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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 207
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Mittwoch, den 25. [Montag, den 23.] Mai 1831

Wir sprachen über ›Wallensteins Lager‹. Ich hatte nämlich häufig erwähnen hören, daß Goethe an diesem Stücke teilgehabt, und daß besonders die Kapuzinerpredigt von ihm herrühre. Ich fragte ihn deshalb heute bei Tisch, und er gab mir folgende Antwort.

»Im Grunde«, sagte er, »ist alles Schillers eigene Arbeit. Da wir jedoch in so engem Verhältnis miteinander lebten, und Schiller mir nicht allein den Plan mitteilte und mit mir durchsprach, sondern auch die Ausführung, so wie sie täglich heranwuchs, kommunizierte und meine Bemerkungen hörte und nutzte, so mag ich auch wohl daran einigen Teil haben. Zu der Kapuzinerpredigt schickte ich ihm die Reden des Abraham a Sancta Clara, woraus er denn sogleich jene Predigt mit großem Geiste zusammenstellte.

Daß einzelne Stellen von mir herrühren, erinnere ich mich kaum, außer jenen zwei Versen:

Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
Ließ mir ein paar glückliche Würfel nach.

Denn da ich gerne motiviert wissen wollte, wie der Bauer zu den falschen Würfeln gekommen, so schrieb ich diese Verse eigenhändig in das Manuskript hinein. Schiller hatte daran nicht gedacht, sondern in seiner kühnen Art dem Bauer geradezu die Würfel gegeben, ohne viel zu fragen, wie er dazu gekommen. Ein sorgfältiges Motivieren war, wie ich schon gesagt, nicht seine Sache, woher denn auch die größere Theaterwirkung seiner Stücke kommen mag.«

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