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Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 222
Quellenangabe
typereport
booktitleGespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Montag, den 24. Februar 1823*

Der heutige Tag war in bezug auf Goethe noch sehr beunruhigend, indem diesen Mittag die Besserung nicht erfolgte wie gestern. In einem Anfall von Schwäche sagte er zu seiner Schwiegertochter: »Ich fühle, daß der Moment gekommen, wo in mir der Kampf zwischen Leben und Tod beginnt.«

Doch hatte der Kranke am Abend sein volles geistiges Bewußtsein und zeigte schon wieder einigen scherzhaften Übermut. »Ihr seid zu furchtsam mit Euren Mitteln,« sagte er zu Rehbein, »Ihr schonet mich zu sehr! Wenn man einen Kranken vor sich hat, wie ich es bin, so muß man ein wenig napoleontisch mit ihm zu Werke gehen.« Er trank darauf eine Tasse eines Dekokts von Arnika, welche gestern, im gefährlichsten Moment von Huschke angewendet, die glückliche Krisis bewirkt hatte. Goethe machte eine graziöse Beschreibung dieser Pflanze und erhob ihre energischen Wirkungen in den Himmel. Man sagte ihm, daß die Ärzte nicht hätten zugeben wollen, daß der Großherzog ihn sehe. »Wäre ich der Großherzog,« rief Goethe, »so würde ich viel gefragt und mich viel um euch gekümmert haben!«

In einem Augenblick, wo er sich besser befand und wo seine Brust freier zu sein schien, sprach er mit Leichtigkeit und klarem Geiste, worauf Rehbein einem der Nahestehenden ins Ohr flüsterte: »Eine bessere Respiration pflegt eine bessere Inspiration mit sich zu führen.« Goethe, der es gehört, rief darauf mit großer Heiterkeit: »Das weiß ich längst; aber diese Wahrheit paßt nicht auf Euch, Ihr Schelm!«

Goethe saß aufrecht in seinem Bette, der offenen Tür seines Arbeitszimmers gegenüber, wo seine näheren Freunde versammelt waren, ohne daß er es wußte. Seine Züge erschienen mir wenig verändert; seine Stimme war rein und deutlich, doch war darin ein feierlicher Ton, wie der eines Sterbenden. »Ihr scheint zu glauben,« sagte er zu seinen Kindern, »daß ich besser bin; aber ihr betrügt euch.« Man suchte ihm jedoch seine Apprehensionen scherzend auszureden, welches er sich denn auch gefallen zu lassen schien. Es waren indes immer noch mehr Personen in das Zimmer hereingetreten, welches ich keineswegs für gut finden konnte, indem die Gegenwart so vieler Menschen unnötigerweise die Luft verschlechterte und der Bedienung des Kranken im Wege war. Ich konnte nicht unterlassen mich darüber auszusprechen, und ging hinab in das untere Zimmer, von wo aus ich meine Bulletins der Kaiserlichen Hoheit zuschickte.

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