Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Dorothea Schlegel >

Geschichte des Zauberers Merlin

Dorothea Schlegel: Geschichte des Zauberers Merlin - Kapitel 15
Quellenangabe
typefairy
authorDorothea & Friedrich Schlegel
titleGeschichte des Zauberers Merlin
publisherEugen Diederichs Verlag
isbn3424008109
printrunZweite Auflage
year1986
firstpub1804
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081025
projectid9a57f13a
Schließen

Navigation:

XIII.

Wie Merlin König Vortigern die Drachen deutete und ihm den Tod prophezeite

Jetzt«, sprach Merlin, »ist es Zeit, daß ich dem König und seinen vertrauten Räten offenbare, was diese beiden Drachen, ihr Kampf und der Sieg des weißen über den roten für eine Bedeutung hat.« Der Rat des Königs und die adeligen Herren wurden sogleich versammelt, wo dann Merlin folgendes sprach: »Wisset, Herr König, daß der rote Drache auf Euch selbst deutet, und der weiße deutet auf die Söhne des Königs Constans.« Vortigern schämte sich sehr dieser Deutung, und Merlins Worte setzten ihn in große Verlegenheit. Merlin merkte dies und sprach: »Vortigern, wenn Du es verlangst, will ich von dieser Sache lieber ganz schweigen, damit Du mir nicht etwa deswegen übel willst und mit mir unzufrieden wirst.« – »Nein«, antwortete Vortigern, »ich will alles wissen, Du sollst mich keinesweges schonen, denn hier ist nicht Einer zugegen, der nicht von meinem geheimen Rat wäre.« – »Nun denn«, fing Merlin wieder an, »die rote Farbe des Drachen ist Dein böses Gewissen und Dein törichter Sinn; seine Größe bedeutet Deine Macht. Die Kinder des Königs Constans, denen Du ihr Erbteil vorenthältst und die aus Furcht vor Dir fliehen mußten, das bedeutet der weiße Drache; ihr beider Kampf aber ihre lange Verbannung und Deine Ungerechtigkeit. Und das Feuer, mit dem sie den roten Drachen verbrannten, bedeutet, daß sie Dich in einem ihrer Schlösser verbrennen werden; und glaube nicht, daß der Turm, den Du erbauen läßt, oder irgend etwas andres Dich dagegen schützen kann, denn dieser Tod ist Dir bestimmt.«

Vortigern erschrak, als er dies hörte, und fragte: »Wo sind denn diese Kinder jetzt?« – »Sie sind mit vielem Volk jetzt auf dem Meer«, antwortete Merlin, »ihre Schiffe sind alle wohl bestellt, und sie sind auf dem Wege hierher, in das Land, das ihnen zugehört; sie kommen, um Gerechtigkeit an Dir zu üben, denn sie wissen, daß Du ihren Bruder hast ermorden lassen, obgleich Du nach der Tat Deinen Befehl ableugnetest und die Mörder hinrichten ließest. Von heut über drei Monden landen sie in dem Hafen von Winchester.« – »Ist es denn in Wahrheit so, wie Du sagst?« fragte Vortigern voll Schrecken. »Es wird nicht anders, als daß Du stirbst im Feuer durch Constans' Kinder, so wie der rote Drache von dem weißen verbrannt wurde.«

Merlin nahm nun Abschied vom König Vortigern und ging nach dem Wald von Northumberland, zu seinem Meister Blasius, und erzählte ihm alles, was er getan, und ließ es ins Buch aufschreiben, blieb auch lange Zeit bei ihm, bis zur Zeit, als die Söhne des Constans ihn rufen ließen.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.