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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 65
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
sendergerd.bouillon
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Nachdem mit Alarich Friede geschlossen war, eilte Stilicho, um mit dem Heer aufzubrechenWohin, sagt Zosimus nicht. Daß er, nachdem Alarich einerseits mit dem Heere bereits bis Italien, andrerseits der Usurpator in Gallien bis in die Nähe der Alpen vorgerückt war, damals noch einen Streich gegen das Ostreich habe ausführen wollen, ist (gewiß D.) höchst unwahrscheinlich. Zunächst galt es wohl nur persönliche Verhandlung mit Alarich über das zu Beginnende., nach Ravenna. Da kreuzte ihn des Kaisers Entschluß, zur Musterung und freundlichen Begrüßung der Truppen selbst dahin zu gehen. Das soll ihm Serena, welche den Hof und sich selbst, wegen Alarichs immer noch besorglicher Nähe, nur dort hinlänglich gesichert glaubte, eingegeben haben; wir vermuten aber, daß auch dabei Olympius unter der Hand im Spiele war. Stilicho bot alles auf, den Kaiser davon abzubringen, ließ (? D.) sogar, um ihn abzuschrecken, durch Sarus die vor Ravenna versammelten Truppen zu einem Tumulte aufregen. Vergebens: Honorius beharrte – deutlicher Beweis, wie sehr schon des Feldherrn Herrschaft über ihn gesunken war.

Da durchschaute ein vertrauter Freund und Ratgeber Stilichos, Justinian, die Intrige, und drang darauf, daß er den Kaiser an seinem Vorhaben nicht behindere, weil er eine weit größere Gefahr für ihn darin erblicke, wenn sich Honorius zu den bei Pavia versammelten, Stilicho abgeneigten Truppen begebe.Des Zosimus Bericht, Kap. 30, ist hier, seinem Wortlaute nach, völlig unlogisch. Der Kaiser will nach Ravenna, Stilicho aber dies verhindern. Darauf fährt er also fort: ’Ιουστινιανὸς etc. υπὸ τη̃ς άγαν αγχινοίας φαίνεται τὰ τη̃ς οδου̃ τεκμαιρόμενος, καὶ ως αλλοτρίως έχοντες πρὸς Στιλιχω̃να οι εν τω̃ Τικήνω στρατιω̃ται του̃ βασιλέως επισημήσαντος εις τὸν έσχατον αυτὸν καταστήσουσι κίνδυνον, διετέλει τε παραινω̃ν εκστη̃ναι τὸν βασιλέα τη̃ς τοιαύτης ορμη̃ς.

In dieser Stelle können sich die Worte: τη̃ς οδου̃ nur auf die Reise nach Ravenna beziehen, von der allein vorher die Rede ist, während sich der Grund der Gefahr der Reise nur auf die nach Ticinum (Pavia) beziehen kann.

Hiernach muß daher bei Zosimus entweder ein Mißverständnis seiner Quelle oder Verstümmelung des Textes vorliegen.

Unsre Ansicht ist folgende. Bei Pavia standen hauptsächlich römische Legionen, bei Ravenna fremde Truppen. Die bei erstern jederzeit herrschende Eifersucht gegen die Barbaren, die ja Gratian das Leben kostete, mag durch Olympius geschickt genährt worden sein. Darum hielt es Justinian für klüger, daß der Kaiser, wenn man ihn einmal nicht in Rom zurückhalten könne, lieber nach Ravenna gehe, als nach Pavia und am erstern Orte möglichst fest gehalten werde, worauf Stilicho aber nicht hörte.

Warum jedoch, wird man einwenden, lenkte Olympius den Kaiser nach Ravenna und nicht sofort nach Pavia, wo die Mine vorbereitet war? Mutmaßlich, weil der Versuch, durch den Aufstand eines Heeres Stilicho an der Spitze eines andern zu stürzen, immer noch ein Wagnis war, Olympius daher vielleicht auch bei dem zu Ravenna seine Umtriebe versuchen wollte. Da aber der Kaiser schließlich gar nicht nach Ravenna, sondern nach Bologna ging, also von Ariminum aus die Via Flaminia verließ und die nach der Lombardei führende Via Aemilia einschlug, so kann auch das ganze Drängen nach Ravenna nur ein Kunstgriff gewesen sein, um Stilichos Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Ziele und Zwecke der Reise abzulenken.

Seine Warnung fand kein Gehör, worauf Justinian von seines bisherigen Gönners Sache, aus Furcht, mit ihm selbst zu fallen, sich lossagte. (Zosim. V, 30.)

Honorius war bereits in der Nähe von Ravenna, als er sich, vom Wege dahin ablenkend, nach Bologna begab, woselbst ihn die sichere Nachricht von des Arcadius Tod erreichte. Dahin berief er Stilicho, sowohl zur Beratung als um die Soldaten seiner Eskorte, die auf dem Marsch in Händel mit einander geraten waren, zu bestrafen. Der Feldherr kündigte ihnen an, daß der Kaiser Dezimierung befohlen, versprach ihnen aber, als sie mit Tränen um Gnade baten, Verzeihung für sie auszuwirken, welche er auch erlangte.

Darüber mit Stilicho einverstanden, daß des Arcadius Tod die Pflicht auferlege, die Herrschaft des unmündigen Theodosius II., dessen natürlicher Vormund der Oheim Honorius war, zu sichern und zu ordnen, wollte nun der Kaiser in Person nach Konstantinopel gehen: dies widerriet Stilicho auf das Dringendste, die großen Kosten, und die Gefahr, Italien zu verlassen, während von Gallien her der Rebell Constantin, von Noricum aus der immer noch unzuverlässige Alarich drohe, hervorhebend. Da erscheine das Zweckmäßigste, daß Alarich, durch ein römisches Heer verstärkt, wider Constantin nach Gallien gesandt, er selbst aber vom Kaiser mit Ordnung der orientalischen Angelegenheit beauftragt werde. Ein in seinem ersten Teile wenigstens höchst weiser Plan, der wahrscheinlich zwar die Herrschaft der Westgoten in Gallien früher als später doch geschah – aber nur als mittelbare, Roms Souveränität mehr noch als später der Fall war aufrecht erhaltende – herbeigeführt, die bald darauf folgende Eroberung Italiens und Roms selbst durch Alarich aber abgewendet haben würde.

Auch billigte der Kaiser diese Vorschläge und reiste auf dem Wege nach Mailand ab: Stilicho aber tat nichts zur Ausführung, zog nicht einmal die bei Pavia stehenden Truppen zu sich heran, aus Furcht, daß durch deren Zusammentreffen mit Honorius ein ihm feindlicher Anschlag hervorgerufen werde.

Jetzt war der Augenblick gekommen, da Olympius die längst angelegte Mine zündete. Seinem schwachen Herrn vorspiegelnd, daß Stilicho nur um deswillen nach dem Orient dränge, um den jungen Theodosius zu beseitigen und seinen eignen Sohn Eucherius auf den Thron zu erheben, führte er ihn seitab zur Armee nach Pavia (Ticinum). Hier bearbeitete er nun, unter dem Vorwande, die Kranken zu besuchen, die gewiß schon durch seine Werkzeuge vorbereiteten Gemüter der Soldaten(Und zwar waren es die Nicht-Germanen, welche gegen Stilicho und dessen Stützen, die germanischen Söldner, ohnehin erbittert, am Leichtesten gegen den »Vandalen« zu empören waren. D.), sicherlich auch das Gold dafür nicht sparend.

Am vierten Tage nach seiner Ankunft berief Honorius das Heer und forderte dasselbe zum Feldzuge wider Constantin auf. Da begann Olympius, geschickt an die geheime Abrede mahnend, zu den Truppen zu sprechen. Sofort entbrannte ein wütender Aufstand, der sich zunächst gegen die höchsten Würdenträger, Gardebefehlshaber, Präfecti Prätorio, den Magister der Offizien, Quästor u. a. m. richtete, welche unstreitig als Stilichos Anhänger bezeichnet worden waren. Sie alle wurden niedergestoßen, ja die einmal losgelassene Furie schritt zu allgemeinerem Morden und Plündern, welchem Honorius, nach abgelegtem Kaisergewande sich in Person unter die Rasenden mischend, kaum Einhalt zu tun vermochte.

Durch die Kunde entsetzt berief Stilicho sogleich alle Führer der »Barbaren« und Föderierten zu einem Kriegsrate, der einstimmig der Meinung war, die Truppen sofort gegen das »römische« Heer zu führen, um den Kaiser, den das Gerücht ebenfalls ermordet gesagt, zu rächen, oder mindestens, wenn dieser noch lebe, die Anstifter des Aufstands zu bestrafen. Als aber jenes Gerücht widerlegt ward, gab Stilicho, die schwankende Gesinnung des Kaisers gegen ihn nun erkennend, teils aus Furcht vor der militärischen Schwierigkeit dem starken Heere des Honorius gegenüber, teils aus Scheu (? D.) vor der Impietät eines Barbarenangriffs auf Römer, jenen Plan wieder auf, und beschloß nach Ravenna zu gehen. (Zosim. c. 33.)

Noch einmal bestanden, aber vergeblich, die anwesenden Generale der »fremden« (d. h. meistenteils germanischen D.) Truppen auf Vollführung ihres Rats, beschlossen aber, da sie den Feldherrn nicht zu überzeugen vermochten, des Kaisers Entscheidung zu erwarten; nur Sarus, der durch Kraft und Rang hervorragendste unter ihnen, drang noch zu einer letzten Anstrengung gewaltsam in der Nacht in Stilichos Zelt(Doch wohl vielmehr in feindlicher Absicht. D.), in dem er dessen abwehrende hunnische Leibwächter niederstoßen ließ.Gibbon (Kap. 30 vor Note 106) erblickt darin einen Mordversuch des Sarus wider Stilicho, welchem Letzterer entronnen sei; es ist jedoch, da Sarus von Zosimus kurz vorher, Kap. 30, als das vertrauteste Werkzeug Stilichos geschildert wird, derselbe auch nach dessen Tod nicht begünstigt, sondern zurückgesetzt ward (Zosimus, Kap. 36), nicht gerade sehr wahrscheinlich. (? D.)

Der Unglückliche, von seiner alten Kraft verlassen, ging nach Ravenna in sein Verderben.

Da langte von Olympius, der schon den Kaiser ganz beherrschte, ein Befehl zu Stilichos Verhaftung daselbst an, welchem dieser sich durch nächtliche Flucht in eine Kirche entzog. Mit Tagesanbruch drangen die Soldaten hinein: ihr Führer Herculian, in welchem Olympius einen »Buttler« gefunden hatte, beteuerte vor dem Bischof eidlich, daß der Kaiser nicht Stilichos Tötung, sondern nur dessen anständige Verwahrung befohlen habe: vor dem Tor aber, wohin ihm der Feldherr folgte, zog er sogleich ein zweites Rescript hervor, das Todesstrafe wegen Hochverrats über ihn verhängte.

Die anwesenden Fremdsoldaten (wohl Germanen D.) und Stilichos zahlreiche Diener und Freunde wollten ihn mit Gewalt befreien, er selbst aber hielt sie durch Vorhaltung der schreckenden Folgen für sie davon ab, und bot so gewissermaßen freiwillig sein Haupt dem Todesstreiche dar.

Also fiel am 22. Aug. 408 (Zosim. V, 34 am Schluß) der Held, der unwillkürlich an Wallenstein und dessen Ende erinnert.

Verschieden lautet, je nachdem er Eunapius oder Olympiodor nachschreibt, des Zosimus Urteil, da er ihn nach des Theodosius Tod (V, 1) an schamloser Bereicherungssucht Rufinus gleichstellt, nach seinem Sturz aber (V, 34) für den »maßvollsten«, d. h. wohl: rechtschaffenstenμετριώτερος. aller Gewalthaber jener Zeit erklärt, da man während dessen dreiundzwanzigjähriger Amtsführung als Heerführer keine Unredlichkeit an ihm wahrgenommen habe. Die Deutung liegt nahe. Eunapius, der sein Werk vor Stilichos Tode schloß, schrieb im fernen Asien und folgte der Tagesrede im Orient, die, an sich verleumderisch, demselben insbesondere gehässig war. Olympiodor kann, obwohl aus Theben in Ägypten gebürtig, nur die Geschichte des Westreichs geschrieben haben, weil sich von den zwanzig Seiten seiner Fragmente keines auf das östliche bezieht, lebte daher wohl in ersterm und war Zeuge des öffentlichen nach dem Sturz eines großen Mannes durch einen Buben stets zur Milde gestimmten Urteils.

Gleichwohl ist Stilicho, besonders im Beginn seiner Laufhahn, von Eigennutz, dem Erbfehler aller römischen Großen, schwerlich frei gewesen. Sonder Zweifel war er auch voll Ehrgeiz und Herrschsucht, ja sein Verhalten gegen Alarich nicht ohne Selbstsucht, wenn auch mit dem politischen Gedanken, zugleich ein dem Reiche nützliches Werkzeug gegen die verhaßten und haßerfüllten Herrscher des Ostens in ihm zu gewinnen (und eine Stütze für das Reich, in einer Stütze für sich selbst D.). An Hochverrat aber hat er sicherlich nie gedacht: ja wir zweifeln nicht, daß treue Anhänglichkeit an den ihm dreifach verschwägerten Kaiser in seiner Seele lebte. Selbst seine auffallende Schwäche im Sturze beweist, daß er nicht den Willen, daher auch nicht den Mut des Verbrechens hatte. Was anders namentlich als das Gefühl römischer Ehre und Würde konnte ihn abhalten (seine Barbaren gegen Pavia zu führen oder gar D.) sich schließlich mit den ihm noch treuen Truppen in Alarichs Arme zu werfen, der ihm unzweifelhaft ergeben war?

Eine Macht von solcher Größe und Dauer hat nie der Diener eines römischen Kaisers, weder vor noch nach ihm, besessen: vielleicht aber auch keiner gleiches Verdienst. Stilicho wahrlich war ein großer Mann als Politiker und Feldherr, in letzterer Hinsicht bewundernswürdiger vielleicht noch als Stratege, besonders in der Kunst, den Feind einzuschließen, denn als Held im Kampf, obwohl auch darin, wenn wir Claudian trauen dürfen, bei Pollentia glänzend.

Selbstredend ergoß sich nach Stilichos Tode nicht nur das Gift der Verleumdung über den Gefallenen, sondern auch das furchtbare Spiel der Majestätsprozesse und Folter über dessen Anhänger und Freunde. Doch konnten selbst die härtesten Qualen nach Zosimus (c. 35) kein demselben nachteiliges Geständnis erpressen. Gleichwohl hatte die offizielle und offiziöse Stimme, jedes freie Urteil einschüchternd, Macht genug, den Glauben an dessen Schuld in die fernen Lande zu verbreiten, wo Hieronymus, Philostorgius und Orosius schrieben, wozu bei den Theologen das (wiewohl von keiner dafür angeführten Tatsache unterstützte) Gerücht, Eucherius, dessen Sohn, habe das Heidentum wieder einführen wollen, nicht wenig beigetragen haben mag. Die neuere Geschichtsforschung ist übereinstimmend gerechter.Selbst Tillemont, der sich sonst jeder kirchlichen Autorität fast blind unterwirft, ist diesmal unbefangen genug, seine Zweifel gegen letztere nicht zu unterdrücken. (S. V, 3, Art. 30, S. 1209 der Brüss. Ausg.)

Bessern Erfolg als die Untersuchung hatte die Beraubung, die auf des Kaisers Befehl sogar auf das Vermögen aller derer erstreckt werden sollte, die unter Stilichos Herrschaft Ämter (doch wohl nur höhere) erlangt hatten.

Für den Staat aber war das Unheilvollste die Entfesselung der römischen Soldateska, welche, von Haß gegen das ganze Barbarentum aufgestachelt, ihre Wut an den in den Städten gewissermaßen als Geiseln untergebrachten Familien der fremden Soldaten ausließ und diese schonungslos beraubte und mordete. Über den scheußlichen Treubruch empört rotteten sich deren Männer und Angehörige zusammen und gingen, mehr denn 30 000 an der Zahl, zu Alarich über, mit diesem gegen Rom zu ziehen.

Alarich verdammte laut, doch vielleicht nicht ohne ein gemischtes Gefühl, Stilichos Mord, wollte aber gleichwohl den mit diesem geschlossenen Vertrag halten, sandte daher Abgeordnete, welche eine mäßige Summe Geldes – wahrscheinlich den Rückstand der bedungenen Zahlung –, zugleich aber nunmehr auch die Gestellung von Geiseln (darunter den jungen Aëtius) forderten, wozu er auch seinerseits bereit sei. Unter diesen Bedingungen wollte er aus NoricumAemona, wohin derselbe gezogen war, lag in der schmalen Spitze Pannoniens, die sich an der obern Save zwischen Noricum und Pannonien hineinschob. Von hier aus mag er sich aber über Noricum verbreitet und nur Italien verschont haben. nach Pannonien abziehen.

Da hatte sich der Kaiser zwischen Krieg oder Frieden zu entscheiden, entweder erstern, zu dessen Führung nur Sarus, Alarichs persönlicher Feind, geeignet war, mit Aufgebot aller Kraft zu beginnen oder letzteren mit so geringem Opfer zu erkaufen.

Er aber verweigerte den Frieden und tat nichts für den Krieg, indem der zum Magister der Offizien ernannte Olympius, auf den er sich einzig verließ, die vom Feinde verachtetsten Männer zu Heerführern bestellte.

Solche Gegner verlachend marschierte Alarich sogleich auf Rom, ohne seiner Frau Bruder Ataulf, der mit gotischem und hunnischem Volk im obern Pannonien stand, abzuwarten, obwohl er ihn zur Teilnahme berufen hatte. Er zog an den festen Plätzen, namentlich auch Aquileja, vorbeiGibbon meint c. 31 vor Note 4, er habe die festen Plätze, die sich ihm auf Diskretion ergaben, geplündert. Es ist aber fast undenkbar, daß sich diese nicht in eigenem Interesse verteidigt haben sollten, und des Zosimus κατατρέχει ist hier offenbar nur von verheerendem Vorüberziehen zu verstehen., zuerst den Po hinauf, überschritt diesen hinter Cremona und ging sodann auf der ämilischen Straße weiter, von Ariminum aber, um Ravenna sich nicht bekümmernd, direkt gegen Rom, ohne dabei irgendwie auf Widerstand zu stoßen, wobei er auf der letzten Strecke jedoch auch Kastelle und Städte am Wege einnahm und verheerte. Auf diesem hätte er beinahe Eucherius, der nach Ravenna gebracht werden sollte, befreit, wenn die transportierenden Eunuchen denselben nicht nach Rom zurückgeführt und daselbst befohlener Massen getötet hätten. (Zosim. 2, 37.)

Im Spätjahre 408 angelangt vor Rom, dessen Mauern unlängst hergestellt und verstärkt worden waren, zog Alarich den sichern Weg der Blockade und Aushungerung, wozu er sich vor allem des Tibers bemächtigte, dem Sturmangriff vor. Vergebens ward auf Beschluß des Senats und der kaiserlichen Schwester Placidia die unglückliche Serena, von der man Einverständnis mit Alarich fürchtete, getötet.

Der König ließ nicht ab: und die Not der Stadtbevölkerung stieg immer höher. Man griff zu den ekelhaftesten Nahrungsmitteln; das förderte die Seuche, die wiederum durch den Verwesungsgeruch der Leichname, welche nicht außerhalb der Stadt bestattet werden konnten, gesteigert wurde. Ausfälle wagte man eben so wenig als Honorius den Versuch des Entsatzes, auf den die heiße Sehnsucht der Belagerten gerichtet war.

Als Hunger und Graus den höchsten Gipfel erreicht hatten, ward Ergebung unter billigen Bedingungen angeboten, aber mit der hinzugefügten Erklärung, daß das bewaffnete und exerzierte Volk im schlimmsten Falle zum Verzweifelungskampfe bereit sei. Auf Letzteres erwiderte Alarich den Sendboten lachend: »Je dichter das Heu, je leichter das Mähen« und verlangte als Kapitulationsbedingung alles Gold und Silber, alle Sklaven barbarischer Abkunft und was sich an Hausgerät finde. Das war doch zu hart. Da nun aber auch der Gedanke, durch Rückkehr zu den alten Göttern und heidnischen Zeremonien Rettung zu suchenOb es wahr ist, wie Zosimus sagt, daß Innocentius, der Bischof von Rom, insgeheim seine Einwilligung dazu gegeben habe, lassen wir dahingestellt sein., fehlschlug (der Senat war doch nicht gewillt, durch öffentliche Opfer auf dem Kapitol und jedem Forum der Stadt, wie dies gefordert ward, seinen Glauben zu beflecken), legte man sich wieder auf das Bitten. So ward denn endlich gegen Lieferung von 5000 Pfund Goldes, 30 000 Pfund Silbers, 3000 dergleichen Pfeffer, 4000 Stück seidener Gewänder und 3000 purpurgefärbter Felleδέρματα. Wie Gibbon c. 31 vor Note 79 und Aschbach S. 84 dies durch Tuche übersetzen können, ist nicht zu begreifen. die Aufhebung der Blockade erlangt.

Das Geforderte ward teils gewaltsam von den Reichen, teils aus den Tempelschätzen, selbst durch Einschmelzung von Götterbildern aus edlem Metall, aufgebracht. (Zosimus c. 38–41.)

Sogleich nach erfolgter Zahlung gab Alarich den Markt vor einigen Toren und die Zufuhr auf dem Tiber frei und zog mit dem Heere nach Tuscien ab, wobei aber an 40 000 Sklaven, ihren Herren entlaufend, sich ihm anschlossen. Frevel, welche einige seiner Leute durch räuberischen Angriff auf Römer, die sich verproviantierten, verübten, verbot und bestrafte er auf das Strengste. Dies geschah um Neujahr 409, als Honorius sein achtes Konsulat zu Ravenna antrat.

Noch bedurfte es des Friedens mit dem Kaiser, wofür Alarich außer GeldSollte dies nicht bloß der Rest der Rom auferlegten Kontribution gewesen sein? auch Gestellung edler Geiseln forderte, dagegen aber ein Waffenbündnis wider alle Feinde Roms zusagte.

Honorius genehmigte zwar den Vertrag und erfüllte die Zahlung, nicht aber die Sendung von Geiseln und einiges andere.

Auch Abgeordnete des Senats richteten nichts aus, da Olympius sich fortwährend nur noch mit Verfolgung von Stilichos Anhängern beschäftigte. (Zosim. c. 42 u. 44.)

Da gefiel es Honorius, 6000 seiner tapfersten Truppen, Dalmatier, als Garnison nach Rom zu schicken, die aber, weil deren Führer Valens den einfältigen Stolz hatte, den Goten nicht ausweichen zu wollen, Alarich in die Hände fielen und bis auf etwa hundert Mann, die nebst Valens entflohen, insgesamt gefangen oder niedergehauen wurden.

Unwillig verbot der Gotenkönig nun den Römern, aus der Stadt zu gehen, worauf diese in der Angst eine neue Gesandtschaft an den Kaiser abordneten, welcher sich, unter gotischer Eskorte, der Bischof von Rom anschloß.

Um dieselbe Zeit kam Ataulf zur Vereinigung mit Alarich in Italien an, wo ihn der Kaiser durch weit überlegene Streitkräfte auf dem Marsche angreifen und ihm 1100 Goten töten ließ, während die Römer (wohl übertrieben) nur siebzehn Mann verloren haben sollen, (Zosim. c. 45.)

Welch eine Politik! Die von einem furchtbaren, aber redlichen Feinde dargebotene Friedenshand unbeugsam zurückweisen, ihn anzugreifen weder Mut noch Macht, denselben aber doch durch Neckereien reizen. Das war des Wahnsinns zu viel. Die am Hofe gewaltigen Eunuchen drangen auf des Olympius Absetzung, worauf dieser aus Furcht vor Schlimmerem nach Dalmatien entfloh.

Gegen dessen militärische Kreaturen erhob sich nun auch ein Soldatenaufstand zu Ravenna, der nur dadurch gestillt werden konnte, daß einer der von jenem ernannten Magistri militum und der Befehlshaber der Leibwachen getötet, überdies auch der Oberkammerherr Terentius (und dessen Nächster im Range) verbannt wurden. Die oberste Gewalt am Hofe ging nun auf den Präfectus Prätorio Jovius über. Zum obersten Militärbefehlshaber jenseits der Alpen mit Noricum und Rätien aber ward der durch Tapferkeit und unbestechliche Redlichkeit gleich ausgezeichnete noch heidnische Germane Generid ernannt. Dies sollte, weil kurz zuvor die Anstellung von Heiden in höhern Ämtern verboten worden war, dispensationsweise geschehen. Da derselbe aber jede persönliche Begünstigung entschieden ablehnte, sah sich der Kaiser das ganze Gesetz wieder aufzugeben genötigt. (Zosim. c. 46 u. 47. Vergl. c. 36 a. Schl.)

Nun erkannte man endlich die Notwendigkeit eines Friedensschlusses, wozu Alarich in die Nähe von Ravenna eingeladen ward.

Dieser forderte eine jährliche Geld- und Getreideleistung sowie die Überlassung von Venetien, Noricum und Dalmatien. Jovius, der römische Abgeordnete, seit längerer Zeit mit ihm persönlich bekannt, berichtete aber dem Kaiser, er hoffe billigere Bedingungen zu erlangen, wenn Alarich zum Magister militum beider Waffen ernannt würde, worauf Honorius töricht erwiderte, er wolle zwar Geld und Getreide, niemals aber Alarich oder einem seiner Landsgenossen jenen Rang bewilligen. Dies Rescript erbricht Jovius in Alarichs Gegenwart und liest es laut vor, worauf dieser, über den ihm und seinem Volke durch die Weigerung angetanen Schimpf heftig erzürnt, sofort nach Rom aufbricht.

Jovius, unstreitig vor dem Vorwurfe zu großer Willfährigkeit gegen Alarich sich fürchtend, reizt Honorius zum Krieg und zu eidlicher Bekräftigung dieses Beschlusses auf, indem er und die übrigen Würdenträger gleichen Schwur: »ewiger Krieg gegen Alarich und die Goten!« auf des Kaisers Haupt ablegen.

Indes in Ravenna zum Kriege gerüstet und dazu eine Schar von 10 000 Hunnen in Sold genommen wird, kommt Alarich von seiner Aufwallung zurück und läßt Honorius durch abgeordnete Bischöfe eröffnen, er möge doch nicht durch eigne Schuld die Stadt, welche über ein Jahrtausend lang die Welt beherrscht habe, den Barbaren zur Plünderung und den Flammen zur Verzehrung Preis geben, sondern billigen Frieden schließen.

Dafür verlange er nun nichts weiter als Noricum, kein Geld, und nur so viel an jährlichem Getreide, als er selbst genügend erachte.

Dieser edlen Mäßigung setzen nun Honorius und die Übrigen den Vorwand jenes Eidschwurs entgegen, bemerkend, wie Zosimus hinzufügt, wenn sie nur Gott geschworen, könne die göttliche Gnade vielleicht den Bruch vergeben, ein Eid auf des Kaisers Haupt aber sei unverletzlich. (Zosimus c. 48–51, womit dessen fünftes Buch schließt.)

Alarich berennt nun wiederum die Stadt, droht Erstürmung, wenn man sich nicht mit ihm wider Honorius vereinige, was zuerst verweigert, nachdem sich jener aber noch des Hafens mit allen Getreidevorräten bemächtigt hat, endlich doch in der Art bewilligt wird, daß der Senat auf dessen Geheiß im Jahr 409 (Prosper Aquit.) des Honorius Absetzung und die Erhebung des Stadtpräfekten Attalus zum Kaiser ausspricht, der nun neue Würdenträger und darunter Alarich selbst zu einem der beiden Magistri militum, dessen Schwager Ataulf aber zum Befehlshaber der Leibwache zu Pferde bestellt.

Wäre noch ein Zweifel möglich, daß der Gotenkönig von tiefer Ehrfurcht – müssen wir sagen – für Rom und römisches Wesen erfüllt war, so müßte derselbe hiernach schwinden. Er hielt sein Volk noch nicht für reif, mit diesem, worauf doch seine Kraft beruhte, an eines solchen Staates Spitze zu treten, wollte daher lieber der Diener eines Kaisers werden, der seine eigne Kreatur war, als was so ehrwürdig und groß war, zertrümmern, ohne es wieder aufbauen zu können.Vergl. aber auch Dahn, Urgeschichte I, S. 346.

Umgekehrt tauchte in Attalus, der doch eigentlich nichts als ein Werkzeug in der Hand des Goten war, sofort der ganze Römerstolz wider Barbaren auf.

Das Dringendste war, sich sofort Afrika, worauf die ganze Getreideversorgung der Stadt beruhte, zu unterwerfen, wofür Alarich ein gotisches Korps zur Verfügung stellte. Dies lehnte Attalus aber ab, sandte vielmehr nur einen neuen Gouverneur mit unzulänglicher Streitkraft dahin ab und zog nun sofort wider Honorius gen Ravenna.

Entsetzt bot dieser dem neuen Kollegen die Teilung des Reiches an, was Letzterer durch die Erklärung erwiderte, ihm nur unter Verbannung auf eine Insel und an einem Teile seines Körpers verstümmelt das Leben lassen zu wollen.Zosimus VI, 8, p. 324 d. Bonn. Ausg. erwähnt hier des Jovius, als des Attalus Abgeordneten, während Olympiodor Jovianus als des Honorius Sendboten nennt.

Schon wollte Honorius mit der Flotte nach Konstantinopel entfliehen, als die Ankunft von 4000 Mann aus dem Orient seinen Mut belebte, so daß er zuerst Nachrichten aus Afrika zu erwarten beschloß.Über die nun folgenden Ereignisse stimmen Zosimus, Sozomenos IX, 8 und Olympiodor nicht genau überein. Nach Zosimus und Olympiodor soll Jovius (oder Jovianus) dabei eine große Rolle gespielt, bald Alarich gegen Attalus aufgereizt, bald wieder für Honorius gewirkt haben. Wir beschränken uns auf das Unzweifelhafte.

Diese ergaben, daß Heraklian, Stilichos Mörder, den für ihn von Attalus bestimmten Ersatzmann getötet habe, worauf Attalus nichts desto weniger, zu Alarichs größtem Unwillen, einen zweiten unzulänglichen Versuch gleicher Art machte. Gleichwohl blieb der König demselben noch treu und zwang alle Städte der Provinzen Aemilia und Liguria, mit Ausnahme Bolognas, das er mehrere Tage lang vergeblich belagerte, sich zu unterwerfen.

Inmittelst hatte Heraklian durch Sperrung der Zufuhr Rom wieder in die höchste Bedrängnis versetzt. Nun erkannte die Mehrheit des Senats endlich, daß dessen Widerstand nur durch ein Gotenheer zu überwinden sei. Auch diesmal aber widersetzte sich, von Wenigen unterstützt, Attalus mit einer Hartnäckigkeit, die man, weil einem bessern Gefühle entsprungen, edel nennen könnte, wenn sie nicht zu einfältig gewesen wäre.

Da riß Alarich die Geduld; vor versammeltem Heere bei Ariminum entkleidete er im Jahre 410, anscheinend Ende Januar, Attalus des Purpurs, den er Honorius übersandte, vergönnte aber dem Abgesetzten und dessen Söhnen Schutz in seinem Heer.

Alarich, der damals, wohl schon von der ersten Kapitulation Roms her, des Kaisers Schwester Placidia gewissermaßen als Geisel, jedoch in fürstlichen Ehren, bei sich hatte, wollte fortwährend nichts anderes als einen festen Frieden, der jedoch durch einen unklar und verschieden berichteten Zwischenfall vereitelt ward. Der schon erwähnte Sarus war Alarichs und Ataulfs Todfeind; ob aus altem Hasse oder, was uns wahrscheinlicher (? D.) dünkt, weil er im ersten italienischen Kriege von Alarich zu Stilicho übergegangen war, wissen wir nicht.

Sarus hatte sich bisher mit einem mäßigen Gefolg auf eigne Faust umherziehend von Parteinahme fern gehalten, erklärte sich aber nun für Honorius, der ihn willig aufnahm, was nach Olympiodor (p. 449) Alarich auf das Heftigste wider Letztern erbitterte. (Zosim. VI, 6–13. Sozomenos IX, c. 6–9. Olympiodor, p. 449 u. 431 und Orosius VII, 42.)

Mit dieser Nachricht schließt das letzte Kapitel von des Zosimus letztem Buche, da der Rest von dessen Werk uns leider verloren ist (s. d. Vorrede der Bonner Ausg. XXVII u. XXVIII), ein um so unersetzlicherer Verlust, da gerade die Geschichte der letzten Zeit dessen Glanzpunkt ist, ja diejenige der Ereignisse vom Jahre 406 an im Wesentlichen geradezu als der beste Teil seines Werkes bezeichnet werden kann. Daß er dafür Olympiodor benutzt, ist nicht zu bezweifeln, doch haben wir unter dessen Fragmenten nur ein einziges p. 450, Z. 17, gefunden, das eine, wenn auch nicht wörtliche Übereinstimmung mit Zosimus (VI, 2) ergibt. Doch sind des Photius Extrakte aus Ersterem viel zu mangelhaft, daraus mit Sicherheit auf das Original schließen zu lassen. Auch Sozomenos übrigens muß Zosimus vor sich gehabtNach der uns erst später zugekommenen trefflichen Abhandlung von Rosenstein über das Verhältnis zwischen Olympiodor, Zosimus und Sozomenos (Forschungen zur D. Gesch. ed. die historische Commission d. Baier. Akad. d. W., Göttingen 1861, I, 2, S. 167) ist dies in sofern nicht richtig, als auch Sozomenos aus Olympiodor geschöpft, Zosimus und Sozomenos also nur dieselbe Quelle benutzt haben., wahrscheinlich aber auch noch anderer guter Quellen nicht entbehrt haben.

Durch des Attalus Entsetzung lebte überall, wo er Anerkennung gefunden, des Honorius Herrschaft sofort wieder auf, was derselbe, nach Sozomenos (IX, 8), durch Bestätigung aller von jenem ernannten Beamten, die er zu entfernen freilich nicht die Macht hatte, erleichterte.

Erbittert und fruchtloser Unterhandlung müde zog Alarich, da der Kaiser in seinen Sümpfen unerreichbar war, zum dritten Male gegen die Hauptstadt. Davon sagt Orosius (VII, 39); »Alarich ist da, belagert das zitternde Rom, ängstigt's und bricht ein.« Näheres wissen wir nicht, gewiß nur, daß die Belagerung diesmal nicht von längerer Dauer war, die Einnahme in der Nacht, durch Sturm, aber unter Mitwirkung von Verrat im Innern, und zwar am 23. August 410Dies gründet sich allerdings nur auf spätere Quellen, namentlich die Histor. miscella XII, die zwar für den Geschichtsforscher sonst meist wertlos, in der Chronologie aber sehr gut ist, stimmt jedoch im Allgemeinen zum Geschichtsverlaufe. Auch ist es höchst wahrscheinlich, daß die Kunde eines so denkwürdigen Tages in zahlreichen uns verlornen Quellen fortlebte. erfolgte.Daß Roms Einnahme in der Nacht erfolgte, sagt St. Hieronymus (epist. 127 ad Principiam, S. 953 der Ausgabe von Vallarsius, Verona 1734: Nocte Moab capta est, nocte cecidit ejus murus etc.); den Verrat bezeugt im Allgemeinen Sozomenos (IX, 9) und der freilich an 140 Jahre spätere Prokop (de b. Vand. I, c. 2) mit Angabe der Gerüchte darüber. Es liegt auch auf der Hand, daß die plötzliche Einnahme ohne solche Mithilfe schwer denkbar ist, obwohl die eigentliche Eroberung, nach verräterischer Eröffnung eines Eingangs, selbst abgesehen von des Orosius Ausdruck: irruptio, immer nur durch Sturm möglich war.

Das Verhalten der Goten bei der Einnahme schildern als verhältnismäßig milde und menschlich Augustin (de civit. Dei an verschiedenen Stellen), namentlich (III, 29) im Vergleich zu der Eroberung Roms durch die Gallier und durch Marius und Sulla. Augustins Hauptansicht aber erhellt aus (I, 7) desselben Werks, wo er sagt: Was an Verwüstung, Mord, Raub und Brand geschah, brachte der Kriegsgebrauch mit sich; das Neue und Unerhörte aber, die Schonung der Basiliken, worin so viele ein geheiligtes Asyl fanden, wirkte Christus.

Ebenso Orosius (VII, 39). Derselbe sagt vorher (II, 19), bei dieser Einnahme sei kaum ein Senator, weil er sich versteckt habe, umgekommen, was auch Augustin (d. C. D. III, 29) wenigstens im Wesentlichen bestätigt.

Dem Kriegsgebrauche gemäß folgte der Erstürmung die Plünderung, von der Morden und Brennen, wenn auch letzteres nur zufällig, stets unzertrennlich war. Das Gerücht mag aber die Greuel, von denen besonders Hieronymus (epist 127 ad Principiam und 128 ad Gaudentiam der Ausg. von Valesius, Verona 1734), sowie Augustin (c. 2 de Civit. Dei zu Anf. und besonders c. 12 u. 13) zeugen, sehr übertrieben haben.

Vor allem bewährte sich Alarich als Christ, befahl namentlich die Schonung aller heiligen Orte, insbesondere der Kirchen St. Peter und Paul. Als ein plündernder Gote in einem geistlichen Hause die kostbarsten Gold- und Silbergefäße entdeckte, sagt die Hüterin: »sie sind dem Apostel Petrus geweiht: nimm sie, wenn du es wagst«. Betroffen meldet derselbe dies Alarich, der sie sogleich in die Basilika zurückzubringen und alle, welche ihnen folgen, zu verschonen befiehlt. Das geschieht sogleich in feierlichem Zuge durch die ganze Stadt unter frommen Gesängen, zu denen sich Römer und Goten vereinigen, wie uns dies der Zeitgenosse Orosius (a. a. O.), wenn auch sehr ausgeschmückt, doch in der Hauptsache gewiß wahr, berichtet.

Von einem gotischen Krieger erzählt auch Sozomenos (IX, 9), daß derselbe, von böser Lust gegen eine schöne Frau entzündet, als diese lieber sterben als sich seinem Willen fügen wollte, von solcher Tugend gerührt, die Zitternde in die Kirche gebracht und zu deren Versorgung, bis sie wieder mit ihrem Manne vereint sein würde, noch sechs Goldstücke gegeben habe.

Das Abwägen der verschiedenen sich widersprechenden Quellenzeugnisse würde müßig sein, auch sind die Theologen selbst im Lobe Alarichs und der Goten nicht ganz zuverlässig, weil sie dadurch deren Christentum hervorheben wollen. Nichts indes beweist des Königs schonenden Sinn, aber auch die Subordination seines Heeres, schlagender, als daß derselbe bereits am drittenWenn Marcellin in seiner Chronik den sechsten Tag nennt, so ist dies, abgesehen von der höhern Glaubwürdigkeit des Zeitgenossen, kein Widerspruch, erklärt sich vielmehr einfach durch den Verzug zwischen Beginn und Ende der Räumung. Tage wieder abzog. (Orosius a. a. O.)

Unzweifelhaft hat daher Gibbon vollkommen Recht, wenn er, jene Einnahme Roms mit der durch die Truppen Karls V., des römischen Kaisers und katholischen Königs, vergleichend, welche neun Monate lang verheerend darin hausten, zu Alarichs und dessen Volkes Gunsten den Schluß zieht.

Dieser marschierte hierauf verheerend und plündernd, was selbstredend nicht zu verhüten war, sogleich durch Campanien und Lucanien bis Reggio im Bruttier Lande, um von dort über Sizilien nach Afrika zu gehen. (Olympiodor, p. 452/3 und Jordanis c. 30.)

Ob er sich nur dieser für Rom unentbehrlichen Provinz bemächtigen und dann erst über die Reichsverwaltung verfügen oder sich und seinen Goten eine bleibende Heimat daselbst begründen wollte, wissen wir nicht: doch läßt der aus dem Stillschweigen der Quellen abzunehmende Umstand, daß er des Honorius Herrschaft in Rom unangetastet ließ, beinahe vermuten, daß er immer noch nicht an deren gänzlichen Umsturz dachte.

Nur aus dessen endlichem Plane jedoch, nicht aus einem andern GrundeDes Sokrates Märchen (VII, 10), er sei aus Furcht vor dem Gerücht eines Theodosius II. wider ihn gesandten Heeres entflohen, ist zu lächerlich, um Widerlegung zu verdienen., läßt sich jener Rückzug erklären, da Mangel an Lebensmitteln ihn nur die Umgegend Roms, aber nicht Italien, zu verlassen, bestimmen konnte.

In der Meerenge von Messina aber gingen die ersten Schiffe durch einen furchtbaren Sturm unter. Indem der König das Weitere berät, entreißt ihn noch im Jahre 410 (Marcell.) ein plötzlicher Tod in der Blüte seiner JahreAschbach sagt S. 92 im 34. Jahre, was sich aber in den angeführten Quellen nicht findet. Nach Zosimus V, 4 ernannte ihn Theodosius bei dem Zuge wider Eugenius, wozu das Heer schon im Jahre 392 formiert war, zum Führer einer Barbarenschar und 395 beanspruchte er die Würde eines Magister militum. Hiernach war er im Jahre 392 doch mindestens schon über (? D.) zwanzig, und bei seinem Tode etwa zwischen achtunddreißig und dreiundvierzig Jahre alt. dem Leben.

Ein edler und großer Mann sonder Zweifel, eines Seelenmalers als Geschichtsschreiber würdig. Germanischen Gemüts und römischer Bildung, eine eigentümliche Mischung beider Nationalitäten.

Lag seiner merkwürdigen Milde und Schonung gegen Honorius noch ein Gefühl von Ehrfurcht für des Theodosius, seines ersten Wohltäters, Haus mit zu Grunde? Oder wollte er das so künstliche als vollkommene Instrument des römischen Staates nur um deswillen nicht in die eigne Hand nehmen, weil er sich, zumal durch den Geist seines Volkes gebunden, dessen Führung nicht gewachsen glaubte, daher es lieber einer kundigeren anvertrauen als in der seinigen verderben?Andere Auffassungen, ausgehend von der innern Schwäche des trotz aller Siege heimatlosen Wandervolkes, dem das Schwert die bitter vermißte Pflugschar nicht ersetzen konnte, bei Dahn, Könige V, S. 47–50 und Urgeschichte I, S. 347.

Die Macht, ja den Zauber seiner Persönlichkeit bekunden vorzüglich der Gehorsam und die Disziplin seines Heeres, d. i. des Volkes, namentlich der Großen, die den Goten, wie wir später sehen werden, sonst nicht immer eigen war.

Bestattet wurde der König nach Jordanis (c. 50) mit reichen Schätzen in dem Bette des kleinen Flusses Busentus bei Cosenza in Kalabrien, der dazu vorher abgeleitet und nachher wieder zugelassen wurde, damit die Ruhestätte, nach Tötung der dazu verwandten Gefangenen, unerforschlich bleibe.

An Alarichs Stelle ward dessen Schwager Ataulf von den Westgoten zum König erwählt.

Unzweifelhaft brachte dieser den bereits eingetretenen oder nahen Winter 410–411 in Unteritalien zu und zog, von dem Unternehmen gegen Afrika abgeschreckt, im Jahre 411 wiederum dem Norden der Halbinsel zu. Des Jordanis Nachricht (c. 31), er habe Rom noch einmal berührt und, was bei der ersten Einnahme übrig geblieben, vollends zerstört, wird von allen Historikern verworfen, weil keine Quelle dessen gedenke. So gewiß das fragliche Kapitel im übrigen von Unwahrheiten strotzt, so haben doch jene Zweifler nicht bedacht, daß das Gotenheer auf dem Rückmarsche nach Oberitalien und Gallien Rom fast unvermeidlich (? D.) passieren mußte. Erhebliche Verwüstung aber bezweifeln wir eben so sehr, da die Chronisten einer solchen sicherlich gedacht hätten.

Vor allem erwähnt Olympiodor (p. 458) eines Berichts des Stadtpräfekten Albinus vom Jahre 414 (s. des Labbeus Not. zu Olymp., Bonn. A., p. 570), nach welchem Rom damals schon ganz wieder in den vorigen Stand hergestellt sei und das geordnete Getreidequantum, wegen gestiegener Bevölkerung, nicht mehr ausreicheDer Nachsatz, daß in einem Tage 14 000 Kinder geboren worden seien, ist so unsinnig, daß er nur durch Schreibfehler oder sonstige Verunstaltung entstanden sein kann. Selbst bei einer Zahl von hundertundvierzig würde sich noch eine Bevölkerung von zwei Millionen ergeben. Gleichwohl schreibt dies Tillemont Art. 42 S. 1266 nach, ohne die grobe Unwahrheit zu erkennen.: – Beweis genug, daß selbst unter Alarich eine wesentliche Zerstörung, deren Wirkung sich in vier Jahren nicht verwischen läßt, nicht stattgefunden haben kann.

Aus den Quellen ergibt sich für die nächste Zeit mit Sicherheit nur, daß Ataulf mit seinem Volke im Jahre 412 nach Gallien zog.

Daß derselbe vorher im Jahre 411 großenteils in Toscana gelagert und gehaust habe, können wir aus einem Rescript vom 8. Mai 413 (C. Th. XI, 28, 7) abnehmen, wodurch nicht allein Unteritalien und der Umgegend von Rom, sondern auch dieser Provinz ein bedeutender Abgabenerlaß bewilligt wurde.

Der Auszug aus Italien nach Gallien lag unzweifelhaft in des Kaisers Interesse. Daß darüber jedoch, wenn auch gewiß Verhandlungen stattfanden, ein förmlicher Vertrag abgeschlossen worden sei, ist zu bezweifeln.Vergl. Dahn, Könige V, S. 56; Urgeschichte I, S. 350. Am wirksamsten mag wohl Placidia, obwohl Ataulf sich erst zwei Jahre später mit ihr vermählte, des Bruders Interesse hierbei gefördert haben.

Geht man davon aus, daß Jordanis aus Cassiodors Lektüre das Wichtigste zwar richtig im Gedächtnis behielt, dies aber, mit den gröbsten Irrtümern untermischt, auf das Verworrenste in seinem Machwerk anbrachte, so wird obige Ansicht durch zwei Stellen desselben bekräftigt, nämlich c. 30, wo er Alarich, um ihn aus Italien zu entfernen, durch Kaiser und Senat Gallien und Spanien förmlich schenken läßt, und c. 31, wo er Ataulf aus verwandtschaftlichemDerselbe läßt c. 31 irrigerweise die Verbindung zwischen Ataulf und Placidia schon vor dem Jahre 412 zu Forum Julii in Aemilia vollziehen, wo eine Stadt dieses Namens gar nicht existierte. Andere Handschriften haben Forum Livii (Forli) nur vier Meilen von Ravenna. Vielleicht hat Jordanis in seiner Verworrenheit an eine Vermählung mit des Honorius Zustimmung gedacht. Vergl. Dahn, Könige V, S. 60. Gefühl abziehen läßt.

So war denn Italien von den Barbaren wieder befreit, die wir im nächsten Kapitel, das in der Zeitgeschichte sechs Jahre zurückgreift, jenseits der Alpen wiederfinden werden.

Noch aber haben wir in diesem einer Berührung der Hunnen mit dem Ostreiche zu gedenken, die Sozomenos (IX, 5) um die Zeit von Stilichos Tode im Jahre 408 berichtet.

Der uns schon bekannte Hunnenfürst, welcher hier Uldis genannt wird, der unter Stilicho an des Radagais Vernichtung Teil nahm, sei über die Donau gegangen und habe castra Martis in Niedermösien in der heutigen westlichen Bulgarei durch Verrat eingenommen.

Indem er darauf voll Stolz und Anmaßung mit dem Feldherrn in Thrakien über den Frieden verhandelt, sei es letzterem gelungen, einen Teil seines Volkes für Rom zu gewinnen. In dessen Folge habe sich Uldis nur mit Mühe wieder über die Donau zurückziehen können, wobei seine aus Skiren bestehende zahlreiche Nachhut teils niedergehauen, teils gefangen worden sei, von denen er, Sozomenos, selbst viele gesehen habe, die in Bithynien am Fuße des Olympos kolonisiert worden seien.

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