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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 270
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Freitag, den 4. Mai 1827

Zu Ehren Ampères und seines Freundes Stapfer großes Diner bei Goethe. Die Unterhaltung war laut, heiter und bunt durcheinander. Ampère erzählte Goethe viel von Mérimée, Alfred de Vigny und anderen bedeutenden Talenten. Auch ward sehr viel über Béranger gesprochen, dessen unvergleichliche Lieder Goethe täglich in Gedanken hat. Es kam zur Erwähnung, ob Bérangers heitere Liebeslieder vor seinen politischen den Vorzug verdienten; wobei Goethe seine Meinung dahin entwickelte, daß im allgemeinen ein rein poetischer Stoff einem politischen so sehr voranstehe, als die reine, ewige Naturwahrheit der Parteiansicht.

»Übrigens«, fuhr er fort, »hat Béranger in seinen politischen Gedichten sich als Wohltäter seiner Nation erwiesen. Nach der Invasion der Alliierten fanden die Franzosen in ihm das beste Organ ihrer gedrückten Gefühle. Er richtete sie auf durch vielfache Erinnerungen an den Ruhm der Waffen unter dem Kaiser, dessen Andenken noch in jeder Hütte lebendig und dessen große Eigenschaften der Dichter liebt, ohne jedoch eine Fortsetzung seiner despotischen Herrschaft zu wünschen. Jetzt, unter den Bourbonen, scheint es ihm nicht zu behagen. Es ist freilich ein schwach gewordenes Geschlecht! Und der jetzige Franzose will auf dem Throne große Eigenschaften, obgleich er selber gerne mitherrscht und selber gerne ein Wort mitredet.«

Nach Tisch verbreitete sich die Gesellschaft im Garten, und Goethe winkte mir zu einer Spazierfahrt um das Gehölz auf dem Wege nach Tiefurt.

Er war im Wagen sehr gut und liebevoll. Er freute sich, daß mit Ampère ein so hübsches Verhältnis angeknüpft worden, wovon er sich für die Anerkennung und Verbreitung der deutschen Literatur in Frankreich die schönsten Folgen verspreche.

»Ampère«, fügte er hinzu, »steht freilich in seiner Bildung so hoch, daß die nationalen Vorurteile, Apprehensionen und Borniertheiten vieler seiner Landsleute weit hinter ihm liegen und er seinem Geiste nach weit mehr ein Weltbürger ist als ein Bürger von Paris. Ich sehe übrigens die Zeit kommen, wo er in Frankreich Tausende haben wird, die ihm gleich denken.«

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