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Gutenberg > Dorothea Schlegel >

Geschichte des Zauberers Merlin

Dorothea Schlegel: Geschichte des Zauberers Merlin - Kapitel 28
Quellenangabe
typefairy
authorDorothea & Friedrich Schlegel
titleGeschichte des Zauberers Merlin
publisherEugen Diederichs Verlag
isbn3424008109
printrunZweite Auflage
year1986
firstpub1804
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081025
projectid9a57f13a
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XXVI.

Was Ulsius und Merlin dem König rieten, und wie Merlin dann Abschied nahm

Hierauf wuschen sie sich alle drei in einem Fluß, wo sie hinüber mußten, und bekamen ihre natürliche Gestalt wieder. Als sie im Lager anlangten, kamen alle ihnen mit der Nachricht entgegen, der Herzog sei erschlagen. Der König war sehr betrübt über diese Nachricht, denn er hatte seinen Tod nicht gesucht. »Und wie geschah dies?« fragte er seine Leute. Nun hörte er, der Herzog, der es gemerkt, daß der König nicht im Lager sei, habe in der Nacht still seine Leute waffnen lassen, und habe einen Ausfall auf die Belagernden getan. Diese, von dem Getöse aufgeweckt, bewaffneten sich schnell und schlugen jene in ihr Schloß zurück; als sie sich aber mit ihnen ins Tor drängen wollten, sei der Herzog vom Fußvolk, das ihn nicht kannte, überwältigt und getötet worden. Die im Schlosse hätten sich nicht länger verteidigt, als sie den Tod ihres Herrn erfahren, sondern sich sogleich mit dem Schlosse ergeben.

Der König ließ seine Räte zusammenrufen und legte ihnen die Sache vor, daß sie ihm rieten, wie er Genugtuung für des Herzogs Tod zu geben habe, denn er betrübte sich sehr um diesen Unfall. Er hatte den Herzog nicht gehaßt und seinen Tod nicht begehrt; »darum«, sagte er, »will ich seinen Anverwandten hinlänglich Genugtuung verschaffen, wie Ihr mir raten sollt.«

Ulsius saß mit im Rat des Königs, und da die Räte verlangten, daß er zuerst sprechen sollte, sagte er ihnen: »Wer dem König und dem Reich zum Besten raten will, der verlange, daß der König den Freunden und Verwandten der Herzogin Yguerne sagen lasse, wie sie sich alle zu Tintayol versammeln, dort sich über ihre Angelegenheit beratschlagen, und alsdenn alle zusammen sich nach Kardueil zu begeben haben, wo der König ihnen Genugtuung geben und Frieden mit ihnen schließen würde.«

Während Ulsius dies den Räten des Königs sagte, sie seine Meinung begriffen und sich auf ihn verließen, weil er der vertrauteste Freund des Königs war und wohl wissen mußte, was dem König am angenehmsten zu hören war – sie auch dem Ulsius versprachen, dem König nicht zu sagen, daß dieser Rat von ihm allein käme, sondern daß sie allesamt solches beschlossen, kam Merlin in das Zelt des Königs und sagte ihm: »Ulsius spricht und denkt gut und weislich über Deine Angelegenheit, auch ist er Dir treu ergeben, Du darfst ihm also sicher trauen und genau alles tun, was er von Dir verlangt; denn es ist zu Deinem Besten, was er verlangen wird, und alles wird gut bestehen nach seinem Rat. Folge also dem treuen und verständigen Ulsius, ich muß mich jetzt von Dir trennen; wenn Yguerne, der Du Dich jetzt vermählen wirst, das Knäblein geboren hat, mit dem sie von Dir ist schwanger worden, dann werde ich wiederkommen und es holen, denn Du weißt, es ist mein nach Deinem Eid. Auch werde ich dann noch nicht mit Dir reden, sondern nur mit Ulsius, dem ich sagen werde, auf welche Art er mir das Kind einhändigen müsse.« Der König war äußerst betrübt, daß Merlin von ihm gehen wollte, doch wurde er wieder froh, als Merlin ihm die Versicherung gab, daß er sich auf Ulsius verlassen könne; und daß Yguerne seine Gemahlin werden solle, erfüllte sein Herz mit großem Entzücken.

»Hüte Dich aber«, fügte Merlin hinzu, »bei dem Leben der Dame Yguerne, daß Du ihr nie das Geheimnis entdecktst, wie das Kind, das sie unter ihrem Herzen trägt, nicht von ihrem Gemahl dem Herzog, sondern von Dir sei, und daß Du bei ihr geschlafen habest, ehe sie Dir vermählt ward; denn sie ist von großer Tugend und Frömmigkeit, und wenn Du sie so beschämtest, könntest Du wohl ihre Liebe verlieren.« Darauf beurlaubte er sich vom König und begab sich zum Meister Blasius, wo er ihn alles so aufschreiben ließ, wie wir es hier lesen.

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