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Geschichten aus den Bergen

Arthur Achleitner: Geschichten aus den Bergen - Kapitel 4
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGeschichten aus den Bergen
authorArthur Achleitner
yearca. 1910
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleGeschichten aus den Bergen
pages495
created20140410
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der linke Schacherer.

1.

Am rechten Ufer der munteren, Städte teilenden Salzach, einige Stunden von der Hauptstadt Salzburg entfernt, baut sich in scharfer Steigung ein Höhenrücken von großer Ausdehnung auf, der Haunsberg, das äußerste Vorgebirge von Salzburgs norischen Alpen mit dem Edelsitz der Hauensberger (Hounsberg), deren Besitzungen zu mittelalterlicher Zeit weit ins Tirol, Kärnten, Bayern, Steiermark und Österreich hineinreichten.

Ein lieblicher Ausblick eröffnet sich von diesem Hochwald und fruchtbares Ackerland umfassenden über sechs Stunden langen Höhenrücken. Dem Morgen zu wird der Blick überrascht durch das anmutende Bild des idyllischen Mattsee, drüben weiter der Wallersee, über welchen die Bergriesen des Salzkammergutes herübergrüßen, überragt vom eisumgürteten Dachstein, dann die Steinwüsten des Tännengebirgs, des hohen Gölls, des sagenreichen Untersberges und der Ausläufer bis zum bayerischen Wendelstein. Dem Westen zu öffnet sich in unabsehbarer Ausdehnung die bayerische Hochebene, abgegrenzt von den Schlangenwindungen der silberglänzenden hastig dem Inn entgegeneilenden Salzach. Ein lohnender Ausblick fürwahr von dem Bergrücken mit so geringer Seehöhe. Ein für Naturschönheit empfängliches Auge mußten die Erbauer jener Bauernhäuser gehabt haben, deren Mauern am Nordwesthang des Haunsberges aufragen. Zwei Höfe stehen in ziemlich enger Nachbarschaft, ein bescheidenes Haus mit Scheune und kleinem Stall mit dem Zunamen, der »rechte Schacherer«. Dafür bläht sich auf 28 Büchsenschußweite der wuchtige Bau des »linken Schacherer« auf, mit seinen stolzen Mauern gleichsam pochend auf Macht und Gewalt, kühn aufragend wie der nahe Klosterberg, auf welchem, eine Stätte mönchischer Gelehrsamkeit, das Stift Michaelbeuren thront. Der »linke Schacherer« steht mit seinen Quadern auf freiem, klösterlichen Grund als Nachfolger eines mittelalterlichen Frauenklosters. Wie auch an anderen Orten dem Skapulier stets der Schleier nahe zu sein pflegte. In einer Zeit des Robots und Zehents ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Keck guckt dieses Gehöfte in die freie Welt, in die schöne Landschaft. So mögen einst die schwertumgürteten Ritter ausgeblickt haben, wenn heranziehende Kaufleute Staub aufwirbelten auf der völkerverbindenden Heerstraße. Und später fromme Klosterfrauen sehnsüchtigen Blickes hinüber zum ob seiner Gelehrsamkeit und feinen Tafel berühmten Stifte Michaelbeuren.

Hellen Auges, kecken Blickes schaute auch zu Beginn unserer Erzählung im Anfang der fünfziger Jahre der Bewohner des linken Schachererhofes in die ihn umgebende Welt.

Hansjörgel war um die angegebene Zeit ein etwa fünfunddreißigjähriger Bursche, dem die »Schneid« und Verwegenheit im ersten Augenblick vom Gesichte abzulesen war. Trutzig saß ihm das Hütl mit der Spielhahnfeder auf dem pechschwarzen vollen Haar, keck blickten seine dunklen Augen aus dem sonnverbrannten Gesichte und über dem auffallend kleinen Munde saß ein keck aufgedrehter schwarzer Schnurrbart, um den ihn der fescheste Kavallerist hätte beneiden können. Nach alter Sitte trug er Beinkleider, die in ihrer unteren Hälfte aus Leder verfertigt waren, zum Schutz gegen das Abstoßen und Durchwetzen bei langem Gebrauche. Der kecke, in jedem Atemzuge übermütige Bursche stand in massiven Stiefeln und stützte sich mit seinen wuchtigen Fäusten just auf das Hackbeil und lauschte aufmerksam nach dem Tannicht hinüber, aus welchem ein Ruf ihn aus seiner Beschäftigung des Holzzerkleinerns eben aufgerüttelt hatte. 29 Allein nichts rührte sich, es mußte also Täuschung sein. Hansjörgerl schwingt das Beil aufs neue, daß die Splitter weit im Kreise herumfliegen und Zeugnis von seinem Fleiße geben. Das muß ihm der Neid lassen, wenn Hansjörgerl einmal die Arbeit anfaßte, dann packte er sie mit seinen Fäusten voll und ganz und sie ging ihm dann flott, wie spielend von der Hand. Aber gar so arg pressierte es ihm nicht immer mit dem arbeiten. Die häuslichen Arbeiten verrichtete ein Basl von ihm, die alte Traudl, welche für die paar Knechte und Mägde kocht und für das Hauswesen sorgt, denn Hansjörgel ist trotz seiner fünfunddreißig Jahre noch immer ledig und hat sich nicht entschließen können, eine richtige Bäuerin auf den Schachererhof zu bringen. Fesche »Häuserinnen« hatten allerdings eine Zeitlang im Schachererhofe residiert, allein das dauerte nie lang. Wie so eine saubere Häuserin anfing, dem Hansjörgel den Pantoffel aufzunötigen oder gar vom Heiraten einige Wörtchen fallen ließ, flugs war die ganze Geschichte wieder aus und die vorlaute Sprecherin über die Schwelle. Der Hansjörgl war indes durchaus kein Weiberfeind. Das weiß die Resi auf dem Röserlhof unten bei Weitwörth im Salzachthale sehr genau, er und sie lieben sich ja schon lange, auf nächste Lichtmeß schon sieben Jahre. Also gewissermaßen lange genug, um einmal Ernst zu machen mit einer Hochzeit, zu der auch der Pfarrer von Lauterbach »ja« sagt und nicht bloß der Hansjörgl.

Aber der Hansjörgl als Hauptperson mag nicht und so lange er nicht will, wird aus der Hochzeit nichts. Der Resi unten, die wie Hansjörgel auch als Waise das ererbte Bauerngut bewirtschaftete, paßt dieses Hinausziehen schon geraume Zeit nicht mehr, das sie zum Gespött im ganzen Thale macht, denn die Oberndorfer wie die Weitwörther Buben nennen sie nie anders, als die »ewige Braut« und machen dann recht anzügliche Bemerkungen wegen dem Myrtenkranz u. s. w. Resi, die schmucke rotblonde Bäuerin 30 mit üppigen Formen und stark sinnlichen Lippen gehörte ihrer ganzen vollen Erscheinung und Typus nach eigentlich nicht in diese Gegend, sie war nach Wuchs und Heißblütigkeit Südländerin, keine Bäuerin aus dem Salzburger Vorland. Die Eltern hatten sich schon über dieses Spiel der Natur gewundert und später noch vielmehr die heiratsfähigen Burschen, die nicht schlecht abblitzten, wenn sie dem Röserlhof seine Besitzerin rauben und zum Altar führen wollten.

Wie Resi aber den Hansjörgerl zum erstenmale sah in seiner kraftstrotzenden Schönheit und Verwegenheit, wie er die Burschen meisterte und kurz entschlossen die ganze Raufgesellschaft an die Luft beförderte, als die Kämpfer das Messer ziehen wollten, da ward ihr so eigens zu Mut und heftiger pochte es im Herzen. Und fast erschrocken bebte sie zusammen, als Hansjörgel sie ihrem Tänzer abnahm, ohne viel zu fragen, ob dies auch Sitte oder gegen den Brauch sei. »Die wöll i z'an tanzen«, rief er und hatte dem erschrockenen Mädel auch schon den Arm um die Hüfte gelegt. Die Musikanten mußten aufspielen, so lustig, als sie nur konnten, Kronenthaler wirken in solchen Fällen Wunder. Resis erster Tänzer ballte wohl die Faust im Sacke, wagte aber, wozu er nach Landesbrauch berechtigt gewesen wäre, keinen offenen Einspruch, es schien ihm nicht ratsam, seine Knochen in nähere Berührung mit Jörgels Fäusten zu bringen.

Der Rest imponierte dieser Gewaltakt ungeheuer. Solche Extravaganzen durfte sich nur einer erlauben, der keine Gegner fürchtet und jeden Kampf siegesgewiß aufnimmt. Als Jörgel aber jeden Tanz nur mit ihr »strampfen« wollte und bezwungen von des Mädels südlicher Schönheit immer hitziger wurde, da regte sich in der jungen Bäuerin der alte Trotz und unwillig des ihr auferlegten Zwanges, schüttelte sie den Burschen ab und hieß ihn, sich nach einer anderen »Tanzerin« umzusehen. Hansjörgel lachte, daß es ihn 31 schüttelte. »Oho, Madel, so san mir (sind wir) nöt; i laß nöt aus, wenn i nöt mag!« rief er, reckte seine Riesengestalt in die Höhe und hob mit einem einzigen Griff das Dirndl vom Tisch, daß es zappelte. Und mit einem Ruck setzte er das zitternde Mädel mitten in den Tanzsaal, verlangte einen Extratanz und hopste mit seiner verblüfften Tänzerin aus Leibeskräften allein herum zum hellen Gaudium der Burschen und Bauern. Dann ließ er süßen Wein auftischen und Kuchen dazu, wovon essen und trinken konnte, wer nur Lust dazu hatte.

»A so san mir!« jauchzte er lustig in den von Tabaksqualm und Staub erfüllten, heißen Saal, dann führte er sein Mädel wieder zum Tisch. Unbestritten war Jörgel Herr der Situation, es galt unter den Burschen für ausgemacht, wer nun der »Bua« der Resi sein werde.

Das Dirndl zog nun doch andere Seiten auf und gab wenigstens scheinbar nach, indem Resi sich wieder zum Tisch setzte, wo die Zäzil vom Gasteiner, die Schreckliesl und die Dirndln von Kroisbach sich zusammengesetzt hatten und tapfer in die Kuchen bissen und vom süßen Wein naschten. Lange konnte aber der Hansjörgel nicht ruhig sitzen, er wollte noch »a Hetz« haben, bevor der Morgen anbrach, der den Tanzfreuden ein Ende machte. Er wisperte einem Burschen etwas ins Ohr, worauf dieser verschwand. Nicht lange darauf hatte Jörgel, was er gewünscht, eine Zither vor sich liegen. Man hätte es gar nicht glauben sollen, daß seine gewaltigen schwieligen Finger mit den zarten dünnen Saiten der Schlagzither so gut umgehen können. Fest griff er zu und spielte Vierzeilige auf, den lachenden Blick auf Resi gerichtet, der eine Blutwelle nach der andern ins blühende Gesicht schoß. Dann hub er mit voller Stimme an:

»Und a frischer Bua bin i
Thua gern ebbas wag'n,
Thua glei um a Busserl
An Borzelbaam schlag'n.«

32 Die Burschen und Dirndln lachten, daß ihnen die Köpfe wackelten, denn sie wußten, was jetzt folgen werde. Viele hatten den Blick Jörgels auf Resi bemerkt und verstanden, daß das Trutzliedel auf die »harbe« Jungbäuerin gemünzt war. Aber Resi nicht faul hob rasch das Köpfchen, daß die Kopftüchelenden flatterten und sang ohne Begleitung:

»Die Küß' mach'n Flecken,
Mei Muatta hat's g'sagt,
Drum nimm i mi g'walti
Vorm Busseln in acht.«

Erwartungsvoll blickte nun alles auf den Jörgel, ob er wohl einen Trumpf drauf zu setzen habe. Und er hatte ihn sofort, indem er antwortete:

»Daß 's Busseln oan schäcket macht,
Dös is' erdicht,
Sunst hätt'n viel Deandln
A schäcketes G'sicht.«

Ehe sich die Burschen satt gelacht, war Jörgel auch schon aufgesprungen und mit einem Satz beim Reserl, das er packte in der Absicht, dem Mädel einen tüchtigen Schmatz auf die vollen Lippen zu pressen. Wie verzweifelt wehrte sich das Mädel und puffte aus Leibeskräften an dem Riesenmenschen herum, aber Jörgel zog die sich Sträubende immer fester an sich, daß sie bald wie in einem Schraubstock war und wehrlos dulden mußte, wie er sie küßte, daß es nur so schnalzte.

Die Tischgesellschaft johlte vor Vergnügen. Resi aber raffte sich zornig auf, schlug die Hände vor das glühende Gesicht und eilte aus dem Saal, flink wie ein aufgescheuchtes Reh dem nahen Hof zu.

Den weiten Weg nicht scheuend war dann im Laufe der Zeit Jörgel »Fensterln« gegangen, oft vergebens, aber seine Ausdauer ward endlich doch belohnt und das Fensterl that sich einmal doch auf. Jörgel und Resi wurden »Lieb'sleut« 33 und das fand jedes ganz in der Ordnung. Die Leutl'n paßten prächtig zusammen, ein schöneres Paar war von Salzburg bis Oberndorf nirgends zu finden und ihre Vermögensverhältnisse schienen auch füreinander zu passen. Jörgel erschien zum Kirchweihtanz und bei anderen öffentlichen Festlichkeiten stets mit seiner Resi und die Umgebung hatte sich daran gewöhnt, die beiden als »Hochzeiter« zu betrachten.

Nur als ein Jahr nach dem andern ins Land zog, ohne daß der Priester den Bund segnete, da ward die »Speanzlerei« viel besprochen und die Resi vom Röserlhof Gegenstand bissiger Anzüglichkeiten. Dem Jörgel gegenüber wagte niemand eine Anspielung, denn seine Fäuste waren gefürchtet in der ganzen Gegend. Wenn er etwas davon hörte, wie die Bauern über seinen »Schatz« sprachen, dann lachte er, zeigte die blinkenden Zähne und sagte nur: »Dössel' is' mei' Sach'!« Dabei blieb es.

2.

Im Spätherbst ist es gegen »Eligi und Virgili« zu. Trüb ist das Firmament umschleiert, fahl leuchtet die Sonne durch den dicken Dunst, der über der Gegend ausgebreiter ist; müde liegt die Landschaft, als erwarte sie das Schneetuch, um sich völlig zu verhüllen. Schmutzig gelb erscheinen die Wiesen, leise raschelt das welke Laub von den Bäumen, nur die Tannen und Fichten stehen in ihrem satten Grün der rauhen Winterszeit trotzend.

Hansjörgel arbeitet an seinen Holzklötzen vor dem Schachererhofe, daß ihm helle Schweißtropfen auf der Stirne perlen. Der Brennvorrat für den nahen Winter, der jeden Tag eintreten kann, muß vergrößert werden. Wenn einmal der Schnee da ist, da muß der Bauer mit den Knechten hinaus in den Wald, wo die Baumriesen zersägt und gespalten zu Boden liegen. Auf glatter Schlittenbahn muß dann das Holz zu Thale geführt werden, hinaus ins Flachland und zur Hauptstadt.

34 Wieder ertönt ein Ruf aus dem nahen Wald, ähnlich dem eines Nußhehers. Mit vorgehaltenen Ohr lauscht Hansjörgel hinüber, der Ruf wiederholt sich. Jörgel nickt befriedigt, wie wenn er um diese Zeit das Signal erwartet hätte. Kurze Zeit darauf tritt ein kleiner Bursche an den Waldesrand, sorgsam, vorsichtig und äugt das Plateau vor sich ab, wie wenn er sich vergewissern wollte, ob er sich auch nahen dürfe.

Jörgel hat ihn erblickt und ruft hinüber, gleichsam um den Ankömmling sicher zu machen:

I hon Äpfelholz g'roselt
Und Zapf'ntann klob'n,
und Scheiterbad g'haspelt
Am Kogltaub'n ob'n.«

Der kleine Bursche richtet sich daraufhin in die Höhe und herüber hallt es vom Walde:

»Wann i z' Mattsee hör' läut'n
So schwenkt sie da Thurm,
Und die schlechtest Kuraschi
Hab'n d'Haunsberga Buam.«

Das wäre im Ernstfalle eine schwere Beleidigung für den Schacherer Jörgel, der doch ein Haunsberger Bauer ist, die er nicht ungerochen lassen würde. Diesmal aber schmunzelt er dazu. Er wirft das Holzbeil weg, wiewohl die Arbeit noch lange nicht beendet ist, geht um den Heustadel herum, wo ein kleiner Gangsteig rasch in den Wald führt. Der kleine Bursche schreitet innerhalb des Waldsaumes unter den Fichten schnell dem Bauer entgegen, bis sie zusammentreffen und dann tiefer in den Wald hineingehen in eifrigem, aber halblautem Gespräch, sich oft umblickend, wie wenn sie sich vergewissern wollten, daß niemand sie belausche.

Eisig weht der Wind über den Höhenrücken des Haunsberges, daß die Bäume im Walde sich ächzend biegen und die Fenster des großen Schachererhofes klirren. Der Sturm 35 rüttelt mit Gewalt an den Thoren, als fordere er Einlaß, bleigrau treiben die Wolken am Firmament, bis erst in kleinen Körnchen, dann in mächtigen Flocken der Schnee herabwirbelt. Unwirtlich erscheint vom Schachererhof aus gesehen das weiß in weiß getauchte Bild der zu Thale liegenden Landschaft. Die Knechte und Mägde rücken enger zusammen in der großen Stube am blankgescheuerten Tische beim wärmespendenden Ofen. Der glimmende Holzspan erhellt nur wenig den düsteren Raum, in dem das Gesinde die Abendsuppe schweigend verzehrt. Sonst wird schon ein halblautes Wort gesprochen während des Essens, aber wenn der Bauer selbst am Tische sitzt, da vergeht den Leuten das Schwätzen. Wohl ist der Schacherer bekannt als der fidelsten Einer, aber daheim unter seinen Dienstleuten kargt er mit jedem Wort. Streng ist er auch in der Beurteilung der geleisteten Arbeit, fast zu streng und barsch dabei, fast zu grob, sodaß seine Leute wie der Bauer vom rechten Schachererhof ihn, heimlich natürlich, nie ins Gesicht, den »harben« Schacherer, oft auch den »hantigen« Jörgel nennen. Heute mundet dem Schacherer das Abendessen nicht, wiewohl er »über Land« war, wie die Bauern zu sagen pflegen. Jörgel war in gewissen Zeiträumen oft über Land, er blieb Tagelang, oft auch die Nächte über fern von seinem Hof, ohne daß jemand ein Sterbenswörtlein erfuhr, in welchen Geschäften und wo er gewesen. Viehhandel war es nicht, das wußten die Knechte, und Holzhandel auch nicht. Mußten diese Geschäfte erledigt werden, dann kamen die Metzger und Holzhändler schon selber den Berg heraufgestiegen und die jeweiligen Handelsgeschäfte waren rasch erledigt. Jörgel ließ nie viel handeln, bestand mit unglaublicher Hartnäckigkeit auf dem ausgesprochenen Preise und erhielt ihn auch, denn das Vieh aus seinem Stalle war schön und das Holz gut. Er wußte, was er that. Gleichwohl war er oft und längere Zeit abwesend, in »Geschäften« sagte die alte Traudl, mehr wußte sie selbst nicht.

36 Wie die alte Uhr in der Ecke acht Schläge rasselte, gingen die Dienstleute mit einem »Gute Nacht, Bauer!« aus der Stube und suchten ihre Schlafstellen auf. Knapp erwiderte der Bauer den Wunsch und schob die Fäuste vor sich hin auf den Tisch, starr auf den Kienspan blickend, der an der gegenüberliegenden Wand steckte. Die letzte, die sich zum Gehen anschickte, war die alte Traudl. Ehe sie die Stube verließ, meinte sie noch: »Bauer, der Hund ist noch ledig draußen; moanst nöt, er sollt' an d' Ketten bei dem argen Sturm?«

»Na!« lautete die kurze brummige Antwort. Der Bauer war tief ins Sinnieren versunken.

»Nacha halt nöt!« murmelte das alte Weiberl und klagte in Gedanken, daß das arme Hundsvieh in dieser Kälte die Nacht über im Freien bleiben müsse, weil's der dickschädlige Bauer so wolle. Mit einem ärgerlichen »Guat Nacht!« schloß sie die Thüre hinter sich zu.

Eine Zeitlang horchte der Bauer. wie sich die Tritte der Häuserin entfernten und es ruhig und still im Hause wurde. Eine halbe Stunde später lag alles im Schlafe, nur Jörgel nicht und vor dem Thore der Hund, der leise winselte. Der Span war abgebrannt bis auf den glimmenden Stumpfen. Der Bauer drückte ihn vollends ab und löschte die Glut durch einen vorsichtigen Fußtritt. Dann griff er unter die Ofenbank, wo mächtige Wasserstiefel lagen, die er nun ohne viel Geräusch anlegte und sich durch einen übergeworfenen Kotzen (dicke Wolldecke) zu einem nächtlichen Ausflug rüstete. Leise schritt er in die anstoßende Schlafstube, in der ein Nachtlicht auf Repsöl schwimmend trüben Schein verbreitete. Aus einem Wandschrank nahm er eine kurze Flinte, lud sie mit großer Sorgfalt mit gehacktem Blei und verbarg sie dann unter seinem Kotzen. So ausgerüstet, verließ er ohne Geräusch den Hof, pfiff leise dem wedelnden Hund, der ohne Gebell, als wußte er, daß dies den heimlichen Ausflug verraten würde, sich sofort seinem Herrn anschloß 37 und schritt dann in die stürmische Nacht den Wald hindurch und hinab den Berg.

In dem Weidengestrüpp am rechten Salzachufer lagerte in dieser stürmischen Winternacht bewacht von einer Anzahl wetterharter Bauern ein großer Trieb Ochsen. Ab und zu erzwang die Kälte den Tieren ein kurzes Gebrüll, was jedesmal die Treiber zum Fluchen veranlaßte. »Wo nur der Jörgel so lang bleibt«, murrte einer derselben. »Es wird Zeit, daß wir nüber kommen, die Grenzer müssen das Gebrüll der Ochsen bis Weitwörth hören. Es geht nimmer länger, sonst ist der ganze Trieb pfutsch und mir aa.«

Ein Krächzen wie das einer Steineule tönte durch die Nacht. Vom Ufer her wird in gleicher Weise Antwort gegeben, es ist also alles sicher. Gleich darauf ist Jörgel mit seinem Hund bei den Treibern.

»Nix passiert?«

»Na«.

»Ist der Peter schon z'rück von der Paß?«

»Muß allweil glei' kemma (kommen).«

»Aufpassen, heunt ganz b'sonders. Die mit die Päck' gehen zuerst über's Wasser; wie s' drenten san, nachher die Ochsen. Ja nöt früher schießen, wenn ebba d' Grenzer do dazwischen kemma sollten, bis i nöt g'schossen hab. – Wo nur der Peter so lang bleibt?« sagte Jörgel, der das Oberhaupt der Schmugglerbande bildete.

»Den Weg bis Weitwörth und z'ruck macht oaner dreimal, so lang ist der Peter schon aus,« meinte einer der Treiber.

»Was, schon so lang? Die G'schicht' is' verdächtig. Warten wird z' gefährli', wer woaß, was der Peter am End' ang'fangt hat.« Rasch entschlossen giebt Jörgel Befehl zum Aufbruch.

Mehrere Männer nehmen schwere Päcke auf und treten so geräuschlos es über den Kies geht in den Fluß, dessen Wasser ihnen etwa zur Brusthöhe reicht. Schräg nach der 38 Strömung waten sie hindurch und erklimmen am anderen bayerischen Ufer die Böschung, wo die weitgestreckte Weidenau sich ausdehnt.

Jörgel hat den Marsch scharf überwacht und nichts Verdächtiges wahrgenommen. Eine Weile lauscht er, bis ein sich rasch wiederholender Rabenschrei das Signal giebt, daß die Gegend sicher sei.

Der Sturm beginnt aufs neue und wirft Unmassen dichten Schnees herab auf die frosterstarrten Männer und das blöckende Vieh. Jörgel giebt den Befehl zum Aufbruch, mit schweren Knütteln hauen die Treiber auf die Ochsen ein und geschäftig ist Jörgels Hund hinter dem Vieh her, dem er in die Beine beißt, um es zu rascherem Marsche zu veranlassen. Doch lautlos vollzog der Hund sein Amt. Die Ochsen ins eiskalte Wasser zu bringen, bedarf großer Anstrengung. Hageldicht fallen die Schläge und der Hund beißt sich die Schnauze blutig, bis der Übergang gelingt.

Einer der ersten am anderen Ufer ist der Jörgel, der noch einmal die Gegend absucht, von einer Unruhe getrieben, die mit dem Ausbleiben des Genossen Peter zusammenhängt. Seine Luchsaugen durchdringen die schwarze Nacht, sorgsam späht er durch die Weidengebüsche. Wenn die Grenzer irgendwo versteckt liegen, müssen sie, falls Verrat im Spiele ist, in nächster Nähe liegen, sonst können sie den Fluß nicht überwachen. Aber er sieht nichts, so sehr er sich abmüht. Fast will er schon aufatmen im frohen Gefühle, daß das gewinnbringende Nachtgeschäft sich günstig für ihn abwickle, wie schon so oft, da schlägt ein schwaches Geräusch an sein Ohr wie vom Knacken eines Gewehrhahnes. Im Nu liegt Jörgel am Boden und hält die Büchse schußbereit. Aber kein Laut dringt mehr zu ihm, als von rückwärts das Rauschen der Salzach und das Geräusch der nahenden Menschentritte, der Vorhut des nachkommenden Ochsentriebes.

Verdächtig ist die Sache unzweifelhaft. Es wird am 39 besten sein, den Transport zurückzubringen, damit wenigstens die wertvollen Ochsen gerettet werden. Wie Jörgel vorsichtig, halb gedeckt durch einen Weidenstrunk aufsteht, sieht er auf Büchsenschußweite gleichfalls schwarze Gestalten sich erheben. Kein Zweifel, das sind Grenzer!

Nun zurück, so schnell die Beine laufen können.

»Halt!« tönt es durch den heulenden Wind. Mit einem lästerlichen Fluche springt Jörgel durch das Gestrüpp zurück – da blitzt es auf – ein dumpfer Knall ertönt im Sturmgebrause, dann wird es mit einemmale lebendig in der Niederung. Wie Jörgel sich wendet, sieht er, daß er und seine Kameraden eingekreist sind bis auf die Wasserseite.

Nun stößt er auch schon auf seine Vorhut, die notdürftig gedeckt auf den Knieen schußbereit die Grenzer erwartet.

Jörgel keucht ihnen zu: »Aufhalten, aufhalten!« und eilt dann zum Ochsentrieb. Wohl schreit er den Treibern zu: »Z'ruck, z'ruck!«, aber es hält schwer in dieser Wildnis den Platz zum Umkehren eines großen Viehtransportes zu gewinnen. Die Tiere sind durch den nächtlichen Marsch durch das kalte Wasser, durch den wütenden Schneesturm und die vielen Schläge unruhig und scheuen durch das Schießen vollends. Einige Tiere können noch gebändigt und wieder zurück ins Wasser gebracht werden, die meisten aber nehmen Reißaus und stürmen gesenkten Kopfes in die Nacht davon.

Rasch weichen die Schmuggler zurück, ihre Lage am Flusse, ohne Deckung wird immer gefährlicher. Einige der Bande liegen angeschossen und schmerzstöhnend zu Boden, während der Rest rücklings durch den Fluß schreitet und auf die nachrückenden Grenzer feuert.

Schon geht Pulver und Blei den Leuten aus, zum Laden der alten Schußwaffen ist keine Zeit, das eiskalte Wasser erstarrt die Knochen, da wird es auch am anderen Ufer lebendig, es feuern auch die österreichischen Grenzer – der Rückzug ist abgeschnitten – Verzweiflung erfaßt die Pascher. Nun gilt es das Leben – – Beherzt springen die Grenzer 40 in den Fluß, die wollen die Schmuggler im Wasser abfassen – ein heftiger Kampf entbrennt – wütend verteidigt Jörgel mit seinen Riesenkräften die arg zusammengeschmolzene Schar, wohl macht er einige kampfunfähig, allein die Übermacht ist zu groß – seine Genossen ergeben sich.

Jörgel wirft die Büchse weg, faßt einen Mann der Grenzwache, der sich ihm entgegenstellt, mit einem Griff am Hals, schleudert ihn weit weg unter die Kämpfenden und taucht unter.

Schwimmend und tauchend, gelingt es ihm zu entfliehen und auf Umwegen unerkannt gegen Morgen den Schachererhof zu erreichen. Das Mißglücken der nächtlichen Expedition kühlte für die nächsten Tage Jörgels Übermut und veranlaßte ihn, sich völlig seiner Bauernarbeit zu widmen. Aber nach einigen Wochen, als Jörgel merkte, daß ihm keinerlei behördliche Unannehmlichkeiten erwuchsen, weil niemand von den Grenzern ihn erkannt hatte und die eingefangenen Schmuggler beharrlich über die übrigen Teilnehmer schwiegen, wuchs ihm wieder der Kamm. Nur mied er den Schauplatz der letzten »Unternehmung« und ließ sich auch bei Resi nicht mehr blicken, da deren Bauernhof zu nahe bei Weitwörth lag, wo er die Grenzer wußte. Jörgel richtete seine Schritte, zumal der Fasching mit seinen Lustbarkeiten begonnen hatte, nach dem nahen Dorfe Lauterbach. Er hatte dabei auch eine Nebenabsicht, die im Volksglauben an die Wunderthätigkeit einer gewissen Glocke im Kirchturm von Lauterbach wurzelte. Nach dem weitverbreiteten Glauben im Volke findet derjenige bei dem Klange dieser Glocke das wieder, was er verloren hat und wiederfinden will.Freisauff, Salzburger Volkssagen. Daher kommt auch das allbekannte Lied:

»Z' Lauterbach han i mein' Strumpf verlor'n
Ohne Strumpf geh' i net hoam,
Jetzt geh' i halt wieder nach Lauterbach
und läut' mir zu dem Strumpf den oan.«

41 Jörgel hegte so etwas wie die stille Hoffnung, auf mehr oder minder übernatürliche Weise zu den in jener Nacht verlorenen Ochsen wieder zu gelangen. Sein gesunder Verstand konnte allerdings eine solche Möglichkeit nicht zugeben, aber seine Gewinnsucht ließ ihn andernteils doch hoffen, daß die Wunderkraft der Lauterbacher Glocke sich in seinem Sinne bewähren könnte. Am ersten Sonntag im Fasching wanderte also Jörgel hinüber ins Dorfwirtshaus mit dem lustigen Schilde: »Gast- und Fleischhauerei«, und gar bald ging es fidel zu. Im Kreise lustiger Zecher fand er rasch wieder seine gute Laune und in seiner urwüchsigen Weise ließ er ihr vollends die Zügel schießen. Einige der Bauern, echte »Politikaner«, wollten zwar von dem tollen Getriebe nichts wissen, dazu waren die Zeiten nach den Umschwungjahre zu ernst und bedeutungsvoll. Die Proklamation, welche durch den Kreischef Hofrat Grafen v. Chorinsky von Wien nach Salzburg verbracht und dann weiter nach dem Vorlande verbreitet wurde, war für den Landstand zu befreiend nach langer Bevormundung gekommen, als daß die Bauern nicht stutzig und erst recht mißtrauisch hätten werden sollen, wie dies in der Bauernnatur liegt. Und dazu die flammenden Worte, die durch den »Landboten« in den Bauernstand des Salzburger Landes geworfen wurden unter dem Rubrum: »Was geht dem Salzburger Bauern ab?« Jener Zeitungsschreiber kannte sein Volk und dessen Verhältnisse, wenn er mehr Gemeinsinn, Verbreitung richtiger Ansichten über die Verhältnisse und Bedürfnisse eines konstitutionellen Staates, Belehrung über die Mittel, Ackerbau, Viehzucht und Wohlstand zu verbessern, forderte, dann das Verlangen stellte, die Schulen überhaupt zu bessern, die Dienstbotenordnung zweckmäßiger zu regeln und die Forstverhältnisse zur Sicherstellung des Holz-, Streu- und Weidebedarfes auf billige Weise zu regulieren, und zum Schluß die Regierung anging, die an die Zehent- und Grundherren zu leistenden 42 Entschädigungen ungesäumt auszumitteln und das Viehsalz wohlfeiler zu machen.

Das waren alles Dinge, die den Bauer zum Nachdenken veranlassen konnten, wenn einer den nötigen Verstand dazu besaß. Jörgel war alles, nur kein »Politikaner« und er machte gar kein Hehl daraus, daß ihn die anbrechende neue Zeit völlig gleichgültig lasse bis auf den Zehent und das Viehsalz. Wenn diese billiger würden, dagegen hätte er in der That nichts einzuwenden. Die Forst- und Jagdverhältnisse können sie auch ändern wie es die Herren wollen, sein Wildpret holt er sich schon selbst, wenn er Lust dazu hat ohne die Herren erst lang zu fragen. Dies denkt sich Jörgel, laut äußert er seine Meinung darüber beileibe nicht, wozu auch, es ist ein Mitwisser oft schon zuviel.

Wie die Bauern zu Lauterbach immer mehr vom roten Tiroler tranken und den schweren Tabak dazu rauchten, da ward auch die Stimmung immer erregter. Nur das Ave Maria-Läuten zu Beginn der Dämmerung brachte augenblickliche Ruhe in die Versammlung, die Bauern nahmen die Hüte vom Kopf und die Pfeife aus dem Munde und saßen still. Mancher mochte an verlorene Gegenstände denken, denn es wurde die »Fundglocke« geläutet. Auch der Jörgel ward mäuschenstill. Leise verklang der Glockenton, der Wirt zündete das Licht an und wünschte allerseits »Guten Abend«; nun trat die Unterhaltung wieder in ihre Rechte nach altem Brauche.

Während des Gebetläutens hatte der Schmied des Dorfes, ein robuster Mensch, mit spöttischer Miene Jörgel betrachtet, wie er so andächtig dasaß, als wollt er geheime Zwiesprach halten mit der berühmten Lauterbacher Glocke. Kaum daß das Gespräch wieder begonnen hatte, rief er dem Jörgel auch schon zu, was er denn verloren habe, weil er aufs Glöckl gar so »zuag'lost« habe? Schlagfertig wie immer drehte sich Jörgel nach dem Schmied um und sagte lachend: »I such mit'm Glöckl den Verstand, den du verloren hast.«

43 Diese Anspielung, die nicht unverdient war, weil der Schmied schon oft recht blitzdumme Stücklein vollführt hatte, nahm der Schmied diesmal krumm, vermutlich, weil sie ihm so vor der ganzen Nachbarschaft unter die Nase gerieben wurde. Ein hitziges Wortgefecht entspann sich und bald war eine solenne Keilerei im Gange, die sich, da der Wirt und sein Hausknecht ausräumten, auf die Gasse verpflanzte. In der stockfinsteren Nacht vermochte man nicht mehr genau zu unterscheiden, wer aneinander geraten war, es wurde eben dreingeschlagen und Jörgel leistete im »Dreschen«, bewaffnet mit einem Stuhlbein, ganz hervorragendes.

Plötzlich schrie jemand auf: »I bin g'stochen«, ein zweiter jammerte über die eingeschlagene Brust, Leute liefen mit Laternen herbei und schleppten, während die Messerhelden und Raufbolde sich davon schlichen, die Verwundeten in die Häuser.

Am nächsten Mittag brachten die Knechte die Kunde auf den Schachererhof, daß der Schmied von Lauterbach erstochen worden sei. Wie Jörgel das hörte, ward er wohl etwas blaß, aber er faßte sich und ging äußerlich wenigstens gleichmütig an die Arbeit. Etwas bedenklicher ward für den linken Schacherer die Lage, als der Bauer vom kleinen Schachererhofe gegen Abend vorsprach und dem Nachbar vertraulich mitteilte, daß der Schuster von Lauterbach den Jörgel beschuldige, ihm drei Rippen eingeschlagen zu haben.

»Was?« rief erschrocken Jörgel aus.

»I woaß's nöt, aber der Schuaster sagt's und will a Jurament drauf schwör'n. – Mei, fürcht' di' nöt, viel wachst nöt 'raus bei der G'schicht,« tröstete dann der rechte Schacherer.

Es kam aber doch etwas anders. Tags darauf kletterten Landgendarmen den Haunsberg herauf und holten den linken Schachererbauern gefesselt unter der Anklage des Mordes in die Frohnfeste nach Salzburg.

44 Wie Flugfeuer verbreitete sich die Kunde von Jörgels Verhaftung in der ganzen Gegend. Der schneidige Schacherer war eine zu bekannte Persönlichkeit, als daß eine so jähe Wendung in seinem Schicksale nicht allgemein hätte interessieren sollen. Man war bestürzt darüber und selbst die Burschen, welche von Jörgels Übermut und Gewalt zu leiden gehabt, empfanden Mitleid, denn es ist eine heikle Sache, unter der Anklage eines Mordes in die düstere Frohnfeste zu Füßen der Festung Hohensalzburg eingeliefert zu werden.

Im Röserlhof rief die Kunde völlige Bestürzung hervor und die junge Bäuerin wußte im ersten Augenblick gar nicht, was nur beginnen. Die schöne Resi zeigte sich kopflos darüber, daß man ihren »Schatz« eingefangen habe, aber sie hatte merkwürdigerweise keine Thränen über das Unglück. Selbst als die Nachbarsleute herbeikamen und versicherten, lebendig werde der Jörgel nicht mehr davon kommen, konnte Resi keine Thräne weinen. Der Schrecken sei zu groß, sagte sie sich entschuldigend, als sie merkte, daß die Mädeln sie erstaunt anblickten, gewissermaßen fragend, warum sie denn nicht mehr Mitleid äußere.

»A kuriose Dingin, die Resi,« meinte auf dem Heimweg die Schreckliesl zu den Kroisbacher Mädeln und deutete dabei auf die Stirne, als wollte sie sagen, daß es im Oberstübchen der Röserlbäuerin nicht ganz in Ordnung sei.

»Ja, recht seltsam, woltern verdraht,« äußerten ihre Begleiterinnen, denen das eigene Wesen Resis nicht in den Kopf wollte.

»I bin wirkli neugierig, ob jetzt das Verhältnis no weiter geht?« sagte die Liesl darauf.

»Glaab's kaum,« erwiderte die Mirl, eine dralle Bauerntochter von Kroisbach und kicherte dazu. Sie hatte so ihre eigenen Gedanken, die sie aber für sich behielt.

Am späten Abend, als die Dirn vom Röserlhof eben Anstalten machte, ihr Lager aufzusuchen, klirrte leise das Fenster in Resis Schlafstube, wie wenn ein Steinchen an 45 dasselbe geworfen worden wäre. Die Dirn hatte das Klirren wohl vernommen und kannte die Bedeutung dieses Signals ganz gut, aber sie dachte sich: »Mi geht's nix an, 's ist der Bäuerin ihr Sach'« und schlüpfte ins Bett.

Gleich darauf öffnete sich das Fenster, um das sich das dürre Geäst eines wilden Weinstockes rankte und Resi steckte den Kopf heraus.

»Pst, pst,« tönte es leise herauf und dann schob sich eine Leiter unter das Fenster, auf welche in raschen Sätzen eine kleine Mannsgestalt kletterte.

»Resi, bist da?« flüsterte der Kleine.

»Hast Kundschaft?« fragte leise die Bäuerin.

»Ja, sie haben 'n richtig in d' Frohnfest eing'liefert.«

»Ist er gutwillig 'gangen?«

»Z'erst nöt, er hat gachlings nöt wollen, aber viel hat er nöt machen kinna z'wegen dem Ketterl um die Händ', aber nachher is' er ganz dasig mit. Du, die Leut' hättest sehen sollen drin in der Stadt, dös G'schau und dös Gerenn' bis hinteri ins Koaviertel!«

»Hat er denn wirkli den Schmied derstochen?« fragte Resi den auf der Leiter stehenden Burschen.

»Freili, maustot derstochen. Jetzt kimmt er nimmer, der wird ganz sauber g'henkt.«

»Dös kann i do nöt glauben, 's hat's ja neamd nöt g'sehn, wie er 'n derstochen hat.«

»Macht nix, g'henkt wird er do. Und mir (wir) krieg'n a Ruah, gelt Resi,« flüsterte der Bursch und suchte ihre Hand zu erfassen, die sie ihm nach einigem Zögern überließ.

Dadurch kühner gemacht, legte er die Arme völlig auf das Fensterbrett und suchte dann Resis Hüften zu umschlingen.

»Mach' keine Dummheiten«, wehrte die Bäuerin ab. Er aber flüsterte ihr etwas ins Ohr, was ihren Widerstand lähmte. Wie er aber Anstalten machte, sich in die Stube zu schwingen, schloß die junge Bäuerin rasch das Fenster 46 zu und war nun weder durch Schmeichelworte noch durch Drohungen zu bewegen, ihm Einlaß zu gewähren.

Eine Weile wartete der Bursche, ob sie sich drinnen nicht doch entschließen werde, das Fenster nochmals zu öffnen; als es aber verschlossen blieb, kletterte er fluchend die Leiter hinab, versteckte sie in der nahen Scheune und zog feldeinwärts weiter in die finstere Nacht.

3.

Langsam, aber mit großer Genauigkeit wurde vom Untersuchungsrichter der angebliche Mordfall in Lauterbach untersucht. An acht Monate waren verflossen, bis die Sache, ergänzt durch die bestimmte Aussage des verletzten Schusters von Lauterbach, daß er durch Jörgel die Rippenbrüche erhalten habe, vor ein Schwurgericht gebracht werden konnte.

Wie andere Neuerungen hatte das Jahr 1849 auch für Österreich die Einführung der Geschworenengerichte zur Folge gehabt, die freilich kurze Zeit darauf wieder aufgelöst wurden, bis viel später (1874) die Reaktivierung derselben erfolgte.

Für das neue Schwurgericht war es einer der ersten Fälle, deshalb wurde mit besonderer Genauigkeit vorgegangen. Das Gericht erkannte auf Grund der beschworenen Aussage des Schusters nur auf Körperverletzung, nicht auf Mord und erachtete die hierfür ausgesetzte Kerkerstrafe durch die lange Untersuchungshaft gebüßt. Frei, von Schuld und Strafe losgesprochen, konnte in den ersten Novembertagen Jörgel das Gerichtsgebäude nach beendigter Verhandlung verlassen.

Gierig sog er auf dem freien Platz vor dem Gebäude die frische Winterluft ein. Die lange und schwere Haft hatte dem an die freie Luft seiner Heimat gewöhnten Bauer arg zugesetzt. Seine einst so gebräunten Wangen waren jetzt gebleicht und hatten eine Wachsfarbe angenommen, die Augen zeigten rötliche Ränder, Arme und Beine waren hager 47 geworden, der ganzen Erscheinung fehlte die frühere Elasticität und Kraft. Seine Kleidung hing schlotternd am Leibe, Jörgel war in Entbehrung seiner gewohnten Schmalzkost mager geworden und schlich gebeugt von dannen. Die Keckheit seines Wesens war im Gefängnis geblieben, ein gedrückter Mensch kehrte er auf der Bergheimer Straße in die Heimat zurück, scheu den Leuten ausweichend, von denen er fürchtete, daß sie es ihm anmerken müßten, von woher er käme. Es war ihm recht lieb, daß es rasch dunkelte und die Nacht hereinbrach, als er dem Dorf Bergheim nahe kam. Rasch entschlossen schlug er einen hart an der Salzach führenden Seitenpfad ein, der ihn nach Weitwörth bringen mußte.

Ihn drängte es Resi aufzusuchen und ihr zu allererst mitzuteilen, daß er von der Anklage des Mordes freigesprochen worden sei. Er fühlte eine Verpflichtung, gerade ihr, die mit seinem Leben verbunden war, den Makel wegzunehmen, der auf seinem Namen so lange gelastet hat. Im Kerker hat er auch den Entschluß gefaßt, die Resi nun wirklich zum Altar zu führen; sie muß jetzt seine Bäuerin werden auf dem Schachererhof, er fühlt, daß er ihr dies schon lange schuldig sei und tüchtig schreitet er aus im beseligenden Gefühle guter Vorsätze und der erkannten Pflicht.

Vom Kirchturm zu Anthering schlägt es in langsamen Tönen acht Uhr. Eine Wegstunde also hat er noch vor sich, dann ist er bei seinem »Schatz«. Wenn er nur fliegen könnte, das Marschieren geht ihm heute viel zu langsam! So weit ist ihm der Weg noch nie vorgekommen. Freilich es läuft sich auf dem glitscherigen Gangsteig recht schlecht und er ist das Marschieren gar nicht mehr gewöhnt. In seiner Zelle hat er nur einige wenige Schritte gehen können, da verlernt man das Laufen. Aber morgen soll es beschwingten Schrittes zum Pfarrer nach Lauterbach gehen, der Meßner soll ihm die Glocke läuten, damit er das verlorne Glück wiederfindet, das Glück der Zufriedenheit an 48 der Seite seiner braven Bäuerin. Nie mehr will er den Stutzen anrühren, mit dem er stark aufgeräumt hat im Haunsberger Wildstand und auch vom »schwärzen« will er nichts mehr wissen. Ein ordentlicher fleißiger Bauer will er fortan sein, dazu hat er die Kraft und den nötigen Verstand und am guten Willen fehlt es ihm jetzt wahrlich nicht. Früher war dies freilich was anderes; da hatte er seine größte Freude, wenn er just das Gegenteil von dem thun konnte, was andere thaten.

Das soll und muß anders werden. Die Resi, na die wird die Augen aufreißen, ihre schönen, glänzenden feurigen Augen, wenn sie ihn so unvermutet und frei von der schweren Anklage vor sich sehen wird und die wird erst eine Freude haben, wenn sie seine guten Vorsätze vernimmt. Freilich, im Leben werden gar oft gute Vorsätze gefaßt und mit guten Vorsätzen ist der Weg zur Hölle gepflastert, heißt es in einem Sprichwort. Aber ist Jörgel nicht ein ganzer Mann, der noch immer durchgesetzt hat, wenn er nur ernstlich gewollt? Und er will, Himmellaudon, jetzt will er und den möcht' er kennen, der ihm die guten Vorsätze wieder ausreden will.

In seinen angenehmen Gedanken versunken ist Jörgel rasch weiter gekommen. Nun kreuzen sich zwei Wege: biegt Jörgel links ab, so kommt er an das Flußbett der Salzach, zu der Stätte jenes fürchterlichen Nachtkampfes. Dort hat er nichts zu thun und er will den Platz auch nicht mehr betreten. Seine Büchse mag ruhig in der Salzach liegen, er braucht sie ja so nicht mehr. »Ja richtig, wo ist denn damals mein Hund hingekommen?« fragt sich Jörgel selbst. »Der ist ja mit gewesen bei dem mißglückten Ochsentransport. Auf den Hof ist er am nächsten Tage nicht gekommen, und am zweiten Tag bin ich ja fortgeholt worden nach Salzburg 'nein. Mein', der Hund hat sich verlaufen und wird später heim'kommen sein,« denkt Jörgel und schlägt den Weg nach rechts ein, der ihn auf die Weitwörther Straße führt.

49 Seltsam, wie ihn jetzt, so nahe dem Röserlhof, eine Angst befällt, die er sich gar nicht erklären kann. Es ist ihm, als sage ihm eine innere Stimme: »Geh nicht zur Resi«, es klingt ihm wie warnend in den Ohren: »Geh nicht, geh heim!« Aber muß er denn nicht zu ihr? er hat es sich so vorgenommen, sie muß die erste sein, die von ihm die Kunde seiner Freilassung erfährt. »Dumm's Zeug«, sagt Jörgel zu sich und stapft in langen Schritten weiter.

Etwa einen Büchsenschuß entfernt vom Röserlhof kommt ihm plötzlich eine weibliche Gestalt mit einem Hund entgegen. Jörgel stutzt; wer mag das sein? Der Hund aber schnüffelt in die Luft lang und sorgsam, plötzlich giebt er Laut und springt freudig bellend dem nächtlichen Wanderer entgegen. Jörgel erkennt im Augenblick seinen eigenen Hund, der ihn schweifwedelnd umkreist und Freudensprünge vollführt. »Wie der Hund wohl auf einmal daher kommen mag?« denkt der Jörgel. Inzwischen ist die weibliche Gestalt auch näher gekommen. Der Jörgel spricht sie auch gleich an wegen dem Hund.

»Sie ist die Dirn vom Röserlhof, wo der Hund blieben ist, wie er pritschnaß einmal in der Nacht daher kommen ist. D' Resibäuerin hat den Hund kennt und hat 'n nimmer fortlassen.«

»So, so,« sagte Jörgel und ward nachdenkerisch. Aber nicht lang, dann fragte er die Dirn, wie sie denn so spät auf d' Landstraßen kommt.

»Mein', d' Ahnl (Muhme) ist so viel schlecht 'worden, will heut' Nacht no' versehg'n wer'n« (mit den Sterbesakramenten versehen werden).

»Was für a Ahnl?« fragte in Gedanken versunken der Jörg.

»Na, der Resi ihr Ahnl, 's ist woltern schon etli Monat auf'm Hof.«

»Der Resi ihr Ahnl«, wiederholte Jörgel. »Wie geht's nacha der Resi seit –«

50 »Seit s' di' einkastelt hab'n, moanst wohl Schacherer?« fiel die Bauerndirn ein.

»Ja.«

»Mein', wie allweil, netta daß a anderer Fensterln kimmt.«

»Was?«

»Ja.«

»Wer denn nacha?«

»Mein', hast s' halt woltern langmächti hing'halten mit 'm hochzeiten, aft'n haben s' di furt und g'hoaßen hat s' überall, da Jörgl kemmat nimmer z'ruck von der Frohnfest z' Salzburg drinnen.«

»Dös hat d' Resi glaubt?« fuhr Jörgel auf.

»Freili und mir (wir) aa und da Peter aa.«

»Da Peter?«

»Ja, da Peter erst recht.« Und näher zum Jörgel hintretend, sagte die Dirn: »Wennst g'scheit bist, Schacherer, aft'n gehst gar nöt auf'n Hof, d' Resi hat an andern Hochzeiter, mit Enk zwoa is' aus.«

»Kruzitürken!« wollte Jörgel auffahren.

»Nutz't di nix, Schacherer, wennst g'scheit bist, schiabst a' auf dein' Hof!« Damit schritt die Dirn weiter und rief ihm noch zu: »Guat Nacht!«

Zweifelnd blieb Jörgel mit seinem Hund noch stehen. Ihm war das Gehörte zu unvermittelt gekommen. Soll er der Dirn glauben, daß Resi nichts mehr wissen will von ihm, daß sie es mit einem andern halte? Der Peter also! Freilich, verdächtig ist ihm der Bursch schon lang vorgekommen seit jener Nacht drunten an der Salzach, wie er aus'blieben ist. Er muß damals den Grenzern all's verraten haben, sonst hätten sie die Pascher mit dem Ochsentransport nicht erwischt. Und den Lumpen soll seine Resi zum Hochzeiter genommen haben?

Mittlerweile war Jörgel doch dem Röserlhof ganz nahe gekommen. Unschlüssig stand er vor dem Zaun des Gärtchens 51 des Hauses. Still war's ringsum, nur oben aus dem Dachfenster blinkte ein Licht, dort mochte wohl das alte Ahnl liegen. Ob d' Resi wohl oben ist beim Ahnl?


Hinter den Wolken war endlich der Mond emporgestiegen, der nun sein geisterhaftes Licht zur Erde warf. Friedlich und traulich lag die Landschaft vom Silberglanz übergossen, von fern rauschte die Salzach, leise wiegten sich die Weiden im Nachtwind, der über die Auen strich.

Während Jörgel unschlüssig mit sich selbst vor dem Hofe stand, hatte eine Gestalt vorsichtig das Haus verlassen. Lautlos huschend im Schatten eilte der Mann dem Holzschuppen zu, wo er sich verbarg. Es war Peter. Er hatte Jörgel sofort erkannt mit seinem Hund.

»Teufel!« murmelte er: »Wie kommt der Loder vom Zuchthaus z'ruck? – Den derf d' Resi nöt zum G'sicht krieg'n, sunst springt s' mir ab.«

Jörgel war inzwischen mit sich einig worden und wandte sich zum Heimgehen, seinem Hof zu auf dem Haunsberg. Er will einige Zeit vorübergehen lassen. Durch die Dirn wird die Bäuerin schon erfahren, daß er zurückgekehrt ist. Wenn er dann bei Tag frei und ledig kommen wird mit seiner guten Absicht, jetzt Ernst zu machen mit der Hochzeit . . . .

Jörgels Hund schnüffelte plötzlich auffallend in die Luft. Jörgel hielt an und lugte scharf aus, allein der Mond war wieder hinter die Wolken gekrochen und in dem schwachen Zwielicht ließ sich nichts genau unterscheiden. Der Hund gab auch kein weiteres Zeichen, es konnte also nicht wohl ein Fremder um die Wege sein.

Wie Jörgel nun von der Straße abbog, um einen Gangsteig durch die Wiesen dem Haunsberg zu zu verfolgen und an einem Gebüsch vorüberkam, stand plötzlich ein Mann vor ihm auf dem Pfad. Jörgel fuhr zurück und wollte nach dem Knicker greifen.

52 »Nöt nöthi, Jörgl« rief der Mann und lachte höhnisch.

Sofort erkannte Jörgel den Mann vor sich. »Bei dir freili nöt, Peter? – Was willst?«

»Was i will? – Nix. Bist heut kemma vom Landg'richt ha? Hast di lang nimmer seh'gn lassen, hahaha!«

»Für di freili z'lang.«

»Hast 'leicht d' Ochsen g'sucht da herunten?« höhnte der Peter.

»Di nöt, aber leicht' such i di no und di find i aa, bal' i will. Aus 'm Weg jetzt!« rief Jörgel und hob den Arm.

Der schmächtige Peter wagte keinen Angriff, den er eigentlich vorhatte. Mit der Faust drohend, kehrte er um und war bald hinter den Gebüschen verschwunden.

Langsam war Jörgel den Pfad entlang geschritten; wie er an die Halde kam, die sich ziemlich jäh ansteigend dem Haunsberg anschmiegt, wandte er sich um, wie wenn es ihm jemand geheißen hätte. Erschrocken zuckte Jörgel zusammen, flammende Röte stieg empor, Funken stoben auf zum nächtlichen Himmel. Rasch suchte Jörgel sich zu orientieren, wo es brenne. Kein Zweifel, der Röserlhof steht in Flammen. Nun giebt es für Jörgel kein Besinnen mehr, dort ist Manneshilfe nötig, mit Sturmeseile rennt er über die Wiesen zurück dem Feuer zu. Je näher er kommt, desto lauter werden die Jammerrufe. Von benachbarten Höfen eilen die Bauern, Knechte und Dirnen mit Wassereimern, Feuerhaken und Leitern herbei, von der Kirche in Weitwörth gellt die Sturmglocke in die Niederung, bald darauf rasselt auch schon die Landspritze heran.

Jörgel will thatkräftig mithelfen, schon hat er einen Haken ergriffen und will eben einen brennenden Dippelbaum zur Erde reißen, da gellt ein fürchterlicher Schrei in die Nacht, der das Mark in den Knochen erstarren macht. Jörgel will ins brennende Haus, aus dem die Bäuerin in fliegender Hast stürzt, kaum notdürftig bekleidet. Da reißen 53 ihn die Bauern zurück und schreien ihm zu: »Brandstifter!« – – –

Wie vom Blitz getroffen zuckt Jörgel bei diesem Ruf zusammen, dann schäumt er auf und wehrt sich der Fäuste, die auf ihn eindringen.

»Sie hab'n ihn, den Brandstifter!« hieß es von allen Seiten; die Menge der schier toll gewordenen Bauern umkreist ihn, wütende Rufe mischen sich in das Gebrüll der noch rechtzeitig freigelassenen Rinder und das Geblök des Jungviehes: »Ins Fuier mit dem Brandstifter!« schrie alles.

Wie verzweifelt wehrte sich Jörgel und rief den Bauern zu, daß er zum Helfen gekommen sei wie die andern auch.

»Der Zuchthäusler ist wieder da, er hat 'n Hof ankennt (angezündet)!« rief Peter, der sich unter die Bauern gemischt hatte.

»Ins Fuier!« »Ins Fuier!«

Schon hoben die Fäuste ihn in die Höhe, krachend stürzten die Balken nieder, daß die Flammen hochaufloderten. Jörgl schien verloren – –

Da ertönte plötzlich das Kommando: »Halt!«

Gendarmen waren mit aufgepflanztem Bajonett angekommen, gerade noch rechtzeitig um den Schachererbauern vor dem Lynchen zu retten. Widerwillig setzten die Bauern den Jörgel zur Erde, dann aber schrieen alle zugleich auf die Gendarmen und Grenzwächter ein und unter Puffen und Hieben ward Jörgel dem Postenführer übergeben, der ihm sofort Handschellen anlegen ließ.

Stumm und gebeugt vor dem neuen unerwarteten Schicksalsschlage ließ sich der Schacherer von zwei Gendarmen im Dämmerlicht des grauenden Morgens den Weg nach Salzburg führen, den er im Schatten der Dämmerung am abend herausgewandert war als freier schuldenthafteter Mann und jetzt mit der Eisenkette um die Handgelenke.

4.

54 Die Gluthitze eines Augusttages brannte herab auf das türmegeschmückte Salzburg. Heiß strich die Luft durch die engen Gassen, die Quadern der bischöflichen Kolossalbauten strömten versengende Hitze aus, Mensch und Tier verkroch sich in die Gewölbe, dort Kühlung suchend. Nur einem Gebäude strömten Leute in dichten Scharen zu, dem Neubau am Residenzplatze eilten vorwiegend Landbewohner zu, wo in einem Saale ein Schwurgericht zusammengetreten war am frühen Morgen, um Recht zu sprechen über einen »Mordbrenner«.

Der Brandstiftung und im Verfolg derselben des Mordes angeklagt, saß der Hansjörgel vom Schachererhof auf der Anklagebank, bewacht von zwei Gendarmen. Einem Gespenst ähnlicher als einem Bewohner der Salzburger Vorberge, sollte der so schwer Angeschuldigte sich verantworten.

Er hatte seinen Richtern nicht viel zu sagen. Schlicht erzählte er, wie er die Stadt verlassen an jenem Abend nach seiner Freilassung, wie er heimgewandert sei zum Röserlhof zuerst, dann dem Haunsberg zu und wie er dann helfen wollte, als die Brandglut den nächtlichen Himmel rötete.

»I bin unschuldi!« beteuerte Jörgel ganz gebrochen immer wieder, aber keiner glaubte ihm.

Dann wurden die Zeugen vernommen. Die Dirn vom Röserlhof zuerst, mit der er gesprochen in jener Nacht, dann der Peter, der ihn samt dem Hund getroffen hat ganz in der Nähe vom Hof. Die Bauern vom Schwurgericht steckten die Köpfe zusammen, wie sie hörten, daß der heimgekehrte Jörgel zu seinem Schatz wollte, aber daß ein anderer von der Bäuerin zum Hochzeiter gewählt worden sei. Also aus Rachsucht wird der Schacherer den Hof angezündet haben und bei dem Brand mußte dann das arme Ahnl droben im Dachkammerl elendig verbrennen. Also Brandstiftung 55 und Mord zugleich. Mordbrenner! Wie ernst der Gerichtspräsident dreinblickt!

Der Angeklagte wimmert in Verzweiflung. Alles zeugt gegen ihn, auch sein Lieb', das von dem »Loder« nichts mehr wissen will. Sogar sein Hund wird zum Belastungszeugen gemacht und schließlich kommt dem Gericht auch noch zur Kenntnis, wer den Schmugglerzug damals geführt, bei dem ein Grenzer erschossen worden war.

Davon wußte selbst der Jörgel nichts, dem es fast das Herz abdrückt vor Qual und Schmerz.

Im Zuschauerraum flüstern sie, die Bauern vom Haunsberg und vom Salzachthal, sie zischeln sich Flüche zu, Flüche gegen den Lumpen, der mit seiner Schandthat der ganzen Gegend ein Brandmal aufgedrückt hat.

Zum Verschmachten heiß ist's in der Gerichtsstube, wie der ernste Präsident alle Facta und Aussagen abwägt, er nimmt es sehr genau, noch ist die Institution der Schwurgerichte zu neu im Staate, da heißt es gründlich zu Werke gehen.

Endlich gegen Abend, wie die Sonne hinter die Berge sinkt, ist das Verfahren geschlossen, die bäuerlichen Geschworenen ziehen sich ins Beratungszimmer zurück. Man hätte ihnen den Wahrspruch vom Gesicht ablesen können. Der Bauer kennt kein Erbarmen mit Brandstiftern, den roten Hahn auf dem Dache fürchtet jeder!

Nach kurzer Zeit kommen die Geschworenen zurück, sie hatten nicht lange zu beraten: »Schuldig« verkündete ihr Obmann in der lautlosen Versammlung.

Jörgel sank in sich zusammen.

Dann sprach das Gericht das Urteil:

»Tod durch den Strang!«

Ein pfeifender Ton fuhr dem Verurteilten aus der röchelnden Kehle, dann stürzte der einst so kräftige Schacherer bewußtlos nieder, daß dumpf der Boden erdröhnte.

Gerichtsdiener schleppten den Ärmsten aus dem Saale.

56 Langsam, eifrig schwatzend zogen die Bauersleute aus dem Gebäude, in welchem einem Menschen das Leben abgesprochen worden von Rechtswegen.


5.

In einer Zelle des Osttraktes der Frohnveste verbringt der zum Tode verurteilte Schacherer Jörgel den ihm noch zugestandenen Rest seiner Lebenszeit.

Das Fenster ist mit schweren Eisenstangen vergittert und mit einer Holzwandung verkleidet, die keinen Ausblick gestattet. Nur ein ganz kleines Stück des blauen Himmels ist dem Gefangenen sichtbar, wenn er den Kopf an die Scheiben drückt. Draußen mag die Sonne strahlen in majestätischer Pracht, in der Zelle des Todeskandidaten herrscht trübe Dämmerung, die den Gefangenen mehr schmerzt als die schweren Ketten, die seine Hände und Füße umschließen.

Wie entsetzlich öde es in dem feuchtkalten Raum ist: in einer Ecke die Holzpritsche mit dürftiger Decke zum Nachtlager, das ist alles. Jörgel benützt auch diese Lagerstätte wenig, ständig steht er mit schlotternden Knieen am Fenster und späht empor zum Firmament – Frühmorgens wenn die Sonne hinter dem Gaisberg emporklettert, den Tag über, wenn er geschwätzige Schwalben vorüberkreisen sieht und nachts, wenn die Sterne in sanftem Lichte erstrahlen so friedlich, als gäbe es kein Menschenleid und Menschenende.

Noch denkt Jörgel nicht ans baldige Ende. Vor seinem Auge steigt das Bild der Heimat empor, der stattliche Hof auf freier Bergeshöhe mit dem Blick auf die sonnendurchglänzte Landschaft im weiten Thale. Wie schön war's doch dort und wie hat sich alles gewendet! Quälende Selbstvorwürfe zerwühlen seine Seele. Mit dem Wildern begann es, mit dem Paschen sank er tiefer und tiefer, aber Grundschlechtes hat er ja nie begangen, nie etwas, was ihn zum 57 Verbrecher gemacht hätte. Ein lüderlicher Nichtsnutz, ja das war er und dafür hat er schon genug gebüßt durch die erste lange Haft. Aber jetzt! Unschuldig sein und den Kopf verlieren müssen! – – –

Und heiß schrie es in ihm auf und laut wimmerte er: »Wo bleibt die Gerechtigkeit? Da reden s' immer von Gnade. Ich brauch koa' Gnad'. An rechten Spruch will i. Herrgott im Himmel, hilf Du, laß Du mi' Unschuldigen nöt umbringen! . . . . Verurteilt zum Tod! . . . . Hängen wollen s' mi'! Mi, an unschuldigen, der 'n Hof gar nöt ankennt hat! Und a Mordbrenner soll i sein! Wie lang no, nacha ist's um mit dera Gnadenzeit, dann kommt der letzte Gang, die letzte Fahrt auf'm Armesünderwagel . . . 's Züg'nglöckel läuten s' . . . der Kapaziner bet' . . . hinauf schleppen s' mi' auf'n Galgen . . . der Strick . . . a Ruck . . . . 's ist aus und überstanden . . . . Und d' Leut schreien: 's waar um an Lumpen wen'ger af der Welt . . . . O mei arm's Muatterl oben im Himmi! O die Schand! Sie muaß von droben seh'ng, wie s' 'n Jörgel hängen! Unschuldi hängen! . . . Herrgott i wir (werde) winni (wahnsinnig) . . . 's kann ja nöt Herrgott's Willen sein, daß oaner g'henkt wird, der unschuldi is' . . . . Sterben soll i, als Mordbrenner sterben . . . . O Gott, verlaß Du mi nöt, gieb mir Kraft für die letzten Tag' meines Lebens . . . Gieb mir Kraft zum Beten, gieb mir d' Kraft zum . . . . Sterben, wenn's sein muaß, daß i unschuldi sterben muaß . . . .«


Das Urteil ist bestätigt, die Begnadigung zu lebenslänglicher Kerkerstrafe nicht erteilt worden.

Unter dem Zuspruch eines Kapuzinerpaters, in gemeinsamem Gebete verbringt der Verlorene die letzten Stunden. Man läßt ihm freie Wahl für diese knappe Spanne Zeit vor dem Hinübergang ins Jenseits, doch Jörgel lehnt Speise und Trank ab . . .

Die letzte Nacht bricht an . . . Jörgel ist allein in der 58 Zelle, draußen auf dem Gang patroulliert ein Militärposten auf und ab, wie es Vorschrift ist für einen Delinquenten. Nach Mitternacht wird der Kapuziner wiederkommen, zum letztenmale wiederkommen, er wird ihn begleiten auf der letzten Fahrt . . . .

Jörgel ist so schwach auf den Beinen, daß er kaum sich bis zum Fenster schleppen kann. Er kriecht fast hin, aber er will die Sterne zum letztenmale sehen, und ihnen seine letzten Grüße an die Heimat bestellen. Vater und Mutter leben nicht mehr, Geschwister auch nicht, wem sollen eigentlich die Sterne die Grüße eines Sterbenden ausrichten? . . . Der Resi? Nein, niemals . . . . . Und doch – War sie nicht sein Lieb' so lang und treu? War sie nicht brav und ihm zu eigen, bis er in den Kerker geschleppt wurde als Mörder? Hat er sie denn nicht irr' gemacht in Treu und Glauben? Hingehalten mit der Hochzeit und Ruf und Ansehen des Mädels vernichtet? Darf es ihn wundern, wenn sie vom Zuchthäusler nichts mehr wissen wollte? . . . . Horch! – Vom Dom schlägt es in feierlichen Glockentönen: Mitternacht! . . Der letzte Tag des Lebens bricht an, nun noch vier Stunden. Gleich muß der Pater kommen . . . .

Da zuckt es dem Jörgel auf im Gehirn. Mit hämmernden Schläfen denkt er: »Muß i denn warten, bis s' mi nausschleppen zum Galgen, zum Hängen? . . . Nein, nein! Was die mit mir wollen, kann i selber. Ja, das kann ich noch, so schwach bin i no nöt, und die Schand fallt weg . . . I brauch koan Scharfrichter . . . I kann ehnder sterben, eh' mi der Scharfrichter in d' Händ kriegt. Ha, das is a Gedanken! Ja, ja, freiwillig sterben! Wenn i mit 'n Kopf an d' Wand renn? Na, dazu bin i z'schwach. Aber da am Fenstergitter . . . . mei Halstüchel hab' i ja no . . . ja . . Das geht . . . . . Aber na, Jörgel dös thuast anöt, dös waar a Sünd'. Na, stolz wiast warst, stolz gehst aa aus 'm Leben. D' Leut vom Haunsberg glaabeten am End' gar, i, der Schacherer, hätt' mi vor'm Sterben g'fürcht'. 59 Na, sell thua i nöt, d' Unschuld muß ja Kraft geben bis zum letzten Schnaufer. A Birgler stirbt net von eigener Hand . . .«

Schlürfende Tritte nahen, Schlüssel klirren, das Thürschloß dreht sich ächzend, der Kapuziner kommt. Der Gefängnisaufseher stellt das Kruzifix mit zwei Kerzen auf ein mitgebrachtes Tischchen. Jörgel hält die kettenbeschwerten Hände vor die Augen, so blendet den Einsamen der helle Kerzenschein. Dann wird die Thüre wieder verschlossen.

Jörgel ist gefaßt, er legt die Beichte ab, empfängt das Abendmahl aus des Priesters Hand. Die Frage, ob ein letzter Wunsch, eine Bitte, ein Auftrag an Verwandte und Freunde zu bestellen sei, verneint der Delinquent mit stummem Kopfschütteln. Dann beten beide bis zum Tagesanbruch.

Wieder öffnet sich die Thür, Beamte treten ein und nehmen dem Todeskandidaten die Ketten ab. Seine Hände umschließt jetzt nur ein schwacher Strick, ein grauer Kittel umhüllt den todgeweihten Körper. Mit Militäreskorte wird Jörgel in den Hof geführt, wo ein Karren mit dem Nachrichter seiner harrt. Dann geht es in langsamer Fahrt nach Schallmoos zum Richtplatz, wo trotz der frühen Morgenstunde eine tausendköpfige Menge des grausigen Schauspieles harrt.

Laut betet der Kapuziner, den Kopf gesenkt, das Kreuz in den gebundenen Händen, flüstert Jörgel die Gebete nach, bis der Armesünderwagen vor dem Galgen hält.

Der Staatsanwalt mit den Richtern, der Henker mit seinen Gehilfen stehen bereit, Soldaten umschließen den engen Platz. Noch einmal wird das fürchterliche Urteil verlesen im Namen des Kaisers, dann sagt laut der Staatsanwalt: »Nun übergebe ich den Verurteilten dem Scharfrichter, er walte seines Amtes!«

Schon greift dieser nach dem erdfahl gewordenen Verurteilten, stieren Blickes schaut die Menge auf den todbringenden Strick . ., da rasselt ein Wagen heran in rasender 60 Eile mit dampfendem Gaul, ein altes Mütterchen steht aufrecht mit erhobenen Händen im schwankenden Wagen. Alles blickt erstaunt auf, auch Jörgel hebt den Kopf, es röten sich die bleichen Wangen. Die Menge weicht zur Seite, der Wagen hält, mit einem Satz ist das alte Weib herunten, stürzt vor den Richtern in die Kniee und ruft: »Halt, um Gottes willen! Der Jörgel ist unschuldig! . . .«

Ein vieltausendstimmiger Schrei gellt zum Himmel, tiefe Bewegung erfaßt die Menge, näher drängen sich die Menschen. Die Soldaten haben Mühe, die aufgeregten Leute mit den Gewehren zurückzuhalten.

Aber auch die Richter sind erregt und mit bebender Stimme frägt der Staatsanwalt das alte Mutterl nach den näheren Umständen, nach Beweisen. Mit fliegender Hast und bebenden Lippen stottert das Weib: »Der Jörgel ist unschuldig, der Schuldige hat's eing'standen, der Brandstifter, der Mordbrenner ist – – der Peter – mein Bua!« Dann sank das alte Mutterl ohnmächtig zu Boden.


Unter ungeheurem Aufsehen ward der Delinquent mit der ohnmächtigen Zeugin zurückgeführt.

Die Hinrichtung ward aufgehoben, eine neue Verhandlung eingeleitet, die thatsächlich die Beweise erbrachte, daß der Sohn der heldenmütigen Mutter der Brandstifter gewesen, der in der Nacht vor der Hinrichtung zu ihr mit beispiellosem Cynismus äußerte: »Morgen früh wird ein Unschuldiger in Salzburg gehenkt.« Zu Tode erschrocken fragte das Mutterl weiter und nach vielem Bitten erhielt sie endlich das Geständnis, daß ihr Peter das Feuer legte, um den Nebenbuhler zu beseitigen. Mit brechendem Herzen fuhr das tapfere Weib, nicht achtend des namenlosen Schmerzes, das eigne Fleisch und Blut dem Gericht ausliefern zu müssen, in rasender Eile zur Stadt, die Minuten abwägend, um ein unschuldig verurteiltes Menschenleben zu retten.

Peter ward verhaftet und zu lebenslänglichem Kerker 61 verurteilt, Jörgel aber freigesprochen von aller Schuld und Strafe. Eine Sammlung für den Armen, der gänzlich gebrochen die Frohnveste verließ, ergab durch rege Betheiligung der Bürger und Beamten die Summe von 700 Gulden.

Jörgel verfiel in eine schwere Krankheit, die ihn noch einmal dem Tode nahe brachte. Den linken Schachererhof hatte ein weitschichtiger Verwandter übernommen, der dem im Frühjahr endlich genesenden Jörgel in Teilzahlungen den Hof ablöste.

Jörgel zog weg von der ihm verleideten Heimat, im bayerischen Rosenheim ward er ein fleißiger Fuhrknecht, den alles schätzte, wer nur mit ihm in Verkehr kam. Sein Herr wußte nicht genug Lob für ihn, nur an einem Tage im Jahr war nichts mit ihm anzufangen, am 25. August jeden Jahres verweigerte der alte Jörgel stets den Dienst und verkehrte mit niemand, es war dies der Tag im Jahre 1851, an dem er unter dem Galgen stand. So hielt er es, bis er im Jahre 1882 zu Rosenheim eines natürlichen Todes starb. 62

 


 

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