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Geschichte des Zauberers Merlin

Dorothea Schlegel: Geschichte des Zauberers Merlin - Kapitel 33
Quellenangabe
typefairy
authorDorothea & Friedrich Schlegel
titleGeschichte des Zauberers Merlin
publisherEugen Diederichs Verlag
isbn3424008109
printrunZweite Auflage
year1986
firstpub1804
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081025
projectid9a57f13a
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XXXI.

Wie Artus versehentlich das Schwert ergriff, das Geheimnis seiner Herkunft erfuhr und etliche Male geprüft wurde, bis zur Krönung

.

Aubrey Beardsley: Arthur erhält durch Merlins Hilfe sein Schwert Excalibur von der Dame vom See. (1893/94)

Am Neujahrstag nach der Mahlzeit hielten die Fürsten und Barone schöne Ritterspiele und Rennen auf einem schönen Platze außerhalb der Stadt. Als dies die Ritter und die anderen Leute in der Stadt vernahmen, machte sich ein jeder bereit, auch hinauszugehen, um bei den Spielen zu sein. Als die Männer, die das Schwert bewachten, sahen, daß alles in der Stadt hinauslief, gingen sie mit, und ließen auf diese Weise das Schwert unbewacht. Der gute Ritter Anthor befand sich gerade vor der Stadt, als die Spiele begonnen, nebst seinem Sohn, der am Allerheiligen Tage Ritter geworden war und der Lreux genannt wurde; nebst Artus, seinem Pflegesohn, der so wie jeder glaubte, Lreuxs wirklicher Bruder zu sein, und ihn auch als seinen älteren Bruder liebte und ehrte. Als nun die Spiele angingen, befahl Lreux seinem Bruder Artus, eilends nach Hause zu laufen und ihm sein Schwert zu holen, das er dort hatte liegen lassen. Dienstbar und gefällig ritt Artus sogleich eilends hin, um den Befehl seines Bruders zu vollziehen; als er aber in dem Gasthof ankam, in dem sie wohnten, fand er alles verschlossen und niemand, der ihm öffnete, weil alle Hausleute gleichfalls hinausgegangen waren, den Spielen zuzusehen. Voll Verdruß, und vor Ärger weinend, ritt Artus schnell wieder zurück, und als er vor der Kirche über den Platz kam und sich allenthalben umsah, ob er nicht etwa jemand aus dem Hause gewahr würde, erblickte er den Amboß auf den Marmorstufen; er hatte nie von diesem Wunder etwas gehört und sah es jetzt zum ersten Mal. Voller Freude erblickte er das Schwert darauf, welches niemand bewachte, ritt darauf los, zog es mit so leichter Mühe, als wäre es gar nicht befestigt, aus dem Amboß und ritt so schnell, als sein Pferd nur laufen wollte, zu Lreux hinaus, gab ihm das Schwert, und erzählte ihm, warum er ihm nicht das seinige brächte, und wo er dieses hergenommen.

Lreux erkannte das Schwert sogleich, suchte eilends seinen Vater, den Ritter Anthor, zeigte es ihm und sagte: »Ich werde König, ich habe das Schwert herausgezogen.« Ritter Anthor war höchst verwundert, glaubte aber seinem Sohn nicht; »Du lügst«, rief er, »sogleich komm mit mir zum Amboß.« Er ritt mit ihm hin, Artus und die Diener begleiteten sie. Als sie auf den Platz kamen und der Ritter sah, wie das Schwert wirklich nicht mehr im Amboß steckte, wandte er sich zum Lreux: »Geliebter Sohn«, sagte er, »ich bitte Dich, sprich die Wahrheit, wie kommst Du zu diesem Schwert? Niemals könnte ich Dich als meinen Sohn lieben, wenn Du mich anlügen möchtest, und ich werde sehr wohl wissen, ob das, was Du sprichst, Wahrheit ist oder nicht.«

Lreux ward beschämt, als er seinen Vater so sprechen hörte, und sagte: »Mein Vater, ich lüge nicht, mein Bruder Artus hat dieses Schwert mir statt des meinigen gebracht, ich weiß aber nicht, wie er dazu gekommen.« – »Gib es mir«, sprach Anthor, »Du hast kein Recht darauf, sondern der, von dem Du es erhalten hast.« Lreux gab ihm das Schwert, und als Anthor sich umsah, erblickte er den Artus von ferne bei den Dienern und rief ihn her zu sich. »Lieber Sohn«, sagte er ihm, »nimm dieses Schwert, stecke es wieder dahin, woher Du es genommen«; dies tat Artus auch sogleich, und es war so fest im Amboß, als zuvor, so daß niemand es heraus zu ziehen vermochte außer Artus.

Darauf ging der Alte mit den beiden Söhnen in die Kirche; hier sagte er zu Lreux: »Ich wußte wohl, daß Du das Schwert nicht aus dem Amboß gezogen haben konntest«; Artus aber nahm er in seine Arme und sprach zu ihm: »Teurer, geliebter Herr, wenn ich Euch dazu verhülfe, daß Ihr König würdet, welche Gunst würdet Ihr mir erzeigen?« – »Wie könnte ich«, erwiderte Artus, »wohl dieses Gut oder irgend ein anderes erwerben, worüber Ihr nicht als mein Herr und Vater zu gebieten hättet?« – »Ich bin nur Euer Pflegevater; Euern Vater aber, der Euch erzeugt hat, den kenne ich nicht.« Als Artus dieses vernahm, war er vor Gram und Betrübnis fast außer sich, denn er hatte Anthor als seinen Vater geliebt und geehrt und es war ihm sehr schmerzhaft und äußerst traurig, keinen Vater zu haben. Ganz trostlos rief er: »O mein Gott, was soll mir dieses Gut oder jedes andere, da ich keinen Vater habe!« – »Ihr müßt allerdings einen Vater gehabt haben«, sagte Anthor, »jetzt aber, teurer Herr, sagt mir, welche Gunst Ihr mir zusichert, im Fall daß dieses große Gut Euch von dem Herrn bestimmt ist und ich Euch dazu verhelfe.« – »Ach alles, was Ihr wollt«, rief Artus weinend.

Nun erzählte Anthor ihm, was er alles für ihn getan, wie seine Frau ihren eigenen Sohn Fremden aufzuziehen gegeben, und wie sie ihn an Sohnes statt angenommen und ihn mit ihrer Milch getränkt, und wie er auf diese Weise ihm wie seiner Ehefrau und seinem Sohn Lreux die größte Dankbarkeit schuldig sei, denn nie wäre ein Kind mit mehr Liebe auferzogen, als er von ihnen allen. »Vater«, erwiderte Artus, »haltet mich als Euern Sohn forthin, bin ich gleich nicht Euer Kind, denn wie sollte ich wohl einen Schritt gehen, oder der Gnade, welche Gott vielleicht mir erweisen und zu welcher Ihr mir verhelfen wollt, wie sollte ich mich ihrer wohl würdig erweisen ohne Euern Rat und väterlichen Beistand; seid also gewiß, daß ich alles zu tun bereit bin, was Ihr mir befehlen werdet.« – »Nun so bitte ich Euch«, fing Anthor wieder an, »wenn Ihr König sein werdet, macht meinen Sohn Lreux zu Euerm Seneschall, und dergestalt, daß er sein Seneschallsamt nie verlieren kann, so lange er lebt, sollte er auch sich eines Verbrechens gegen Eure Person oder gegen irgend einen andern in Euerm Reiche schuldig machen. Sollte er ein Verräter sein, oder übel reden, so bitte ich Euch, erduldet ein kleines von ihm; denn um Euch besser zu erziehen, gab die Mutter ihn in fremde Hände, so daß er dadurch ganz ausgeartet ist, also müßt Ihr Euch auch von ihm mehr als von irgend einem andern gefallen lassen; ich bitte Euch also, diese Bitte gewährt mir.« Als Artus ihm nun die Gewährung zusagte, nahm Anthor ihn bei der Hand und führte ihn zum Altar, vor das Bild der heiligen glorreichen Jungfrau Maria, und hier ließ er ihn auf die heiligen Reliquien schwören, daß er sein Versprechen gegen Lreux halten wolle. Nachdem gingen sie aus der Kirche, wo sie den Fürsten, Baronen und Rittern begegneten, welche von den Spielen zurück kamen und nun in die Vesper gehen wollten. Anthor rief diejenigen unter ihnen, welche seine Freunde waren, ging mit ihnen und seinen Söhnen zum Erzbischof und sagte: »Herr Erzbischof, mein Sohn hier, welcher noch nicht Ritter ist, verlangt den Versuch mit dem Schwert zu machen, und bittet Euch dazu um Erlaubnis.«

Der Erzbischof ging sogleich mit allen Anwesenden hinaus, sie stellten sich um die Stufen. »Mein Sohn«, sagte Anthor, »steig hinauf, nimm das Schwert und bring es dem Herrn Erzbischof.« Artus tat unverzüglich, wie sein Vater ihm befohlen, stieg mutig die Stufen hinauf, zog ohne alle Mühe das Schwert aus dem Amboß und händigte es dem Erzbischof ein; dieser umarmte den Knaben, und sang mit lauter Stimme Te Deum Laudamus. Die Fürsten und die Herren gingen mit Artus in die Kirche zurück. Voller Verdruß sagte einer zum andern: »Wie kann es sein, daß ein solcher Bursch unser König werde, und über uns herrsche?« Als der Erzbischof diese Reden hörte, geriet er in Zorn; er und Anthor waren auf Artus Seite; aber die Barone und auch das Volk waren gegen Artus.

Darauf sprach der Erzbischof das kühne Wort: »Und wäre die ganze Welt gegen diese Wahl, und Gott der Herr hat sie beschlossen, so wird er König! Geh' Artus«, fuhr er fort, »stecke das Schwert hin, wo Du es hergenommen.« Artus gehorchte, und das Schwert war so fest als vorher. »Jetzt geht«, fing der Erzbischof wieder an, »Ihr Fürsten, Herzoge, Ihr Reichen und Mächtigen, jetzt geht hin und seht, ob einer unter Euch ist, der es herauszieht.« Sie versuchten es alle noch einmal, einer nach dem andern; keiner vermochte es aber. »Ihr Thoren«, rief der Erzbischof, »wollt Ihr gegen den Willen Gottes streiten?« – »Das wollen wir nicht«, sagten die Fürsten, »sollte es uns aber nicht kränken und uns wehe tun, daß ein solcher Bursche über uns herrschen soll?« – »Der ihn erwählte«, sagte der Erzbischof, »der kennt ihn besser als Ihr ihn kennt.« – »Wir bitten Euch, Herr Erzbischof«, sagten die Fürsten, »laßt das Schwert noch stecken bis zur Lichtmeß, damit noch andere den Versuch machen.«

Dies wurde ihnen bewilligt, und nun kamen Fürsten, Herzöge, Edle und Ritter aus allen Landen, und von weit und breit, jeden Tag kamen neue, gingen zum Amboß, zogen aus allen Kräften das Schwert; aber keiner von ihnen konnte es herausziehen. Am Tag der Lichtmesse versammelten alle sich wieder; da stieg Artus auf Befehl des Erzbischofs die Stufen hinauf, zog das Schwert mit Leichtigkeit aus dem Amboß und überreichte es dem Erzbischof; dieser wie auch der ganze anwesende Clerus weinten vor Freude und Wehmut, als sie dieses Wunder sahen.

»Ist noch einer unter Euch«, rief der Erzbischof, »welcher an der göttlichen Wahl zweifelt?« – »Dennoch erlaubt, Herr Erzbischof«, sagten die Fürsten, »daß es noch bis Ostern anstehe, und kommt bis dahin niemand, der es vermag, so wollen wir diesem untertan sein.« – »Wollt Ihr«, fragte der Erzbischof, »gern gehorsam sein, wenn ich noch bis zu Ostern warte?« – »Ja, Herr Erzbischof, das wollen wir.« – »Nun so geht, Artus, steckt das Schwert wieder an seinen Ort; so es Gott gefällt, wird es doch das Eure bleiben.« Artus gehorchte, das Schwert stak wieder fest wie zuvor, und zehn Männer bewachten es.

Am Osterfest nach der Messe wurde Artus die Stufen hinaufgeführt, wo er wieder das Schwert aus dem Amboß zog. Da erhoben die Fürsten sich und begrüßten ihn als ihren Herrn; baten ihn aber, daß er noch einmal das Schwert auf den Amboß stecken und erst etwas mit ihnen reden möchte. »Sehr gerne«, antwortete Artus höflich, »so wie alles was Euch beliebt, das ich tue.« Sie gingen darauf alle zusammen in die Kirche, um mit Artus sich zu unterreden und ihn auf die Probe zu stellen; denn der Erzbischof hatte den Fürsten vorher viel Rühmens gemacht von der Verständigkeit und dem guten Anstand des Artus; jetzt also wollten sie prüfen, ob sich dies so verhalte.

»Sire«, redeten sie ihn an, »wir sehen nun wohl, daß es Gottes Wille ist, daß Ihr über uns herrschen sollt; was Gott will, daß muß geschehen; wir erkennen Euch also als unsern König und Herrn und wollen jetzt von Euch unsre Lehen und Gaben empfangen; doch bitten wir Euch gehorsamst, daß Ihr Eure Krönung noch bis zum Pfingstfest anstehen lasset, Ihr sollt dessen ungeachtet unser König und Herr verbleiben. Hierüber sagt uns jetzt Eure Meinung, ob Ihr es so zufrieden seid?« König Artus erwiderte auf der Stelle: »Daß ich Euch Gaben und Lehen erteilen sollte, kann nicht eher geschehen, als bis ich erst das meinige erhalten, ich kann niemand erteilen, was ich selber nicht besitze; so kann ich auch nicht eher Euer König genannt und dafür gehalten werden, als bis ich zum König gesalbt und gekrönt worden bin und das Reich mir überantwortet ist. Doch der Aufschub, den Ihr von mir verlangt, den gebe ich Euch gern; denn ich bin weit entfernt, die Krönung oder das Reich zu verlangen noch ihm nachzutrachten, wenn es nicht Gottes und Euer Wille ist.«

Die Fürsten waren mit seiner Antwort sehr wohl zufrieden, und alle, die zugegen waren, sagten: »Dieser Knabe würde, wenn er am Leben bliebe, sehr verständig werden.« Dann wandten die Fürsten sich wieder gegen Artus und sagten: »Sire, es dünkt uns gut, daß Ihr erst am Pfingstfest mit der königlichen Krone gekrönt werdet; bis dahin aber wollen wir Euch auf Befehl des Erzbischofs gehorchen.«

Nachdem dieses beschlossen und die Fürsten endlich den Entschluß gefaßt, Artus als ihren König anzusehen, brachte ihm ein jeder reiche Geschenke; einige brachten kostbare Rüstungen, andre vortreffliche Rosse, noch andre goldne Halsketten und köstliche Edelsteine; und so brachte ihm ein jeder, wonach, wie sie glaubten, Artus trachten würde. Artus nahm diese Geschenke sehr ehrenvoll auf, und war ihnen sehr verbindlich dafür, teilte sie aber unter die, welche ihm am nächsten waren, und die er in Ehren hielt, alle wieder aus. Einem jeden gab er, was ihn nach Stand, Verdienst, nach seinem Amt und Gemüt am meisten vergnügen mußte. Den Rittern schenkte er Pferde und Rüstungen; goldene und seidene Stoffe den Eitlen, welche sich gern kostbar schmücken mochten; den Verliebten gab er Gold und Silber, die Geliebte damit zu beschenken, und den Verständigen, was ihnen wohl gefallen mochte; so wie er den Weisen, die aus fremden Ländern kamen, dasjenige verehrte, was in ihrem Lande am höchsten geachtet war, auch war er viel in ihrer Gesellschaft, und hörte auf ihre Ermahnungen und ihren Rat. So gab er alles wieder weg, was man ihm schenkte, und erwarb sich die Liebe aller derer, die mit ihm umgingen. Auch sagten die Fürsten und Barone zueinander: »Er muß wahrlich von hoher Abkunft sein, denn es ist keine Habsucht oder Begehrlichkeit in ihm.«

Da sie nun keinen Tadel an ihm finden konnten, wie vielfach sie ihn auch prüften, versammelten sich alle Fürsten, Große, Edle und Ritter aus ganz England in London, am Tage vor dem Pfingstfest. Hier versuchte noch einmal ein jeder, das Schwert herauszuziehen, aber es war umsonst. Der Erzbischof, welcher alles zur Krönung auf den folgenden Tag in Bereitschaft gesetzt hatte, schlug auf Verlangen aller Fürsten den Artus zum Ritter, und er wachte die ganze Nacht in der Kirche bei seinen Waffen. Am andern Morgen hielt der Erzbischof den Fürsten eine schöne Rede und fragte am Ende derselben, wenn noch jemand gegen diese Wahl und die Krönung des Königs etwas einzuwenden habe, der sage es nun. Alle aber riefen einstimmig, er solle gekrönt werden. Darauf knieten sie alle vor Artus nieder und baten ihn um Verzeihung, daß sie so gegen ihn gewesen im Anfang, und daß sie seine Krönung so oft aufgeschoben; auf ihren Knien fleheten sie ihn um Gnade. Artus kniete auch nieder gegen sie und rief: »Ich vergebe Euch, und so vergebe Euch Gott!« Da standen sie auf, nahmen Artus und trugen ihn auf ihren Armen dahin, wo die königlichen Kleider lagen, und bekleideten ihn damit.

Hierauf sprach der Erzbischof zu Artus, daß er nun hingehen müsse, das Schwert der Gerechtigkeit zu holen, womit er die Kirche und die Christenheit beschützen solle, sobald sie seiner bedürftig würde, denn unser Erlöser, als er die Gerechtigkeit auf Erden brachte, habe sie in ein Schwert gelegt. Darauf gingen sie alle, der Erzbischof, die ganze Geistlichkeit, Artus, die Fürsten, Herzoge, Barone und die edlen Ritter in einer Prozession zu dem Amboß mit dem Schwert.

Ehe aber Artus hinaufstieg, sagte der Erzbischof, er müsse vorher den Eid ablegen. »Alles, was Ihr befehlt«, erwiderte Artus. »So schwöre«, fing der Erzbischof wieder an, »bei Gott dem Allmächtigen Schöpfer, bei der Jungfrau Maria, bei dem heiligen Petrus und bei allen Heiligen, daß Du unserer heiligen Mutterkirche getreu, sie in allem aufrecht erhalten und ihr in Nöten beistehen, ihr beständig die ihr gebührende Ehrfurcht erzeigen und ihren Frieden erhalten wirst; daß Du Dein Volk beschützen und schirmen und gegen jeden verteidigen willst; daß Du, so lange Du lebst, jedem Einzelnen wie allen zusammen, Treue und Redlichkeit halten, niemand in seinem Recht beeinträchtigen und den Frieden und die Freiheit erhalten willst; auch daß Du nach Deiner Macht die Gerechtigkeit pflegen willst, so wie es einem jeden gebührt.«

Als der junge König diese feierliche Anrede vernahm, mußte er weinen, und alle Umstehenden weinten mit ihm; dann faßte er sich wieder und sagte mit gesetzter Stimme: »So wahr ich an Gott, den Herrn des Himmels und der Erde, und unser aller Vater glaube, so schwöre ich, daß ich nach meinen Kräften alles das tun werde, was Ihr mir vorgelegt.« – »Nun, so nimm das Schwert!« sagte der Erzbischof. Artus kniete nieder, ergriff das Schwert, zog es wie die vorigen Male mit großer Leichtigkeit heraus und trug es, gefolgt von allen, die mit ihm waren, zum großen Altar in die Kirche; hier legte er es hin. Nun wurde er gesalbt und ihm die Königskrone aufgesetzt, wobei man alle die üblichen Gebräuche beobachtete. Nun las der Erzbischof die Messe, und als sie aus der Kirche gingen, fanden sie weder die Stufen noch den Amboß mehr, worüber alle in das größte Erstaunen gerieten.

So ward Artus König in London, wo er sehr lange Zeit in Frieden lebte, bis sich nachmals die Fürsten gegen ihn empörten, wie man weiterhin lesen wird.

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