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Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens

Johann Peter Eckerman: Gespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens - Kapitel 162
Quellenangabe
typereport
booktitleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
authorJohann Peter Eckermann
year1981
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-32200-0
titleGespršche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
created19990505
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1836
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Genf, den 14. September 1830

Zu meiner großen Freude habe ich aus einem Ihrer letzten Briefe in Genua ersehen, daß die Lücken und das Ende der ›Klassischen Walpurgisnacht‹ glücklich erobert worden. Die drei ersten Akte wären also vollkommen fertig, die ›Helena‹ verbunden, und demnach das Schwierigste getan. Das Ende ist, wie Sie mir sagten, schon da, und so wird, wie ich hoffe, der vierte Akt sich Ihnen bald überwunden ergeben, und etwas Großes wäre zustande gebracht, woran künftige Jahrhunderte sich erbauen und üben möchten. Ich freue mich dazu ganz außerordentlich und werde jede Nachricht, die mir das Vorrücken der poetischen Mächte vermeldet, mit Jubel empfangen.

Ich habe auf meiner Reise häufige Gelegenheit gehabt, des ›Faust‹ zu gedenken und daraus einige klassische Stellen anzuwenden. Wenn ich in Italien die schönen Menschen und das Gedeihen der frischen Kinder sah, waren mir die Verse zugegen:

Hier ist das Wohlbehagen erblich!
Die Wange heitert wie der Mund;
Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich,
Sie sind zufrieden und gesund.

Und so entwickelt sich am reinen Tage
Zu Vaterkraft das holde Kind.
Wir staunen drob; noch immer bleibt die Frage:
Obs Götter, ob es Menschen sind.

Dagegen wenn ich, von dem Anblick der schönen Natur hingerissen, Herz und Augen an Seen, Bergen und Tälern weidete, schien irgendein unsichtbarer kleiner Teufel sein Spiel mit mir zu treiben, indem er mir jedesmal die Verse zuflüsterte:

Und hätt ich nicht gerüttelt und geschüttelt,
Wie wäre diese Welt so schön?

Alle vernünftige Anschauung war sodann mit einem Mal verschwunden, die Absurdität fing an zu herrschen, ich fühlte eine Art Umwälzung in meinem Innern, und es war keine Hülfe, als jedesmal mit Lachen zu endigen.

Bei solchen Gelegenheiten habe ich recht empfunden, daß der Poet eigentlich immer positiv sein sollte. Der Mensch gebraucht den Dichter, um das auszusprechen, was er selbst nicht auszudrücken vermag. Von einer Erscheinung, von einer Empfindung wird er ergriffen, er sucht nach Worten, seinen eigenen Vorrat findet er unzulänglich, und so muß ihm der Dichter zu Hülfe kommen, der ihn frei macht, indem er ihn befriedigt.

In diesem Gefühl habe ich denn jene ersteren Verse wiederholt gesegnet und die letzteren täglich lachend verwünscht. Wer aber möchte sie an der Stelle entbehren, für die sie gemacht sind und wo sie im schönsten Sinne wirken!

Ein eigentliches Tagebuch habe ich in Italien nicht geführt; die Erscheinungen waren zu groß, zu viel, zu schnell wechselnd, als daß man sich ihrer im nächsten Augenblick hätte bemächtigen mögen und können. Ich habe jedoch meine Augen und Ohren immer offen gehabt und mir vieles gemerkt. Solche Erinnerungen will ich nun zueinander gruppieren und unter einzelnen Rubriken behandeln. Besonders habe ich hübsche Bemerkungen zur Farbenlehre gemacht, auf deren nächste Darstellung ich mich freue. Es ist natürlich nichts Neues, allein immer ist es erwünscht, neue Manifestationen des alten Gesetzes zu finden.

In Genua hat Sterling für die Lehre ein großes Interesse gezeigt. Was ihm von Newtons Theorie überliefert worden, hat ihm nicht genügt, und so hatte er denn offene Ohren für die Grundzüge, die ich ihm von Ihrer Lehre in wiederholten Gesprächen habe geben können. Wenn man Gelegenheit hätte, ein Exemplar des Werks nach Genua zu spedieren, so könnte ich wohl sagen, daß ihm ein solches Geschenk nicht unwillkommen sein würde.

Hier in Genf habe ich seit drei Wochen eine wißbegierige Schülerin an Freundin Sylvestre gefunden. Ich habe dabei die Bemerkung gemacht, daß das Einfache schwerer zu fassen ist, als man denkt, und daß es eine große Übung erfordert, in den mannigfaltigsten Einzelnheiten der Erscheinung immer das Grundgesetz zu finden. Dem Geist aber gibt es eine große Gewandtheit, indem die Natur sehr delikat ist und man immer auf der Hut sein muß, durch einen zu raschen Ausspruch ihr nicht Gewalt zu tun. Übrigens findet man hier in Genf an einer so großen Sache auch nicht die Spur einer Teilnahme. Nicht allein, daß man auf hiesiger Bibliothek Ihre ›Farbenlehre‹ nicht hat, ja man weiß nicht einmal, daß so etwas in der Welt ist. Hieran mögen nun die Deutschen mehr schuld sein als die Genfer, allein es verdrießt mich doch und reizt mich zu schalkhaften Bemerkungen.

Bekanntlich hat Lord Byron einige Zeit sich hier aufgehalten, und da er die Gesellschaft nicht liebte, so hat er sein Wesen bei Tag und Nacht in der Natur und auf dem See getrieben, wovon man hier noch zu erzählen hat und wovon in seinem ›Childe Harold‹ ein schönes Denkmal geblieben. Auch die Farbe der Rhone hat er bemerkt, und wenn er auch die Ursache nicht ahnen konnte, so hat er doch ein empfängliches Auge gezeigt. Er sagt in seiner Bemerkung zum dritten Gesange:

»The colour of the Rhone at Geneva is blue, to a depth of tint which I have never seen equalled in water, salt or fresh, except in the Mediterranean and Archipelago.«

Die Rhone, wie sie sich zusammendrängt, um durch Genf zu gehen, teilt sich in zwei Arme, über welche vier Brücken führen, auf denen hin und her gehend man die Farbe des Wassers recht gut beobachten kann.

Nun ist merkwürdig, daß das Wasser des einen Armes blau ist, wie Byron es gesehen hat, das des andern aber grün. Der Arm, wo das Wasser blau erscheint, ist reißender und hat den Grund so tief gehöhlt, daß kein Licht hinabdringen kann und also unten vollkommene Finsternis herrschet. Das sehr klare Wasser wirkt als ein trübes Mittel, und es entsteht aus den bekannten Gesetzen das schönste Blau. Das Wasser des anderen Armes geht nicht so tief, das Licht erreicht noch den Grund, so daß man Steine sieht, und da es unten nicht finster genug ist, um blau zu werden, aber nicht flach und der Boden nicht rein, weiß und glänzend genug, um gelb zu sein, so bleibt die Farbe in der Mitte und manifestiert sich als grün.

Wäre ich nun, wie Byron, zu tollen Streichen aufgelegt und hätte ich die Mittel, sie auszuführen, so würde ich folgendes Experiment machen.

Ich würde in dem grünen Arm der Rhone, in der Nähe der Brücke, wo täglich Tausende von Menschen passieren, ein großes schwarzes Brett, oder so etwas, so tief befestigen lassen, daß ein reines Blau entstände, und nicht weit davon ein sehr großes Stück weißes glänzendes Blech in solcher Tiefe des Wassers, daß im Schein der Sonne ein entschiedenes Gelb erglänzte. Wenn nun die Menschen vorbeigingen und in dem grünen Wasser den gelben und blauen Fleck erblickten, so würde ihnen das ein Rätsel sein, das sie neckte und das sie nicht lösen könnten. Man kommt auf Reisen zu allerlei Späßen; dieser aber scheint mir zu den guten zu gehören, worin einiger Sinn vorhanden ist und einiger Nutzen sein könnte.

Vor einiger Zeit war ich in einem Buchladen, wo in dem ersten kleinen Duodezbändchen, das ich zur Hand nahm, mir eine Stelle vor Augen trat, die in meiner Übersetzung also lautet:

»Aber jetzt saget mir: wenn man eine Wahrheit entdeckt hat, muß man sie den anderen Menschen mitteilen? Wenn ihr sie bekannt macht, so werdet ihr von einer Unzahl von Leuten verfolgt, die von dem entgegengesetzten Irrtum leben, indem sie versichern, daß eben dieser Irrtum die Wahrheit, und alles, was dahin geht, ihn zu zerstören, der größte Irrtum selber sei.«

Diese Stelle schien mir auf die Art, wie die Männer vom Fach Ihre ›Farbenlehre‹ aufgenommen, eine Anwendung zu finden, als wäre sie dafür geschrieben worden, und sie gefiel mir dermaßen, daß ich ihr zuliebe das ganze Buch kaufte. Es enthielt ›Paul und Virginia‹ und ›La Chaumière indienne‹ von Bernardin de Saint-Pierre, und ich hatte also auch übrigens meinen Kauf nicht zu bereuen. Ich las das Buch mit Freuden; der reine herrliche Sinn des Verfassers erquickte mich, und seine zarte Kunst, besonders wie er bekannte Gleichnisse schicklich anwendet, wußte ich zu erkennen und zu schätzen.

Auch die erste Bekanntschaft mit Rousseau und Montesquieu habe ich hier gemacht; damit aber mein Brief nicht selbst zum Buche werde, so will ich über diese sowie über vieles andere, das ich noch sagen möchte, für heute hinweggehen.

Seitdem ich den langen Brief von vorgestern von der Seele habe, fühle ich mich heiter und frei wie nicht seit Jahren, und ich möchte immer schreiben und reden. Es ist mir wirklich das höchste Bedürfnis, mich wenigstens vorderhand von Weimar entfernt zu halten; ich hoffe, daß Sie es billigen, und sehe schon die Zeit, wo Sie sagen werden, daß ich recht getan.

Morgen wird das hiesige Theater mit dem ›Barbier von Sevilla‹ eröffnet, welches ich noch sehen will; dann aber gedenke ich ernstlich abzureisen. Das Wetter scheint sich auch aufzuklären und mich begünstigen zu wollen. Es hat hier geregnet seit Ihrem Geburtstage, wo es schon morgens früh mit Gewittern anfing, die den ganzen Tag, in der Richtung von Lyon her, die Rhone herauf über den See zogen nach Lausanne zu, so daß es fast den ganzen Tag donnerte. Ich habe ein Zimmer für sechzehn Sous täglich, das mir die schönste Aussicht auf den See und das Gebirge gewährt. Gestern regnete es unten, es war kalt, und die höchsten Spitzen des Jura zeigten sich nach vorbeigezogenem Schauer zum ersten Mal weiß mit Schnee, der aber heute schon wieder verschwunden ist. Die Vorgebirge des Montblanc fangen schon an, sich mit bleibendem Weiß zu umhüllen; an der Küste des Sees hinauf, in dem Grün der reichen Vegetation, stehen schon einige Bäume gelb und braun; die Nächte werden kalt, und man sieht, daß der Herbst vor der Tür ist.

Ich grüße Frau von Goethe, Fräulein Ulrike und Walter Wolf und die Alma herzlich. Ich habe an Frau von Goethe vieles über Sterling zu schreiben, welches morgen geschehen soll. Ich freue mich von Euer Exzellenz einen Brief in Frankfurt zu erhalten, und bin glücklich in dieser Hoffnung

Mit den besten Wünschen und treuesten Gesinnungen verharrend

E.

 

Ich reiste am 21. September von Genf ab, und nachdem ich mich in Bern ein paar Tage aufgehalten, kam ich am 27. nach Straßburg, wo ich abermals einige Tage verweilte.

Hier, an dem Fenster eines Friseurs vorbeigehend, sah ich eine kleine Büste Napoleons, die, von der Straße zu gegen das Dunkel des Zimmers betrachtet, alle Abstufungen von Blau zeigte, vom milchigen Hellblau bis zum tiefen Violett. Ich hatte eine Ahndung, daß, vom Innern des Zimmers gegen das Licht angesehen, die Büste mir alle Abstufungen des Gelben gewähren würde, und so konnte ich einem augenblicklichen lebhaften Trieb nicht widerstehen, zu den mir ganz unbekannten Personen geradezu hineinzutreten.

Mein erster Blick war nach der Büste, wo mir denn die herrlichsten Farben der aktiven Seite, vom blassesten Gelb bis zum dunkelen Rubinrot, zu großer Freude entgegenglänzten. Ich fragte lebhaft, ob man nicht geneigt sein wolle, mir dieses Brustbild des großen Helden zu überlassen. Der Wirt erwiderte mir, daß er, aus gleicher Anhänglichkeit für den Kaiser, sich vor kurzem die Büste aus Paris mitgebracht habe; da jedoch meine Liebe die seinige noch um ein gutes Teil zu übertreffen scheine, wie er aus meiner enthusiastischen Freude schließe, so gebühre mir auch der Vorzug des Besitzes, und er wolle sie mir gerne überlassen.

In meinen Augen hatte dies gläserne Bild einen unschätzbaren Wert, und ich konnte daher nicht umhin, den guten Eigentümer mit einiger Verwunderung anzusehen, als er es für wenige Franken in meine Hände gab.

Ich schickte es, nebst einer in Mailand gekauften gleichfalls merkwürdigen Medaille, als ein kleines Reisegeschenk an Goethe, der es denn nach Verdienst zu schätzen wußte. In Frankfurt und später erhielt ich von ihm folgende Briefe.

Erster Brief

»Nur mit dem Wenigsten vermelde, daß Ihre beiden Schreiben von Genf glücklich angekommen sind, freilich erst am 26. September. Ich eile daher nur, so viel zu sagen: bleiben Sie ja in Frankfurt, bis wir wohl überlegt haben, wo Sie Ihren künftigen Winter zubringen wollen.

Ich lege für diesmal nur ein Blättchen an Herrn und Frau Geh. Rat von Willemer bei, welches ich baldigst abzugeben bitte. Sie werden ein paar Freunde finden, die im edelsten Sinne mit mir verbunden sind und Ihnen den Aufenthalt in Frankfurt nützlich und angenehm machen können.

Soviel also für diesmal. Schreiben Sie mir alsobald, wenn Sie diesen Brief erhalten haben.

Weimar, den 26. Septbr. 1830

Unwandelbar
Goethe.«

Zweiter Brief

»Zum allerschönsten begrüße ich Sie, mein Teuerster, in meiner Vaterstadt und hoffe, Sie werden die wenigen Tage in vertraulichem Vergnügen mit meinen vortrefflichen Freunden zugebracht haben.

Wenn Sie nach Nordheim abzugehen und daselbst einige Zeit zu verweilen wünschen, so wüßt ich nichts entgegenzusetzen. Wollen Sie sich in stiller Zeit mit dem Manuskripte beschäftigen, das in Sorets Händen ist, so soll es mir um desto angenehmer sein, weil ich zwar keine baldige Publikation desselben wünsche, es aber gern mit Ihnen durchgehen und rektifizieren möchte. Es wird seinen Wert erhöhen, wenn ich bezeugen kann, daß es ganz in meinem Sinne aufgefaßt sei.

Mehr sage ich nicht, überlasse Ihnen und erwarte das Weitere. Man grüßt Sie freundlich aus meinem Hause; von den übrigen Teilnehmern habe seit dem Empfang Ihres Briefes niemand gesprochen.

Alles Gute wünschend

Weimar, den 12. Oktbr. 1830

treulichst
J. W. v. Goethe.«

Dritter Brief

»Der lebhafte Eindruck, den Sie beim Anblick des merkwürdigen, Farbe vermittelnden Brustbildes erfuhren, die Begierde, sich solches anzueignen, das artige Abenteuer, welches Sie deshalb bestanden, und der gute Gedanke, mir solches als Reisegabe zu verehren, das alles deutet darauf: wie durchdrungen Sie sind von dem herrlichen Urphänomen, welches hier in allen seinen Äußerungen hervortritt. Dieser Begriff, dieses Gefühl wird Sie mit seiner Fruchtbarkeit durch Ihr ganzes Leben begleiten und sich noch auf manche produktive Weise bei Ihnen legitimieren. Der Irrtum gehört den Bibliotheken an, das Wahre dem menschlichen Geiste; Bücher mögen sich durch Bücher vermehren, indessen der Verkehr mit lebendigen Urgesetzen dem Geiste gefällt, der das Einfache zu erfassen weiß, das Verwickelte sich entwirrt und das Dunkle sich aufklärt.

Wenn Ihr Dämon Sie wieder nach Weimar führt, sollen Sie jenes Bild in der heftigen klaren Sonne stehen sehen, wo, unter dem ruhigen Blau des durchscheinenden Angesichts, die derbe Masse der Brust und der Epauletten von dem mächtigsten Rubinrot in allen Schattierungen auf- und abwärts leuchtet, und wie das Granitbild Memnons in Tönen, so sich hier das trübe Glasbild in Farbenpracht manifestiert. Man sieht hier wirklich den Helden auch für die Farbenlehre sieghaft. Haben Sie den schönsten Dank für diese unerwartete Bekräftigung der mir so werten Lehre.

Auch mit der Medaille haben Sie mein Kabinett doppelt und dreifach bereichert; ich bin auf einen Mann aufmerksam worden mit Namen Dupré. Ein vortrefflicher Bildhauer, Erzgießer, Medailleur; er war es, der das Bildnis Heinrichs des Vierten auf dem Pontneuf modellierte und goß. Durch die gesendete Medaille angeregt, sah ich meine übrigen durch, fand noch sehr vorzügliche mit demselben Namen, andere vermutlich von ihm, und so hat Ihre Gabe auch hier eine schöne Anregung veranlaßt.

Mit meiner ›Metamorphose‹, die Soretsche Übersetzung an der Seite, sind wir erst am fünften Bogen; ich wußte lange nicht, ob ich diesem Unternehmen mit Fluch oder Segen gedenken sollte. Nun aber, da es mich wieder in die Betrachtung der organischen Natur hineindrängt, freu ich mich daran und folge dem Berufe willig. Die für mich nun über vierzig Jahr alte Maxime gilt noch immer fort; man wird durch sie in dem ganzen labyrinthischen Kreise des Begreiflichen glücklich umhergeleitet und bis an die Grenze des Unbegreiflichen geführt, wo man sich denn, nach großem Gewinn, gar wohl bescheiden kann. Alle Philosophen der alten und neuen Welt vermochten auch nicht weiter zu gelangen. Mehr darf man sich in Schriften auszusprechen kaum anmaßen.

J. W. v. Goethe.«

 

Bei meinem Aufenthalte zu Nordheim, wo ich, nach einigem Verweilen zu Frankfurt und Kassel, erst gegen Ende Oktobers angekommen war, vereinigten sich alle Umstände dahin, um meine Rückkehr nach Weimar erwünscht zu machen.

Die baldige Herausgabe meiner Konversationen hatte Goethe nicht gebilligt, und somit war denn an eine erfolgreiche Eröffnung einer rein literarischen Laufbahn nicht mehr zu denken.

Sodann das Wiedersehen meiner seit Jahren innigst Geliebten und das täglich erneute Gefühl ihrer großen Tugenden erregten den Wunsch ihres baldigen Besitzes und das Verlangen nach einer sichern Existenz auf das lebhafteste. Unter solchen Umständen erreichte mich eine Botschaft aus Weimar, von der Frau Großherzogin befohlen, die ich mit Freuden ergriff, wie aus folgendem Brief an Goethe näher hervorgeht.

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