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Geschichten aus den Bergen

Arthur Achleitner: Geschichten aus den Bergen - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGeschichten aus den Bergen
authorArthur Achleitner
yearca. 1910
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleGeschichten aus den Bergen
pages495
created20140410
sendergerd.bouillon@t-online.de
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D' SpeikwabiSpeik (Valeriana celtica), eine Alpenpflanze, deren Wurzel einen eigentümlichen, starken Duft ausströmt, weshalb sie vielfach in aufzubewahrende Kleider und Wäsche als Mittel gegen die Motten verwendet wird. Wabi = Babette.

»A fesch's Menscherl« (ein fesches, sauberes Mädel) sagten die Burschen im Dorf, wenn sie die Tochter der alten Wab'n (altes Weib) meinten, die in einer Keuschen (Hütte) hoch droben am Waldessaum als Wurzelgraberin hauste. Ja sauber ist die Wabi, sakrisch sauber, aber dessentwegen kann sich doch kein Bursch rühmen, daß sich ihm das Fensterl aufgethan hätte. Waren genug droben g'wesen und haben 'bettelt und g'woiselt, aber das Fensterl blieb zu. Ja, wenn einer gar zu arg balzte, wie noch mal ein Spielhahn, dem die Lieb' die Augen verdreht, dann öffnete sich wohl ein Fensterl, aber der alten Wab'n das ihrige und dem Woisler flogen ein paar Holzstückln an den Schädel. Der Reihe nach vom Feichtenbauernsohn abwärts bis zu den Knechten waren die Buam des Bergdorfes schon abgeblitzt, und so giftig alle darüber waren, so sagten sie von der Speikwabi doch nicht, daß sie eine »Zwiderwurz'n« sei. Die bildsaubere Wabi war im Gegenteil kreuzfidel trotz ihrer schauerlichen Armut. Auf die Notigkeit in der Keuschen hatte der junge Feichtenbauer schon spekuliert mit einem Ringerl, das ihm einmal ein Hausierer um drei Kronenthaler »ang'hängt« hat, aber da war er bei der Wabi schön ang'kommen, und mit brennrotem Kopf mußte der reiche Jungbauer die Leiten wieder herab. Mit der Zeit waren die Buben zur Einsicht gekommen, daß es mit dem feschen 53 Menscherl nichts sei, und weil Keiner Gehör fand, gaben sich die Burschen zufrieden. Nur paßten sie wie die Haftelmacher auf, daß ja kein Fremder mehr Glück bei der Wabi habe, wie sie. So gern die Burschen die junge Wurzelgraberin hatten, so giftig waren die Dorfdirndln auf die Wabi zu sprechen, denn keine war so sauber, und der Neid wächst auch dort, wo der stark riechende Speik gedeiht. Da waren die langen Zöpfe der Wabi nicht recht, die strahlenden Augen sollten falsch sein wie Katzenaugen, und schlecht, gründlich schlecht muß doch das Dirndl sein, weil's nix Gescheit's zum Anziehen hat. Keine Silberketten um den Hals, kein seidenes Fürta (Fürtuch), bloß ein oft geflicktes Kattunröckerl um den schön gewachsenen Leib.

Wer nix hat, is a Lump, pflegte der Gmoavorstand zu sagen, und der muß es wissen, der ist ein gar g'scheites Mannsbild, sonst möchte ihm nicht der Landrichter allemal die Hand geben, wenn er ins Dorf kommt und beim Vorsteher Hendeln (= Hühner) ißt.

Und net amal an Buam hat sie, zischelten die Dirndeln. Freilich wär's auch nicht recht, wenn sie einen hätte. Und schlecht muß das Dirndl auch deswegen sein, weil es keine g'scheite Arbeit thut, keine Bauernarbeit, sondern bloß Speiksuchen und mit der alten Wab'n Schnaps brennen. Und gar scheinheilig muß sie sein, weil's alle Sonntag in der Kirchen zu sehen ist bei Amt und Predigt. Zu was braucht das Haderlumpendirndl in die Kirchen z' gehen, wenn s' nix zum Anziehen hat. Und ganz dumm ist es von die Buam, daß sie grad der Wabi nachschauen, als wenn da was b'sunders zum Sehen wär'.

Bloß im Pfarrhof wird über die Speikwabi anders gedacht und gesprochen. Die Jungfer Marie, die Pfarrersköchin, und der alte Herr Pfarrer, die halten große Stückln auf das kreuzbrave, fromme Dirndl und lassen nix drüber kommen.

Recht kümmerlich haben sich die alten Wab'n und ihr 54 Dirndl fortgebracht den harten Winter über. Weil der Vogelbirene (Vogelbeerbranntwein) der alten Wab'n nicht besonders gut geraten sein soll im Herbst, wollte der Dorfwirt, dem seine Kronenthaler in den Kopf gestiegen sind, keinen nehmen, wenigstens nicht um den früher bezahlten Preis, und mit dem Speikhandel war's diesmal auch nicht viel. Die Kräuterhändler im benachbarten Marktflecken sagten, der Speik wachse eh (ohnehin) umsonst und fürs Klauben (Suchen) werden sie nicht mehr so damisch zahlen, daß der Geldbeutel ein Loch kriegt. Wenn der Herr Pfarrer sich nicht des alten Weibleins erbarmt und ihr ein größeres Quantum Vogelbirenen abgenommen hätte, wär's gar traurig worden in der Keuschen oben. Schier eingeschneit droben strickten die zwei Weiberleut fleißig Spenser und verdienten sich auf diese Art das kärgliche Brot den bösen Winter über. Viel schaute mit dieser Arbeit auch nicht 'raus, denn der Kramer war ein »Ruach« (habgierig) und einer alten Wab'n was abz'drucken, ist »keine Sünd nicht«.

Wie alles, geht auch der Winter vorüber und seine Not, und im »Auswärts« schwellen die Bäche und die Menschenherzen. Allmählich schwindet der Schnee von den Halden, immer höher hinauf muß er zurückweichen, und wenn die Bergspitzen nur mehr eine weiße Zipfelmütze tragen, dann sprießen unten im Thale schon die Frühlingsblümlein und die Erl- und Birkenstauden stecken ihre grünen Spitzen aus. Blüht dann auch der Enzian, dann läßt auch der Speik nicht mehr lang auf sich warten.

Wabi hat, die Kräuterkraxen (Korb am Rücken zu tragen) am Buckel, den ersten Aufstieg zur Speiksuche unternommen. Jetzt erhitzt vom Steigen, sehen die Wangen des Mädels blühend rot aus, aber daß sie eingefallen sind den Winter über, das sieht man auch. Und das Köpferl, so nett, grad zum Neinbeißen, trägt die Wabi gesenkt, gar nimmer das lustige Dirndl von früher. Aber tapfer schreitet es in seinen schweren, derbgenagelten Bergschuhen aufwärts, und es ist ein 55 arg weiter Weg bis zur Region, wo der Speik gedeiht. Pfadlos muß das Mädel auf- und abwärts, den einen Bergrücken hinan und durch die Schluchten wieder hinab, quer durch Jungholz und durch bebartete Lärchenstände, wo die Finken jubilieren und die Meisen liebesselig piepsen. Immer aufwärts im bedächtigen Schritt. Wie die Wasser zu Thale rauschen! So tobend und wild, daß große Felsstücke wirbelnd mit den Wellen tanzen. Das kann böse werden, wenn der Müller draußen im Thale sich nicht vorgesehen.

Und so viel Holz schwimmt da unten nutzlos weiter. Wenn das 's Muatterl oben hätte, schön geschnitten und aufg'schlichtet an der Keuschen, das wär' eine Wohlthat zum nächsten Winter. Aber 's ist ärarisches Holz und g'hört dem Forstner. Was nur heut so merkwürdig kracht in die Berg'? Lahnen (Lawinen) können es nicht sein, sind ja fast alle schon abgegangen. Im Mai donnert 's doch noch nicht. Aber grad hat 's wieder gepumpert, ganz fürchterlich, daß die Wabi erschrocken stehen bleibt und hinüber horcht auf den Felskegel zu, dem zu Füßen die Almhütten vom Feichtenbauern liegt. Was war das? Und wieder kracht's, als sollt' die Welt zu Grunde gehen.

Rasch entschlossen ändert Wabi die Marschrichtung, zum Speikgrund müßt' sie links den Graben 'nauf zur Scharten, aber sie hastet jetzt, so schnell es geht, durch die Latschen hinüber. Ein Schafsteigl hart an den Felswänden führt rascher zur Alm. Wird aber noch vereist sein und 's »Abreiten« gar leicht, aber 'nüber muß das tapfere Dirndl. Jess' Maria und Josef! a Bergsturz! Dort sausen krachend Felsblöcke nieder, losgesprengt durch das sich dehnende Eis, in Trümmer zerschellend und verderbenbringend dem organischen Leben zu Thale. Angsterfüllt blickt das Mädel, an den Felsen geschmiegt, empor, ob jetzt auch herüben auf ihren Stand auf dem Steigl der Steinregen niedergehen werde. Schon steinelt es, erst kleine Stückchen, die lustig abwärts springen, wie wenn sie sich der gewonnenen 56 Freiheit freuten, dann hüpfen schon größere Steine nach, groß genug, um einem den Schädel einzuschlagen. Auf dem schmalen Steigl an der Felswand ist ein Ausweichen nicht möglich, aber vielleicht hilft rasche Flucht. Die Kraxen hindert daran, das Mädl wirft sie aufs Kar und eilt, ein Stoßgebetlein auf den Lippen, weiter den Pfad, die Hände wie schützend über den Kopf haltend, indes der Steinregen herniederprasselt. Er schlägt dem Mädel die Hände blutig, aber die Flucht aus dem Bereich des Sturzes gelingt. Der flüchtenden Gemse gleich läuft das Dirndl auf schwindelndem Pfade die Wandung im Felsrondell aus, überquert die furchtbaren Kare, die Zeugnis geben von dem Kampf der Bergriesen mit den Elementen. Drüben ist's vorüber, Felstrümmer liegen herunten und Schutt bedeckt den Thalboden, wo sonst das Almvieh sein würziges Futter fand. Oben ragen die Zähne der Felsen in neuer Form in den Äther, aus Felsenkegeln sind jetzt schlanke Nadeln geworden, die Eis und Regen im nächsten Frühjahr wieder herunterjagen werden. Jetzt herrscht die Ruhe des Todes im Hochthal, die Sonne ist hinunter gesunken und die Schatten der Nacht ziehen herauf.

Wo ist die Feichtenalm? – Verschüttet – –

Ein großer Felsblock liegt mitten im Dach, er muß die Hütten entzwei gedrückt und der Steinregen alle Fugen und Löcher ausgefüllt haben.

Ob wer drinnen war? Jess' Maria und Josef! In acht Täg' wollt' der Feichtenbauer aufzieh'n lassen auf die Hochalm und jetzt liegt sie verschüttet. 'Leicht (vielleicht) kunnt' wer heroben sein?

Das Mädl springt von Felsblock zu Felsblock und klimmt empor, um von oben aus in die zerschmetterte Hütten zu kommen. Ein schweres Stück Arbeit! Mit blutenden Fingern reißt sie die Schindeln auf, wirft mit beiden Händen den Felsschutt aus und gräbt sich auf diese Weise in das Innere. Plattgedrückt ist der Vorderraum, wo der Herd stand, wenn 57 hier jemand sich befand, der ist tot; aber hinten im Milchkammerl, das aufgemauert ist? Wabi tastet sich in der Finsternis an dem Felsblock rückwärts, immer Schutt auswerfend, mühsam jeden Schritt erkämpfend vom Geröll. Ob da wer drinnen ist? Wabi ruft, ein Wimmern antwortet. Ein Schaudern erfaßt das wackere Dirndl, das aber tapfer eindringt in den halbverschütteten Raum und mit Aufbietung aller Kräfte einen Menschenkörper aus der gräßlichen Zwangslage befreit. Der arme Mensch, reden kann er nimmer, bloß wimmern, und die Wabi kann ihm »gar nixen« helfen, weil's gar so finster ist. Aber heroben liegen darf der arme Mensch auch nicht in der Nacht. Was thun? Das Dirndl weiß, welche Riesenaufgabe es ist, einen halbtoten Menschen in stockfinsterer Nacht die vielen Stunden weit über die Berg' 'nauszutragen bis ins Dorf zum Bader. Ein Kreuz schlägt sie auf der wogenden Brust und dann legt sie sich den Verwundeten der Länge nach über ihren Rücken, hält oben die Arme des Sterbenden, unten mit der linken Hand seine Beine, und bedächtig schleppt das brave Dirndl die Menschenlast tastend und schwerkeuchend zu Thale.

Das ganze Dorf, die Anrainer bis hinauf zu den Keuschlern und Einödbauern, alles staunte und war des Lobes voll über diese Heldenthat des armen Mädels. Eine schwere Kraxen voll mit Käse und Butter hat manche Sennerin schon runtergetragen von der Feichtenalm, jedoch beim Tag, aber den schweren Feichtenbauerssohn noch Keine, und bei der Nacht erst recht nicht.

Je bedenklichere Gesichter der Dorfbader schnitt, um den reichen Bauernsohn länger in der Kur zu behalten, desto mehr besserte sich des Burschen Befinden.

Der alte Bauer war bei der alten Wab'n gewesen und wollte mit Kronenthalern danken. Grad' am selben Tag hat die alte Wab'n nicht einen einzigen Kreuzer g'habt und auch kein Mehl zu einem »Sterz«, aber trotzdem warf sie 58 dem Bauern die Thaler ins schlechtrasierte, runzlige Gesicht und jagte ihn über die Schwelle der Keuschen. Der Ferdl, sein Sohn, faßte nach seiner Wiederherstellung – die allerdings lange genug dauerte – die Geschichte klüger an und wandte sich ans Dirndl mit seiner Danksagung. Nicht Geld oder Geldeswert, nein, bloß einige Bleameln (Blumen) brachte er der Wabi hinauf und sagte ihr mit Herzlichkeit Dank für soviel Schneid und Menschenlieb'. Den Dank nahm das Dirndl an, mehr nicht. Von da ab kam der Ferdl (Ferdinand) öfter 'nauf zur Keuschen, und da die Wabi ihn duldete, unterließ es die alte Wab'n, ihm Holzstückln an den Schädel zu werfen. Mocht' wohl bei beiden Keuschlerinnen etwas wie Mitleid sein, weil der Ferdl gar so viel blaß war und keine »g'scheite Farb'« mehr annehmen wollte. Und so zuthunlich war der Bursch, daß ihm das Vögelein doch ins Garn ging. Mein Gott! Die Speikwabi hat ihm das Leben gerettet unter solchen Umständen, daß ihr's von hundert Deandl keine zwei nachmachen, sein Leben g'hört jetzt ihr, na, und am End' könnt' halt doch noch eine Hochzeit d'raus werden. Mein', dauerte auch nicht lang, dieser Liebestraum. Bauernstolz und Burschenlumperei wachst oft so nahe beinander wie Hoffart und Stolz. Weil der alte Bauer kein Bettelpack, keine Speiksucher in seinen Hof nehmen will, glaubte der Ferdl die Wabi – aus »Dankbarkeit« – zu seinem »Hoamdirndl« erkiesen zu sollen. Heimlich möcht' er sie schon gern haben, für die Strümpf' kommet er schon auf, von denen es im Schnadahüpfl heißt:

»D' Liabschaft im Haus
Is' selten a G'winn,
Was d' an die Schuach ersparst,
Geht an die Strümpf' dahin.«

Na, die Wabi leuchtete dem frechen Burschen, dem scheinheiligen Loder nicht übel die Leiten hinab, wie er mit seinem Antrag auf solche Art rausrückte, 59 Menschendankbarkeit! Raus mit der Lieb' aus'm Herzen! Vergessen den Menschen, völlig vergessen! Und wenn 'n der Bergsturz nochmal 'neindruckt in die Almhütten, nachher holt ihn die Wabi ganz g'wiß nimmer 'raus und 'runter. Nein, g'wiß nicht – na, man soll nix verreden, am End, wenns Unglück grad akk'rat so wieder käm', wär's ja bloß Menschenpflicht, einem Verunglückten zu helfen. Wabi ging mit wundem Herzen wie früher Speik suchen und half der alten Wab'n Schnaps brennen, bis der Tag für das Muatterl kam, an welchem auch der Enzian wirkungslos ist.

Wenn der Herr Pfarrer nicht auf alles verzichtet hätt', sodaß bloß der hungrige Meßner zu zahlen war fürs Läuten, die arme Wabi hätt' 's Muatterl gar nicht eingraben lassen können. Der Marterlmaler malte, dem Dirndl zu Lieb, so grell wie möglich ein durchstochenes Herz auf das rohgezimmerte Grabkreuz und ein Sprüchlein dazu, und Wabi pflanzte Vergißmeinnicht auf den Grabhügel.

Dann war sie halt ganz allein oben in der Keuschen und allein blieb sie viele Jahre lang. Ihren Hauptfeind, den alten Feichtenbauer, deckte schon lange der Rasen – war eine Staatsleich', wie s' den eingraben haben – der Ferdl war ein gar »hantiger« Bauer worden, aber ledig war er immer noch zur Verwunderung der Weiberwelt in der ganzen Umgebung. In die Vierzig war er schon und die Wabi auch schon in die Dreißig, da kam eines Tages die Sennerin von der Feichtenalm 'runter mit gerungenen Händen, der Blitz habe eing'schlagen in ihre Hütten und gezündet, mehrere Kühe seien erschlagen, das andere Vieh völlig versprengt durch das fürchterliche Unwetter. Der Bauer, das hören und sofort allen voraus auf die Alm rennen, war eins. Oben angelangt, ging der Ferdl gleich an die Suche des versprengten Viehes. Bis die anderen Leute nachkamen, war zu dem einen Unglück schon ein anderes gekommen: der Bauer hatte sich in den Wänden verstiegen und war abgestürzt, zuerst über ein gaches Wandl (jäh abstürzende 60 kleine Wand), dann hat es ihn im weiten Bogen auf ein Kar geworfen, wo er ein Stück weit samt dem Geröll absauste, dann aber wie tot liegen blieb. Tot war er nicht, nur betäubt, aber der Schädel arg beschädigt und ein Fuß gebrochen. Die Knechte brachten den Bauern mühsam herab ins Dorf.

Langes Krankenlager macht den Menschen mürb, auch einen hartköpfigen Bauern; dem Feichtenbauer kam immer wieder, wie er so still im Bett liegen mußte, das brave Dirndl in den Sinn, daß ihn damals mit eigener Lebensgefahr herab ins Dorf schleppte und das er eigentlich doch recht niederträchtig behandelte. Soll anders werden, wenn er wieder auf die Beine kann. Kam aber anders, denn der Herr Pfarrer mußte zum »Versehen« (Sakrament spenden) geholt werden, weil der Bauer »schlechter« wurde. Der würdige alte Seelsorger redete dem Bauer zu Herzen, was er noch alles gut machen müßte vor dem Hinübergang ins Jenseits. Das wirkte und die Wabi wurde geholt. Das brave Dirndl verzieh gerne mit thränenden Augen und legte die Hand in die des Bauern. Er soll nur wieder gesund werden.

Was der Bader nicht zuweg brachte, gelang dem Dirndl, die Speikwabi wich nicht mehr vom Bett des Feichtenbauer, und wie der Ferdl wieder aufkam, da ging ein Paar in den Pfarrhof, um sich von der Kanzel aufbieten zu lassen. War eine stille Hochzeit, und weil's der Feichtenbauer so wollte, hieß sein Gehöft fortan der Speikhof. 61

 


 

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