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Geschichten aus den Bergen

Arthur Achleitner: Geschichten aus den Bergen - Kapitel 35
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGeschichten aus den Bergen
authorArthur Achleitner
yearca. 1910
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleGeschichten aus den Bergen
pages495
created20140410
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Schlegeltoifel.

Regen auf der Alm! Die den Almboden umfriedenden Felskolosse haben die Nebelmütze über ihre Köpfe gezogen, in den Schrofen rieselt es, die Felswände färben sich schwärzlich und die fadendünnen Bächlein schwellen jetzt zum rauschenden Schaumsturz, der wildtosend in einem Gemisch von lichtgrünen und gelbbraunen Wellen das Wirrnis von Felstrümmern, Latschengeäst und gefallenen Baumriesen überflutet. Im weiten Fichtenwald am Saume des Almbodens tropft es gleichmäßig von Ast zu Ast schwer auf den nadelbesäeten Boden und wenn ein Windstoß herabkommt von der Höhe, dann ziehen Nebelstreifen über die Wipfel und unwillig schütteln die Tannen sich das lästige Naß aus den Zweigen. Es regnet seit Stunden; der weniges Futter bietende Wiesengrund ist durchsättigt vom himmlischen Naß, er kann nicht mehr Feuchtigkeit aufnehmen, daher bilden sich, vermehrt durch Zuflüsse von dem Tann und von den Felsen herab Lachen, die zu kleinen Weihern anschwellen, aus deren Wasserspiegel die Grashalme verzweiflungsvoll ihre Spitzen emporheben, als wollten sie um Hilfe winken in grauser Ertrinkungsnot. Die Almkühe haben schon, des Regens unwillig, das schützende Dach des nahen Heuschobers aufgesucht, wo sie blöde in das Grau des Regentages schauen. Auch das Jungvieh wechselt aus dem Wald über den quietschenden Almboden zur Scheune, die lustigeren Hornisten mit wagrecht gehaltenem Schweife in drolligen steifen Sprüngen, das Groß der Herde aber trottet mißmutig durch den Regenschauer.

Oben auf den kleinen Matten zwischen den Felswänden 4 stehen eng aneinander blökend die Schafe mit gesenkten Köpfen und lassen sich ergebungsvoll den wolligen Rücken durchnässen.

Vor den Almhütten haben sich dunkelfarbene Tümpel gebildet, durch welche man nur hüpfend von Stein zu Stein zum Hüttengatterl gelangen kann. Sumpfig ist es fast vor jeder Hütte, der stetige Regen aber verwandelt den Sumpf in ein Schlammmeer, das der Alm die ganze Poesie raubt.

Die paar Nachzügler der jungen Rinder sind unerfahren genug, den Weg zur Scheune durch den Sumpf zu nehmen, wo sie mit den Läufen bis über die Kniescheiben einsinken und sich nur mühsam wieder emporarbeiten.

Früh wird es Abend, Dämmerung umfängt den Almboden. Die Sendrinnen haben die abendliche Melkarbeit gethan, die frische Milch steht in Weidlingen mit Holzplatten übereinander aufgeschichtet im Kammerl. Jetzt beginnt die Reinigungsarbeit der Sechter und Gefäße zur Butterbereitung, trockenes Holz wird in die Glut des offenen Herdfeuers geworfen, knisternd glimmt der Brand wieder auf und langsam sucht der Rauch den Ausweg durch die offene Hüttenthüre. Der Regen läßt ihn nicht gleich aufsteigen zum abendlichen Himmel, bleiern hängt der Qualm in Hüttenhöhe und erst ein Windstoß treibt ihn in wirren Fetzen über den düsteren Almboden.

Ein trostloser Samstagabend! Heute wird wohl kein Besuch kommen, so abscheuliches Regenwetter kühlt auch des feurigsten Burschen Liebessehnsucht, und im Schnürlregen, der die schmalen Pfade durchweicht, daß das bißchen Erde von selber abrutscht und ganze Gehänge ins Weichen kommen, bleiben Almerinnen meist allein auf der unwirtlichen Höhe.

Wenn die letzte Arbeit des gründlich verregneten Tages gethan ist, dann kommt wohl die eine und andere Sendrin über die Sumpfsteine hüpfend, hochgeschürzt zur Nachbarin in Hoangart, um ein Stünderl noch zu verplauschen, ehe völlige Nacht eintritt.

Die Luisel von der Lattenbergalm ist in der Dämmerung 5 vor die Hütte getreten, um auszuschauen, wie es denn wird mit dem heillosen Wetter. Heut ist ja der Tag des heiligen Medardus (8. Juni), von dem die Regel sagt: »Wie's Wetter am Medardustag, bleibt es sechs Wochen noch darnach«. Das ist, wenn dieser Heilige Recht behält, wenig tröstlich. Von der Luisel ist es eigentlich recht frevelhaft, daß sie halblaut vor sich hinspricht, dem heiligen Medardus hätt' auch was besseres einfallen können, als die sechs Wochen mit so niederträchtigem Wetter einzuleiten. Und wenn infolge davon ihr Seppl die ganze Zeit nicht heraufkommt, dann kann sie der Medardus gern haben.

Die Sennerinnen der anderen Hütten sind offenbar auch der Meinung, daß heute Abend kein Besuch auf die Alm kommt, denn sonst wären sie, die sie selbst an Samstagen ihre Burschen erwarten, jetzt nicht auf dem Wege zur Luisel ihrer Hütte.

»Grüß di Gott Luisel!«

»Aa so viel! Hat's Enk aa den Samstag Abend verregnet?«

»Wennst du epper no wem erwart'st, aftn wart'st umensunst. Bei dem Regen kimmt koa' Bua auf d' Alm!«

»I glaab's schier scho,« sagte die Luisel verdrossen und warf neues Holz aufs Feuer.

Gleichsam zur Entschädigung für den verdorbenen Abend kramte die Steinteufel Afra ein Packl aus dem Sack, einen Vierling Kaffee nebst dem unvermeidlichen Andre Hofer Feigensurrogat. »Hiazt machst uns an Kaffee, Luisel, daß ma aa was hab'n ohne Buben!«

Bald war die Suppen »zum löffeln«, die drei Sendrinnen schlürften den braunen Trank. Wie um ja jedes Geräusch sofort zu vernehmen, falls schließlich gegen jede Erwartung doch noch ein Besucher zum Almboden kommen sollte, hatte Luisel die Hüttenthüre offen gelassen. Aber stille blieb's am schweigsamen Abend, nichts zu hören als das Rauschen der Wasser oben im Gebirg und das Klatschen der fallenden Tropfen.

6 »Was war das?« flüstert plötzlich die Afra und läßt den blechernen Löffel sinken.

»Loos!« (Horche!)

Ein seltsames Geklapper ist jetzt zu hören, wie wenn jemand mit einem Holzstück an einen Baum schlägt. »Von unseren Buben kann das keiner sein und ein Jaager ist es erst recht nicht. Was aber dann?«

»Jeß, Maria und Joseph! Der Toifel selber!« Und im selben Augenblick schreitet eine hohe Gestalt mit Teufelshörnern, über die Achseln eine Stierhaut geworfen an der Hüttenthüre vorbei. Gleich darauf schlegelt es wieder von einem Baum herüber und dann ist der Spuk vorbei. Den Sendrinnen scheppern die Zähne vor Angst und Schrecken, alle drei haben sich bekreuzt und murmeln Stoßgebete.

Der Teufel geht um auf der Lattenbergalm, wer hätt' das geglaubt!

Nicht um alle Welt und ihre Schätze wäre jetzt eine Sendrin zu bewegen, in ihre einsame Hütte zurückzukehren. Sie bleiben bei der Luisel wachend über Nacht und schleunigst wird jetzt die Thüre verriegelt. Auf Anraten der dritten Sendrin Zenzl wird das geweihte Wetterkerzchen angezündet, damit der Teufel keine Macht habe über die Dirndeln.

Unter Beten und furchtsamen Gesprächen verfloß die Regennacht, grau mit etwas Schneegeflock brach der Sonntagsmorgen an. Kaum ist es schußlicht geworden, da donnert das Echo eines Schusses herüber. Wer wohl geschossen haben mag? Nach langer Beratung kamen die verzagten Sendrinnen zum Entschluß, die Steinteufel Afra ins Dorf hinunterzuschicken zur Meldung, daß der Teufel auf der Lattenbergalm umgehe. Es soll der Bauer womöglich um dem Vikar raufkommen und zugleich soll die Afra den Buben der Luisel und Zenzl wissen lassen, daß die Sendrinnen so viel Angst vor dem Teufel, der so sonderbar schlegelt, ausstehen.

»Waar ma liab,« sagte der erstaunte Bauer nach dem 7 Rapport der Afra, »a Schlegeltoifel auf meiner Alm, sell waar ja zum Toifelholen!« »Ist aa–r–a so!« pflichtete Afra bei und suchte dann, als der Bauer nach dem Essen gen Alm zu gehen sich bereit erklärte, ihren Burschen auf. Den Geistlichen will der Bauer zunächst nicht »strapazieren«, zuerst will er selber nach der Teufelsklaue sehen und dem verzagten Weibervolk auf der Alm die Leviten lesen.

Wie um den heiligen Medardus Lügen zu strafen, heiterte sich gegen Mittag der Himmel auf, fröhlich lachte die Sonne auf die reingewaschene Erde. Richtig nach dem Mittagessen stieg der Bauer von der Afra begleitet bergan, gemächlich und schweigsam. Wie beide dem sogenannten »Wurf« nahe kommen, einem muhrigen Flecken, den Bauernunverstand des Holzbestandes beraubte, da bemerkte der Bauer im erdigen Boden ganz seltsame Fährten und verdutzt hält er inne. Was soll das bedeuten? Der Eindruck eines derbgenagelten Bauernschuhes und links voraus die Fährte eines Pferdehufes ohne Eisen! Diese seltsame Fährte führt über den »Wurf« aufwärts gen Alm, verschwindet aber im überschwemmten Almboden, um jedoch vor der Luisel ihrer Hütte wieder bemerkbar zu werden.

Derweil der Bauer noch sinniert, was das zu bedeuten habe, meint die Afra, es wär' halt die Teufelsfährte, halb Mensch, halb Pferdefuß. »Jessas, ja!« ruft der Bauer, dem jetzt nicht recht extra wird. Natürlich versichern die anderen Almerinnen, daß der Teufel an der Luisel ihrer Hütten vorbei ist und die Fährte bestätigt diese Behauptung. Wahr ist es also, daß der Teufel umgeht auf der Lattenbergalm. Angesichts dieses Umstandes wollen aber die Sendrinnen nimmer oben bleiben, weil das kein Mensch verlangen kann, auch der Bauer selber nicht.

Ja, aber er kann doch nicht das Vieh ohne Aufsicht lassen oder gar abtreiben lassen, dem dummen Teufel zu Lieb! Was also thun? Der Bauer sitzt am Herd, um ihn herum die Sendrinnen und niemand weiß Rat. Wie wär's, 8 wenn der Bauer ein paar Halterbuben auf die Alm geben würde.

Die nutzen dem Teufel gegenüber auch nicht viel, ehender noch ein paar handfeste Burschen.

»Ja freilich,« meinte der Bauer, »ich werd' euch eure Schätz' auch noch auf die Alm raufgeben und fürs Faulenzen noch zahlen.«

»Thua was magst, Bauer, aften bleiben wir nimmer alloan heroben und du kannst selber sennen!« Das war das Ultimatum der Sendrinnen. Wie zur Bekräftigung pumperte es in diesem Augenblick, wie wenn jemand mit einem Holzschlegel an die Hüttenwand schlägt und durchs Fensterl neben dem Herd guckt eine teuflische Fratze in den Hüttenraum, ein schwarzes Gesicht mit Hörnern von einer Ziege und weitheraushängender roter Zunge und glühendroten Ohren. Ein höhnisches gräßliches Lachen ertönt, dann poltert es wieder und die schauerliche Erscheinung ist verschwunden. »Da Toifel! Da Toifel!« schreit entsetzt der Bauer und mit einem Satz ist er aus der Hütte, um in rasendem Laufe über den Almboden abwärts zu stürmen in toller Flucht.

Daß in wenigen Stunden das ganze Dorf bis in die höchsten Einöden hinauf von der Existenz des Schlegeltoifels Kenntnis erlangte, ist nicht zu verwundern, denn der geängstigte Bauer, der den Teufel selber gesehen und schon auf dem Nacken sitzend glaubte, alarmierte das Dorf gründlichst. Natürlich erfuhr auch der Förster von der kuriosen Geschichte, der sofort einen Jagdgehilfen zum »Wurf« hinaufschickte, die Teufelsfährte bestätigen zu lassen. Und weil der Förster mit dem alten Pfarrer auf gutem Fuße stand, so war der Förster auch bald im Pfarrhofe, um dem Pfarrer seine Ansicht von der heillosen Geschichte mitzuteilen. Und der alte Geistliche war ganz der försterlichen Meinung, daß es besser sei, es fange das Jagdpersonal den Schlegelteufel als der Vikar.

Zum Abend kehrte der Jagdgehilfe ins Forstamt zurück 9 mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Ein kurzer Rapport und ohne Hund, bloß mit der Büchsflinte bewaffnet und dem Bergstock in der Faust stieg er sofort wieder gen Alm, diesmal ganz zu den Hütten aufwärts gehend. Mit einem wahren Freudengeheul begrüßten die völlig verzagten Sendrinnen den Jäger, der in seinem ganzen Leben nicht so geherzt und gehätschelt wurde, als in dieser Stunde. Am liebsten hätte jedes Dirndl ihm aufgekocht und wenn er all den Schnaps sofort getrunken, hätte er unter den Tisch der Schlafkammer fallen und drei Tag wenigstens besinnungslos liegen müssen. Schmunzelnd vor Vergnügen, daß der Sakaratoifel ihm solchen Empfang bereitete, versicherte der Jäger, die Dirndln sollen nur keine Angst nicht haben und den Schlakerwaltstoifel werde er schon fangen. Aber die Dirndln müßten auch mithelfen bei der Teufelsbeschwörung. Zu diesem Zweck hat der Jäger ein geheimnisvolles Pulver bei sich, von welchem jede Sendrin ein paar Hände voll nehmen und, wie der Leibhaftige sich wieder zeigt, ihm eine Handvoll ins Gesicht werfen muß. Dieses geheimnisvolle Pulver wird den Teufel in die Augen beißen, ihn zum Niesen reizen, im selben Augenblick muß die Sendrin sagen: Helf Gott! – Das kann der Teufel nicht leiden und im selben Augenblick sollen die Sendrinnen dem wehrlosen Teufel mit dem Schürhaken den Grind so grimmig verschlagen, daß die Teufelshörner wegfliegen. Damit kriegen die Dirndln den Teufel in ihre Gewalt und er muß thun, was sie wollen.

Dieser Plan gefiel den Dirndln zwar ganz gut, aber riskant fanden sie den direkten Kampf mit dem Belzebuben doch.

»Ja, und wie fangst denn du, Jager, dann den Toifel?«

»I, i fang ihn mit einer geweihten Kugel draußen im Wald!«

Eigentlich wäre es den Sendrinnen am liebsten, wenn der Jäger in der Hütte bleiben würde, bis der Teufel auf Besuch kommt. Das geht aber nicht, weil der Jäger auch ins Revier hinüber muß.

10 »Ja, drenten waar' eh' heunt fruah a Schuß g'fallen, leicht schießt der Toifel selber Gams!«

Haarklein ließ sich jetzt natürlich der Jagdgehilfe die Schußrichtung und die Zeit beschreiben, dann aber ging er den Weg zum Dorf zurück, um aber, im Walde angelangt, sofort umzuschwenken und dem Gemsrevier zuzusteuern.

Schöner könnte das Wetter für eine Abendpirsch gar nicht sein, wie am heutigen Sonntag Abend. Ja, wer so dürfte! Aber erstens Schonzeit und zweitens Schonzeit und drittens schießt außer der heiligen Schonzeit der Jagdherr selber. Wenn in diesem Augenblicke der Jäger hinzugefügt hätte: »und die Wilderer«, so hätte es eines Gegenbeweises wahrlich nicht bedurft, denn eben tuscht es auf Büchsenschußweite und ein Gemsenjahrling bricht im Feuer zusammen.

Mäuschenstill verhält sich der Jäger in seinem Versteck, nur das Glas nimmt er wieder auf und visiert hinüber, wo der junge Gams liegt. Wer wohl geschossen haben mag?

»Dacht' ich's doch! Der Schlegeltoifel selber! Na, wart' Freunderl!« Gelassen läßt der Jagdgehilfe den Teufel in seiner Vermummung den Gams »einsteinen« (die Gemse so lange mit Steinen bedecken, bis daß von ihr nichts mehr sichtbar ist), und schleicht inzwischen auf Schußnähe heran. Der Teufel ist wirklich dumm, denkt der Jäger, denn auch der Schlegelteufel hat neben seinem Schlegel, der vermutlich aus irgend einem Bierkeller gestohlen ist, auch das eben abgeschossene Gewehr liegen lassen und ist im hitzigsten Jagdeifer unbewaffnet zum erlegten Gams hinüber. Wozu jetzt den Gams ganz einsteinen lassen, der Bursch ist ja doch so gut wie gefangen. »Halt! Gieb di!«

Jetzt möcht sich der dumme Teufel am liebsten bei den roten Ohren und Hörnern zugleich nehmen, weil er auf das Gewehr vergessen hat.

»Gieb di, dummer Toifel!«

Was jetzt machen, an den Teufel glaubt ein Jäger nicht, wenn er ihn beim Wildern erwischt, also nützt das 11 Teufelspielen nichts. Aber das Steinwerfen könnte man probieren und so schleudert der dumme Teufel einen wahren Steinhagel auf den Jäger. »A so moanst Lump!« Und zum drittenmale ertönt das »Halt! Gieb di!« Wie besessen wirft der Teufel seine Geschosse herab. Der Jäger fährt auf, zielt nach den Füßen und macht krumm. Mit einem ganz menschlichen Weheruf, der gar nichts von teuflischem Hohn hat, sinkt der Teufel in das Kar, er hat einen Schrotschuß in den Beinen. Ehe es Nacht wurde, war der dumme Teufel zu den Hütten herabtransportiert, wo die Sendrinnen die Augen anders aufrissen, als sie den Teufel gefangen als Wildschützen wiedersahen.

Die Afra wollte für alle Fälle das geheimnisvolle Pulver jetzt noch probieren und dem Teufel ins Gesicht werfen, aber der Jäger sagte, es wäre dies jetzt nicht mehr nötig. Der wimmernde Teufel aber mußte trotz der sinkenden Nacht und der Schrote in den Beinen zu Thal marschieren, verhöhnt von den Sendrinnen, die ihm bis über den Almboden das Geleite gaben. Vergnügt ob dieses raschgelungenen Fanges ist auch der Jagdgehilfe, denn eine Anerkennung ist ihm sicher.

Da auch noch der Mond aufgeht und den Pfad durch den Wald etwas erleuchtet, so gleicht der nächtliche Marsch, voraus der Teufel, hinterher schußbereit der Jäger, einem Triumphzuge und es bedauert der glückliche Jagdgehilfe bloß, daß er gegen elf Uhr, also zu nachtschlafender Zeit ins Dorf kommt. Bei Tag gäbe es eine höllische Gaudi, den Teufel in Person im Forstamt einzuliefern.

Wie um auch noch diesen Wunsch des Jägers zu erfüllen, kommt ihm an einer Waldlichtung auf dem letzten Vorhügel ein Trupp knüttelbewaffneter Burschen entgegen. Eben tritt der verhaftete Teufel in die hellbeschienene Lichtung und von der andern Seite die Burschen – ein Schrei des Entsetzens und verschwunden sind sie, in tollster Flucht quer durch den Wald ins Dorf stürmend.

12 Durch die flüchtig gewordenen Burschen hörte der noch beim Bier sitzende Förster von der Geschichte, der augenblicklich sein Gewehr holte und dem Teufel entgegenging. Sein Beispiel machte Mut und weiß der Kuckuck woher auf einmal so viele Bauern und Knechte kamen, es schlich ein Haufen Leute prügel- und sensenbewaffnet dem Förster über die Wiesen nach, bis am Waldesrand eben der Teufel aus dem Schatten heraus ins volle Mondlicht tritt. »Halt!« rief der Förster und fuhr auf.

»I hab ihn schon!« ruft vergnügt der Jagdgehilfe, eben aus dem Walde tretend.

Wie die Bauern merkten, daß sie von dem Toifel »g'stimmt« worden sind, würden sie fuchsteufelswild und wenn die Forstleute nicht abgemahnt hätten, wäre der Schlegeltoifel ganz schauerlich durchgebleddert worden. 13

 


 

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