärme und Aufrichtigkeit, die dem armen verfolgten Mädchen das Herz erquickte und ihr die Tränen in die Augen trieb. »Tun Sie, was Sie wollen,« sagte sie einfach. »Aber nicht wahr, Sie bleiben in der Nähe, um mir zu raten und zu helfen, wenn der schreckliche Mensch zurückkommen sollte?«

»Daran liegt mir selbst sehr viel. Ich bin stolz auf Ihr Vertrauen und werde mein möglichstes tun, es zu verdienen.«

Am nächsten Tag erschien auf der fünften Seite der Times folgende Notiz: »Wir hören, daß Herr Frederick Haverlie sich mit Fräulein Mabel Vernon verlobt hat und daß die Hochzeit binnen kurzem stattfinden wird. Die Braut wohnt gegenwärtig bei ihrer Tante Lady Julia Filloby in Renvere auf dem Familienlandsitz.«

Noch am selben Tage kam Herr Haverlie in größter Eile aus London, um Mabel zu sprechen. Sie wußte natürlich, was ihn hergeführt hatte, noch ehe er die Times aus der Tasche zog und auf den Tisch legte. »Liebes Fräulein Vernon,« sagte er in tiefstem Ernst, »hoffentlich haben Sie keinen Verdacht auf mich, daß ich bei diesem grausamen Scherz die Hand im Spiel haben könnte. Ich bin nur deshalb von London gekommen, um Ihnen zu sagen, wie es mich schmerzt, daß man Ihnen solche Unannehmlichkeiten bereitet hat.«

Aber Mabel war bei Herrn Beck in die Schule gegangen. »Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Herr Haverlie,« sagte Sie mit dem größten Gleichmut, »mir ist es einerlei.«

»Sie wollen also die Nachricht nicht widerrufen lassen?«

»Ganz gewiß nicht. Warum sollte ich mir noch Sorge darum machen, was die Zeitungen über mich schreiben? Ich habe schon Kummer genug.«

»O Fräulein Vernon – Mabel,« rief er, »wenn ich hoffen dürfte, daß das Gerücht jemals zur Wahrheit werden könnte!«

Aber sie wandte sich zornig zu ihm um, mit glühenden Wangen: »Wie können Sie es wagen, Herr Haverlie, Sie, der Sie mein Geheimnis kennen! Ihre Worte beleidigen mich!«

»Ach Mabel,« rief er, »höre mich doch zu Ende. Wenn es sich herausstellen sollte, wenn ich beweisen könnte – –«

Mitten im Satz hielt er inne, dann sagte er so sanft und traurig, daß ihr weiches Herz ganz davon ergriffen wurde: »Sie haben recht, und ich habe unrecht getan; aber die Versuchung ging über meine Kräfte. Zum ersten Male habe ich mich vergessen; ich werde es nie wieder tun. Können Sie mir verzeihen?« Ihr Zorn war schnell besänftigt und sie schieden als gute Freunde. Was Haverlie, in der Erregung gesagt hatte, ging ihr aber im Kopfe herum und sie machte Herrn Beck Mitteilung davon. Der Detektiv hatte sich verkleidet als der reiche Brauereibesitzer Bolton aus Yorkshire in der Nähe einquartiert.

Mit verschmitztem Lächeln hörte er ihr zu. »Können Sie es wohl möglich machen, daß Herr Haverlie ein paar Tage hier bleibt? Seine Gegenwart würde uns nützlich sein.«

»Ganz leicht,« erwiderte Mabel. »Vetter Jack – Herr Templeton meine ich – hat carte blanche bei Tante Julie. Sie vergöttert ihn fast; er darf einladen, wen er will, und ist Herr im Hause.«

»Würde er es Ihnen zu Gefallen tun?« fragte Beck ganz ernsthaft.

»Ach ja; ich glaube.«

Zwei Tage später kam der erwartete Brief von Herrn Ransome. Als Mabel mit zitternden Fingern das Kuvert öffnete, fiel ein Zeitungsausschnitt zur Erde. Der Brief war aus Paris datiert und lautete kurz und trocken:

»Liebe Frau!

Vor zwei Tagen fand ich die inliegende Ankündigung in der ›Times‹. Ich erwartete eine Widerlegung, aber sie blieb aus. Jetzt werde ich hinüberkommen, um nach meinem Eigentum zu sehen. Wenn unsre Verbindung mir auch ebenso zuwider ist wie Dir, so darf man dem Gesetz doch nicht Hohn sprechen; das Wort Bigamie hat einen häßlichen Klang. Deine Verheiratung mit Herrn Haverlie würde ein Verbrechen sein, das ich unter allen Umständen verhindern will. Immer Dein

Claude Ransome.«    

Mabel Vernon erschrak über diesen boshaften Brief, aber Beck schien ganz zufrieden zu sein und lächelte vergnügt, als er die Stelle über Haverlie zum zweiten Male las. Nur ein Tag verging, da kam Herr Ransome selbst. Er wurde in die Bibliothek geführt, wo Mabel mit Angst und Zittern auf ihn wartete. Nach dreijähriger Trennung trafen die Gatten wieder zusammen, ohne sich mit Hand und Mund zu begrüßen. Mabel machte ihrem Mann eine steife Verbeugung, und er warf ihr einen verächtlichen Blick zu – offenbar befand er sich in wütender Stimmung.

»Was fällt Ihnen ein!« schrie er Mabel an. »Wie können Sie sich auf solche Schändlichkeiten einlassen!«

So weit war Ransome gekommen, da merkte er, daß ein dritter im Zimmer war.

Der ehrsame Bierbrauer, Herr Bolton, saß ruhig in einer Ecke, mit dem Rücken gegen das Fenster, und sah unverwandt nach der schönen Gestalt und dem feinen Gesicht von Mabel Vernons Gatten hin, der im hellsten Lichte stand. Es kam Herrn Bolton vor, als habe er noch nie eine so anziehende Erscheinung gesehen. Ransome war ein frischer, schön gewachsener junger Mann, etwas über Mittelgröße. Er hatte eine breite Brust und breite Schultern, aber Hände und Füße so klein, wie bei einem Mädchen. Sein Kopf saß frei und stolz auf den Schultern; die grauen Augen waren groß und glänzend, aber kalt, und ein seidenweiches Schnurrbärtchen fiel über den wohlgeformten Mund. Zwei kleine Ohren, die scharf geschnitten waren wie zarte Muscheln (ein Zeichen von guter Herkunft), guckten aus braunen Locken hervor, die dicht und kraus das schöne Haupt bedeckten.

Das alles hatte Herr Bolton schon mit einem Blick erfaßt, als Ransome seine Gegenwart bemerkte und erschrocken innehielt – nur einen Moment; dann fuhr er mit derselben Unverschämtheit fort: »Fräulein Vernon, ich habe Sie um eine Unterredung unter vier Augen gebeten. Wir sind nicht allein.«

»Der Herr ist ein Freund von mir,« antwortete Mabel mit dem Mut der Verzweiflung. »Nur in seiner Gegenwart will ich Sie anhören. Er weiß alles, alles sage ich Ihnen, Sie können sich offen vor ihm aussprechen.«

»Nun gut, mir kann es recht sein,« erwiderte er mit einem geringschätzigen Blick auf die schwerfällige Gestalt und das stumpfe Gesicht des ehrsamen Bierbrauers. »Dieser gute Freund wird Ihnen schwerlich raten, Bigamie zu treiben.«

Die arme Mabel war ganz vernichtet durch seinen Hohn. Sie versuchte zu sprechen, aber ihre zitternden Lippen brachten keinen Laut hervor. Da kam ihr Beck zu Hilfe und sagte ruhig: »Die junge Dame hat niemals die Absicht gehabt, Herrn Haverlie zu heiraten.«

»Dann bin ich ganz vergeblich gekommen.«

»Nicht ganz, Herr Ransome.«

»Was soll das heißen?« Zorn oder Furcht sprach aus den scharf hervorgestoßenen Worten.

Herr Bolton schien sich so behaglich zu fühlen, wie eine Katze auf einem warmen Teppich. »Haben Sie nur ein wenig Geduld, dann will ich's Ihnen sagen. Sie werden nicht überrascht sein zu hören, daß diese junge Dame keine Lust hat, mit Ihnen zusammen zu leben. Sie ist bereit, das Vergnügen Ihrer Abwesenheit mit Geld zu bezahlen.«

»Sie darf nicht wieder heiraten.«

»Sie kann nicht, meinen Sie wohl, Herr Ransome. Ich habe den Trauschein genau angesehen; unglücklicherweise scheint alles in Ordnung zu sein. Fräulein Vernon kann nur auf eine freiwillige Trennung hoffen und ist bereit, eine hohe Summe dafür zu entrichten.«

»Wie viel?«

»Ihr halbes Vermögen. Sie würden dreitausend Pfund jährlich erhalten.« Ransomes Augen leuchteten vor Geldgier und Freude. Man sah deutlich, daß eine solche Wendung der Dinge seinen Gedanken nicht fremd war. Trotzdem zauderte er noch. »Diese Kurmacherei Haverlies ist mir höchst fatal,« sagte er langsam. »Die Welt wird meine Frau immer noch als unverheiratet ansehen.«

»Herr Haverlie ist hier und soll das Dokument mit unterzeichnen, wenn Sie es wünschen.«

Da zögerte Ransome nicht länger. »Ich nehme die Bedingungen an,« sagte er. »Wann soll das Schriftstück unterzeichnet werden?«

»Übermorgen kann der Vertrag vollzogen werden. Wenn Sie es wünschen, können Sie so lange hier bleiben.«

»Natürlich wünsche ich es. Meine Sachen sind auf dem Bahnhof. Können sie abgeholt werden?«

»Gewiß; wenn Sie niemand mitgebracht haben, kann mein Diener Ihre Aufträge besorgen.«

»Danke, ich brauche keinen Spion. Er soll nur mein Gepäck holen,« lautete die liebenswürdige Antwort.

Als Claude Ransome ein paar Stunden später ins Empfangszimmer trat, sah er hübscher aus als je; er trug einen gutsitzenden Gesellschaftsanzug und der prachtvollste Rubin strahlte an seiner Brust. Aus einem stillen Eckchen beobachtete Bolton sein Zusammentreffen mit dem schönen Fred Haverlie, der bei seinem Anblick stutzte und ein paar zornige Worte zwischen den schönen weißen Zähnen hervorstieß. Aber Ransome flüsterte ihm etwas ins Ohr, das wie ein Zauberspruch seinen Zorn besänftigte. Ein paar Minuten entfernten sie sich zusammen und sprachen schnell und eifrig aufeinander ein, dann trennten sie sich. Haverlie sah erregt aus, Ransome siegesgewiß.

Bei Tische saß der junge Ransome neben Herrn Bolton, Mabel beinahe gegenüber, und führte eine lebhafte Unterhaltung, die wie Champagner sprudelte und berauschte. Seine ausgelassene Heiterkeit beängstigte die arme Mabel; sie wurde ganz blaß und machte sich so klein wie ein Vögelchen, das vom Blick der glitzernden Schlange hypnotisiert wird. Die gutmütige Tante Julie, die diese Nichte fast ebenso liebte wie ihren Neffen und keinen sehnlicheren Wunsch kannte, als aus den beiden ein Paar zu machen, bemerkte Mabels schlechtes Aussehen und gab das Zeichen zum Aufbruch der Damen, zur großen Betrübnis einer jungen Frau, die zur Rechten des bezaubernden jungen Ransome saß. Während die heitere Gesellschaft vorüberzog, hielt Herr Bolton höflich die Tür offen und es gelang ihm, der niedergeschlagenen Mabel Vernon zuzuflüstern: »Nur Mut! Warten Sie in der Bibliothek auf mich.«

Als die Damen fort waren, rückten die Herren näher zusammen, die Lücken schlossen sich und die Unterhaltung sowohl als der Wein flossen nun noch reichlicher. Ransome fing an, den harmlosen Herrn Bolton zu necken, worüber sich ein paar ältere Herren köstlich amüsierten. Aber ebensogut hätte er eine Ente mit Wasser begießen können – der Bierbrauer ertrug seine Spöttereien mit unerschütterlicher Ruhe und Geduld. »Ist es erlaubt zu rauchen, Herr Templeton?« rief er über den Tisch hinüber, als die Lachsalven, die Ransomes Witze hervorriefen, sich einmal wieder beruhigt hatten. Jack Templeton nickte zustimmend.

Nun zog Bolton eine goldene Schnupftabaksdose aus der Tasche, die als Zigarrenetui eingerichtet war und auf dem Deckel ein Medaillon mit Brillanten eingefaßt zeigte. Während er sich langsam eine Zigarette aussuchte, erregte die Dose die Aufmerksamkeit eines Herrn, der von Ransome weit entfernt saß, und sie wurde ihm zu näherer Betrachtung herübergereicht. »Das Zigarrenetui ist ein Geschenk des Herzogs von Southern,« sagte Bolton; »ich habe einmal das Glück gehabt, Seiner Erlaucht einen kleinen Dienst zu leisten.«

Die kostbare Dose ging von Hand zu Hand, um den ganzen Tisch herum, wurde von jedermann bewundert und verschwand. Herr Bolton wartete darauf, daß sie zurückkäme, und seine Blicke verfinsterten sich allmählich. Die Unterhaltung stockte. Ein unbestimmtes, unbehagliches Gefühl, als ob etwas nicht in Ordnung wäre, bemächtigte sich der heiteren Gesellschaft. Da rief der Bierbrauer mit erregter Stimme über den ganzen Tisch hinüber, die Augen nach der Gegend gewendet, wo Herr Ransome saß: »Wollen Sie nicht so gut sein, meine Dose wieder heraufzuschicken!«

Es folgte eine Totenstille. Die Gäste sahen einander an, aber keiner rührte sich und keiner sprach ein Wort. Jack Templeton, der oben am Tische saß, sprang auf. »Das ist ein schlechter Witz, dem ein schnelles Ende gemacht werden muß!« rief er streng.

Nun protestierten alle, halb ärgerlich, halb beleidigt, aber keiner verließ seinen Platz.

Templeton gewann seine Ruhe wieder. »Die Sache muß aufgeklärt werden,« sagte er. »Von der Dienerschaft ist niemand im Zimmer. Willst du so gut sein, die Tür zu verriegeln, Harcourt? Meine Herren, wo keine Ausnahme gemacht wird, darf keiner sich beleidigt fühlen. Ich muß Sie leider bitten, sich einer Untersuchung zu unterwerfen. Ich selbst will dabei der erste sein.« Bei dem allgemeinen beifälligen Gemurmel, das als Antwort erfolgte, fehlten die Stimmen von Haverlie und Ransome. Haverlie hatte allerdings den Mund geöffnet, als wenn er gegen die Zumutung protestieren wolle, aber es kam nichts heraus. Wer gute Augen hatte, konnte bemerken, daß Ransome leichenblaß geworden war.

Templeton warf Rock und Weste ab und winkte Sydney Harcourt und Herrn Bolton zu sich. Sie untersuchten ihn gründlich und befühlten ihn mit beiden Händen von oben bis unten. »Gehen Sie nach der Reihe von Ihrem eigenen Platz aus,« sagte Templeton zu Herrn Bolton.

Zunächst kam Ransome an die Reihe. Er stand da wie versteinert; sobald aber Harcourt seine Schulter berührte, entwand er sich dessen Händen, fiel auf die Kniee und flehte schluchzend: »Rührt mich nicht an! Rührt mich nicht an! Ich bin unschuldig! Ich schwöre es!«

Jack Templeton machte ein ernstes, strenges Gesicht und sagte: »Wenn Sie unschuldig sind, kann Ihnen die Untersuchung nichts anhaben.« Zum zweiten Male erfolgte beifälliges Gemurmel der Gäste. Ransome warf noch schnell einen verzweifelten Blick auf Haverlie, der stumm blieb und das Gesicht abwendete – dann brach er zusammen. »Ach untersucht mich nicht vor allen diesen Männern!« schrie er gellend auf. »Ich will ja gestehen, ich will ja alles gestehen! Führt mich nur fort.«

Jack Templeton wollte eben sprechen, da flüsterte ihm Bolton ein paar Worte ins Ohr, die wie ein elektrischer Schlag auf ihn wirkten. Trotzdem bewahrte er eine bewundernswerte Ruhe. »Meine Herren,« wendete er sich an die Gesellschaft, »verzeihen Sie, bitte, diesen unliebsamen Zwischenfall und entschuldigen Sie mich ein paar Augenblicke. Mein Freund Harcourt wird mich vertreten.« Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ er mit Bolton das Zimmer. Sie führten Ransome zwischen sich fort.

Unterdes hatte Sydney Harcourt den Platz des Wirtes an der Tafel eingenommen und die Gäste, die froh waren, daß ein Fremder der Missetäter gewesen, setzten sich wieder. Nur einer fehlte: der schöne Frank Haverlie war durch die geöffnete Tür in den Vorsaal geschlüpft, hatte dort den ersten besten Hut ergriffen und lief nun, so wie er war, im Gesellschaftsanzug mit Lackstiefeln im strömenden Regen die Allee hinunter bis zur nächsten Eisenbahnstation, die eine Stunde weit entfernt lag.

Wie staunte Mabel Vernon, als Jack Templeton und Herr Bolton mit ihrem Gatten, der bleich und zitternd zwischen ihnen ging, die Bibliothek betraten. Das war nicht mehr derselbe Mensch. Wo war die Siegesgewißheit und die Unverschämtheit geblieben, mit der Ransome sie noch vor zwei Stunden gequält hatte? »Was soll das bedeuten, Jack?« rief sie aufgeregt. Templeton errötete, als sie seinen Namen ausrief, und seine Gedanken verwirrten sich. »Die goldene Dose des Herrn Bolton wurde vermißt,« begann er.

»Ich habe sie nicht genommen,« rief Ransome schluchzend dazwischen. »Wahrhaftig, ich bin unschuldig!«

»Davon bin ich überzeugt,« erwiderte Bolton mit der unnachahmlichen Gelassenheit des Geheimpolizisten Beck. Er zog ruhig die verlorene Dose aus seiner eigenen Westentasche und wiederholte: »Daß Sie hieran unschuldig sind, davon bin ich fest überzeugt, mein Fräulein.«

»Fräulein?« rief Mabel in höchstem Erstaunen.

»Ja, entweder Frau oder Fräulein,« antwortete Beck mit derselben Ruhe. »Ich kann nicht wissen, ob die Dame verheiratet ist oder nicht; das eine aber ist sicher: Sie, Fräulein Vernon sind nicht verheiratet.«

»Ach, ist das möglich?« rief Mabel. »Ist das gewiß wahr?«

»Ganz gewiß,« erwiderte der unerschütterliche Beck. »Ich glaube kaum, daß diese Dame wagen wird, das zu bestreiten. Es ist mir ja von vornherein verdächtig gewesen, als ich hörte, daß der schöne Frank Haverlie, von dem mir dies und jenes zu Ohren gekommen ist, einem andern jungen Mann beigestanden haben soll, ein Mädchen zu heiraten, das er selbst gern gehabt. Mir lag daran, diesen fabelhaften Ehemann mit eigenen Augen zu sehen, und als er da war, gelang es mir mit Leichtigkeit, das Spiel der beiden zu durchschauen.«

»Aber wie denn?«

»Erstens tragen die Männer hierzulande keine Ohrringe, mein Fräulein,« sagte er, auf ein paar winzige weiße Flecken in Ransomes rosigen Ohrläppchen deutend. »Die goldene Schnupftabaksdose sollte als letzte Probe dienen, und diese gelang vollkommen.«

»Jedenfalls können Sie mir nichts anhaben,« rief der ehemalige Herr Ransome trotzig. »Ich bin kein Dieb!«

»Aber etwas viel Schlimmeres, meine Teure,« sagte Beck vergnügt.

»Kann ich dafür ins Gefängnis kommen?«

»Sieben Jahre,« erwiderte Beck kaltblütig.

»Liefert mich nicht aus, um Gottes Barmherzigkeit willen!« jammerte sie. »Ich bin nicht allein schuld. Haverlie, der Feigling, der jetzt den Mund nicht aufmachen wollte, um mir beizustehen, hat alles ausgeheckt. Im Variététheater habe ich ihn zuerst kennengelernt, hinter den Kulissen. Ich war dort engagiert, als Fräulein Maud Guilfoyle, um die Gigerlrollen zu spielen; das brachte ihn zuerst auf den Gedanken. Er kam alle Tage, machte mir glühende Liebeserklärungen und versprach, mich zu heiraten. Später sah ich ihn mit Fräulein Vernon zusammen und erriet seine Absichten. Ich war eifersüchtig und in meinem Haß willigte ich ein, seine Pläne auszuführen. Ich wußte, daß er das Fräulein gern hatte und sie ihrem Vetter, Herrn Templeton, nicht gönnte, ich aber gönnte sie ihm nicht. Heute abend im Empfangszimmer hat er versprochen, mich zu heiraten, sobald die Schenkungsurkunde unterzeichnet sei.

»Ich dachte, alles wäre gelungen und nun – Ach, Fräulein Vernon, ich weiß, ich habe Sie schändlich hintergangen und verdiene kein Erbarmen; aber um Gottes willen, seien Sie barmherzig!«

»Hören Sie, was sie sagt, Fräulein Vernon?« fragte Beck. Aber Fräulein Vernon hörte nichts; sie stand mit Jack Templeton in einer Ecke und redete eifrig auf ihn ein. Jetzt wandte sie den Kopf; ihre Wangen glühten und ihre Augen strahlten vor Glück, die kummervolle Mabel Vernon war verschwunden, desgleichen der siegesbewußte Herr Ransome, an dessen Stelle ein schluchzendes Mädchen vor ihr stand. »Das arme Geschöpf hofft auf Ihre Gnade, Fräulein Vernon, und hat alles gestanden,« sagte Herr Beck; »Sie sind vollkommen frei.«

»Nein, Herr Beck, diesmal haben Sie's nicht getroffen,« erwiderte Mabel schelmisch. »Ich bin fest gebunden, und zwar fürs ganze Leben!« Dabei reichte sie ihrem Vetter Jack Templeton glückselig die Hand.

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