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Gewählte Gedichte

Jens Baggesen: Gewählte Gedichte - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
authorJens Baggesen
booktitleAnthologie aus den Gedichten von Baggesen und Oehlenschläger
titleGewählte Gedichte
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
seriesFamilien-Bibliothek der Deutschen Classiker
volumeVier und neunzigster Band
year1844
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidb3acd1c0
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An die Unschuld.

Unschuld! wenn von keinem Flor gedunkelt,
Immer strahlender in jedem Nu,
Deine Freude, deine Seelenruh'
In der Bläue schöner Augen funkelt,
Was ist himmlischer, als du?

Du machst rosiger die frische Jugend;
Stärke reift in deinem Sonnenschein;
Selbst die Liebe wird durch dich allein
Liebe, höchster Erdenlohn der Tugend;
All ihr Himmlisches ist dein.

Du verschönerst uns die dunkle Erde;
Wenn im grünen Kleide, lenzgestickt,
Sie das Aug' als Sonnenbraut entzückt,
Dankt sie diesen Zauber deinem Werde.
Berg und Thal hast du geschmückt.

Frühlingslüfte wehen deine Milde,
Bäche rieseln sanft in deiner Spur;
Dein ist der Gesang in Hain und Flur;
Jedes Blümchen schuf nach deinem Bilde
Mädchenähnlich die Natur.

Zwar wird kühn in deinem Heiligthume
Manche Ros' und Lilie gepflückt;
Aber ohne dich wird nie beglückt
Noch der kühne Räuber, noch die Blume,
Die sein Frevel dir entrückt.

Darum dir geweiht von mir sey jeder
Ernst, du Himmlische! wie jeder Scherz,
Jede Freud' und jeder süße Schmerz,
Dir für immer weih' ich meine Feder,
Ewig dir mein Herz.

*

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