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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 29
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Montag, den 24. [?] November 1823

Sonnabend und Sonntag studierte ich die Gedichte. Diesen Morgen schrieb ich meine Ansicht darüber und schickte sie Goethen zu, denn ich hatte erfahren, daß er seit einigen Tagen niemanden vor sich lasse, indem der Arzt ihm alles Reden verboten.

Heute gegen Abend ließ er mich dennoch rufen. Als ich zu ihm hineintrat, fand ich einen Stuhl bereits in seine Nähe gesetzt; er reichte mir seine Hand entgegen und war äußerst liebevoll und gut. Er fing sogleich an, über meine kleine Rezension zu reden. »Ich habe mich sehr darüber gefreut,« sagte er, »Sie haben eine schöne Gabe. Ich will Ihnen etwas sagen,« fuhr er dann fort, »wenn Ihnen vielleicht von andern Orten her literarische Anträge gemacht werden sollten, so lehnen Sie solche ab oder sagen es mir wenigstens zuvor; denn da Sie einmal mit mir verbunden sind, so möchte ich nicht gerne, daß Sie auch zu anderen ein Verhältnis hätten.«

Ich antwortete, daß ich mich bloß zu ihm halten wolle, und daß es mir auch vorderhand um anderweitige Verbindungen durchaus nicht zu tun sei.

Das war ihm lieb, und er sagte darauf, daß wir diesen Winter noch manche hübsche Arbeit miteinander machen wollten.

Wir kamen dann auf die ›Ghaselen‹ selbst zu sprechen, und Goethe freute sich über die Vollendung dieser Gedichte und daß unsere neueste Literatur doch manches Tüchtige hervorbringe.

»Ihnen«, fuhr er dann fort, »möchte ich unsere neuesten Talente zu einem besonderen Studium und Augenmerk empfehlen. Ich möchte, daß Sie sich von allem, was in unserer Literatur Bedeutendes hervortritt, in Kenntnis setzten und mir das Verdienstliche vor Augen brächten, damit wir in den Heften von ›Kunst und Altertum‹ darüber reden und das Gute, Edle und Tüchtige mit Anerkennung erwähnen könnten. Denn mit dem besten Willen komme ich bei meinem hohen Alter und bei meinen tausendfachen Obliegenheiten ohne anderweitige Hülfe nicht dazu.«

Ich versprach dieses zu tun, indem ich mich zugleich freute zu sehen, daß unsere neuesten Schriftsteller und Dichter Goethen mehr am Herzen liegen, als ich mir gedacht hatte.

 

Die Tage darauf sendete Goethe mir die neuesten literarischen Tagesblätter zu dem besprochenen Zwecke. Ich ging einige Tage nicht zu ihm und ward auch nicht gerufen. Ich hörte, sein Freund Zelter sei gekommen, ihn zu besuchen.

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