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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 58
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
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II. Theodosius und Valentinian II. bis zu des Letztern Tode im Jahre 392

Valentinian II. sandte sogleich nach Gratians Tode den Bischof Ambrosius nach Trier zu Maximus, um die entseelte Hülle des Bruders zu verlangen.

Dieser kreuzte sich mit des Usurpators Sendboten Victor, der – unstreitig aus Furcht vor Theodosius – über Frieden mit Valentinian unterhandeln sollte, jedoch fruchtlos heimkehrte, weil letzterer vermutlich die geforderten Bedingungen nicht zugestehen wollte. Inmittelst hatte Valentinians Feldherr Bauto vom westlichen Illyricum aus Hunnen und Alanen angeworben, Rätien, wo man den Angriff besorgte, wie dieser auch späterhin in den Jahren 388 und 394 wirklich erfolgte, zu decken. In diese Provinz fielen damals, auf des Maximus Anstiften, die Juthungen ein, wurden jedoch von Bauto herausgeschlagen: ja dieser war im Begriff, durch Alemannien nach Gallien vorzudringen, als er durch den Kaiser, d. i. dessen Mutter oder Ratgeber, die den Krieg nicht wollten, davon zurückgehalten wurde.S. des Ambrosius Bericht über seine zweite Gesandtschaft an Maximus epist. 24, welche in der Pariser Ausg. von 1661 in T. IV, Epist. lib. VII, ep. 56, p. 319 aufgeführt ist. Tillemont, Art. 14, S. 497 setzt die zweite Gesandtschaft in das Jahr 397.

Des Maximus Usurpation gewährt uns zugleich einen tiefen Einblick in des Theodosius Charakter.

Gewiß lag die Pflicht, Gratians, seines Wohltäters und Helfers, Sturz und Mord zu rächen, dem Gefühle des Menschen so nahe, wie dem Herrscher die Versuchung, sich dessen Erbe anzueignen, worauf er nebst dem Knaben Valentinian II. unbestreitbaren Anspruch hatte.

Man erinnere sich, wie unter ähnlichen Umständen der ungleich schwächere Constantius wider Magnentius handelte.

Theodosius aber widerstand seinem Herzen wie dem berechtigten Ehrgeize, nur der kalten Politik der Vorsicht folgend, welcher der sofortige Krieg gegen Maximus allerdings ein höchst gefährliches Wagnis erscheinen mußte.

War er doch in seinem eignen Lande kaum der Goten Meister geworden, durfte er doch sein altes Heer, von der Mitwirkung der neuen, unzuverlässigen und noch wenig geschulten Föderierten abgesehen, dem des Westens nicht für gewachsen ansehen, das, aus den kriegerischesten Stämmen gebildet, den Herrschern des Orients jeder Zeit furchtbar gewesen war, während er endlich auf Valentinians Mithilfe nur wenig zu bauen vermochte.

Allerdings hätte ein Herrscher mit mehr Mut und Leidenschaft die Sachlage auch anders auffassen können, Theodosius aber handelte mit bedachtsamem Geiste: vielleicht zu ängstlich, aber sicherlich weise.

Sogleich nach der ersten Kunde von der gelungenen Thronumwälzung rüstete er jedoch vorsorglich, scheint auch mit dem Heere bereits ein Stück nach Westen vorgerückt gewesen zu sein (Sokrates V, 12 und Themistius or. XVIII, ed. Harduin, S. 220), als des Maximus Gesandter, dessen Oberkammerherr, bei ihm eintraf. Dieser versprach Namens seines Herrn Valentinians Anerkennung, forderte aber die des Maximus in Gratians Reichsteile, und erbot sich unter dieser Bedingung zu einem Bündnisse wider alle Reichsfeinde (Zosimus c. 37). Darauf muß Theodosius eingegangen sein, weil er nach demselben Schriftsteller des Maximus Bilder in Alexandrien aufstellen ließ.

Übrigens entnehmen wir aus den gedachten Stellen von Sokrates und Themistius, daß Theodosius im Sommer 384 noch eine zweite Demonstration wider Maximus in Person gemacht haben muß, zumal Themistius die vorerwähnte sonst nicht als die erste (η πρώτη εκστράτεια) hätte bezeichnen können (Derselbe p. 220 u. 224).

Die Jahre 384 und 386 verliefen ohne wichtige Ereignisse.

Sapor II., der vierzig Jahre lang von Constantins des Großen bis zu des Valens Tode Roms Geisel gewesen war, scheint um das Jahr 379 gestorben zu sein. Seine Nachfolger suchten Frieden und Freundschaft mit Rom.

Am 9. September 384 ward Theodosius ein zweiter Sohn, Honorius, geboren (Idat. Chr. u. Fast., Marcell. u. Sokrates V, 12), während er im folgenden Jahre seine Tochter Pulcheria und seine Gemahlin Flaccilla verlor, welche die griechische Kirche heilig gesprochen hat. (S. d. v. Tillemont V, 2, Art. 26 zitierten Kirchenväter.)

Ein glänzender Gotensieg verherrlichte das Jahr 386. Bei den Ostgoten mag um diese Zeit Thorismund, Ermanarichs Enkel, bereits tot, das noch vierzig Jahre lang ruhende Königtum also erledigt gewesen sein.

Da scharte ein unternehmender Häuptling derselben, OdotheusOb identisch mit Alatheus? Könige V, S. 15., sei es mit Genehmigung oder ohne Vorwissen der anderwärts beschäftigten hunnischen Oberherren, ein Heer, dem Abenteurer aus allen Völkern, wahrscheinlich auch Hunnen und Alanen, zuströmten.

An der Donau lagernd sammelte und baute er Schiffe und forderte Gestattung des Übergangs.

Diesen aber verweigerte nicht nur der römische Befehlshaber in Thrakien, Promotus, sondern er suchte auch durch List den gefährlichen Feind ganz zu vernichten. Gewandte, sprachkundige Sendlinge, die sich für Überläufer ausgeben, verheißen für hohen Preis den Barbaren Zeit und Stunde anzugeben, in welcher sie die Römer im Schlafe überfallen können, worauf erstere eingehen, während Promotus durch die kräftigsten Anstalten, unstreitig in der der Zeit des Angriffs gegen Morgen vorausgehenden Nacht, sich zu deren Empfange bereit hält. Indem die feindliche Flottille in die Nähe des rechten Ufers ankommt, wird sie von der römischen mit der vollen Überlegenheit besserer Bewaffnung und Kriegskunst unerwartet angegriffen, indessen andere schwere Schiffe, mit dem Strome herabschwimmend, die leichten Fahrzeuge der Goten übersegeln und versenken. Was sich von der Bemannung letzterer schwimmend an das Ufer rettet, wird von den daselbst aufgestellten Truppen niedergehauen. Der Gotenfürst Odotheus selbst bleibt, der Strom wird mit den Leichen und Waffen der Erschlagenen bedeckt.

So der Kern von des Zosimus weitläufigem, zwei Kapitel (38 und 39) füllenden Berichte (dessen Einzelheiten zu unkritisch und übertrieben sind, um vollen Glauben zu verdienen) in Verbindung mit Claudian (de IV. Cons. Honorii a. Schl.), Idatius (Chr. et Fast.) und Marcellin.

Aus den Worten Claudians und der ChronistenClaud.: Parens (d. i. des Honorius) Odothaei regis opima retulit exuviasque tibi.

Die Chronisten: Victi atque expugnati et in Romaniam captivi abducti gens Greothingorum a Theodosio, qui invasam ab hostibus Thraciam vindicavit, victorque cum Arcadio, filio suo, urbem ingressus est.

hat man des Theodosius persönliche Anwesenheit bei der Schlacht gefolgert, während Zosimus ausdrücklich bemerkt, Promotus habe den in der Nähe Weilenden nur sofort herbeigerufen, worauf dieser, die Menge der Gefangenen und Beute erblickend, erstere sogleich freigelassen und sogar beschenkt habe, sie, seinem Systeme gemäß, für seinen Dienst zu gewinnen. Wir halten letzteres, in der Hauptsache wenigstens, für das Richtige. Die Fiktion der Schmeichelei, daß der Kaiser überall, selbst abwesend, siege, war damals so herrschend, daß aus solcher Phrase, zumal in der Feder eines Dichters, des Theodosius persönliche Gegenwart bei der Schlacht schlechterdings nicht zu folgern ist, während diese Tatsache des Pacatus nur drei Jahre späterer Lobrede gewiß nicht verschwiegen worden wäre.Noch schlagender beinahe tun dies des Zosimus Berichte über den im Werke erwähnten Sarmatensieg des Promotus. Er muß zwei verschiedene Quellen darüber gefunden haben: eine ganz summarische, worin aber der Name Oedotheus vorkam, und eine sehr ausführliche, worin zwar nicht der des Führers, wohl aber der seines Volkes, der Greuthungen (wofür die Handschriften Prothingen haben) genannt ward. Daraus hat er zwei verschiedene Siege gemacht, indem er den einen Kap. 35 mit zwölf bis fünfzehn Zeilen im Jahre 383 vor Gratians Sturz, und den andern sehr weitläufig in zwei Kapiteln 38 und 39 zu richtiger Zeit berichtet, wobei über die Identität beider nicht der geringste Zweifel möglich ist. Vergl. Tillemont (V, 2, Art 27, S. 556), welchem gründlichen Forscher hier aber auch eine Menschlichkeit passiert ist, wenn er (Art. 22 zu Anf. S. 526) auf Grund von Symmachus (X, ep. 61), der offenbar von dem gedachten Siege und den dabei nach Rom gebrachten Gefangenen handelt, einen von Valentinians Feldherrn im Jahre 384 erfochtenen Sieg über Sarmaten annimmt. Dazu veranlaßt ihn unstreitig die Voraussetzung, daß die Überschrift jenes an Theodosius adressierten Briefes fehlerhaft, derselbe vielmehr an Valentinian II. gerichtet (vergl. Anm. 22 unter 4), und im Jahre 384, in welchem Symmachus Stadtpräfekt war, geschrieben worden sei. Wie aber erstere Annahme willkürlich ist, so entbehrt die zweite jedes Grundes, weil Symmachus sein Amt recht gut bis in das Jahr 386 hinein verwaltet haben kann, was Tillemont (in Not. 20 zu Theod., S. 957) sogar ausdrücklich zugibt.Damit steht freilich dessen Anführen (Art. 20, S. 560), wonach Sallust und Pinianus im Jahre 386 Stadtpräfekten zu Rom gewesen seien, im Widerspruch. Indes bringt derselbe an diesem Orte für Pinian gar kein Zeugnis, und für Sallust kein früheres als vom 11. Juni 386 bei, welchem des Symmachus Brief vorausgegangen sein könnte. Jedenfalls mindern diese Widersprüche dessen Glaubwürdigkeit.

Fällt aber hiernach die Notwendigkeit, jenes Ereignis in das Jahr 384 zu setzen, weg, so ist kaum daran zu zweifeln, daß auch Symmachus von der den Goten durch Promotus im Jahre 386 beigebrachten, von vielen Quellen bezeugten großen Niederlage spreche. Dagegen findet sich nicht nur in keiner Quelle auch nur die leiseste Andeutung eines durch ein Heer des dreizehnjährigen Valentinian im Jahre 384 erfochtenen Sieges, sondern es ist auch ein solcher in einer Zeit, da dieser alle Aufmerksamkeit auf seine Verteidigung wider Maximus zu wenden hatte, an sich höchst unwahrscheinlich.

Bezieht sich übrigens des Symmachus Brief, wie wir fest überzeugt sind, auf des Promotus Sieg im Jahre 386, so bestätigen dessen Worte: »Felicem nimis belli istius ducem, qui divinae clementiae vestrae fretus auspiciis ex numero hostium alios ad securitatem provinciarum penitus exstinxit, alios ad laetitiam plebis Martiae reservavit« unzweifelhaft, daß Theodosius bei jener Niederlage der Goten nicht in Person befehligt habe.

Unter Valentinians II. Namen, der im Jahre 386 etwa fünfzehn Jahre alt war, hatte bisher dessen Mutter Justina, zuerst (nach Zosimus IV, 43) des Magnentius, dann seit 369 Valentinians I. Gemahlin regiert. Diese mag ihre Vorliebe für den Arianismus, ihrem Gemahl, Gratian und Theodosius gegenüber, klug verborgen, mit dem Heranwachsen ihres dafür gewonnenen kaiserlichen Sohnes aber derselben freiern Lauf verstattet haben, da die Chronik Prosper Tiros die Verfolgung, welche der Erzbischof Ambrosius und die ganze Mailänder Kirche durch sie zu erdulden hatten, in dies Jahr versetzt, worüber sich letzterer in seinen Schriften sehr weitläufig verbreitet. Nur an dessen Festigkeit scheiterte der Versuch, die rechtgläubige Kirche ganz zu unterdrücken, während er ein allgemeines Toleranzedikt für die Arianer nicht zu hindern vermochte.Wir begnügen uns, weil tieferes Eingehen in die Kirchengeschichte nicht hierher gehört, dafür auf Gibbons treffliche Darstellung Kap. 27 von Not. 61–71 zu verweisen. Des Ambrosius merkwürdige Persönlichkeit wird später erwähnt werden.

Im Herzen des Usurpators gärte fortwährend, wenn auch scheinbar schlummernd, die Herrschsucht.

Wohl mag daher Maximus die Bedrückung der ungeheuern Mehrheit des katholischen Volkes durch Valentinian II. zum Vorwande gedient haben, sich gegen letzteren zu erheben, wie dies Prosper Tiro für das Jahr 387 ausdrücklich anführt. Unter allen Umständen mußte ihm die allgemeine Mißstimmung wider diesen ein willkommener Bundesgenosse sein. Über das Ereignis selbst ist Zosimus (Kap. 42–44) so ausführlich, daß wir ihm bei dem Schweigen der übrigen Quellen notwendig folgen müssen (wenn auch nicht so ausschließlich als Gibbon Kap. 27 von Not. 71–77, während der sonst so gründliche Tillemont, sich in Art. 39 fast ganz auf Zusammentragung aus den Kirchenvätern beschränkend, Zosimus nicht einmal eingehender Erwähnung würdigt).

Maximus muß zuerst, wohl mehr zur Alarmierung als zu ernstlichem Angriff, ein Heer über den Montcenis vorgeschickt haben, während er selbst im Sommer des Jahres 387 durch Rätien und Noricum, die zu Valentinians Reichsteilen gehörten, bis zum Fusse der Julischen Alpen vordrang. Hier war es, wohin ihm jener nicht ein Heer, wohl aber von Aquileja aus einen Gesandten in der Person seines Vertrauten, des Syrers Domninus, entgegenschickte. Letzterer ward aber, seiner nationalen Verschlagenheit unerachtet, vom Spanier überlistet. Erheuchelte Freundschaft für Valentinian, deren Glaubhaftigkeit durch die kostbarsten Geschenke für den Botschafter wirksam unterstützt ward, machten letztern so sicher, daß er nicht nur voll Vertrauen heimkehrte, sondern sogar die Begleitung eines wohl nur kleinern Hilfskorps unbedenklich annahm, das Maximus seinem Kollegen freundlichst zu Bekämpfung der Pannonien bedrohenden Barbaren bewilligt hatte. Diesem wurden nun die gewiß wohlbesetzten Alpenpässe geöffnet und dies machte Maximus möglich, mit seinem eigenen Heere, dessen Anmarsch er sorgfältig verbarg, jenem nachrückend die Alpen ebenfalls unbehindert schleunigst zu passieren und vor Aquileja anzulangen. Da gab es für Valentinian keine Wahl und keinen Widerstand mehr; er eilte über See zu seinem einzigen Retter, zu Theodosius, der ihn nach Thessalonich beschied und sogleich selbst dort aufsuchte.

Nach Zosimus hat sich nun hier der durch einige Senatoren verstärkte Geheimrat sogleich für den gar nicht mehr zu vermeidenden Krieg ausgesprochen, Theodosius aber zunächst nur, unter Kriegsdrohung gegen Maximus, Valentinians Wiedereinsetzung auf diplomatischem Wege von ihm verlangen wollen.

Da habe Justina mit rascher Entschlossenheit ihre schöne Tochter Galla in Aktion gesetzt, die, des Kaisers Knie in Tränen umschlingend, mehr noch auf das Herz des Witwers, als auf das Mitleid des Regenten gewirkt habe, bis er endlich, immer noch schwankenden Sinnes, dadurch zum Kriege entschieden worden sei, daß Justina die Gewährung der von ihm heiß ersehnten Hand ihrer Tochter an diese Bedingung geknüpft habe.

So Zosimus, dem Gibbon unbedingt folgt, während Marcellin in seiner Chronik Galla, als des Theodosius zweite Gemahlin, bereits im Jahre 386 (385 war die erste gestorben) nach Konstantinopel kommen läßt. Für diese Nachricht finden sich weitere Unterstützungs-, aber auch nicht unerhebliche Zweifelsgründe, die Tillemont in der fünfundzwanzigsten Note über Kaiser Theodosius weitläufig abhandelt, schließlich aber doch des Zosimus Angabe mißtrauend. Wir halten einen Irrtum in Marcellius Chronik allerdings für möglich, finden aber bei Zosimus eben so bekannter Unzuverlässigkeit als leidenschaftlicher Gehässigkeit wider Theodosius doch überwiegenden Grund, von dessen Erzählung nur so viel mit Sicherheit für wahr zu halten, daß Galla, sei es als Gemahlin oder Braut, ihren ganzen Einfluß auf Theodosius, der sich allerdings wohl nur ungern das Schwert zu ziehen entschloß, für ihren vertriebenen Bruder aufbot.

Die Verhandlung mag sich bis weit in den Herbst hinein gezogen haben, der Feldzug konnte daher erst im Jahre 388 beginnen. Über diesen ist Zosimus dürftig, des Pacatus Lobrede (von c. 30–45) daher die einzige speziellere Quelle, deren Verständnis der Bombast seiner hohlen Phrasen und die Unsicherheit einiger Lesarten erschwert.

Großartig war sonder Zweifel die Rüstung und, wie der Erfolg bewiesen, von hoher strategischer Kunst der Kriegsplan.

Theodosius muß seinen Hauptangriff maskiert und Maximus, der eine Erhebung der ihm doch mehr abgeneigten Italiener (Zosimus c. 45 a. Schl.) in seinem Rücken fürchten mochte, glauben gemacht haben, derselbe sei vor allem auf Italien gerichtet, wozu eine gewaltige Flotte in den Häfen von Epirus und Griechenland zusammengebracht ward. Dies verleitete Maximus, seinen Hauptfeldherrn, Andragathes, die Seele seines KriegsbefehlsAndrag. ejus comes summam belli administrabat. Orosius 335., der Flotte entgegenzustellen, der mit starken Streitkräften, in der Hoffnung eines entscheidenden Sieges zur See, auslief.

Theodosius wußte aber auch diesen zu täuschen, indem er dessen Merksamkeit auf die Hauptstation seiner Flotte lenkte, inzwischen aber Justina und Valentinian in dessen Rücken auf leichten Schiffen nach Italien sandte, was beinah unzweifelhaft voraussetzen läßt, daß sich noch ein fester Platz daselbst für letztere hielt.Die Absendung der Kaiserin mit ihrem Sohne in ein ganz in Feindes Händen befindliches Land wäre eine völlig nutzlose Preisgebung derselben gewesen. Wenn Zosimus (c. 45 a. Schl.) ihm beide nach Rom schicken läßt, so können sie wohl im Fortgange des Feldzuges, aber sicherlich nicht sogleich von der See aus dahin gegangen sein. Letzteres wäre nur bei einem bereits ausgebrochenen allgemeinen Aufstande für Valentinian II. denkbar gewesen, den die Quellen gewiß nicht verschwiegen hätten. Zosimus charakterisiert sich einige Zeilen später dadurch, daß er die Alpen mit den Apenninen verwechselt.

Gegen Ende Mai anscheinend brach der Kaiser auf der großen Straße über Sirmium in den angestrengtesten Eilmärschen nach den Julischen Alpen auf mit seinem Hauptheere. Dasselbe bestand großenteils aus gotischen Söldnern, von denen Maximus einen Teil durch Bestechung zum Abfall verleitet hatte. Der Verrat muß aber bald entdeckt worden sein, löste sich daher ziemlich unschädlich in der Desertion der gewiß nicht zahlreichen Abtrünnigen auf.

Zugleich entsandte Theodosius ein drittes Korps unter Arbogast auf der Donaustraße durch Noricum und Rätien nach Gallien, das also in des Maximus linker Flanke und Rücken gegen dessen Operationsbasis vordringen sollte.

Mit Blitzesschnelle war derselbe inzwischen in Person herangeeilt; bei Siscia (Sisseck), wo auch Constantius und Magnentius sich trafen, stieß er auf den Feind.

Atemlos und staubbedeckt ankommend, wie der Rhetor (c. 34) sagt, stürzt sich des Theodosius Reiterei, wohl hunnische und alanische, in die Save (oder Culpa), schwimmt durch und überwältigt mit Leichtigkeit des Maximus Vorhut. Im Verlaufe des Gefechts scheint, nach des Pacatus eben so phrasenhafter als unklarer Beschreibung, auch die Stadt selbst genommen oder von den Gegnern geräumt worden zu sein.

Sofort rückte Marcellin, des Maximus Bruder, mit der Hauptmacht Theodosius entgegen, den er, nach Tillemonts freilich etwas unsicherer, aber nicht unwahrscheinlicher Annahme (Art. 44, S. 616) bei Pettau getroffen haben soll.

Die Heere lagerten am Abend sich gegenüber: mit Anbruch des Tages begann die Schlacht, über die wir aus demselben Schriftsteller (c. 35 und 36) nur entnehmen, daß sie heftig und langdauernd gewesen sein muß und durch teilweisen Übergang der feindlichen Truppen für Theodosius entschieden worden sein mag: der Kampf oder doch die Verfolgung dauerte aber bis in die Nacht hinein.

Das war ja das Schicksal fast aller »Tyrannen«, daß das mehr noch moralische als militärische Übergewicht des rechtmäßigen Herrschers, zumal wenn dieser ein großer Mann war, ihre Offiziere und Soldaten im Augenblicke der Entscheidung mehr oder minder zum Wanken, ja zum Abfalle brachte.

Sogleich öffnet nun das Valentinian bis dahin treu gebliebene entsetzte Aemona (Laibach) dem Sieger freudetrunken seine Tore, der hierauf sofort ohne den geringsten Verzug in einem Tage von der pannonischen Grenze bis Aquileja vordringt, wohin Maximus, dessen persönliche Teilnahme an der Entscheidungsschlacht wir nicht ersehen aber vermuten müssen, ratlos und wohl beinahe ganz verlassen geflohen war. (Pacatus c. 37–39.) Hier ward er nach Zosimus (c. 46), da es ihm zu nachhaltiger Verteidigung der Tore an Truppen fehlte, gefangen.

Aller Zeichen seiner Würde bar ward er mit auf den Rücken gebundenen Händen und bloßen Füßen vor Theodosius geführt. Auf den Vorwurf, sich mit der Lüge von dessen geheimer Begünstigung seiner Usurpation gebrüstet zu haben, entschuldigt er sich mit der Notwendigkeit, die Soldaten für sich zu gewinnen, was allein durch dies Vorgeben möglich gewesen sei. (Pacat. c. 43.) Schon soll sich nach derselben Quelle (c. 44) das Erbarmen im Sieger geregt haben, als der Unglückliche von den Soldaten fortgerissen und niedergestoßen wird. Dies geschah am 27. Juli (nach Idatius) oder 27. August (nach Cuspin. und Sokrates V, 14), fast um dieselbe Jahreszeit, da Gratian fünf Jahre zuvor auf des Maximus Geheiß ermordet worden war.

Gleiches Schicksal traf seine Genossen; Andragathes stürzte sich auf die Kunde vom Tode seines Herrn in das Meer und des letzteren früher schon zum Augustus erklärter Sohn Victor ward im Jünglingsalter bald nach seinem Vater durch Arbogast getötet. (Zosim. c. 47. Idatius, Prosper Tiro u. Marcell.)

Weitere Opfer fielen bis auf einige, im ersten Augenblicke niedergestoßene Mauren von des Maximus Garde nicht, da nach des Pacatus Versicherung (c. 5) des Siegers Großmut sogleich die vollständigste Amnestie gewährte, ja selbst Freiheit, Vermögen und Rang der Anhänger seines Feindes unangetastet ließ, was jedoch (nach Tillemonts richtiger Ausführung) auf ein verständiges Maß zu beschränken, namentlich nicht auf Beibehaltung der obersten Beamten desselben zu beziehen ist.

So endete der Tyrann, von dem wir zu wenig wissen, um über ihn urteilen zu können. Gewiß entspricht sein Ende der Schilderung nicht, die Orosius und Sulpicius Severus von ihm entwerfen, welche ersterer sogar (c. 35) durch das Anführen noch verstärkt, daß derselbe durch das bloße Schrecken seines Namens von den wildesten germanischen Stämmen Tribut und Rekruten erlangt habe. Wer aber möchte aus des Pacatus lobhudlerischen und schwülstigen Phrasen – unserer einzigen Quelle – ein treues Bild von der Katastrophe desselben entnehmen?

Der Abgabendruck, dessen Pacatus Maximus so schmähend anklagt, daß er der Übertreibung verdächtig ist, dürfte, im Wesentlichen wenigstens, durch die größere Kraftentwickelung, welcher jede Usurpation bedarf, geboten gewesen sein.

Gegen die von Priscillian in Spanien gestiftete ketzerische Sekte, die von einem Konzil zu Bordeaux und den angesehensten Bischöfen Italiens verdammt ward, schritt er, als sich jener auf ihn berief, so energisch ein, daß er ihn mit einigen seiner Anhänger zu Trier enthaupten ließ (Prosper Tiro und Idatius in den Jahren 385–387), was der würdige Ambrosius, obwohl Priscillians Gegner, entschieden mißbilligte.

Theodosius setzte Valentinian nicht nur in sein Reich wieder ein (Prosper Aq. und Tiro, Idatius und Cusp.), sondern überließ ihm auch das seines Bruders Gratian. Des erstern Mutter erlebte dies aber nicht (Prosper Tiro Jahr 388 und Rufinus Hist. eccl. II, 17)Tillemont (Art. 45 a. Schl., S. 623) folgert aus jenen Stellen, wie uns dünkt mit Unrecht, daß des Zosimus Nachricht (c. 45) von Justinens Rücksendung nach Italien irrig sei, da sie füglich in der Zwischenzeit (d. i. vor Valentinians Eintreffen in Mailand) gestorben sein kann., was Theodosius um so mehr bewogen haben mag, die Regierung Italiens als Mitherrscher in seiner Hand zu behalten und den jungen Kaiser mit Arbogast nach Gallien zu senden, in welches um die Zeit von des Maximus Tod germanische Raubscharen eingefallen waren.

Daß Theodosius diese, wie einst Constantins wider Magnentius, dazu aufgewiegelt habe, sieht ihm nicht ähnlich, zumal die Entblößung der Grenze, weil Maximus der Truppen zum Kriege bedurfte, jenen Vorgang ganz natürlich erklärt, über den uns Gregor von Tours (II, 9) aus dem von ihm angeführten, leider verloren gegangenen Geschichtswerke des Sulpicius Alexander eine interessante Nachricht gibt.

Drei Volksfürsten der ripuarischen Franken, Genobaud, Markomer und Sunno, brachen am Niederrhein in die Provinz des zweiten Germaniens ein, wo sie in gewohnter Weise hausten, namentlich Köln selbst in Schrecken setzten. Indes zogen die römischen Befehlshaber Nannenus und Quintinus ihnen nach Köln entgegen. Die Franken eilten hierauf mit Beute beladen wieder über den Rhein zurück, ließen aber einen Teil des Heeres jenseits zurück, der tief in das Innere einbrechend sein Raubwerk unbehindert fortsetzte. Diesem rückten nun die Römer im Rücken nach und brachten ihm im carbonarischen WaldDie Silva Carbonaria zog sich von der Sambre in Hennegau in der Richtung der jetzigen Grenze von Belgien und Frankreich nach der obern Schelde in Westflandern zu, wo Tournay schon außerhalb derselben gelegen zu haben scheint. (Waitz, das alte Recht der salischen Franken, S. 59.) eine bedeutende Niederlage bei. Dies Waffenglück erweckte bei den Siegern die Lust, die Franken in ihrem eigenen Lande zu züchtigen, was jedoch, bei des Nannenus Widerspruch, Quintinus allein unternahm.

Derselbe ging bei Neuss über den Rhein, fand während eines zweitägigen Vordringens alles menschenleer, mußte sich daher mit dem Niederbrennen der Häuser begnügen. Die in die Wälder führenden Wege waren durch Verhaue gesperrt. Am Morgen des dritten Tages drang das Heer in den die Gegend vor ihm abschließenden Wald ein (wahrscheinlich einen entfernteren Teil des alten Cäsischen, Tacitus Ann. I, c. 50) und vertiefte sich, des Weges unkundig, immer mehr in das Dickicht, bis es gegen Mittag an eine Stelle kam, wo sich, wie wir nach der Beschreibung annehmen müssen, eine offene, lange, aber schmale Niederung, wohl das Tal eines Baches, durch den Wald zog, dessen Zugang durch ungeheure Verhaue versperrt war. Um nun an geeigneter Stätte in diesen einzudringen, zogen die Römer am Saume des Holzes hin, als auf der Höhe der Verhaue plötzlich, erst in kleinerer, dann in größerer Zahl Bogenschützen erschienen und sie mit Pfeilen beschossen, die, mit Pflanzengift bestrichen, selbst bei scheinbar leichter Verletzung tödliche Wunden verursachten.Die Wahrheit wird durch das salische Gesetz Tit. 20, I, 2 bestätigt. Vor diesen wichen die Römer in die Niederung zurück, fielen aber hier in ungeahnten Sumpf, in welchem namentlich die Reiterei versank und in die größte Verwirrung geriet, aber auch das Fußvoll kaum festern Boden zu finden vermochte. Indem nun die Truppen sich durch Rückzug nach dem von ihnen kaum verlassenen Walde mühsam zu retten suchten, stürzten die Franken plötzlich von allen Seiten her auf die ausgedehnte und in Unordnung aufgelöste Linie und brachten ihr eine furchtbare Niederlage bei, bei welcher Heraclius, der Befehlshaber der jovinianischen Legion, und fast alle Stabsoffiziere blieben, so daß nur wenige, begünstigt vom Dunkel der Nacht, durch den Schutz des Waldes sich zu retten vermochten.Wir haben des Sulpicius Schilderung einige, aus der Natur des Herganges sich ergebende, kaum zweifelhafte militärische und örtliche Details hinzugefügt. Die entscheidende Stelle lautet: Perturbatis igitur ordinibus caesae legiones. Selbst das Entrinnen der wenigen, bei denen sich, weil dessen Tod nicht berichtet wird, auch Quintinus befunden haben muß, läßt sich bei der Entfernung zweier Tagemärsche vom Rheine wohl nur dadurch erklären, daß im letzten befestigten Lager eine Reserve zurückgeblieben war.

Das war, wenn wir der Quelle, die aber wohl nicht ohne Übertreibung ist, trauen dürfen, fast eine Wiederholung der Varusschlacht.

Als nun, nach des Maximus Sturz, Valentinian mit Arbogast in der Provinz anlangten, standen Römer und Franken sich noch in Waffen gegenüber. Erstere deckten unter Charietto (vielleicht ein Sohn jenes frühern) und Syrus den Rhein, den letztere dennoch an einzelnen Punkten überschritten.

Der Feldherr riet, sie mit starker Macht anzugreifen und ihnen nur gegen Rückgabe aller bei dem vorjährigen Siege gemachten Beute Frieden zu gewähren. Dazu kam es indes nicht: vielmehr zog der Kaiser später vor, ohne weiteres Frieden mit den Frankenkönigen zu schließen, auf den diese auch, den gewaltigen Mann fürchtend, sogleich unter Stellung von Geiseln eingingen.

Drei Jahre lang waltete Theodosius mit weiser Tätigkeit in Italien, meist zu Mailand, der eigentlichen Residenz, aber auch in Rom verweilend, wo Pacatus im Jahre 389 die oft erwähnte Lobrede vor ihm im Senate hielt.

Im Jahre 391 erst kehrte Theodosius nach Konstantinopel zurück.

Bald darauf ward der hochverdiente Feldherr Promotus, der sich nebst seinem Kollegen Timasius im Kriege gegen Maximus ausgezeichnet haben muß, da beide im Jahre 389 zu Konsuln ernannt wurden, von Barbaren auf dem Marsch in Thrakien getötet. Nach des Zosimus Angabe (c. 51), die jedoch auf unerweislicher Vermutung beruhen dürfte, waren die Mörder gedungen von Rufinus, der den Befehlshaber wegen einer von ihm verdientermaßen empfangenen Ohrfeige bitter haßte. Nach Claudians wiewohl höchst übertriebener, unzuverlässiger und unklarer Darstellung (in Rufinum I, v. 309–354) soll jedoch Rufinus die Völker jenseits der Donau zu einem plötzlichen Einfall in römisches Gebiet aufgewiegelt haben, wobei Promotus blieb. Darauf sei aber Stilicho, der in der Nähe befehligt haben muß, gegen diese angerückt, habe sie geschlagen und hätte den Rest gefangen nehmen können, wenn nicht Theodosius, von Rufinus getäuscht, dies verhindert hätte. Dadurch habe er auch den Hunnen geholfen, von denen noch eine Schar im Anzuge gewesen sei, die Stilicho aber ebenfalls geschlagen habe. Das Ganze läuft auf einen möglicherweise durch des Rufinus verräterische Mitwirkung erleichterten Überfall hinaus, der sicherlich von Unerheblichkeit war, wobei Theodosius übrigens, seinem Systeme gemäß, die weitere Verfolgung der Goten untersagt haben kann. Wie Rufinus hierauf (nach Zosim. c. 52) den Präfectus Prätorio Tatianus und dessen Sohn stürzte, ja letztern, zwar nach Urteil und Recht, aber mit solcher Beschleunigung enthaupten ließ, daß des Kaisers Begnadigung zu spät anlangte, liegt unserm Zwecke zu fern, um hier kritisch erörtert zu werden.

In der Tat aber scheint es, daß der gefährliche und hochstrebende Mann, der im Jahre 392, nach des Promotus Tode, zum Konsul ernannt wurde und (nach Eunapius 18, p. 112) eben so seltenen Geistes als tiefer Verstellung gewesen sein muß, zu großen Einfluß auf Theodosius gewonnen hatte, obwohl uns von diesem sonst Begünstigung Unwürdiger nicht bekannt ist. Indes ist unser Wissen viel zu mangelhaft und dürftig und Claudians Gedicht über Rufinus, ein Erzeugnis der Gunstbuhlerei bei Stilicho, dessen Todfeinde, worin er ihn als den Ausbund der teuflischsten Verruchtheit schildert, als Geschichtsquelle bedenklich.

Langsam bereitete sich inzwischen, nach des Theodosius Abreise aus dem Abendlande, Valentinians II. Untergang vor.

Der im Jahre 389 erst achtzehnjährige junge Mann bedurfte der Stütze und des Führers, wozu niemand geeigneter war, als Arbogast, ein Mann außerordentlicher Körper- und Geisteskraft, aber auch wilder Leidenschaft, daher, wie Eunapius (17, p. 111) sagt, der verzehrenden Flamme gleich, der jedoch seiner Uneigennützigkeit halber eben so geliebt als geachtet war und, nach seines altern Kollegen und Landsmannes Bauto Tode, niemand am Hofe mehr über sich, ja neben sich hatte. Was Wunder, daß sich in solchem Manne, dem zwar guten und edeln, aber jugendlich schwachen Kaiser gegenüber, das Selbstgefühl mächtig regte und nicht in römischer Form mit Kriecherei und Hinterlist, sondern auf derbe germanische Weise äußerte. Kleines, wobei Arbogast vielleicht nicht immer in der Sache, nur in der Manier Unrecht hatte, mag den Herrn immer mehr gegen den Diener erbittert haben, bis er endlich, zum Bruch entschlossen, bei einem feierlichen Empfang ihm vom Throne herab das Entlassungsrescript überreichte. Dieser aber, das Schreiben durchfliegend, erwiderte: »was Du mir nicht gegeben (er war unstreitig von Theodosius ernannt), kannst Du mir auch nicht nehmen,« und warf es ihm zerrissen vor die Füße.

Somit war der Kampf erklärt, nur noch, wer sich des andern zuerst entledige, die Frage. Valentinian, der zur Vollstreckung seines Befehls wider den Allmächtigen niemand hatte, wandte sich schriftlich an seinen frühern Retter Theodosius. Arbogast zauderte noch mit der Tat, weil er den Thron nicht für sich wollte, sei es, weil er dies seiner barbarischen AbkunftDie Quellen nennen ihn alle einfach einen Franken, was einen gebornen voraussetzen läßt. Philostorgius II., c. 2, der ihn nur als Sohn eines Barbaren bezeichnet, ist keine Autorität. Auch Valesius und Tillemont sind ersterer Ansicht. (S. des letztern Art. 68, 8. 711.) halber nicht wagte oder weil ihm überhaupt mehr am Wesen, als am Scheine lag. Bald aber glaubte er in einem, ihm früher von Richomer empfohlenen Literaten und Rhetor, auch vormaligen Staatsdiener, Eugenius, einem wohlunterrichteten und gewandten Manne, den er als Vertrauten um sich hatte, ein geeignetes Werkzeug zur Thronfolge gefunden zu haben, der denn auch, wiewohl nur nach längerem Sträuben, darauf einging. (Zosimus c. 53 und 54.)Des Zosimus Bericht über Valentinians Katastrophe trägt so sehr das Gepräge der Wahrheit, daß wir ihm unbedingt gefolgt sind. Nur hinsichtlich dessen Todesart (er läßt ihn am hellen Tage von Arbogast töten) stehen ihm alle übrigen Quellen entgegen, verdienen daher den Vorzug.

Diese Ungleichheit ist eine Eigentümlichkeit des Geschichtsschreibers, der, bald guten, bald schlechtern Gewährsmännern folgend, auf deren kritische Würdigung sich nicht einläßt.

Valentinian war eben im Begriff, von Vienne in Gallien nach Mailand zurückzugehen, weil ein Heer von Barbaren von der Schweiz aus die Alpen bedrohte (s. darüber weiter unten) und er sich gewiß auch Theodosius zu nähern wünschte, als ihn Arbogast am 15. Mai 392 durch Kämmerlinge erwürgen und nachher so aufhängen ließ, daß man an Selbstmord glauben konnte. (Orosius c. 37, womit Sokrates V, 25, Sozomenos VII, 22 und alle Chronisten übereinstimmen.)

Über Valentinians II. Persönlichkeit haben wir allein kirchliche Quellen, die des Lobes für den frommen, seit der Mutter Tod auch streng rechtgläubigen Kaiser vielleicht etwas zu voll sind.

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