Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 81
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Zweiter Exkurs
Über die Örtlichkeit der Attila-Schlacht

Wir prüfen diese Frage unter Bezeichnung der drei von frühern Forschern dafür angeführten Schlachtfelder, als la Cheppe, Arcis und Fontvannes,

1. nach den dafür angeführten Merkmalen,

2. nach den Quellen im Allgemeinen,

3. nach der militärischen Wahrscheinlichkeit.

Zu 1 bietet

a) das sogenannte Lager von Attila für la Cheppe durchaus kein Anhalten. Dasselbe liegt an der alten Römerstraße von Rheims nach Verdun, ungefähr 12 Kilometer (15/7 geogr. Meilen) von Châlons, ist seiner Anlage nach, wie Thierry selbst anerkannt, ein unzweifelhaft und zwar mit großer Sorgfalt hergestelltes römisches und umfaßt nach Peigné Delacourts (S. 35) genauer Beschreibung einschließlich Graben und Wall nur 29,65 Hektar, etwa 115 preußische Morgen Flächeninhalt, wovon noch 14 Morgen allein auf den Graben, daher mindestens ebensoviel auf den Wall abgehen, also nur etwa 87 für den Lagerraum verbleiben. Deshalb erkennen auch alle Forscher an, daß dies Attilas unermeßliches Heer nicht in sich gefaßt, sondern von ihm nur als Befestigung im Innern seines Lagers oder als Anlehnungspunkt außerhalb desselben benutzt worden sein könne. Daß hier aber das Schlachtfeld gewesen sei, ist reine, durch nichts weiter als den Volksglauben unterstützte Vermutung, auf letztern aber gar kein Wert zu legen, da es den Nachfahren genügte, von der Attilaschlacht in der catalaunischen Ebene gehört zu haben, um dessen von der Sage mit Begierde aufgegriffenen Namen auch an die Reste eines Lagers in dortiger Gegend zu knüpfen, welches gar nicht von ihm herrühren konnte. Wir erinnern dabei an das heute noch in der Dobrutscha bestehende, fälschlich Trajans Wall genannte Erdwerk.

b) Nicht minder ist aber auch die von Peigné Del. S. 22–24 angenommene Auffindung der Reste des Westgotenkönigs Theoderich bei Pouan unfern Arcis für irrig zu halten.

Im Jahre 1842 hat man in dem Martroy genannten Flurteile des gedachten Dorfes in der Nähe der Aube in einer Tiefe von nur 80 Centim. nicht allein Knochen, sondern auch Waffen und Geschmeide aufgefunden, die, auf zwei Tafeln der gedachten Schrift kunstvoll abgebildet, einen reinen Goldwert von 2500 Francs oder 2000 Mark enthalten und jetzt im Museum zu Compiègne aufbewahrt sind. Merkwürdig ist darunter ein Ring mit der Aufschrift HEVA.

Daß dies die Reliquien eines germanischen Fürsten oder vornehmen Führers seien, kann um so weniger bezweifelt werden, da die Arbeit der Zierraten die größte Ähnlichkeit hat mit derjenigen der Waffen und Schmucksachen, welche im erwiesenen Grabe Childerichs zu Tournai, der 481 starb, im Jahre 1653 aufgefunden wurden und in derselben Schrift abgebildet sind. Auch lassen der abgelegene Ort und der Zustand der Auffindung schließen, daß jener Krieger auf dem Schlachtfelde gefallen und auf diesem oder in dessen Nähe verscharrt worden sei.

Dagegen weiß P. Delac. seine Vermutung mit der von Jordanis Kap. 41 berichteten Auffindung, feierlichen Aufhebung und Fortschaffung (abstulerunt) von Theoderichs Körper allerdings nicht zu vereinigen, verfällt daher auf die Konjektur, der König sei gleich im Schlachtgedränge von einigen Getreuen verscharrt und am andern Tage, weil diese nachher selbst geblieben, gar nicht aufgefunden, vielmehr ein anderer Körper für den seinigen ausgegeben worden, was Thorismund, dem nur an seiner Erhebung zum Nachfolger gelegen, begünstigt habe. Dieser märchenhafte Gedanke widerstreitet des Jordanis, dem derselbe Schriftsteller sonst blinden Glauben schenkt, gerade hierin ganz klarem und ausführlichem Berichte so entschieden, daß wir ihn durchaus verwerfen müssen. Gleichwohl beweist jener merkwürdige Fund, daß ein vornehmer Krieger an jener Stelle in einem Treffen und zwar unter Umständen geblieben ist, welche die weitere Fortschaffung seiner Hülle nicht gestatteten. Sollte derselbe nicht eben deshalb aber eher dem geschlagenen als dem siegenden Heere angehört haben? Würde nicht, wenn letzteres der Fall gewesen, der Rücktransport zur Reserve selbst im Schlachtgedränge leichter und in kürzerer Zeit auszuführen gewesen sein, als dessen Beerdigung in ein nahe drei Fuß tiefes Grab? Die Kostbarkeit des Schmucks kann auch für die Person nichts entscheiden, da alle Germanen, namentlich die Ostgoten und Gepiden, damals den Raub in reichen Ländern so lange schon gewerbsmäßig betrieben hatten, daß die Fürsten derselben leicht im Besitze der wertvollsten Waffen und Geschmeide sein konnten.

Immer aber ist doch mit höchster Wahrscheinlichkeit, beinahe mit Sicherheit anzunehmen, daß der Betreffende in dem Kriege mit Attila gefallen sei, da die Geschichte spätere Kämpfe so außerordentlicher Art in dortiger Gegend nicht kennt.

Ob derselbe aber in der Hauptschlacht oder in dem vorhergegangenen Nachtkampfe, der sonach an der Aube stattgehabt hätte, seinen Tod gefunden, ist nicht zu ermitteln.

Zu 2. Nach den Quellen müssen wir uns unzweifelhaft für das Schlachtfeld in nicht zu großer Entfernung von Mery sur Seine erklären.

Wenn Jordanis sagt: in den catalaunischen Gefilden, die auch mauriacische genannt werden (in campis Catalaunicis, qui et Mauriaci nominantur), denen er nun eine Ausdehnung von sechshundert Quadratmeilen beimißt, dabei also nicht bloß die Umgebung von Durocatalaunum (Châlons) gemeint haben kann, so hat man in letzterem Beisatz offenbar nur eine nähere Bezeichnung des betreffenden speziellen Teils der großen Gesamtebene, nicht aber einen zweiten tautologischen Namen derselben zu erkennen, der ohnehin etwas höchst Unwahrscheinliches hat.

Nun heißt es aber in den unter Fredigars Namen bekannten Bruchstücken (Fragmenta ex aliis Fredigarii excerptis selecta, quae ad historiam Francorum pertinent) nach dem Entsatze von Orléans: »Auf dem Rückmarsche lagern die Hunnen bei Troyes in der mauriacensischen Ebene« (Hunni repedantes, Tricassis in Mauriacensi consident campania) und bald nachher von Thorismund: »er kämpfte mit Attila und den Hunnen in der Schlacht bei Mauriacum« (cum Attila et Chunis Mauriaco confligit cortamine). p. 701 der Ausg. d. Gregor von Tours von Migne.

Endlich berichtet Gregor von Tours selbst (II, 7) von dem Entsatze von Orleans: »Sie schlagen Attila in die Flucht, der in das mauriscische Gefild gehend sich zum Kampfe bereitet.« (Attilanem fugant, qui Mauriacum campum adiens, se praecingit ad bellum.) Hierzu haben wir nun auch noch aus der oben angeführten trefflichen Abhandlung von Waitz zwei uns, aber auch andern Forschern bisher entgangene Quellen nachzutragen, nämlich das Gesetz der Burgunder 17, 1, worin der mauriacensischen Schlacht gedacht wird und das merkwürdige Zeugnis einer, von ihm aufgefundenen noch ungedruckten Chronik vom Jahre 641, worin das Schlachtfeld selbst Mauriacum genannt und dessen Entfernung von Troyes auf nur fünf römische Meilen oder eine deutsche bestimmt wird.Lex Burg. 17, 1: Omnes omnino causae, quae inter Burgundiones habitae sunt et non sunt finitae, usque ad pugnam Mauriacensem habeantur abolitae. Nach allen diesen Angaben, die mit Ausnahme des Jordanis von Landesgenossen herrühren, ist in der Tat nicht zu zweifeln, daß die Schlacht in der Gegend von Mauriacum stattfand.

Daß nun Mery sur Seine das alte in vier Quellen so bestimmt bezeichnete Mauriacum sei, wird von dem gelehrten und gründlichen Adrian Valesius im IV. Buche seiner rerum Francicarum (die Stelle ist bei P. Delac. S. 32 abgedruckt), sowie von letzterem selbst mit Bestimmtheit behauptet, ja nach diesem soll jener Ort noch auf einer Karte vom Jahre 1128 unter dem Namen Hariacum aufgeführt werden.

War aber die Hauptschlacht in der Nähe von Mery auf dem rechten Seineufer, so dürfte das frühere Nachhutgefecht unstreitig zu Deckung des Seineübergangs bei Mery sur Seine auf dem linken stattgefunden haben.

Daß aber Attila bei dem Rückmarsche von Orléans Troyes oder dessen Nähe berwirkte, ergibt sich auch aus der von Thierry auf Grund der Legendenchronik mitgeteilten Begegnung desselben mit dem für seine Stadt sich verwendenden Bischof Lupus von Troyes, den er von da als Geisel bis zum Rhein mitnahm. Können nun auch die Quellen der Art nicht für unbedingt glaubhaft gelten, so muß doch eine so notorische und auffällige Tatsache, wie die Mitführung jenes Bischofs durch Aufzeichnung und Tradition sich erhalten haben, kann daher unmöglich bezweifelt werden. (? D.) Dieselbe hat auch das in den Schriften des Mittelalters viel verbreitete Witzwort von dem Einflusse der wilden Tiere, eines lupus und leo, auf Attila hervorgerufen.

Der Annahme von Mery für Mauriacum tritt jedoch d'Arbois de Jubainville mit der (wohl begründeten D.) Behauptung entgegen, daß sich die Verwandlung des alten Namens Mauriacum in Mery aus sprachlichen Gründen nicht rechtfertigen lasse, letzteres auch in den Quellen des zwölften Jahrhunderts nur als Meriscum, Mairiacom, vielleicht auch als Mariacum vorkomme. Dagegen liege südlich von Dierry St. Julien an der Grenze der Flur von Fontvannes 16 Kilometer (etwas über 2 geogr. Meilen) westlich von Troyes ein Moirey genannter Raum, woselbst früher ein Kirchdorf gestanden, das sich noch auf der Karte von Cassini finde, im Jahre 1680 aber immer kleiner geworden: jetzt sei sogar auch die im Jahre 1748 daselbst noch erhaltene Kirche längst verschwunden. Von dieser Flur werde ein Strich an der Grenze von Fontvannes les Batailles genannt.

Wir enthalten uns des Urteils über den sprachlichen Grund. Desto entschiedener aber sind wir der Meinung, daß ein Ort, nach dem im fünften Jahrhundert die Umgegend genannt worden ist, damals ein bedeutender gewesen sein, sich eben deshalb aber präsumtiv auch fortwährend erhalten haben dürfte, was von Mery schon seiner Lage an der Seine halber an sich vorauszusetzen ist, durch die Autorität des so gelehrten und gründlichen Valesius aber, der vor mehr als zweihundert Jahren schrieb, bestätigt und durch das Vorkommen dieser Stadt als Mariscum auf einer Karte vom Jahre 1128, wenn Peigné Delacours diesfallsige Behauptung in Wahrheit beruht, außer Zweifel gesetzt wird. Obwohl wir daher der historischen Befähigung, die Arbois de Jubainville als Verfasser einer trefflichen Geschichte der Herzöge und Grafen von Champagne bekundet hat, alle Gerechtigkeit widerfahren lassen, das kritische und wissenschaftliche Verdienst Peigné Delacours aber, seiner Schrift zufolge, nicht allzuhoch anschlagen möchten, so können wir doch im vorliegenden Fall der Hypothese des ersteren an sich keinen entscheidenden Wert beilegen. Übrigens finden sich bei jenem Moirey allerdings auch Hügel und ein, wiewohl sehr unbedeutender, noch keine geographische Meile langer Bach, Betro genannt.Siehe aber über und zum Teil gegen dies alles Dahn, Könige V, S. 79.

Zu 3. Für die militärische Beurteilung der Örtlichkeitsfrage haben wir ein Gutachten des Majors von Abendrot zu Dresden benutzt, der in der im Jahre 1862 zu Leipzig bei T. O. Weigel erschienenen Schrift: Terrainstudien zu dem Rückzuge des Varus und den Feldzügen des Germanicus, sein Interesse für solche Aufgaben bereits bekundet hat, und sich folgendermaßen ausspricht:

Als Attilas Rückzugspunkt ist unstreitig Metz festzuhalten, auf welchem er die Ardennen umging und entweder auf dem nächsten Wege in der Richtung nach Mannheim über Bruchsal zwischen dem Oden- und Schwarzwalde, der Naturstraße der jetzigen württembergischen Eisenbahn folgend, oder auch, wiewohl mit Umweg und größerer Terrainschwierigkeit, über Mainz den Main hinauf an die Donau gelangen konnte. Über Metz war auch Attila selbst an der Spitze der Südkolonne in Gallien eingedrungen.

Von Troyes, das derselbe erweislich berührte, führten nach der unter I. am Schlusse angefügten Kopie der von Peigné Delacour seiner Schrift beigegebenen Übersichtskarte, vier Römerstraßen nach Metz, von denen die westliche über Arcis nach Châlons gerade die weiteste, die über Lermont die kürzeste war.

Hiernach muß ich mich nun

a) in strategischer Hinsicht unbedingt gegen das Schlachtfeld bei la Cheppe aussprechen.

Attila hatte offenbar die Wahl des Weges für seinen Rückzug in die Heimat frei. Daß er an diesen gleich nach dem verfehlten Unternehmen auf Orléans gedacht, die Hauptschlacht in der Champagne namentlich nicht mehr mit Siegesvertrauen geliefert habe, ist nach den Quellen nicht zu bezweifeln.

Aus welchen Gründen hätte er nun den weitern Weg und gerade den ödesten Teil der Champagne zum Lagern und Schlagen aufsuchen und dafür nicht die gerade Straße und die fruchtbarere Gegend vorziehen sollen? Nach der Schlacht verweilt auch Attila mehrere Tage im Lager, was in der Gegend von Châlons große Schwierigkeit gehabt haben dürfte, da man Transporte aus der Ferne, die wohl den Römern zu Gebot standen doch nicht annehmen kann.

b) In taktischer Hinsicht dagegen würden sich bei la Cheppe nach der französischen Generalstabskarte die in des Jordanis Beschreibung der Schlacht hervorgehobenen Merkmale allerdings vollständig finden, was jedoch für die betreffende Örtlichkeit um deswillen allein nicht entscheiden kann, weil dasselbe auch auf andern Punkten dortiger Gegend der Fall sein würde.

Gerade bei dem von Peigné Delacour angenommenen Schlachtfelde aber läßt sich dies, wie die ebenfalls beigefügte, gedachter Karte entnommene Skizze der Gegend zwischen Troyes, Mery und Arcis ergibt, aus folgenden Gründen nicht behaupten.

aa) Die Richtung des Marsches von Orléans über Sens in die Gegend von Troyes würde dahin führen, daß man für die Hunnen das fragliche Schlachtfeld mit der Front nach Westen, für die Römer also nach Osten annehmen müßte. In diesem Falle hätte der rechte Finger letzterer aber nicht bei Pouan, sondern auf der entgegengesetzten Seite nach St. Remy zu stehen müssen. Der bei Pouan gefallene germanische Führer könnte also weder den Westgoten noch deren stammverwandten Gegnern angehört haben.

Um diesen Widerspruch zu heben, setzt Peigné die Front der Hunnen nach Norden und schiebt den Römern die Aufgabe zu, Attila in seiner rechtenNach dessen Stellung auf dem Schlachtfelde, während auf dem Marsche dessen westliche Flanke die linke war. Flanke zu umgehen (was auf der Straße von Orléans über Sens nach Châlons allerdings um so leichter gewesen wäre, da die Hunnen bei ihrem großen Wagentrosse gewiß nur langsam marschieren konnten), zugleich aber auch angesichts des Feindes über die Aube zu gehen.

Beides ist aber unwahrscheinlich, weil jene Umgehung Attila von unfruchtbaren Landstrichen ab, seiner bessern direkten Verbindung zugedrängt hätte. Abgesehen davon ferner, daß die Schlachtbeschreibung, die eines Baches erwähnt, der so viel bedeutendern Aube nicht gedenken sollte, möchte ich bezweifeln, daß die Sache so (taktisch) ausführbar gewesen sein und letzterer Fluß gar kein Hindernis geboten haben sollte. Unter allen Umständen aber würde eine Aufstellung, bei welcher die Römer die Aube so dicht im Rücken gehabt hätten, allen taktischen Regeln auf das entschiedenste widersprochen haben.

bb) Findet sich auch auf dem Peignéschen Schlachtfelde gar kein Hügel, außer unmittelbar bei Vilette zwischen Pouan und Arcis. Dieser ist aber nur etwa fünfundvierzig Fuß hoch, Front nach Westen, auch sehr schmal und kein Tummelplatz gewaltiger Heere, wie denn überhaupt das ganze Terrain dort mehr ein winkliges Ansehen als das eines großen und weiten Schlachtfeldes hat.

Nach wiederholter Durchlesung des Schlachtberichts habe ich schließlich folgende Ansicht gewonnen.

1. Ich halte den Nachtkampf für ein Nachhutgefecht und als dessen Schauplatz die Gegend von Mery mit dem alten Römerlager in Châtres für möglich, namentlich weil das Forcieren des Übergangs dort an einer genau bekannten Örtlichkeit stattfand.

2. Da auch Arcis eine als Arciana auf allen alten Karten vorkommende Römerstadt war, sollte man glauben, daß eine in dessen unmittelbarer Nähe gelieferte Schlacht eher im arcianischen als mauriacischen Felde bezeichnet worden sein dürfte.

3. Demzufolge möchte ich mehr bei Mery bleiben. Attila steht in Troyes; man forciert den Übergang auf seinem äußersten rechten Hügel, er rückt den Übergegangenen entgegen, dadurch wird die hunnische Schlachtlinie Front nach Nord oder Nordwest und damit stimmt dann die Beschreibung mit dem hügelartigen Landrücken (bei Premier-Fait und les Grandes Chapelles), der etwa hundertundfünfzig Fuß ganz allmählich sich erhebt, überein. Der Blutbach entspricht allerdings mehr der Barbuisse als den Lateralbächen der Seine, paßt aber ebensowenig auf das Schlachtfeld bei Pouan, dessen westlichsten Flügel erstere begrenzt. Indessen halte ich diesen Punkt für weniger wichtig, da er mehr mit der Bezeichnung des Schaurigen als mit positiven Angaben zusammenhängt, also wohl nicht wörtlich erfaßt zu werden braucht.

Der Gang der Schlacht könnte recht wohl dahin geführt haben, daß ein höherer Führer der geschlagenen Partei bei Pouan flüchtig bestattet worden und das Lager, in welchem Attila verweilt, auf den südlich von les Grandes Chapelles gelegenen Höhen – die Seine und Barbuisse sowie die Hilfsquellen von Troyes in der Nähe – zu suchen wäre.

Bei der großen Unsicherheit aber, welche die geringen und magern Angaben für die Operation und die Lokalität des Schlachtfeldes übriglassen, wäre es immerhin auch denkbar – wenn auch nicht wahrscheinlich –, daß Aëtius aus irgend welchen uns dermalen unbekannten GründenEin solcher ist nach meiner (v. W.) Ansicht darin denkbar, daß Aëtius durch diese Umgehung Attila von der Vereinigung mit den ripuarischen Franken habe abhalten wollen, von denen mit großer Wahrscheinlichkeit vorauszusetzen ist, daß die ganzen Reste dieses Volks, so weit es sich nicht den Hunnen angeschlossen, während Attilas Vormarsch zur Loire auch ihrerseits auf dem linken Rheinufer weithin raubfahrend vorgedrungen waren. doch die rechte Flanke der Hunnen umgangen habe. Das Nachtgefecht würde dann in der Gegend zwischen Pouan und Arcis zu suchen sein und zwischen der Vorhut beider Heere an der Aube, deren Übergang die hunnische abwehren sollte, stattgefunden haben, während sich für die Schlacht selbst das nach Süden wellenförmig ansteigende Hügelland, vielleicht bei le Mesnil la Comtesse, darbieten würde.

Noch habe ich mich aber über die mir erst nachträglich zugekommenen Angaben der ungedruckten Chronik vom Jahre 641, daß die Schlacht eine geographische Meile von Troyes vorgefallen sei, auszusprechen.

Ist diese gegründet, so rückt das eigentliche Schlachtfeld ganz entschieden von Pouan weg und ich muß gestehen, daß, wie gern ich auch das Nachtgefecht an der Aube zugeben will – obwohl wir uns dann weit von den mauriscischen Feldern entfernen, mir doch viel daran lag, die militärisch so verkehrte Lage des großen Schlachtfeldes nach Peignés Schrift gründlich abzuweisen, welche Absicht nun durch die neuen Quellen vollständig erreicht sein würde.

Ich kann aber, angeregt durch die fünf römischen Meilen und durch die Tatsache, daß die römischen Entfernungsangaben sich oft auffallend bestätigt haben, nicht umhin, noch eine Ansicht zu äußern.

Die Richtung von Sens her und das Schlachtfeld bei Fontvannes haben die einfachste natürliche Annahme für sich, wobei sich der Kampf um die Höhe nördlich Fontvannes oder um die Höhe von Montgueux gedreht haben würde. Attila, halb geschlagen, konnte sehr zweckmäßiger Weise sein Lager vorher in der Nähe von Troyes nehmen, es an diese doch jedenfalls befestigte Stadt stützen und nichts war wohl gebotener, als daß der Bischof sich zu ihm begab, um für die unter diesen Verhältnissen sehr gefährdete Stadt um Schonung zu bitten.

Hiernach mußte die Schlacht bei Fontvannes oder Montgueux geliefert werden.

Hält man aber freilich die Gegend von Mauriacum fest, wie man andrerseits auch muß, so komme ich auf meine erste Idee von Premier-Fait und les Grandes Chapelles zurück und um die fünf römischen Meilen nicht zu vernachlässigen, müßte man das Schlachtfeld mehr nach der Richtung von Feuges suchen. Hiermit wäre auch ganz gut zu vereinigen, daß bei dem Nachtkampfe, möge er nun bei Mery oder Villette – Pouan stattgefunden haben, der aufgefundene Führer geblieben und flüchtig bestattet worden sei. Auch ich lege auf diesen Fund großen Wert, möchte die Sache aber lieber mit einem geschlagenen und etwas abgedrängten Flügel als mit dem Aubeübergange in Verbindung bringen.

Volleres Licht für das auf der ganzen Frage noch ruhende Dunkel ist überhaupt nur durch umfassende Nachgrabungen und militärische Forschungen zu erwarten und wir hoffen, daß, wenn erst das Interesse dafür an rechter Stelle erregt sein wird, das Erforderliche geschehen und genügende Resultate geben dürfte.

Ist doch, nach Peigné Delacourt, S. 30, selbst der von ihm S. 37 und 38 beschriebene Grabhügel bis zum Jahre 1860 noch nicht einmal geöffnet worden, welchen der Ingenieur en chef des Departements für den Theoderichs erklärt, wenngleich derselbe hierin wohl irren dürfte, da Theoderichs Hülle wahrscheinlicher in die Heimat mit abgeführt ward.

 << Kapitel 80  Kapitel 82 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.