Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Arthur Achleitner >

Geschichten aus den Bergen

Arthur Achleitner: Geschichten aus den Bergen - Kapitel 55
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGeschichten aus den Bergen
authorArthur Achleitner
yearca. 1910
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleGeschichten aus den Bergen
pages495
created20140410
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Echte Liebe.

Mizi ist ein reizendes Geschöpf: brünett, schlank, mit zarten runden Formen und ein paar Feueraugen im Kopfe, körperliche Vorzüge, die das herzige Mädel gerade zum Dreinbeißen erscheinen ließen. Köstlich ist aber auch der Humor, das Temperament des reizenden Geschöpfes. Echte Herzensgüte ist gepaart mit lustiger mädchenhafter Schalkhaftigkeit. Mizi kann nicht lange traurig sein: das Prachtmädel empfindet mit, unterstützt in aller Stille die Armen, ist fromm und gottesfürchtig, dann aber huscht das feine Lächeln über die Korallenlippen, und silberhell klingt das herzliche Lachen. Dabei hat Mizi auch noch viel gelernt: sie versteht es, die so schmucken Kleider selbst zu machen, stickt, häkelt unverdrossen und kann kochen – ah wie gut! Bei Mizi ist jeder Küchenzettel deutsch: das herzige Mädel kann gar kein Französisch, stellt aber mit seiner Kochkunst jeden chef de cuisine in den Schatten. Soll ich noch einen Vorzug dieses herrlichen Geschöpfes anführen? Ja gewiß, denn Mizi spielt nicht Klavier. – – »Herrgott, das wird eine Hausfrau!« riefen die sommerfrischelnden Herren von Berchtesgaden aus, wenn sie abends in der Konditorei Forstner oder auf der Postveranda saßen und Mizi mit Mama noch eine kleine Abendpromenade machte. Das durch und durch praktische Mädel hatte eben doch noch etwas Romantik im Kopfe, es ging für sein Leben gern im Mondenschein spazieren. Freilich brummte der dicke, prosaische Papa über des Mädels »Dummheiten«, bei nachtschlafender Zeit noch spazieren laufen zu wollen, aber er ging, wenn Mama nicht abkommen konnte, doch mit. Recht lange dauerte so 'ne 43 Mondscheinpromenade in seiner Begleitung freilich nicht, denn der alte Herr fand immer bald heraus, daß auch der Mondschein wie die Sonnenwärme eine austrocknende, Durst erzeugende Eigenschaft habe. So fiel er in seinem heimischen Städtchen denn gar bald in die Stammkneipe, und um den doppelten Heimweg nur einmal machen zu müssen, nahm er eben 's Mädel mit. Kam Mizi ins Extrastübchen, dann waren die alten Gäste durchaus nicht bös und die jüngere Herrenwelt erst recht nicht. Das Kernmädel, umschwirrt und umschmeichelt von allen, die je mit ihm in Berührung gekommen, dekretierte, Papachen ein allerliebstes »Prosit« zunippend, das initium fidelitatis, und den alten Herren schwammen die Augen vor Lustigkeit und Freude an diesem an Herz und Seele durch und durch gesunden prächtigen Mädchen.

Doch eine Schrulle beherbergte das zierliche Köpfchen dennoch. So oft auch ein Freier anpochte und das herrliche Mädel zum Ehegespons begehrte, Mizi, die Vollblutösterreicherin, schüttelte immer das Köpfchen und sagte konsequent nein. Man darf es ihrem alten Herrn Papa schließlich nicht verübeln, daß ihm die ascalonischen Expeditionen hochachtbarer junger Herren auf die Dauer höchst unbequem wurden. Waren doch alle jungen Herren seiner Tafelrunde bereits abgeblitzt und daher vom Stammtisch gänzlich weggeblieben. Die Abendkneipe galt aber dem Herrn Sekretär alles. Er hielt es damit ganz mit Alfieri: »Mein Leben zählt nur von dem Tage an, wo es sich mit dem deinen verschlang.« Seit er dies irgendwo in Alfieris Schriften gelesen, ging er alle Abende aus und befand sich ungeheuer wohl dabei. Wiewohl der Herr Sekretär selbst ein ziemlich bejahrter Philister war, sah er doch noch gern jüngere Leute am Stammtisch, wenn diese den Respekt vor den Alten nicht aus den Augen verloren. Nun aber fehlte das jugendliche Element der Herren zwischen sechsundzwanzig und sechsunddreißig Jahren vollends, und Mizis Papa bekam von den übrigen alten Herren bereits recht anzügliche Bemerkungen zu hören über »Leutevertreiben«, 44 »Beim Leist' bleiben«, »Nicht in den Himmel wachsen vor Hochnäsigkeit« u. s. w. Natürlich wußte der Herr Sekretär ganz genau, wohinaus seine Amtsbrüder und Konkneipanten zielten, allein es haben auch ergraute Beamte ein dickes Fell. Andernteils aber kannten diese wieder Mizis klassische Schrulle, daß der Bräutigam wie ihr Lieblingswein »vom Rhein sein müsse«. Dieser Mädcheneigensinn tangierte im Laufe der Zeit denn doch den Lokal- und Provinzpatriotismus der Leute, und weniger die Herren, als vielmehr die Frauen und sitzengebliebenen Mädchen des Städtchens medisierten haarscharf über diese Laune. Es schien ihnen ganz unbegreiflich, daß ein so hübsches – das mußte ihr der Neid lassen – steierisch Mädel an einem Steirer, die auch nicht übel sind, keinen Gefallen finde, wo es doch im Schnaderhüpfl heißt:

Der Adam hat d'Liab aufbracht,
Der Noah 'n Wein,
Der Davidl 's Zithernschlag'n
Müssen Steirer g'west sein.

Aber jemehr die Weiberwelt darüber klatschte, desto eigensinniger wurde Mizi. »Vom Rhein muß er sein,« davon ließ Mizerl nicht ab, lieber blieb sie ledig. Justament keinen Andern! An Nadelstichen fehlte es da natürlich nicht, und mehr oder minder verblümt wußte eine oder die andere »Freundin« den Rat anzubringen, Mizi solle doch in der »Kölnischen Zeitung« inserieren, daß ein Mann gesucht werde, hübsch, jung, reich, gescheit, in schöner Stellung, gut, gesund und – vom Rhein muß er sein. Mizi lachte frohgemut den Leuten ins Gesicht und erklärte, noch so jung zu sein, daß sie es abwarten könne.

* * *

Seit einigen Tagen sitzt am Stammtisch ein blonder, stämmiger Herr, von dem die Bewohnerschaft fürs Leben gern gewußt hätte, woher er kam der Fahrt, wes Standes und was der Zweck des Hierseins. Aus dem Fremdenbuch konnte 45 niemand klug werden, denn der Fremde hatte es unterlassen, diesbezügliche Eintragungen zu machen, und hatte als letze Reisestation die nahe Hauptstadt angeführt. Alle Sondierungen, die nicht immer diplomatisch fein ausfielen, hatten kein Ergebnis: der Fremde wich allen Fragen aalglatt aus. Die Stammtischgesellschaft bekam nach einigen Tagen nur eines glücklich heraus: der Mann entwickelte zur Freude des Gastgebers einen in Steiermark ungewöhnlichen Durst und trank nach alter deutscher Sitte Bier und Wein und war alleweg lustig – ein fideler, gern gesehener Kneipgenosse. Mizis alter Herr Papa insbesondere liebte nach mehrtägiger Bekanntschaft den Fremden schier unmenschlich, denn so verstand keiner die Abende der ländlichen Abgeschiedenheit zu beleben, und keiner hatte es bislang fertig gebracht, den alten Herrn zum Auftauen zu bewegen, daß die Last der Jahre abgeschüttelt und die Alten wieder jung wurden mit den Jungen.

Und immer größer ward die Tafelrunde; die verscheuchten Abgeblitzten fanden sich wieder ein, die Furcht vor Gardinenpredigten der glücklich Verheirateten schwand, die Leutchen vergaßen das Nachtessen am Familientische und zogen gleich nach Kanzleischluß in den »goldenen Löwen«, um ja nichts zu versäumen. Dies mußte zu häuslichen Kriegserklärungen, zur offenen Damenrebellion führen, und da die Gatten und Brüder hartherzig und schwerhörig gegen alle Ermahnungen sich zeigten und alle Tage später heimkehrten zu den Penaten, da kam denn der Aufruhr, der Damenkrieg im Frieden völlig zum Ausbruch. Kurz entschlossen zogen die gekränkten, schmählich verlassenen Frauen und Töchter aus, der »goldene Löwe« ward im Sturm genommen, die verblüffte Gesellschaft völlig überrumpelt, und zur Strafe wurde – en famille weitergezecht, daß es eine Art hatte. Haarscharf sahen die Mütter auf die Finger des Fremden, wie er am Klavier saß, oder der altersschwachen Guitarre ächzende Töne entlockte – kein Reif schmückte den Ringfinger, sonniges Lächeln der Hoffnung umspielte die Mutterlippen, und eifrig wisperten die Küchlein: 46 »Er ist noch ledig!« Und nett war dieser Mensch, von dem keiner wußte, wer er war und woher er kam, ganz unmenschlich nett den Frauen, zu nett den Fräuleins gegenüber, von einem »patenten Kerl« sprachen die Jungen, und ein »famoses Haus« nannten ihn die Alten. Der Herbergsvater aber schmunzelte und versicherte seiner dicken Wirtin: »Der Bursch ist Gold wert.«

Sonderbarerweise nahm der dicke Sekretär seine Tochter nicht mit. Alle Aufforderungen, doch auch seine Familie an den fidelen Abenden teilnehmen zu lassen, überhörte der alte Herr, und gar bockbeinig ward er, als der Fremde, den man seines Durstes wegen für einen Bayern hielt, eines Abends am Klavier saß und sang:

»Daß aus dem Staub der Mensch gemacht,
Ist in der Schrift zu lesen.
Drum kostete einst recht viel Müh'
Ein kleines Menschenwesen.
Denn als dies Mädel einstens Gott
Ins Leben wollte schicken,
Da war in der Frau Mutter Haus
Kein Körnchen Staub zu blicken.
Ein Gott, nur in Verlegenheit,
Verliert nicht gleich den Schädel,
Er nahm für Staub gediegen Gold –
Sie ward ein golden Mädel.«

Hei! Wie wisperten sie da durcheinander, die Mamas sowohl, wie die heiratsfähigen Töchter, während die Herrenwelt jubelnd applaudierte und dem »kühnen« Sänger zutrank. Hat der fremde Herr Elisen, Helenen, Theodoren, hat er Mariechen gemeint – mein Gott, wenn man das nur herausbringen könnte! »Den Mann muß man zu Tische laden – ach, das ist doch zu nett – gewiß hat er unsere Tochter im Auge, es kann ja keine andere sein, bei uns findet er ja kein Körnchen Staub im Haus, ja Helenen gilt das Lied«, – »nein, Mariechen meinte er,« krähte eine andere, hastig, heftig ward durcheinander geschnattert, jede Mama reklamierte das 47 Liedchen für ihre Tochter, jede rüstete sich, den losen Vogel zu fangen.

* * *

Wo war der Vogel aber plötzlich hingekommen? Sein Platz am Tische ist leer, verschwunden der Fremde.

Draußen unter den duftenden Linden, den Bach entlang, wandelt im Mondenscheine ein Pärchen, süß umschlungen, Küsse tauschend, den Schwur der Treue schwörend – der Bund für dieses Leben ist geschlossen, es haben sich die Herzen gefunden, der Rechte ist gekommen. Mizi hat ihren Bräutigam, ach welche Seligkeit! – – Noch ein langer, langer süßer Kuß und davon huschen die beiden.

Im »Löwen« ist inzwischen die Bowle fertig geworden, der Waldmeister duftet so einladend, herzerquickend, die Mädels rüsten zum Tanz, Champagnerpfropfen knallen: die Festrede, die Festrede! hieß es von allen Seiten. Ja, wer soll sie halten? Die ehrsamen Philister überließen das Wort von jeher gerne der besseren Hälfte – die Jungen, die waren schon auf und davon in den nahen Tanzsaal – bleibt nur noch der Fremde.

* * *

Von Haus zu Haus, treppauf, treppab laufen die Weiber, Besuche werden gemacht, Dienstmädchen rennen mit Briefen herum, die Leute stehen auf der Straße und stecken die Köpfe zusammen' die Neuigkeit ist zu groß: Sekretärs Mizi hat sich mit dem fremden lustigen Herrn verlobt!

Nein, so was! Diese Heimlichthuerei! Solche Falschheit! Also hat sie doch einen gefunden, der ihr gut genug ist? Und dazwischen schnattert es: Unmöglich, Sekretärs Mizi sagte doch immer: »Vom Rhein muß er sein!« – »Ja, denken Sie nur, Frau Nachbarin, der Mensch ist ja am Rhein ansässig.« So, so! – »Es ist niederträchtig, uns so hinters Licht zu führen.« – »Gott sei Dank, daß wir den falschen Menschen nicht zum Mittagessen eingeladen haben!« – »Nein, so was!« 48 – »Da trau eines noch diesen Männern.« – »Niederträchtig!« – »Fährt der Mensch von so weit her, um dieses Gänschen wegzuschnappen!« – »Als wenn nicht hübschere Mädels da wären! – »Just die Sekretärische muß es sein! Es ist zum Kranklachen! Hihihi!« – – »Was ist er denn eigentlich?« – »Ach du meine Güte, ein Schriftsteller!« – »Na, da wirds Elend bald anfangen.« – »Was? ein Schriftsetzer? Dann ist er auch ein Socialdemokrat, ich weiß es vom Herrn Aktuar, der sagt es, in Deutschland draußen ist ein jeder Schriftsetzer ein Socialdemokrat und schwört auf den Bismarck!« – »Na, das kann gut werden! Komm, Frieda, sei froh, daß du keinen solchen gefährlichen Menschen erwischt hast.«. – »Nein, sowas!« – »Ein reines Glück, daß dieser Schriftsetzer nicht unsere Tochter genommen hat, am Ende hätten wir gar noch preußisch werden müssen! Brrr!«

* * *

Die Berchtesgadener Sommerfrischler sind entzückt von dem Liebreiz, den Mizi auf alle ausübt. Das Brautglück leuchtet aus ihren schönen, munteren Augen, seit auch noch der Bräutigam zur heißen Zeit sich losgerissen und im alpenfrischen Thale niedergelassen hat. Alle Welt nimmt an dem Glück dieses schönen Brautpaares teil, fast will Neid sich in die Junggesellenherzen schleichen, daß so ein Prachtmädel nicht mehr zu gewinnen ist. Das herzige Kind bezwingt auch die mürrischen Einsiedler auf den einsamen Höhen, Buam und Madeln bringen Almenrausch und Edelweiß als Huldigungsgaben, Mizis Zimmerchen gleicht einem Blumenhain, die Kleine schwimmt im Glück. Und dabei werden die Tage immer weniger, bis Hochzeit gemacht wird, das Brautkleid ist schon fertig, sie selbst hat es sich gemacht, ungeachtet des Geschwätzes, daß die Braut unglücklich wird, die selbst das Kleid zum Hochzeitstage sich fertigt. – –

So wird die letzte Partie von Berchtesgaden aus verabredet. Mizi will die schaurig-schöne Almbachklamm noch sehen 49 – dann werden die Ringe getauscht, der Priester segnet den Herzensbund, und im zärtlichen Glück soll hierauf dem Vater Rhein entgegengefahren werden.

Eine große Gesellschaft brach am Morgen auf nach der wilden Almbachklamm bei Berchtesgaden, vorsichtig wird auf den schmalen Wegen hart am Felsen emporgestiegen, tastend schreitet der Fuß zaghaft über die feuchten Holzstege: immer hinauf und weiter hinein in die grausige Schlucht, durch die in mehreren Fällen der Almbach sich zur Tiefe stürzt, daß hochauf der Gischt spritzt und der Wasserstaub farbig in der Sonne erstrahlt. Der Donner des Wasserfalles übertönt alles, das Wort erstirbt auf der Zunge; machtlos steht der Mensch in dieser schauerlichen Wildnis dem gewaltigen Naturschauspiele gegenüber. Auch Mizi ist erschüttert und schweigsam geworden; starr blickt sie in den obersten Kessel, Frost durchschüttelt das zarte Kind, der Eindruck dieses wilden Naturkampfes ist zu überwältigend. Ängstlich will das Mädchen zurück vom Felsenrand, der zarte Fuß gleitet am nassen Felsen aus – ein markerschütternder Schrei gellt in den Donner des Falles – Mizi stürzt – noch ein entsetzlicher Schrei – das schaumwütende Wasser hat das Mädchen erfaßt: im Wirbel dreht es das arme Kind, dann hebt sich die grause mit Blut vermischte Flut, und donnernd stürzt das Wasser mit seinem unglücklichen Opfer klaftertief in den zweiten Kessel. – Entsetzen erfaßt die Gesellschaft – wie gelähmt starrt alles in die furchtbare gähnende Tiefe der Schlucht – da rafft sich der Bräutigam in die Höhe – ohne Lieb kein Leben – er stößt die Freunde zurück, die ihn vom Sprunge in die Tiefe abhalten wollen, der den sichern Tod bedeutet. Wie rasend rennt er abwärts, einer Gemse gleich erklettert er den Rand des zweiten Kessels, in welchem das Wasser sein Herzlieb an die starren Felswände wirft – ein Stoßgebet zum Himmel, daß Gott ihm beistehen möge im schrecklichsten Augenblick seines Lebens: dann springt er ab und saust in mächtigem Sprunge in die Tiefe – gurgelnd verschlingen die Wasser 50 ihr zweites Opfer – doch nein – noch ist er bei Besinnung – wohl fließt Blut vom Kopfe. aber er ist heil geblieben an Händen und Füßen – da neues Entsetzen! – Die nachstürzenden Wogen des wildempörten Wassers heben das Mädchen an den Rand des Kessels – noch einige Augenblicke, und in neuem Sturz geht es abwärts – da erfaßt mit starkem Arm der Kühne sein Lieb', hoch hebt er sein Kleinod in die Luft und macht den Sprung hinab in den dritten Kessel. Auch dieser glückt, und hier gelingt es den Männern, beide dem fürchterlichen Wasser zu entreißen. Sorgsam trägt man beide auf den engen Felsenpfaden abwärts – unten murmelt der besänftigte Bach weiter, als wäre nicht das Geringste geschehen. Eilboten holten die Ärzte von Berchtesgaden herbei, welche volle zwei Stunden zu thun hatten, um Mizis Kopfwunden zu vernähen. Mühsam ward das unglückliche Kind ins Leben zurückgerufen – die erste Frage galt ihm, der sein Leben mutig gewagt, um das ihre zu retten. Ein Dankesblick flog vom Schmerzenslager hinüber zu ihm, ein Blick voll unendlicher Dankbarkeit und überquellenden Gefühls, daß der wackere Mann zu ihrem Lager hinstürzte und weinend die zerschundenen Hände des Mädchens küßte. Jetzt ward es den Ärmsten erst so recht klar, in welch furchtbarer Todesgefahr sie sich befunden. Lange währte die Genesung; aus dem lebensfrohen Mädchen ist dann ein stilles Frauchen geworden, dem die Schrammen im Antlitz für dieses Leben einen Beweis geben, was wahre echte Liebe vermag. 51

 


 

 << Kapitel 54  Kapitel 56 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.