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Gutenberg > Dorothea Schlegel >

Geschichte des Zauberers Merlin

Dorothea Schlegel: Geschichte des Zauberers Merlin - Kapitel 11
Quellenangabe
typefairy
authorDorothea & Friedrich Schlegel
titleGeschichte des Zauberers Merlin
publisherEugen Diederichs Verlag
isbn3424008109
printrunZweite Auflage
year1986
firstpub1804
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081025
projectid9a57f13a
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IX.

Wie Vortigern einen Turm bauen ließ, der dreimal zusammenstürzte

König Vortigern, als er bedachte, wie verhaßt er bei seinem Volke war und wie über kurz oder lang einmal die beiden jüngeren Söhne des Königs Constans wieder kommen könnten, die sich in der Fremde vor ihm versteckt hielten, und wie er alsdenn sicherlich seines Reiches und vielleicht seines Lebens würde beraubt werden, beschloß zu seiner Sicherheit einen Turm erbauen zu lassen, wohin er sich im Notfall, wenn er überfallen würde, zurückziehen könnte.

Er ließ also die vortrefflichsten Bauleute seines Reiches kommen und gab ihnen genau an, wie der Turm erbaut und befestigt werden sollte; ließ ihnen auch Steine, Kalk, Sand und alle anderen nötigen Dinge zum Bau zuführen. Sie fingen alsbald mit großem Fleiß an; als sie aber mit dem Fundament fertig waren, und etwa drei oder vier Fuß aus der Erde gebaut hatten, fing das ganze Werk an zu beben und zu wanken, und fiel so heftig und mit einer so starken Erschütterung zusammen, daß sogar der Berg, auf dem der Turm angefangen war, einzustürzen drohte. Die Bauleute erschraken und waren verwirrt; »was ist nun zu tun«, fragte einer den andern. Sie kamen überein, daß man den Bau noch einmal anfangen müsse, und zwar noch stärker als das erstemal. Er fiel aber auch das zweitemal zusammen, wie zuerst, und so auch zum drittenmal. Der König wollte ganz rasend und unsinnig über diese wunderbare Begebenheit werden; sagte auch, er würde nie Ruhe oder Freude haben, bis er das Werk vollendet sähe. Er ließ in allen seinen Landen bekannt machen, daß die Weisesten und Verständigsten zu ihm kommen und die Sache mit ihm überlegen sollten. Als sie nun bei ihm angekommen waren, zeigte ihnen der König den angefangenen Bau und erzählte ihnen, wie er dreimal wieder zusammengestürzt sei, als er drei oder vier Fuß hoch gebaut war. Die neu angelangten weisen Männer erstaunten höchlich ob dieser Erzählung, noch mehr aber als sie hinausgingen und das Werk und die Stärke der Mauer sahen. »Herr König«, sagten sie, »wir wollen uns über diese wunderbare Sache beratschlagen, und alsdann Euch unsre Meinung sagen.« Nachdem sie eine geraume Zeit miteinander die Sache überlegt hatten, kamen sie dahin überein, daß sie es nicht wüßten, gingen auch wieder zum König, um ihm diese ihre Meinung zu sagen. »Wir wissen nicht und verstehen nichts davon, Herr König«, sagte der älteste und verständigste unter ihnen, »warum Euer Turm nicht stehen will; laßt aber die weisesten und gelehrtesten geistlichen Männer Eures Landes zusammenberufen, und fragt sie danach, diese werden sicher Euch hinlänglichen Bescheid darüber erteilen, weil sie gelehrt sind und vieles wissen; wir aber haben nicht studiert.«

Der König tat das, er ließ alle gelehrte Geistliche zusammenberufen und versprach demjenigen eine hohe Belohnung, der ihm die Sache erklären würde. Die Geistlichen kamen aus dem ganzen Land von allen Seiten her, rieten hin und her, wußten es so wenig zu sagen wie die ersten Männer, rieten aber dem König, der durch diesen Aufschub immer hitziger und wilder ward, seine Sterndeuter zusammen berufen zu lassen, weil diese es sicher wissen müßten, indem sie jede Sache deutlich in den Sternen läsen. Es geschah nach ihrem Rat, und die berühmtesten Sterndeuter, sieben an der Zahl, kamen zum König und ließen sich die Sache von ihm vortragen; er versprach demjenigen unter ihnen, der die Ursache herausbringen würde, große Ehre und hohe Belohnung.

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