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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 241
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Sonntag, den 21. Dezember 1823*

Goethes gute Laune war heute wieder glänzend. Wir haben den kürzesten Tag erreicht, und die Hoffnung, jetzt mit jeder Woche die Tage wieder bedeutend zunehmen zu sehen, scheint auf seine Stimmung den günstigsten Einfluß auszuüben. »Heute feiern wir die Wiedergeburt der Sonne!« rief er mir froh entgegen, als ich diesen Vormittag bei ihm eintrat. Ich hörte, daß er jedes Jahr die Wochen vor dem kürzesten Tage in deprimierter Stimmung zu verbringen und zu verseufzen pflegt.

Frau von Goethe trat herein, um ihren Schwiegerpapa zu benachrichtigen, daß sie nach Berlin zu reisen im Begriff sei, um dort mit ihrer nächstens zurückkommenden Mutter zusammenzutreffen.

Als Frau von Goethe gegangen war, scherzte Goethe mit mir über die lebendige Einbildungskraft, welche die Jugend charakterisiere. »Ich bin zu alt,« sagte er, »um ihr zu widersprechen und ihr begreiflich zu machen, daß die Freude, ihre Mutter dort oder hier zuerst wiederzusehen, ganz dieselbige sein würde. Diese Winterreise ist viel Mühe um nichts; aber ein solches Nichts ist der Jugend oft unendlich viel. – Und im ganzen genommen, was tuts! Man muß oft etwas Tolles unternehmen, um nur wieder eine Zeitlang leben zu können. In meiner Jugend habe ich es nicht besser gemacht, und doch bin ich noch ziemlich mit heiler Haut davongekommen.«

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