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Geschichte der Völkerwanderung

Felix Dahn: Geschichte der Völkerwanderung - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
booktitleGeschichte der Völkerwanderung
authorFelix Dahn
firstpub1880
year1997
publisherPhaidon Verlag
addressEssen
isbn3-88851-198-4
titleGeschichte der Völkerwanderung
created20051128
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I. Die Ursachen der Völkerwanderung

Man mag sagen: die sogenannte Völkerwanderung ist nur der letzte Wellenschlag einer Jahrhunderte dauernden Bewegung: nicht so fast Anfang einer neuen, als vielmehr Abschluß einer uralten Entwickelung: nicht in Europa, in Asien hat sie begonnen; die große Einwanderung der Germanen aus Zentralasien über den Kaukasus, die Donau und die russischen Ströme aufwärts, war vorübergehend auf wenige Generationen zum Stehen gekommen, nachdem sie im Westen am Rhein, im Süden an der Donau an den ehernen Schild des großen römischen Kulturreiches gestoßen war: hier wurden die wilden Wasser gestaut, so lange der Damm vorhielt: als aber dieser Damm, mehr von innen heraus angefault als von außen durchbrochen, an Widerstandskraft sank, und als gleichzeitig aus einer ganz bestimmten, später zu erörternden Ursache der Andrang der mehr geschobenen als schiebenden Barbarenstämme bedeutend zunahm: – da ergossen sich denn tumultuarisch die brausenden Wogen über die Schutzwehren in das Innere des römischen Reiches, und nicht weniger als drei Jahrhunderte währte es, bis einzelne der Eingedrungenen, von dem Boden der römischen Kultur spurlos aufgesogen, verschwanden, andere sich in wechselnder Richtung verteilten und endlich, in mannigfacher Mischung mit den vorgefundenen Elementen, beruhigt und gerettet niederließen.

Die vergleichende Sprachgeschichte lehrt uns, daß in Zentral- und Nord-Asien in unvordenklicher, nicht näher bestimmbarer Zeit die Angehörigen der großen arischen Völkergruppe: Perser und Inder, Graeco-Italer, Kelten, Germanen, Litauer und Slaven noch unausgeschieden beisammen wohnten. Wie die Sprache war auch der Götterglaube: – ein Lichtkultus –, waren die Grundzüge von Moral und Recht, war die Kulturstufe überhaupt, zumal die Grundlage der Wirtschaft, gemeinsam.

Mögen im Einzelnen, zumal je nach der örtlichen Beschaffenheit, nach Art des Bodens, welchen die Völker bewohnten, Verschiedenheiten nicht gefehlt haben – im Wesentlichen stimmten sie darin überein, daß sie zwar die Anfänge eines oberflächlichen, nur kunstlos betriebenen Ackerbaues kannten, überwiegend aber von Viehzucht und Jagd lebten und umherschweifend, nach Erschöpfung oder doch Abschöpfung der Jagd- und Weidegründe, die Wohnsitze wechselten.

Sonder Schmerz, sonder Opfer, sonder Heimweh verließ man die bisherigen Siedlungen, in deren Ackerboden man wenig Arbeit gesteckt hatte, packte Weiber, Kinder und den geringen Hausrat, ja wohl selbst die leichten Holzhäuser und die Zelte aus gegerbten Fellen auf die breiten, von Rindern gezogenen Wagen und suchte neue Sitze in der Richtung, welche Vogelflug oder Himmelszeichen rieten oder auch die Notwendigkeit des Ausweichens vor nachdrängenden stärkeren Nachbarn.

In dieser Weise waren wohl Jahrhunderte hindurch auch die Germanen von Flußgebiet zu Flußgebiet, von Weideland zu Weideland gezogen, ohne bestimmtes Wanderziel, ohne festgehaltene Richtung: nur im Ganzen allmählich immer weiter nach Westen gedrängt, weil die Rückwanderung nach Osten schon durch die Massen der ihnen nachfolgenden anderen germanischen Stämme (der Goten), anderer arischer Völker (der Slaven), anderer außer-arischer Horden (der mongolischen Hunnen) versperrt war. Als sie nun in solcher Weise und auf solchen Wegen allmählich in Europa angelangt waren, setzten sie zunächst die alte Lebensweise, die alten Wandersitten fort: nur wenig Unterschied wurde anfangs durch das Vorfinden anderer älterer Kultur bewirkt: tiefer stehender finnischer, vielleicht noch auf Pfahlbauten siedelnder Fischer und Jäger, höher stehender, bereits in volkreichen Städten Gewerk, Handel mit eigenen Fabrikaten treibender Kelten; was nicht durch Wanderung nach Norden und Westen den von Südosten anziehenden Germanen auswich, ward keineswegs ausgerottet, sondern in gelinden oder strengen Formen der Kriegsgefangenschaft, der Halbfreiheit oder vollen Unfreiheit unterworfen: daß die Sprache der Kelten auch nach der germanischen Überflutung noch dauerte, daß Berge, Flüsse, Städte, Dörfer mit dem vorhergehenden Namen auch später benannt wurden – klingen bis heute ja Rhein, Donau, Main, Lech, Isar, Inn, Karwendel usw. in keltischem Laut –, erklärt sich doch nur unter der Voraussetzung, daß die germanischen Einwanderer sie noch lange von den keltischen Siedlern benennen hörten.

Mochte nun aber das okkupierte Land früher schon bebaut und bewohnt oder mochte es bisher Urwald gewesen sein – in beiden Fällen verfuhren die Germanen nach dem gleichen, durch die Wirtschaftsweise vorgezeichneten System: sie teilten das gesamte besetzte Land in drei Gruppen: Grenzwald, Allmende und Sondereigen: nach Erschöpfung des Sondereigens durch die nachwachsende Bevölkerung griff man zu Allmende und Grenzwald, um Bauerhöfe mit Sondereigen daraus zu schaffen: da nun aber Allmende und Grenzwald die trennenden Außenteile des okkupierten Gesamtlandes gebildet hatten, so mußte deren Verwandlung in Ackerland mit Sondereigen die Wirkung haben, die bisher durch Wald, Sumpf und Wüstenei getrennten Völker zu unmittelbaren Nachbarn machen: in Freundschaft und Feindschaft mußten nun alle Beziehungen weit stärker wirken, Anziehung, Überwältigung, Zusammenschließung viel rascher und leichter und häufiger erfolgen, jede Kraft und Bewegung in einer Völkerschaft mußte stärker auf die Zustände der Nachbarn wirken, in Krieg oder Bündnis, als ehedem.

Nun vollzog sich gerade in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus (genauer: beginnend zwischen Cäsar, 50 Jahre vor, und Tacitus, 100 Jahre nach Christus), also unmittelbar vor dem Anfang der sogenannten Völkerwanderung, der allmähliche Übergang der Germanen von überwiegendem Nomadentum mit Jagd und Viehzucht zu überwiegendem seßhaften Ackerbau.

Es ist aber eine überall beobachtete Erscheinung, daß dieser Übergang eine ganz gewaltige und rasche Vermehrung der Bevölkerung zur Folge hat: die gesteigerte Kultur im Allgemeinen und die Mehrproduktion, sowie die mehr gesicherte und regelmäßige Beschaffung der Nahrungsmittel, die in diesem Übergange liegen, bewirken mit der Notwendigkeit eines »Naturgesetzes« diese raschere und stärkere Vermehrung.

Natürlich mußte die Ursache geraume Zeit, mehrere Menschenalter hindurch, haben walten können, auf daß die Wirkung überall und deutlich erkennbar eintreten konnte.

Diese Zeitbestimmung trifft nun genau zusammen mit dem Anfang der Bewegungen, welche wir Völkerwanderung nennen.

Die Übervölkerung konnte auf jener Kulturstufe unmöglich durch die Mittel höherer Zivilisation, z. B. intensiveren rationelleren Ackerbau, abgewendet werden: ihre notwendige Folge war Hungersnot: das einzige Mittel, das denkbar einfachste: – Auswanderung, sei es des ganzen Volkes, sei es des Überschusses, aus den ungenügenden zu eng gewordenen Sitzen, deren längst in Sondereigen verwandelte Allmenden und Grenzwälder nicht mehr ausreichten, in reichere, weitere fruchtbarere Länder.

Und so nahmen denn die Germanen nach einer Unterbrechung von etwa drei Jahrhunderten jene Wanderzüge wieder auf, welche sie ehedem allmählich aus Asien nach Europa geführt hatten.

Freilich war jetzt die Richtung der Wanderung nicht mehr so frei wählbar: der Druck der von Osten her nachdrängenden germanischen slavischen, mongolischen Massen und der eherne Wall, welchen die Legionen im Südwesten um das römische Imperium zogen, waren zwei gewaltige, treibende und hemmende Kräfte; endlich erlahmte von innen heraus die Widerstandskraft des Cäsarenstaates und der Völkerstrom ergoß sich nun brausend nach Südwesten über den »Pfahlgraben« in die römischen Provinzen.

So war also die letzte Ursache der Völkerwanderung die durch ackerbauende Seßhaftigkeit herbeigeführte Übervölkerung in Germanien und zu deren Vermeidung die Wiederaufnahme uralter Gewöhnung.Geschichte und Sage stimmen darin zusammen: manchmal haben Mißwachs, Krankheiten, schwere Winter dazu beigetragen, den Prozeß zu beschleunigen, die Notwendigkeit der Wanderung plötzlicher verhängend. Neben dieser großen und tiefliegenden Ursache sind dann zuweilen auch kleinere einzelne Motive zur Wanderung hinzugetreten, welche aber nur unter Voraussetzung jener allgemeinen Ursache sich als stark genug erweisen konnten.

Zu dieser neuen Grundauffassung von Ursachen und Wesen der Völkerwanderung bin ich durch eine Fülle ineinander greifender, sich gegenseitig bestätigender Wahrnehmungen geführt worden. Nur eine Erwägung unter den mannigfaltigen, welche sämtlich zu dem gleichen Ergebnis drängten, soll hier hervorgehoben werden.

Fast sieben Jahrhunderte liegen zwischen der ersten germanischen Wanderung, der kimbrischen, und der letzten, der langobardischen: Mit kurzen Pausen sind diese Jahrhunderte ausgefüllt durch ununterbrochenes Anfluten der Germanen in der Richtung von Osten nach Westen, von Norden nach Süden gegen die furchtbar überlegene römische Waffen- und Kultur-Macht.

Geradezu grauenhaft sind die Menschenverluste, welche die nackten, schlechtbewaffneten Barbaren alle diese Jahrhunderte hindurch immer und immer wieder erlitten an Erschlagenen und in Sklaverei oder in die Arena geschleppten Gefangenen, der nur als Kolonisten verpflanzten zu geschweigen.

Man muß sich doch nur die Frage vorlegen, welcher Grund kann es gewesen sein, welcher, in der Tat wie eine Elementargewalt, wie eine Naturkraft diese Menschen – und zwar nicht nur die Männer, die Krieger: auch Weiber, Kinder, Greise, mit Knechten und Mägden, Herden und Habe auf Wagen und Karren – d. h. wirklich wandernde Völker, nicht raubfahrende Krieger, immer und immer wieder von neuem gegen die römischen Grenzen und die mörderischen Waffen der Legionen trieb, in den mit Sicherheit vorauszusagenden Untergang?

Es genügt durchaus nicht zur Erklärung dieser Erscheinung, auf die Freude der Germanen an Kampf, Krieg, Abenteuer, Raub und Beute zu verweisen, etwa unter Berufung auf die Freuden Walhalls, welche dem den Bluttod gestorbenen Helden winkten.

Niemand wird germanisches Heldentum höher anschlagen als ich: aber dieser Zug des Nationalcharakters reicht doch nur aus, kühne Wagefahrten der Männer, nicht konstanten Andrang ganzer Völker zu erklären.

Durchaus nicht bestreite ich, daß zahlreiche Streifzüge, Raubfahrten, Einfälle, andere Erscheinungen des fast niemals ruhenden Grenzkrieges auf jene Lust an Kampf und Beutefahrt zurückzuführen sind: diese kleinen Unternehmungen gingen recht eigentlich, obzwar natürlich nicht allein, von den Gefolgschaften aus.

Aber diese kleinen Unternehmungen, nur auf Raub und baldige Heimkehr gerichtet, sind eben nicht die großen Bewegungen, deren Gesamtheit wir »Völkerwanderung« nennen.

Nicht Mutwille, Abenteuerlust, hat ganze Völker oder doch Völkerteile in Hunderttausenden von Köpfen bewogen, die Heimat zu verlassen in oft zielloser, selten zielsicherer Wanderung, die zugleich ein Krieg war und die Existenz der ganzen wandernden Masse aufs Spiel setzte.

Nur zwingende Not kann jahrhundertelang die treibende Kraft gewesen sein: und zwar eine konstant wirkende Not.

Dadurch sind vereinzelte Elementarereignisse – Deichbruch, Überschwemmung, auch Seuchen und Mißwachs –, die ja hie und da, nach Sage und Geschichte, gewirkt haben, als regelmäßige Ursache ausgeschlossen.

Der Druck anderer Völker von Osten her – der Ost- auf die West-Germanen, der Slaven auf die Ost-Germanen, der Hunnen zuletzt auf Slaven und Germanen soll keineswegs unbeachtet sein bei der Aufstellung der zu Grunde liegenden Ursachen: Insbesondere mittelbar hat dieser Druck mitgewirkt, sofern er dem Ausbreitungstriebe die Richtung nach Nordosten versperrte.

Aber dieser äußere Druck hat nicht den Ausbreitungstrieb erzeugt: er hat ihn nur verstärkt und nach Süden und Westen gedrängt.

Die innere, jahrhundertelang stetig wirkende, manchmal gesteigerte, manchmal wieder schwächer treibende Ursache ist vielmehr in derselben Tatsache zu suchen, welche auch in anderen Erscheinungen zu Tage tritt: nämlich die erstaunliche, trotz der kolossalsten Menschenverluste unerschöpflich immer stärker anschwellende Volksmenge der Germanen.

In den späteren Jahrhunderten treten zu den Verlusten an Angriffskraft durch Tötung und Gefangenschaft die wahrlich nicht schwächer wirkenden Verminderungen der unabhängigen Germanen durch die außerordentlich zahlreichen Ansiedlungen derselben als Grenzer oder auch im Innern des Reiches als Foederati, Kolonisten unter mannigfaltigen Rechtsformen, und die ganz unglaublich starken Massen, welche in allen drei Erdteilen dem römischem Staat als Beamte im Zivildienst, als Offiziere, als freiwillige Söldner, als vertragsgemäß gestellte Hilfstruppen dienten: es ist bekannt, welch gefährlich hohen Prozentsatz Goten, Franken und andere Germanen im römischen Beamten- und Soldatenheer ausmachten.

Und trotz all dieser unschätzbaren Abzüge quellen immer neue Krieger aus den Wäldern Germaniens!

Mit Grauen haben scharfblickende Römer diese unerschöpfliche Naturgewalt betrachtet: sie mochten ahnen, daß hierin, in dieser elementar wirkenden Kraft die letzte Entscheidung des jahrhundertelangen Ringens zwischen Rom und den Germanen lag: in Rom wird seit Augustus durch künstliche Staatseinwirkung Vermehrung der Ehen und der Kinder angestrebt – ohne Erfolg im Großen; bei den Germanen erzeugt mit dem Übergang zu seßhaftem Ackerbau das keusche und gesunde Naturvolk so viele Menschen, daß die alten Sitze nicht ausreichen, daß die stärkste Gewalt, der Selbsterhaltungstrieb, gegenüber Hunger und Not jahrhundertelang ungezählte Wanderer zur gewaltsamen Ausbreitung zwingt; dieser »höheren Gewalt« – nicht in mystischem, sondern in höchst realistischem Sinn – ist zuletzt das von Innen heraus bereits germanisierte Westreich Roms erlegen.

Sehr nahe liegt der Einwand: eine viel größere Menge Menschen als die Germanen des dritten bis fünften Jahrhunderts findet heute in dem damaligen Germanengebiet ausreichende Nahrung; wie kann man da von Übervölkerung sprechen?

Hierauf ist zu erwidern: Die Germanen jener Jahrhunderte hatten für eine so rationelle Volkswirtschaft in Urproduktion – vor allem Ackerbau –, in Handwerk, Fabrikation und Handel, wie sie heute in dem fraglichen Ländergebiet blühen – weder Fähigkeit, noch Willen, noch objektive Möglichkeit.

Es kann sich dabei im Wesentlichen nur um den Ackerbau handeln.

Ein Ackerbau, der an Intensität und Zweckdiensamkeit des Betriebs mit dem modernen, ja auch nur mit dem mittelalterlichen irgend verglichen werden konnte, war den Germanen unbekannt und unmöglich.

Die immer noch sehr starke Bedeutung der Viehzucht für den Lebensunterhalt erheischte für jeden Gau höchst ausgedehnte Wohn-, d. h. Weideplätze im Verhältnis zur Kopfzahl: die Art der Ansiedlung, die der Gemeinde- und Staats-Verfassung zu Grunde lag, vertrug das Zusammendrängen auf enge Räume durchaus nicht. Diese höchst ausgedehnten Gebiete waren zum großen Teil Grenzwald, Allmende, Weide, Wiese – nur zu sehr geringem Teil Ackerland.

Die Zunahme der Bevölkerung bewirkte nun allerdings allmählich Rodung des Urwalds, Trockenlegung der Sümpfe, Verwandlung der Weide in Pflugland.

Aber ganz unmöglich konnte bei dem damaligen Stand der Technik diese höchst langsame volkswirtschaftliche Arbeit gleichen Schritt halten mit der gewaltig rasch anwachsenden Bevölkerung – vielmehr hat diese Arbeit des Rodens und Pflugbar-Schaffens vom Schluß der Völkerwanderung ab fast noch ein ganzes Jahrtausend hindurch die Bevölkerung des alten »Germaniens« beschäftigt –, also blieb nur gewaltsame Ausbreitung übrig, freudige Eroberung des längst von Kelten und Römern dem Pfluge gewonnenen ohnehin so viel lockenderen reichen Landes im Süden und Westen.

Denn allerdings: an dieser Stelle, als untergeordnet mitwirkende Momente, sind zwei Faktoren nicht zu übergehen, in welchen man früher allein die Ursachen der Völkerwanderung fand: die Freude des Germanen am Krieg und Kriegsraub einerseits und der Reiz der Natur- und Kulturschätze der römischen Provinzen im Süden und Westen Europas andrerseits.

Ohne Zweifel hätte ein minder kriegerisches Volk, nachdem die alten Sitze dem gesteigerten Bedürfnis nicht mehr genügten, vor die Wahl gestellt zwischen mühseligerer Rodungs- und Pflugarbeit oder dem ungleichen Angriff auf die legionen-gehüteten Grenzlande Roms den Pflug gewählt statt des Schwertes. Und ohne Zweifel lockte der mildere Himmel, der fruchtbarere Boden Galliens, Italiens, Pannoniens, Rätiens, Noricums, Illyriens, Dalmatiens mit der Fülle zu erbeutender wertvoller Habe um so stärker, als die Ausbreitung gegen den rauheren Osten und Norden und gegen Ostgermanen, Nordgermanen, Slaven, Hunnen viel weniger anziehend erscheinen mußte – und fast noch weniger erzwingbar als die Durchbrechung des römischen Limes.

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