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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 68
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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Dreizehntes Kapitel
Valentinian III. und Gaiserich(Richtiger wohl: Genserich nach J. Grimm. D.). Die Vandalen in AfrikaDie sichersten Quellen über des Johannes Usurpation sind Olympiodor (p. 468, 470 und 471), Prosper Aquitanus (für die Jahre 423–425) und Sokrates (VII, 23 und 24), und zwar Letzterer, weil er, wenn schon an sich unzuverlässig, im Wesentlichen mit Ersteren übereinstimmt.

Daß Valentinian III. erst im Jahre 425 von Theodosius II. zum Augustus erhoben ward, bestätigt, außer Prosper Aquitanus, auch Olympiodor dadurch, daß er ihn siebensäulig nennt, da derselbe zu Anfang Juli 419 geboren, erst in der zweiten Hälfte des Jahres 425 das siebente Jahr antrat.

Tillemont (VI, 1, Art. 15 am Schl. und 22) und Gibbon (Kap. XXXIII, Note 6) sagen, Theodosius habe bei dieser Gelegenheit das westliche Illyrien, d. i. Pannonien, Dalmatien und Noricum, vom Westreich abgerissen und zu dem seinigen geschlagen; Letzterer bezieht sich aber dafür nicht auf Quellen unmittelbar, sondern nur auf Comte de Buat, Hist. des peuples de l'Europe, worin wir jedoch (T. VII, S. 242 bis 263) nichts Überzeugendes gefunden haben. Indes sagt Cassiodor in einem Schreiben an den Senat zu Rom (Valiarum XI, 1) bei Vergleichung seiner Herrin Amalasvinta mit Placidien von Letzterer: Nurum denique sibi amissione Illyrici comparavit, factaque est conjunctio regnantis divisio dolenda provinciis. Dies Zeugnis ist an sich nicht in Zweifel zu ziehen, schließt aber zumal bei dessen lobrednerischem Stile nicht aus, daß er dabei die Abtretung eines Teils von Illyrien im engern Sinne, d. i. von Dalmatien im Sinne gehabt hat, worauf das Ostreich vielleicht seit längerer Zeit Anspruch machte.

Mindestens halten wir die Abtretung aller drei obengenannten Provinzen für unbegründet, nicht nur, weil die Chronisten ein so wichtiges Ereignis kaum unerwähnt gelassen haben würden, sondern auch weil sich in der Folgezeit noch sichere, weiter unten zu erwähnende Beweise finden (s. S. 382), daß dieselben größtenteils mindestens noch zu Westrom gehörten. Auch scheint der Ausdruck divisio mehr für eine nur teilweise Abtretung zu sprechen. Übrigens ist es zugleich wahrscheinlicher, daß dies Abkommen schon im Jahre 424 erfolgte, wo Valentinian III. erst durch Theodosius II. zum Thron gelangte, als bei seiner Vermählung mit des Letztern Tochter im Jahre 437. Man muß dann freilich Cassiodors Ausdruck: conjunctio nur auf die Verlobung des jungen Kaisers mit Eudoxien beziehen, welche schon im Jahre 424 bei Placidiens Anwesenheit in Konstantinopel stattfand und von derselben wohl als Mittel benutzt ward, die Überlassung des Westreichs an ihren Sohn überhaupt zu erlangen, worüber Theodosius (nach Sokrates VII, c. 24) noch schwankte.

Als der legitime Nachfolger des Honorius war willig anerkannt ein kaum fünfjähriges Kind, abwesend in Konstantinopel, nur weil des großen Theodosius Enkel – so tief hatte die Vorstellung der Vererbung schon Wurzel geschlagen. Welche Aufforderung für einen Anmaßer, sich des wenigstens faktisch erledigten Thrones zu bemächtigen!

Dazu erhob sich bald auch (während über die tatsächliche Regierung des Westreichs mit Theodosius II. verhandelt wurde, dem nach dem damaligen römischen Staatsrecht, das auf der Idee eines einigen Reiches beruhte, die Verfügung über die künftige Verwaltung dieses Teiles desselben zustand) Johannes, der Oberhofnotar (primicerius notariorum), der die im Range höchste Zivilstelle nach den Präfekten und Ministern bekleidete. Dazu soll ihn, nach Prokop (d. b. Vand. I, 3, p. 321 d. Bonn. Ausg.), in Anerkennung vorzüglicher Befähigung, der Hof (d. i. die obersten Staats- und Hofbeamten) bestimmt haben.

Theodosius II. aber, für den hauptsächlich dessen ausgezeichnete Schwester Pulcheria regierte, erkannte den Anmaßer, der ihn durch eine Gesandtschaft um Bestätigung gebeten, um so weniger an, als die im Jahre 422 über Persien erfochtenen Siege sein Machtgefühl gesteigert hatten, sandte vielmehr seinen in jenem Kriege mit Ruhm gekrönten Magister militum Ardaburius nebst dessen Sohne Aspar und einem dritten Feldherrn Candidianus wider den Rebellen ab.

Der Erste hatte sich, wohl an der Spitze des Fußvolks, in Salona eingeschifft, erlitt aber einen so heftigen Sturm, daß die ganze Flotte zerstreut ward, er selbst, vielleicht an die italienische Küste verschlagen, in des Feindes Hände fiel und nach Ravenna gebracht, daselbst aber von Johannes, der ihn wohl für ein kostbares Friedenspfand hielt, mit größter Freundlichkeit behandelt wurde. Da schwebte dessen Sohn Aspar, der hauptsächlich Reiterei führte und Placidien mit ihrem bereits zum Cäsar ernannten Sohne Valentinian bei sich hatte, in höchster Besorgnis.

Inmittelst aber hatte Candidianus, der mit seinem Corps östlicher in Italien gelandet zu sein scheint, viele Städte bereits sich unterworfen.

Johannes mochte solche Energie nicht erwartet haben, hatte sich daher unbesorgt zuvörderst des so wichtigen Afrika, das Bonifacius für Placidien hielt, bemächtigen wollen und dazu Truppen abgesandt (Prosper Aquitanus).

Da nun die barbarischen Söldner, die Johannes anzuwerben suchte, noch nicht eingetroffen waren, wagte er wegen Mangel an Truppen nicht, das offene Feld zu halten, schloß sich vielmehr in dem für uneinnehmbar gehaltenen Ravenna ein. Vor diese Lagunenstadt rückte nun Aspar, dem ein Schäfer (nach Sokrates VII, 23 aber ein Engel in Schäfertracht) einen festen Pfad durch die Sümpfe, vielleicht in der höchsten Trockenheit des Sommers, zeigte, auf welchem er, wohl in der Nacht, die Stadt, deren Tore unverschlossen waren, überrumpelte. So endete durch des Johannes Gefangennehmung und Tötung im Jahre 424 das kurze Zwischenspiel.

In der zweiten Hälfte des Jahres 425 erst ließ Theodosius II., der wohl eine Zeit lang an eigene Verwaltung des Westens gedacht haben mag, Valentinian III., der sein siebentes Jahr begonnen hatte, zu Rom mit dem Purpur bekleiden.

Kaum war Johannes tot, als der von ihm ausgesandte Aëtius mit einem Hunnenheer zu dessen Hilfe erschien. Zuerst tritt uns derselbe hier entgegen; ein merkwürdiger Mann (römisch geschult und nicht frei der bösen Einflüsse solcher Schulung D.), aber seltener Geisteskraft, Roms letzter großer Feldherr, der das sinkende Reich mit starkem Arme noch dreißig Jahre lang am Rande des Abgrundes festhielt, welcher es nach dessen Tode unabwendbar verschlang. Er war in Dorostorena oder Dorostolum in Niedermösien, dem heutigen Silistria in Bulgarien, geboren, Sohn des Magister militum Gaudentius, der in Gallien von den eignen Truppen getötet worden war, und einer Italienerin edler Geburt. Schon als Knabe mit prätorischem Range bekleidet war er als Geisel zuerst von Alarich gefordertWenn Frigeridus bei Gregor von Tours (11, 8) sagt, Aëtius sei wirklich als Geisel drei Jahre lang bei Alarich gewesen, so muß dies nach dem hierin glaubhafteren Zosimus, der (V, 36) Alarichs diesfallsiges Verlangen im Jahre 408 von Honorius zurückweisen läßt, bezweifelt werden. und dann den Hunnen als solche wirklich überliefert worden. Hier mag er neben genauer Kunde dieses Volkes zugleich Achtung und Liebe sich erworben haben. Nach der Rückkehr trat er unter die Leibgarde (domestici) und ward von Johannes, für den er sich erklärt haben muß, als castrensis sacri palatiiSo verstehen wir die Worte in Gregor von Tours: Joannis curam palatii gerere coepit. angestellt. (R. Profut. Frigeridus in Gregor von Tours II, 8. Jordanis c. 34. Prosper Aquitanus und Tiro.)

Als der Angriff des byzantinischen Heeres drohte, ward er von seinem Herrn zu den Hunnen gesandt, um bei denselben Truppen anzuwerben, mit denen er dem Feinde in den Rücken fallen sollte, langte jedoch, wie gesagt, zu spät damit an.

An der Spitze eines Heeres findet man leicht Verzeihung, die Placidia, welche selbstverständlich für Valentinian III. regierte, ihm willig gewährte.

Nicht so glücklich war der Magister militum Castinus, der Konsul des Jahres 424, der, des Einverständnisses mit dem Empörer beschuldigt, in Verbannung geschickt ward. (Prosper Aquitanus.)

In Gallien hatte Theoderich I. den von Walja mit Rom geschlossenen Frieden bis zu des Honorius Tod treu bewahrt, hielt sich aber gegenüber dem Anmaßer Johannes, der in Gallien Anerkennung gefunden zu haben scheint, nicht für gebunden.

Rasch vordringend muß er sich bereits eines großen Teils des römischen Gebiets bemächtigt haben, da er im Jahre 425 Arles belagerte. Gegen diesen ward nun sofort Aëtius entsandt, der, wenngleich nach Prosper Aquitanus die ihm folgenden Hunnen durch dessen Bemühung zur Rückkehr in die Heimat bewogen worden waren, höchst wahrscheinlich doch noch einen, wenn auch nur kleinen Teil dieser Söldner dahin mit sich geführt haben mag. Er entsetzte Arles und brachte den Goten dabei eine Schlappe beiDonec imminente Aëtio non impuniti discederent. Prosper Aquitanus zum Jahre 428.

Idatius bemerkt unter dem sechsten Regierungsjahre Valentinians, daß Aëtius bei Arles einen Trupp Goten vernichtet und deren Anführer Aonulf getötet habe.

Dies hält Aschbach für ein besonderes Gefecht bei einer zweiten Belagerung von Arles, deren auch Prosper Tiro unter dem vierten Jahre Valentinians gedenke. (S. Dahn, Könige V, S. 73.)

Allein Prosper Tiro, der des Letztern Erhebung zum Augustus in das Jahr 3 setzt, spricht offenbar vom Jahre 426, dem Prosper Aquitanus, wenn wir des Aëtius Feldzug in den Winter 425–426 setzen, keineswegs wesentlich entgegensteht. Unstreitig ist daher jene Nachricht des Idatius nur aus Versehen in dies Jahr gekommen, was dadurch noch wahrscheinlicher wird, daß derselbe in dem nämlichen Jahr unmittelbar darauf der Bekriegung der Juthungen und Noriker (in Bayern und Österreich) durch Aëtius gedenkt.

Übrigens ist die Chronologie des Prosper Aquitanus, der genauer nach Konsulaten, mit der des Idatius, der nach Regierungsjahren rechnet, nicht sicher zu vereinigen. Offenbar nimmt Letzterer das Jahr 424 als das erste Valentinians an, was es auch wirklich war, setzt daher nur aus Irrtum dessen erst 425 erfolgte Erklärung zum Augustus in dasselbe.

Ein späteres, unzweifelhaft sicheres Ereignis, die Ernennung des Xystus (Sixtus) zum zweiundvierzigsten römischen Bischof, würde bei Idatius hiernach auf das Jahr 433 fallen, während es Prosper Aquitanus und Marcellin unter 432 aufführen.

Sollte das Jahr III Valentinians, unter dem kein Ereignis bemerkt wird, vielleicht durch späteres Versehen in dessen Chronik eingeschoben worden sein?

Umgekehrt hatten wir freilich im vorigen Kapitel unter c) gefunden, daß Idatius ein Ereignis des Jahres 419 unter 418 angeführt hatte. Dies Alles aber beweist nur, daß dessen Zeitrechnung überhaupt eine mangelhafte ist. Die amtliche des Reichs war die nach Konsulaten und bei deren Überrechnung in die nach Regierungsjahren ein Irrtum leicht möglich, da der Anfang einer Regierung in den Lauf des Kalenderjahres fiel, auch der Zeitpunkt des Beginnes einer solchen, wie gerade nach des Honorius Tod, oft ein unsicherer war.

, worauf ein Friede gefolgt zu sein scheint, wie dies, wenn auch nicht mit voller Sicherheit, aus Sidonius Apollinaris (Carm. VII, v. 218–225) zu folgern sein dürfte. Prosper Aquitanus zum Jahr 425.

Nach diesem glücklichen Erfolge scheint Aëtius noch im Jahre 426 nach Rom zurückgegangen zu sein und dort seine Intrige wider Bonifacius, auf die wir sogleich kommen werden, gespielt zu haben.

Wir wenden uns nun zu dem wichtigsten Ereignis dieser Zeit – der Eroberung Afrikas durch die Vandalen.Prokops Darstellung der Intrige, welche Bonifacius veranlaßte, Gaiserich zu seiner Hilfe zu rufen, dürfte im Wesentlichen richtigVöllig verworfen wird sie unter nicht verächtlichen Gründen von Auler, de fide Procopii caesareensis Bonn. 1876. sein, ist aber, nach den Angaben der Zeitgenossen Prosper Aquitanus und Augustinus, ungenau und unvollständig.

Wir denken uns den ganzen Hergang so. Bei Placidiens Verbannung nach Konstantinopel im Jahre 423 blieb Bonifacius in Afrika ihr treu.

Derselbe erkannte den Tyrannen Johannes nicht an, worauf dieser im Jahre 424 Truppen wider Bonifacius abschickte (Prosper Aquitanus), welche nach Prosper Tiro Sigisvult befehligte.

Nachdem Valentinian III. im Jahre 425 zum Kaiser erhoben worden, ward Bonifacius nach Rom berufen und von Placidien zum Befehlshaber über ganz Libyen ernannt, was des Aëtius Mißgunst heftig erregte. (Prokop, p. 322, Z. 23–25.)

Aëtius verbarg seinen Groll, wußte aber, unstreitig erst nach seiner glorreichen Rückkehr aus Gallien im Jahre 426, den Argwohn der Kaiserin wider Bonifacius zu erregen. »Derselbe strebe, mag er ihr eingeredet haben, Afrika vom Reiche loszureissen und als Tyrann zu regieren. Wolle sie sich dessen versichern, so möge sie ihn plötzlich nach Rom berufen: er werde nicht kommen, worauf diese, als auf eine völlig unbedenkliche Prüfung des Angeschuldigten, einging.« (Prokop, p. 322, Z. 15–22.)

An Bonifacius dagegen hatte Aëtius vorher schon unter der Maske der Freundschaft geschrieben, die Kaiserin trachte ihm nach dem Leben, was er daraus ersehen könne, daß man ihn bald ohne Angabe eines Grundes zurückberufen werde. Als dies nun in der Tat unmittelbar darauf geschieht, traut der Erstere dem falschen Freunde und verweigert den Gehorsam. (Prokop, p. 323, 5–6.)

Sogleich wird hiernach der Krieg gegen den vermeinten Rebellen begonnen, vielleicht durch Befehl an einen seiner Unterbefehlshaber, gewiß aber auch durch Truppensendung von Italien nach Afrika.

Diese wichtige Tatsache, von der Prokop nichts sagt, erhellt unzweifelhaft aus Prosper Aquitanus zum Jahre 427 und läßt sich auch aus Augustus Briefe an Bonifacius (220, opera II, S. 812 d. Ausg. Venedig 1729) mit ziemlicher Sicherheit abnehmen.

Nach dem Chronisten wurde Bonifacius von drei römischen Feldherren irgendwo belagert, von denen zwei, Mavortius und Galbio, durch Verrat ihres Kollegen Sinax getötet wurden, welcher später durch Bonifacius dasselbe Schicksal erlitt. Hierauf wurde, fährt Jener fort, »das Meer den bisher noch schiffsunkundigen Völkern, die von den Streitenden zu Hilfe gerufen wurden, zugänglich gemacht, und die Führung des wider Bonifacius begonnenen Kriegs dem Comes Sigisvult übertragen.«

Das Volk der Vandalen setzt von Spanien nach Afrika über.Exinde gentibus, quae navibus uti nesciebant, dum a concertantibus in auxilium vocantur, mare pervium factum est, bellique contra Bonifacium coepti in Sigisvultum comitem cura translata est. Gens Vandalorum ab Hispania ad Africam transit.

Prokop hingegen läßt p. 323, Z 9–11 Bonifacius zugleich, nachdem er Placidien den Gehorsam verweigert, aus Besorgnis ihr nicht widerstehen zu können, ein Waffenbündnis mit den Vandalen suchen und durch vertraute Sendboten nach Spanien Godegisels Söhnen, Gunterich und Gaiserich, jedem ein Dritteil Afrikas für Abschluß einer gegenseitigen Defensivallianz anbieten.

Die Irrtümer dieses über ein Jahrhundert spätem Schriftstellers liegen auf der Hand. Wahr aber ist es sicherlich, daß Bonifacius die Hilfe wider Rom nicht durch Abtretung aller afrikanischen Besitzungen, sondern nur eines Teils derselben erkaufen wollte.

Nachdem nun die Vandalen bereits tief im Lande waren, läßt Prokop durch Freunde von Bonifacius, die zu Aufklärung seines unbegreiflichen Schrittes nach Karthago gereist seien, die ganze verruchte Intrige entdecken. Darauf schwere Reue der Kaiserin, wie des Feldherrn. Erstere aber wagt nicht, bei der Macht, die Aëtius bereits erlangt hat, wider diesen vorzugehen, sendet aber den Comes Darius nach Afrika ab (Augustin, epist. 229–231) und beschwört Bonifacius, die Vandalen wieder aus dem Lande zu entfernen. Vergebens versucht dieser den Weg der Güte wie den der Gewalt. Höhnend verwirft Gaiserich die dringendsten Bitten wie die größten Versprechungen, schlägt den ihn angreifenden Bonifacius und zwingt ihn, sich nach Hippo Regium (Bona) zu retten. Hier belagert ihn der Vandale, muß aber nach vierzehn Monaten, wegen Proviantmangels, unverrichteter Sache wieder abziehen.

Darauf erhalten die Römer zur See Verstärkung aus Rom und Byzanz unter dem Feldherrn Aspar.

Die Truppen fordern eine Schlacht, die zur entschiedenen Niederlage wird, Bonifacius flieht nach Rom, Aspar nach Byzanz. Afrika ist im Wesentlichen verloren.

Nach einer Stelle in der im Jahre 487 gefertigten Schrift des Bischofs Vitensis de persecutione africana (Buch I, S. 5 der Ausgabe von Chifflet, Divione [Dijon] 1664)Jetzt ed. Halm, Monumenta Germ. hist. scriptor. antiquiss. 1879. blieben jedoch die westlichen Provinzen Mauritania Caesarea und Sitifensis ganz oder teilweise bis zu Valentinians III. Tod noch im römischen Besitze. Nach Marcus keineswegs zweifelloser Ausführung (S. 143 und S. 167–169) sogar ein kleiner Teil des westlichen Numidiens. (Siehe Dahn, Könige I, S. 163 f.)

Was nun die Zeit dieser Ereignisse anlangt, so fallen diese mit Sicherheit in die Jahre 427–432.

In das erste, unter das Konsulat des Hierius und Ardaburius, setzen Prosper Aquitanus und Cassiodor, welchem Letztern (wenn er diese Notiz nicht gedankenlos nachschrieb) die Wahrheit zu erörtern so leicht war, den Übergang der Vandalen nach Afrika.

Idatius berichtet diesen freilich unter dem achten Regierungsjahre Valentinians III., seine Rechnung aber ist unsicher, da Jahr I desselben Ereignisse der Jahre 424 und 425, ja anscheinend, wie die Ernennung Valentinians zum Cäsar, selbst schon des Jahres 423 umfaßt.

(Daß 429 die richtige Jahrzahl ist, s. Dahn, Könige I, S. 149 f.)

Unzweifelhaft steht fest, daß der heilige Augustin im Jahre 430 während der Belagerung von Hippo Regium durch die Vandalen starb (Prosper Aquitanus zum Jahr 430, Possidius, des Zeit- und Hausgenossen St. Augustins, c. 29, Vita St. August in St. August. Opera X app., S. 258 in der Ausgabe von Venedig 1729) und Bonifacius im Jahre 432 nach Italien zurückkehrte.

Im 24. und 25. Regierungsjahre des Honorius (nach berichtigter Rechnung 419 und 420) wird Guntherich von Idatius – der, abgesehen von seiner Zeitrechnung, für alle spanischen Verhältnisse, als Landes- und Zeitgenosse, offenbar die zuverlässigste Quelle ist – noch als König der Vandalen aufgeführt.

Erst im vierten Valentinians, was wahrscheinlich 427 ist (obwohl es nach Anm. 739 auch auf 426 oder 428 fallen kann), erwähnt er dessen Söhne Guntherich II.(Dies ist falsch: es gab nur einen Vandalenkönig Guntherich; Dahn, Könige I, S. 143, 144; die Einladung nach Afrika erging noch an König Guntherich und an Gaiserich als dessen Feldherrn, s. Dahn, Urgeschichte I, S. 155, 156.) und Gaiserich, von denen ersterer legitim, aber, nach Prokop (d. b. Vand. I, 3, p. 423) noch Knabe und wenig tätig, letzterer zwar Bastard, jedoch vollendeter Krieger und, wie er sich ausdrückt, der furchtbarste aller Sterblichen gewesen sei.

In dem (der Zeit nach etwas unsichern) vierten Regierungsjahre Valentinians ward nun Guntherich getötet, und zwar nach Idatius bei der Einnahme von Sevilla, in der dortigen Kirche, wo er sich ruchlos vergangen.S. aber auch Könige I, S. 150.

Gleich nach dem Sieg über Castinus scheinen nun die Vandalen, wahrscheinlich unter Gaiserichs Anführung, raubfahrend und erobernd vorgedrungen zu sein, da Idatius bereits im ersten Regierungsjahre Valentinians III. deren Plünderungszüge nach den balearischen Inseln und Mauritanien, sowie die Einnahme und Zerstörung von SevillaWie sich diese zu der im vierten Jahre Valentinians erwähnten verhält, wissen wir nicht. und Carthagena berichtet.

Da erfolgte im Winter 426/7 Gaiserichs merkwürdige Berufung nach Afrika.

Des Aëtius Ehrgeiz war nicht auf den Kaiserthron, desto energischer aber auf die nächste Stelle daneben gerichtet, Stilicho sein Vorbild.

Diese konnte ihm nur ein Mann im Reiche streitig machen, Bonifacius in Afrika, den Olympiodor (p. 468), Prokop (p. 322) und Augustinus (ep. 220) sehr hoch stellen, obgleich die uns erhaltenen genaueren Quellen, mit Ausnahme der Verteidigung von Marseille, nur Niederlagen, nicht Siege von ihm berichten.

Derselbe mußte daher beseitigt werden. Da umstrickte Aëtius(Dieser Bericht Prokops ist in neuerer Zeit nicht ohne triftige Gründe angezweifelt worden. D.) die Kaiserin, sowie den ihr treuen Bonifacius mit einem Lügengewebe, Erstere durch das Gespenst von dessen Empörung, Letztern durch das seiner beschlossenen Tötung schreckend. Die List gelingt; Bonifacius verweigert (von Aëtius geheim gewarnt) einer Rückberufung nach Rom, die (von Aëtius geheim der Regentin geraten) seine Untreue aufdecken soll, den Gehorsam, worauf Placidia sogleich den Krieg wider ihn beschließt. Im Gefühl, den kaiserlichen Truppen nicht gewachsen zu sein, da seine Streitmacht meist aus unkriegerischen Eingeborenen bestehen mochte, ihm vielleicht auch gegen die Legitimität nicht sicher dünkte, sucht Bonifacius bei den Vandalen Hilfe, denen er dafür die Abtretung eines Teils seiner Provinz verspricht. Nichts konnte dem hochfahrenden Geiste Gaiserichs erwünschter sein. Spanien, in Roms, der Westgoten und Sueben Nähe, war nicht die Stätte, wo sich ein großes unabhängiges Reich mit Leichtigkeit gründen ließ; Afrika, zugleich für Raubfahrten in Ost und West trefflich gelegen, dazu weit mehr geeignet (und – die reichste, wenigst geplünderte Provinz. D.).

Nachdem er, dem Rufe folgend, aufgebrochenGuntherich war inzwischen gestorben, Gaiserich ihm auf den Thron gefolgt. D.), vernimmt er, daß der Suebe Hermigar in der Vandalen bisherigem Gebiete plündere. Blitzschnell eilt er zurück, trifft ihn bei Emerita in Lusitanien (Merida in Estremadura) und schlägt ihn in die Flucht, auf welcher er im Guadiana ertrinkt.Dies kann nicht, etwa verschrieben, der (andere D.) König dieses Volkes, Hermerich, gewesen sein, da Idatius letzteren im nächsten Jahre noch als lebend anführt und dessen Tod erst in das Jahr 441 setzt. (Vergl. aber Dahn, Könige VI, S. 560, wonach I, S. 151 zu modifizieren; vielleicht waren beide Könige Brüder.)

Nach diesem Siege schifft er über die schmale Meerenge nach Afrika, wozu die spanischen Seestädte gar gern Schiffe geben mochten. (Idatius zum fünften Jahre Valent.) 50 000 Goten und AlanenPossidius in der vorerwähnten Schrift setzt hinzu: »Commixtam secum habens Gotorum gentem aliarumque diversarum nationum personas«. So unzweifelhaft dies falsch sein würde, wenn man hiernach Gaiserichs ganzes Heer oder auch nur einen größern Teil desselben für ein aus allerlei Volk gemischtes ansehen wollte, so kann doch, nach der bekannten Sitte der Germanen, nicht bezweifelt werden, daß auch kriegslustige Abenteurer aus andern Völkern, denen man den Eintritt nie zu verweigern pflegte, in demselben sich befanden. begleiten ihn (Prokop, p. 334), was mit des Victor Vitensis Angabe ungefähr übereinstimmt, welcher mit Einschluß von Frauen, Greisen und Kindern deren 80 000 zählt.

Als er, mit Vorsicht vorrückend, in der Nähe des 150–180 (römische) Meilen entfernten Bonifacius angelangt war, gewiß nicht vor dem Jahre 428 (vielmehr 429 D.), hatte sich die Sachlage verändert. Der Verrat ist inzwischen entlarvt worden: Placidia beschwört ihren Feldherrn, dem Reiche die kostbare Provinz zu erhalten.

Gaiserich aber war nicht der Mann, sich wieder fortschicken zu lassen. Jordanis (Kap. 33) zeichnet ihn, wohl nach Cassiodor, mit folgenden Worten:

»Mittlerer Statur, in Folge eines Sturzes mit dem Rosse hinkend, tiefen Geistes, schweigsam, Verächter des Wohllebens, von wilder Zornwut, die Völker aufzuwiegeln von größter Verschlagenheit, den Samen der Zwietracht auszustreuen und Haß zu erregen stets bereit.«

Taub gegen Bitten wie gegen Gold Roms, Sieger in zwei Schlachten (430, 431), behauptet er sich im unbestrittenen Besitz des besten Teils von Afrika, bis im Jahre 432 die geschlagenen Feldherren, Bonifacius und der aus dem Ostreiche zu Hilfe gesandte Aspar, in ihre Heimat zurückfliehen. Nur Karthago bis zum Jahre 439 und Mauritanien bis zu Valentinians III. Tod blieben noch in römischem Besitz, der auch durch einen im Jahre 435 (Prosper Aquitanus, Cassiodor, Prokop I., 4, p. 427 und Isidor v. Sevilla, Chronic. Vandalorum) mit Gaiserich, wohl auf Grund des gegenseitigen Besitzstandes abgeschlossenen Frieden gesichert ward. Dieser mochte Letzterem zu Ordnung und Befestigung der neuen Herrschaft sehr wichtig sein, da er dem Kaiser darin einen Tribut bewilligte und sogar seinen ältesten Sohn Hunerich als Geisel stellte. Die größte Freundschaft heuchelnd empfing er diesen nach einiger Zeit wieder zurück: bald darauf zeigte er seinen wahren Sinn dadurch, daß er sich am 18. Oktober 439 mitten im Frieden Carthagos durch List bemächtigte. (Prokop, p. 327; Prosper Aquitanus, Marcellin und Cassiodor.)

Überraschend erscheint das so leichte Gelingen dieser Eroberung, welcher doch zwar nicht die römischen Waffen, wohl über die Marschweite von Ceuta bis gegen Tunis, Klima und Bodenbeschaffenheit die größten Schwierigkeiten entgegen stellen mußten.

Das alte Afrika aber war freilich nicht das jetzige, vielmehr ein wohl angebautes, reiches Land.

Vor allem wußte Gaiserich die dortigen zahlreichen und mächtigen Elemente der Unzufriedenheit wider die römische Herrschaft trefflich für sich auszubeuten. Leicht mag er die in ihren Bergen mehr oder minder unabhängigen, zum Aufruhr stets geneigten Mauren für sich gewonnen haben. Die schon romanisierte Bevölkerung aber, Städtebewohner und Kolonisten – die einzige, worauf für Landesverteidigung noch gerechnet werden konnte – war nicht nur höchst unkriegerisch und verweichlicht, sondern vor allem durch den religiösen Verfolgungsgeist der Regierung gespalten und zum Teil erbittert.

Der religiöse Fanatismus der Kaiser hatte vom Jahre 405 bis 414 die härtesten Gesetze gegen die Donatisten erlassen, die gleichwohl in Afrika so zahlreich waren, daß bei dem Konzil zu Karthago im Jahre 418 nicht weniger als 269 Bischöfe derselben erschienen, welche ihre Gesamtzahl auf mehr als 400 Gemeinden angaben.Gibbon, Kap. 33, Not. 18 mit Bezug auf Tillemont, Mem. eccles. und Dahn, Könige I, S. 244 ff.

An sie schlossen sich, als angeblich nähere Glaubensverwandte oder mehr Gleichbedrängte, die Reste der hartverfolgten Arianer an.

Was Wunder, daß alle diese die arianischen Vandalen als ihre Retter begrüßten, nun aber im Heißdurst nach Rache auch ihrerseits alle aufboten, Letztere zu gleicher Verfolgung der Katholiken aufzureizen, was ihnen bei deren Priestertum nur zu leicht gelungen zu sein scheint!

Wir bemerken hier nur, daß der Einzug der Vandalen im Geleit aller der Schrecken erfolgte, welche von 406–409 sowie von 409–411 Gallien und Spanien verödet hatten. Nicht nur Plünderung, auch Mord, selbst der Weiber und Kinder, Brand und Zerstörung jeglicher Art, sogar Niederhauen der Fruchtbäume verwüsteten namentlich das unglückliche Mauritanien, das die Sieger zuerst durchzogen. Gaiserich, nicht selten Wüterich aus Leidenschaft, mag dies zu verhüten teils nicht die Macht, teils aber auch nicht den Willen gehabt haben, weil er (vielleicht, aber freilich dann irrigerweise D.) in seines Volkes roher Wildheit die sicherste Abwehr gegen erschlaffende Zivilisation erblickte.

Nach der Eroberung nahm er ganze Provinzen, nicht nur die ausgedehnten Staatsländereien, sondern auch das Privateigentum, letzteres gewiß wenigstens großenteils, für sich und sein Haus; andere Bezirke wurden unter seine Krieger verteilt. Diese Landstriche wurden die »Lose der Vandalen«, Vandalorum sortes, genannt. Was er den alten Eigentümern ließ, wurde dergestalt mit Abgaben beschwert, daß kaum ein Ertrag übrig blieb. Doch ist letztere Angabe Prokops übertrieben, da sich immerhin später noch wohlhabende Römer in Afrika fanden.Possidius, Vit. S. Aug., c. 28; Victor Vitens. I, p. 3 und Prokop I, 6, p. 334; Dahn, Könige I, S. 205, 219. Die vertriebenen Eigentümer behielten ihre Freiheit, wenn sie deren nicht unter einem gesetzlichen Vorwande beraubt werden konnten, mögen aber häufig ausgewandert sein.

Nach der Wegnahme von Karthago wollte sich Gaiserich im Jahre 440 des reichen Siziliens und Calabriens bemächtigen (Prosper Aquitanus z. Jahre 440 und Idatius zu a. 16. Valent.), fand aber in Cassiodors Ahnherrn einen tapferen Gegner, der ihn aus letzterem herausschlug und mit Glück in ersterem bekämpfte. (Cassiod. Var. I, 4.)

Da sandte Theodosius II. im Jahre 441 eine mächtige Flotte mit Truppen unter Areobindus, Anaxilla und Germanus dem Westreiche zu Hilfe nach Sizilien. (Prosper Aquit.) Vielleicht hatte diese die Bestimmung, nach Befreiung der Insel Gaiserich in Afrika selbst anzugreifen. Da aber plötzlich die Hunnen, unzweifelhaft auf des Letzteren Anstiften, in Illyricum einfielen, sah sich der Kaiser genötigt, nicht nur seine Truppen, anscheinend noch in demselben Jahre, zurückzurufen, sondern auch mit den Vandalen Frieden zu schließen, welchem nun Valentinian III., nachdem der Feind Sizilien verlassen, im Jahre 442 ebenfalls gern beitrat.

Von nun an scheint Gaiserich mit Rom bis zu Valentinians Tod in Frieden gelebt zu haben, während er in demselben Jahr 442, nach Prosper Aquitanus, eine Verschwörung vornehmer Vandalen entdeckte und mit der blutigsten Grausamkeit bestrafte. Möglicherweise in einigem Zusammenhang hiermit, wahrscheinlich aber erst gegen Ende (? vergl. Könige I, S. 235 D.) dieses Jahrzehnts entbrannte sein wildes Gemüt wider seine eigne Schwiegertochter, seines ältesten Sohnes Hunerich Gemahlin, des Westgotenkönigs Theoderich I. Tochter dergestalt, daß er sie, wie Jordanis (Kap. 36) sagt, auf den bloßen Verdacht hin, Gift bereitet zu haben, mit abgeschnittener Nase und Ohren ihrem Vater zurücksandte.

Da beeinflußte Valentinians III. Ermordung im Jahre 455 stark des Königs Politik. Von dem Zuge nach Rom, dessen wir an anderm Orte gedenken werden, brachte er die Kaiserin Eudoxia und deren Töchter, Eudokia und Placidia, als Gefangene mit und vermählte Eudokia, die väterlicher- und mütterlicherseits von Theodosius dem Großen abstammte, seinem Sohne HunerichNach Prokop (I, 5, p. 332), nach Idatius zum J. 6 Majorians, seinem jungem Sohne Gento, was jedoch irrig ist; s. Dahn, Könige I, S. 157., während er deren Mutter und Schwester im Jahre 462 (Idatius, p. 6) nach Konstantinopel sandte (d. h. entließ. D.). Nun bot ihm die Forderung einer Mitgift für seine Schwiegertochter, so wie des von Aëtius – dessen Sohn Gaudentius er ebenfalls gefangen aus Rom mitgebracht hatte – hinterlassenen Vermögens den Vorwand, der wachsende Verfall des Reiches aber die Füglichkeit dar, dasselbe plündernd und erobernd heimzusuchen. Nach Victors Vitensis, des Zeitgenossen, unzweifelhaftem Zeugnisse (I, p. 5) brachte er von da ab bis zu seinem Tode nicht nur das ganze noch römische Afrika, sondern auch Sizilien, Sardinien, Korsika, die Balearen und alle kleineren Inseln in seinen Besitz, während es nach Prokop (I, 5, p. 335) scheinen könnte, als habe er nur jährliche Verheerungszüge dahin wie gegen die italischen Küsten gerichtet. Nachdem der Westen durch Raubfahrten ziemlich erschöpft gewesen sein mag, wurden der Osten: Illyrien, Griechenland und dessen Inseln, deren Ziel.

In Byzanz aber saß in Kaiser Leo ein kräftiger Mann auf dem Throne, der mit dem Erzpiraten ein Ende zu machen entschlossen war. In den Jahren 467 und 468 ward im Einvernehmen mit dem weströmischen Kaiser Anthemius ein großartiger Angriff kombiniert. Von Ägypten aus marschierte Heraclius nach Tripolis, dessen er sich ohne Schwierigkeit bemächtigte. Von Dalmatien aus segelte der tapfere Marcellin, den wir später kennen lernen werden, nach Sardinien und vertrieb die Vandalen aus der Insel. Gegen Afrika aber entsandte Leo eine ungeheuere, mit unsäglicher Anstrengung und einem Aufwande von hundertundsiebzehn Millionen MarkProkop sagt p. 335 1300 Centenarien, oder 130 000 Pfd. Goldes. Wir halten diese Zahl aber doch für übertrieben. Das römische Pfund, nach Böckh 327,47 Gramm, würde heute einen Silberwert von nahe 900 Mark haben, genau 899 Mark 19 Pf. Da aber das Gold sich in jener Zeit nur wie 1 zu 14,4 zum Silberwert verhielt, jetzt aber ungefähr wie 1 zu 15,5, so würde der damalige Silberwert gedachter Summe nur etwas über 108 Millionen Mark betragen haben. zusammengebrachte Armada unter dem Befehl des Basiliscus, des Bruders seiner Gemahlin. Glücklich landete dieser nur 4½ Meilen weit von Karthago. Da heuchelte der verschlagene Gaiserich Unterwerfung und bat nur um fünf Tage Frist zur Unterhandlung, die ihm auch (das Gerücht sprach von Bestechung) törichter Weise bewilligt ward. Plötzlich schlägt der Wind gegen die römische Flotte um, worauf der König diese sofort (wohl bei Nacht D.) mit der seinigen im Geleit zahlreicher Brander angreift.

Diese, scharf gegen die feindlichen Schiffe getrieben, setzen Alles in Flammen; der Angriff der Vandalen gegen die noch nicht brennenden Galeeren vermehrt die Verwirrung, so daß diese mit der Zerstörung mindestens des allergrößten Teils der Flotte endigt: nur wenige Fahrzeuge mögen nach Sizilien entkommen sein. (Prokop I, p. 337–339)

Auffällig erscheint hierbei das Verhalten des Landheeres, das doch unzweifelhaft an Bord war, bei der Schlacht aber noch nicht ausgeschifft gewesen sein kannDer Angriff traf wohl zugleich Flotte und Lager der bereits teilweise ausgeschifften Truppen; s. Dahn, Könige I, S. 158. Urgeschichte I, S. 170, weil es sonst entweder gegen das nahe Karthago vorrücken oder gefangen werden mußte, wovon weder das Eine noch das andere erwähnt wird, obwohl das lange Zurückhalten der Truppen an Bord eben so unbegreiflich erscheint.

So scheiterte durch des Führers Untüchtigkeit diese für unüberwindlich gehaltene Armada, wie in späterer Zeit durch die Elemente die Philipps II.

Sardinien und Tripolis mag Gaiserich bald wieder genommen und ebenso seine Raubzüge gegen Rom und Byzanz fortgesetzt haben. Am Abend seines Lebens sah er im Jahre 476 noch den Sturz der von ihm so hart bedrängten Roma, erneuerte aber sogleich den schon vorher mit dem letzten Kaiser Romulus Augustulus durch dessen Vater Orestes abgeschlossenen Frieden mit dem neuen Germanenherrscher Odovakar, indem er ihm das für Italien so wichtige Sizilien, mit Ausnahme des festen Lylibäum an dessen Südwestspitze, gegen jährlichen Tribut abtrat, worauf bald auch ein »immerwährender« Friede mit Zeno, dem Kaiser des Ostreichs, folgte.Historia Hiscella XVI; Prokop I, 7, p. 343; Dahn, Könige I, S. 159.

Am 24. Januar 477 verschied, nach mehr als fünfzigjähriger Regierung, der gewaltige Mann.

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