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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 256
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Sonnabend, den 16. [Dienstag, den 12.] April 1825

Bei Goethe zu Tisch mit D'Alton, dessen Bekanntschaft ich vorigen Sommer in Bonn gemacht und welchen wiederzusehen ich große Freude hatte. D'Alton ist ganz ein Mann nach Goethes Sinne; auch findet zwischen beiden ein sehr schönes Verhältnis statt. In seiner Wissenschaft erscheint er von großer Bedeutung, so daß Goethe seine Äußerungen wert hält und jedes seiner Worte beachtet. Dabei ist D'Alton als Mensch liebenswürdig, geistreich und von einer Redegabe und einer Fülle hervorquellender Gedanken, daß er wohl wenige seinesgleichen hat und man nicht satt wird ihm zuzuhören.

Goethe, der in seinen Bestrebungen, die Natur zu ergründen, gern das All umfassen möchte, steht gleichwohl gegen jeden einzelnen Naturforscher von Bedeutung, der ein ganzes Leben einer speziellen Richtung widmet, im Nachteil. Bei diesem findet sich die Beherrschung eines Reiches unendlichen Details, während Goethe mehr in der Anschauung allgemeiner großer Gesetze lebt. Daher kommt nun, daß Goethe, der immer irgendeiner großen Synthese auf der Spur ist, dem aber, aus Mangel an Kenntnis der einzelnen Fakta, die Bestätigung seiner Ahndungen fehlt, mit so entschiedener Liebe jedes Verhältnis zu bedeutenden Naturforschern ergreift und festhält. Denn bei ihnen findet er, was ihm mangelt; bei ihnen findet er die Ergänzung dessen, was bei ihm selber lückenhaft geblieben. Er wird nun in wenigen Jahren achtzig Jahre alt, aber des Forschens und Erfahrens wird er nicht satt. In keiner seiner Richtungen ist er fertig und abgetan; er will immer weiter, immer weiter! immer lernen, immer lernen! und zeigt sich eben dadurch als ein Mensch von einer ewigen, ganz unverwüstlichen Jugend.

Diese Betrachtungen wurden bei mir diesen Mittag bei seiner lebhaften Unterhaltung mit D'Alton angeregt. D'Alton sprach über die Nagetiere und die Bildungen und Modifikationen ihrer Skelette, und Goethe konnte nicht satt werden, immer noch mehr einzelne Fakta zu vernehmen.

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